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DREIUNDDREISSIGSTES KAPITEL
Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
"Der große Regulator der Geschwindigkeit der Zirkulation ist der
Kredit. Daher erklärt sich, warum eine scharfe Klemme im Geld-
markt gewöhnlich enfällt mit einer gefällten Zirkulation." ("The
Currency Theory Reviewed", p. 65.)
Dies ist doppelt zu verstehn. Einerseits sind alle Methoden, die
Zirkulationsmittel ersparen, begründet auf den Kredit. Zweitens
aber: nimm z.B. eine 500-Pfund-Note. A gibt sie heute in Zahlung
eines Wechsels an B; B deponiert sie denselben Tag bei seinem
Bankier; dieser diskontiert noch selben Tags einen Wechsel damit
für C; C zahlt sie an seine Bank, die Bank gibt sie dem bill-bro-
ker auf Vorschuß etc. Die Geschwindigkeit, mit der die Note hier
zirkuliert, zu Käufen oder Zahlungen dient, ist vermittelt durch
die Geschwindigkeit, womit sie immer wieder in der Form des Depo-
situms zu jemandem zurückkehrt und in der Form des Anlehens wie-
der zu jemand anders übergeht. Das bloße Ökonomisieren des Zirku-
lationsmittels erscheint am höchsten entwickelt im Clearing
House, dem bloßen Austausch von fälligen Wechseln, und der vor-
wiegenden Funktion des Geldes als Zahlungsmittel zum Ausgleich
bloßer Oberschüsse. Aber das Dasein dieser Wechsel beruht selbst
wieder auf dem Kredit, den sich die Industriellen und Kaufleute
untereinander geben. Nimmt dieser Kredit ab, so nimmt die Zahl
der Wechsel ab, namentlich der langsichtigen, also auch die Wirk-
samkeit dieser Methode der Ausgleichungen. Und diese Ökonomie,
die in der Beseitigung des Geldes aus den Umsätzen besteht und
die ganz auf der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel beruht,
welche wieder auf dem Kredit beruht, kann (abgesehn von der mehr
oder minder entwickelten Technik in der Konzentration dieser Zah-
lungen) nur zweierlei Art sein: Wechselseitige Schuldforderungen,
repräsentiert durch Wechsel oder Schecks, gleichen sich aus ent-
weder bei demselben Bankier, der nur die Forderung vom Konto des
einen auf das des andern überschreibt; oder die
#537# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kereditsystem
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verschiednen Bankiers gleichen untereinander aus. 11) Die Konzen-
tration von 8-10 Millionen Wechseln in der Hand eines bill-bro-
kers, wie z.B. der Firma Overend, Gurney & Co., war eins der
Hauptmittel, die Stufenleiter dieser Ausgleichung lokal zu erwei-
tern. Durch diese Ökonomisierung wird die Wirksamkeit des Um-
laufsmittels erhöht, soweit ein geringres Quantum davon erfordert
wird zur bloßen Saldierung der Bilanz. Andrerseits hängt die Ge-
schwindigkeit des als Zirkulationsmittel umlaufenden Geldes
(wodurch es auch ökonomisiert wird) ganz ab von dem Fluß der
Käufe und Verkäufe, oder auch von der Verkettung der Zahlungen,
soweit sie nacheinander in Geld erfolgen. Aber der Kredit vermit-
telt und erhöht dadurch die Geschwindigkeit der Zirkulation. Das
einzelne Geldstück kann z.B. nur fünf Umläufe bewirken und bleibt
länger in jeder einzelnen Hand ruhen als bloßes Zirkulationsmit-
tel ohne Dazwischenkunft des Kredits -, wenn A, sein ursprüngli-
cher Besitzer, von B, B von C, C von D, D von E, E von F kauft,
also sein Übergang von einer Hand in die andre nur durch wirkli-
che Käufe und Verkäufe vermittelt ist. Wenn aber B das von A in
Zahlung er haltne Geld bei seinem Bankier deponiert und dieser es
ausgibt in Wechselcliskont an C, dieser von D kauft, D es bei
seinem Bankier deponiert und dieser es an E leiht, der von F
kauft, so ist selbst seine Geschwindigkeit als bloßes Zirkulati-
onsmittel (Kaufmittel) vermittelt durch mehrere Kreditoperatio-
nen: das Deponieren des B bei seinem Bankier und dessen Diskon-
tieren für C, das Deponieren des D bei seinem Bankier und dessen
Diskontieren für E; also durch vier Kreditoperationen. Ohne diese
Kreditoperationeu hätte dasselbe Geldstück nicht fünf Käufe nach-
einander im gegebnen Zeitraum verrichtet. Daß es ohne Vermittlung
von wirklichem Kauf und Verkauf - als Depositum und im Diskonto -
die Hände wechselte, hat hier seinen Händewechsel in der Reihe
wirklicher Absätze beschleunigt.
Es hat sich vorhin gezeigt, wie eine und dieselbe Banknote Depo-
siten bei verschiednen Bankiers bilden kann. Ebenso kann sie ver-
schiedne Depositen
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11) Durchschnittliche Anzahl der Tage, während deren eine
Banknote in Zirkulation blieb:
Jahr 5 Pfd.St. 10 Pfd.St. 20-100 200-500 1000 Pfd.St.
Pfd.St. Pfd.St.
1792 ? 236 209 31 22
1818 148 137 121 18 13
1846 79 71 34 12 8
1856 70 58 27 9 7
(Aufstellung des Kassierers der B.v.E. Marshall im "Report on
Bank Acts", 1857, II, Appendix p. 300, 301.)
#538# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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bei demselben Bankier bilden. Er diskontiert mit der Note, die A
deponiert hat, den Wechsel von B, B zahlt an C, C deponiert die-
selbe Note bei denselben Bankier, der sie verausgabt.
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Es ist bereits bei Betrachtung der einfachen Celdzirkulation
(Buch I, Kap. III, 2) nachgewiesen worden, daß die Masse des
wirklich zirkulieren. den Geldes, Geschwindigkeit der Zirkulation
und Ökonomie der Zahlungen als gegeben vorausgesetzt, bestimmt
ist durch die Preise der Waren und die Masse der Transaktionen.
Dasselbe Gesetz herrscht bei der Notenzirkulation. In der folgen-
den Tabelle sind für jedes Jahr die Jahresdurchschnitte der Noten
der Bank von England, soweit sich solche in der Hand des Publi-
kums befanden, verzeichnet, und zwar die Beträge der 5- und 10-
Pfund-Noten, die der Noten von 20-100 Pfd.St. und die der höheren
Noten von 200-1000 Pfd.St.; sowie der Prozentsatz der Gesamtzir-
kulation, den jede dieser Rubriken liefert. Die Beträge sind in
Tausenden, unter Streichung der drei letzten Stellen.
Noten von Noten von Noten von Ins-
Jahr 5-10 Pfd.St. 20-100 Pfd.St. 200-1000 Pfd.St. gesamt
Pfd.St. % Pfd.St. % Pfd.St. % Pfd. St.
1844 9263 45,7 5735 28,3 5253 26,0 20241
1845 9698 46,9 6082 29,3 4942 23,8 20722
1846 9918 48,9 5778 28,5 4590 22,6 20286
1847 9591 50,1 5498 28,7 4066 21,2 19155
1848 8732 48,3 5046 27,9 4307 23,8 18085
1849 8692 47,2 5234 28,5 4477 24,3 18403
1850 9164 47,2 5587 28,8 4646 24,0 19398
1851 9362 48,1 5554 28,5 4557 23,4 19473
1852 9839 45,0 6161 28,2 5856 26,8 21856
1853 10699 47,3 6393 28,2 5541 24,5 22653
1854 10565 51,0 5910 28,5 4234 20,5 20709
1855 10628 53,6 5706 28,9 3459 17,5 19793
1856 10680 54,4 5645 28,7 3323 16,9 19648
1857 10659 54,7 5567 28,6 3241 16,7 19467
(B.A. 1858, p. XXVI.)
Die Gesamtsumme der zirkulierenden Banknoten hat also von 1844
bis 1857 positiv abgenommen, obgleich der durch Ausfuhr und Ein-
fuhr nachgewiesene Geschäftsverkehr sich mehr als verdoppelt
hatte. Die kleinern Banknoten von 5 Pfd.St. und 10 Pfd.St. nahmen
zu, wie die Liste zeigt,
#539# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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von 9 263 000 Pfd.St. in 1844 auf 10 659 000 Pfd.St. in 1857. Und
dies gleichzeitig mit der gerade damals so starken Vermehrung der
Goldzirkulation. Dagegen Abnahme der Noten von höhern Beträgen
(Von 200 bis 1000 Pfd.St.) von 5 856 000 Pfd.St. in 1852 auf
3 241 000 Pfd.St. in 1857. Also Abnahme von mehr als 2 1/2 Mill.
Pfd.St. Dies wird erklärt wie folgt:
"Am 8. Juni 1854 ließen die Privatbankiers von London die Aktien-
banken an der Einrichtung des Clearing House teilnehmen, und bald
darauf wurde das schlicßliche clearing in der Bank von England
eingerichtet. Die täglichen Saldierungen werden erledigt durch
Überschreibung auf den Kontos, die die verschiednen Banken in der
Bank von England halten. Durch Einführung dieses Systems sind die
Noten von hohem Betrag, deren sich die Banken früher zur Ausglei-
chung ihrer gegenseitigem Rechnungen bedienten, überflüssig ge-
worden." (B.A. 1858, p. V.)
Wie sehr der Gebrauch des Geldes im Großhandel auf ein geringes
Minimum reduziert ist, darüber vgl. die Tabelle, die Buch 1, Kap.
III, Note 103 abgedruckt und die dem Bankausschuß geliefert wurde
von Morrison, Dillon & Co., einem der größten derjenigen Londoner
Häuser, wo ein Kleinhändler seinen ganzen Vorrat von Waren aller
Art einkaufen kann. Nach der Aussage von W. Newmarch vor dem B.A.
1857, Nr. 1741, trugen auch noch andre Umstände zur Ersparung von
Zirkulationsmitteln bei: das Penny-Briefporto, die Eisenbahnen,
die Telegraphen, kurz die verbesserten Verkehrsmittel; so daß
England jetzt bei ungefähr derselben Banknotenzirkulation ein
fünf- bis sechsmal so großes Geschäft machen kann. Dies sei aber
auch wesentlich der Ausschaltung der Noten von mehr als 10
Pfd.St. aus der Zirkulation geschuldet. Dies scheint ihm eine na-
türliche Erklärung dafür, daß in Schottland und Irland, wo auch
Pfund-Noten zirkulieren, die Notenzirkulation um ungefähr 31% ge-
stiegen ist. (1747.) Die Gesamtzirkulation von Banknoten im Ver-
einigten Königreich, mit Einschluß der 1 Pfund-Noten, sei 39
Mill. Pfd.St. (1749.) Die Goldzirkulation = 70 Mill.Pfd. St.
(1750.) In Schottland war die Notenzirkulation 1834 - 3 120 000
Pfd.St.; 1844 - 3 020 000 Pfd.St.; 1854 - 4 050 000 Pfd.St.
(1752.)
Schon hieraus geht hervor, daß es keineswegs in der Hand der No-
ten ausgebenden Banken steht, die Zahl der zirkulierenden Noten
zu vermehren, solange diese Noten jederzeit gegen Geld austausch-
bar sind. {Von inkonvertiblem Papiergeld ist hier überhaupt nicht
die Rede; inkonvertible Banknoten können nur da allgemeines Zir-
kulationsinittel werden, wo sie tatsächlich durch Staatskredit
gestützt werden, wie z.B. gegenwärtig in Rußland. Sie fallen da-
mit unter die Gesetze des inkonvertiblen Staatspapiergelds,
#540# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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die schon entwickelt sind. (Buch I, Kap. III, 2, c: Die Münze.
Das Wertzeichen.) - F.E.}
Die Menge der zirkulierenden Noten richtet sich nach den Bedürf-
nissen des Verkehrs, und jede überflüssige Note wandert sofort
zurück zu ihrem Ausgeber. Da in England nur die Noten der Bank
von England als gesetzliches Zahlungsmittel allgemein umlaufen,
können wir die unbedeutende und nur lokale Notenzirkulation der
Provinzialbanken hier vernachlässigen.
Vor dem B.A. 1858 sagt Herr Neave, Couverneur der Bank von Eng-
land, aus:
Nr. 947. (Frage.) "Welche Maßregeln auch immer Sie ergreifen, der
Notenbetrag in den Händen des Publikums, sagen Sie, bleibt der-
selbe; d.h. ungefähr 20 Mill. Pfd.St.? - In gewöhnlichen Zeiten
scheint der Gebrauch des Publikums ungefähr 20 Mill. zu erfor-
dern. Zu gewissen periodisch wiederkehrenden Zeiten im Jahr stei-
gen sie um 1 oder 1 1/2 Mill. Wenn das Publikum mehr braucht, so
kann es sie, wie ich sagte, stets bei der Bank von England bekom-
men." - 948. "Sie sagten, daß während der Panik das Publikum Ih-
nen nicht erlauben wollte, den Notenbetrag zu vermindern; wollen
Sie das begründen? - In Zeiten der Panik hat das Publikum, wie
mir scheint, volle Macht, sich Noten zu verschaffen; und natür-
lich, solange die Bank eine Verpflichtung hat, kann das Publikum
auf diese Verpflichtung hin die Noten von der Bank entnehmen." -
949. Es scheinen also jederzeit ungefähr 20 Mill. Noten der
B.v.E. erforderlich zu sein? - 20 Mill. Noten in der Hand des Pu-
blikums, es wechselt. Es sind 18 1/2, 19, 20 Mill. usw.; aber im
Durchschnitt können Sie sagen 19-20 Millionen."
Aussage von Thomas Tooke vor dem Ausschuß der Lords über Commer-
cial Distress (C.D. 1848/1857), Nr. 3094:
"Die Bank hat keine Macht, nach eignem Willen den Betrag der No-
ten in der Hand des Publikums zu erweitern; sie hat die Macht,
den Notenbetrag in der Hand des Publikums zu vermindern, aber nur
vermittelst einer sehr gewaltsamen Operation."
J.C. Wright, seit 30 Jahren Bankier in Nottingham, nachdem er
ausführlich die Unmöglichkeit auseinandergesetzt, daß die Provin-
zialbanken jemals mehr Noten in Umlauf erhalten könnten, als das
Publikum braucht und will, sagt von den Noten der Bank von Eng-
land (C.D. 1848/1857), Nr. 2844:
"Ich weiß von keiner Schranke" (der Notenausgabe) für die B. von
E., aber jeder Überschuß der Zirkulation wird in die Depositen
übergehn und so eine andre Form annehmen."
Dasselbe gilt für Schottland, wo fast nur Papier zirkuliert, weil
dort wie in Irland auch Einpfundnoten gestattet sind und "the
scotch hate gold". 1*)
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1*) "die Schotten Gold hassen"
#541# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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Kennedy, Dirigent einer schottischen Bank, erklärt, die Banken
könnten ihre Notenzirkulation nicht einmal vermindern, und ist
"der Ansicht, daß, solange inländische Geschäftsabschlüsse Noten
oder Gold erfordern, um zustande zu kommen, die Banlders soviel
Umlaufmittel liefern müssen, wie diese Geschäfte erfordern - sei
es auf Verlangen ihrer Depositoren oder sonstwie... Die schotti-
schen Banken können ihre Geschäfte einschränken, aber sie können
keine Kontrolle ausüben über ihre Notenausgabe." (ib., Nr. 3446,
3448.)
Desgleichen Anderson, Dirigent der Union Bank of Scotland, ib.,
Nr. 3578:
"Verhindert das System des gegenseitigem Notenaustausches"
{zwischen den schottischen Banken} eine Überausgabe von Noten von
seiten einer einzelnen Bank? Jawohl; wir haben aber ein wirksa-
meres Mittel als den Notenaustausch" (der in der Tat gar nichts
damit zu tun hat, wohl aber die Umlaufsfähigkeit der Noten jeder
Bank aber ganz Schottland sichert) und dies ist der allgemeine
Gebrauch in Schottland, ein Bankkonto zu halten; jedermann, der
irgendwie Geld hat, hat auch ein Konto bei einer Bank und zahlt
tagtäglich alles Geld ein, das er nicht unmittelbar selbst nötig
hat, so daß am Schluß eines jeden Geschäftstags alles Geld in den
Banken ist, ausgenommen was jeder in der Tasche hat."
Ebenso für Irland, s. die Aussagen des Gouverneurs der Bank von
Irland, MacDonnell, und des Dirigenten der Provincial Bank of
Ireland, Murray, vor demselben Ausschuß. Ebenso unabhängig wie
vom Willen der Bank von England ist die Noten, Zirkulation vom
Stand des Goldschatzes in den Kellern der Bank, der die Konverti-
bilität dieser Noten sichert.
"Am 18. September 1846 war die Notenzirkulation der Bank von Eng-
land 20 900 000 Pfd.St. und ihr Metallschatz 16 273 000 Pfd.St.;
am 5.April 1847 die Zirkulation 20 815 000 Pfd.St. und der Me-
tallschatz 10 246 000 Pfd.St. Also fand trotz des Exports der 6
Millionen Pfd.St. Edelmetall keine Einschrumpfung der Zirkulation
statt." (J. G. Kinnear, "The Crisis and the Currency", Ld. 1847,
p. 5.)
Es versteht sich jedoch, daß dies nur gilt unter den in England
heute herrschenden Verhältnissen, und auch da nur, soweit nicht
die Gesetzgebung über das Verhältnis von Notenausgabe und Metall-
schatz ein anderes befiehlt.
Es sind also nur die Bedürfnisse des Geschäfts selbst, die einen
Einfluß auf die Quantität des zirkulierenden Geldes - Noten und
Gold - ausüben. Hier kommen zunächst die periodischen Schwankun-
gen in Betracht, die sich jedes Jahr wiederholen, was auch die
allgemeine Geschäftslage sein mag, so daß seit 20 Jahren
#542# V. Abschnitt - Das zinstrapnde Kapital
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"in einem bestimmten Monat die Zirkulation hoch, in einem andern
niedrig ist und in einem dritten bestimmten Monat ein mittlerer
Punkt vorkommt". (Newmarch, B.A. 1857, Nr. 1650.)
So gehn im August jedes Jahres einige Millionen, meist in Gold,
aus der B. von E. in die inländische Zirkulation, um die Kosten
der Ernte zu zahlen; daes sich in der Hauptsache um Zahlung von
Arbeitslöhnen handelt, sind Banknoten hier für England weniger zu
gebrauchen. Bis Jahresschluß ist dies Geld der Bank dann wieder
zurückgeströmt. In Schottland gibt es statt Sovereigns fast nur
Pfundnoten; hier dehnt sich daher im entsprechenden Fall die No-
tenzirkulation aus, und zwar zweimal im Jahr, im Mai und Novem-
ber, von 3 auf 4 Millionen; nach 14 Tagen stellt sich bereits der
Rückfluß ein, in einem Monat ist er fast vollendet. (Anderson,
l.c., [C. D. 1848/1857] Nr. 3595-3600.) Die Notenzirkulation der
Bank von England erfährt auch vierteljährlich eine momentane
Schwankung infolge der vierteljährlichen Zahlung der
.Dividenden', d.h. der Zinsen der Staatsschuld, wodurch zuerst
Banknoten der Zirkulation entzogen und dann wieder unter das Pu-
blikum geworfen werden; sie fließen aber sehr bald wieder zurück.
Weguelin (B.A. 1857, Nr. 38) gibt den Betrag der hierdurch verur-
sachten Schwankung der Notenzirkulation auf 2 1/2 Millionen an.
Dagegen berechnet Herr Chapman von der notorischen Firma Overend,
Gurney & Co. den Betrag der hierdurch auf dem Geldmarkt hervorge-
rufenen Störung weit höher.
"Wenn Sie aus der Zirkulation 6 oder 7 Millionen für Steuern her-
ausnehmen, um damit die Dividenden zu zahlen, so muß irgend je-
mand da sein, der diesen Betrag in der Zwischenzeit zur Verfügung
stellt." (B.A. 1857, Nr. 5196.)
Viel bedeutender und nachhaltiger sind die Schwankungen im Betrag
des umlaufenden Mittels, die den verschiednen Phasen des indu-
striellen Zyklus entsprechen. Hören wir hierüber einen andern As-
socid jener Firma, den würdigen Quäker Samuel Gurney (C.D.
1848/1857, Nr. 2645):
"Ende Oktober" (1847) waren 20 800 000 Pfd.St. Noten in den Hän-
den des Publis. Zu jener Zeit herrschte eine große Schwierigkeit,
Banknoten im Geldmarkt zu bekommen. Dies entstand aus der allge-
meinen Befürchtung, man werde infolge der Beschränkung des Ban-
kakts von 1844 nicht imstande sein, sie sich zu verschaffen. Ge-
genwärtig (März 1848) ist der Betrag der Banknoten in Händen des
Publikums... 17 700 000 Pfd.St., aber da jetzt keinerlei kommer-
zieller Alarm herrscht, ist dies viel mehr, als was gebraucht
wird. Es gibt keinen Bankier oder keinen Geldhändler in London,
der nicht mehr Banknoten hat, als er gebrauchen kann." - 2650.
Der Belauf der Banknoten... außerhalb des Gewahrsams der Bank von
England bildet einen total ungenügenden Exponenten des aktiven
Standes der Zirkulation, wenn man nicht ebenfalls
#543# 33. Kapitel - Das Umlauf smittel unter dem Kreditsystem
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gleichzeitig in Erwägung zieht... den Stand der Handelswelt und
des Kredits." - 2651. Das Gefühl, daß wir bei dem gegenwärtigen
Belauf der Zirkulation in den Hän. den des Publikums einen Über-
schuß haben, entspringt in hohem Grad aus unsrer gegenwärtigen
Lage großer Stagnation. Bei hohen Preisen und aufgeregtem Ge-
schäft wurden uns 17 700 000 Pfd.St. ein Gefühl der Knappheit
verursachen."
{Solange die Geschäftslage derart ist, daß die Rückflüsse für die
gemachten Vorschüsse regelmäßig eingehn und also der Kredit uner-
schüttert bleibt, richtet sich die Ausdehnung und Zusammenziehung
der Zirkulation einfach nach den Bedürfnissen der Industriellen
und Kaufleute. Da wenigstens in England Gold für den Großhandel
nicht in Betracht kommt und die Goldzirkulation, abgesehn von den
jahreszeitlichen Schwankungen, als eine für längere Zeit ziemlich
konstante Größe angesehn werden kann, so bildet die Notenzirkula-
tion der B. von E. den hinreichend genauen Gradmesser dieser Ver-
änderungen. In der stillen Zeit nach der Krise läuft am wenigsten
um, mit der Wiederbelebung der Nachfrage tritt auch größerer Be-
darf an Umlauf smitteln ein, der sich steigert mit der steigenden
Prosperität; den Höhepunkt erreicht die Menge des Umlaufsmittels
in der Periode der Überspannung und Überspekulation - da bricht
die Krise herein, und über Nacht sind die gestern noch so reich-
lichen Banknoten vom Markt verschwunden und mit ihnen die Diskon-
tierer von Wechseln, die Vorschußleister auf Wertpapiere, die
Käufer von Waren. Die Bank von England soll helfen - aber auch
ihre Kräfte sind bald erschöpft, der Bankakt von 1844 zwingt sie,
ihre Notenzirkulation einzuschränken grade im Moment, wo alle
Welt nach Banknoten schreit, wo die Warenbesitzer nicht verkaufen
können und doch zahlen sollen und jedes Opfer zu bringen bereit
sind, wenn sie nur Banknoten erhalten.
"Während des Alarms", sagt der obenerwähnte Bankier Wright, l.c.,
Nr. 2930, "gebraucht das Land zweimal soviel Zirkulation wie in
gewöhnlichen Zeiten, weil das Umlaufsmittel von Bankiers und an-
dern aufgespeichert wird."
Sowie die Krise hereinbricht, handelt es sich nur noch um Zah-
lungsmittel. Da aber jeder vom andern abhängig ist für den Ein-
gang dieser Zahlungsmittel und keiner weiß, ob der andre imstand
sein wird, am Verfalltag zu zahlen, tritt ein vollständiges
Kirchturmrennen ein um die im Markt befindlichen Zahlungsmittel,
d.h. für Banknoten. Jeder schatzt davon auf, so viele er erhalten
kann, und so verschwinden die Noten aus der Zirkulation am selben
Tag, wo man sie am nötigsten braucht. Samuel Gurney (C. D.
1848/1857, Nr. 1116) gibt die Zahl der so im Moment des Schrec-
kens unter Schloß und Riegel gebrachten Banknoten für Oktober
1847 auf 4-5 Millionen Pfd.St. an. - F.E.}
#544# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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In dieser Beziehung ist besonders interessant das Verhör des As-
sociés von Gurney, des bereits erwähnten Chapman, vor dem B.A.
von 1857. Ich gebe hier den Hauptinhalt desselben im Zusammen-
hang, obwohl auch einige Punkte darin behandelt werden, die wir
erst später untersuchen. Herr Chapman läßt sich vernehmen wie
folgt.
4963. "Ich nehme auch keinen Anstand zu sagen, daß ich es nicht
für in der Ordnung halte, daß der Geldmarkt unter der Macht eines
beliebigen individuellen Kapitalisten stehn sollte (wie es in
London deren gibt), der einen ungeheuren Geldmangel und eine
Klemme erzeugen kann, wenn die Zirkulation grade sehr niedrig
steht... Das ist möglich... es gibt mehr als einen Kapitalisten,
der aus dem Zirkulationsmittel 1 oder 2 Mill. Pfd.St. Noten her-
ausnehmen kann, wenn er einen Zweck dadurch erreicht."
4965. Ein großer Spekulant kann für 1 oder 2 Mill. Konsols ver-
kaufen und so das Geld aus dem Markt nehmen. Etwas Ähnliches ist
vor ganz kurzem geschehn, es erzeugt eine äußerst heftige
Klemme".
4967. Die Noten sind dann allerdings unproduktiv.
"Aber das ist nichts, wenn es einen großen Zweck bewirkt; sein
großer Zweck ist, die Fondspreise zu werfen, eine Geldklemme zu
schaffen, und das zu tun, hat er vollständig in seiner Gewalt."
Ein Beispiel: Eines Morgens war große Geldnachfrage auf der
Fondsbörse; niemand kannte die Ursache; jemand bot Chapman an,
dieser solle ihm 50 000 Pfd.St. zu 7% leihen. Chapman war er-
staunt, sein Zinsfuß stand viel niedriger; er griff zu. Gleich
darauf kam der Mann wieder, nahm weitre 50 000 Pfd.St. zu 7/2%,
dann 100 000 Pfd.St. zu 8% und wollte noch mehr haben zu 8 1/2%.
Da bekam aber selbst Chapman Angst. Es stellte sich nachher her-
aus, daß plötzlich eine bedeutende Summe Geldes dem Markt entzo-
gen worden war. Aber, sagt Chapman,
"ich habe doch eine bedeutende Summe zu 8% ausgeliehen; weiter zu
gehn hatte ich Angst; ich wußte nicht, was kommen würde.
Man muß nie vergessen, daß, obgleich ziemlich beständig 19 bis 20
Mill. Noten angeblich in der Hand des Publikums sind, doch einer-
seits der Teil dieser Noten, der wirklich zirkuliert, und andrer-
seits der, der unbeschäftigt als Reserve bei den Banken liegt,
gegeneinander beständig und bedeutend variiert. Ist diese Reserve
groß, also die wirkliche Zirkulation niedrig, so heißt das vom
Standpunkt des Geldmarkts, daß die Zirkulation voll (the circula-
tion is full, money is plentiful) ist; ist die Reserve klein,
also die wirkliche Zirkulation voll, so nennt der Geldmarkt sie
niedrig (the circulation is low, money is scarce), nämlich der
Teil hat einen niedrigen Betrag, der unbeschäftiges Leihkapital
vorstellt. Wirkliche, von den Phasen des indu-
#545# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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striellen Zyklus unabhängige Expansion oder Kontraktion der Zir-
kulation - daß aber der Betrag, den das Publikum braucht, der-
selbe bleibt - findet nur aus technischen Gründen statt, z.B. an
den Zahlungsterminen der feuern oder der Zinsen der Staatsschuld.
Bei Steuerzahlung fließen Noten nd Gold in die Bank von England
über das gewöhnliche Maß und kontraktisch die Zirkulation, ohne
Rücksicht auf das Bedürfnis für letztre. Umgekehrt, wenn die Di-
videnden der Staatsschuld ausgezahlt werden. Im ersten Fall wer-
den Anleihen bei der Bank gemacht, um Zirkulationsmittel zu er-
halten. Im letztren Fall sinkt der Zinsfuß bei den Privatbanken
wegen des momentanen Wachsens ihrer Reserven. Es hat dies mit der
absoluten Masse der Umlaufsmittel nichts zu tun, sondern nur mit
der Bankfirma, die diese Umlaufsmittel in Zirkulation setzt und
für die sich dieser Prozeß als Veräußerung von Leihkapital dar-
stellt und die daher den Profit davon in die Tasche steckt. In
dem einen Fall findet bloß temporäres Deplacement des zirkulie-
renden Mediums statt, das die B.v.E. dadurch ausgleicht, daß sie
kurz vor Verfall der vierteljährlichen Steuern und der ebenfalls
vierteljährlichen Dividenden kurze Vorschüsse zu niedrigen Zinsen
macht; diese so ausgegebnen überzähligen Noten füllen nun zuerst
die Lücke aus, die das Zahlen Steuern verursacht, während ihre
Rückzahlung an die Bank gleich darauf den Notenüberfluß zurück-
bringt, den das Auszahlen der Dividen ins Publikum geworfen.
In dem andern Fall ist niedrige oder volle Zirkulation immer nur
andre Verteilung derselben Masse Umlaufsmittel in aktive Zirkula-
tion und Depositen, d.h. Instrument von Anleihen.
Andrerseits, wenn z.B. durch Goldzufluß zur Bank von England die
Zahl der dagegen ausgegebnen Noten vermehrt wird, so helfen diese
zum Diskontleren außerhalb der Bank und fließen zurück in Abzah-
lung von Anleihen, so daß die absolute Masse der zirkulierenden
Noten nur momentan vermehrt wird.
Ist die Zirkulation voll, wegen Ausdehnung des Geschäfts (was
auch bei relativ niedrigen Preisen möglich), so kann der Zinsfuß
relativ hoch sein wegen Nachfrage nach Leihkapital infolge stei-
gender Profite und verrnehr. ter Neuanlaeen. Ist sie niedrig, we-
gen Kontraktion des Geschäfts oder auch wegen großer Flüssigkeit
des Kredits, so kann der Zinsfuß niedrig sein auch bei hohen
Preisen. (Siehe Hubbard 1*.)
Die absolute Quantität der Zirkulation wirkt bestimmend auf den
Zinsfuß
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1*) Siehe vorl. Band, S. 565/566
#546# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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nur in Zeiten der Klemme. Entweder drückt hier die Nachfrage nach
voller Zirkulation nur Nachfrage für Mittel der Schatzbildung aus
(abgesehn von der verminderten Geschwindigkeit, womit das Geld
zirkuliert, und womit dieselben identischen Geldstücke sich be-
ständig in Leihkapital umsetzen) wegen der Kreditlosigkeit, wie
1847, wo die Suspension des Bankakts keine Expansion der Zirkula-
tion veranlaßte, aber hinreichte, die aufgeschatzten Noten wieder
ans Ucht zu ziehen und in die Zirkulation zu werfen. Oder es kann
wirklich unter den Umständen mehr Zirkulationsmittel erheischt
sein, wie 1857 die Zirkulation nach der Suspension des Bankakts
für einige Zeit wirklich wuchs. Sonst wirkt die absolute Masse
der Zirkulation nicht auf den Zinsfuß, da sie - Ökonomie und Ge-
schwindigkeit des Umlaufs als konstant vorausgesetzt - erstens
bestimmt ist durch die Preise der Waren und die Masse der Trans-
aktionen (wobei meist ein Moment die Wirkung des andern paraly-
siert) und endlich durch den Stand des Kredits, während sie kei-
neswegs umgekehrt den letztren bestimmt; und da zweitens Waren-
preise und Zins in keinem notwendigen Zusammenhang stehn. Während
des Bank Restriction Act (1797-1820) 1721 fand ein Überfluß an
currency statt, der Zinsfuß war stets viel höher als seit Wieder-
aufnahme der Barzahlungen. Er fiel später rasch mit Einschränkung
der Notenausgabe und steigenden Wechselkursen. 1822, 1823, 1832
war die allgemeine, Zirkulation niedrig, der Zinsfuß ebenfalls
niedrig. 1824, 1825, 1836 war die Zirkulation hoch, der Zinsfuß
stieg. Sommer 1830 war die Zirkulation hoch, der Zinsfuß niedrig.
Seit den Goldentdeckungen hat sich der Geldumlauf in ganz Europa
expandiert, der Zinsfuß stieg. Der Zinsfuß hängt also nicht ab
von der Menge des umlaufenden Geldes.
Der Unterschied zwischen Ausgabe von Umlaufsmittel und Ausleihen
von Kapital zeigt sich am besten beim wirklichen Reproduktions-
prozeß. Wir haben dort (Buch II, Abschnitt III) gesehn, wie sich
die verschiednen Bestandteile der Produktion austauschen. Z.B.
das variable Kapital besteht sachlich in den Lebensmitteln der
Arbeiter, einem Teil ihres eignen Produkts. Es ist ihnen aber
stückweise ausgezahlt worden in Geld. Dies muß der Kapitalist
vorschießen, und es hängt sehr ab von der Organisation des Kre-
ditwesens, ob er die nächste Woche das neue variable Kapital wie-
der auszahlen kann mit dem alten Geld, das er vorige Woche aus-
zahlte. Ebenso in den Austauschakten zwischen den verschiednen
Bestandteilen eines gesellschaftlichen Gesamtkapitals, z.B. zwi-
schen Konsumtionstteln und den Produktionsmittein von Konsumti-
onsmitteln. Das Geld zu ihrer Zirkulation muß, wie wir gesehn ha-
ben, von einem oder beiden der Austauschenden
#547# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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vorgeschossen werden. Es bleibt dann in Zirkulation, kehrt aber
nach vollendetem Austausch immer weder zu dem zurück, der es vor-
schoß, da es von ihm über sein wirklich beschäftigtes industriel-
les Kapital hinaus vorgeschossen worden war (s. Buch II, 20. Ka-
pitel 1*)). Bei entwickeltem Kreditwesen, wo sich das Geld in den
Händen der Banken konzentriert, sind sie es, wenigstens nominell,
die es vorschießen. Dieser Vorschuß bezieht sich nur auf das in
Zirkulation befindliche Geld. Es ist Vorschuß von Zirkulation,
nicht Vorschuß der Kapitale, die es zirkuliert. Chapman:
5062. "Es können Zeiten vorkommen, wo die Banknoten in der Hand
des Publikums einen sehr großen Betrag ausmachen und dennoch
keine zu haben sind."
Geld ist auch während der Panik da; aber jeder hütet sich wohl,
es in leihbares Kapital, in leihbares Geld zu verwandeln; jeder
hält es fest für wirkliches Zahlungsbedürfnis. 5099. Die Banken
in den ländlichen Bezirken schicken ihre unbeschäftigten Über-
schüsse an Sie und andre Londoner Häuser? - Jawohl." - 5100. "Auf
der andren Seite lassen die Fabrikdistrikte von Lancashire und
Yorkshire Wechsel bei Ihnen diskontieren für ihre Geschäfts-
zwecke? - Jawohl." - 5101. "So daß auf diesem Wege das überschüs-
sige Geld eines Landesteils nutzbar gemacht wird für die Anforde-
rungen eines andern Landesteils? - Ganz richtig."
Chapman sagt, die Sitte der Banken, ihr überschüssiges Geldkapi-
tal für kürzere Zeit im Ankauf von Konsols und Schatzscheinen an-
zulegen, habe in der letzten Zeit sehr abgenommen, seitdem es Ge-
brauch geworden seil dies Geld at call (von Tag zu Tag, jederzeit
rückforderbar) auszuleihn. Er selbst hält den Ankauf solcher Pa-
piere für sein Geschäft für höchst unzweckmäßig. Er legt es des-
halb in guten Wechseln an, von denen täglich ein Teil verfällt,
so daß er stets weiß, auf wieviel flüssiges Geld er jeden Tag zu
rechnen hat. (5101-5105.) -
Selbst das Wachsen der Ausfuhr stellt sich mehr oder weniger für
jedes Land, zumeist aber für das nd, das Kredit gibt, als wach-
sende Anforderung auf den inländischen Geldmarkt dar, die aber
erst in Zeiten der Klemme als solche gefühlt wird. In Zeiten, wo
die Ausfuhr zunimmt, werden gegen Konsignationen britischer Fa-
brikate in der Regel langsichtige Wechsel von Fabrikanten auf den
Exportkaufmann gezogen. (5126.)
5127. "Ist es nicht häufig der Fall, daß ein reinkommen exi-
stiert, daß diese Wechsel von Zeit zu Zeit erneuert werden?" -
{Chapman.} Dies ist eine Sache, die sie
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1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 410-420
#548# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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uns geheimhalten; wir werden keinen Wechsel derart zulassen... Es
mag sicherlich geschehn, aber ich kann über etwas Derartiges
nichts sagen." (Der unschuldige Chapman.) - 5129. "Wenn eine
große Zunahme der Ausfuhr stattfindet, wie allein im letzten Jahr
von 20 Mill. Pfd.St., führt das nicht von selbst zu einer großen
Nachfrage nach Kapital für den Diskonto von Wechseln, die diese
Ausfuhren vorstellen? - Unzweifelhaft." - 5130. Da England in der
Regel dem Ausland für alle seine Ausfuhren Kredit gibt, wurde das
nicht die Absorption eines entsprechenden Zusatzkapitals bedinge,
für die Zeit, wo dies dauert? - England gibt einen ungeheuren
Kredit; aber dagegen nimmt es Kredit für seine Rohstoffe. Man
zieht auf uns von Amerika immer auf 60 Tage und von andern Gegen-
den auf 90 Tage. Auf der andern Seite geben wir Kredit; wenn wir
Waren nach Deutschland schicken, geben wir 2 oder 3 Monate."
Wilson fragt Chapman (5131), ob gegen diese importierten Roh-
stoffe und Kolonialwaren nicht gleichzeitig mit deren Verladung
bereits Wechsel auf England gezogen werden und ob sie nicht schon
selbst gleichzeitig mit den Ladescheinen ankommen? Chapman glaubt
so, weiß nichts von diesen "kaufmännischen" Geschäften, man solle
kundigere Leute fragen. - Im Export nach Amerika, sagt Chapman,
würden "die Waren im Transit symbolisiert" [5133]; dies Kauder-
welsch soll heißen, daß der englische Exportkaufmann gegen die
Waren auf eins der großen amerikanischen Bankhäuser
in London Viermonatswechsel zieht und das Bankhaus von Amerika
Deckung erhält.
5136. Werden nicht in der Regel die Geschäfte nach weit entlegnen
Ländern durch den Kaufmann geführt, der auf sein Kapital wartet,
bis die Waren verkauft sind? Es mag Häuser von großem Priva-
treichtum geben, die imstande sind, ihr eignes Kapital auszule-
gen, ohne Vorschüsse auf die Waren zu nehmen; aber diese Waren
werden meistens in Vorschüsse verwandelt durch die Akzepte wohl-
bekannter Firmen." -
5137. "Diese Häuser sind etabliert... in London, Liverpool und
anderswo" - 5138. "Es macht also keinen Unterschied, ob der Fa-
brikant sein eignes Geld hergeben muß oder ob er einen Kaufmann
in London oder Liverpool bekommt, der es vorschießt; es bleibt
immer ein in England gemachter Vorschuß? - Ganz richtig. Der Fa-
brikant hat nur in wenigen Fällen etwas damit zu tun" (dagegen
1847 in fast allen Fällen). Ein Händler in Fabrikaten, z.B. in
Manchester, kauft Waren und verschafft sie durch ein respektables
Haus in London; sobald das Londoner Haus sich überzeugt hat, daß
alles nach Übereinkunft verpackt ist, zieht er Sechsmonatswechsel
auf das Londoner Haus gegen diese nach Indien, China oder sonst-
wohin gehenden Waren; dann kommt die Bankwelt herein und diskon-
tiert ihm diese Wechsel; so daß um die Zeit, wo er für diese Wa-
ren zu zahlen hat, er das Geld bereitliegen hat vermöge der Dis-
kontierung jener Wechsel." - 5139. "Aber wenn jener auch das Geld
hat, so hat der Bankier es doch vorschießen müssen? - D e r
B a n k i e r h a t d e n W e c h s e l; d e r B a n k i e r
h a t d e n W e c h s e l g e k a u f t; er verwendet sein
Bankkapital in dieser Form, nämlich im Diskontieren von Handels-
wechseln."
#549# 33. Kapitel - Das Umlaufttel unter dem Kreditsystem
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{Also auch Chapman sieht das Diskontieren von Wechseln nicht als
Vorschuß an, sondern als Warenkauf. - F. E.}
5140. "Aber das bildet doch immer einen Teil der Anforderungen an
den Geldmarkt in London? - Unzweifelhaft; es ist das die wesent-
liche Beschäftigung des Geldmarkts und der Bank von England. Die
Bank von England ist ebenso froh, diese Wechsel zu bekommen wie
wir, sie weiß, daß sie eine gute Anlage sind." - 5141. "Auf die
Weise, wie das Exportgeschäft wächst, wächst auch die Nachfrage
im Geldmarkt? - Im Maß wie die Prosperität des Landes wächst,
nehmen wir" (die Chapmans) "mit teil daran." - 5142. "Wenn also
diese verschiednen Felder der Kapitalanlage sich plötzlich aus-
dehnen, so ist die natürliche Folge ein Steigen des Zins? - Kein
Zweifel daran."
5143 kann Chapman "nicht ganz begreifen, daß bei unsern großen
Ausfuhren wir soviel Verwendung für Gold hatten".
5144 fragt der würdige Wilson:
"Kann es nicht sein, daß wir größre Kredite auf unsre Ausfuhr ge-
ben, als wir auf unsre Einfuhr nehmen? - Ich selbst möchte diesen
Punkt bezweifeln. Wenn jemand gegen seine nach Indien gesandten
Manchester-Waren akzeptieren läßt, so können Sie nicht für weni-
ger als 10 Monate akzeptieren. Wir haben, und das ist ganz si-
cher, Amerika für seine Baumwolle bezahlen müssen, einige Zeit
ehe Indien uns bezahlt; aber wie das wirkt, das zu untersuchen,
ist ein ziemlich feiner Punkt." - 5145. "Wenn wir, wie im vorigen
Jahr, eine Zunahme der Ausfuhr von Manufakturwaren von 20 Mill.
Pfd.St. hatten, so müssen wir doch vorher schon eine sehr bedeu-
tende Zunahme der Einfuhr von Rohstoffen gehabt haben" (und schon
in dieser Weise ist der Export identisch mit Überimport, und
Überproduktion mit Überhandel), um diese vermehrte Quantität von
Waren zu produzieren? - Unzweifelhaft. - [5146.] "Wir müssen ei-
nesehr beträchtliche Bilanz zu zahlen gehabt haben; d.h. die Bi-
lanz muß während der Zeit gegen uns gewesen sein, aber auf die
Dauer ist der Wechselkurs mit Amerika für uns, und wir haben seit
längrer Zeit bedeutende Zufuhren von Edelmetall von Amerika er-
halten."
5148 fragt Wilson den Erzwucherer Chapman, ob er seine hohen Zin-
sen nicht als Zeichen großer Prosperität und hoher Profite be-
trachte. Chapman, offenbar erstaunt über die Naivität dieses Sy-
kophanten, bejaht dies natürlich, ist jedoch aufrichtig genug,
folgende Klausel zu machen:
"Es gibt einige, die sich nicht anders helfen können; sie haben
Verpflichtungen zu erfüllen, und sie müssen sie erfüllen, ob es
profitlich ist oder nicht; aber wenn er dauert" {der hohe Zins-
fuß}, würde er Prosperität anzeigen."
Beide vergessen, daß er auch anzeigen kann, wie 1857 der Fall
war, daß die fahrenden Ritter des Kredits das nd unsicher machen,
die hohen Zins zahlen können, weil sie ihn aus fremder Tasche
zahlen (dabei aber den
#550# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Zinsfuß für alle bestimmen helfen) und inzwischen flott auf anti-
zipierte Profite leben. Gleichzeitig kann grade dies Übrigens fÜr
Fabrikanten usw. ein wirklich sehr profitables Geschäft abwerfen.
Die Rückflüsse werden durch das Vorschußsystem vollständig trüge-
risch. Dies erklärt auch folgendes, was mit Bezug auf die Bank
v.E. keiner Erklärung bedarf, weil sie bei hohem Zinsfuß niedri-
ger diskontiert als die andern.
5156. "Ich kann wohl sagen", sagt Chapman, daß unsre Diskontobe-
träge im gegenwärtigen Augenblick, wo wir für so lange Zeit einen
hohen Zinsfuß hatten, auf ihrem Maximum sind."
(Dies sagte Chapman am 21. Juli 1857, ein paar Monate vor dem
Krach.)
5157. "1852" (wo der Zins niedrig) "waren sie bei weitem nicht so
groß."
Weil in der Tat damals das Geschäft noch viel gesunder war.
5159. "Wenn eine große Geldüberflutung auf dem Nkrkt wäre... und
der Bank diskonto niedrig, würden wir eine Abnahme von Wechseln
haben... 1852 waren wir in einer ganz andern Phase. Die Ausfuhren
und Einfuhren des Landes waren damals gar nichts verglichen mit
heute." - 5161. Unter dieser hohen Diskontorate sind unsre Dis-
kontierungen ebenso groß wie 1854." (Wo der Zins 5-5 1/2 %.)
Höchst amüsant ist im Zeugenverhör des Chapman, wie diese Leute
in der Tat das Geld des Publikums als ihr Eigentum betrachten und
ein Recht zu haben glauben auf stete Konvertibilität der von ih-
nen diskontierten Wechsel. Die Naivität in den Fragen und Antwor-
ten ist groß. Es wird Pflicht der Gesetzgebung, die von großen
Häusern akzeptierten Wechsel immer konvertibel zu machen, dafür
zu sorgen, daß die Bank von England sie unter allen Umständen den
bill-brokers wieder weiter diskontiert. Und dabei fallierten 1857
drei solcher bill-brokers mit ungefähr 8 Millionen und einem ge-
gen diese Schulden verschwindenden eignen Kapital.
5177. "Wollen Sie damit sagen, daß nach Ihrer Meinung sie
(Akzepte von Barings oder Loyds) zwangsmäßig diskontierbar sein
sollten, in der Art wie eine Note der Bank von England jetzt
zwangsmäßig gegen Gold einwechselbar ist? - Ich bin der Ansicht,
daß es eine sehr beklagenswerte Sache sein wurde, wenn sie nicht
diskontierbar wären; eine höchst außerordentliche Lage, daß ein
Mann die Zahlungen einstellen mü&e, weil er Akzepte von Smith,
Payne & Co. oder Jones Loyd & Co. besitzt und sie nicht diskon-
tieren kann." - 5178. "Ist nicht das Akzept von Barings eine Ver-
pflichtung, eine gewisse Summe Geldes zu zahlen, wenn der Wechsel
verfällt? - Das ist ganz richtig; aber die Herren Baring, wenn
sie eine solche Verpflichtung übernehmen, wie jeder Kaufmann,
wenn er eine solche Verpflichtung übernimmt, denken nicht im
Traum daran, daß sie das werden in Sovereigns bezahlen müssen;
sie rechnen darauf, daß sie es im Clearing House bezahlen wer-
den." - 5180. Meinen Sie dann, es müsse eine Art
#551# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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Maschinerie erdacht werden, vermittelst deren das Publikum ein
Recht bitte, Geld zu "empfangen vor Verfall des Wechsels dadurch,
daß jemand anders ihn diskontieren müßte? - Nein, nicht vom Ak-
zeptanten; aber wenn Sie damit meinen, daß wir nicht die Möglich-
keit haben sollen, kommerzielle Wechsel diskontiert zu bekommen,
dann müssen wir die ganze Verfassung der Dinge ändern." - 5182.
"Sie glauben also, er" {ein Handelswechsell müßte in Geld konver-
tibel sein, genauso wie eine Note der Bank von England in Gold
konvertibel sein muß? - Ganz entschieden, unter gewissen Umstän-
den." - 5184. Sie glauben also, daß die Einrichtungen der cur-
rency so gestaltet werden müßten, daß ein Handelswechsel von un-
bezweifelter Solidität zu allen Zeiten ebenso leicht gegen Geld
umwechselbar wäre wie eine Banknote? - Das glaube ich." - 5185.
Sie gehn nicht so weit, zu sagen, daß, sei es die Bank von Eng-
land, sei es irgend jemand anders, gesetzlich gezwungen werden
sollte, ihn einzuwechseln? - Ich gehe allerdings so weit, zu sa-
gen, daß, wenn wir ein Gesetz zur Regelung der currency machen,
wir Vorkehrungen treffen sollten, die Möglichkeit zu verhindern,
daß eine Inkonvertibilität der inländischen Handelswechsel ein-
tritt, soweit diese Wechsel unbezweifelt solid und legitim sind."
Dies ist die Konvertibilität des Handelswechsels gegen die Kon-
vertibilität der Banknote.
5190. "Die Geldhändler des Landes repräsentieren tatsächlich nur
das Publikum" - wie Herr Chaprnan später vor den Assisen im Fall
Davidson. Siehe die Great City Frauds [73].
5196. "Während der Quartalzeiten" (wenn die Dividenden gezahlt
werden) ist es ... absolut nötig, daß wir uns an die Bank von
England wenden. Wenn Sie aus der Zirkulation 6 oder 7 Millionen
Staatseinkommen in Antizipation der Dividenden herausnehmen, so
muß irgend jemand da sein, der diesen Betrag in der Zwischenzeit
zur Verfügung stellt.
(In diesem Fall handelt es sich also um Zufuhr von Geld, nicht
von Kapital oder Leihkapital.)
5169. "Jeder, der unsre Handelswelt kennt, muß wissen, daß, wenn
wir in einer solchen Lage sind, daß Schatzscheine unverkäuflich
werden, daß Obligationen der Ostindischen Kompanie" vollkommen
nutzlos sind, daß man die besten Handelswechsel nicht diskontie-
ren kann, eine große Besorgnis herrschen muß bei denen, deren Ge-
schäft sie in den Fall bringt, auf einfaches Verlangen augen-
blicklich Zahlungen im landesüblichen Zirkulationsmittel zu ma-
chen, und dies ist der Fall mit allen Banlders. Die Wirkung davon
ist dann, daß jedermann seine Reserve verdoppelt. Nun sehn Sie
mal, was die Wirkung davon im ganzen nde ist, wenn jeder Landban-
kier, deren es ungefähr 500 gibt, seinen ndoner Korrespondenten
zu beauftragen hat, ihm 5000 Pfd.St. in Banknoten zu remittieren.
Selbst wenn wir eine so kleine Summe als Durchschnitt nehmen, was
schon ganz absurd ist, kommen wir auf 2 1/2 Mill. Pfd.St., die
der Zirkulation entzogen werden. Wie sollen die ersetzt werden?"
#552# V. Abschnitt - Das zinsnde Kapital
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Andrerseits wollen die Privatkapitalisten etc. die Geld haben, es
keinem Zins hergeben, denn sie sagen nach Chapman:
5195. "Wir wollen lieber gar keine Zinsen haben, als im Zweifel
sein, ob wird, Geld bekommen können, falls wir es brauchen."
5173. "Unser System ist dies: Wir haben 300 Mill. Pfd.St. Ver-
pflichtungen, deren Bezahlung in laufender Landesmünze in einem
einzigen gegebnen Moment verlangt werden kann; und diese Landes-
münze. wenn wir sie alle darauf verwenden, beträgt 23 Mill.
Pfd.St. oder wieviel es sein mag; ist das nicht ein Zustand, der
uns jeden Augenblick in Konvulsionen werfen kann?"
Daher in den Krisen der plötzliche Umschlag des Kreditsystems in
das Monetarsystem.
"Abgesehn von der inländischen Panik in den Krisen, kann von
Quantität des Geldes nur die Rede sein, soweit es Metall be-
trifft, das Weltgeld. Und grade dies schließt Chapman aus, er
spricht nur von 23 Mill. B a n k n o t e n.
Derselbe Chapman:
5218. "Die ursprüngliche Ursache der Störung im Geldmarkt" (April
und später Oktober 1847) war unbezweifelt in der Menge des
Geldes, das erforderlich war, um die Wechselkurse zu regulieren,
infolge der außerordentlichen Einfuhren des Jahres."
Erstens war dieser Schatz des Weltmarktsgeldes damals auf sein
Minimum reduziert. Zweitens diente er zugleich als Sicherheit für
die Konvertibilität des Kreditgeldes, der Banknoten. Er verei-
nigte so zwei ganz verschiedne Funktionen, die aber beide aus der
Natur des Geldes hervorgehn, da das wirkliche Geld stets Welt-
marktsgeld ist und das Kreditgeld stets auf dem Weltmarktsgeld
beruht.
1847, ohne Suspension des Bankakts von 184 hätten die Clearing
Houses ihre Geschäfte nicht erledigen können". (5221.)
Daß Chapman doch eine Ahnung der bevorstehenden Krise hatte:
5236. "Es gibt gewisse Lagen des Geldmarktes (und die gegenwär-
tige ist nicht sehr entfernt davon), wo Geld sehr schwierig ist
und um zur Bank seine Zuflucht nehmen muß."
5239. "Was die Summen angeht, die wir von der Bank entnahmen am
Freitag, Samstag und Montag, den 19., 20. und 22. Oktober 1847,
so wären wir nur zu dankbar gewesen am folgenden Mittwoch, hätten
wir die Wechsel zurückbekommen können; das Geld floß augenblick-
lich zu uns zurück, sobald die Panik vorüber war."
Am Dienstag, 23. Oktober, wurde nämlich der Bankakt suspendiert,
und die Krise war damit gebrochen.
#553# 33. Kapitel - Das Umlaufsnüttel unter dem Kreditsystem
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Chapman glaubt 5274, daß die gleichzeitig auf ndon schwebenden
Wechsel 100-120 Mill. Pfd.St. betragen. Dies begreift nicht die
Lokalwechsel auf Provinzialplätze.
5287. "Während im Oktober 1856 der Notenbetrag in den Händen des
Publikums auf 21 155 000 Pfd.St. stieg, war doch eine ganz außer-
ordentliche Schwierigkeit, Geld zu bekommen; trotzdem daß das Pu-
blikum so viel in der Hand hatte, konnten wir es nicht in die
Finger bekommen."
Nämlich infolge der Besorgnisse, erzeugt durch die Klemme, in der
sich die Eastern Bank eine Zeitlang (März 1856) befunden hatte.
5290. Sobald die Panik einmal vorüber,
"fangen alle Bankiers, die ihren Profit aus dem Zins machen, so-
fort an, ihr Geld zu beschäftigen".
5302. Chapman erklärt die Beunruhigung bei Abnahme der Bankre-
serve nicht aus Furcht wegen der Depositen, sondern weil alle
diejenigen, die große Geldsummen plötzlich zu zahlen in den Fall
kommen können, sehr wohl wissen, daß sie zur Bank als letzter
Hilfsquelle bei Klemme im Geldmarkt getrieben werden können; und
wenn die Bank eine sehr kleine Reserve hat, ist sie nicht er-
freut, uns zu empfangen, im Gegenteil". Es ist übrigens schön,
wie die Reserve als taktische Größe verschwindet. Die Bankiers
halten ein Minimum für ihr laufendes Geschäft teils bei sich,
teils bei der Bank von England. Die bill-brokers halten das lose
Bankgeld des Landes ohne Reserve. Und die Bank v.E. hat gegen
ihre Depositenschulden nur die Reserve der Bankiers und anderer,
nebst public deposits 1*) etc., die sie auf den niedrigsten Punkt
kommen läßt, z.B. bis auf 2 Mill. Außer diesen 2 Mill. Papier hat
daher dieser ganze Schwindel, in Zeiten der Klemme (und diese
vermindert die Reserve, weil die Noten, die gegen abfließendes
Metall eingehn, annulliert werden müssen) absolut keine andre Re-
serve als den Metallschatz, und daher steigert jede Venderung
desselben durch Goldabfluß die Krise.
5306. "Wenn kein Geld vorhanden wäre, um die Ausgleichungen im
Clearing House zu erledigen, so sehe ich nicht, daß uns etwas an-
dres übrigbliebe, als zusammen, zukommen und unsre Zahlungen in
Primawechseln zu machen, Wechseln auf das Schatzamt, Smith, Payne
& Co. etc." - 5307. "Also, falls die Regierung ermangelte, Sie
mit Zirkulationsmitteln zu versehn, wurden Sie eins für sich
selbst schaffen? - Was können wir tun? Das Publikum kommt herein
und nimmt uns das Zirkulationsmittel
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1*) Staatsdepositen
#554# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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aus der Hand; es existiert nicht." - 5308. "Sie wurden also bloß
das in London tun, man in Manchester jeden Tag tut? - Jawohl."
Sehr gut ist die Antwort Chapmans auf die Frage, die Cayley.
(Birmingham-man der Attwoodschen Schule [75]) mit Bezug auf Over-
stones Vorstellung von Kapital stellt:
5315. "Es ist vor dem Komitee ausgesagt worden, daß in einer
Klemme, wie die von 1847, man sich nicht nach Geld umsieht, son-
dern nach Kapital; was ist Ihre Meinung darüber? - Ich verstehe
Sie nicht; wir handeln nur in Geld, ich verstehe nicht, was Sie
damit meinen." - 5316. "Wenn Sie darunter" (kommerzielles Kapi-
tal) die Menge des ihm selbst gehörigen Geldes verstehn, das ein
Mann in seinem Geschäft hat, wenn Sie das Kapital nennen, so bil-
det das meistens einen sehr geringen Teil des Geldes, womit er in
seinen Geschäften wirtschaftet, vermittelst des Kredits, den ihm
das Publikwn gibt" - durch die Vermittlung der Chapmans.
5339. "Ist es Mangel an Reichtum, daß wir unsre Barzahlungen sus-
pendieren? Keineswegs;... wir haben keinen Mangel an Reichtum,
sondern wir bewegen uns unter einem höchst künstlichen System,
und wenn wir eine ungeheure drohende (superincumbent) Nachfrage
nach unserm Zirkulationsmittel haben, so mögen Umstände eintre-
ten, die uns verhindern, dieses Zirkulationsmittels habhaft zu
werden. Soll deswegen die ganze kommerzielle Industrie des Landes
lahmgelegt werden? Sollen wir alle Zugänge der Beschäftigung zu-
schließen?' - 5338. "Sollten wir vor die Frage gestellt werden,
was wir aufrechterhalten wollen, die Barzahlungen oder die Indu-
strie des Landes, so weiß ich, welches von beiden ich fallen
ließe."
Über Aufschatzung von Banknoten mit der Absicht, die Klemme zu
verschärfen und von den Folgen Nutzen zu ziehn" (5358), sagt er,
daß dies sehr leicht geschehn kann. Drei große Banken würden dazu
hinreichen.
5383. "Muß es Ihnen nicht bekannt sein, als einem mit den großen
Geschäften unsrer Hauptstadt vertrauten Mann, daß Kapitalisten
diese Krisen benutzen, um enorme Profite zu machen aus dem Ruin
derjenigen, die zum Opfer fallen? - Daran kann kein Zweifel
sein."
Und Herrn Chapman dürfen wir dies glauben, obwohl er schließlich
über dem Versuch, aus dem Ruin der Opfer enorme Profite zu ma-
chen", kommerziell den Hals gebrochen hat. Denn wenn sein Associé
Gurney sagt: jede Änderung im Geschäft ist vorteilhaft für den,
der Bescheid weiß, so sagt Chapman:
"Der eine Teil der Gesellschaft weiß nichts vom andern; da ist
z.B. der Fabrikant, der nach dem Kontinent exportiert oder seinen
Rohstoff importiert, er weiß nichts von dem andern, der in Gold-
buren macht." (5046.)
Und so geschah es, daß eines Tags Gurney und Chapman selbst nicht
"Bescheid wußten" und einen berüchtigten Bankrott machten.
#555# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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Wir sahen schon oben, daß Ausgabe von Noten nicht in allen Fällen
Vorschuß von Kapital bedeutet. Die jetzt folgende Aussage von
Tooke vor dem C.D. Ausschuß der Lords 1848 beweist nur, daß Kapi-
talvorschuß, selbst wenn von der Bank durch Ausgabe neuer Noten
bewerkstelligt, nicht ohne weiteres eine Vermehrung der Menge der
umlaufenden Noten bedeutet:
3099. "Glauben Sie, daß die B.v.E. z.B. ihre Vorschüsse bedeutend
erweitern könne, ohne daß dies zu vermehrter Notenausgabe führte?
- Es liegen Tatsachen im Überfluß vor, die dies beweisen. Eins
der schlagendsten Beispiele war 1835, wo die Bank von den westin-
dischen Depositen und von der Anleihe bei der Ostindischen Kompa-
nie Gebrauch machte zu vermehrten Vorschüssen ans Publikum; da
nahm zur selben Zeit der Notenbetrag in den Händen des Publikums
tatsächlich etwas ab... Etwas Ähnliches ist bemerkbar 1846 zur
Zeit der Einzahlungen der Eisenbahndepositen in die Bank; die
Wertpapiere" (in Diskonto und Depot) stiegen auf ungefähr 30
Mill., während keine merkliche Wirkung eintrat auf den Notenbe-
trag in der Hand des Publikums."
Neben den Banknoten aber hat der Großhandel ein zweites und für
ihn weit wichtigeres Zirkulationsmittel: die Wechsel. Herr Chap-
man hat uns gezeigt, wie wesentlich es ist für einen regelmäßigen
Geschäftsgang, daß gute Wechsel überall und unter allen Umständen
in Zahlung genommen werden: Gilt nicht mehr der Tausves Jontof,
was soll gelten, Zeter, Zeter!" [76] Wie verhalten sich nun diese
beiden Uralaufsmittel zueinander?
Gilbart sagt hierüber:
"Die Beschränkung des Betrags der Notenzirkulation vermehrt re-
gelmäßig den Betrag der Wechseizirkulation. Die Wechsel sind
zweierlei Art - Handelswechsel und Bankierwechsel -... wird das
Geld selten, so sagen die Geldverleiher: 'Ziehen Sie auf uns, und
wir werden akzeptieren', und wenn ein Provinzialbankier einem
Kunden einen Wechsel diskontiert, so gibt er ihm nicht bares
Geld, sondern seine eigne Tratte für 21 Tage auf seinen Londoner
Agenten. Diese Wechsel dienen als ein Zirkulationsmittel." (J. W.
Gilbart, "An Inquiry into the Causes of the Pressure etc.", p.
31.)
Dies wird, in etwas modifizierter Form, bestätigt durch Newmarch,
B.A. 1857, Nr. 1426:
"Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Schwankungen im Betrag
der zirkulierenden Wechsel und denen in den zirkulierenden
Banknoten... das einzige ziemlich gleichmäßige Resultat ist...
daß, sobald die geringste Klemme im Geldmarkt eintritt, wie eine
Steigerung der Diskontrate sie anzeigt, der Umfang der Wechsel-
zirkulation bedeutend vermehrt wird und umgekehrt."
Die in solchen Zeiten gezognen Wechsel sind aber keineswegs nur
die kurzen Bankwechsel, die Gilbart erwähnt. Im Gegenteil, es
sind zum großen
#556# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
-----
Teil Akkommodationswechsel, die gar kein wirkliches Geschäft re-
präsentieren oder nur Geschäfte, die bloß eingeleitet wurden, um
daraufhin Wechsel ziehen zu können; von beidem haben wir Bei-
spiele genug gegeben. Daher sagt der "Economist" (Wilson), die
Sicherheit solcher Wechsel vergleichend mit der der Banknoten:
"Bei Vorzeigung zahlbare Banknoten können nie im (Übermaß draußen
bleiben, weil das Übermaß immer zur Bank zw Auswechslung zurück-
fließen würde, während Zweimonatswechsel in großem Übermaß ausge-
geben werden können, da es kein Mittel gibt, die Ausgabe zu kon-
trollieren, bis sie verfallen, wo sie dann vielleicht schon wie-
der durch andre ersetzt sind. Daß eine Nation die Sicherheit der
Zirkulation von Wechseln, zahlbar an einem künftigen Termin, zu-
geben, dagegen aber Bedenken erheben sollte gegen eine Zirkula-
tion von Papiergeld, zahlbar bei Vorzeigung, ist für uns voll-
ständig unbegreiflich." ("Economist", 1847, p. 575.)
Die Menge der zirkulierenden Wechsel ist also, wie die der
Banknoten, lediglich bestimmt durch die Bedürfnisse des Verkehrs;
in gewöhnlichen Zeiten zirkulierten in den fünfziger Jahren im
Vereinigten Königreich neben 39 Mill. Banknoten ungefähr 300
Mill. Wechsel, davon 100-120 Mill. auf London allein. Der Umfang,
worin die Wechsel zirkulieren, hat keinen Einfluß auf den Umfang
der Notenzirkulation und wird von diesem letzteren beeinflußt nur
in Zeiten der Geldknappheit, wo die Quantität der Wechsel zunimmt
und ihre Qualität sich verschlechtert. Endlich, im Moment der
Krise, versagt die Wechselzirkulation gänzlich; kein Mensch kann
Zahlungsversprechen brauchen, da jeder nur Barzahlung nehmen
will; nur die Banknote bewahrt, wenigstens bis jetzt in England,
die Umlaufsfähigkeit, da die Nation mit ihrem Gesamtreichtum hin-
ter der Bank von England steht.
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Wir haben gesehn, wie selbst Herr Chapman, der doch 1857 selbst
ein Magnat auf dem Geldmarkt war, sich bitter darüber beklagt,
daß es in London mehrere große Geldkapitalisten gebe, stark ge-
nug, um in einem gegebnen Moment den ganzen Geldmarkt in Unord-
nung zu bringen und dadurch die kleineren Geldhändler schmäh-
lichst zu schröpfen. So gebe es mehrere solche große Haifische,
die eine Klemme bedeutend verschärfen könnten, indem sie 1-2 Mil-
lionen Konsols verkauften und dadurch einen gleichen Betrag von
Banknoten (und gleichzeitig von disponiblem Leihkapital) aus dem
Markt nähmen. Durch ein gleiches Manöver eine Klemme in eine Pa-
nik zu verwandeln, dazu würde das Zusammenwirken dreier großer
Banken hinreichen.
#557# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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Die größte Kapitalmacht in London ist natürlich die Bank von Eng-
land, die aber durch ihre Stellung als halbes Staatsinstitut in
die Unmöglichkeit versetzt ist, ihre Herrschaft in so brutaler
Weise kundzutun. Trotzdem weiß auch sie Mittel und Wege genug -
namentlich seit dem Bankakt von 1844 -, wie sie ihr Schäfchen ins
trockne bringt.
Die Bank von England hat ein Kapital von 14 553 000 Pfd.St. und
verfügt außerdem über zirka 3 Millionen Pfd.St. "Rest", d.h. un-
verteilte Profite, sowie über alle bei der Regierung für Steuern
etc. eingehenden Gelder, die bei ihr deponiert werden müssen, bis
sie gebraucht werden. Rechnet man hierzu noch die Summe der son-
stigen Depositengelder (in gewöhnlichen Zeiten etwa 30 Mill.
Pfd.St.) und der ungedeckt ausgegebnen Banknoten, so wird man Ne-
wmarchs Schätzung noch ziemlich mäßig finden wenn dieser (B. A.
1857, Nr. 1889) sagt:
"Ich habe mich überzeugt, daß die Gesamtsumme der fortwährend im"
{Londoner} "Geldmarkt beschäftigten Fonds auf ungefähr 120 Mill.
Pfd.St. angeschlagen werden kann; und von diesen 120 Millionen
verfügt die Bank v.E. über einen sehr bedeutenden Teil, gegen 15-
20%."
Soweit die Bank Noten ausgibt, die nicht durch den Metallschatz
in ihren Gewölben gedeckt sind, kreiert sie Wertzeichen, die
nicht nur Umlaufsmittel, sondern auch zusätzliches - wenn auch
fiktives - Kapital für sie bilden zum Nominalbetrag dieser unge-
deckten Noten. Und dies Zusatzkapital wirft ihr einen zusätzli-
chen Profit ab. - B. A. 1857 fragt Wilson den Newmarch:
1563. "Die Zirkulation der eignen Banknoten einer Bank, d.h. der
durchschnittlich in den Händen des Publikums verbleibende Betrag,
bildet einen Zusatz zum effektiven Kapital jener Bank, nicht
wahr? - Ganz gewiß." - 1564. "Aller Profit also, den die Bank aus
dieser Zirkulation zieht, ist ein Profit, der vom Kredit und
nicht von einem von ihr wirklich besessenen Kapital herstammt? -
Ganz gewiß."
Dasselbe gilt natürlich auch für die Noten ausgebenden Privatban-
ken. In seinen Antworten Nr. 1866-1868 betrachtet Newmarch zwei
Drittel aller von diesen ausgegebnen Banknoten (für das letzte
Drittel müssen diese Banken Metallreserven halten) als "Schöpfung
von so viel Kapital", weil Hartgeld zu diesem Betrag erspart
wird. Der Profit des Bankiers mag deshalb nicht größer sein als
der Profit andrer Kapitalisten. Die Tatsache bleibt, daß er den
Profit zieht aus dieser nationalen Ersparung von Hartgeld. Daß
eine nationale Ersparung als Privatprofit erscheint, schockiert
gar nicht den bürgerlichen Ökonomen, da der Profit überhaupt An-
eignung nationaler Arbeit ist. Gibt es etwas Verrrückteres, als
z.B. die Bank von England 1797
#558# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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bis 1817, deren Noten nur durch den Staat Kredit haben und die
sich dann vom Staat, also vom Publikum, in der Form von Zinsen
für Staatsanleihen bezahlen läßt für die Macht, die der Staat ihr
gibt, diese selben Noten aus Papier in Geld zu verwandeln und sie
dann dem Staat zu leihen?
Die Banken haben übrigens noch andre Mittel, Kapital zu kreieren.
Nach demselben Newmarch haben die Provinzialbanken, wie schon
oben erwähnt, die Gepflogenheit, ihre überflüssigen Fonds (d.h.
Noten der B.v.E.) an Londoner bill-brokers zu schicken, die ihnen
dagegen diskontierte Wechsel zurückschicken. Mit diesen Wechseln
bedient die Bank ihre Kunden, da es Regel für sie ist, die von
ihren Lokalkunden empfangnen Wechsel nicht wieder auszugeben, da-
mit nicht die Geschäftsoperationen dieser Kunden in ihrer eignen
Nachbarschaft bekannt werden. Diese von London erhaltnen Wechsel
dienen nicht nur dazu, an Kunden ausgegeben zu werden, die direkt
Zahlungen in London zu machen haben, falls diese nicht vorziehn,
sich von der Bank eine eigne Anweisung auf London ausstellen zu
lassen; sie dienen auch zur Erledigung von Zahlungen in der Pro-
vinz, denn das Endossement des Bankiers sichert ihnen den lokalen
Kredit. Sie haben so, z.B. in Lancashire, alle eignen Noten von
Lokalbanken und einen großen Teil der Bank-v.-E.-Noten aus der
Zirkulation verdrängt. (ibidem, Nr. 1568 bis 1574.)
Wir sehn hier also, wie die Banken Kredit und Kapital kreieren:
1. durch Ausgabe eigner Banknoten; 2. durch Ausstellung von An-
weisungen auf London mit bis zu 21 Tagen Laufzeit, die ihnen aber
bei Ausstellung gleich bar bezahlt werden; 3. durch Wegzahlung
diskontierter Wechsel, deren Kreditfähigkeit zunächst und wesent-
lich, wenigstens für den betreffenden Lokalbezirk, durch das En-
dossement der Bank hergestellt wurde.
Die Macht der Bank von England zeigt sich in ihrer Regulierung
der Marktrate des Zinsfußes. In Zeiten normalen Geschäftsverlaufs
kann es vorkommen, daß die Bank v.E. einem mäßigen Goldabfluß aus
ihrem Metallschatz nicht durch Erhöhung der Diskontorate 12 einen
Riegel vor
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12) In der Generalversammlung der Aktionäre der Union Bank of
London am 17. Jan. 1894 erzählt der Präsident Herr Ritchie, die
Bank v.E. habe 1893 den Diskonto von 2 1/2% (Juli) im August auf
3 und 4%, und da sie trotzdem in vier Wochen volle 4 1/2 Mill.
Pfd.St. Gold verloren, auf 5% erhöht, worauf Gold zurückfloß und
die Bankrate im Sept. auf 4, im Oktober auf 3% herabgesetzt
wurde. Aber diese Bankrate sei im Markt nicht anerkannt worden.
Als die Bankrate 5% war, war die Marktrate 3 1/2% und die Rate
für Geld 2 1/2%; als die Bankrate auf 4% fiel, war die Diskonto-
rate 2 1/2% und die Geldrate als die Bankrate 3%, war die Diskon-
torate 2 3/8 % und die Geldrate eine Kleinigkeit niedriger."
("Daily News", 18. Jan. 1894.) - F.E.
#559# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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schieben kann, weil der Bedarf an Zahlungsmitteln durch die Pri-
vat- und Aktienbanken und bill-brokers, die in den letzten drei-
ßig Jahren bedeutend an KapitaImacht gewonnen, befriedigt wird.
Sie hat dann andre Mittel anzuwenden. Aber für kritische Momente
gilt noch immer, was der Bankier Glyn (von Glyn, Mills, Currie &
Co.) vor dem C. D. 1848/1857) aussagte:
1709. "In Zeiten großer Klemme im Lande kommandiert die Bank v.
E. den Zinsfuß." - 1710. "In Zeiten außerordentlicher Klemme,...
wenn die Diskontierungen der Privatbankiers oder Brokers verhält-
nismäßig eingeschränkt werden, fallen sie auf die Bank v. E., und
dann hat sie die Macht, die Marktrate des Zinsfußes festzustel-
len."
Allerdings darf sie, als öffentliches Institut unter Staatsschutz
und mit Staatsprivilegien, diese ihre Macht nicht schonungslos
ausnutzen, wie die Privatgeschäfte sich dies erlauben dürfen.
Deshalb sagt auch Hubbard vor dem Bankkomitee B.A. 1857:
2844. (Frage:) "Ist es nicht der Fall, daß, wenn die Diskontorate
am höchsten, dann die Bank von England am wohlfeilsten bedient,
und wenn am niedrigsten, dann die Brokers am wohlfeilsten?" -
(Hubbard:) "Das wird immer der Fall sein, denn die Bank v. E.
geht nie so sehr herunter wie ihre Konkurrenten, und wenn die
Rate am höchsten, geht sie nie ganz so hoch hinauf."
Trotzdem aber ist es ein ernsthaftes Ereignis im Geschäftsleben,
wenn die Bank in Zeiten der Klemme, nach dem landläufigen Aus-
druck, die Schraube anzieht, d. h. den schon über dem Durch-
schnitt stehenden Zinsfuß noch höher setzt.
"Sobald die Bank v. E. die Schraube anzieht, hören alle Einkäufe
für Ausfuhr ins Ausland auf... die Exporteure warten, bis die De-
pression der Preise den niedrigsten Punkt erreicht hat, und erst
dann und nicht früher kaufen sie ein. Aber wenn dieser Punkt er-
reicht ist, sind die Kurse schon wieder geregelt - Gold hart auf,
exportiert zu werden, ehe dieser niedrigste Punkt der Depression
erreicht ist. Warenkäufe für Export können möglicherweise einen
Teil des auswärts gesandten Goldes zurückbringen, aber sie kommen
zu spät, den Abfluß zu verhindern." (J. W. Gilbart, "An Inquiry
into the Causes of the Pressure on the Money Market", London
1840, p. 35.) "Eine andre Wirkung der Regulierung des Zirkulati-
onsmittels vermittelst der auswärtigen Wechselkurse ist, daß sie
in Zeiten der Klemme einen enormen Zinsfuß herbeiführt." l.c.p.
40.) "Die Kosten, die aus der Wiederherstellung der Wechselkurse
entstehn, fallen auf die produktive Industrie des Landes, während
im Verlauf dieses Prozesses der Profit der Bank v. E. positiv da-
durch gesteigert wird, daß sie ihr Geschäft mit einem geringern
Betrag von Edelmetall fortführt." (l.c.p. 52.)
Aber, sagt Freund Samuel Gurney,
"diese großen Schwankungen des Zinsfußes sind den Bankiers und
Geldhändlern vorteilhaft - alle Schwankungen im Geschäft sind
vorteilhaft für den, der Bescheid weiß".
#560# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Und wenn auch die Gurneys den Rahm der rücksichtslosen Ausbeutung
der Geschäftsnotlage abschöpfen, während die Bank v. E. sich dies
nicht mit derselben Freiheit erlauben darf, so fallen auch für
sie ganz hübsche Profite ab - von den Privatprofiten nicht zu
sprechen, die den Hercn Direktoren, infolge ihrer ausnahmsweisen
Gelegenheit zur Kenntnisnahme der allgemeinen Geschäftslage, von
selbst in den Schoß fallen. Nach Angabe vor dem Lord's Committee
1817 bei Wiederaufnahme der Barzahlungen, betrugen diese Profite
der Bank von England für die gesamte Zeit von 1797-1817:
Bonuses and increased dividends 1*) 7 451 136
New stock divided among proprietor 2*) 7 276 500
Increned value of capital 3*) 14 553 000
---------------
Summa 29 280 636
auf ein Kapital von 11 642 400 Pfd.St. in 19 Jahren. (D. Hard-
castle, "Banks and Bankers", 2nd ed., London 1843, p. 120.)
Schätzen wir den Totalgewinn der Bank von Irland, die auch 1797
die Barzahlungen suspendierte, nacn demselben Prinzip, so erhal-
ten wir folgendes Resultat:
Dividends as by returns due 1821 4*) 4 736 085
Declared bonus 5*) 1 225 000
Increased assets 6*) 1 214 800
Increased value of capital 7*) 185 000
---------------
Summa 11 360 885
auf ein Kapital von 3 Mill. Pfd. St. (ibidem, p. 363, 364.)
Man spreche noch von Zentralisation! Das Kreditsystem, das seinen
Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen
Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Zen-
tralisation und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte
Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten periodisch zu de-
zimieren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche
Produktion einzugreifen - und diese Bande weiß nichts von der
Produktion und hat nichts mit ihr zu tun. Die Akte von 1844 und
1845 sind Beweise der wachsenden Macht dieser Banditen, an die
sich die Finai ziers und stock-jobbers anschließen.
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1*) Extraausschüttungen und Dividendenerhöhungen - 2*) Neue Ak-
tien, verteilt an die Aktionäre - 3*) Wertzuwachs des Kapitals -
4*) 1821 fällige Dividenden - 5*) Extraausschüttung - 6*) Zunahme
der Aktiva - 7*) Wertzuwachs des Kapitals
#561# 33. Kapitel - Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem
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Wenn aber noch jemand zweifelt, daß diese ehrbaren Banditen die
nationale und internationale Produktion ausbeuten nur imInteresse
der Produktion und der Ausgebeuteten selbst, der wird sicher ei-
nes Bessern belehrt durch folgenden Exkurs über die hohe sittli-
che Würde des Bankiers:
"Die Banketablissements sind religiöse und moralische Institutio-
nen. Wie oft hat die Furcht, durch das wachsame und mißbilligende
Auge seines Bankiers gesehn zu werden, den jungen Handelsmann ab-
geschreckt von der Gesellschaft lärmender und ausschweifender
Freunde? Welche Angst hat er, gut in der Achtung des Bankiers zu
stehn, immer respektabel zu erscheinen! Das Stirnrunzeln des Ban-
kiers hat mehr Ein. fluß auf ihn, als die Moralpredigten seiner
Freunde; zittert er nicht, im Verdacht zu stehn, sich einer Täu-
schung oder der kleinsten unrichtigen Aussage schuldig gemacht zu
haben, aus Furcht, dies könne Verdacht erregen, und infolgedessen
könne seine Bankakkommodation beschränkt oder gekündigt werden!
Der Rat des Bankiers ist ihm wichtiger als der des Geistlichen.'
(C.M.Bell, schottischer Bankdirigent, "The Philosophy of Joint
Stock Banking", London 1840, p. 46, 47.)
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