Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       VIERUNDDREISSIGSTES KAPITEL
       Das Currency  Principle  und die  englische  Bankgesetzgebung von
       1844
       
       {In einer frühern Schrift} ist die Theorie Ricardos über den Wert
       des Geldes im Verhältnis zu den Preisen der Waren untersucht wor-
       den; wir können uns daher hier auf das Nötigste beschränken. Nach
       Ricardo wird  der Wert des - metallischen - Geldes bestimmt durch
       die in  ihm vergegenständlichte Arbeitszeit, aber nur solange die
       Quantität des  Geldes im  richtigen Verhältnis steht zu Menge und
       Preis der  umzusetzenden Waren.  Steigt die  Quantität des Geldes
       über dies  Verhältnis, so  sinkt sein Wert, die Warenpreise stei-
       gen; fällt  sie unter  das richtige  Verhältnis, so  steigt  sein
       Wert, und die Warenpreise fallen - bei sonst gleichbleibenden Um-
       ständen. Im  ersten Fall  wird das  Land, wo dieser Überschuß von
       Gold besteht,  das unter seinen Wert gesunkene Gold ausführen und
       Waren einführen;  im zweiten wird Gold hinströmen zu den Ländern,
       wo es über seinen Wert geschätzt wird, während die unterschätzten
       Waren von  dort zu  andere Märkten fließen, wo sie normale Preise
       erzielen können. Da unter diesen Voraussetzungen das Gold selbst,
       sei es als Münze, sei es als Barre, Wertzeichen von größerem oder
       geringerem Metallwert  als seinem eignen werden kann, so versteht
       es sich,  daß etwa  zirkulierende konvertible  Banknoten dasselbe
       Schicksal teilen.  Obgleich die  Banknoten konvertibel sind, also
       ihr Realwert  ihrem Nominalwert  entspricht, kann die Gesamtmasse
       des zirkulierenden Geldes, Gold und Noten (the Aggregate currency
       consisting of  metal and  of convertible  notes) appreziiert oder
       depreziiert werden, je nachdem ihre Gesamtquantität, aus den vor-
       her entwickelten  Gründen, über oder unter das Niveau steigt oder
       fällt, das  durch den Tauschwert der zirkulierenden Waren und den
       Metallwert des  Goldes bestimmt  ist... Diese Depreziation, nicht
       des Papiers gegen Gold, sondern des Goldes und Papiers
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       13) Marx, "Zur Kritik der politischen Oekonomie", Berlin 1859, S.
       150 ff. 1*)
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       1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 144 ff.
       
       #563# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
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       zusammengenommen oder  der gesamten  Masse der Zirkulationsmittel
       eines Landes  ist eine  der Haupterfindungen  Ricardos, die  Lord
       Overstone & Co. in ihren Dienst preßten und zu einem Fundamental-
       prinzip von  Sir Robert  Peels Bankgesetzgebung von 1844 und 1845
       machten." (l.c.p. 155. 1*))
       Den an  derselben Stelle  geführten Nachweis von der Verkehrtheit
       dieser Ricardoschen  Theorie brauchen wir hier nicht zu wiederho-
       len. Uns  interessiert nur  die Art und Weise, wie Ricardos Lehr-
       sätze verarbeitet wurden von der Schule von Banktheoretikern, die
       die obigen Peelschen Bankakte diktierte.
       
       "Die Handelskrisen  während des  19. Jahrhunderts, namentlich die
       großen Krisen  von 1825  und 1836,  riefen keine Fortentwicklung,
       wohl aber neue Nutzanwendung der Ricardoschen Geldtheorie hervor.
       Es waren  nicht mehr einzelne ökonomische Phänomene, wie bei Hume
       die Depreziation  der edlen  Metalle im  16. und  17. Jahrhundert
       oder wie bei Ricardo die Depreziation des Papiergelds während des
       18. und  im Anfang des 19. Jahrhunderts, sondern die großen Welt-
       marktsungewitter, worin  der Widerstreit  aller Elemente des bür-
       gerlichen Produktionsprozesses  sich entladet, deren Ursprung und
       Abwehr innerhalb  der oberflächlichsten  und abstraktesten Sphäre
       dieses Prozesses, der Sphäre der Geldzirkulation, gesucht wurden.
       Die eigentlich  theoretische Voraussetzung,  wovon die Schule der
       ökonomischen Wetterkünstler ausgeht, besteht in der Tat in nichts
       andrem als  dem Dogma,  daß Ricardo die Gesetze der rein metalli-
       schen Zirkulation  entdeckt hat. Was ihnen zu tun Übrigblieb, war
       die Unterwerfung  der  Kredit-  oder  Banknotenzirkulation  unter
       diese Gesetze.
       Das allgemeinste und sinnfälligste Phänomen der Handelskrisen ist
       plötzlicher, allgemeiner  Fall der  Warenpreise, folgend  auf ein
       längeres, allgemeines Steigen derselben. Allgemeiner Fall der Wa-
       renpreise kann  ausgedrückt werden  als Steigen im relativen Wert
       des Geldes,  verglichen mit  allen Waren, und allgemeines Steigen
       der Preise  umgekehrt als  Fallen des relativen Werts des Geldes.
       In beiden  Ausdrucksweisen ist  das Phänomen ausgesprochen, nicht
       erklärt... Die verschiedene Phraseologie läßt die Auf gabe ebenso
       unverändert, wie  es ihre  Übersetzung aus  der deutschen  in die
       englische Sprache tun würde. Ricardos Geldtheorie kam daher unge-
       mein gelegen, da sie einer Tautologie den Schein eines Kausalver-
       hältnisses gibt.  Woher das periodische allgemeine Fallen der Wa-
       renpreise? Vom  periodischen  Steigen  des  relativen  Werts  des
       Geldes. Woher  umgekehrt das  periodische, allgemeine Steigen der
       Warenpreise? Von einem periodischen Fall
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       1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 147/148
       
       #564# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       im relativen  Wert des  Geldes. Es  könnte ebenso  richtig gesagt
       werden, daß das periodische Steigen und Fallen der Preise von ih-
       rem periodischen  Steigen und  Fallen herrührt... Die Verwandlung
       der Tautologie  in ein  Kausalverhältnis einmal zugegeben, ergibt
       sich alles  andte mit  Leichtigkeit. Das  Steigen der Warenpreise
       entspringt aus  dem Fallen  des Werts  des Geldes. Das Fallen des
       Geldwerts aber, wie wir von Ricardo wissen, aus übervoller Zirku-
       lation, d.h.  daher, daß die Masse des zirkulierenden Geldes über
       das, durch seinen eignen immanenten Wert und die immanenten Werte
       der Waren  bestimmte Niveau  steigt. Ebenso  umgekehrt das allge-
       meine Fallen  der Warenpreise  aus dem Steigen des Geldwerts über
       seinen immanenten Wert infolge einer untervollen Zirkulation. Die
       Preise steigen  und fallen  also periodisch,  weil periodisch  zu
       viel oder  zu wenig  Geld zirkullert. Wird nun etwa nachgewiesen,
       daß das Steigen der Preise mit einer verminderten Geldzirkulation
       und das Fallen der Preise mit einer vermehrten Zirkulation zusam-
       menfiel, so  kann trotzdem behauptet werden, infolge irgendeiner,
       wenn auch statistisch durchaus unnachweisbaren, Verminderung oder
       Vermehrung der  zirkullerenden Warenmasse  sei die  Quantität des
       zirkulierenden Geldes,  obgleich nicht absolut, doch relativ ver-
       mehrt oder  vermindert worden.  Wir sahen  nun, daß  nach Ricardo
       diese allgemeinen Schwankungen der Preise auch bei einer rein me-
       tallischen Zirkulation  stattfinden müssen,  sich aber durch ihre
       Abwechslung ausgleichen, indem z.B. untervolle Zirkulation Fallen
       der Warenpreise, das Fallen der Warenpreise Ausfuhr der Waren ins
       Ausland, diese  Ausfuhr aber  Einfuhr von Gold ins Inland, dieser
       Einfluß von  Geld aber wieder Steigen der Warenpreise hervorruft.
       Umgekehrt bei  einer übervollen  Zirkulation, wo Waren importiert
       und Gold exportiert werden. Da nun trotz dieser aus der Natur der
       Ricardoschen Metallzirkulation  selbst entspringenden allgemeinen
       Preisschwankungen ihre  heftige und gewaltsame Form, ihre Krisen-
       form, den Perioden entwickelten Kreditwesens angehört, so wird es
       sonnenklar, daß  die Ausgabe  von Banknoten  nicht exakt nach den
       Gesetzen der  metallischen Zirkulation reguliert wird. Die metal-
       lische Zirkulation  besitzt ihr  Heilmittel im  Import und Export
       der edlen  Metalle, die  sofort als Münze in Umlauf treten und so
       durch ihren  Einfluß oder  Ausfluß die  Warenpreise  fallen  oder
       steigen machen.  Dieselbe Wirkung  auf die  Warenpreise  muß  nun
       künstlich durch  Nachahmung der Gesetze der Metallzirkulation von
       den Banken hervorgebracht werden. Fließt Geld vom Ausland ein, so
       ist das  ein Beweis, daß die Zirkulation untervoll ist, der Geld-
       wert zu  hoch und  die Warenpreise  zu niedrig stehn und folglich
       Banknoten im  Verhältnis zu dem neu importierten Gold in Zirkula-
       tion geworfen werden müssen. Sie müssen umgekehrt
       
       #565# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
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       der Zirkulation  entzogen werden,  im Verhältnis wie Gold aus dem
       Land ausströmt.  In andern  Worten, die Ausgabe von Banknoten muß
       reguliert werden  nach dem  Import und  Export der  edlen Metalle
       oder nach  dem Wechselkurs.  Ricardos falsche  Voraussetzung, daß
       Gold nur  Münze ist,  daher alles importierte Gold das umlaufende
       Geld vermehrt  und darum  die Preise  steigen macht, alles expor-
       tierte Gold  die Münze  vermindert und  darum die  Preise  fallen
       macht, diese theoretische Voraussetzung wird hier zum praktischen
       Experiment, soviel  Münze zirkulieren zu machen als jedesmal Gold
       vorhanden ist.  Lord Overstone  (Bankier Jones Loyd), Oberst Tor-
       rens, Norman, Clay, Arbuthnot und eine Anzahl andrer Schriftstel-
       ler, in  England bekannt  unter dem Namen der Schule des Currency
       Principle, haben  diese Doktrin nicht nur gepredigt, sondern ver-
       mittelst Sir  R. Peels  Bankakten von 1844 und 1845 zur Grundlage
       der englischen  und schottischen  Bankgesetzgebung  gemacht.  Ihr
       schmähliches Fiasko  theoretisch wie praktisch, nach Experimenten
       auf der  größten nationalen  Stufenleiter, kann erst in der Lehre
       vom Kredit  dargestellt werden." (l.c.p. 165-168. 1*)) Die Kritik
       dieser Schule  wurde geliefert von Thomas Tooke, James Wilson (im
       "Economist" von  1844-1847) und  John Fullarton.  Wie  mangelhaft
       aber auch  sie die  Natur des Goldes durchschauten und wie unklar
       sie über  das Verhältnis  von Geld  und Kapital  waren, haben wir
       mehrfach, namentlich  im Kapitel XXVIII dieses Buchs gesehn. Hier
       nun noch  einiges im Anschluß an die Verhandlungen des Unterhaus-
       Ausschusses von  1857 über  die PeeIschen Bankakte (B. C. 1857) -
       F. E.}
       J. G. Hubbard, ehemaliger Gouverneur der Bank v. E., sagt aus:
       
       2400. "Die  Wirkung der Goldausfuhr... bezieht sich absolut nicht
       auf die  Warenpreise. Dagegen  sehr bedeutend  auf die Preise der
       Wertpapiere, weil  im Maß  wie der Zinsfuß wechselt, der Wert von
       Waren, die  diesen Zins verkörpern, notwendigerweise gewaltig af-
       fiziert wird."
       
       Er legt zwei Tabellen vor über die Jahre 1834-1843 und 1845-1856,
       welche beweisen,  daß die  Preisbewegung von  fünfzehn der bedeu-
       tendsten Handelsartikel  ganz unabhängig  war vom  Ab- und Zufluß
       des Goldes und vom Zinsfuß. Dagegen aber beweisen sie einen engen
       Zusammenhang zwischen  dem Ab-  und Zufluß des Goldes, das in der
       Tat der  Repräsentant unsres  Anlage suchenden  Kapitals ist, und
       dem Zinsfuß
       
       [2402] "1847  wurde ein sehr großer Betrag amerikanischer Wertpa-
       piere nach Amerika zurückübertragen, ebenso russische Wertpapiere
       nach Rußland und andre kontinentale Papiere nach den Ländern, von
       denen wir unsre Kornzufuhr bezogen."
       
       1*) Vgl. Band 13 unserer Ausgabe, S. 156-158
       
       #566# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Die in  der folgenden  Hubbardschen Tabelle  zugrunde gelegten 15
       Hauptartikel  sind:   Baumwolle,  Baumwollengarn,  ditto  Gewebe,
       Wolle, Wollentuch, Flachs, Leinwand, Indigo, Roheisen, WeißbIech,
       Kupfer, Talg, Zuckr, Kaffee, Seide.
       
       I. Von 1834-1843
       
       Datum        Metallschatz  Marktrate  Von 15 Hauptartikeln sind
                    der Bank      des        im Preis  gefallen  unver-
                    Pfd.St.       Diskontos  gestiegen           ändert
       1834, 1. März  9 104 000   2 3/4 %       -          -        -
       1835, 1.  "    6 274 000   3 3/4 %       7          7        1
       1836, 1.  "    7 918 000   3 1/4 %      11          3        1
       1837. 1.  "    4 077 000   5     %       5          9        1
       1838. 1.  "   10 471 000   2 3/4 %       4         11        -
       1839, 1. Sept. 2 684 000   6     %       8          5        2
       1840, 1. Juni  4 571 000   4 3/4 %       5          9        1
       1840, 1. Dez.  3 642 000   5 3/4 %       7          6        2
       1841, 1.  "    4 873 000   5     %       3         12        -
       1842, 1.  "   10 603 000   2 1/2 %       2         13        -
       1843, 1. Juni 11 566 000   2 1/4 %       1         14        -
       
       II. Von 1844-1853
       
       Datum        Metallschatz  Marktrate  Von 15 Hauptartikeln sind
                    der Bank      des        im Preis  gefallen  unver-
                    Pfd.St.       Diskontos  gestiegen           ändert
       1844, 1. März 16 162 000   2 1/4 %       -          -        -
       1845, 1. Dez. 13 237 000   4 1/2 %      11          4        -
       1846, 1. Sept.16 366 000   3     %       7          8        -
       1847, 1.  "    9 140 000   6     %       6          6        3
       1850, 1. März 17 126 000   2 1/2 %       5          9        1
       1851, 1. Juni 13 705 000   3     %       2         11        2
       1852, 1. Sept.21 853 000   1 3/4 %       9          5        1
       1853, 1. Dez. 15 093 000   5     %      14          -        1
       
       Hubbard macht dazu die Glosse:
       
       "Wie in den 10 Jahren 1834-1843, so waren in 1844-1853 Schwankun-
       gen im  Gold der Bank in jedem Fall leitet von einer Zunahme oder
       Abnahme des  leihbaren  Wertes  des  auf  Diskonto  vorgeschoßnen
       Geldes; und andrerseits zeigen die Änderungen in den Warenpreisen
       des Inlandes eine vollständige Unabhängigkeit von der Masse der
       
       #567# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
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       Zirkulation, wie  sie sich  in den  Goldschwankungen der Bank von
       England zeigt." ("Bank Acts Report" 1857, II, p. 290 u. 291.)
       
       Da die  Nachfrage und  Zufuhr von  Waren deren  Marktpreise regu-
       liert, wird  hier klar,  wie falsch Overstones Identifikation der
       Nachfrage nach  leihbarem Geldkapital  (oder vielmehr  der Abwei-
       chungen der  Zufuhr davon), wie sie sich in der Diskontorate aus-
       drückt, und  der Nachfrage nach wirklichem "Kapital". Die Behaup-
       tung, daß  die Warenpreise  durch die  Schwankungen im Betrag der
       Currency reguliert  sind, versteckt  sich jetzt unter der Phrase,
       daß die  Schwankungen der  Diskontorate Schwankungen in der Nach-
       frage nach  wirklichem stofflichen  Kapital ausdrucken, im Unter-
       schied vom  Geldkapital. Wir  haben gesehn, wie sowohl Norman wie
       Overstone dies  in der Tat vor demselben Ausschuß behaupteten und
       zu welchen lahmen Ausflüchten namentlich letzterer dabei gedrängt
       wurde, bis er schließlich ganz festsaß. (Kapitel XXVI.) Es ist in
       der Tat die alte Flause, daß die Änderungen in der Masse des vor-
       handnen Goldes,  indem sie  die Menge des Umlaufsmittels im Lande
       vermehren oder  vermindern, innerhalb  dieses Landes  die  Waren-
       preise steigern oder senken müßten. Wird Gold ausgeführt, so müs-
       sen nach  dieser Currency-Theorie die Preise der Waren steigen in
       dem Lande,  wohin das  Gold geht,  und damit der Wert der Exporte
       des Gold ausfahrenden Landes auf dem Markt des Gold einführenden;
       der Wert  der Exporte  des letzteren  auf dem  Markt des ersteren
       würde dagegen  fallen, während  er stiege in ihrem Ursprungsland,
       wohin das  Gold geht.  In der  Tat aber steigert die Verminderung
       der Goldmenge nur den Zinsfuß, während ihre Vermehrung ihn senkt;
       und kämen  diese Schwankungen des Zinsfußes nicht in Rechnung bei
       Feststellung der Kostpreise oder bei der Bestimmung von Nachfrage
       und Angebot,  so würden  sie die  Warenpreise gänzlich  unberührt
       lassen.
       Im selben  Bericht spricht  sich N.  Alexander, Chef eines großen
       Hauses im indischen Geschäft, folgendermaßen aus über den starken
       Abfluß von  Silber nach  Indien und  China um  die Mitte der 50er
       Jahre, infolge  teils des  chinesischen Bürgerkriegs, der dem Ab-
       satz englischer Gewebe in China Einhalt tat, teils der Seidenwür-
       merkrankheit in  Europa, die  die italienische  und  französische
       Seidenzucht stark einschränkte:
       
       4337. "Ist der Abfluß nach China oder nach Indien? - Sie schicken
       das Silber nach Indien, und mit einem guten Teil davon kaufen Sie
       Opium, das  alles nach China geht, um Fonds zu bilden zum Einkauf
       für Seide; und der Stand der Märkte in Indien" (trotz der Akkumu-
       lation von  Silber dort)  macht es profitlicher für den Kaufmann,
       Silber hinzuschicken, als Gewebe oder andre britische Fabrikate."
       - 4338.  Fand nicht  ein großer  Abfluß aus Frankreich statt, wo-
       durch wir das Silber bekamen? - Jawohl, ein
       
       #568# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       sehr großer."  - 4344.  "Statt Seide  von Frankreich  und Italien
       einzuführen, schicken  wir sie  in großen  Quantität" hin, sowohl
       bengalische wie chinesische." Also wurden nach Asien Silber - das
       Geldmetall dieses  Weltteils -  geschickt statt  Ware, nicht weil
       die Preise dieser Waren gestiegen waren in dem Land, das sie pro-
       duziert (England), sondern gefallen - gefallen durch Überimport -
       in dem  Land, wohin  es sie  importiert; obgleich dies Silber von
       England aus  Frankreich bezogen  und teilweise  mit Gold  bezahlt
       werden mußte. Nach der Currency-Theorie hätten bei solchem Import
       die Preise in England fallen und in Indien und China steigen müs-
       sen. Ein  andres Beispiel.  Vor  dem  Ausschuß  der  Lords  (C.D.
       1848/1857) sagt  Wylle, einer  der ersten  Liverpooler Kaufleute,
       aus wie folgt:
       1994. "Ende  1845 gab es kein lohnenderes Geschäft und keins, das
       so große  Profite abwarf"  (als die Baumwollspinnerei). Der Baum-
       wollvorrat war  groß, und  gute brauchbare  Baumwolle war zu 4 d.
       das Pfund  zu haben, und von solcher Baumwolle konnte gut secunda
       mule twist  Nr. 40  gesponnen werden  mit einer Auslage ebenfalls
       von 4 d., etwa zu 8 d. Gesamtauslage für den Spinner. Dieses Garn
       wurde in großen Massen verkauft im September und Oktober 1845 und
       ebenso große  Lieferungskontrakte abgeschlossen, zu 10 1/2 und 11
       1/2 d.  pro Pfund,  und in einigen Fällen haben die Spinner einen
       Profit realisiert,  der dem  Einkaufspreis der  Baumwolle gleich-
       kam." -  1996. "Das  Geschäft blieb  lohnend bis  Anfang 1846." -
       2000. "Am  3. März  1844 war der Baumwollvorrat" (627 042 Ballen)
       mehr als das Doppelte von dem, was er heute" {am 7. März 1848, wo
       er 301 070  Ballen war},  und dennoch  war der Preis 1 1/4 d. per
       Pfund teurer" {6 1/4 d. gegen 5 d.}. "Gleichzeitig war Garn - gut
       secunda mule twist Nr. 40 - von 11 1/2 - 12 d. gefallen auf 9 1/2
       d. im Oktober und 7 3/4 d. Ende Dezember 1847; es wurde Garn ver-
       kauft  zum  Einkaufspreis  der  Baumwolle,  woraus  es  gesponnen
       war.(ib., Nr. 2021, 2023.)
       
       Dies zeigt  die interessierte  Weisheit Overstones,  daß das Geld
       "teuer" sein  soll, weil  Kapital "selten"  ist. Am  3. März 1844
       stand der  Bankzinsfuß auf  3%; Okt.  und Nov. 1847 ging er auf 8
       und 9%  und stand am 7. März 1848 noch auf 4%. Die Baumwollpreise
       wurden durch  die totale Absatzstockung und die Panik mit dem ihr
       entsprechenden hohen  Zinsfuß niedergeschlagen  tief unter  ihren
       dem Stand  der Zufuhr  entsprechenden Preis.  Die Folge davon war
       einerseits ungeheure Abnahme der Einfuhr 1848 und andrerseits Ab-
       nahme der  Produktion in  Amerika; daher  neues Steigen der Baum-
       wollpreise 1849.  Nach Overstone  waren die  Waren zu teuer, weil
       zuviel Geld im Lande war.
       
       2002. "Die  neuliche Verschlechterung in der Lage der Baumwollin-
       dustrie ist nicht dem Mangel an Rohstoff geschuldet, da der Preis
       niedriger ist,  obwohl der Vorrat von Rohbaumwolle bedeutend ver-
       mindert."
       
       #569# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
       -----
       Aber angenehme  Verwechslung bei  Overstone  zwischen  dem  Preis
       resp. Wert der Ware und dem Wert des Geldes, nämlich dem Zinsfuß.
       In der  Antwort auf  Frage 2026 gibt Wylie sein Gesamturteil über
       die Currency-Theorie, wonach Cardwell und Sir Charles Wood im Mal
       1847 die  Notwendigkeit behauptet hatten, den Bankakt von 1844 in
       seinem ganzen Inhalt durchzuführen":
       
       "Diese Prinzipien scheinen mir von einer Art zu sein, daß sie dem
       Geld einen  künstlichen hohen Wert und allen Waren einen künstli-
       chen, ruinierend niedrigen Wert geben würden."
       
       Er sagt  ferner über die Wirkungen dieses Bankakts auf das allge-
       meine Geschäft:
       
       "Da Viermonatswechsel,  die die  regelmäßigen Tratten der Fabrik-
       städte auf Kaufleute und Bankiers gegen gekaufte und für die Ver-
       einigten Staaten bestimmte Waren sind, nur noch mit großen Opfern
       diskontiert werden konnten, wurde die Ausführung von Aufträgen in
       bedeutendem Maß gehemmt, bis nach dem Regierungsbrief vom 25. Ok-
       tober" (Suspension des Bankakts), wo diese Viermonatswechsel wie-
       der diskontierbar wurden." (2097.)
       
       Also auch  in der  Provinz wirkte  die Suspension dieses Bankakts
       wie eine Erlösung.
       
       2102. "Im  vorigen Oktober" 1847) "haben fast alle amerikanischen
       Einkäufer, die  hier Waren  kaufen, soviel  wie möglich ihre Auf-
       träge sofort  eingeschränkt; und  als die Nachricht von der Geld-
       teuerung nach  Amerika kam,  hörten alle  neuen Aufträge  auf." -
       2134. "Korn  und Zucker  waren Spezialfälle.  Der Kornmarkt wurde
       affiziert durch  die Ernteaussichten,  und Zucker wurde affiziert
       durch die  ungeheuren Vorräte und Einfuhren." - 2163. "Von unsern
       Zahlungsverpflichtungen gegen  Amerika... wurde vieles liquidiert
       durch Zwangsverkäufe  von konsignierter Ware, und vieles, fürchte
       ich, wurde  annulliert durch  die Bankerotte hier." - 2196. "Wenn
       ich  mich   recht  erinnere,  wurden  auf  unsrer  Fondsbürse  im
       O k t o b e r  1 8 4 7  b i s  7 0%  Z i n s e n  g e z a h l t."
       
       {Die Krisis von 1837 mit ihren langen Nachwehen, an die sich 1842
       noch eine  vollständige Nachkrise  schloß, und  die interessierte
       Verblendung der  Industriellen und  Kaufleute,  die  platterdings
       keine Überproduktion  sehn wollten  - diese war ja, nach der Vul-
       gärökonornie, ein  Unsinn und  eine Unmöglichkeit! -, hatten end-
       lich diejenige  Verwirrung in den Köpfen verursacht, die der Cur-
       rency-Schule erlaubte,  ihr Dogma  auf nationalem  Maßstab in die
       Praxis zu  übersetzen.  Die  Bankgesetzgebung  von  1844/45  ging
       durch.
       Der Bankakt  von 1844 teilt die Bank von England in ein Notenaus-
       gabe. Departement und ein Bankdepartement. Das erstere erhält Si-
       cherheiten -
       
       #570# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       größtenteils Regierungsschuld - für 14 Millionen und den gesamten
       Metallschatz, der  zu höchstens  1/4 aus Silber bestehn darf, und
       gibt für  den Gesamtbetrag  beider eine  gleiche Summe  von Noten
       aus. Soweit  sich diese  nicht in den Händen des Publikums befin-
       den, liegen  sie im  Bankdepartement und  bilden, mit der wenigen
       zum täglichen  Gebrauch nötigen Münze (etwa einer Million) dessen
       stets bereite  Reserve. Das Ausgabe-Departement gibt dem Publikum
       Gold für  Noten und  Noten für  Gold; den übrigen Verkehr mit dem
       Publikum besorgt das Bankdepartement. Die 1844 zur Ausgabe eigner
       Noten in  England und  Wales berechtigten  Privatbanken  behalten
       dies Recht, doch wird ihre Notenausgabe kontingentiert; hört eine
       dieser Banken  auf, eigne  Noten auszugeben, so kann die Bank von
       England ihren  ungedeckten Notenbetrag  um 2/3  des  eingegangnen
       Kontingents erhöhen;  auf diesem Weg ist derselbe bis 1892 von 14
       auf 16  1/2 Millionen  Pfd.St. (genau 16 450 000 Pfd.St.) gestie-
       gen.
       Für jede  fünf Pfund in Gold also, die aus dem Bankschatz abflie-
       ßen, geht  eine Fünfpfundnote  zurück an  das Ausgabe-Departement
       und wird  vernichtet; für  jede dem  Schatz zusehenden  fünf  So-
       vereigns kommt eine neue Fünfpfundnote in Umlauf. Damit ist Over-
       stones ideale Papierzirkulation, die sich genau nach den Gesetzen
       der metallischen  Zirkulation richtet,  praktisch ausgeführt, und
       damit sind,  nach den Behauptungen der Currency-Leute, die Krisen
       für immer unmöglich gemacht.
       In Wirklichkeit  aber entzog  die Trennung der Bank in zwei unab-
       hängige Departements  der Direktion die Möglichkeit, in entschei-
       denden Momenten  über ihre  gesamten disponiblen  Mittel frei  zu
       verfügen, so  daß Fälle eintreten konnten, wo das Bankdepartement
       vor dem  Bankerott stand, während das Ausgabe-Departement mehrere
       Millionen in Gold und außerdem noch seine 14 Millionen Sicherhei-
       ten intakt  besaß. Und zwar konnte dies um so leichter eintreten,
       als in  fast jeder  Krise ein  Abschnitt vorkommt, wo ein starker
       Goldabfluß ins  Ausland stattfindet,  der in der Hauptsache durch
       den Metallschatz  der Bank  zu decken  ist. Für  jede fünf  Pfund
       aber, die  dann ins Ausland fließen, wird der Zirkulation des In-
       lands eine Fünfpfundnote entzogen, also die Menge des Umlaufsmit-
       tels grade  in dem  Augenblick verkleinert,  wo am meisten davon,
       und am nötigsten, gebraucht wird. Der Bankakt von 1844 provoziert
       also die  sämtliche Handelswelt direkt dazu, bei hereinbrechender
       Krise sich einen Reserveschatz von Banknoten beizeiten anzulegen,
       also die  Krise zu  beschleunigen und  zu verschärfen;  er treibt
       durch  diese,  im  entscheidenden  Augenblick  wirksam  werdende,
       künstliche Steigerung  der Nachfrage nach Geldakkommodation, d.h.
       nach Zahlungsmittel,  bei gleichzeitiger  Beschränkung der Zufuhr
       davon, den Zinsfuß
       
       #571# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
       -----
       in Krisen zu bisher unerhörter Höhe; statt also die Krisen zu be-
       seitigen, steigert er sie vielmehr bis auf den Punkt, wo entweder
       die ganze  industrielle Weit in die Brüche gehn muß oder der Ban-
       kakt. Zweimal,  am 25.  Okt. 1847  und am  12. Nov. 1857, war die
       Krisis auf  diese Höhe  gestiegen; da  befreite die Regierung die
       Bank von  der Beschränkung  ihrer Notenausgabe, indem sie den Akt
       von 1844  suspendierte, und  dies reichte beidemal hin, die Krise
       zu brechen.  1847 genügte die Gewißheit, daß nun wieder Banknoten
       gegen Sicherheit ersten Rangs zu haben seien, um die aufgeschatz-
       ten 4-5 Millionen Noten wieder ans Tageslicht und in die Zirkula-
       tion zu  bringen; 1857 wurde bis nicht ganz eine Million in Noten
       über das  gesetzliche Quantum ausgegeben, aber nur für ganz kurze
       Zeit.
       Zu erwähnen ist auch, daß die Gesetzgebung von 1844 noch die Spu-
       ren der  Erinnerung an  die ersten zwanzig Jahre des Jahrhunderts
       aufweist, die  Zeit der Einstellung der Barzahlungen der Bank und
       der Notenentwertung. Die Furcht, die Banknoten möchten ihren Kre-
       dit verlieren,  ist noch  sehr bemerkbar;  eine sehr überflüssige
       Furcht, da  schon 1825  die Ausgabe eines vorgefundnen alten Vor-
       rats außer  Kurs gesetzter  Einpfundnoten die Krise gebrochen und
       damit bewiesen  hatte, daß  schon damals  der Kredit  der  Noten,
       selbst in  der Zeit  des allgemeinsten  und stärksten Mißtrauens,
       unerschüttert blieb.  Es ist  dies auch  ganz begreiflich;  steht
       doch tatsächlich  die gesamte Nation mit ihrem Kredit hinter die-
       sen Wertzeichen. - F. E.}
       Hören wir  nun ein  paar Zeugnisse über die Wirkung des Bankakts.
       J. St.  Mill glaubt, daß der Bankakt von 1844 die Überspekulation
       niedergehalten habe. Dieser weise Mann sprach glücklicherweise am
       12. Juni 1857. Vier Monate später war die Krisis losgebrochen. Er
       gratuliert buchstäblich  den Bankdirektoren und dem kommerziellen
       Publikum im allgemeinen dazu, daß sie
       
       "die Natur  einer Handelskrisis  weit besser  verstehn als früher
       und den sehr großen Schaden, den sie sich selbst und dem Publikum
       durch Unterstützung  der Überspekulation  antun". (B.C. 1857, Nr.
       2031.)
       
       Der weise Mill meint, wenn 1-Pfund-Noten ausgegeben werden
       
       "als Vorschüsse  an Fabrikanten  u.a. welche Arbeitslöhne auszah-
       len... so  können die  Noten in  die Hände von andren kommen, die
       sie zu  Konsumtionszwecken ausgeben, und in diesem Fall konstitu-
       ieren die  Noten in  sich selbst  eine Nachfrage  nach Waren, und
       können zeitweilig  eine Preiserhöhung zu befördern streben". [Nr.
       2066.]
       Herr Mill  nimmt also  an, daß die Fabrikanten höhern Lohn zahlen
       werden, weil  sie ihn in Papier statt in Gold zahlen? Oder glaubt
       er, wenn
       
       #572# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       der Fabrikant  seinen Vorschuß  in 100-Pfund-Noten  erhält, diese
       auswechselt gegen  Gold, so  würde dieser  Lohn weniger Nachfrage
       bilden, als  wenn sogleich  in 5-Pfund-Noten bezahlt? Und weiß er
       nicht, daß z.B. in gewissen Bergwerksbezirken Arbeitslohn gezahlt
       wurde in  Noten von Lokalbanken, so daß mehrere Arbeiter zusammen
       eine 5-Pfund-Note  erhielten? Vermehrt  dies ihre Nachfrage? Oder
       werden die Bankiers den Fabrikanten in kleinen Noten leichter und
       mehr Geld vorschießen als in großen?
       {Diese sonderbare  Angst Mills  vor Einpfundnoten  wäre unerklär-
       lich, zeigte  nicht sein  ganzes Werk  über  politische  Ökonomie
       einen Eklektizismus, der vor keinen widersprächen zurückschreckt.
       Einerseits gibt  er Tooke in vielen Dingen gegen Overstone recht,
       andrerseits glaubt er an die Bestimmung der Warenpreise durch die
       Menge des  vorhandnen Geldes.  Er ist  also keineswegs überzeugt,
       daß für jede ausgegebne Einpfundnote alle andren Umstände gleich-
       gesetzt - ein Sovereign in den Schatz der Bank wandert; er fürch-
       tet, die  Masse des  Zirkulationsmittels könne vermehrt und somit
       entwertet werden,  d.h. die  Warenpreise steigern. Das ist es und
       weiter nichts,  was sich hinter obiger Bedenklichkeit verbirgt. -
       F. E.}
       Über die Zweiteilung der Bank und die übermäßige Vorsorge für Si-
       cherstellung der  Banknoteneinlösung spricht  sich Tooke  aus vor
       dem C.D. 1848/1857:
       Die größern  Schwankungen des Zinsfußes 1847, verglichen mit 1837
       und 1839,  seien nur  der Trennung  der Bank in zwei Departements
       geschuldet. (3010.)  - Die  Sicherheit der  Banknoten wurde nicht
       affiziert, weder 1825 noch 1837 und 1839. (3015.) - Die Nachfrage
       nach Gold  1825 bezweckte  nur, den leeren Raum auszufallen, ent-
       standen durch die ganzliche Diskreditierung der 1-Pfund-Noten der
       Provinzialbanken; dieser  leere Raum konnte nur durch Gold ausge-
       füllt werden, bis die Bank von England auch 1-Pfund-Noten ausgab.
       (3022.) -  Im November und Dezember 1825 existierte nicht die ge-
       ringste Nachfrage nach Gold für Ausfuhr. (3023.)
       
       "Was eine  Diskreditierung der Bank im In- und Auslande betrifft,
       wurde eine  Suspension der  Zahlung von  Dividenden und Depositen
       von viel  schwereren Folgen sein, als eine Suspension der Zahlung
       der Banknoten." (3028.)
       3035. "Würden  Sie nicht sagen, daß jeder Umstand, der in letzter
       Instanz die Konvertibihtit der Banknoten gefährdete, in einem Au-
       genblick der  kommerziellen Klemme neue und ernstliche Schwierig-
       keiten erzeugen könnte? - Ganz und gar nicht."
       Im Lauf  von 1847  würde eine  vermehrte Notenausgabe  vielleicht
       dazu beigetragen haben, den Goldschatz der Bank wieder zu füllen,
       wie sie dies 1825 tat". (3058.)
       
       #573# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
       -----
       Vor dem B.A. 1857 Newmarch aus:
       
       1357. "Die  erste schlimme  Wirkung... dieser Trennung der beiden
       Departements" (der  Bank)  und  der  daraus  notwendig  folgenden
       Zweiteilung der  Goldreserve war  die, daß  das Bankgeschäft  der
       B.v.E., also  derjenge ganze  Zweig ihrer Operationen, der sie in
       direktere Verbindung  mit dem Handel des ndes bringt, mit nur der
       Hälfte des  Betrags der  frühern Reserve  fortgeführt worden ist.
       Infolge dieser  Spaltung der Reserve ist es gekommen, daß, sobald
       die Reserve  des Bankdepartements  nur  im  geringsten  zusammen-
       schmolz, die  Bank gezwungen  war, ihre  Diskontrate zu  erhöhen.
       Diese verminderte  Reserve hat daher eine Reihe stoßweiser Verän-
       derungen in  der Diskontrate verursacht. - 1358. "Solche Änderun-
       gen sind  seit 1844" (bis Juni 1857) "einige 60 in der Zahl gewe-
       sen, während  sie vor  184 in derselben Zeit kaum ein Dutzend be-
       trugen."
       
       Von besondrem  Interesse ist  auch die  Aussage von  Palmer, seit
       1811 Direktor  und eine Zeitlang Gouverneur der Bank von England,
       vor dem C. D. Ausschuß der Lords (1848/1857):
       
       828. "Im Dezember 1825 hatte die Bank nur noch ungefähr 1 100 000
       Pfd.St. Gold übrigbehalten. Damals mußte sie ganz unfehlbar total
       falliert haben,  wenn dieser  Akt" (von  1844) "damals  bestanden
       hätte. Im  Dezember gab sie, glaube ich, 5 oder 6 Millionen Noten
       in einer  Woche aus,  und das erleichterte die damalige Panik be-
       deutend."
       825. "Die erste Periode" (seit 1. Juli 1825), wo die gegenwärtige
       Bankgesetzgebung zusammengebrochen  wäre, wenn  die Bank versucht
       hätte, die  einmal in Angriff genommenen Transaktionen zu Ende zu
       führen, war  am 28.  Februar 1837; damals waren 3 900 000 Pfd.St.
       bis 4  Millionen Pfd.St.  im Besitz  der Bank, und sie würde dann
       nur noch  650 000  Pfd. St. in Reserve behalten haben. Eine andre
       Periode ist 1839 und dauerte vom 9. Juli bis 5. Dezember." - 826.
       "Was war  der Betrag  der Reserve in diesem Fall? Die Reserve be-
       stand in einem Defizit von insgesamt 200 000 Pfd.St. (the reserve
       was minus  altogether 200 000 Pfd.St.) am 5. September. Am 5. No-
       vember stieg  sie auf  ungefähr 1 bis 1 1/2 Mill." - 830. Der Akt
       von 1844  würde die Bank verhindert haben, dem amerikanischen Ge-
       schäft 1837 beizustehn." - 831. Drei der hauptsichlichsten ameri-
       kanischen Häuser  fallierten... Fast jedes Haus im amerikanischen
       Geschäft war außer Kredit gesetzt, und wäre damals die Bank nicht
       zu Hilfe  gekommen, so  glaube ich  nicht, daß  mehr als 1 oder 2
       Häuser sich hätten halten können." - 836. Die Klemme von 1837 ist
       gar nicht  zu vergleichen  mit der  von 1847.  Die von  1837  be-
       schränkte sich  hauptsächlich auf  das amerikanische Geschäft." -
       838. (Anfangs Juni 1837 wurde in der Bankdirektion die Frage dis-
       kutiert, wie der Klemme abzuhelfen sei.) Worauf einige Herren die
       Meinung verteidigten,... das richtige Prinzip sei, den Zinsfuß zu
       erhöhen, wodurch  die Warenpreise fallen wurden; kurz, Geld teuer
       imd Waren wohlfeil zu machen, wodurch die Zahlung ans Ausland zu-
       stande gebracht  de (by which the foreign payment would he accom-
       plished)." -  906. "Die Einführung einer künstlichen Beschränkung
       der Vollmachten der Bank durch den Akt von
       
       #574# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       1844 statt  der alten  und natürlichen  Schranke ihrer Vollmacht,
       des wirklichen  Betrags ihres  MetalIvorrats, erzeugt  künstliche
       Geschäftserschwerung und  damit eine Wirkung auf die Warenpreise,
       die ganz  unnötig war  ohne diesen Akt." - 968. Unter der Wirkung
       des Akts  von 1844  kann man den Metallvorrat der Bank, unter ge-
       wöhnlichen Umständen, nicht wesentlich unter 9 1/2 Mill. reduzie-
       ren. Dies  würde einen  Druck auf  Preise und Kredit verursachen,
       der einen solchen Umschwung in den auswärtigen Wechselkursen her-
       beiführen müßte,  daß die Goldeinfuhr stiege und damit den Betrag
       des Goldes  im Ausgabe-Departement  vermehrte." - 996. "Unter der
       jetzigen Beschränkung  haben Sie"  {die Bank}  nicht das Kommando
       über Silber,  das erforderlich  ist  zu  Zeiten,  wo  man  Silber
       braucht, um  auf den auswärtigen Kurs zu wirken." - 999. "Was war
       der Zweck  der Vorschrift,  die den Silbervorrat der Bank auf 1/5
       ihres Metallvorrats beschränkt? - Die Frage kann ich nicht beant-
       worten."
       
       Der Zweck  war, Geld  teuer zu machen; ganz wie, abgesehn von der
       Currency-Theorie, die  Trennung der  beiden Bankdepartements  und
       der Zwang für die schottischen und irischen Banken, für Notenaus-
       gabe über  einen gewissen  Satz hinaus Gold in Reserve zu halten.
       Es entstand  so eine Dezentralisation des nationalen Metallschat-
       zes, der  ihn weniger  fähig machte,  ungünstige Wechselkurse  zu
       korrigieren. Auf  Steigerung des  Zinsfußes laufen alle diese Be-
       stimmungen hinaus:  daß die B.v.E. nicht Noten ausgeben darf über
       14 Mill. außer gegen Goldreserve, daß das Bankdepartement als ge-
       wöhnliche Bank  verwaltet werden  soll, den Zinsfuß herabdrückend
       in Zeiten  des Geldüberflusses,  ihn herauftreibend in Zeiten der
       Klemme; die  Beschränkung des  Silbervorrats, des hauptsächlichen
       Mittels, die Wechselkurse mit dem Kontinent und Asien zu rektifi-
       zieren; die Vorschriften wegen der schottischen und irischen Ban-
       ken, die  nie Gold für Export brauchen und es jetzt halten müssen
       unter dem  Vorwand einer, tatsächlich rein illusorischen, Konver-
       tibilität ihrer Noten. Die Tatsache ist, daß der Akt von 1844 zum
       erstenmal einen  Ansturm nach  Gold auf  die schottischen  Banken
       1857 produzierte.  Die neue Bankgesetzgebung macht ebenfalls kei-
       nen Unterschied  zwischen Goldabfluß ins Ausland und dem fürs In-
       land, obgleich deren Wirkungen selbstredend durchaus verschieden.
       Daher die  beständigen heftigen Schwankungen in der Marktrate des
       Zinses. Mit  Bezug auf  Silber sagt  Palmer zweimal, 992 und 994,
       daß die  Bank nur  Silber gegen Noten kaufen kann, wenn der Wech-
       selkurs günstig  für England,  das Silber  also überflüssig  ist;
       denn:
       
       1003. "Der einzige Zweck, weshalb ein beträchtlicher Teil des Me-
       tallschatzes in  Silber gehalten  werden kann, ist der, ausländi-
       sche Zahlungen zu erleichtern, während
       -----
       1*) 1. Auflage: Geld; geändert nach dem Manuskript von Marx
       
       #575# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
       -----
       der Zeit, wo die Wechselkurse gegen England sind." - 1004. Silber
       ist eine Ware, die, weil sie Geld ist in der ganzen übrigen Welt,
       deshalb die passendste Ware... für diesen Zweck ist" {Zahlung ans
       Ausland}. Nur  die Vereinigten  Staaten haben in der letzten Zeit
       ausschließlich Gold genommen."
       
       Nach seiner  Ansicht brauchte  die Bank in Zeiten der Klemme, so-
       lange keine  ungünstigen Wechselkurse das Gold ins Ausland ziehn,
       den Zinsfuß  nicht über  den alten  Stand von 5% zu erhöhen. Wäre
       nicht der  Akt von  1844, so  würde sie  dabei ohne Schwierigkeit
       alle Wechsel  ersten Ranges  (first class bills), die ihr präsen-
       tiert würden,  diskontieren können. (1018 bis 1020.) Aber mit dem
       Akt von  1844 und  in der  Lage, in  der die Bank im Oktober 1847
       war,
       
       "gab es keinen Zinsfuß, den die Bank kreditfähigen Häusern abver-
       langen konnte, den sie nicht bereitwillig gezahlt hätten, um ihre
       Zahlungen fortzuführen". [1022.]
       
       Und dieser hohe Zinsfuß war grade der Zweck des Akts.
       
       1029. "Ich  muß einen großen Unterschied machen zwischen der Wir-
       kung des  Zinsfußes auf  ausländische Nachfrage" {für Edelmetall}
       und einer  Zinserhöhung zum  Zweck der Hemmung eines Andrangs auf
       die Bank  während einer  Periode inländischen  Kreditmangels."  -
       1023. "Vor  dem Akt  von 1844,  wenn die Kurse zugunsten Englands
       waren und Beunruhigung, ja positive Panik im Lande herrschte, war
       keine Grenze  gesetzt auf die Notenausgabe, durch die allein die-
       ser Zustand der Klemme erleichtert werden konnte."
       
       So spricht  ein Mann sich aus, der 39 Jahre lang in der Direktion
       der Bank von England gesessen. Hören wir nun einen Privatbankier,
       Twells, seit  1801 Associé von Spooner, Attwoods & Co. Er ist der
       einzige unter  sämtlichen Zeugen  vor dem  B.C. 1857,  der  einen
       Blick in  den wirklichen Zustand des Landes tun läßt und die Kri-
       sis herannahen sieht. Im übrigen ist er eine Art von Birminghamer
       Little-Shilling-Mann {75},  wie denn  seine Associes,  die Brüder
       Attwood, die  Stifter dieser  Schule sind (s. Zur Kritik der Pol.
       Oek.", S. 59 1*)). Er sagt aus:
       
       4488. "Wie  glauben Sie,  daß der  Akt von  1844 gewirkt  hat?  -
       Sollte ich  Ihnen als  Bankier antworten, so würde ich sagen, daß
       er ganz  ausgezeichnet gewirkt  hat, denn er hat den Bankiers und
       {Geld-} Kapitalisten  aller Art eine reiche Ernte geliefert. Aber
       er hat  sehr schlecht  gewirkt für  den ehrlichen  fleißigen  Ge-
       schäftsmann, der Stetigkeit in der Diskontorate bedarf, so daß er
       seine Arrangements mit Zuversicht machen kann... er hat das Geld-
       verleihen zu einem höchst profitlichen Ceschäft gemacht." - 4489.
       "Er" {der  Bankakt} "befähigt  die Londoner Aktienbanken, den Ak-
       tionären 20 bis 22% zu zahlen? - Eine zahlte neulich 18%, und ich
       glaube, eine andre 20%; sie haben
       -----
       1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 64/65
       
       #576# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       allen Crund,  sehr entschieden  für den Akt einzutreten." - 4490.
       "Kleine Geschäftsleute und respektable Kaufleute, die kein großes
       Kapital haben...  er kneift  sie sehr...  Das einzige Mittel, das
       ich habe,  um dies  zu erfahren, ist,daß ich eine so erstaunliche
       Masse ihrer Akzepte sehe, die nicht bezahlt werden. Diese Akzepte
       sind immer klein, etwa von 20-100 Pfd.St., viele von ihnen werden
       nicht bezahlt und gehn zurück mit Mangelzahlung nach allen Teilen
       des Landes,  und dies  ist immer ein Zeichen der Gedrücktheit un-
       ter... den Kleinhändlern."
       
       4494 erklärt  er, das  Geschäft sei jetzt nicht profitabel. Seine
       folgenden Bemerkungen  sind wichtig,  weil er  das latente Dasein
       der Krise sah, als noch keiner der übrigen es ahnte.
       
       4494. "Die Preise in Mincing Lane [67] halten sich noch ziemlich,
       aber es  wird nichts  verkauft, man kann zu keinem Preise verkau-
       fen; man hält sich auf dem nominellen Preis."
       
       4495. Er  erzählt einen Fall. - Ein Franzose schickt einem Makler
       in Mincing  Lane Waren für 3000 Pfd.St. zum Verkauf für einen ge-
       wissen Preis.  Der Makler  kann den Preis nicht machen, der Fran-
       zose kann  unter dem Preise nicht verkaufen. Die Ware bleibt lie-
       gen, aber  der Franzose braucht Geld. Der Makler schießt ihm also
       1000 Pfd.St. vor, derart, daß der Franzose auf Sicherheit der Wa-
       ren einen  Wechsel für  1000 Pfd.St.  für 3 Monate auf den Makler
       zieht. Nach  3 Monaten  verfällt der Wechsel, aber die Waren sind
       noch immer unverkäuflich. Der Makler muß dann den Wechsel zahlen,
       und obgleich  er Deckung  für 3000 Pfd.St. hat, kann er sie nicht
       flüssigmachen und  gerät in  Schwierigkeiten. So  zieht einer den
       andern mit herunter.
       
       4496 "Was  die starken Ausfuhren betrifft... wenn das Geschäft im
       Innern gedrückt  ist, so  ruft dies  mit Notwendigkeit  auch eine
       starke Ausfuhr hervor." - 4497. "Glauben Sie, daß die inländische
       Konsumtion abgenommen  hat? - Sehr bedeutend... ganz ungeheuer...
       die Kleinhändler  sind hier  die beste  Autorität." -  4498. "Und
       doch sind  die Einfuhren  sehr groß;  zeigt das nicht eine starke
       Konsumtion an?  - Jawohl,  wenn Sie  verkaufen können; aber viele
       Warenlager sind  voll von diesen Sachen; in dem Beispiel, das ich
       soeben erzählt  habe, sind für 3000 Pfd.St. Waren importiert wor-
       den, die unverkäuflich sind."
       
       4514. "Wenn  Geld teuer  ist, würden  Sie sagen, daß dann Kapital
       wohlfeil ist? Jawohl."
       
       Der Mann  ist also  keineswegs der  Meinung Overstones, daß hoher
       Zinsfuß dasselbe sei wie teures Kapital.
       Wie das Geschäft jetzt betrieben wird:
       
       4516 "... Andre gehn sehr bedeutend ins Geschirr, machen ein rie-
       siges Geschäft in Ausfuhren und Einfuhren, weit über das Maß hin-
       aus, wozu  ihr Kapital  sie berechtigt;  daran kann nicht der ge-
       ringste Zweifel sein. Das kann diesen Leuten glücken;
       
       #577# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
       -----
       sie können  durch irgendwelchen  Glücksfall große Vermögen machen
       und alles  abzahlen. Das  ist in  großem Maß  das System, auf dem
       heutzutage ein  bedeutender Teil des Geschäfts geführt wird. Sol-
       che Uute  verlieren willig  20, 30 und 40% auf eine Verschiffung;
       das nächste  Geschäft kann  es ihnen zurückbringen. Schlägt ihnen
       eins nach  dem andern fehl, dann sind sie kaputt; und das ist ge-
       rade der  Fall, den wir in der letzten Zeit oft gesehn haben; Ge-
       schäftshäuser haben fafliert, ohne daß für einen Schilling
       Akiva übrigblieben."
       4791. "Der  niedrigere Zinsfuß"  {während der  letzten 10  Jahre}
       wirkt allerdings  gegen die  Bankiers, aber  ohne Ihnen  die  Ge-
       schäftsbücher vorzulegen,  würde ich Ihnen nur sehr schwer erklä-
       ren können, um wieviel höher der Profit" (sein eigner) "jetzt ist
       gegen früher.  Wenn der  Zinsfuß niedrig ist, infolge übermäßiger
       Notenausgabe, haben  wir bedeutende  Depositen; wenn  der Zinsfuß
       hoch ist,  so bringt uns das direkten Gewinn." - 4794. "Wenn Geld
       zu mäßigem  Zinsfuß zu haben ist, haben wir mehr Nachfrage dafür;
       wir leihen  mehr aus; es wirkt" {für uns, die Bankiers} "auf die-
       sem Wege.  Wenn er  steigt, so bekommen wir mehr dafür als billig
       ist; wir bekommen mehr, als wir haben sollten."
       
       Wir haben  gesehn, wie  der Kredit der Noten der Bank von England
       bei allen  Sachverständigen als  unerschütterlich gilt.  Trotzdem
       legt der  Bankakt 9-10  Millionen in  Gold zu ihrer Einlösbarkeit
       absolut fest.  Die Heiligkeit  und Unantastbarkeit  des  Schatzes
       wird damit ganz anders durchgeführt als bei den alten Schatzbild-
       nern. W.Brown (Liverpool) sagt aus, C.D. 1847/1857, 2311:
       
       "In Beziehung auf den Nutzen, den dies Geld" (der Metallschatz im
       Ausgabe-Departement) damals brachte, so hätte man es ebensogut in
       die See  werfen können;  man konnte  ja nicht das geringste davon
       verwenden, ohne den Parlamentsakt zu brechen."
       
       Der Bauunternehmer E. Capps, derselbe, der schon früher angeführt
       und dessen  Aussage auch  die Schilderung  des modernen  Londoner
       Bausystems (Buch  II, Kap.  XII) entlehnt ist, faßt seine Ansicht
       über den Bankakt von 1844 zusammen wie folgt (B. A. 1857):
       
       5508. "Sie  sind also  im allgemeinen der Ansicht, daß das gegen-
       wärtige System"  (der Bankgesetzgebung)  "eine  recht  geschickte
       Einrichtung ist,  um die  Profite der Industrie periodisch in den
       Geldsack des  Wucherers zu  bringen? - Das ist meine Ansicht. Ich
       weiß, daß es im Baugeschäft so gewirkt hat."
       
       Wie schon  erwähnt, wurden die schottischen Banken durch den Ban-
       kakt von 1845 in ein System gezwängt, das sich dem englischen an-
       näherte. Es wurde ihnen die Verpflichtung auferlegt, für ihre No-
       tenausgabe über  einen für  jede Bank festgesetzten Betrag hinaus
       Gold in  Reserve zu  halten. Welche  Wirkung dies gehabt, darüber
       hier einige Zeugnisse vor dem B. C. 1857.
       
       #578# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Kennedy, Dirigent einer schottischen Bank:
       
       3375. "Gab es irgend etwas in Schottland, das man eine Goldzirku-
       lation nennen  könnte, vor Einführung des Akts von 1845? - Nichts
       derart." -  3376. "Ist  seitdem eine  zusätzliche Zirkulation von
       Gold eingetreten?  - Nicht  im geringsten;  die Lute  wollen kein
       Gold haben  (the people  dislike gold)."  -  3450.  Die  ungefähr
       900 000 Pfd.St.  in Gold, die die schottischen Banken halten müs-
       sen seit  1845, sind nach seiner Ansicht nur schädlich und absor-
       bieren unprofitfich  einen gleichen Teil des Kapitals von Schott-
       land."
       
       Ferner Anderson, Dirigent der Union Bank of Scotland:
       
       3558. "Die  einzige starke  Nachfrage für  Gold, die bei der Bank
       von England  von seiten  der schottischen  Banken stattfand, fand
       statt wegen  der auswen  Wechselkurse? -  Dem ist  so; und  diese
       Nachfrage wird  nicht vermindert  dadurch, daß  wir Gold in Edin-
       burgh halten."  - 3590. "Solange wir denselben Betrag von Wertpa-
       pieren in  der Bank  von England"  (oder bei  den Privatbanken in
       England) "liegen  haben, haben  wir dieselbe  Macht  wie  vorher,
       einen Goldabfluß bei der B.v.E. herbeizuführen."
       
       Endlich noch ein Artikel des "Economist" (Wilson):
       
       "ie schottischen  Banken halten unbeschiftigte Barbeträge bei ih-
       ren Londoner  Agenten; diese halten sie bei der Bank von England.
       Dies gibt  den schottischen  Banken, innerhalb der Grenzen dieser
       Beträge, Kommando über den Metalischatz in der Bank, und hier ist
       er immer  auf der  Stelle, wo  er gebraucht wird, wenn auswärtige
       Zahlungen zu machen sind."
       
       Dies System wurde gestört durch den Akt von 1845:
       
       "Infolge des Akts von 1845 für Schottland hat in der letzten Zeit
       ein starker  Abfluß von  Goldmünze aus der Bank v. E. stattgefun-
       den, um einer bloß möglichen Nachfrage in Schottland zu begegnen,
       die vielleicht  nie eintreten  würde... Seit  dieser Zeit  findet
       sich eine  bedeutende Summe  regelmäßig festgelegt in Schottland,
       und eine  andre beträchtiiche  Summe ist  beständig auf der Reise
       hin und  her zwischen London und Schottland. Tritt eine Zeit ein,
       wo ein schottischer Bankier vermehrte Nachfrage nach seinen Noten
       erwartet, so  wird eine  Kiste mit  Gold  von  London  hinüberge-
       schickt; ist  diese Zeit  vorbei, so  geht dieselbe  Kiste, meist
       ohne  je   geöffnet  worden   zu  sein,   nach  London   zurück."
       ("Economist", 23. Okt. 1847.)
       
       {Und was  sagt der Vater des Bankakts, Bankier Samuel Jones Loyd,
       alias Lord Overstone, zu alledem?
       Er hat  bereits 1848 vor dem C. D. Ausschuß der Lords wiederholt,
       daß
       
       "Geldklemme und hoher Zinsfuß, verursacht durch Mangel an hinrei-
       chendem Kapital,  nicht erleichtert  werden kann  durch vermehrte
       Ausgabe von Banknoten", (1514)
       
       #579# 34. Kapitel - Das Currency Principle usw.
       -----
       obwohl die  bloße Erlaubnis der vermehrten Notenausgabe durch den
       Regierungsbrief vom  25. Okt.  1847 hingereicht  hatte, der Krise
       die Spitze abzubrechen.
       Er bleibt dabei, daß
       
       "die hohe Rate des Zinsfußes und die gedruckte Lage der Fabrikin-
       dustrie die notwendige Folge war der Verminderung des materiellen
       Kapitals, das für industrielle und kommerzielle Zwecke verwendbar
       war". (1604.)
       
       Und doch  bestand die gedruckte Lage der Fabrikindustrie seit Mo-
       naten darin,  daß das  materielle Warenkapital  im  Überfluß  die
       Speicher füllte und gradezu unverkäuflich war und daß ebendeshalb
       das materielle  produktive Kapital  ganz oder  halb brachlag,  um
       nicht noch  mehr unverkäufliches Warenkapital zu produzieren. Und
       vor dem Bankausschuß 1857 sagt er:
       
       "Durch strenge und prompte Einhaltung der Grundsätze des Akts von
       1844 ist alles mit Regelmäßigkeit und Leichtigkeit verlaufen, das
       Geldsystem ist sicher und unerschüttert, die Prosperität des ndes
       ist unbestritten,  das öffentliche  Vertrauen in  den Akt von 184
       gewinnt täglich  an Stärke.  Wünscht der  Ausschuß  noch  weitere
       praktische Belege  für die  Gesundheit der  Prinzipien, auf denen
       dieser Akt  beruht, und  der wohltätigen Folgen, die er sicherge-
       stellt hat,  so ist  die wahre  und hinreichende  Antwort  diese:
       Schauen Sie um sich; betrachten Sie die gegenwärtige Lage des Ge-
       schäfts unsres  Landes,  betrachten  Sie  die  Zufriedenheit  des
       Volks; betrachten  Sie den  Reichtum und  die  Prosperität  aller
       Klassen der  Gesellschaft; und  dann, nachdem dies geschehn, wird
       der Ausschuß  imstande sein,  zu entscheiden, ob er die Fortdauer
       eines Akts  verhindern will,  unter dem  solche Erfolge  erreicht
       worden sind." (B.C. 1857, Nr. 4189.)
       
       Auf diesen  Dithyrambus, den  Overstone dem  Ausschuß am 14. Juli
       vorsang, antwortete  die Gegenstrophe  am 12.  November desselben
       Jahrs, der  Brief an  die Bankdirektion,  worin die Regierung das
       wundertätige Gesetz von 1844 suspendierte, um zu retten, was noch
       zu retten war. - F. E.}

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