Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       ZWEIUNDDREISSIGSTES KAPITEL
       Geldkapital und wirkliches Kapital - III
       (Schluß)
       
       Die Masse des so in Kapital rückzuverwandelnden Geldes ist Resul-
       tat des  massenhaften Reproduktionsprozesses,  aber für  sich be-
       trachtet, als  leihbares Geldkapital,  ist sie nicht selbst Masse
       von reproduktivem Kapital.
       Das Wichtigste  von dem  bisher Entwickelten ist, daß die Ausdeh-
       nung des  Teils der  Revenue, der  zur  Konsumtion  bestimmt  ist
       (wobei vom Arbeiter abgesehn wird, weil seine Revenue = dem vari-
       ablen Kapital),  Zunächst als  Akkumulation von  Geldkapital sich
       darstellt. Es  geht also ein Moment in die Akkumulation des Geld-
       kapitals ein,  das wesentlich  verschieden ist von der wirklichen
       Akkumulation des  industriellen Kapitals; denn der zur Konsumtion
       bestimmte Teil des jährlichen Produkts wird in keiner Weise Kapi-
       tal. Ein  Teil davon  ersetzt Kapital, d.h. das konstante Kapital
       der Produzenten  von Konsumtionsmitteln, aber, soweit er wirklich
       sich in  Kapital verwandelt,  existiert er in der Naturalform der
       Revenue der  Produzenten  dieses  konstanten  Kapitals.  Dasselbe
       Geld, das  die Revenue  repräsentiert, das  als bloßer Vermittler
       der Konsurntion  dient, verwandelt sich regelmäßig für eine Zeit-
       lang in leihbares Geldkapital. Soweit dies Arbeitslohn darstellt,
       ist es  zugleich die  Geldform des variablen Kapitals; und soweit
       es das  konstante Kapital  der Produzenten von Konsumtionsmitteln
       ersetzt, ist es die Geldform, die ihr konstantes Kapital momentan
       annimmt, und dient zum Ankauf der Naturalelemente ihres zu erset-
       zenden konstanten Kapitals. Weder in der einen noch in der andern
       Form drückt  es an  sich Akkumulation  aus, obgleich  seine Masse
       wächst mit  dem Umfang  des Reproduktionsprozesses.  Aber es ver-
       richtet zeitweilig  die Funktion  von ausleihbarem Geld, also von
       Geldkapital. Nach  dieser Seite hin muß also die Akkumulation des
       Geldkapitals immer  eine größere  Akkumulation von Kapital wider-
       spiegeln, als  wirklich vorhanden  ist, indem  die Ausdehnung der
       individuellen Konsumtion, weil vermittelt durch Geld, als Akkumu-
       lation
       
       #522# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       von Geldkapital  erscheint, weil  sie die  Geldform  liefert  für
       wirklich, Akkumulation,  für Geld, das neue Kapitalanlagen eröff-
       net.
       Die Akkumulation  des leihbaren Geldkapitals drückt also zum Teil
       nichts aus  als die Tatsache, daß alles Geld, worin das industri-
       elle Kapital  im Prozeß  seines Kreislaufs  sich verwandelt,  die
       Form   annimmt,   nicht   von   Geld,   das   die   Reproduktiven
       v o r s c h i e ß e n,   sondern von Geld, das sie borgen; so daß
       in der  Tat der  Vorschuß des  Geldes, der im Reproduktionsprozeß
       geschehn muß,  als Vorschuß von geliehenem Geld erscheint. In der
       Tat leiht  auf Grundlage  des kommerziellen  Kredits der eine dem
       andern das  Geld, das  er im  Reproduktionsprozeß  braucht.  Dies
       nimmt nun aber die Form an, daß der Bankier, dem ein Teil der Re-
       produktiven es leiht, es dem andern Teil der Reproduktiven leiht,
       wobei dann  der Bankier  als der  Segen  spendet  erscheint;  und
       zugleich, daß  die Verfügung  über dies Kapital ganz in die Hände
       der Bankiers  als Mittelspersonen  gerät. Es sind nun noch einige
       besondre Formen  der Akkumulation  von Geldkapital anzufahren. Es
       wird Kapital  freigesetzt, z.B. durch Fall im Preis der Produkti-
       onselemente, Rohstoffe etc. Kann der Industrielle nicht unmittel-
       bar seinen Reproduktionsprozeß ausdehnen, so wird ein Teil seines
       Geldkapitals als  überschüssig aus  dem Kreislauf  abgestoßen und
       verwandelt sich  in leihbares Geldkapital. Zweitens aber wird Ka-
       pital in Geldform frei. gesetzt, namentlich beim Kaufmann, sobald
       Unterbrechungen im  Geschäft eintreten.  Hat  der  Kaufmann  eine
       Reihe von  Geschäften erledigt und kann infolge solcher Unterbre-
       chungen die neue Reihe erst später beginnen, so repräsentiert das
       realisierte Geld für ihn nur Schatz, überschüssiges Kapital. Aber
       zugleich stellt es unmittelbar Akkumulation von leihbarem Geldka-
       pital dar.  Im ersten  Fall drückt die Akkumulation des Geldkapi-
       tals Wiederholung des Reproduktionsprozesses unter günstigern Be-
       dingungen aus,  wirkliches Freiwerden  eines Teils des früher ge-
       bundnen Kapitals, also Befähigung zur Erweiterung des Reprodukti-
       onsprozesses mit  denselben Geldmitteln.  Im andern  Fall dagegen
       bloße Unterbrechung des Flusses der Transaktionen. Aber in beiden
       Fällen verwandelt  es sich in leihbares Geldkapital, stellt Akku-
       mulation desselben dar, wirkt gleichmäßig auf Geldmarkt und Zins-
       fuß, obgleich  es hier  Beförderung, dort  Hemmung des wirklichen
       Akkumulationsprozesses ausdrückt.  Endlich wird  Akkumulation von
       Geldkapital bewirkt  durch die  Anzahl von Leuten, die ihr Schäf-
       chen ins  trockne gebracht  und die sich von der Reproduktion zu-
       rückziehn. Je  mehr Profite  im Lauf des industriellen Zyklus ge-
       macht worden,  desto größer ihre Anzahl. Hier dirückt die Akkumu-
       lation des  leihbaren Geldkapitals einerseits wirkliche Akkumula-
       tion aus (ihrem relativen Umfang nach); andrerseits bloß den
       
       #523# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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       Umfang der  Verwandlung industrieller Kapitalisten in bloße Geld-
       kapitalisten.
       Was nun  den andern  Teil des  Profits angeht, der nicht bestimmt
       ist, als  Revenue konsumiert zu werden, so verwandelt er sich nur
       in Geldkapital,  wenn nicht unmittelbar anwendbar zur Erweiterung
       des Geschäfts  in der  Produktionssphäre, worin  er gemacht  ist.
       Dies kann aus zwei Gründen  herrühren. Entweder weil diese Sphäre
       mit Kapital gesättigt ist. Oder weil die Akkumulation, um als Ka-
       pital fungieren  zu können,  erst einen  gewissen Umfang erreicht
       haben muß, je nach den Maßverhältnissen der Anlage von "euern Ka-
       pital in diesem bestimmten Geschäft. Sie verwandelt sich also un-
       ächst in leihbares Geldkapital und dient zur Erweiterung der Pro-
       duk, Ion  in andren Sphären. Alle andren Umstände als gleichblei-
       bend angenommen,  wird die Masse des zur Rückverwandlung in Kapi-
       tal bestimmten  Profits abhängen von der Masse des gemachten Pro-
       fits und  daher von  der  Ausdehnung  des  Reproduktionsprozesses
       selbst. Stößt aber diese neue Akkumulation in ihrer Anwendung auf
       Schwierigkeiten, auf  Mangel an  Anlagesphären, findet also Über-
       füllung der  Produktionszweige und  Überangebot  von  Leihkapital
       statt, so  beweist  diese  Plethora  des  leihbaren  Geldkapitals
       nichts als  die Schranken  der kapitalistischen  Produktion.  Der
       nachfolgende Kreditschwindel  beweist, daß kein positives Hinder-
       nis der  An wendung  dieses überflüssigen  Kapitals besteht. Wohl
       aber ein Hindernis vermöge seiner Verwertungsgesetze, vermöge der
       Schranken, worin  sich das  Kapital als  Kapital verwerten  kann.
       Plethora von Geldkapital als solchem drückt nicht notwendig Über-
       produktion aus,  noch auch  nur Mangel  an Verwendungssphären für
       Kapital.
       Die Akkumulation des Leihkapitals besteht einfach darin, daß Geld
       sich als  verleihbares Geld niederschlägt. Dieser Prozeß ist sehr
       verschieden von der wirklichen Verwandlung in Kapital; es ist nur
       die Akkumulation von Geld in einer Form, worin es in Kapital ver-
       wandelt werden kann. Diese Akkumulation kann aber, wie nachgewie-
       sen, Momente ausdrücken, die von der wirklichen Akkumulation sehr
       verschieden sind.  Bei beständiger Erweiterung der wirklichen Ak-
       kumulation kann  diese erweiterte  Akkumulation  von  Geldkapital
       teils ihr Resultat sein, teils das Resultat von Momenten, die sie
       begleiten, aber ganz von ihr verschieden sind, teils endlich auch
       das Resultat  sogar von  Stockungen der  wirklichen Akkumulation.
       Schon weil  die Akkumulation  von Leihkapital  angeschwellt  wird
       durch solche,  von der  wirklichen Akkumulation unabhängige, aber
       dennoch sie  begleitende Mornente,  muß in  bestimmten Phasen des
       Zyklus beständig  Plethora von  Geldkapital stattfinden und diese
       Plethora mit der Ausbildung des Kredits sich
       
       #524# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       entwickeln. Mit ihr muß sich also zugleich die Notwendigkeit ent-
       wickeln,  den   Produktionsprozeß  über   seine  kapitalistischen
       Schranken hinauszutreiben:  Überhandel, Überproduktion,  Überkre-
       dit. Gleichzeitig  muß dies  stets in  Formen geschehn, die einen
       Rückschlag hervorrufen.
       Was die Akkumulation des Geldkapitals aus Grundrente, Arbeitslohn
       etc. angeht,  so es  ist überflüssig,  hier darauf einzugehn. Nur
       dies Moment  ist hervorzuheben,  daß das  Geschäft des wirklichen
       Sparens und  Entsagens (durch  Schatzbildner), soweit es Elemente
       der Akkumulation  liefert, durch  die Teilung der Arbeit im Fort-
       schritt der  kapitalistischen Produktion  denen überlassen  wird,
       die das  Minimum solcher  Elemente beziehn und oft genug noch ihr
       Erspartes verlieren,  wie die  Arbeiter bei  Falliten von Banken.
       Einerseits wird  das Kapital des industriellen Kapitalisten nicht
       von ihm  selbst erspart,  sondern im  Verhältnis zur Größe seines
       Kapitals verfilmt  er über  fremde Ersparungen; andrerseits macht
       der Geldkapitalist  die fremd  den Ersparungen  zu seinem Kapital
       und den Kredit, den sich die reproduktiven Kapitalisten unterein-
       ander geben  und den ihnen das Publikurn gibt, zu seiner privaten
       BereicherungsqueIle. Die letzte Illusion des kapitalistischen Sy-
       stems, als  ob Kapital  der Sprößling eigner Arbeit und Ersparung
       wäre, geht  damit in  die Brüche. Nicht nur besteht der Profit in
       Aneignung fremder Arbeit, sondern das Kapital, womit diese fremde
       Arbeit in  Bewegung gesetzt  und ausgebeutet  wird,  besteht  aus
       fremdem Eigentum,  das der Geldkapitalist dem industriellen Kapi-
       talisten zun Verfügung stellt und wofür er diesen seinerseits ex-
       ploitiert.
       Es ist noch einiges über das Kreditkapital zu bemerken.
       Wie oft  dasselbe  Geldstück  als  Leihkapital  figurieren  kann,
       hängt, wie schon oben entwickelt, ganz davon ab
       1. wie  oft es  Warenwerte in Verkauf oder in Zahlung realisiert,
       also Kapital  überträgt, und ferner davon, wie oft es Revenue re-
       alisiert. Wie  oft es  in andre Hand kommt als realisierter Wert,
       sei es  von Kapital oder Revenue, hängt daher offenbar ab von Um-
       fang und Masse der wirklichen Umsätze;
       2. hängt  dies ab von der Ökonomie der Zahlungen und von der Ent-
       wicklung und Organisation des Kreditwesens;
       3. endlich von der Verkettung und Aktionsgeschwindigkeit der Kre-
       dite, so  daß, wenn  es an einem Punkt als Depositum niederfällt,
       es auf dem andern sofort wieder als Anleihe hinausgeht.
       Selbst gesetzt,  die Form,  worin das  Leihkapital existiert, sei
       bloß die  des wirklichen  Geldes, Goldes  oder Silbers, der Ware,
       deren Stoff  als Maß  der Werte dient, so ist notwendig stets ein
       großer Teil dieses Geldkapitals bloß
       
       #525# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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       fiktiv, d.h.  Titel auf  Wert, ganz  wie die  Wertzeichen. Soweit
       Geld fungiert im Kreislauf des Kapitals, bildet es zwar für einen
       Moment Geldkapital;  aber es  verwandelt sich  nicht in leihbares
       Geldkapital, sondern  wird entweder  ausgetauscht gegen  die Ele-
       mente des produktiven Kapitals, oder bei Realisierung der Revenue
       als Umlaufsmittel  weggezahlt und kann sich also nicht für seinen
       Besitzer in  Leihkapital verwandeln. Soweit es sich aber in Leih-
       kapital verwandelt  und dasselbe Geld wiederholt Leihkapital vor-
       stellt, ist  klar, daß  es nur  an  e i n e m  Punkt als metalli-
       sches Geld existiert; an allen andern Punkten existiert es nur in
       der Form  von Anspruch  auf Kapital.  Die Akkumulation dieser An-
       sprüche, nach der Voraussetzung, entsp aus der wirklichen Akkumu-
       lation, d.h. aus der Verwandlung des Werts des Warenkapitals etc.
       in Geld;  aber dennoch ist die Akkumulation dieser Ansprüche oder
       Titel als solche verschieden, sowohl von der wirklichen Akkumula-
       tion, der  sie entspringt,  wie von  der zukünftigen Akkumulation
       (dem neuen  Produktionsprozeß), welche  durch das  Ausleihen  des
       Geldes vermittelt wird.
       Prima facie  existiert das  Leihkapital immer  in  der  Form  des
       Geldes 9), später als Anspruch auf Geld, indem das Geld, worin es
       ursprünglich
       
       9) B.A.  1857, Aussagen  von Twells,  Bankier: 4516. "Als Bankier
       machen Sie  Geschäfte in  Kapital oder  in Geld? - Wir handeln in
       Geld." -  4517. "Wie  werden die  Depositen in  Ihrer Bank einge-
       zahlt? -  In Geld." - 4518. "Wie werden sie ausgezahlt? In Geld."
       - [4519.]  "Kann man  also sagen,  daß sie  etwas andres sind als
       Geld? - Nein."
       Overstone (siehe  Kap. XXVI)  verwirrt sich  fortwährend zwischen
       "capital" und  "money". "Value  of money"  1*) heißt bei ihm auch
       Zins, aber  soweit er  bestimmt ist  durch die  Masse des Geldes;
       "value of  capital" 2*)  soll der  Zins sein,  soweit er bestimmt
       wird durch  die Nachfrage  nach produktivem Kapital und durch den
       Profit, den es abwirft. Er : 4140. "Der Gebrauch des Wortes Kapi-
       tal ist  sehr gefährlich."  - 4148.  "Die Goldausfuhr aus England
       ist eine  Verminderung der  Geldmenge im Lande, und diese muß na-
       türlich vermehrte  Nachfrage im  Geldmarkt überhaupt verursachen"
       (hier, nach also nicht im Kapitalmarkt). - 4112. "Im Maß, wie das
       Geld aus  dem nde geht, wird die Menge im Lande vermindert. Diese
       Verminderung der  im Lande bleibenden Menge erzeugt einen gestei-
       gerten Wert dieses Geldes." (Dies bedeutet ursprünglich in seiner
       Theorie eine  durch die  Kontraktion der  Zirkulation verursachte
       Wertsteigerung des Geldes als Geld, im Vergleich zu den Warenwer-
       ten; wo  also diese  Steigerung im Wert des Geldes = Fall im Wert
       der Waren.  Da aber  in der  Zwischenzeit selbst für ihn unwider-
       sprechlich nachgewiesen,  daß die Masse des zirkulierenden Geldes
       nicht die  Preise bestimmt,  so ist es jetzt die Verminderung des
       Geldes als  Umlaufsmittel, die seinen Wert als zusagendes Kapital
       und damit den Zinsfuß steigern soll.) "Und dieser
       1*) "Wert des Geldes" - 2*) "Wert des Kapitals"
       
       #526# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       existiert, nun  in der  Hand des  Borgers in  wirklicher Geldform
       vorhanden ist.  Für den  Verleiher hat  es sich  in Anspruch  auf
       Geld, in  einen Eigentumstitel verwandelt. Dieselbe Masse wirkli-
       ches Geld  kann daher  sehr verschiedene  Massen von  Geldkapital
       vorstellen. Bloßes  Geld, ob  es realisiertes Kapital oder reali-
       sierte Revenue  vorstellt, wird  Leihkapital durch den bloßen Akt
       des Ausleihens,  durch seine  Verwandlung in  Depositum, wenn wir
       die allgemeine Form bei entwickeltem Kreditsystem betrachten. Das
       Depositum ist  Geldkapital für  den Depositor. Es mag aber in der
       Hand des  Bankiers nur potentielles Geldkapital sein, das in sei-
       ner Kasse brachliegt statt in der seines Eigentümers. 10)
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       gesteigerte Wert  des noch  übrigen Geldes tut dem Abfluß Einhalt
       und dauert  fort, bis er so viel Geld zurückgebracht hat, als nö-
       tig ist,  das Gleichgewicht  wiederherzustellen. Die  Fortsetzung
       der Widersprüche des Overstone weiter unten.
       10) Hier tritt nun die Konfusion ein, daß dies beides "Geld" ist,
       das Depositum  als Anspruch  auf Zahlung  von seiten des Bankiers
       und das deponierte Geld in der Hand des Bankiers. Bankier Twells,
       vor dem  Bankausschuß von  1857, nimmt  folgendes  Beispiel:  Ich
       fange mein  Geschäft an  mit 10000 Pfd.St. Mit 5000 Pfd.St. kaufe
       ich Waren  und nehme  sie auf mein Lager. Die andern 5000 Pfd.St.
       deponiere ich bei einem Bankier, um dagegen nach Bedarf zu ziehn.
       Aber ich  betrachte das  Ganze immer  noch als  mein Kapital, ob-
       gleich 5000  Pfd.St. davon  sich in  der Form  von Depositum oder
       Geld befinden. (4528.) Hieraus entspannt sich nun folgende artige
       Debatte: 4531. "Sie haben also Ihre 5000 Pfd.St. in Banknoten je-
       mand anders  gegeben? -  Jawohl." -  4532. "Dann  hat dieser 5000
       Pfd.St. Depositen? - Jawohl." - 4533. "Und Sie haben 5000 Pfd.St.
       Depositen? - Ganz richtig." - 4534. "Er hat 5000 Pfd.St. in Geld,
       und Sie  haben 5000  Pfd.St. in  Geld? - Jawohl." - 4535. Aber es
       ist schließlich  nichts als  Geld? Nein."  - Die  Konfusion rührt
       z.T. daher:  A, der  die 5000 Pfd.St. deponiert hat, kann dagegen
       ziehn, verfügt  über sie,  so gut als wenn er sie noch hätte. Sie
       fungieren soweit  für ihn als potentielles Geld. In allen Fällen,
       wo er dagegen zieht, vernichtet er aber sein Depositum pro tanto.
       Zieht er  wirkliches Geld  heraus und  ist sein Geld schon weiter
       verliehen, so  wird er nicht mit seinem eignen Geld bezahlt, son-
       dern mit  von einem andern deponierten Geld. Zahlt er eine Schuld
       an B  mit einem  Scheck auf seinen Bankier und deponiert B diesen
       Scheck bei  seinem Bankier  und hat  der Bankier  von A ebenfalls
       einen Scheck  auf den  Bankier von  B, so daß die beiden Bankiers
       nur die  Schecks austauschen,  so hat  das von  A deponierte Geld
       zweimal Geldfunktion  verrichtet; erstens in der Hand dessen, der
       das von  A deponierte Geld erhalten hat; zweitens in der Hand von
       A selbst. In der zweiten Funktion ist es Ausgleichung von Schuld-
       forderung (die  Schuldforderung des  A auf seinen Bankier und die
       Schuldforderung des  letztem auf  den Bankier  von B) ohne Dazwi-
       schenkunft von  Geld. Hier  wirkt das Depositum zweimal als Geld,
       nämlich als  wirkliches Geld  und sodann  als Anspruch  auf Geld.
       Bloße Ansprüche  auf Geld  können Geldstelle  vertreten nur durch
       Ausgleichung von Schuldforderungen.
       
       #527# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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       Mit dem  Wachstum des stofflichen Reichtums wächst die Klasse der
       Geldkapitalisten; es  vermehrt sich  einerseits die  Zahl und der
       Reichtum der sich zurückziehenden Kapitalisten, der Rentiers; und
       zweitens wird die Entwicklung des Kreditsystems gefördert und da-
       mit die  Zahl der  Bankiers, Geldverleiher,  Finanziers etc. ver-
       mehrt. - Mit der Entwicklung des disponiblen Geldkapitals entwic-
       kelt sich die Masse der zinstragenden Papiere, Staatspapiere, Ak-
       tien etc.,  wie früher  entwickelt. Aber damit zugleich die Nach-
       frage nach  disponiblem Geldkapitall  indem die  Jobbers, die  in
       diesen Papieren  Spekulationsgeschäfte machen, eine Hauptrolle im
       Geldmarkt spielen.  Wären alle  Käufe und Verkäufe dieser Papiere
       nur der  Ausdruck wirklicher Kapitalanlage, so wäre es richtig zu
       sagen, daß  sie nicht  auf die  Nachfrage nach Leihkapital wirken
       können, indem,  wenn A  sein Papier  verkauft, er  gerade so viel
       Geld herauszieht, wie B in das-Papier steckt. In des selbst dann,
       da das  Papier zwar existiert, aber nicht das Kapital (wenigstens
       nicht als Geldkapital), das es ursprünglich vorstellt, erzeugt es
       immer pro  tanto neue Nachfrage für solches Geldkapital. Aber je-
       denfalls ist  es dann Geldkapital, worüber früher B, jetzt A dis-
       poniert.
       
       B.A. 1857.  Nr. 4886. Ist es nach Ihrer Ansicht eine richtige An-
       gabe der Ursachen, die die Diskontorate bestimmen, wenn ich sage,
       daß sie  geregelt wird  durch die Menge des im Markt befindlichen
       Kapitals, das  verwendbar ist  für den  Diskonto von Handelswech-
       seln, im  Unterschied  von  andern  Arten  von  Wertpapieren?"  -
       (Chapman:) "Nein; ich halte dafür, daß der Zinsfuß affiziert wird
       durch alle  leichtkonvertiblen Wertpapiere (all convertible secu-
       rities of  a current character); es würde unrecht sein, die Frage
       einfach auf  den Wechseldiskonto  zu beschränken; denn wenn große
       Nachfrage für Geld besteht auf" {Depot von} "Konsols, oder selbst
       Schatzscheine, wie  das neuerdings stark der Fall war, und zu ei-
       nem viel höhern als dem kommerziellen Zinsfuß, so wäre es absurd,
       zu sagen,  daß unsre  Handelswelt nicht  davon berührt wurde; sie
       wird sehr  wesentlich davon berührt." - 4890. Wenn gute und gang-
       bare Wertpapiere,  wie Bankiers  sie als  solche  anerkennen,  im
       Markt sind  und die  Eigner Geld  darauf aufnehmen wollen, so hat
       das ganz  sicher seine  Wirkung auf Handelswechsel; ich kann z.B.
       nicht erwarten, daß ein Mann mir sein Geld zu 5% auf Handelswech-
       sel gibt,  wenn er  dies Geld gleichzeitig zu 6% auf Konsols usw.
       ausleihen kann;  es affiziert  uns in  der selben  Weise; niemand
       kann von  mir verlangen, daß ich seine Wechsel zu 5 1/2 % diskon-
       tiere, wenn  ich mein  Geld zu  6% ausleihen  kann." - 4892. "Von
       Leuten, die  für 2000  Pfd.St.  oder  5000  Pfd.St.  oder  10 000
       Pfd.St. Wertpapiere als feste Kapitalanlagen kaufen, sprechen wir
       nicht, als  ob sie  wesentlich auf  den Geldmarkt einwirken. Wenn
       Sie mich  fragen nach  dem Zinsfuß  auf (Depot  von) Konsols,  so
       spreche ich  von Leuten, die Geschäfte zum Betrag von Hunderttau-
       senden machen, von sogenannten Jobbers, die große Beträge öffent-
       licher Anleihen  zeichnen oder im Markt kaufen und die dann diese
       Papiere halten  müssen, bis  sie sie  mit einem  Profit loswerden
       können; diese Leute müssen zu diesem Zweck Geld aufnehmen."
       
       #528# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Mit der  Entwicklung des  Kreditwesens werden große konzentrierte
       Geldmärkte geschaffen,  wie London,  die zugleich  Hauptsitze des
       Handels in diesen Papieren sind. Die Bankiers stellen dem Gelich-
       ter dieser  Händler das  Geldkapital des Publikums massenhaft zur
       Verfügung, und so wächst diese Brut von Spielern.
       
       "Geld ist  auf der  Effektenbörse gewöhnlich  wohlfeiler als  ir-
       gendwo anders",  sagt 1848 der damalige Gouverneur der Bank v. E.
       1*) vor  dem geheimen  Komitee der  Lords. (C.  D. 1848,  printed
       1857, Nr. 219.)
       
       Es ist  bereits bei Betrachtung des zinstragenden Kapitals darge-
       stellt worden,  daß der  Durchschnittszins für eine längere Reihe
       von Jahren,  bei sonst  gleichbleibenden Umständen, bestimmt wird
       durch die Durchschnittsrate des Profits, nicht des Unternehmerge-
       winns, der selbst nichts ist als der Profit minus dem Zins. 2*)
       
       Daß auch  für die Variationen des kommerziellen Zinses - des Zin-
       ses, der  für Diskontierungen  und Anleihen innerhalb des Kreises
       der Handelswelt  von den  Geldverleihern berechnet wird - im Ver-
       lauf des industriellen Zyklus eine Phase eintritt, wo der Zinsfuß
       sein Minimum  übersteigt und  die mittlere  Durchschnittshöhe er-
       reicht (die  er dann später überschreitet), und wo diese Bewegung
       Folge des  Steigens des  Profits ist -, auch dies ist bereits er-
       wähnt und wird noch weiter untersucht werden.
       Indes ist hier zweierlei zu bemerken:
       Erstens: Wenn  der Zinsfuß  sich für  längere Zeit  hochhält (wir
       sprechen hier  vom Zinsfuß in einem gegebnen Land wie England, wo
       der mittlere  Zinsfuß für  längere Zeit gegeben ist und sich auch
       darstellt in dem füranleihen auf längere Perioden bezahlten Zins,
       was man  Privatzins nennen kann), so ist dies prima facie Beweis,
       daß während  dieser Zeit  die Rate  des Profits hoch ist, beweist
       aber nicht  notwendig, daß  die Rate  des Unternehmergewinns hoch
       ist. Dieser  letztere Unterschied fällt mehr oder weniger weg für
       Kapitalisten, die vorwiegend mit eignem Kapital arbeiten; sie re-
       alisieren die  hohe Rate des Profits, da sie sich den Zins selbst
       zahlen. Die  Möglichkeit länger  dauernden hohen  Zinsfußes - wir
       sprechen hier  nicht von  der Phase der eigentlichen Klemme - ist
       gegeben mit  hoher Rate  des Profits.  Es ist  aber möglich,  daß
       diese hohe  Profitrate, nach  Abzug der  hohen Zinsrate, nur eine
       niedrige Rate  des Unternehmergewinns  übrigläßt. Diese  letztere
       mag einschrumpfen, während die hohe Profitrate fortdauert. Es ist
       dies möglich,  weil die einmal in Angriff genommenen Unternehmun-
       gen fortgeführt  werden müssen.  In dieser  Phase wird  stark mit
       bloßem
       -----
       1*) James Morris - 2*) siehe vorl. Band, S. 370 ff.
       
       #529# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital
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       Kreditkapital (fremdem  Kapital) gearbeitet;  und die  hohe  Pro-
       fitrate kann stellenweise spekulativ, prospektiv sein. Hohe Zins-
       rate kann  gezahlt werden  mit hoher Profitrate, aber abnehmendem
       Unternehmergewinn. Sie  kann gezahlt  werden -  und dies ist z.T.
       der Fall  in Zeiten  der Spekulation - nicht aus dem Profit, son-
       dern aus dem geborgten fremden Kapital selbst, und dies kann eine
       Zeitlang fortdauern.
       Zweitens: Der  Ausdruck, daß  die Nachfrage  nach Geldkapital und
       daher die  Zinsrate wächst,  weil die  Profitrate hoch, ist nicht
       identisch damit,  daß die  Nachfrage nach  industriellem  Kapital
       wächst und  daher die  Zinsrate hoch ist. In Zeiten der Krise er-
       reicht die  Nachfrage nach Leihkapital und damit die Zinsrate ihr
       Maximum; die  Profitrate und mit ihr die Nachfrage nach industri-
       ellem Kapital  ist so  gut wie  verschwunden. In  solchen  Zeiten
       borgt jeder  nur, um zu zahlen, um bereits eingegangne Verpflich-
       tungen abzu  wickeln. Dagegen  in Zeiten  der Wiederbelebung nach
       der Krise  wird Leib.  kapital verlangt,  um zu kaufen und um das
       Geldkapital in  produktives oder kommerzielles Kapital zu verwan-
       deln. Und  dann wird  es verlangt  entweder die vom industriellen
       Kapitalisten oder  vom Kaufmann. Der industrieIle Kapitalist legt
       es aus  in Produktionsmitteln  und in Arbeitskraft. Die steigende
       Nachfrage nach Arbeitskraft kann an sich nie Grund sein für stei-
       genden Zinsfuß, soweit er durch die Profitrate bestimmt wird. Hö-
       herer Arbeitslohn  ist nie  Grund eines  höhern Profits, obgleich
       er, besondre  Phasen des  industriellen Zyklus  betrachtet,  eine
       seiner Folgen  sein kann. Es kann die Nachfrage nach Arbeitskraft
       zunehmen, weil  die Exploitation  der Arbeit unter besonders gün-
       stigen Umständen vor sich geht, aber die steigende Nachfrage nach
       Arbeitskraft und daher nach variablem Kapital vermehrt an und für
       sich nicht  den Profit,  sondern schmälert ihn pro tanto. Dennoch
       kann aber  damit die  Nachfrage nach  variablem Kapital zunehmen,
       also auch  die Nachfrage  nach Geldkapital,  und dies den Zinsfuß
       erhöhen. Der  Marktpreis der Arbeitskraft steigt dann über seinen
       Durchschnitt, es  wird eine  mehr als  die durchschnittliche Zahl
       von Arbeitern  beschäftigt, und  gleichzeitig steigt der Zinsfuß,
       weil rmt  jenen Umständen  die Nachfrage  nach  Geldkapital.  Die
       steigende Nachfrage  nach Arbeitskraft  verteuert diese  Ware wie
       jede andre,  steigert ihren  Preis, aber  nicht den  Profit,  der
       hauptsächlich auf  der relativen  Wohlfellheit gerade dieser Ware
       beruht. Sie  erhöht aber zugleich - unter den vorausgesetzten Um-
       ständen -  die Zinsrate,  weil sie die Nachfrage nach Geldkapital
       erhöht. Verwandelte  sich der Geldkapitalist. statt das Geld aus-
       zuleihen, in einen Industriellen, so
       
       #530# V. Abschnitt - Das zinstreende Kapital
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       würde der Umstand, daß er die Arbeit teurer zu zahlen hat, an und
       für sich  seinen Profit  nicht erhöhen, sondern pro tanto vermin-
       dern. Die  Konjunktur der Umstände mag so sein, daß trotzdem sein
       Profit steigt,  aber nie  weil er  die Arbeit  teurer zahlt.  Der
       letztre Umstand,  soweit er  die Nachfrage  nach Geldkapital ver-
       mehrt, ist  aber hinreichend,  um die Zinsrate zu erhöhen. Stiege
       aus irgendwelchen Ursachen der Arbeitslohn, bei sonst ungünstigen
       Konjunkturen, so  würde das  Steigen des  Arbeitslohns  die  Pro-
       fitrate senken, aber die Zinsrate steigern in dem Maß, wie es die
       Nachfrage nach Geldkapital vermehrte.
       Von der Arbeit abgesehn, besteht das, was Overstone die Nachfrage
       nach Kapital  nennt, nur  in Nachfrage  nach Waren. Die Nachfrage
       nach Waren  steigert ihren Preis, sei es, daß sie über den Durch-
       schnitt steigt, oder daß die Zufuhr unter den Durchschnitt fällt.
       Wenn der  industrielle Kapitalist  oder Kaufmann  Jetzt z.B.  150
       Pfd.St. für  dieselbe Warenmasse  zu zahlen  hat, wofür er früher
       100 Pfd.St.  zahlte, so hätte er 150 Pfd.St. anzuleihen, wo sonst
       100 Pfd.St., und hätte daher bei 5% Zins 7 1/2 Pfd.St. zu zahlen,
       wo er  sonst 5  Pfd.St. zahlte.  Die Masse des von ihm zu zahlen.
       den Zinses würde steigen, weil die Masse des geborgten Kapitals.
       Der ganze Versuch des Herrn Overstone besteht darin, die Interes-
       sen des Leihkapitals und des industriellen Kapitals als identisch
       darzustellen, während  sein Bankakt  gerade darauf berechnet ist,
       die Differenz dieser Interessen zum Vorteil des GeldkapitaIs aus-
       zubeuten.
       Es ist möglich, daß die Nachfrage nach Waren, im Fall ihre Zufuhr
       unter den  Durchschnitt gefallen,  nicht mehr  Geldkapital absor-
       biert als  früher. Es  ist dieselbe  Summe, vielleicht eine klei-
       nere, zu  zahlen für  ihren Gesamtwert,  aber für  dieselbe Summe
       wird ein  kleineres Quantum von Gebrauchswerten erhalten. In die-
       sem Falle  wird die  Nachfrage nach leihbarem Gldkapital dieselbe
       bleiben, also  der Zinsfuß  nicht steigen, obgleich die Nachfrage
       nach der  Ware im  Verhältnis zu ihrer Zufuhr und daher der Preis
       der Ware gestiegen wäre. Der Zinsfuß kann nur berührt werden, so-
       bald die  Gesamtnachfrage nach  Leihkapital wächst,  und dies ist
       unter obigen Voraussetzungen nicht der Fall.
       Die Zufuhr  eines Artikels  kann aber auch unter den Durchschnitt
       fallen, wie  bei Mißernte  in Korn, Baumwolle etc., und die Nach-
       frage nach  Leibkapital wachsen, weil darauf spekuliert wird, daß
       die Preise  noch höher steigen, und das nächste Mittel, sie stei-
       gen zu  machen, darin  besteht, einen  Teil der  Zufuhr dem Markt
       zeitweilig zu  entziehn. Um  aber die  gekaufte Ware zu bezahlen,
       ohne sie  zu verkaufen,  wird vermittelst der kommerziellen Wech-
       selwirtschaft Geld verschafft. In diesem Fall wächst die
       
       #531# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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       Nachfrage nach  Leihkapital, und der Zinsfuß kann steigen infolge
       dieses Versuchs,  die Zufuhr der Ware zum Markt künstlich zu ver-
       hindern. Der höhere Zinsfuß drückt dann eine künstliche Verminde-
       rung der Zufuhr des Warenkapitals aus.
       Andrerseits kann  die Nachfrage  nach einem Artikel wachsen, weil
       seine Zufuhr  gewachsen ist  und der  Artikel unter seinem Durch-
       schnittspreis steht.
       In diesem Fall kann die Nachfrage nach Leihkapital dieselbe blei-
       ben oder  selbst fallen,  weil mit derselben Geldsumme mehr Waren
       zu haben sind. Es könnte aber auch spekulative Vorratbildung ein-
       treten, teils  zur Benutzung des günstigen Mornents für Produkti-
       onszwecke, teils in Erwartung späterer Preissteigerung. In diesem
       Fall könnte  die Nachfrage  nach Leihkapital wachsen, und der er-
       höhte Zinsfuß  wäre so Ausdruck von Kapitalanlage in überschüssi-
       ger Vorratbildung von Elementen des produktiven Kapitals. Wir be-
       trachten hier  nur die Nachfrage nach Leihkapital, wie sie beein-
       flußt wird  durch die  Nachfrage und Zufuhr des Warenkapitals. Es
       ist schon früher auseinandergesetzt, wie der wechselnde Stand des
       Reproduktionsprozesses in den Phasen des industriellen Zyklus auf
       das An.  gebot von Leihkapital wirkt. Den trivialen Satz, daß die
       Marktrate des  Zinsfußes bestimmt  ist durch Zufuhr und Nachfrage
       von (Leih-)Kapital,  wirft Overstone  schlauerweise zusammen  mit
       seiner eignen Annahme, wonach Leihkapital identisch ist mit Kapi-
       tal überhaupt, und sucht dadurch den Wucherer in den einzigen Ka-
       pitalisten und sein Kapital in das einzige Kapital zu verwandeln.
       In Zeiten der Klemme ist die Nachfrage nach Leihkapital Nachfrage
       nach Zahlungsmittel  und weiter  gar nichts; keineswegs Nachfrage
       nach Geld  als Kaufmittel. Der Zinsfuß kann dabei sehr hoch gehn,
       einerlei ob  reales Kapital  - produktives  und Warenkapital - im
       Übermaß vorhanden  oder knapp. Die Nachfrage nach Zahlungsmitteln
       ist bloße  Nachfrage nach Umsetzbarkeit in Geld, soweit die Kauf-
       leute und  Produzenten gute  Sicherheiten bieten  können; sie ist
       Nachfrage nach  Geldkapital, soweit  dies nicht der Fall ist, so-
       weit also  ein Vorschuß  von Zahlungsmitteln  ihnen nicht nur die
       Geldform gibt, sondern das ihnen mangelnde Äquivalent, in welcher
       Form es  sei, zum Zahlen. Dies ist der Punkt, wo beide Seiten der
       landläufigen Theorie bei Beurteilung der Krisen recht und unrecht
       haben. Die  da sagen,  daß bloß  Mangel an  Zahlungsmitteln  exi-
       stiert, haben entweder bloß die Besitzer von bona fide Sicherhei-
       ten im Auge oder sind Narren, die glauben, es sei die Pflicht und
       in der  Macht einer  Bank,  durch  Papierzettel  alle  bankrotten
       Schwindler in zahlungsfähige solide Kapitalisten zu verwandeln.
       
       #532# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Die da sagen, daß bloß Mangel an Kapital existiert, machen entwe-
       der  bloße   Wortklauberei,  da   ja  in   solchen   Zeiten   das
       i n k o n v e r t i b l e   Kapital infolge  von Übereinfuhr  und
       Überproduktion massenhaft  vorhanden ist,  oder sie sprechen bloß
       von jenen  Kreditrittern, die  nun in der Tat in Umstände gesetzt
       sind, wo  sie nicht  länger fremdes Kapital erhalten, um damit zu
       wirtschaften, und  nun verlangen,  die Bank solle ihnen nicht nur
       das verlorne  Kapital zahlen  helfen, sondern  sie auch  noch zur
       Fortsetzung des Schwindels befähigen.
       Es ist  Grundlage der  kapitalistischen Produktion,  daß das Geld
       als selbständige  Form des Werts der Ware gegenübertritt oder daß
       der Tauschwert  selbständige Form  im Geld erhalten muß, und dies
       ist nur  möglich, indem eine bestimmte Ware das Material wird, in
       deren Wert sich alle andern Waren messen, daß sie ebendadurch die
       allgemeine Ware,  die Ware  par excellence  im Gegensatz zu allen
       andern Waren  wird. Dies  muß sich  in doppelter Hinsicht zeigen,
       und namentlich  bei kapitalistisch entwickelten Nationen, die das
       Geld in  großem Maß ersetzen, einerseits durch KreditOperationen,
       andrerseits durch Kreditgeld.
       In Zeiten  der Klemme,  wo der Kredit einschrumpft oder ganz auf-
       hört, tritt plötzlich Geld als einziges Zahlungsmittel und wahres
       Dasein des  Werts absolut  den Waren  gegenüber. Daher die allge-
       meine Entwertung  der Waren, die Schwierigkeit, ja die Unmöglich-
       keit, sie  in Geld zu verwandeln, d.h. in ihre eigne rein phanta-
       stische Form.  Zweitens aber: das Kreditgeld selbst ist nur Geld,
       soweit es  im Betrage  seines Nominalwerts  absolut das wirkliche
       Geld vertritt.  Mit dem  Goldabfluß wird seine Konvertibilität in
       Geld problematisch, d.h. seine Identität mit wirklichem Gold. Da-
       her Zwangsmaßregeln, Heraufsetzung des Zinsfußes etc., um die Be-
       dingungen dieser  Konvertibilität zu sichern. Dies kann mehr oder
       minder auf  die Spitze  getrieben werden  durch falsche Gesetzge-
       bung, beruhend auf falschen Theorien vom Geld und der Nation auf-
       gedrängt durch  das Interesse  der Geldhändler, der Overstone und
       Konsorten. Die  Grundlage aber  ist gegeben mit der Grundlage der
       Produktionsweise selbst.  Eine Entwertung  des Kreditgeldes  (gar
       nicht zu  sprechen von  einer übrigens  nur imaginären Entgeldung
       desselben) würde  alle bestehenden  Verhältnisse erschüttern. Der
       Wert der  Waren wird  daher geopfert,  um das  phantastische  und
       selbständige Dasein dieses Werts im Geld zu sichern. Als Geldwert
       ist er  überhaupt nur  gesichert, solange das Geld gesichert ist.
       Für ein  paar Millionen  Geld müssen  daher viele Millionen Waren
       zum Opfer  gebracht werden. Dies ist unvermeidlich in der kapita-
       listischen Produktion  und bildet eine ihrer Schönheiten. In frü-
       hern Produktionsweisen  kommt dies  nicht vor, weil bei der engen
       Basis, auf der
       
       #533# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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       sie sich  bewegen, weder  der Kredit noch das Kreditgeld zur Ent-
       wicklung kommt.  Solange der    g e s e l l s c h a f t l i c h e
       Charakter der  Arbeit als  das  G e l d d a s e i n  der Ware und
       daher als  ein Ding  außer der  wirklichen Produktion  erscheint,
       sind Geldkrisen, unabhängig oder als Verschärfung wirklicher Kri-
       sen, unvermeidlich.  Es ist  andrerseits klar,  daß, solange  der
       Kredit einer Bank nicht erschüttert ist, sie durch Vermehrung des
       Kreditgelds in  solchen Fällen  die Panik  lindert, durch  dessen
       Einziehung sie  aber vermehrt. Alle Geschichte der modernen Indu-
       strie zeigt, daß Metall in der Tat nur erheischt wäre zur Saldie-
       rung des internationalen Handels, sobald dessen Gleichgewicht mo-
       mentan verschoben  ist, wenn  die inländische  Produktion organi-
       siert wäre.  Daß das  Inland schon  jetzt kein Metallgeld bedarf,
       beweist die  Suspension der Barzahlungen der sog. Nationalbanken,
       zu der,  als zum  einzigen Hilfsmittel,  in allen extremen Fällen
       gegriffen wird. Bei zwei Individuen wäre es lächerlich, zu sagen,
       daß im  Verkehr untereinander beide die Zahlungsbilanz gegen sich
       haben. Wenn sie wechselseitig Schuldner und Gläubiger voneinander
       sind, ist es klar, daß, wenn ihre Forderungen sich nicht ausglei-
       chen, für  den Rest  der eine  der Schuldner des andern sein muß.
       Bei Nationen  ist dies  keineswegs der Fall. Und daß es nicht der
       Fall ist,  ist von  allen Ökonomen in dem Satz anerkannt, daß die
       Zahlungsbilanz für  oder gegen eine Nation sein kann, obwohl ihre
       Handelsbilanz sich  schließlich ausgleichen  muß. Die Zahlungsbi-
       lanz unterscheidet  sich dadurch  von der  Handelsbilanz, daß sie
       eine in  einer bestimmten Zeit fällige Handelsbilanz ist. Was nun
       die Krisen tun, ist, daß sie die Differenz zwischen der Zahlungs-
       bilanz und  der Handelsbilanz in eine kurze Zeit zusammendrängen;
       und die  bestimmten Zustände, die sich bei der Nation entwickeln,
       bei der  die Krise  ist, bei  der daher  jetzt der Zahlungstermin
       eintritt, -  diese Zustände bringen schon eine solche Kontraktion
       der Ausgleichungszeit mit sich. Erstens das Wegsenden von Edelme-
       tallen; dann das Losschlagen konsignierter Waren; das Exportieren
       von Waren,  um sie loszuschlagen oder um im Inland Geldvorschüsse
       darauf aufzutreiben,  das Steigen  des Zinsfußes, das Aufkündigen
       der Kredite,  das Fallen der Wertpapiere, das Losschlagen fremder
       Wertpapiere, die  Attraktion von  fremdem Kapital  zur Anlage  in
       diesen entwerteten  Wertpapieren, endlich  der Bankrott, der eine
       Masse Forderungen  ausgleicht. Es wird dabei oft noch Metall ver-
       sandt nach  dem Land, wo die Krise ausgebrochen, weil die Wechsel
       darauf unsicher,  also die  Zahlung am  sichersten in  Metall er-
       folgt. Es  kommt dazu  der Umstand,  daß mit Bezug auf Asien alle
       kapitalistischen Nationen  meist gleichzeitig,  direkt oder indi-
       rekt, seine  Schuldner sind.  Sobald diese  verschiednen Umstände
       auf die andre beteiligte Nation ihre
       
       #534# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       volle Wirkung  üben, tritt  auch bei ihr Gold- oder Silberexport,
       kurz der  Zahlungstermin ein, und dieselben Phänomene wiederholen
       sich. Bei dem kommerziellen Kredit geht der Zins, als Unterschied
       des Kreditpreises  vom Barpreise,  nur soweit  in den  Warenpreis
       ein, als  die Wechsel  längte als gewöhnliche Laufzeit haben. An-
       dernfalls nicht.  Und dies erklärt sich daraus, daß jeder mit der
       einen Hand  diesen Kredit nimmt und ihn mit der andern gibt. Dies
       stimmt nicht  mit meiner  Erfahrung. F.  E.} Soweit aber der Dis-
       konto in dieser Form hier eingeht, ist er nicht durch diesen kom-
       merziellen Kredit, sondern durch den Geldmarkt geregelt.
       Wären Nachfrage  und Angebot von Geldkapital, die den Zinsfuß be-
       stimmen, identisch mit Nachfrage und Angebot von wirklichem Kapi-
       tal, wie  Overstone behauptet,  so müßte,  je  nachdem  man  ver-
       schiedne  Waren   oder  dieselbe  Ware  in  verschiednen  Stadien
       (Rohstoff, Halbfabrikat,  fertiges Produkt)  betrachtet, der Zins
       gleichzeitig niedrig  und hoch  sein. 1844  schwankte der Zinsfuß
       der B.v.E.  zwischen 4%  (von Januar bis September) und 2 1/2 und
       3% von  November bis  Jahresschluß. 1845  war er 2 1/2, 2 3/4, 3%
       von Januar bis Oktober, zwischen 3 und 5% in den letzten Monaten.
       Der Durchschnittspreis  von für  Orleans Baumwolle war 1844 6 1/4
       d. und  1845 4  1/8 d.  Am 3. März 1844 war der Baumwollvorrat in
       Liverpool 627 042  Ballen und  am 3.  März 1845   773 800 Ballen.
       Nach dem  niedrigen Preis  der Baumwolle  zu schließen, mußte der
       Zinsfuß 1845  niedrig sein, was er in der Tat während des größten
       Teils dieser  Zeit war.  Aer nach dem Garn zu schließen, hätte er
       hoch sein  müssen, denn  die Preise waren relativ und die Profite
       absolut hoch.  Aus Baumwolle  zu 4 d. das Pfund konnte 1845 mit 4
       d. Spinnkosten ein Garn gesponnen werden (Nr. 40 gut secunda mule
       twist), das  dem Spinner  also 8  d. kostete und das er September
       und Oktober  1845 zu  10 1/2,  oder 11 1/2 d. per Pfund verkaufen
       konnte. (S. Aussage von Wylie weiter unten.)
       Die ganze  Sache kann  dadurch zur  Entscheidung gebracht werden:
       Nachfrage und  Angebot von  Leihkapital wäre  identisch mit Nach-
       frage und  Angebot von Kapital Oberhaupt (obgleich diese letztere
       Phrase absurd  ist; für  den Industriellen  oder Kaufmann ist die
       Ware eine Form seines Kapitals, aber er verlangt doch nie Kapital
       als solches,  sondern stets  nur diese spezielle Ware als solche,
       kauft und zahlt sie als Ware, Korn oder Baumwolle, unabhängig von
       der Rolle, die sie im Kreislauf seines Kapitals einzunehmen hat),
       wenn es keine Geldverleiher gäbe und statt deren die verleihenden
       Kapitalisten im  Besitz von  Maschinerie, Rohstoff etc. wären und
       sie diese ausliehen oder vermieteten, wie jetzt Häuser,an die in-
       dustriellen
       
       #535# 32. Kapitel - Geldkapital und wirkliches Kapital - III
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       Kapitalisten, die  selbst Eigner  eines Teils  dieser Cegenstände
       sind. Unter  solchen Umständen  wäre die  Zufuhr von  Leihkapital
       identisch mit Zufuhr von Produktionselementen für den industriel-
       len Kapitalisten,  von Waren  für den Kaufmann. Es ist aber klar,
       daß dann die Teilung des Profits zwischen her und Borger zunächst
       ganz abhängen würde von dem Verhältnis, worin dies Kapital gelie-
       hen ist und worin es Eigentum dessen, der es anwendet.
       Nach Herrn  Weguelin (B.  A. 1857) ist der Zinsfuß bestimmt durch
       die Masse  des unbeschäftigten Kapitals" (252); ist nur ein Index
       der Masse  des unbeschäftigten Kapitals, das Anlage sucht" (271);
       später heißt dies unbeschäftigte Kapital "floating capital" (485)
       und darunter  versteht er  Noten der  Bank von  England und andre
       Zirkulationsmittel im  Lande; z.B. die Noten der Provinzialbanken
       und die  im Lande  vorhandne Münze... ich schließe unter floating
       capital auch  die Reserven  der Banken ein" (502, 503) und später
       auch Barrengold  (503). So  sagt derselbe  Weguelin, daß die Bank
       von England  großen Einfluß  auf den  Zinsfuß hat  zu Zeiten, "wo
       wir" (die  B.v.E.) tatsächlich den größten Teil des unbeschäftig-
       ten Kapitals  in unsrer  Hand haben"  (1198), während nach obigen
       Aussagen des Herrn Overstone die Bank von England "kein Platz für
       Kapital ist". Ferner sagt Weguelin:
       
       "Nach meiner  Ansicht wird  die Diskontorate  reguliert durch die
       Menge des  unbeschäftigten Kapitals im Lande. Die Menge des unbe-
       schäftigten Kapitals  ist repräsentiert  durch  die  Reserve  der
       B.v.E., die tatsächlich eine Metallreserve ist. Wenn also der Me-
       tallschatz vermindert  wird, vermindert  dies die Menge des unbe-
       schäftigten Kapitals im Lande und steigert also den Wert des noch
       vorhandnen Rests." (1258.)
       
       J. Stuart Mill sagt 2102:
       
       "Die Bank  ist genötigt, um ihr banking department solvent zu er-
       halten, ihr  möglichstes zu  tun, die Reserve dieses Departements
       zu fällen;  sobald sie  also findet, daß ein Abfluß eintritt, muß
       sie sich  eine Reserve  sichern und entweder ihre Diskontierungen
       einschränken oder Wertpapiere verkaufen."
       
       Die Reserve,  soweit bloß das banking department betrachtet wird,
       ist Reserve  nur für  die Depositen. Nach den Overstones soll das
       banking department  bloß als  Bankier handeln, ohne Rücksicht auf
       die "automatische" Notenausgabe. Aber in Zeiten wirklicher Klemme
       hat das  Institut, unabhängig von der Reserve des banking depart-
       ment, die  nur aus  Noten besteht, ein sehr scharfes Auge auf den
       Metallschatz und muß es haben, wenn es nicht fallieren will. Denn
       im selben  Maß wie der Metallschatz schwindet, schwindet auch die
       Reserve von  Banknoten, und niemand sollte dies besser wissen als
       Herr Overstone,  der dies  eben durch  seinen Bankakt von 1844 so
       weise eingerichtet hat.

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