Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       FÜNFUNDDREISSIGSTES KAPITEL
       Edelmetall und Wechselkurs
       
       I. Die Bewegung des Goldschatzes
       
       Mit Bezug  auf die  Aufspeicherung von Noten in Zeiten der Klemme
       ist zu  bemerken, daß  hier die Schatzbildung mit edlen Metallen,
       wie sie in den ursprünglichsten Zuständen der Gesellschaft in un-
       ruhigen Zeiten  vorkommt, sich wiederholt. Der Akt von 184 ist in
       seinen Wirkungen  deswegen interessant, weil er alles im Land be-
       findliche Edelmetall  in Zirkulationsmittel  verwandeln will;  er
       sucht Goldabfluß  mit Kontraktion  des Umlaufsmittels und Goldzu-
       fluß mit Expansion des Umlaufsmittels gleichzusetzen. Dadurch ist
       dann experimentell  der Beweis  des Gegenteils  geliefert worden.
       Mit einer  einzigen Ausnahme, die wir gleich erwähnen werden, hat
       die Masse der zirkulierenden Noten der Bank von England seit 1844
       nie das  Maximum erreicht,  das die Bank ausgeben durfte. Und die
       Krisis von  1857 bewies andrerseits, daß unter gewissen Umständen
       dies Maximum nicht ausreicht. Vom 13.-30.November 1857 zirkulier-
       ten im  Durchschnitt täglich  488 830 Pfd.  St. über dies Maximum
       hinaus. (B.  A. 1858,  p. XI.) Das gesetzliche Maximum war damals
       14 475 000 Pfd.St.  plus dem  Betrag des  Metallschatzes  in  den
       Bankkellern.
       Mit Bezug  auf den Ab- und Zufluß von Edelmetall zu bemerken: Er-
       stens ist  zu unterscheiden  zwischen dem  Hin- und Herlaufen des
       Metalls innerhalb  des Gebiets,  das kein  Gold und Silber produ-
       ziert, einerseits,  und andrerseits  dem Strom des Golds und Sil-
       bers von  ihren Produktionsquellen  über die  verschiednen andren
       Länder und der Verteilung dieses Zuschusses unter die letztren.
       Vor der  Einwirkung der  russischen, kalifornischen und australi-
       schen Goldminen  war seit  Anfang dieses  Jahrhunderts die Zufuhr
       nur hinreichend zum Ersatz der verschlissenen Münzen, zum gewöhn-
       lichen Gebrauch als Luxusmaterial und zur Ausfuhr von Silber nach
       Asien.
       
       #581# 35. Kapitel - Edelmetalll und Wechselkurs
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       Seit jener  Zeit jedoch wuchs erstens, mit dem asiatischen Handel
       Amerikas und  Europas, die  Silberausfuhr nach Asien außerordent-
       lich. Das aus Europa ausgeführte Silber wurde zum großen Teil er-
       setzt durch  das zusätzliche Gold. Ferner wurde ein Teil des neu-
       zugeführten Goldes  von der innern Geldzirkulation absorbiert. Es
       wird geschätzt, daß bis 1857 ungefähr 30 Mill. Gold zusätzlich in
       die innere Zirkulation von England eingingen. 14 Sodann vermehrte
       sich seit  1844 die Durchschnittshöhe der Metallreserven in allen
       Zentralbanken von Europa und Nordamerika. Das Wachstum der inlän-
       dischen Geldzirkulation  brachte es  zugleich mit  sich, daß nach
       der Panik, in der darauffolgenden Stillstandsperiode, die Bankre-
       serve schon  rascher wuchs  infolge der größere Masse der von der
       inländischen Zirkulation  abgestoßnen und  immobilisierten  Gold-
       münze. Endlich  stieg seit  den neuen Goldentdeckungen der Konsum
       von Edelmetall für Luxusartikel infolge des gewachsnen Reichtums.
       Zweitens. Zwischen  den nicht Gold und Silber produzierenden Län-
       dern fließt  Edelmetall beständig ab und zu; dasselbe Land impor-
       tiert davon beständig und exportiert ebenso beständig. Es ist nur
       das Überwiegen  der Bewegung  nach der  einen oder  andern Seite,
       welches entscheidet,  ob schließlich Abfluß oder Zufluß stattfin-
       det, da  die bloß  oszillierenden und  oft parallelen  Bewegungen
       sich großenteils  neutralisieren. Aber  deswegen wird  auch,  mit
       Rücksicht auf  dies Resultat, die Beständigkeit und der im ganzen
       parallele Verlauf  beider Bewegungen  übersehn. Es wird immer nur
       so aufgefaßt,  als ob  Mehreinfuhr und Mehrausfuhr von Edelmetall
       nur Wirkung  und Ausdruck  des Verhältnisses von Einfuhr und Aus-
       fuhr von Waren, während es
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       14) Wie  dies auf  den Geldmarkt wirkte, zeigen folgende Aussagen
       von W.  Newmarch: [B. A. 1857,] 1509. "Gegen Ende 1853 fanden be-
       trächtliche Befürchtungen im Publikum statt; im September erhöhte
       die Bank  von England ihren Diskonto dreimal hintereinander... in
       den ersten  Oktobertagen... zeigte  sich ein bedeutender Grad von
       Besorgnis und  Alarm unter  dem Publikum. Diese Befürchtungen und
       diese Beunruhigung  wurden größtenteils gehoben vor Ende November
       und wurden  tut ganz  be. seitigt  durch die  Ankunft von 5 Mill.
       Edelmetall von  Australien. Dasselbe  wiederholte sich  im Herbst
       1854 bei  Ankunft, im  Oktober und  November, von beinahe 6 Mill.
       Edelmetall. Dasselbe wiederholte sich im Herbst 1855, bekanntlich
       eine Zeit  der Aufregung  und Beunruhigung, durch die Ankunft von
       ungefähr 8 Millionen Edelmetall während der Monate September, Ok-
       tober und November. Ende 1856 finden wir, daß dasselbe geschieht.
       Kurz, ich könnte ganz wohl an die Erfahrung fast jedes Mitgliedes
       des Ausschusses  appellieren, ob  wir uns nicht schon gewöhnt ha-
       ben, bei  irgendwelchen finanziellen  Klemme die  natürliche kom-
       plette Abhilfe zu sehn in der Ankunft eines Goldschiffs."
       
       #582# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       zugleich Ausdruck  des Verhältnisses  einer vom Warenhandel unab-
       hängigen Einfuhr und Ausfuhr von Edelmetall selbst ist.
       Drittens. Das  Überwiegen der  Einfuhr über die Ausfuhr und umge-
       kehrt mißt  sich im  ganzen an der Zu- oder Abnahme der Metallre-
       serve in  den Zentralbanken.  Wieweit dieser Gradmesser mehr oder
       minder exakt  ist, hängt natürlich zunächst davon ab, wieweit das
       Bankwesen überhaupt  zentralisiert ist.  Denn davon  hängt es ab,
       wieweit das  in der  sog. Nationalbank aufgespeicherte Edelmetall
       überhaupt den  nationalen Metallschatz  repräsentiert.  Vorausge-
       setzt aber,  daß dies  der Fall ist, ist der Gradmesser nicht ex-
       akt, weil zuschüssige Einfuhr unter gewissen Umständen aufgesogen
       wird durch  inländische Zirkulation und wachsende Luxusverwendung
       von Gold  und Silber;  ferner aber, weil ohne zuschüssige Einfuhr
       ein Herausziehn  von Goldmünze für inländische Zirkulation statt-
       finden und so der Metallschatz abnehmen könnte, auch ohne gleich-
       zeitige Vermehrung der Ausfuhr.
       Viertens. Eine  Metallausfuhr nimmt  die Gestalt  eines Abflusses
       (drain) an,  wenn die Bewegung der Abnahme für längere Zeit fort-
       dauert, so  daß die  Abnahme als  Tendenz der  Bewegung sich dar-
       stellt und  die Metallreserve der Bank bedeutend unter ihre mitt-
       lere Höhe  herabdrückt, bis gegen das mittlere Minimum dieser Re-
       serve hin. Dies letztre ist insofern mehr oder minder willkürlich
       festgesetzt, da  es durch  die Gesetzgebung  über die Deckung für
       Barzahlung der Noten etc. in jedem einzelnen Fall verschieden be-
       stimmt ist.  Über die  quantitativen Grenzen, die ein solcher Ab-
       fluß in  England erreichen kann, sagt Newmarch vor dem B.A. 1857,
       Evid. Nr. 1494:
       
       "Nach der  Erfahrung zu  urteilen, ist  es sehr unwahrscheinlich,
       daß der  Metallabfluß infolge irgendwelchen Schwankung im auswär-
       tigen Geschäft 3 oder 4 Millionen Pfd.St. übersteigen wird."
       
       1847 zeigt  der niedrigste  Stand der Goldreserve der B. of E. am
       23. Okt.  gegen den 26. Dez. 1846 ein Minus von 5 198 156 Pfd.St.
       und gegen  den höchsten Stand von 1846 (29. August) ein Minus von
       6 453 748 Pfd.St.
       Fünftens. Die Bestimmung der Metallreserve der sog. Nationalbank,
       eine Bestimmung, die aber keineswegs allein die Größe des Metall-
       schatzes reguliert,  denn er kann wachsen durch bloße Lähmung des
       Innern und  äußern Geschäfts  - ist dreifach: 1. Reservefonds für
       internationale Zahlungen,  in einem  Wort Reservefonds  von Welt-
       geld. 2.  Reservefonds für die abwechselnd expandierende und kon-
       trahierende inländische  metallische Zirkulation.  3. Was mit der
       Bankfunktion zusammenhängt  und mit den Funktionen des Geldes als
       bloßen Geldes nichts zu tun hat: Reservefonds für
       
       #583# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
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       Depositenzahlung und für Konvertibilität von Noten. Er kann daher
       auch affiziert  werden durch Verhältnisse, die jede einzelne die-
       ser drei  Funktionen berühren;  also  als  internationaler  Fonds
       durch die  Zahlungsbilanz, von  welchen Gründen  diese auch immer
       bestimmt und was auch immer ihr Verhältnis zur Handelsbilanz sei;
       als Reservefonds der inländischen metallischen Zirkulation, durch
       deren Ausdehnung  oder Einschrumpfung.  Die dritte  Funktion, als
       Garantiefonds, bestimmt  zwar nicht die selbständige Bewegung der
       Metallreserve, wirkt  aber doppelt.  Werden Noten ausgegeben, die
       das Metallgeld  (also auch  Silbermünze in Ländern, wo Silber das
       Wertmaß) in  der inländischen  Zirkulation ersetzen, so fällt die
       Funktion sub  2 des  Reservefonds fort.  Und ein Teil des Edelme-
       talls, der dazu gedient hat, wird dauernd ins Ausland wandern. In
       diesem Falle  findet kein  Herau ziehn von metallischer Münze für
       inländische Zirkulation statt, und danüt fällt zugleich die zeit-
       weilige Verstärkung der Metallreserve durch Immobilisierung eines
       Teils des  zirkulierenden gemünzten Metalls fort. Ferner: Muß ein
       Minimum von Metallschatz für Auszahlung von Depositen und Konver-
       tibilität von Noten unter allen Umständen festgehalten werden, so
       affiziert dies  in eigner  Art die Wirkungen eines Gold-Abflusses
       oder -Zuflusses; es wirkt auf den Teil des Schatzes, den die Bank
       unter allen  Umständen zu halten verbunden ist, oder auf den, den
       sie zu andrer Zeit als nutzlos loszuwerden sucht. Bei rein metal-
       lischer Zirkulation  und konzentriertem  Bankwesen würde die Bank
       ihren Metallschatz  ebenfalls als  Garantie für  Auszahlung ihrer
       Depositen zu  betrachten haben, und bei einem Metallabfluß könnte
       dieselbe Panik eintreten wie 1857 in Hamburg.
       Sechstens. Mit  Ausnahme von  etwa 1837 brach die wirkliche Krise
       immer los  erst nach  Wendung der  Wechselkurse, d.h.  sobald die
       Einfuhr von  Edelmetall über  die Ausfuhr wieder die Oberhand ge-
       wonnen.
       1825 trat  der wirkliche Krach ein, nachdem der Goldabfluß aufge-
       hört hatte.  1839 fand  Goldabfluß statt,  ohne daß  es zum Krach
       kam. 1847 hörte der Goldabfluß auf im April, und der Krach kam im
       Oktober. 1857 hatte der Goldabfluß ins Ausland seit Anfang Novem-
       ber aufgehört, erst später im November kam der Krach.
       Besonders deutlich  tritt dies  hervor in  der Krise von 1847, wo
       der Goldabfluß  im April  schon aufhörte, nachdem er eine relativ
       gelinde Vorkrise  bewirkt und dann die eigentliche Geschäftskrise
       erst im Oktober zum Ausbruch kam.
       Die folgenden Aussagen sind abgegeben vor dem Secret Committee of
       the House  of Lords on Commercial Distress 1848; die Zeugenaussa-
       gen (evidence)  wurden erst gedruckt 1857 (auch zitiert als C. D.
       1848/1857).
       
       #584# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Aussagen von Tooke:
       
       "Im April  1847 entstand eine Klemme, die streng gesprochen einer
       Panik gleichkam,  aber von  verhältnismäßig kurzer  Dauer war und
       nicht begleitet  von kommerziellen Falliten von irgendwelchen Be-
       deutung. Im Oktober war die Klemme weit intensiver als zu irgend-
       einer Zeit im April, eine fast unerhörte Summe von konunerziellen
       Bankrotten fand  statt." (2996.) - "Im April legten uns die Wech-
       selkurse, besonders  mit Amerika, die Notwendigkeit auf, eine be-
       trächtliche Menge  Gold zu  exportieren, in Zahlung für ungewöhn-
       lich große Importe; nur durch eine äußerst gewaltsame Anstrengung
       brachte die Bank den Goldabfluß zum Stecken und trieb den Kurs in
       die Höhe."  (2997.) - Im Oktober waren die Wechselkurse zugunsten
       von England."  (2998.) -  Die Wendung  in den Wechselkursen hatte
       begonnen in der dritten Aprilwoche." (3000.) - "Sie schwankten im
       Juli und August; seit Anfang August waren sie stets für England."
       (3001.) -  Der Goldabfluß im August "entsprang der Nachfrage, für
       innere Zirkulation". [3003.]
       
       J. Morris, Gouverneur der Bank v. England: Obwohl der Wechselkurs
       seit August  1847 für  England günstig geworden und deshalb Gold-
       einfuhr stattgefunden  hatte, nahm  der Metallvorrat  in der Bank
       dennoch ab.
       
       "2 200 000 Pfd.St.  in Gold gingen hinaus instand, infolge inlän-
       discher Nachfrage." (137.) - Dies wird erklärt einerseits aus der
       vermehrten Beschäftigung von Arbeitern bei Eisenbahnbauten, ande-
       rerseits aus  dem Wunsch  der Bankiers,  in Zeiten der Krise eine
       eigne Goldreserve zu besitzen". (147.)
       
       Palmer, Exgouverneur und seit 1811 Direktor der B. of E.:
       
       684. "Während der ganzen Periode von Mitte April 1847 bis zum Tag
       der Suspension  des Bankakts  von 1844 waren die Wechselkurse zu-
       gunsten Englands."
       
       Der Metallabfluß,  der im  April 1847 eine selbständige Geldpanik
       bewirkt, ist  also hier wie immer nur Vorläufer der Krise und hat
       sich schon  gewendet, ehe  diese losbricht.  1839 fand bei großem
       Geschäftsdruck sehr  starker Metallabfluß statt - für Korn usw. -
       aber ohne Krisis und Geldpanik.
       Siebentens. Sobald die allgemeinen Krisen sich ausgebrannt haben,
       verteilt sich  - abgesehn  von dem Zufluß von frischem Edelmetall
       aus den  Produktionsländern -  das Gold  und Silber wieder in den
       Verhältnissen, worin  es als  besondrer Schatz  der  verschiednen
       Länder, im  Zustand ihres  Gleichgewichts, existierte.  Bei sonst
       gleichbleibenden Umständen  wird seine  relative Größe  in  jedem
       Land durch  dessen Rolle auf dem Weltmarkt bestimmt sein. Von dem
       Land, das einen größern als den normalen Teil hatte, fließt es ab
       und dem andern zu; diese Bewegungen des Zu- und Abflusses stellen
       nur seine  ursprüngliche Verteilung unter die verschiednen natio-
       nalen
       
       #585# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
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       Schätze wieder  her. Diese  Rückverteilung ist  jedoch vermittelt
       durch die  Wirkung verschiedner  Umstände, die bei Behandlung der
       Wechselkurse erwähnt werden. Sobald die normale Verteilung wieder
       da -  über diesen  Punkt hinaus  -, tritt zuerst Wachstum ein und
       dann wieder Abfluß. {Dieser letzte Satz gilt selbstredend nur für
       England als Mittelpunkt des Welt-Geldmarkts. - F. E.}
       Achtens. Die  Metallabflüsse sind meistens Symptom einer Verände-
       rung in  der Lage  des auswärtigen Handels, und diese Veränderung
       ist ihrerseits  ein Vorzeichen,  daß die  Verhältnisse wieder zur
       Krise heranreifen. 15)
       Neuntens. Die Zahlungsbilanz kann für Asien gegen Europa und Ame-
       rika sein. 16)
       
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       Einfuhr von  Edelmetall findet statt vorwiegend in zwei Momenten.
       Einerseits in der ersten Phase niedrigen Zinsfußes, die der Krise
       folgt und Ausdruck der Einschränkung der Produktion ist; und dann
       in der  zweiten Phase,  wo der  Zinsfuß steigt,  aber noch  nicht
       seine mittlere  Höhe erreicht  hat. Dies ist die Phase, worin die
       Rückflüsse sich leicht bewirken, der kommerzielle Kredit groß ist
       und daher  die Nachfrage nach Leihkapital nicht im Verhältnis zur
       Ausdehnung der  Produktion wächst. In beiden Phasen, wo Leihkapi-
       tal verhältnismäßig  reichlich, muß  der überschüssige Zufluß von
       Kapital, das in Form von Gold und Silber existiert, also in einer
       Form, worin  es zunächst  nur als Leihkapital fungieren kann, be-
       deutend auf  den Zinsfuß  und damit  auf den  Ton des  ganzen Ge-
       schäfts wirken.
       Andrerseits: Abfluß,  fortgesetzte starke  Ausfuhr von Edelmetall
       tritt ein,  sobald die  Eingänge nicht  mehr flüssig,  die Märkte
       überführt sind  und die scheinbare Prosperität nur noch durch den
       Kredit aufrechterhalten wird;
       ---
       15) Nach Newmarch kann Goldabfluß ins Ausland aus dreierlei Ursa-
       chen entspringen  und zwar  1. aus  rein geschäftlichen Ursachen,
       d.h. wenn  die Einfuhr  größer gewesen  ist als  die Ausfuhr, wie
       zwischen 1836  und 184,  und wiederum  1847, hauptsächlich starke
       Korneinfuhr; 2. um die Mittel zu beschaffen für Anlage von engli-
       schem Kapital im Ausland, wie 1857 für Eisenbahnen in Indien; und
       3. für  definitive Verausgabung im Ausland, wie 1853 und 1854 für
       Kriegszwecke im Orient.
       16) 1918.  Newmarch. "Wenn  Sie Indien  und China zusammennehmen,
       wenn Sie  in Rechnung  ziehn die  Umsätze zwischen Indien und Au-
       stralien und  die noch  wichtigern Umsätze zwischen China und den
       Vereinigten Staaten,  und in  diesen Fällen  ist das Geschäft ein
       trianguläres und  die Ausgleichung  findet statt durch unsre Ver-
       mittlung... dann  ist es richtig, daß die Handelsbilanz nicht nur
       gegen England  war, sondern  auch gegen Frankreich und die Verei-
       nigten Staaten." - (B. A. 1857.)
       
       #586# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       sobald also bereits eine sehr verstärkte Nachfrage nach Leihkapi-
       tal existiert  und daher der Zinsfuß mindestens schon seine mitt-
       lere Höhe  erreicht hat.  Unter diesen sich eben im Edelmetallab-
       fluß widerspiegelnden Umständen verstärkt sich bedeutend die Wir-
       kung der  fortgesetzten Entziehung  von Kapital  in  einer  Form,
       worin es  direkt als leihbares Geldkapital existiert, Es muß dies
       direkt auf  den Zinsfuß  wirken. Statt  aber daß  das Steigen des
       Zinsfußes die  Kreditgeschäfte einschränkte, erweitert es sie und
       führt zur  Überanspannung aller  ihrer Hilfsmittel. Diese Periode
       geht deshalb dem Krach voraus.
       Newmarch wird gefragt (B. A. 1857):
       
       1520. "Der  Betrag der zirkulierenden Wechsel steigt also mit dem
       Zinsfuß? - Es scheint so." - 1522. "In ruhigen, gewöhnlichen Zei-
       ten ist  das Hauptbuch  das wirkliche Instrument des Austausches;
       aber wenn  Schwierigkeiten entstehn,  wenn z.B.  unter Umständen,
       wie ich  sie angeführt  habe, die  Diskontorate der  Bank  erhöht
       wird... dann  lösen sich  die Geschäfte ganz von selbst in Ziehen
       von Wechseln  auf; diese  Wechsel sind  nicht nur geeigneter, als
       gesetzlicher Beweis  des abgeschloßnen  Geschäfts zu dienen, son-
       dern sie passen auch besser für den Zweck, weitre Einkäufe zu ma-
       chen, und  sind vor  allen Dingen brauchbar als Kreditniittel, um
       Kapital aufzunehmen."
       
       Es kommt  hinzu, daß, sobald bei einigermaßen drohenden Umständen
       die Bank  ihre Diskontorate  erhöht -  womit zugleich  die  Wahr-
       scheinlichkeit gegeben,  daß die  Bank die  ufzeit der von ihr zu
       diskontierenden Wechsel  einer Beschränkung  unterwerfen wird  -,
       die allgemeine  Befürchtung eintritt,  daß  dies  crescendo  gehn
       wird. Jeder,  und am  ersten der Kreditritter, sucht also die Zu-
       kunft zu  diskontieren und soviel Kreditmittel wie möglich im ge-
       gebnen Moment  zu seiner Verfügung zu haben. Die eben angeführten
       Gründe kommen also darauf hinaus, daß die bloße Quantität, sei es
       des eingeführten,  sei es des ausgeführten Edelmetalls, nicht als
       solche wirkt,  sondern daß  sie wirkt  erstens durch den spezifi-
       schen Charakter  des Edelmetalls  als Kapital in Geldform und daß
       sie zweitens  wirkt wie  die Feder,  die, der  Last auf der Waag-
       schale hinzugefügt,  hinreicht, die  schwankende Waagschale  nach
       der einen Seite endgültig zu senken; wirkt, weil sie in Umständen
       eintritt, wo  irgendein Excess  nach dieser  oder jener Seite den
       Ausschlag gibt. Ohne diese Gründe wäre es ganz und gar unbegreif-
       lich, wie ein Goldabfluß sage von 5-8 Mill. Pfd.St., und dies ist
       die Grenze  der bisherigen Erfahrung, irgend bedeutende Wirkungen
       ausüben könnte;  dies geringe  Mehr oder Weniger von Kapital, das
       selbst gegenüber  den 70 Mill. Pfd.St. in Gold, die durchschnitt-
       lich in  England zirkulieren, unbedeutend erscheint, ist in einer
       Produktion vom Umfang der englischen in der Tat
       
       #587# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
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       eine verschwindende  Größe. 17)  Es ist aber eben die Entwicklung
       des Kredit-  und Banksystems,  das einerseits dahin treibt, alles
       Geldkapital in den Dienst der Produktion zu pressen (oder was auf
       dasselbe hinauskommt,  alles Geldeinkommen  in Kapital zu verwan-
       deln) und  das andrerseits in einer gewissen Phase des Zyklus die
       Metallreserve auf ein Minimum reduziert, worin sie die ihr zukom-
       menden Funktionen  nicht mehr vollziehn kann - es ist dies ausge-
       bildete Kredit- und Banksystem, das diese Überempfindlichkeit des
       ganzen Organismus  erzeugt. Auf  minder entwickelten Produktions-
       stufen ist  Verringerung oder  Vergrößerung des  Schatzes,  gegen
       sein Durchschnittsmaß,  eine relativ  gleichgültige Sache. Ebenso
       ist andrerseits  selbst ein  sehr bedeutender  Goldabfluß relativ
       wirkungslos, wenn  er nicht  in der  kritischen Periode des indu-
       striellen Zyklus  eintritt. Bei  der gegebnen Erklärung ist abge-
       sehn von  Fällen, wo  der Metallabfluß infolge von Mißernten usw.
       eintritt. Hier macht die große und plötzliche Störung des Gleich-
       gewichts der  Produktion, deren  Ausdruck der  Abfluß ist,  keine
       weitre Erklärung  seiner Wirkung  nötig. Diese  Wirkung ist um so
       größer, je  mehr solche Störung eintritt in einer Periode, wo die
       Produktion unter  Hochdruck arbeitet.  Wir haben  ferner abgesehn
       von der  Funktion des Metallschatzes als Garanten der Konvertibi-
       lität der  Banknoten und als Angelpunkt des ganzen Kreditsystems.
       Die Zentralbank ist Angelpunkt des Kreditsystems. Und die Metall-
       reserve ihrerseits  ist Angelpunkt  der Bank."  Der Umschlag  des
       Kreditsystems in  das Monetarsystem  ist notwendig, wie ich schon
       in Buch  I, Kap.  III, beim  Zahlungsmittel dargestellt habe. Daß
       die größten Opfer an realem Reichtum nötig sind, um im kritischen
       Moment die metallne
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       17 Man  sehe z.B.  die lächerliche  Antwort von  Weguelin, wo  er
       sagt, daß  5 Mill.  weggeflossenes Gold um soviel Kapital weniger
       ist, und  er damit Erscheinungen erklären will, die bei unendlich
       großem Preissteigerungen  oder Entwertungen, Expansionen und Kon-
       traktionen des wirklichen industriellen Kapitals nicht eintreten.
       Andrerseits ist  der Versuch  nicht minder  lächerlich, diese Ex-
       scheinungen direkt  als Symptome einer Expansion oder Kontraktion
       in der  Muse des  realen Kapitals  (seinen stofflichen  Elementen
       nach betrachtet) zu erklären.
       18) Newmarch (B. A. 1857): 1364. Die Metallreserve in der Bank v.
       E. ist  in Wahrheit... die Zentralreserve oder der Zentralmetall-
       schatz, auf  Grund wovon  das ganze Geschäft des Landes betrieben
       wird. Sie ist sozusagen der Angelpunkt, um den das ganze Geschäft
       des Landes  sich zu  drehn hat;  alle andern  Banken im Lande be-
       trachten die  Bank von England als den Zentralschatz oder das Re-
       servoir, von wo sie ihre Reserve von Hartgeld zu ziehn haben; und
       die Wirkung  der auswärtigen  Wechselkurse fällt  stets grade auf
       diesen Schatz und dies Reservoir."
       
       #588# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Basis zu  halten, ist  von Tooke  so gut  zugegeben wie von Loyd-
       Overston,. Der  Streit dreht sich nur um ein Plus oder Minus, und
       um die  mehr oder  minder rationelle  Behandlung des Unvermeidli-
       chen. 19) Ein gewisses, im Vergleich mit der Gesamtproduktion un-
       bedeutendes Quantum  Metall ist  als Angelpunkt des Systems aner-
       kannt. Daher,  abgesehn von  der  erschreckenden  Exemplifikation
       dieses seines Charakters als Angelpunkt in den Krisen, der schöne
       theoretische Dualismus.  Solange sie  "von Kapital"  ex  professo
       handelt, sieht  die aufgeklärte  Ökonomie mit der größten Verach-
       tung auf  Gold und Silber herab als auf die in der Tat gleichgül-
       tigste und  nutzloseste Form des Kapitals. Sobald sie vom Bankwe-
       sen handelt,  dreht sich das alles um, und Gold und Silber werden
       das Kapital  par exceiience, für dessen Erhaltung jede andre Form
       von Kapital  und Arbeit  geopfert werden muß. Wodurch aber unter-
       scheiden sich  nun Gold  und Silber  von den andren Gestalten des
       Reichtums? Nicht  durch die  Wertgröße, denn  diese ist  bestimmt
       durch die Menge der in ihnen vergegenständlichten Arbeit. Sondern
       als      selbständige      Inkarnationen,      Ausdrücke      des
       g e s e l l s c h a f t l i c h e n   Charakters  des  Reichtums.
       {Der Reichtum  der Gesellschaft  besteht nur als Reichtum einzel-
       ner, die seine Privateigentümer sind. Er bewährt sich nur dadurch
       als gesellschaftlicher,  daß diese  einzelnen, zur  Bef riedigung
       ihrer Bedürfnisse, die qualltativ verschiednen Gebrauchswerte ge-
       geneinander austauschen.  In der kapitalistischen Produktion kön-
       nen sie  dies nur vermittelst des Geldes. So wird nur vermittelst
       des Geldes  der Reichtum  des  einzelnen  als  gesellschaftlicher
       Reichtum verwirklicht;  im Geld,  in diesem Ding, ist die gesell-
       schaftliche Natur  dieses Reichtums  verkörpert. F. E.} Dies sein
       gesellschaftliches Dasein  erscheint also als jenseits, als Ding,
       Sache, Ware,  neben und außerhalb der wirklichen Elemente des ge-
       sellschaftlichen Reichtums.  Solange die Produktion flüssig, wird
       dies vergessen.  Der Kredit, als ebenfalls gesellschaftliche Form
       des Reichtums,  verdrängt das Geld und usurpiert seine Stelle. Es
       ist das Vertrauen in den gesellschaftlichen Charakter der Produk-
       tion, welches  die Geldform der Produkte als etwas nur Verschwin-
       dendes und  ideales, als  bloße Vorstellung erscheinen läßt. Aber
       sobald der  Kredit erschüttert wird - und diese Phase tritt immer
       notwendig ein im Zyklus der modernen Industrie -, soll nun
       ---
       19) "Praktisch  also wurden  beide, Tooke  und Loyd,  einer über-
       großen Nachfrage  nach Gold  begegnen durch eine frühzeitige Ein-
       schränkung der  Kredite vermittelst  Erhöhung des  Zinsfußes  und
       Verminderung des  Kapitalvorschusses. Nur  verursacht Loyd  durch
       seine Illusion  lästige und  selbst gefährliche (gesetzliche) Be-
       schränkungen und Vorschriften." ("Economist", 1847, p. 1418.)
       
       #589# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
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       aller reale  Reichtum wirklich  und plötzlich  in Geld verwandelt
       werden, in  Gold und  Silber, eine  verrückte Forderung, die aber
       notwendig aus  dem System selbst hervorwächst. Und alles Gold und
       Silber, das  diesen ungeheuren  Ansprüchen genügen  soll, beläuft
       sich auf  ein paar  Millionen in den Kellern der Bank. 20) In den
       Wirkungen des  Goldabflusses tritt also der Umstand, daß die Pro-
       duktion nicht  wirklich als  gesellschaftliche Produktion der ge-
       sellschaftlichen Kontrolle  unterworfen ist,  schlagend hervor in
       der Form,  daß die  gesellschaftliche Form des Reichtums, als ein
       Ding außer  ihm existiert. Das kapitalistische System hat dies in
       der Tat  gemein mit  frühern Produktionssystemen,  soweit sie auf
       Warenhandel und  Privataustausch beruhen.  Es tritt  aber erst in
       ihm am schlagendsten und in der grotesksten Form des absurden Wi-
       derspruchs und Widersinns hervor, weil 1. im kapitalistischen Sy-
       stem am  vollständigsten die Produktion für den unmittelbaren Ge-
       brauchswert, für  den Selbstgebrauch  der Produzenten  aufgehoben
       ist, also  der Reichtum  nur als  gesellschaftlicher Prozeß  exi-
       stiert, der sich als Verschlingung von Produktion und Zirkulation
       ausdrückt; 2.  weil mit der Entwicklung des Kreditsystems die ka-
       pitalistische Produktion  diese metallne Schranke, zugleich ding-
       liche und  phantastische Schranke  des Reichtums und seiner Bewe-
       gung, beständig  aufzuheben strebt,  sich aber  immer wieder  den
       Kopf an dieser Schranke einstößt.
       In der  Krise tritt  die Forderung  ein, daß  sämtliche  Wechsel,
       Wertpapiere, Waren  auf einmal gleichzeitig in Bankgeld konverti-
       bel sein sollen und dies sämtliche Bankgeld wieder in Gold.
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       20) Sie  stimmen ganz  damit überein, daß es keinen Weg gibt, die
       Nachfrage nach Gold zu modifizieren, als durch Erhöhung des Zins-
       fußes?" -  Chapman (Associé  der großen  Billbrokerfirma Overend,
       Gurney &  Co.): "Das ist meine Ansicht. Wenn unser Gold auf einen
       gewissen Punkt fällt, tun wir am besten, sogleich die Sturmglocke
       zu läuten  und zu sagen: Wir sind im Niedergang, und wer Gold ins
       Ausland schickt,  muß es  auf seine  eigne Gefahr  tun." -  B. A.
       1857, Evid. Nr. 5057.

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