Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       #589# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
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       II. Der Wechselkurs
       
       {Der Barometer  für die  internationale Bewegung  der Geldmetalle
       ist bekanntlich  der Wechselkurs.  Hat England  mehr Zahlungen zu
       machen an  Deutschland als  Deutschland an  England, so steigt in
       London der  Preis von  Mark, in Sterling ausgedruckt, und in Ham-
       burg und  Berlin fällt  der Preis  von Sterling,  ausgedruckt  in
       Mark. Gleicht  sich dies  Übergewicht der Zahlungsverpflichtungen
       Englands an Deutschland nicht wieder aus, z.B. durch
       
       #590# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       überwiegende Einkäufe  Deutschlands in  England, so muß der Ster-
       ling, Preis  für MarkwechseT  auf Deutschland  bis zu  dem  Punkt
       steigen, wo  es sich lohnt, statt Wechseln Metall - Goldgeld oder
       Barren -  aus England  in Zahlung  nach Deutschland  zu schicken.
       Dies ist der typische Verlauf.
       Nimmt dieser  Export von  Edelmetall stärkeren Umfang und längere
       Dauer an,  so wird die englische Bankreserve angegriffen, und der
       englische Geldmarkt, voran die B. von E., muß Schutzmaßregeln er-
       greifen. Diese  bestehn wesentlich, wie wir schon gesehn, in Her-
       aufsetzung des  Zinsfußes. Bei  bedeutendem  Goldabfluß  ist  der
       Geldmarkt regelmäßig schwierig, d.h. die Nachfrage nach Leihkapi-
       tal in  Geldform überwiegt  bedeutend das Angebot, und der höhere
       Zinsfuß ergibt  sich hieraus  ganz von selbst; die von der B. von
       E. dekretierte  Diskontorate entspricht der Sachlage und setzt Es
       kommen aber  auch Fälle  vor, wo  der Metallabfluß aus andern als
       den gewöhnlichen  Geschäftskombinationen entspringt  (z.B.  durch
       Anleihen fremder  Staaten, Kapitalanlage im Ausland usw.), wo der
       Londoner Geldmarkt  als solcher  eine wirksame  Zinsratenerhöhung
       keineswegs rechtfertigt;  die B. von E. hat dann durch starke An-
       leihen in  "offnen Markt" erst "Geld rar zu machen", wie der Aus-
       druck lautet, um so künstlich die Lage zu schaffen, die eine Zin-
       serhöhung rechtfertigt oder nötig macht; ein Manöver, das ihr von
       Jahr zu Jahr schwerer wird. - F. E.}
       Wie nun  diese Heraufsetzung  der Zinsrate  auf die  Wechselkurse
       wirkt, zeigen  folgende Aussagen  vor dem  Unterhausausschuß über
       Bankgesetzgebung 1857 (zitiert als B. A. oder B. C., 1857).
       John Stuart Mill:
       
       2176. "Wenn  das Geschäft schwierig geworden ist... tritt ein be-
       trächtlicher Fall  im Preis der Wertpapiere ein... Ausländer las-
       sen hier in England Eisenbahnaktien kaufen, oder englische Eigner
       auswärtiger Eisenbahnaktien  verkaufen sie  im Ausland...  um  so
       viel wird  die Übertragung  von Gold  beseitigt." -  2182.  "Eine
       große und  reiche Klasse  von Bankiers und Händlern in Wertpapie-
       ren, durch weiche die Ausgleichung des Zinsfußes und die Ausglei-
       chung des  kommerziellen Barometerstandes  (Pressure) zwichen den
       verschiednen Ländern gewöhnlich bewirkt wird... ist immer auf der
       Ausschau, um Wertpapiere zu kaufen, die eine Preissteigerung ver-
       sprechen... der  richtige Ort für sie, zum Einkauf, wird das Land
       sein, das  Gold ins Ausland schickt." 2183. "Diese Kapitalanlagen
       fanden 1847  in bedeutendem Maßstab statt, hinreichend, den Gold-
       abfluß zu vermindern."
       
       J. G.  Hubbard, Ex-Gouverneur  und seit 1838 in der Direktion der
       B. of E.:
       
       2545. "Es  gibt große Mengen europäischer Wertpapiere... die eine
       europäische Zirkulation haben in allen den verschiednen Geldmärk-
       ten, und diese Papiere, sobald
       
       #591# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
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       sie in  einem markt um 1 oder 2% fallen, werden sofort aufgekauft
       zur Übersendung  nach den Märkten, wo ihr Wert sich noch gehalten
       hat." -  2565. "Stehn  nicht  auswärtige  Länder  in  bedeutender
       Schuld gegenüber den Kaufleuten in England? -... Sehr bedeutend."
       - 2566.  "Die Einkassierung  dieser Schulden  könnte also  allein
       hinreichen, eine  sehr große  Akkumulation von Kapital in England
       zu erklären? - Im Jahre 1847 wurde unsre Position schließlich da-
       durch wiederhergestellt,  daß  wir  einen  Strich  machten  durch
       soundso viel Millionen, die Amerika und Rußland früher an England
       schuldeten."
       
       {England schuldete  eben denselben  Ländern gleichzeitig  soundso
       viel Millionen"  für Korn  und verfehlte  nicht,  auch  hierdurch
       großenteils "einen  Strich zu  machen" vermittelst Bankerotts der
       englischen Schuldner.  Siehe den  Bericht über  die Bankakte  von
       1857, oben Kap. 30, S. 31 1*).}
       
       2572. "1847  stand der  Kurs zwischen England und Petersburg sehr
       hoch. Als  der Regierungsbrief  erlassen wurde,  der die Bank be-
       vollmächtigte, Banknoten  auszugeben, ohne  sich  an  die  vorge-
       schriebne Grenze  von 14  Mill." (über die Goldreserve hinaus) zu
       binden, war  die Bedingung, daß der Diskonto auf 8% gehalten wer-
       den müsse.  In jenem  Augenblick, und bei jener Diskontorate, war
       es ein  profitliches Geschäft,  Gold von  Petersburg nach  London
       verschiffen zu lassen und es bei seiner Ankunft zu 8% auszuleihen
       bis zum  Verfall der  Dreimonatswechsel, die gegen verkaufte Gold
       gezogen waren."  - 2573.  "In allen  Goldoperationen  sind  viele
       Punkte in  Erwägung zu ziehn; es kommt auf den Wechselkurs an und
       auf den Zinsfuß, zu dem man das Geld anlegen kann bis zum Verfall
       des" (dagegen gezognen) "Wechsels."
       
       Wechselkurs mit Asien
       
       Die folgenden  Punkte sind  wichtig, einerseits  weil sie zeigen,
       wie England,  wenn sein Wechselkurs mit Asien ungünstig ist, sich
       bei andern Ländern erholen muß, deren Import aus Asien durch eng-
       lische Vermittlung  bezahlt wird. Zweitens aber, weil Herr Wilson
       hier wieder  den törichten  Versuch macht, die Wirkung einer Aus-
       fuhr von  Edelmetall auf  die Wechselkurse  zu identifizieren mit
       der Wirkung  eines Exports von Kapital überhaupt auf diese Kurse;
       beides im Fall, wo es sich handelt um Export, nicht als Zahlungs-
       oder Kaufmittel,  sondern  für  Kapitalanlage.  Zunächst  ist  es
       selbstverständlich, daß,  ob soundso  viel Millionen  Pfd.St.  in
       Edelmetall oder in Eisenschienen nach Indien geschickt werden, um
       sie dort  in Eisenbahnen  anzulegen, dies  beides nur verschiedne
       Form ist,  denselben Kapitalbelauf  von einem Land auf ein andres
       zu übertragen;  und zwar eine Übertragung, die nicht in die Rech-
       nung der gewöhnlichen merkantilen Geschäfte ein-
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       1*) Siehe vorl. Band, S. 510
       
       #592# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       geht, und wofür das exportierende Land keinen andern Rückfluß er-
       wartet als spätre jährliche Revenue aus den Einkünften dieser Ei-
       senbahnen. Geschieht  dieser Export  in Form  von Edelmetall,  so
       wird er,  weil Edelmetall,  und als solches unmittelbar leihbares
       Geldkapital und Basis des ganzen Geldsystems, nicht notwendig un-
       ter allen  Umständen, aber  unter früher entwickelten, direkt auf
       den Geldmarkt, und damit auf den Zinsfuß, des dies Edelmetall ex-
       portierenden Landes  wirken. Er  wirkt auch  eben, direkt auf den
       Wechselkurs. Es  wird nämlich  nur deshalb  Edelmetall  versandt,
       weil und  soweit die  Wechsel, z.B.  auf Indien,  die im Londoner
       Geldmarkt angeboten  werden, nicht  hinreichen, um diese Extrari-
       messen zu  machen. Es  findet also eine das Angebot übersteigende
       Nachfrage für  Wechsel auf  Indien statt,  und so wendet sich der
       Kurs momentan  gegen England, nicht weil es an Indien verschuldet
       ist, sondern  weil es  außerordentliche  Summen  nach  Indien  zu
       schicken hat.  Auf die Dauer muß eine solche Versendung von Edel-
       metall nach Indien dahin wirken, die indische Nachfrage nach eng-
       lischen Waren  zu vermehren, weil sie indirekt die Konsumtionsfä-
       higkeit Indiens  für europäische Waren steigert. Wird dagegen das
       Kapital in  der Form von Schienen usw. verschickt, so kann es gar
       keinen Einfluß  auf den  Wechselkurs haben, da Indien keine Rück-
       zahlung dafür  zu machen  hat. Ebendeshalb braucht es auch keinen
       Einfluß auf  den Geldmarkt  zu haben. Einen solchen Einfluß sucht
       Wilson dadurch  herauszubringen, daß solche Extraauslage eine Ex-
       tranachfrage nach  Geldakkommodation hervorbringe  und so auf den
       Zinsfuß wirken werde. Dies kann der Fall sein; aber zu behaupten,
       daß es  unter allen  Umständen stattfinden  müsse, ist total ver-
       kehrt. Wo  immer die Schienen hingeschickt und festgelegt werden,
       ob auf  englischem Boden  oder indischem, sie stellen nichts vor,
       als eine  bestimmte Ausdehnung englischer Produktion in einer be-
       stimmten Sphäre.  Zu behaupten,  daß eine  Ausdehnung der Produk-
       tion, selbst  innerhalb sehr  weiter Grenzen,  nicht  stattfinden
       könne ohne Herauftreibung des Zinsfußes, ist Torheit. Die Geldak-
       kommodation mag wachsen, d.h. die Summe der Geschäfte, worin Kre-
       ditoperationen eingehn;  aber diese  Operationen können  zunehmen
       bei gleichbleibendem gegebnem Zinsfuß. Dies war wirklich der Fall
       während der  Eisenbahnmanie in  England in  den 40er  Jahren. Der
       Zinsfuß stieg  nicht. Und  es ist  augenscheinlich,  daß,  soweit
       wirkliches Kapital,  d.h. hier Waren, in Betracht kommt, die Wir-
       kung auf  den Geldmarkt  ganz dieselbe  ist, ob  diese Waren fürs
       Ausland bestimmt  sind oder  für innern  Verbrauch. Es könnte nur
       dann einen  Unterschied machen,  wenn Englands  Kapitalanlagen im
       Ausland beschränkend  auf seinen  kommerziellen Export  wirkten -
       den Export, der bezahlt werden muß,
       
       #593# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
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       also einen  Rückfluß bringt  - oder  soweit diese  Kapitalanlagen
       überhaupt schon  von Überanspannung  des Kredits  und beginnender
       schon Schwindeloperationen wären.
       Im folgenden fragt Wilson und antwortet Newmarch.
       
       1786. Sie  sagten früher,  mit Bezug  auf die Silbernachfrage für
       Ostasien, daß  nach Ihrer Ansicht die Wechselkurse mit Indien zu-
       gunsten Englands  seien, trotz  der fortwährend nach Ostasien ge-
       sandten bedeutenden  Metallschätze, haben  Sie Gründe  hierfür? -
       Allerdings... Ich finde, daß der wirkliche Wert der Ausfuhren des
       Vereinigten Königreichs  nach  Indien  1851  sich  auf  7 420 000
       Pfd.St. belief; hierzu ist zu addieren der Betrag der Wechsel des
       India House, d.h. der Fonds, die die Ostindische Kompanie von In-
       dien zieht  zur Bestreitung  ihrer eignen Ausgaben. Diese Tratten
       betrugen in  jenem Jahr  3 200 000 Pfd.St.; so daß die Gesamtaus-
       fuhr des  Vereinigten Königreichs  nach Indien 10 620 000 Pfd.St.
       betrug. 1855... war der wirkliche Wert des Warenexports gestiegen
       auf  10 350 000  Pfd.St.;  die  Tratten  des  India  House  waren
       3 700 000 Pfd.St.;  die Totalausfuhr  also 14 050 000 Pfd.St. Für
       1851, glaube  ich, haben wir kein Mittel, den wirklichen Wert der
       Wareneinfuhr von Indien nach England festzustellen; wohl aber für
       1854 und  1855. 1855 war der gesamte wirkliche Wert der Warenein-
       fuhr von Indien nach England 12 670 000 Pfd.St., und diese Summe,
       verglichen mit den 14 050 000 Pfd.St., läßt eine Bilanz zugunsten
       Englands im direkten Handel zwischen beiden Ländern von 1 380 000
       Pfd.St."
       
       Hierauf bemerkt Wilson, daß die Wechselkurse auch durch den indi-
       rekten Handel  berührt werden.  So werden  z.B. die Ausfuhren von
       Indien nach  Australien und  Nordamerika durch Tratten auf London
       gedeckt und  wirken daher auf den Wechselkurs ganz so, als ob die
       Waren direkt  von Indien nach England gingen. Ferner, wenn Indien
       und China  zusammengenommen werden,  so sei die Bilanz gegen Eng-
       land, da  China fortwährend bedeutende Zahlungen für Opium an In-
       dien und England Zahlungen an China zu machen hat und die Beträge
       auf diesem  Umweg nach  Indien gehn. (1787, 1788.) 1791 fragt nun
       Wilson, ob  der Effekt  auf die  Wechselkurse nicht derselbe sein
       werde, einerlei  ob das Kapital in Form von Eisenschienen und Lo-
       komotiven, oder in Form von Metallgeld hinausginge". Hierauf ant-
       wortet Newmarch  ganz richtig:  die 12  Mill. Pfd.St., die in den
       letzten Jahren  für Eisenbahnbau  nach Indien gesandt, hätten ge-
       dient zum  Ankauf einer  Jahresrente, die  Indien in regelmäßigen
       Terminen an England zu zahlen habe.
       
       "Soweit unmittelbare  Wirkung auf den Edelmetallmarkt in Betracht
       kommt, kann  die Anlage der 12 Mill. Pfd.St. eine solche nur aus-
       üben, soweit  Metall hinausgesandt  werden mußte für wirkliche in
       Geld."
       
       #594# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       1797. (Weguelin  fragt:) "Wenn kein Rückfluß erfolgt für dies Ei-
       sen" (die Schienen), .wie kann man sagen, daß es auf den Wechsel-
       kurs wirkt?  - Ich glaube nicht, daß der Teil der Auslage, der in
       Form von  Waren hinausgeschickt wird, den Stand des Wechselkurses
       affiziert... der Stand des Kurses zwischen zwei Ländern wird, man
       kann sagen  ausschließlich, affiziert durch die Quantität der Ob-
       ligationen oder  Wechsel, die in dem einen Land angeboten werden,
       verglichen mit der Quantität, die im andern Land da gegen angebo-
       ten wird;  das ist  die rationelle Theorie des Wechselkurses. Was
       die Übersendung  der 12 Millionen betrifft, so sind diese 12 Mil-
       lionen zunächst  hier gezeichnet  worden; wäre  nun das  Geschäft
       derart, daß  diese gesamten  12 Mill. in Kalkutta, Bombay und Ma-
       dras in  Hartgeld niedergelegt werden.... so wurde diese plötzli-
       che Nachfrage  gewaltsam auf  den Silberpreis und den Wechselkurs
       wirken, gradesogut  als wenn  die Ostindische Kompanie morgen an-
       kündigte, daß  sie ihre  Tratten von  3 auf 12 Mill. erhöhe. Aber
       die Hälfte  dieser 12 Mill. wird ausgelegt... im Ankauf von Waren
       in England...  Eisenschlenen und  Holz und andre Stoffe... es ist
       eine Auslage  von englischem  Kapital in England selbst, für eine
       gewisse Warensorte, die nach Indien geschickt wird, und damit hat
       die Sache  ein Ende."  - 1798.  (Weguelin:) "Aber  die Produktion
       dieser für  die Eisenbahnen nötigen Waren von Eisen und Holz pro-
       duziert eine  starke  Konsumtion  auswärtiger  Waren,  und  diese
       könnte doch den Wechselkurs afgeren? - Sicherlich."
       
       Wilson meint nun, das Eisen repräsentiere zum großen Teil Arbeit,
       und der  für diese Arbeit gezahlte Lohn repräsentiere großenteils
       importierte Waren (1799), und fragt dann weiter:
       
       1801. "Aber  ganz allgemein  gesprochen: wenn  man die Waren, die
       produziert worden  sind vermittelst  der Konsumtion dieser impor-
       tierten Waren,  derart hinausschickt,  daß wir keine Retour dafür
       erhalten, sei es in Produkten oder sonstwie; würde dies nicht die
       Wirkung haben,  die Kurse  ungünstig für  uns zu machen? - Dieses
       Prinzip ist  genau, was stattfand in England während der Zeit der
       großen Eisenbahnanlagen"  (1845). Drei  oder vier oder fünf Jahre
       hintereinander haben  Sie auf Eisenbahnen 30 Mill. Pfd.St. ausge-
       legt und  fast das  ganze in  Arbeitslohn. Sie haben während drei
       Jahren im  Bau von  Eisenbahnen, Lokomotiven, Wagen und Bahnhöfen
       eine stärkre  Volkszahl unterhalten als in allen Fabrikdistrikten
       zusammen. Diese Leute... legten ihren Lohn aus im Ankauf von Tee,
       Zucker, Spirituosen  und andren  auswärtigen Waren;  diese  Waren
       mußten importiert  werden; aber  es steht  fest, daß  während der
       Zeit, wo  diese groi3e  Auslage vor  sich ging,  die Wechselkurse
       zwischen England und andren Ländern nicht wesentlich gestört wur-
       den. Es fand kein Abfluß von Edelmetall statt, im Gegenteil, eher
       ein Zufluß."
       
       1802. Wilson besteht darauf, daß bei ausgeglichener Handelsbilanz
       und Parikurs zwischen England und Indien die Extrasendung des Ei-
       sens und  der Lokomotiven  den Wechselkurs  mit Indien affizieren
       müsse". Newmarch  kann dies  nicht einsehn,  solange die Schienen
       als Kapitalanlage
       
       #595# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
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       hinausgeschickt werden  und Indien sie nicht in dieser oder jener
       Form zu bezahlen hat; er fügt hinzu:
       
       "Ich stimme  mit dem Prinzip überein, daß kein Land auf die Dauer
       einen ungünstigen Wechselkurs haben kann mit allen Ländern, womit
       es handelt; ein ungünstiger Wechselkurs mit einem Land produziert
       notwendig einen günstigen mit einem andern."
       
       Hierauf wirft ihm Wilson die Trivialität ein:
       
       1803. "Würde aber nicht eine Kapitalübertragung dieselbe sein, ob
       das Kapital  in dieser  oder jener  Form geschickt wird? - Soweit
       die Schuldverpflichtung  in Betracht  kommt, jawohl."  - 1804. Ob
       Sie also  Edelmetall herausschicken  oder Waren,  die Wirkung des
       Eisenbahnbaus in Indien auf den Kapitalmarkt hier würde also die-
       selbe sein und wurde den Wert des Kapitals ebenso erhöhen, als ob
       das Ganze in Edelmetall hinausgesandt wäre?"
       
       Wenn die Eisenpreise nicht stiegen, so war das jedenfalls ein Be-
       weis, daß  der "Wert" des in Schienen steckenden "Kapitals" nicht
       vermehrt war.  Worum es  sich handelt, ist der Wert des Geldkapi-
       tals, der  Zinsfuß. Wilson  möchte Geldkapital  und Kapital über-
       haupt identifizieren. Die einfache Tatsache ist zunächst die, daß
       in England  12 Mill.  für indische  Eisenbahnen gezeichnet waren.
       Dies ist  eine Sache,  die direkt nichts mit den Wechselkursen zu
       tun hat,  und die  Bestimmung der  12 Mill. ist für den Geldmarkt
       ebenfalls gleichgültig.  Ist der  Geldmarkt in günstiger Lage, so
       braucht dies überhaupt keine Wirkung zu produzieren, wie die eng-
       lischen Eisenbahnzeichnungen  1844 und  1845 den  Geldmarkt eben-
       falls unberührt  ließen. Ist  der  Geldmarkt  schon  einigermaßen
       schwierig, so  könnte der  Zinsfuß allerdings  dadurch  betroffen
       werden, aber  doch nur  in der  Richtung der Steigerung, und dies
       müßte ja  nach Wilsons  Theorie günstig auf die Kurse für England
       wirken, d.h.  die Tendenz zur Ausfuhr von Edelmetall hemmen; wenn
       nicht nach  Indien, so  doch woandershin. Herr Wilson springt von
       einem zum  andern. In  Frage 1802  sollten die Wechselkurse affi-
       ziert werden;  in Nr.  1804 der  Wert des Kapitals zwei sehr ver-
       schiedne Dinge.  Der Zinsfuß  mag auf  die Wechselkurse,  und die
       Kurse mögen  auf den  Zinsfuß wirken, aber bei wechselnden Kursen
       kann der  Zinsfuß, und  bei wechselndem  Zinsfuß können die Kurse
       konstant sein.  Es will Wilson nicht in den Kopf, daß bei der Ka-
       pitalversendung ins  Ausland, die  bloße Form, in der es versandt
       wird, einen  solchen Unterschied  in der  Wirkung macht, d.h. daß
       die Formverschiedenheit  des Kapitals  diese Wichtigkeit hat, und
       nun gar  erst seine Geldform, was der ökonomischen Aufklärung gar
       sehr widerspricht.  Newmarch antwortet  dem Wilson sofern einsei-
       tig, als  er ihn  gar nicht aufmerksam macht, daß er so plötzlich
       und ohne Grund vom Wechselkurs
       
       #596# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       auf den  Zinsfuß übergesprungen ist. Newrnarch antwortet auf jene
       Frage 1804 unsicher und schwankend:
       
       "Kein Zweifel, wenn 12 Mill. aufgebracht werden sollen, so ist es
       unwesentlich, soweit der allgemeine Zinsfuß in Betracht kommt, ob
       diese 12  Mill. in Edelmetall oder in Materialien herausgeschickt
       werden sollen.  Ich glaube jedoch" (schöner Übergang dies jedoch,
       um nun  das direkte Gegenteil zu sagen), "dies ist nicht ganz un-
       wesentlich" (es  ist unwesentlich, aber jedoch ist es nicht unwe-
       sentlich), "weil in dem einen Fall die 6 Mill. Pfd.St. sofort zu-
       rückfließen würden;  in dem andern Fall würden sie nicht so rasch
       zurückfließen. Deshalb  würde es  einigen" (welche Bestimmtheit!)
       "Unterschied machen,  ob die 6 Mill. hier im Lande ausgelegt wer-
       den oder ob sie ganz herausgeschickt werden."
       
       Was soll  das heißen,  daß die 6 Mill. sofort zuirückfließen wür-
       den? Soweit  die 6 Mill. Pfd.St. in England verausgabt sind, exi-
       stieren sie  in Schienen,  Lokomotiven etc.,  die nach Indien ge-
       schickt werden,  von wo sie nicht zurückkehren, und ihr Wert erst
       durch Amortisation,  also sehr langsam, während die 6 Mill. Edel-
       metall vielleicht sehr rasch in natura retournieren. Soweit die 6
       Mill. in  Arbeitslohn verausgabt sind, sind sie aufgegessen; aber
       das Geld,  worin sie vorgeschossen waren, zirkuliert nach wie vor
       im Lande  oder bildet Reserve. Dasselbe gilt von den Profiten der
       Schienenproduzenten und  dem Teil der 6 Mill., der ihr konstantes
       Kapital ersetzt.  Die zweideutige  Phrase vom  Rückfluß wird also
       von Newmarch  nur gebraucht,  um nicht  direkt zu sagen: Das Geld
       ist im  Lande geblieben,  und soweit es als leihbares Geldkapital
       fungiert, ist  der Unterschied für den Geldmarkt (abgesehn davon,
       daß etwa  die Zirkulation mehr Hartgeld verschluckt haben könnte)
       nur der,  daß es  für Rechnung von A statt von B verausgabt wird.
       Anlage dieser  Art, wo  das Kapital in Waren, nicht in Edelmetall
       in fremde  Länder übertragen  wird, kann nur auf die Wechselkurse
       wirken (und zwar nicht mit dem Land, worin angelegt wird), soweit
       die Produktion  dieser exportierten Waren Extraimport andrer aus-
       wärtiger Waren  erheischt. Diese  Produktion ist  dann nicht  be-
       stimmt, diesen  Extraimport zu  liquidieren. Dasselbe findet aber
       bei jedem Export auf Kredit statt, einerlei, ob als Kapitalanlage
       oder für gewöhnliche Handelszwecke. Außerdem kann dieser Extraim-
       port auch  rückwirkend Extranachfrage  nach englischen Waren z.B.
       auf seiten der Kolonien oder der Vereinigten Staaten hervorrufen.
                                     ---
       
       Vorher [1786]  sagte Newmarch,  infolge der  Tratten der Ostindi-
       schen Kompanie seien die Ausfuhren von England nach Indien größer
       als die  Einfuhren. Sir  Charles Wood nimmt ihn über diesen Punkt
       ins Kreuzverhör.
       
       #597# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
       -----
       Dieser Überschuß  englischer Ausfuhr  nach, über die Einfuhr von,
       Indien wird  tatsächlich zustande gebracht durch eine Einfuhr von
       Indien, wofür England kein Äquivalent zahlt: die Tratten der Ost-
       indischen Kompanie  (jetzt der ostindischen Regierung) lösen sich
       auf in  einen Tribut, der von Indien erhoben wird. Z.B. 1855: die
       Einfuhr von Indien nach England von 12 670 000 Pfd.St; die engli-
       schen Ausfuhren  nach Indien 10 350 000 Pfd. St. Bilanz zugunsten
       Indiens 2 250 000 Pfd.St.
       
       "Wenn hiermit  die  Sachlage  erschöpft  wäre,  so  würden  diese
       2 250 000 Pfd.St.  in irgendeiner Form nach Indien zu remittieren
       sein. Aber  dann kommen  die Aufforderungen  vom India House. Das
       India House  annonciert, daß  es in der Lage ist, Tratten auf die
       verschiednen Präsidentschaften  in Indien  auszugeben zum Betrage
       von 3 250 000  Pfd.St." (Dieser Betrag wurde erhoben für die Lon-
       doner Unkosten  der Ostindien  Kompanie und für die an die Aktio-
       näre zu zahlenden Dividenden.) "Und dies liquidiert nicht nur die
       Bilanz von 2 250 000 Pfd.St.. die im Handelsweg entstand, sondern
       ergibt noch eine Million Überschuß." (1917.)
       1922. (Wood:) "Dann ist also die Wirkung dieser Tratten des India
       House, nicht  die Ausfuhren nach Indien zu vermehren, sondern sie
       pro tanto zu vermindern?"
       
       (Soll heißen,  die Notwendigkeit  zu vermindern,  die Einfuhr von
       Indien durch  Ausfuhr ebendorthin  zu diesem  Betrag zu  decken.)
       Dies erklärt  Herr Newmarch  dadurch, daß die Engländer für diese
       3 700 000 Pfd.  St. "gute  Regierung"  nach  Indien  importieren.
       (1925.) Richtig  und ironisch sagt Wood, der als Minister für In-
       dien die  von den  Engländern importierte Sorte guter "Regierung"
       sehr gut kannte, 1926:
       
       "Dann ist die Ausfuhr, die, wie Sie sagen, durch die India-House-
       Tratten verursacht  wird, eine  Ausfuhr von  guter Regierung  und
       nicht von Waren."
       
       Da England viel exportiert "in dieser Weise" für "gute Regierung"
       und für  Kapitalanlagen in  auswärtigen Ländern  - also Einfuhren
       erhält, die  ganz unabhängig  sind vom  gewöhnlichen Gang des Ge-
       schäfts, Tribute,  teils für  exportierte "gute Regierung", teils
       als Revenue  von in den Kolonien und anderswo angelegtem Kapital,
       Tribute, wofür  es kein  Äquivalent zu zahlen hat -, so ist klar,
       daß die  Wechselkurse nicht  affiziert werden, wenn England diese
       Tribute einfach  aufißt, ohne Gegenexport; es ist also auch klar,
       daß die  Kurse nicht affiziert werden, wenn es diese Tribute wie-
       der anlegt,  nicht in England, sondern produktiv oder unproduktiv
       im Ausland;  wenn es  z.B. Munition  dafür nach der Krim schickt.
       Zudem, soweit  die Einfuhren  vom Ausland in die Revenue von Eng-
       land eingehn  - bezahlt  müssen sie  natürlich sein, entweder als
       Tribut, wo  kein Äquivalent  nötig, oder  durch  Austausch  gegen
       diese nicht  bezahlten Tribute oder im gewöhnlichen Gang des Han-
       dels -, kann England sie entweder konsumieren oder
       
       #598# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       sie als Kapital wieder neu anlegen. Weder das eine noch das andre
       berührt die Wechselkurse, und dies übersieht der weise Wilson. Ob
       einheimisches oder fremdes Produkt einen Teil der Revenue bildet,
       wo der letztere Fall nur Austausch heimischer Produkte gegen aus-
       wärtige voraussetzt,  - der Konsum dieser Revenue, produktiv oder
       unproduktiv, ändert nichts an den Wechselkursen, wenn auch an der
       Stufenleiter der  Produktion. Danach ist das Folgende zu beurtei-
       len.
       1934. Wood fragt ihn, wie die Sendung von Kriegsvorräten nach der
       Krim den  Wechselkurs mit  der Türkei  affizieren würde. Newmarch
       antwortet:
       
       "Ich sehe  nicht ein, wie die bloße Versendung von Kriegsvorräten
       den Wechselkurs  notwendig affizieren  werde, aber die Versendung
       von Edelmetall wurde den Kurs sicherlich affizieren."
       
       Hier unterscheidet  er also  Kapital in Geldform von andrem Kapi-
       tal. Aber nun fragt Wilson:
       
       "1935. "Wenn  Sie einen  Export veranstalten in großer Ausdehnung
       von irgendeinem  Artikel, wofür  kein  korrespondierender  Import
       stattfindet",
       
       (Herr Wilson vergißt, daß in Beziehung auf England sehr bedeuten-
       der Import  stattfindet,  wofür  nie  ein  entsprechender  Export
       stattgefunden hat,  ausgenommen in der Form von "guter Regierung"
       oder von  früher exportiertem  Anlagekapital; jedenfalls kein Im-
       port, der in die regelmäßige Handelsbewegung eingeht. Aber dieser
       Import wird  wieder ausgetauscht z.B. mit amerikanischem Produkt,
       und daß  amerikanisches Produkt exportiert wird ohne entsprechen-
       den Import,  ändert nichts  an der Sache, daß der Wert dieses Im-
       ports konsumiert  werden kann ohne einen äquivalenten Abfluß nach
       außen; es  ist empfangen worden ohne Gegenexport, und es kann da-
       her auch verbraucht werden, ohne in die Handelsbilanz einzugehn)
       
       "so bezahlen  Sie nicht die auswärtige Schuld, die Sie durch ihre
       Einfuhr kontrahiert haben."
       
       (Aber wenn  Ihr diesen  Import schon  vorher bezahlt  habt,  z.B.
       durch den  im Ausland  gegebnen Kredit,  so wird keine Schuld da-
       durch kontrahiert,  und die  Frage hat  gar nichts zu tun mit der
       internationalen Bilanz;  sie löst sich auf in produktive oder un-
       produktive Ausgabe,  einerlei ob die so verbrauchten Produkte in-
       ländisches oder ausländisches Produkt sind.)
       
       "Und deshalb  müssen Sie durch diese Transaktion die Wechselkurse
       affizieren, indem  die ausländische  Schuld nicht  bezahlt  wird,
       weil Ihr  Export keinen  korrespondierenden Import hat. - Das ist
       richtig von Ländern im allgemeinen."
       
       Der Vortrag des Wilson kommt darauf hinaus, daß jeder Export ohne
       entsprechenden Import zugleich ein Import ohne entsprechenden Ex-
       port
       
       #599# 35. Kapitel - Ed--Imetall und Wechselkurs
       -----
       ist; weil in die Produktion des exportieren Artikels fremde, also
       importierte Waren  eingehn. Die Unterstellung ist, daß jeder sol-
       cher Export  begründet ist  auf einen nicht bezahlten Import oder
       ihn erzeugt  -, also  Schuld ans Ausland. Dies ist falsch, selbst
       abgesehn von  den zwei  Umständen, daß  England 1.  Gratisimporte
       hat, wofür es kein Äquivalent zahlt; z.B. einen Teil seiner indi-
       schen Importe.  Es kann diese austauschen gegen amerikanjsche Im-
       porte, und  letztre exportieren ohne Gegenimport; jedenfalls, was
       den Wert betrifft, hat es nur exportiert, was ihm nichts gekostet
       hat. Und 2. es mag Importe bezahlt haben, z.B. amerikanische, die
       zuschüssiges Kapital  bilden; wenn  es diese unproduktiv, z.B. in
       Kriegsmunitionkonsumiert, so  bildet dies keine Schuld gegen Ame-
       rika und  affiziert nicht  den Wechselkurs  mit Amerika. Newmarch
       widerspricht sich  1934 und  193 und  wird hierauf aufmerksam ge-
       macht durch Wood, 1938:
       
       "Wenn kein Teil der Waren, angewandt in der Anfertigung der Arti-
       kel,   die    wir   ausführen,   ohne   daß   Rückfluß   erfolgt"
       (Kriegsausgabe), herkommt  von dem Lande, wohin diese Artikel ge-
       schickt werden,  wie berührt  dies  den  Wechselkurs  mit  diesem
       Lande? Angenommen,  der Handel mit der Türkei sei im gewöhnlichen
       Zustand des  Gleichgewichts; wie  wird der  Wechselkurs  zwischen
       Englance und  der Türkei  affiziert durch die Ausfuhr von Kriegs-
       vorräten nach der Krim?"
       
       Hier verliert  Newmarch seinen Gleichmut; er vergißt, daß er die-
       selbe einfache  Frage unter  Nr. 1934 bereits richtig beantwortet
       hat, und sagt:
       
       "Wir haben,  scheint mir, die praktische Frage erschöpft und kom-
       men jetzt in eine sehr erhabne Region metaphysischer Diskussion."
       
       "Wilson hat  noch eine  andre Fassung  seiner Behauptung, daß der
       Wechselkurs affiziert werde durch jede Kapitalübertragung von ei-
       nem Land  auf ein  andres, gleichviel ob diese stattfinde in Form
       von Edelmetall  oder von  Waren. Wilson  weiß natürlich,  daß der
       Wechselkurs affiziert  wird durch den Zinsfuß, speziell durch das
       Verhältnis der  in den  beiden Ländern, deren gegenseitiger Wech-
       selkurs in  Frage ist,  geltenden Zinsraten. Kann er nun nachwei-
       sen, daß  Überschuß an  Kapital überhaupt, also zunächst an Waren
       aller Art, mit Einschluß von Edelmetall, eine mitbestimmende Wir-
       kung auf  den Zinsfuß ausübt, so kommt er seinem Ziel schon einen
       Schritt näher;  Übertragung eines  bedeutenden Teils dieses Kapi-
       tals auf  ein andres  Land muß dann in beiden Ländern den Zinsfuß
       ändern, und zwar in entgegengesetzter Pichtung und damit in zwei-
       ter Instanz  auch den  Wechselkurs zwischen  beiden Ländern. - F.
       E.}
       
       #600# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Er sagt  nun in dem, damals von ihm redigierten "Economist" 1847,
       p. 574:
       
       "Es ist  klar, daß  ein solcher  Überschuß von Kapital, angezeigt
       durch große Vorräte aller Art, Edelmetall eingeschlossen, notwen-
       dig führen  muß nicht allein zu niedrigen Preisen der Waren über-
       haupt, sondern  zu einem niedrigeren Zinsfuß für den Gebrauch von
       Kapital (1). Wenn wir einen Vorrat von Waren zur Hand haben, hin-
       reichend, dem  Land für  zwei kommende  Jahre zu  dienen, so wird
       Kommando über  diese Waren für eine gegebne Periode zu viel nied-
       rigerer Rate  erhalten, als  wenn der Vorrat kaum für zwei Monate
       ausreicht (2).  Alle Anleihen von Geld, in welcher Form immer ge-
       macht, sind  nur Übertragung  des Kommandos  über Waren  von  dem
       einen auf  den andern. Sind Waren daher überflüssig vorhanden, so
       muß der  Geldzins niedrig,  sind sie  selten, so muß er hoch sein
       (3). Wenn die Waren reichlicher zufließen, wird die Zahl der Ver-
       käufer im Vergleich mit der Zahl der Käufer zunehmen, und im Maß,
       wie die  Quantität die  Bedürfnisse er  unmittelbaren  Konsumtion
       übersteigt, muß ein stets größerer Teil für spätern Gebrauch auf-
       bewahrt werden.  Unter diesen Umständen wird ein Warenbesitzer zu
       niedrigeren Bedingungen auf künftige Zahlung oder auf Kredit ver-
       kaufen, als  wenn er sicher wäre, daß sein ganzer Vorrat in weni-
       gen Wochen zum Verkauf käme" (4).
       Zu dem  Satz ad (1) ist zu bemerken, daß ein starker  Z u f l u ß
       von Edelmetall stattfinden kann gleichzeitig mit einer Einschrän-
       kung der Produktion, wie dies stets der Fall ist in der Zeit nach
       einer Krise.  In der folgenden Phase mag Edelmetall zufließen von
       Ländern, die  vorwiegend Edelmetall  produzieren; die Einfuhr der
       andern Waren  wird in dieser Periode gewöhnlich durch die Ausfuhr
       ausgeglichen. In diesen beiden Phasen ist der Zinsfuß niedrig und
       nur langsam  steigend; warum,  haben wir  gesehn. Dieser niedrige
       Zinsfuß ließ  sich überall  erklären ohne irgendwelche Einwirkung
       irgendwelchen "großen Vorräte aller Art". Und wie soll diese Ein-
       wirkung stattfinden? Der niedrige Preis von Baumwolle z.B. ermög-
       licht hohe  Profite der  Spinner usw.  Warum ist  nun der Zinsfuß
       niedrig? Sicher  nicht, weil der Profit, der mit geliehenem Kapi-
       tal gemacht  werden kann,  hoch ist.  Sondern einzig  und allein,
       weil unter den bestehenden Umständen die Nachfrage nach Leihkapi-
       tal nicht wächst im Verhältnis zu diesem Profit; also das Leihka-
       pital andre  Bewegung hat  als das  industrielle Kapital. Was der
       "Economist" beweisen  will, ist gerade das Umgekehrte.- daß seine
       Bewegung identisch  sei mit  der Bewegung des industriellen Kapi-
       tals.
       Der Satz ad (2), wenn wir die absurde Voraussetzung eines Vorrats
       für zwei  Jahre im voraus bis zur Ermöglichung eines Sinns herab-
       mindern, unterstellt eine Überführung des Warenmarkts. Dies würde
       ein Sinken  der Preise verursachen. Es wäre weniger zu zahlen für
       einen Ballen Baumwolle. Daraus folgt keineswegs, daß das Geld, um
       einen Ballen  Baumwolle zu  kaufen, wohlfeiler  aufzunehmen wäre.
       Dies hängt ab vom Stand des Geld-
       
       #601# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
       -----
       markts. Wenn  es wohlfeiler  aufzunehmen ist,  dann nur, weil der
       kommerzielle Kredit  in solcher  Lage ist,  daß er den Bankkredit
       weniger in  Anspruch zu  nehmen genötigt  ist als gewöhnlich. Die
       den Markt  über führenden  Waren sind Lebensmittel oder Produkti-
       onsmittel. Der niedrige Preis bei der erhöht den Profit des indu-
       striellen Kapitalisten. Warum soll er den Zins erniedrigen, außer
       durch den  Gegensatz, statt der Identität, zwischen Reichlichkeit
       von industriellem  Kapital und  Nachfrage nach Geldakkommodation?
       Die Umstände  liegen so,  daß der  Kaufmann und  der Industrielle
       einander leichter Kredit geben können; wegen dieser Erleichterung
       des kommerziellen  Kredits braucht der Industrielle wie der Kauf-
       mann weniger  Bankkredit, daher  kann der  Zinsfuß niedrig  sein.
       Dieser niedrige  Zinsfuß hat  nichts zu  tun mit  dem Zufluß  von
       Edelmetall, obgleich beide nebeneinander gehn können, und diesel-
       ben Ursachen,  die die  niedrigen Preise der Einfuhrartikel, auch
       den Überschuß des zugeführten Edelmetalls produzieren mögen. Wäre
       der Importmarkt  wirklich überführt,  so bewiese dies Abnahme der
       Nachfrage für Importwaren, die bei niedrigen Preisen unerklärlich
       wäre, außer  als Folge von Einschränkung der heimischen industri-
       ellen Produktion;  dies aber  wäre wieder  unerklärlich bei über-
       großen Einfuhren zu niedrigen Preisen. Lauter Absurditäten, um zu
       beweisen, daß  Fallen der  Preise = Fallen des Zinses. Beides mag
       gleichzeitig nebeneinander  bestehn. Dann  aber als  Ausdruck des
       Gegensatzes der  Richtungen, worin die Bewegung von industriellem
       Kapital und die Bewegung von leihbarem Geldkapital erfolgt, nicht
       als Ausdruck ihrer Identität.
       Warum, ad  (3), der  Geldzins niedrig  sein soll,  wenn Waren  im
       Überfluß vorhanden,  ist auch  nach  dieser  weiteren  Ausführung
       nicht abzusehn.  Sind Waren  wohlfeil, so brauche ich, um ein be-
       stimmtes Quantum  zu kaufen, sage 1000 Pfd.St. statt früher 2000.
       Vielleicht aber lege ich auch jetzt 2000 Pfd.St. an und kaufe da-
       für das  Doppelte der  Waren gegen  früher und  erweitre mein Ge-
       schäft durch Vorschuß desselben Kapitals, das ich vielleicht auf-
       nehmen muß.  Ich kaufe  jetzt wie  früher für  2000 Pfd.St. Meine
       Nachfrage auf dem Geldmarkt bleibt also dieselbe, wenn auch meine
       Nachfrage auf  dem Warenmarkt  mit  dem  Sinken  der  Warenpreise
       steigt. Fällt aber diese letztre, d.h. erweitert sich die Produk-
       tion nicht mit dem Sinken der Warenpreise, was allen Gesetzen des
       "Economist" widersprechen  würde, so  nähme  die  Nachfrage  nach
       leihbarem Geldkapital ab, obgleich der Profit zunähme; dieser zu-
       nehmende Profit  würde aber  Nachfrage nach Leibkapital schaffen.
       Übrigens mag  die Niedrigkeit  der Warenpreise  aus drei Ursachen
       herrühren. Erstens  aus Mangel an Nachfrage. Dann ist der Zinsfuß
       niedrig, weil  die Produktion gelähmt, nicht weil die Waren wohl-
       feil, da diese
       
       #602# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Wohlfellheit bloß  Ausdruck jener  Lähmung. Oder  weil die Zufuhr
       übergroß im  Verhältnis zur Nachfrage. Dies mag der Fall sein in-
       folge von  Überführung der  Märkte etc., die zur Krise führt, und
       mag in der Krise selbst zusammenfallen mit hohem Zinsfuß; oder es
       mag der  Fall sein,  weil der  Wert der Waren gesunken, also die-
       selbe Nachfrage  zu niedrigerem  Preis  befriedigt  werden  kann.
       Warum soll  im letzten  Fall der  Zinsfuß sinken? Weil der Profit
       wächst? Wenn, weil weniger Geldkapital nötig, um dasselbe produk-
       tive oder Warenkapital zu erhalten, so bewiese dies nur, daß Pro-
       fit und  Zins in  umgekehrtem Verhältnis zueinander stehn. Jeden-
       falls ist  der allgemeine  Satz des  Economist  falsch.  Niedrige
       Geldpreise der  Waren und niedriger Zinsfuß gehören nicht notwen-
       dig zusammen.  Sonst müßte  in den  ärmsten Ländern, wo die Geld-
       preise der  Produkte am niedrigsten, auch der Zinsfuß am niedrig-
       sten, und  in den  reichsten Ländern, wo die Geldpreise der Agri-
       kulturprodukte am  höchsten, auch  der Zinsfuß am höchsten stehn.
       Im allgemeinen  gibt der  "Economist"  zu:  fällt  der  Wert  des
       Geldes, so  übt das  keinen Einfluß  auf den Zinsfuß. 100 Pfd.St.
       bringt nach  wie vor  105 Pfd. St.; sind die 100 weniger wert, so
       auch die  5 Zins. Das Verhältnis wird nicht affiziert durch Wert-
       steigerung oder  Entwertung der  Originalsumme. Als Wert betrach-
       tet, ist  ein bestimmtes Warenquantum gleich einer gewissen Geld-
       summe. Steigt  sein Wert,  so ist  er gleich  einer größern Geld-
       summe; umgekehrt,  wenn er fällt. Ist er = 2000, so 5% = 100; ist
       er 1000, so 5% = 50. Dies ändert aber nichts am Zinssatz. Das Ra-
       tionale  an   der  Sache  ist  nur,  daß  mehr  Geldakkommodation
       erheischt, wenn  2000 Pfd.St. nötig, um dasselbe Quantum Waren zu
       verkaufen, als  wenn nur 1000 Pfd.St. nötig. Aber dies zeigt hier
       nur umgekehrtes  Verhältnis zwischen  Profit und  Zins. Denn  der
       Profit wächst  mit der  Wohlfeilheit der  Elemente des konstanten
       und variablen  Kapitals, und  der Zins fällt. Aber das Umgekehrte
       kann auch  der Fall  sein und ist häufig der Fall. Baumwolle z.B.
       kann wohlfeil  sein, weil keine Nachfrage für Garn und Gewebe be-
       steht, sie  kann relativ  teuer sein,  weil großer  Profit in der
       Baumwollindustrie große  Nachfrage für  sie erzeugt.  Andrerseits
       kann der Profit der Industriellen hoch sein, grade weil der Preis
       von Baumwolle niedrig ist. Die Liste von Hubbard beweist, daß der
       Zinsfuß und  die Warenpreise durchaus voneinander unabhängige Be-
       wegungen vollführen;  während die  Bewegungen des  Zinsfußes sich
       genau den  Bewegungen des Metallschatzes und der Wechselkurse an-
       passen.
       
       "Sind Waren  daher im  Überfluß vorhanden,  so muß  der  Geldzins
       niedrig sein",
       
       sagt der  "Economist". Grade  das Umgekehrte  findet statt in den
       Krisen; die  Waren sind  überschüssig, inkonvertibel in Geld, und
       daher der Zinsfuß
       
       #603# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
       -----
       hoch; in  einer andren  Phase des Zyklus herrscht große Nachfrage
       nach waren,  daher leichte  Rückflüsse, aber zugleich Steigen der
       Warenpreise, und wegen der leichten Rückflüsse niedriger Zinsfuß.
       Sind sie"  (die Waren) "selten, so muß er hoch sein." Wieder fin-
       det das Umgekehrte statt in Zeiten der Abspannung nach der Krise.
       Waren sind  selten, absolut  gesprochen, nicht  mit Rücksicht auf
       die Nachfrage; und der Zinsfuß ist niedrig.
       Daß, ad  (4), bei  überführtem Markt ein Warenbesitzer wohlfeiler
       losschlagen wird  - wenn  er überhaupt  verkaufen kann  - als bei
       voraussichtlich rascher  Erschöpfung der  vorhandnen Vorräte, ist
       ziemlich klar.  Weniger aber, weshalb deswegen der Zinsfuß fallen
       soll. Ist  der Markt  mit der importierten Ware überführt, so mag
       der Zinsfuß steigen infolge gesteigerter Nachfrage nach Leihkapi-
       tal von  seiten der Eigner, um die Waren nicht auf den Markt wer-
       fen zu  müssen. Er  mag fallen,  weil die Flüssigkeit des kommer-
       ziellen Kredits die Nachfrage für Bankkredit noch relativ niedrig
       hält.
       
       Der "Economist" erwähnt die rasche Wirkung auf die Kurse 1847 in-
       folge der  Erhöhung des Zinsfußes und andern Drucks auf den Geld-
       markt. Aber  es ist nicht zu vergessen, daß trotz der Wendung der
       Kurse das  Gold fortfuhr  abzufliegen bis Ende April; die Wendung
       tritt hier erst ein mit Anfang Mai.
       
       Am 1.  Januar 1847  war  der  Metallschatz  der  Bank  15 066 691
       Pfd.St.; Zinsfuß  3 1/2  %; Dreimonatskurs  auf Paris  25.75; auf
       Hamburg 13.10; auf Amsterdam 12.3 1/4. Am 5. März war der Metall-
       schatz gefallen  auf 11 595 535  Pfd. St.; Diskonto gestiegen auf
       4%; der  Wechselkurs fiel  auf Paris 25.67 1/2, Hamburg 13.9 1/4,
       Amsterdam 12.2 1/2. Goldabfluß dauert fort; s. folgende Tabelle:
       
       Datum    Edelmetallschatz           Höchste Dreimonatskurse
       1847     der Bank     Geldmarkt
                von England
                Pfd.St.                  Paris      Hamburg    Amsterdam
       März 20. 11231630  Bankdiskont 4% 25.67 1/2  13.09 3/4  12.2 1/2
       April 3. 10246410      "       5% 25.80      13.10      12.3 1/2
        "   10.  9867053  Geld sehr rar  25.90      13.10 1/3  12.4 1/2
        "   17.  9329841  Bankdiskont    26.02 1/2  13.10 3/4  12.5 1/2
                 1*)      5 1/2%
        "   24.  9213890  Druck          26.05      13.12 2*)  12.6
       Mai   1.  9337716  Steigender     26.15      13.12 3/4  12.6 1/2
                          Druck
        "    8.  9588759  Größter Druck  26.27 1/2  13.15 1/2  12.7 3/4
       -----
       1*) 1. Auflage: 9 329 941 - 2*) 1. Auflage: 13.13
       
       #604# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Im Jahr  1847 betrug  der Gesamtexport von Edelmetall aus England
       8 602 597 Pfd.St.
       
       Davon ging nach den Vereinigten Staaten 3 226 411 Pfd.St.
         "     "   "       Frankreich          2 479 892   "
         "     "   "    "  Hansestädten          958 781   "
         "     "   "       Holland               247 743   "
       
       Trotz der  Wendung der Kurse Ende März dauert der Goldabfluß noch
       einen vollen  Monat fort,  wahrscheinlich  nach  den  Vereinigten
       Staaten.
       
       "Wir sehn hier", (sagt der "Economist", 1847, p. 954) wie schnell
       und schlagend  die Wirkung  eines gesteigerten  Zinsfußes und der
       darauffolgenden Geldklemme  war in der Korrektion eines ungünsti-
       gen Kurses  und in  der Wendung  der Goldflut,  so daß sie wieder
       nach England floß. Die Wirkung wurde hervorgebracht ganz unabhän-
       gig von  der Zahlungsbilanz.  Ein höherer  Zinsfuß erzeugte einen
       niedrigem Preis  der Wertpapiere, englischer wie auswärtiger, und
       veranlaßte große  Einkäufe davon  für ausländische Rechnung. Dies
       vermehrte die  Summe der  von England aus gezogenen Wechsel, wäh-
       rend andrerseits bei hohem Zinsfuß die Schwierigkeit, Geld zu er-
       halten, groß  war, daß  die Nachfrage  nach diesen  Wechsel fiel,
       während ihre  Summe stieg.  Es geschah aus derselben Ursache, daß
       Aufträge für fremde Waren annulliert und englische Kapitalanlagen
       in auswärtigen  Wertpapieren realisiert und das Geld nach England
       zur Anlage  gebracht wurde.  So lesen wir z.B. im 'Rio de Janeiro
       Price Current'  vom 10. Mai: 'Der Wechselkurs' (auf England) 'hat
       einen neuen  Rückgang erfahren,  verursacht  hauptsächlich  durch
       einen Druck  auf den Markt für Rimessen gegen den Erlös bedeuten-
       der Verkäufe von' {brasilischen} 'Staatsfonds für englische Rech-
       nung.' Englisches Kapital, das im Ausland in verschiednen Wertpa-
       pieren angelegt  worden, als der Zinsfuß hier sehr niedrig, wurde
       so zurückgebracht, als der Zinsfuß gestiegen war."
       
       Handelsbilanz von England
       
       Indien allein  hat an  5 Mill. Tribut zu zahlen, für "gute Regie-
       rung", Zinsen  und Dividenden  von britischem  Kapital etc, wobei
       gar nicht  berechnet sind  die Summen,  die jährlich  heimgesandt
       werden, teils von Beamten als Ersparnisse aus ihrem Gehalt, teils
       durch englische  Kaufleute als  Teil ihrer Profite, um in England
       angelegt zu werden. Von jeder britischen Kolonie sind aus densel-
       ben Gründen  fortwährend große  Rimessen zu  machen. Die  meisten
       Banken in  Australien, Westindien, Kanada sind mit britischem Ka-
       pital gegründet, die Dividenden sind in England zu zahlen. Ebenso
       besitzt England  viel auswärtige Staatspapiere, europäische, nord
       und südamerikanische,  wovon es die Zinsen zu empfangen hat. Dazu
       kommt dann  noch seine Beteiligung bei ausländischen Eisenbahnen,
       Kanälen,
       
       #605# 35. Kapitel - Edelmetall und Wechselkurs
       -----
       Bergwerken etc.,  mit den entsprechenden Dividenden. Die Rimessen
       gegen alle  diese Posten  werden fast ausschließlich in Produkten
       gemacht, über  den Betrag  der  englischen  Ausfuhr  hinaus.  Was
       andrerseits von  England ins  Ausland geht an Besitzer englischer
       Wertpapiere und  an Verzehr für Engländer im Ausland, ist dagegen
       verschwindend.
       Die Frage,  soweit sie die Handelsbilanz und die Wechselkurse be-
       trifft, ist
       
       "in jedem  gegebnen Moment  eine Frage  der Zeit. In der Regel...
       gibt England lange Kredite auf seine Ausfuhr, während die Einfuh-
       ren bar  bezahlt werden.  In gewissen  Momenten hat dieser Unter-
       schied der Usance eine bedeutende Wirkung auf die Kurse. Zu einer
       Zeit, wo  unsre Ausfuhren  sehr beträchtlich  zunehmen, wie 1850,
       muß eine  fortwährende Ausdehnung der Anlage von britischem Kapi-
       tal im  Gang sein...  so können die Rimessen von 1850 gegen Waren
       gemacht werden,  die 1849  exportiert wurden.  Aber wenn 1850 die
       Ausfuhren die von 1849 um 6 Mill. übersteigen, so muß die prakti-
       sche Wirkung  sein, daß  mehr Geld  außer Landes  gesandt ist, zu
       diesem Betrag,  als im selben Jahr zurückgeflossen; und in dieser
       Weise wird  eine Wirkung  hervorgebracht auf  die Kurse  und  den
       Zinsfuß. Sobald  dagegen unser Geschäft in einer Krise deprimiert
       und unsre  Ausfuhr sehr eingeschränkt ist, so übersteigen die für
       die graßren Exporte früherer Jahre verfallenden Rimessen sehr be-
       deutend den Wert unsrer Einfuhr; die Kurse drehn sich dementspre-
       chend zu unsern Cunsten, das Kapital akkumuliert rasch im Inland,
       und der Zinsfuß fällt." ("Economist", 11. Januar 1851.)
       
       Der auswärtige Wechselkurs kann sich ändern
       1. infolge  der augenblicklichen Zahlungsbilanz, durch welche Ur-
       sachen immer diese bestimmt sei: durch rein merkantilische, durch
       Kapitalanlage im  Ausland oder  aber  durch  Staatsausgaben,  bei
       Kriegen usw.,  soweit Barzahlungen  im Ausland dabei gemacht wer-
       den.
       2. Infolge  von Entwertung des Geldes in einem Land, sei dies nun
       Metall- oder  Papiergeld. Dies  ist rein nominell. Wenn 1 Pfd.St.
       nur noch  halb soviel  Geld repräsentierte  wie früher,  wurde es
       selbstredendzu 12 1/2 Fr. statt zu 25 Fr. berechnet.
       3. Wo es sich um den Kurs zwischen Ländern handelt, von denen das
       eine Silber,  das andre  Gold als "Geld" verwendet, ist der Wech-
       selkurs abhängig von den relativen Wertschwankungen dieser beiden
       Metalle, da  diese Schwankungen offenbar das Pari zwischen beiden
       alterieren. Ein  Beispiel vom  letztren waren die Kurse 1850; sie
       waren gegen  England, obgleich sein Export enorm stieg; aber den-
       noch fand  kein Goldabfluß  statt. Es  war Wirkung des momentanen
       Steigens des  Silberwerts gegen den Goldwert. (Siehe "Economist",
       30. November  1850.) Das  Pari des  Wechselkurses ist für 1 Pfund
       Sterling: auf Paris 25 Fr. 20 cent.; Hamburg 13 Mark Banko 10 1/2
       Sch.; Amsterdam 11 fl. 97 cents.
       
       #606# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Im Verhältnis  wie der  Wechselkurs auf  Paris über 25.20 steigt,
       wird er günstiger für den englischen Schuldner an Frankreich oder
       den Käufer französischer Waren. In beiden Fällen braucht er weni-
       ger Pfund  Sterling, um seinen Zweck zu erreichen. - In entlegne-
       ren Ländern, wo Edelmetall nicht leicht zu erlangen, wenn Wechsel
       selten und ungenügend sind, für die nach England zu machenden Ri-
       messen, ist.  die natürliche  Wirkung Herauftreibung  der  Preise
       derjenigen Produkte,  die gewöhnlich nach England verschifft wer-
       den, indem  für diese  nun größre  Nachfrage entsteht, um sie an-
       statt Wechsel  nach England  zu senden;  dies ist oft der Fall in
       Indien.
       Ein ungünstiger Wechselkurs und selbst ein Goldabfluß kann statt-
       finden, wenn  in England  sehr großer Überfluß an Geld, niedriger
       Zinsfuß und hoher Preis der Wertpapiere herrscht.
       Im Laufe  von 1848  erhielt England  große Quantitäten Silber von
       Indien, da  gute Wechsel selten waren und mittelmäßige ungern ge-
       nommen wurden, infolge der Krisis von 1847 und der großen Kredit-
       losigkeit im indischen Geschäft. Dies ganze Silber, kaum angekom-
       men, fand  bald den  Weg nach  dem Kontinent,  wo die  Revolution
       Schatzbildung an allen Ecken herbeiführte. Dasselbe Silber machte
       1850 großenteils  die Reise  nach Indien zurück, da der Stand des
       Wechselkurses dies nun profitlich machte.
       
                                     ---
       
       Das Monetarsystem ist wesentlich katholisch, das Kreditsystem we-
       sentlich protestantisch.  "The Scotch  hate gold." 1*) Als Papier
       hat das  Gelddasein der  Waren ein nur gesellschaftliches Dasein.
       Es ist  der Glaube,  der selig  macht. Der Glaube in den Geldwert
       als immanenten  Geist der  Waren, der  Glaube in die Produktions-
       weise und  ihre prädestinierte Ordnung, der Glaube in die einzel-
       nen Agenten  der Produktion  als bloße Personifikationen des sich
       selbst verwertenden  Kapitals. So  wenig aber der Protestantismus
       von den  Grundlagen des  Katholizismus sich emanzipiert, so wenig
       das Kreditsystem von der Basis des Monetarsystems.
       -----
       1*) "Die Schotten hassen Gold."

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