Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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ZWEIUNDDREISSIGSTES KAPITEL
Geldkapital und wirkliches Kapital - III
(Schluß)
Die Masse des so in Kapital rückzuverwandelnden Geldes ist Resul-
tat des massenhaften Reproduktionsprozesses, aber für sich be-
trachtet, als leihbares Geldkapital, ist sie nicht selbst Masse
von reproduktivem Kapital.
Das Wichtigste von dem bisher Entwickelten ist, daß die Ausdeh-
nung des Teils der Revenue, der zur Konsumtion bestimmt ist
(wobei vom Arbeiter abgesehn wird, weil seine Revenue = dem vari-
ablen Kapital), Zunächst als Akkumulation von Geldkapital sich
darstellt. Es geht also ein Moment in die Akkumulation des Geld-
kapitals ein, das wesentlich verschieden ist von der wirklichen
Akkumulation des industriellen Kapitals; denn der zur Konsumtion
bestimmte Teil des jährlichen Produkts wird in keiner Weise Kapi-
tal. Ein Teil davon ersetzt Kapital, d.h. das konstante Kapital
der Produzenten von Konsumtionsmitteln, aber, soweit er wirklich
sich in Kapital verwandelt, existiert er in der Naturalform der
Revenue der Produzenten dieses konstanten Kapitals. Dasselbe
Geld, das die Revenue repräsentiert, das als bloßer Vermittler
der Konsurntion dient, verwandelt sich regelmäßig für eine Zeit-
lang in leihbares Geldkapital. Soweit dies Arbeitslohn darstellt,
ist es zugleich die Geldform des variablen Kapitals; und soweit
es das konstante Kapital der Produzenten von Konsumtionsmitteln
ersetzt, ist es die Geldform, die ihr konstantes Kapital momentan
annimmt, und dient zum Ankauf der Naturalelemente ihres zu erset-
zenden konstanten Kapitals. Weder in der einen noch in der andern
Form drückt es an sich Akkumulation aus, obgleich seine Masse
wächst mit dem Umfang des Reproduktionsprozesses. Aber es ver-
richtet zeitweilig die Funktion von ausleihbarem Geld, also von
Geldkapital. Nach dieser Seite hin muß also die Akkumulation des
Geldkapitals immer eine größere Akkumulation von Kapital wider-
spiegeln, als wirklich vorhanden ist, indem die Ausdehnung der
individuellen Konsumtion, weil vermittelt durch Geld, als Akkumu-
lation
#522# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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von Geldkapital erscheint, weil sie die Geldform liefert für
wirklich, Akkumulation, für Geld, das neue Kapitalanlagen eröff-
net.
Die Akkumulation des leihbaren Geldkapitals drückt also zum Teil
nichts aus als die Tatsache, daß alles Geld, worin das industri-
elle Kapital im Prozeß seines Kreislaufs sich verwandelt, die
Form annimmt, nicht von Geld, das die Reproduktiven
v o r s c h i e ß e n, sondern von Geld, das sie borgen; so daß
in der Tat der Vorschuß des Geldes, der im Reproduktionsprozeß
geschehn muß, als Vorschuß von geliehenem Geld erscheint. In der
Tat leiht auf Grundlage des kommerziellen Kredits der eine dem
andern das Geld, das er im Reproduktionsprozeß braucht. Dies
nimmt nun aber die Form an, daß der Bankier, dem ein Teil der Re-
produktiven es leiht, es dem andern Teil der Reproduktiven leiht,
wobei dann der Bankier als der Segen spendet erscheint; und
zugleich, daß die Verfügung über dies Kapital ganz in die Hände
der Bankiers als Mittelspersonen gerät. Es sind nun noch einige
besondre Formen der Akkumulation von Geldkapital anzufahren. Es
wird Kapital freigesetzt, z.B. durch Fall im Preis der Produkti-
onselemente, Rohstoffe etc. Kann der Industrielle nicht unmittel-
bar seinen Reproduktionsprozeß ausdehnen, so wird ein Teil seines
Geldkapitals als überschüssig aus dem Kreislauf abgestoßen und
verwandelt sich in leihbares Geldkapital. Zweitens aber wird Ka-
pital in Geldform frei. gesetzt, namentlich beim Kaufmann, sobald
Unterbrechungen im Geschäft eintreten. Hat der Kaufmann eine
Reihe von Geschäften erledigt und kann infolge solcher Unterbre-
chungen die neue Reihe erst später beginnen, so repräsentiert das
realisierte Geld für ihn nur Schatz, überschüssiges Kapital. Aber
zugleich stellt es unmittelbar Akkumulation von leihbarem Geldka-
pital dar. Im ersten Fall drückt die Akkumulation des Geldkapi-
tals Wiederholung des Reproduktionsprozesses unter günstigern Be-
dingungen aus, wirkliches Freiwerden eines Teils des früher ge-
bundnen Kapitals, also Befähigung zur Erweiterung des Reprodukti-
onsprozesses mit denselben Geldmitteln. Im andern Fall dagegen
bloße Unterbrechung des Flusses der Transaktionen. Aber in beiden
Fällen verwandelt es sich in leihbares Geldkapital, stellt Akku-
mulation desselben dar, wirkt gleichmäßig auf Geldmarkt und Zins-
fuß, obgleich es hier Beförderung, dort Hemmung des wirklichen
Akkumulationsprozesses ausdrückt. Endlich wird Akkumulation von
Geldkapital bewirkt durch die Anzahl von Leuten, die ihr Schäf-
chen ins trockne gebracht und die sich von der Reproduktion zu-
rückziehn. Je mehr Profite im Lauf des industriellen Zyklus ge-
macht worden, desto größer ihre Anzahl. Hier dirückt die Akkumu-
lation des leihbaren Geldkapitals einerseits wirkliche Akkumula-
tion aus (ihrem relativen Umfang nach); andrerseits bloß den
#523# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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Umfang der Verwandlung industrieller Kapitalisten in bloße Geld-
kapitalisten.
Was nun den andern Teil des Profits angeht, der nicht bestimmt
ist, als Revenue konsumiert zu werden, so verwandelt er sich nur
in Geldkapital, wenn nicht unmittelbar anwendbar zur Erweiterung
des Geschäfts in der Produktionssphäre, worin er gemacht ist.
Dies kann aus zwei Gründen herrühren. Entweder weil diese Sphäre
mit Kapital gesättigt ist. Oder weil die Akkumulation, um als Ka-
pital fungieren zu können, erst einen gewissen Umfang erreicht
haben muß, je nach den Maßverhältnissen der Anlage von "euern Ka-
pital in diesem bestimmten Geschäft. Sie verwandelt sich also un-
ächst in leihbares Geldkapital und dient zur Erweiterung der Pro-
duk, Ion in andren Sphären. Alle andren Umstände als gleichblei-
bend angenommen, wird die Masse des zur Rückverwandlung in Kapi-
tal bestimmten Profits abhängen von der Masse des gemachten Pro-
fits und daher von der Ausdehnung des Reproduktionsprozesses
selbst. Stößt aber diese neue Akkumulation in ihrer Anwendung auf
Schwierigkeiten, auf Mangel an Anlagesphären, findet also Über-
füllung der Produktionszweige und Überangebot von Leihkapital
statt, so beweist diese Plethora des leihbaren Geldkapitals
nichts als die Schranken der kapitalistischen Produktion. Der
nachfolgende Kreditschwindel beweist, daß kein positives Hinder-
nis der An wendung dieses überflüssigen Kapitals besteht. Wohl
aber ein Hindernis vermöge seiner Verwertungsgesetze, vermöge der
Schranken, worin sich das Kapital als Kapital verwerten kann.
Plethora von Geldkapital als solchem drückt nicht notwendig Über-
produktion aus, noch auch nur Mangel an Verwendungssphären für
Kapital.
Die Akkumulation des Leihkapitals besteht einfach darin, daß Geld
sich als verleihbares Geld niederschlägt. Dieser Prozeß ist sehr
verschieden von der wirklichen Verwandlung in Kapital; es ist nur
die Akkumulation von Geld in einer Form, worin es in Kapital ver-
wandelt werden kann. Diese Akkumulation kann aber, wie nachgewie-
sen, Momente ausdrücken, die von der wirklichen Akkumulation sehr
verschieden sind. Bei beständiger Erweiterung der wirklichen Ak-
kumulation kann diese erweiterte Akkumulation von Geldkapital
teils ihr Resultat sein, teils das Resultat von Momenten, die sie
begleiten, aber ganz von ihr verschieden sind, teils endlich auch
das Resultat sogar von Stockungen der wirklichen Akkumulation.
Schon weil die Akkumulation von Leihkapital angeschwellt wird
durch solche, von der wirklichen Akkumulation unabhängige, aber
dennoch sie begleitende Mornente, muß in bestimmten Phasen des
Zyklus beständig Plethora von Geldkapital stattfinden und diese
Plethora mit der Ausbildung des Kredits sich
#524# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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entwickeln. Mit ihr muß sich also zugleich die Notwendigkeit ent-
wickeln, den Produktionsprozeß über seine kapitalistischen
Schranken hinauszutreiben: Überhandel, Überproduktion, Überkre-
dit. Gleichzeitig muß dies stets in Formen geschehn, die einen
Rückschlag hervorrufen.
Was die Akkumulation des Geldkapitals aus Grundrente, Arbeitslohn
etc. angeht, so es ist überflüssig, hier darauf einzugehn. Nur
dies Moment ist hervorzuheben, daß das Geschäft des wirklichen
Sparens und Entsagens (durch Schatzbildner), soweit es Elemente
der Akkumulation liefert, durch die Teilung der Arbeit im Fort-
schritt der kapitalistischen Produktion denen überlassen wird,
die das Minimum solcher Elemente beziehn und oft genug noch ihr
Erspartes verlieren, wie die Arbeiter bei Falliten von Banken.
Einerseits wird das Kapital des industriellen Kapitalisten nicht
von ihm selbst erspart, sondern im Verhältnis zur Größe seines
Kapitals verfilmt er über fremde Ersparungen; andrerseits macht
der Geldkapitalist die fremd den Ersparungen zu seinem Kapital
und den Kredit, den sich die reproduktiven Kapitalisten unterein-
ander geben und den ihnen das Publikurn gibt, zu seiner privaten
BereicherungsqueIle. Die letzte Illusion des kapitalistischen Sy-
stems, als ob Kapital der Sprößling eigner Arbeit und Ersparung
wäre, geht damit in die Brüche. Nicht nur besteht der Profit in
Aneignung fremder Arbeit, sondern das Kapital, womit diese fremde
Arbeit in Bewegung gesetzt und ausgebeutet wird, besteht aus
fremdem Eigentum, das der Geldkapitalist dem industriellen Kapi-
talisten zun Verfügung stellt und wofür er diesen seinerseits ex-
ploitiert.
Es ist noch einiges über das Kreditkapital zu bemerken.
Wie oft dasselbe Geldstück als Leihkapital figurieren kann,
hängt, wie schon oben entwickelt, ganz davon ab
1. wie oft es Warenwerte in Verkauf oder in Zahlung realisiert,
also Kapital überträgt, und ferner davon, wie oft es Revenue re-
alisiert. Wie oft es in andre Hand kommt als realisierter Wert,
sei es von Kapital oder Revenue, hängt daher offenbar ab von Um-
fang und Masse der wirklichen Umsätze;
2. hängt dies ab von der Ökonomie der Zahlungen und von der Ent-
wicklung und Organisation des Kreditwesens;
3. endlich von der Verkettung und Aktionsgeschwindigkeit der Kre-
dite, so daß, wenn es an einem Punkt als Depositum niederfällt,
es auf dem andern sofort wieder als Anleihe hinausgeht.
Selbst gesetzt, die Form, worin das Leihkapital existiert, sei
bloß die des wirklichen Geldes, Goldes oder Silbers, der Ware,
deren Stoff als Maß der Werte dient, so ist notwendig stets ein
großer Teil dieses Geldkapitals bloß
#525# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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fiktiv, d.h. Titel auf Wert, ganz wie die Wertzeichen. Soweit
Geld fungiert im Kreislauf des Kapitals, bildet es zwar für einen
Moment Geldkapital; aber es verwandelt sich nicht in leihbares
Geldkapital, sondern wird entweder ausgetauscht gegen die Ele-
mente des produktiven Kapitals, oder bei Realisierung der Revenue
als Umlaufsmittel weggezahlt und kann sich also nicht für seinen
Besitzer in Leihkapital verwandeln. Soweit es sich aber in Leih-
kapital verwandelt und dasselbe Geld wiederholt Leihkapital vor-
stellt, ist klar, daß es nur an e i n e m Punkt als metalli-
sches Geld existiert; an allen andern Punkten existiert es nur in
der Form von Anspruch auf Kapital. Die Akkumulation dieser An-
sprüche, nach der Voraussetzung, entsp aus der wirklichen Akkumu-
lation, d.h. aus der Verwandlung des Werts des Warenkapitals etc.
in Geld; aber dennoch ist die Akkumulation dieser Ansprüche oder
Titel als solche verschieden, sowohl von der wirklichen Akkumula-
tion, der sie entspringt, wie von der zukünftigen Akkumulation
(dem neuen Produktionsprozeß), welche durch das Ausleihen des
Geldes vermittelt wird.
Prima facie existiert das Leihkapital immer in der Form des
Geldes 9), später als Anspruch auf Geld, indem das Geld, worin es
ursprünglich
9) B.A. 1857, Aussagen von Twells, Bankier: 4516. "Als Bankier
machen Sie Geschäfte in Kapital oder in Geld? - Wir handeln in
Geld." - 4517. "Wie werden die Depositen in Ihrer Bank einge-
zahlt? - In Geld." - 4518. "Wie werden sie ausgezahlt? In Geld."
- [4519.] "Kann man also sagen, daß sie etwas andres sind als
Geld? - Nein."
Overstone (siehe Kap. XXVI) verwirrt sich fortwährend zwischen
"capital" und "money". "Value of money" 1*) heißt bei ihm auch
Zins, aber soweit er bestimmt ist durch die Masse des Geldes;
"value of capital" 2*) soll der Zins sein, soweit er bestimmt
wird durch die Nachfrage nach produktivem Kapital und durch den
Profit, den es abwirft. Er : 4140. "Der Gebrauch des Wortes Kapi-
tal ist sehr gefährlich." - 4148. "Die Goldausfuhr aus England
ist eine Verminderung der Geldmenge im Lande, und diese muß na-
türlich vermehrte Nachfrage im Geldmarkt überhaupt verursachen"
(hier, nach also nicht im Kapitalmarkt). - 4112. "Im Maß, wie das
Geld aus dem nde geht, wird die Menge im Lande vermindert. Diese
Verminderung der im Lande bleibenden Menge erzeugt einen gestei-
gerten Wert dieses Geldes." (Dies bedeutet ursprünglich in seiner
Theorie eine durch die Kontraktion der Zirkulation verursachte
Wertsteigerung des Geldes als Geld, im Vergleich zu den Warenwer-
ten; wo also diese Steigerung im Wert des Geldes = Fall im Wert
der Waren. Da aber in der Zwischenzeit selbst für ihn unwider-
sprechlich nachgewiesen, daß die Masse des zirkulierenden Geldes
nicht die Preise bestimmt, so ist es jetzt die Verminderung des
Geldes als Umlaufsmittel, die seinen Wert als zusagendes Kapital
und damit den Zinsfuß steigern soll.) "Und dieser
1*) "Wert des Geldes" - 2*) "Wert des Kapitals"
#526# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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existiert, nun in der Hand des Borgers in wirklicher Geldform
vorhanden ist. Für den Verleiher hat es sich in Anspruch auf
Geld, in einen Eigentumstitel verwandelt. Dieselbe Masse wirkli-
ches Geld kann daher sehr verschiedene Massen von Geldkapital
vorstellen. Bloßes Geld, ob es realisiertes Kapital oder reali-
sierte Revenue vorstellt, wird Leihkapital durch den bloßen Akt
des Ausleihens, durch seine Verwandlung in Depositum, wenn wir
die allgemeine Form bei entwickeltem Kreditsystem betrachten. Das
Depositum ist Geldkapital für den Depositor. Es mag aber in der
Hand des Bankiers nur potentielles Geldkapital sein, das in sei-
ner Kasse brachliegt statt in der seines Eigentümers. 10)
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gesteigerte Wert des noch übrigen Geldes tut dem Abfluß Einhalt
und dauert fort, bis er so viel Geld zurückgebracht hat, als nö-
tig ist, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Fortsetzung
der Widersprüche des Overstone weiter unten.
10) Hier tritt nun die Konfusion ein, daß dies beides "Geld" ist,
das Depositum als Anspruch auf Zahlung von seiten des Bankiers
und das deponierte Geld in der Hand des Bankiers. Bankier Twells,
vor dem Bankausschuß von 1857, nimmt folgendes Beispiel: Ich
fange mein Geschäft an mit 10000 Pfd.St. Mit 5000 Pfd.St. kaufe
ich Waren und nehme sie auf mein Lager. Die andern 5000 Pfd.St.
deponiere ich bei einem Bankier, um dagegen nach Bedarf zu ziehn.
Aber ich betrachte das Ganze immer noch als mein Kapital, ob-
gleich 5000 Pfd.St. davon sich in der Form von Depositum oder
Geld befinden. (4528.) Hieraus entspannt sich nun folgende artige
Debatte: 4531. "Sie haben also Ihre 5000 Pfd.St. in Banknoten je-
mand anders gegeben? - Jawohl." - 4532. "Dann hat dieser 5000
Pfd.St. Depositen? - Jawohl." - 4533. "Und Sie haben 5000 Pfd.St.
Depositen? - Ganz richtig." - 4534. "Er hat 5000 Pfd.St. in Geld,
und Sie haben 5000 Pfd.St. in Geld? - Jawohl." - 4535. Aber es
ist schließlich nichts als Geld? Nein." - Die Konfusion rührt
z.T. daher: A, der die 5000 Pfd.St. deponiert hat, kann dagegen
ziehn, verfügt über sie, so gut als wenn er sie noch hätte. Sie
fungieren soweit für ihn als potentielles Geld. In allen Fällen,
wo er dagegen zieht, vernichtet er aber sein Depositum pro tanto.
Zieht er wirkliches Geld heraus und ist sein Geld schon weiter
verliehen, so wird er nicht mit seinem eignen Geld bezahlt, son-
dern mit von einem andern deponierten Geld. Zahlt er eine Schuld
an B mit einem Scheck auf seinen Bankier und deponiert B diesen
Scheck bei seinem Bankier und hat der Bankier von A ebenfalls
einen Scheck auf den Bankier von B, so daß die beiden Bankiers
nur die Schecks austauschen, so hat das von A deponierte Geld
zweimal Geldfunktion verrichtet; erstens in der Hand dessen, der
das von A deponierte Geld erhalten hat; zweitens in der Hand von
A selbst. In der zweiten Funktion ist es Ausgleichung von Schuld-
forderung (die Schuldforderung des A auf seinen Bankier und die
Schuldforderung des letztem auf den Bankier von B) ohne Dazwi-
schenkunft von Geld. Hier wirkt das Depositum zweimal als Geld,
nämlich als wirkliches Geld und sodann als Anspruch auf Geld.
Bloße Ansprüche auf Geld können Geldstelle vertreten nur durch
Ausgleichung von Schuldforderungen.
#527# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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Mit dem Wachstum des stofflichen Reichtums wächst die Klasse der
Geldkapitalisten; es vermehrt sich einerseits die Zahl und der
Reichtum der sich zurückziehenden Kapitalisten, der Rentiers; und
zweitens wird die Entwicklung des Kreditsystems gefördert und da-
mit die Zahl der Bankiers, Geldverleiher, Finanziers etc. ver-
mehrt. - Mit der Entwicklung des disponiblen Geldkapitals entwic-
kelt sich die Masse der zinstragenden Papiere, Staatspapiere, Ak-
tien etc., wie früher entwickelt. Aber damit zugleich die Nach-
frage nach disponiblem Geldkapitall indem die Jobbers, die in
diesen Papieren Spekulationsgeschäfte machen, eine Hauptrolle im
Geldmarkt spielen. Wären alle Käufe und Verkäufe dieser Papiere
nur der Ausdruck wirklicher Kapitalanlage, so wäre es richtig zu
sagen, daß sie nicht auf die Nachfrage nach Leihkapital wirken
können, indem, wenn A sein Papier verkauft, er gerade so viel
Geld herauszieht, wie B in das-Papier steckt. In des selbst dann,
da das Papier zwar existiert, aber nicht das Kapital (wenigstens
nicht als Geldkapital), das es ursprünglich vorstellt, erzeugt es
immer pro tanto neue Nachfrage für solches Geldkapital. Aber je-
denfalls ist es dann Geldkapital, worüber früher B, jetzt A dis-
poniert.
B.A. 1857. Nr. 4886. Ist es nach Ihrer Ansicht eine richtige An-
gabe der Ursachen, die die Diskontorate bestimmen, wenn ich sage,
daß sie geregelt wird durch die Menge des im Markt befindlichen
Kapitals, das verwendbar ist für den Diskonto von Handelswech-
seln, im Unterschied von andern Arten von Wertpapieren?" -
(Chapman:) "Nein; ich halte dafür, daß der Zinsfuß affiziert wird
durch alle leichtkonvertiblen Wertpapiere (all convertible secu-
rities of a current character); es würde unrecht sein, die Frage
einfach auf den Wechseldiskonto zu beschränken; denn wenn große
Nachfrage für Geld besteht auf" {Depot von} "Konsols, oder selbst
Schatzscheine, wie das neuerdings stark der Fall war, und zu ei-
nem viel höhern als dem kommerziellen Zinsfuß, so wäre es absurd,
zu sagen, daß unsre Handelswelt nicht davon berührt wurde; sie
wird sehr wesentlich davon berührt." - 4890. Wenn gute und gang-
bare Wertpapiere, wie Bankiers sie als solche anerkennen, im
Markt sind und die Eigner Geld darauf aufnehmen wollen, so hat
das ganz sicher seine Wirkung auf Handelswechsel; ich kann z.B.
nicht erwarten, daß ein Mann mir sein Geld zu 5% auf Handelswech-
sel gibt, wenn er dies Geld gleichzeitig zu 6% auf Konsols usw.
ausleihen kann; es affiziert uns in der selben Weise; niemand
kann von mir verlangen, daß ich seine Wechsel zu 5 1/2 % diskon-
tiere, wenn ich mein Geld zu 6% ausleihen kann." - 4892. "Von
Leuten, die für 2000 Pfd.St. oder 5000 Pfd.St. oder 10 000
Pfd.St. Wertpapiere als feste Kapitalanlagen kaufen, sprechen wir
nicht, als ob sie wesentlich auf den Geldmarkt einwirken. Wenn
Sie mich fragen nach dem Zinsfuß auf (Depot von) Konsols, so
spreche ich von Leuten, die Geschäfte zum Betrag von Hunderttau-
senden machen, von sogenannten Jobbers, die große Beträge öffent-
licher Anleihen zeichnen oder im Markt kaufen und die dann diese
Papiere halten müssen, bis sie sie mit einem Profit loswerden
können; diese Leute müssen zu diesem Zweck Geld aufnehmen."
#528# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Mit der Entwicklung des Kreditwesens werden große konzentrierte
Geldmärkte geschaffen, wie London, die zugleich Hauptsitze des
Handels in diesen Papieren sind. Die Bankiers stellen dem Gelich-
ter dieser Händler das Geldkapital des Publikums massenhaft zur
Verfügung, und so wächst diese Brut von Spielern.
"Geld ist auf der Effektenbörse gewöhnlich wohlfeiler als ir-
gendwo anders", sagt 1848 der damalige Gouverneur der Bank v. E.
1*) vor dem geheimen Komitee der Lords. (C. D. 1848, printed
1857, Nr. 219.)
Es ist bereits bei Betrachtung des zinstragenden Kapitals darge-
stellt worden, daß der Durchschnittszins für eine längere Reihe
von Jahren, bei sonst gleichbleibenden Umständen, bestimmt wird
durch die Durchschnittsrate des Profits, nicht des Unternehmerge-
winns, der selbst nichts ist als der Profit minus dem Zins. 2*)
Daß auch für die Variationen des kommerziellen Zinses - des Zin-
ses, der für Diskontierungen und Anleihen innerhalb des Kreises
der Handelswelt von den Geldverleihern berechnet wird - im Ver-
lauf des industriellen Zyklus eine Phase eintritt, wo der Zinsfuß
sein Minimum übersteigt und die mittlere Durchschnittshöhe er-
reicht (die er dann später überschreitet), und wo diese Bewegung
Folge des Steigens des Profits ist -, auch dies ist bereits er-
wähnt und wird noch weiter untersucht werden.
Indes ist hier zweierlei zu bemerken:
Erstens: Wenn der Zinsfuß sich für längere Zeit hochhält (wir
sprechen hier vom Zinsfuß in einem gegebnen Land wie England, wo
der mittlere Zinsfuß für längere Zeit gegeben ist und sich auch
darstellt in dem füranleihen auf längere Perioden bezahlten Zins,
was man Privatzins nennen kann), so ist dies prima facie Beweis,
daß während dieser Zeit die Rate des Profits hoch ist, beweist
aber nicht notwendig, daß die Rate des Unternehmergewinns hoch
ist. Dieser letztere Unterschied fällt mehr oder weniger weg für
Kapitalisten, die vorwiegend mit eignem Kapital arbeiten; sie re-
alisieren die hohe Rate des Profits, da sie sich den Zins selbst
zahlen. Die Möglichkeit länger dauernden hohen Zinsfußes - wir
sprechen hier nicht von der Phase der eigentlichen Klemme - ist
gegeben mit hoher Rate des Profits. Es ist aber möglich, daß
diese hohe Profitrate, nach Abzug der hohen Zinsrate, nur eine
niedrige Rate des Unternehmergewinns übrigläßt. Diese letztere
mag einschrumpfen, während die hohe Profitrate fortdauert. Es ist
dies möglich, weil die einmal in Angriff genommenen Unternehmun-
gen fortgeführt werden müssen. In dieser Phase wird stark mit
bloßem
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1*) James Morris - 2*) siehe vorl. Band, S. 370 ff.
#529# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital
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Kreditkapital (fremdem Kapital) gearbeitet; und die hohe Pro-
fitrate kann stellenweise spekulativ, prospektiv sein. Hohe Zins-
rate kann gezahlt werden mit hoher Profitrate, aber abnehmendem
Unternehmergewinn. Sie kann gezahlt werden - und dies ist z.T.
der Fall in Zeiten der Spekulation - nicht aus dem Profit, son-
dern aus dem geborgten fremden Kapital selbst, und dies kann eine
Zeitlang fortdauern.
Zweitens: Der Ausdruck, daß die Nachfrage nach Geldkapital und
daher die Zinsrate wächst, weil die Profitrate hoch, ist nicht
identisch damit, daß die Nachfrage nach industriellem Kapital
wächst und daher die Zinsrate hoch ist. In Zeiten der Krise er-
reicht die Nachfrage nach Leihkapital und damit die Zinsrate ihr
Maximum; die Profitrate und mit ihr die Nachfrage nach industri-
ellem Kapital ist so gut wie verschwunden. In solchen Zeiten
borgt jeder nur, um zu zahlen, um bereits eingegangne Verpflich-
tungen abzu wickeln. Dagegen in Zeiten der Wiederbelebung nach
der Krise wird Leib. kapital verlangt, um zu kaufen und um das
Geldkapital in produktives oder kommerzielles Kapital zu verwan-
deln. Und dann wird es verlangt entweder die vom industriellen
Kapitalisten oder vom Kaufmann. Der industrieIle Kapitalist legt
es aus in Produktionsmitteln und in Arbeitskraft. Die steigende
Nachfrage nach Arbeitskraft kann an sich nie Grund sein für stei-
genden Zinsfuß, soweit er durch die Profitrate bestimmt wird. Hö-
herer Arbeitslohn ist nie Grund eines höhern Profits, obgleich
er, besondre Phasen des industriellen Zyklus betrachtet, eine
seiner Folgen sein kann. Es kann die Nachfrage nach Arbeitskraft
zunehmen, weil die Exploitation der Arbeit unter besonders gün-
stigen Umständen vor sich geht, aber die steigende Nachfrage nach
Arbeitskraft und daher nach variablem Kapital vermehrt an und für
sich nicht den Profit, sondern schmälert ihn pro tanto. Dennoch
kann aber damit die Nachfrage nach variablem Kapital zunehmen,
also auch die Nachfrage nach Geldkapital, und dies den Zinsfuß
erhöhen. Der Marktpreis der Arbeitskraft steigt dann über seinen
Durchschnitt, es wird eine mehr als die durchschnittliche Zahl
von Arbeitern beschäftigt, und gleichzeitig steigt der Zinsfuß,
weil rmt jenen Umständen die Nachfrage nach Geldkapital. Die
steigende Nachfrage nach Arbeitskraft verteuert diese Ware wie
jede andre, steigert ihren Preis, aber nicht den Profit, der
hauptsächlich auf der relativen Wohlfellheit gerade dieser Ware
beruht. Sie erhöht aber zugleich - unter den vorausgesetzten Um-
ständen - die Zinsrate, weil sie die Nachfrage nach Geldkapital
erhöht. Verwandelte sich der Geldkapitalist. statt das Geld aus-
zuleihen, in einen Industriellen, so
#530# V. Abschnitt - Das zinstreende Kapital
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würde der Umstand, daß er die Arbeit teurer zu zahlen hat, an und
für sich seinen Profit nicht erhöhen, sondern pro tanto vermin-
dern. Die Konjunktur der Umstände mag so sein, daß trotzdem sein
Profit steigt, aber nie weil er die Arbeit teurer zahlt. Der
letztre Umstand, soweit er die Nachfrage nach Geldkapital ver-
mehrt, ist aber hinreichend, um die Zinsrate zu erhöhen. Stiege
aus irgendwelchen Ursachen der Arbeitslohn, bei sonst ungünstigen
Konjunkturen, so würde das Steigen des Arbeitslohns die Pro-
fitrate senken, aber die Zinsrate steigern in dem Maß, wie es die
Nachfrage nach Geldkapital vermehrte.
Von der Arbeit abgesehn, besteht das, was Overstone die Nachfrage
nach Kapital nennt, nur in Nachfrage nach Waren. Die Nachfrage
nach Waren steigert ihren Preis, sei es, daß sie über den Durch-
schnitt steigt, oder daß die Zufuhr unter den Durchschnitt fällt.
Wenn der industrielle Kapitalist oder Kaufmann Jetzt z.B. 150
Pfd.St. für dieselbe Warenmasse zu zahlen hat, wofür er früher
100 Pfd.St. zahlte, so hätte er 150 Pfd.St. anzuleihen, wo sonst
100 Pfd.St., und hätte daher bei 5% Zins 7 1/2 Pfd.St. zu zahlen,
wo er sonst 5 Pfd.St. zahlte. Die Masse des von ihm zu zahlen.
den Zinses würde steigen, weil die Masse des geborgten Kapitals.
Der ganze Versuch des Herrn Overstone besteht darin, die Interes-
sen des Leihkapitals und des industriellen Kapitals als identisch
darzustellen, während sein Bankakt gerade darauf berechnet ist,
die Differenz dieser Interessen zum Vorteil des GeldkapitaIs aus-
zubeuten.
Es ist möglich, daß die Nachfrage nach Waren, im Fall ihre Zufuhr
unter den Durchschnitt gefallen, nicht mehr Geldkapital absor-
biert als früher. Es ist dieselbe Summe, vielleicht eine klei-
nere, zu zahlen für ihren Gesamtwert, aber für dieselbe Summe
wird ein kleineres Quantum von Gebrauchswerten erhalten. In die-
sem Falle wird die Nachfrage nach leihbarem Gldkapital dieselbe
bleiben, also der Zinsfuß nicht steigen, obgleich die Nachfrage
nach der Ware im Verhältnis zu ihrer Zufuhr und daher der Preis
der Ware gestiegen wäre. Der Zinsfuß kann nur berührt werden, so-
bald die Gesamtnachfrage nach Leihkapital wächst, und dies ist
unter obigen Voraussetzungen nicht der Fall.
Die Zufuhr eines Artikels kann aber auch unter den Durchschnitt
fallen, wie bei Mißernte in Korn, Baumwolle etc., und die Nach-
frage nach Leibkapital wachsen, weil darauf spekuliert wird, daß
die Preise noch höher steigen, und das nächste Mittel, sie stei-
gen zu machen, darin besteht, einen Teil der Zufuhr dem Markt
zeitweilig zu entziehn. Um aber die gekaufte Ware zu bezahlen,
ohne sie zu verkaufen, wird vermittelst der kommerziellen Wech-
selwirtschaft Geld verschafft. In diesem Fall wächst die
#531# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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Nachfrage nach Leihkapital, und der Zinsfuß kann steigen infolge
dieses Versuchs, die Zufuhr der Ware zum Markt künstlich zu ver-
hindern. Der höhere Zinsfuß drückt dann eine künstliche Verminde-
rung der Zufuhr des Warenkapitals aus.
Andrerseits kann die Nachfrage nach einem Artikel wachsen, weil
seine Zufuhr gewachsen ist und der Artikel unter seinem Durch-
schnittspreis steht.
In diesem Fall kann die Nachfrage nach Leihkapital dieselbe blei-
ben oder selbst fallen, weil mit derselben Geldsumme mehr Waren
zu haben sind. Es könnte aber auch spekulative Vorratbildung ein-
treten, teils zur Benutzung des günstigen Mornents für Produkti-
onszwecke, teils in Erwartung späterer Preissteigerung. In diesem
Fall könnte die Nachfrage nach Leihkapital wachsen, und der er-
höhte Zinsfuß wäre so Ausdruck von Kapitalanlage in überschüssi-
ger Vorratbildung von Elementen des produktiven Kapitals. Wir be-
trachten hier nur die Nachfrage nach Leihkapital, wie sie beein-
flußt wird durch die Nachfrage und Zufuhr des Warenkapitals. Es
ist schon früher auseinandergesetzt, wie der wechselnde Stand des
Reproduktionsprozesses in den Phasen des industriellen Zyklus auf
das An. gebot von Leihkapital wirkt. Den trivialen Satz, daß die
Marktrate des Zinsfußes bestimmt ist durch Zufuhr und Nachfrage
von (Leih-)Kapital, wirft Overstone schlauerweise zusammen mit
seiner eignen Annahme, wonach Leihkapital identisch ist mit Kapi-
tal überhaupt, und sucht dadurch den Wucherer in den einzigen Ka-
pitalisten und sein Kapital in das einzige Kapital zu verwandeln.
In Zeiten der Klemme ist die Nachfrage nach Leihkapital Nachfrage
nach Zahlungsmittel und weiter gar nichts; keineswegs Nachfrage
nach Geld als Kaufmittel. Der Zinsfuß kann dabei sehr hoch gehn,
einerlei ob reales Kapital - produktives und Warenkapital - im
Übermaß vorhanden oder knapp. Die Nachfrage nach Zahlungsmitteln
ist bloße Nachfrage nach Umsetzbarkeit in Geld, soweit die Kauf-
leute und Produzenten gute Sicherheiten bieten können; sie ist
Nachfrage nach Geldkapital, soweit dies nicht der Fall ist, so-
weit also ein Vorschuß von Zahlungsmitteln ihnen nicht nur die
Geldform gibt, sondern das ihnen mangelnde Äquivalent, in welcher
Form es sei, zum Zahlen. Dies ist der Punkt, wo beide Seiten der
landläufigen Theorie bei Beurteilung der Krisen recht und unrecht
haben. Die da sagen, daß bloß Mangel an Zahlungsmitteln exi-
stiert, haben entweder bloß die Besitzer von bona fide Sicherhei-
ten im Auge oder sind Narren, die glauben, es sei die Pflicht und
in der Macht einer Bank, durch Papierzettel alle bankrotten
Schwindler in zahlungsfähige solide Kapitalisten zu verwandeln.
#532# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Die da sagen, daß bloß Mangel an Kapital existiert, machen entwe-
der bloße Wortklauberei, da ja in solchen Zeiten das
i n k o n v e r t i b l e Kapital infolge von Übereinfuhr und
Überproduktion massenhaft vorhanden ist, oder sie sprechen bloß
von jenen Kreditrittern, die nun in der Tat in Umstände gesetzt
sind, wo sie nicht länger fremdes Kapital erhalten, um damit zu
wirtschaften, und nun verlangen, die Bank solle ihnen nicht nur
das verlorne Kapital zahlen helfen, sondern sie auch noch zur
Fortsetzung des Schwindels befähigen.
Es ist Grundlage der kapitalistischen Produktion, daß das Geld
als selbständige Form des Werts der Ware gegenübertritt oder daß
der Tauschwert selbständige Form im Geld erhalten muß, und dies
ist nur möglich, indem eine bestimmte Ware das Material wird, in
deren Wert sich alle andern Waren messen, daß sie ebendadurch die
allgemeine Ware, die Ware par excellence im Gegensatz zu allen
andern Waren wird. Dies muß sich in doppelter Hinsicht zeigen,
und namentlich bei kapitalistisch entwickelten Nationen, die das
Geld in großem Maß ersetzen, einerseits durch KreditOperationen,
andrerseits durch Kreditgeld.
In Zeiten der Klemme, wo der Kredit einschrumpft oder ganz auf-
hört, tritt plötzlich Geld als einziges Zahlungsmittel und wahres
Dasein des Werts absolut den Waren gegenüber. Daher die allge-
meine Entwertung der Waren, die Schwierigkeit, ja die Unmöglich-
keit, sie in Geld zu verwandeln, d.h. in ihre eigne rein phanta-
stische Form. Zweitens aber: das Kreditgeld selbst ist nur Geld,
soweit es im Betrage seines Nominalwerts absolut das wirkliche
Geld vertritt. Mit dem Goldabfluß wird seine Konvertibilität in
Geld problematisch, d.h. seine Identität mit wirklichem Gold. Da-
her Zwangsmaßregeln, Heraufsetzung des Zinsfußes etc., um die Be-
dingungen dieser Konvertibilität zu sichern. Dies kann mehr oder
minder auf die Spitze getrieben werden durch falsche Gesetzge-
bung, beruhend auf falschen Theorien vom Geld und der Nation auf-
gedrängt durch das Interesse der Geldhändler, der Overstone und
Konsorten. Die Grundlage aber ist gegeben mit der Grundlage der
Produktionsweise selbst. Eine Entwertung des Kreditgeldes (gar
nicht zu sprechen von einer übrigens nur imaginären Entgeldung
desselben) würde alle bestehenden Verhältnisse erschüttern. Der
Wert der Waren wird daher geopfert, um das phantastische und
selbständige Dasein dieses Werts im Geld zu sichern. Als Geldwert
ist er überhaupt nur gesichert, solange das Geld gesichert ist.
Für ein paar Millionen Geld müssen daher viele Millionen Waren
zum Opfer gebracht werden. Dies ist unvermeidlich in der kapita-
listischen Produktion und bildet eine ihrer Schönheiten. In frü-
hern Produktionsweisen kommt dies nicht vor, weil bei der engen
Basis, auf der
#533# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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sie sich bewegen, weder der Kredit noch das Kreditgeld zur Ent-
wicklung kommt. Solange der g e s e l l s c h a f t l i c h e
Charakter der Arbeit als das G e l d d a s e i n der Ware und
daher als ein Ding außer der wirklichen Produktion erscheint,
sind Geldkrisen, unabhängig oder als Verschärfung wirklicher Kri-
sen, unvermeidlich. Es ist andrerseits klar, daß, solange der
Kredit einer Bank nicht erschüttert ist, sie durch Vermehrung des
Kreditgelds in solchen Fällen die Panik lindert, durch dessen
Einziehung sie aber vermehrt. Alle Geschichte der modernen Indu-
strie zeigt, daß Metall in der Tat nur erheischt wäre zur Saldie-
rung des internationalen Handels, sobald dessen Gleichgewicht mo-
mentan verschoben ist, wenn die inländische Produktion organi-
siert wäre. Daß das Inland schon jetzt kein Metallgeld bedarf,
beweist die Suspension der Barzahlungen der sog. Nationalbanken,
zu der, als zum einzigen Hilfsmittel, in allen extremen Fällen
gegriffen wird. Bei zwei Individuen wäre es lächerlich, zu sagen,
daß im Verkehr untereinander beide die Zahlungsbilanz gegen sich
haben. Wenn sie wechselseitig Schuldner und Gläubiger voneinander
sind, ist es klar, daß, wenn ihre Forderungen sich nicht ausglei-
chen, für den Rest der eine der Schuldner des andern sein muß.
Bei Nationen ist dies keineswegs der Fall. Und daß es nicht der
Fall ist, ist von allen Ökonomen in dem Satz anerkannt, daß die
Zahlungsbilanz für oder gegen eine Nation sein kann, obwohl ihre
Handelsbilanz sich schließlich ausgleichen muß. Die Zahlungsbi-
lanz unterscheidet sich dadurch von der Handelsbilanz, daß sie
eine in einer bestimmten Zeit fällige Handelsbilanz ist. Was nun
die Krisen tun, ist, daß sie die Differenz zwischen der Zahlungs-
bilanz und der Handelsbilanz in eine kurze Zeit zusammendrängen;
und die bestimmten Zustände, die sich bei der Nation entwickeln,
bei der die Krise ist, bei der daher jetzt der Zahlungstermin
eintritt, - diese Zustände bringen schon eine solche Kontraktion
der Ausgleichungszeit mit sich. Erstens das Wegsenden von Edelme-
tallen; dann das Losschlagen konsignierter Waren; das Exportieren
von Waren, um sie loszuschlagen oder um im Inland Geldvorschüsse
darauf aufzutreiben, das Steigen des Zinsfußes, das Aufkündigen
der Kredite, das Fallen der Wertpapiere, das Losschlagen fremder
Wertpapiere, die Attraktion von fremdem Kapital zur Anlage in
diesen entwerteten Wertpapieren, endlich der Bankrott, der eine
Masse Forderungen ausgleicht. Es wird dabei oft noch Metall ver-
sandt nach dem Land, wo die Krise ausgebrochen, weil die Wechsel
darauf unsicher, also die Zahlung am sichersten in Metall er-
folgt. Es kommt dazu der Umstand, daß mit Bezug auf Asien alle
kapitalistischen Nationen meist gleichzeitig, direkt oder indi-
rekt, seine Schuldner sind. Sobald diese verschiednen Umstände
auf die andre beteiligte Nation ihre
#534# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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volle Wirkung üben, tritt auch bei ihr Gold- oder Silberexport,
kurz der Zahlungstermin ein, und dieselben Phänomene wiederholen
sich. Bei dem kommerziellen Kredit geht der Zins, als Unterschied
des Kreditpreises vom Barpreise, nur soweit in den Warenpreis
ein, als die Wechsel längte als gewöhnliche Laufzeit haben. An-
dernfalls nicht. Und dies erklärt sich daraus, daß jeder mit der
einen Hand diesen Kredit nimmt und ihn mit der andern gibt. Dies
stimmt nicht mit meiner Erfahrung. F. E.} Soweit aber der Dis-
konto in dieser Form hier eingeht, ist er nicht durch diesen kom-
merziellen Kredit, sondern durch den Geldmarkt geregelt.
Wären Nachfrage und Angebot von Geldkapital, die den Zinsfuß be-
stimmen, identisch mit Nachfrage und Angebot von wirklichem Kapi-
tal, wie Overstone behauptet, so müßte, je nachdem man ver-
schiedne Waren oder dieselbe Ware in verschiednen Stadien
(Rohstoff, Halbfabrikat, fertiges Produkt) betrachtet, der Zins
gleichzeitig niedrig und hoch sein. 1844 schwankte der Zinsfuß
der B.v.E. zwischen 4% (von Januar bis September) und 2 1/2 und
3% von November bis Jahresschluß. 1845 war er 2 1/2, 2 3/4, 3%
von Januar bis Oktober, zwischen 3 und 5% in den letzten Monaten.
Der Durchschnittspreis von für Orleans Baumwolle war 1844 6 1/4
d. und 1845 4 1/8 d. Am 3. März 1844 war der Baumwollvorrat in
Liverpool 627 042 Ballen und am 3. März 1845 773 800 Ballen.
Nach dem niedrigen Preis der Baumwolle zu schließen, mußte der
Zinsfuß 1845 niedrig sein, was er in der Tat während des größten
Teils dieser Zeit war. Aer nach dem Garn zu schließen, hätte er
hoch sein müssen, denn die Preise waren relativ und die Profite
absolut hoch. Aus Baumwolle zu 4 d. das Pfund konnte 1845 mit 4
d. Spinnkosten ein Garn gesponnen werden (Nr. 40 gut secunda mule
twist), das dem Spinner also 8 d. kostete und das er September
und Oktober 1845 zu 10 1/2, oder 11 1/2 d. per Pfund verkaufen
konnte. (S. Aussage von Wylie weiter unten.)
Die ganze Sache kann dadurch zur Entscheidung gebracht werden:
Nachfrage und Angebot von Leihkapital wäre identisch mit Nach-
frage und Angebot von Kapital Oberhaupt (obgleich diese letztere
Phrase absurd ist; für den Industriellen oder Kaufmann ist die
Ware eine Form seines Kapitals, aber er verlangt doch nie Kapital
als solches, sondern stets nur diese spezielle Ware als solche,
kauft und zahlt sie als Ware, Korn oder Baumwolle, unabhängig von
der Rolle, die sie im Kreislauf seines Kapitals einzunehmen hat),
wenn es keine Geldverleiher gäbe und statt deren die verleihenden
Kapitalisten im Besitz von Maschinerie, Rohstoff etc. wären und
sie diese ausliehen oder vermieteten, wie jetzt Häuser,an die in-
dustriellen
#535# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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Kapitalisten, die selbst Eigner eines Teils dieser Cegenstände
sind. Unter solchen Umständen wäre die Zufuhr von Leihkapital
identisch mit Zufuhr von Produktionselementen für den industriel-
len Kapitalisten, von Waren für den Kaufmann. Es ist aber klar,
daß dann die Teilung des Profits zwischen her und Borger zunächst
ganz abhängen würde von dem Verhältnis, worin dies Kapital gelie-
hen ist und worin es Eigentum dessen, der es anwendet.
Nach Herrn Weguelin (B. A. 1857) ist der Zinsfuß bestimmt durch
die Masse des unbeschäftigten Kapitals" (252); ist nur ein Index
der Masse des unbeschäftigten Kapitals, das Anlage sucht" (271);
später heißt dies unbeschäftigte Kapital "floating capital" (485)
und darunter versteht er Noten der Bank von England und andre
Zirkulationsmittel im Lande; z.B. die Noten der Provinzialbanken
und die im Lande vorhandne Münze... ich schließe unter floating
capital auch die Reserven der Banken ein" (502, 503) und später
auch Barrengold (503). So sagt derselbe Weguelin, daß die Bank
von England großen Einfluß auf den Zinsfuß hat zu Zeiten, "wo
wir" (die B.v.E.) tatsächlich den größten Teil des unbeschäftig-
ten Kapitals in unsrer Hand haben" (1198), während nach obigen
Aussagen des Herrn Overstone die Bank von England "kein Platz für
Kapital ist". Ferner sagt Weguelin:
"Nach meiner Ansicht wird die Diskontorate reguliert durch die
Menge des unbeschäftigten Kapitals im Lande. Die Menge des unbe-
schäftigten Kapitals ist repräsentiert durch die Reserve der
B.v.E., die tatsächlich eine Metallreserve ist. Wenn also der Me-
tallschatz vermindert wird, vermindert dies die Menge des unbe-
schäftigten Kapitals im Lande und steigert also den Wert des noch
vorhandnen Rests." (1258.)
J. Stuart Mill sagt 2102:
"Die Bank ist genötigt, um ihr banking department solvent zu er-
halten, ihr möglichstes zu tun, die Reserve dieses Departements
zu fällen; sobald sie also findet, daß ein Abfluß eintritt, muß
sie sich eine Reserve sichern und entweder ihre Diskontierungen
einschränken oder Wertpapiere verkaufen."
Die Reserve, soweit bloß das banking department betrachtet wird,
ist Reserve nur für die Depositen. Nach den Overstones soll das
banking department bloß als Bankier handeln, ohne Rücksicht auf
die "automatische" Notenausgabe. Aber in Zeiten wirklicher Klemme
hat das Institut, unabhängig von der Reserve des banking depart-
ment, die nur aus Noten besteht, ein sehr scharfes Auge auf den
Metallschatz und muß es haben, wenn es nicht fallieren will. Denn
im selben Maß wie der Metallschatz schwindet, schwindet auch die
Reserve von Banknoten, und niemand sollte dies besser wissen als
Herr Overstone, der dies eben durch seinen Bankakt von 1844 so
weise eingerichtet hat.
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