Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


       zurück

       #653#
       -----
       ACHTUNDDREISSIGSTES KAPITEL
       Die Differentialrente: Allgemeines
       
       Bei Analyse der Bodenrente wollen wir zunächst von der Vorausset-
       zung ausgehn,  daß Produkte,  die eine  solche Rente  zahlen, bei
       denen ein  Teil des Mehrwerts, also auch ein Teil des Gesamtprei-
       ses sich  in Rente  auflöst - für unsern Zweck reicht es hin, Ac-
       kerbauprodukte oder  auch Bergwerksprodukte zu berücksichtigen -,
       daß also Boden- oder Bergwerksprodukte, wie alle andren Waren, zu
       ihren Produktionspreisen  verkauft werden.  D.h.  ihre  Verkaufs-
       preise sind gleich ihren Kostelementen (dem Wert des aufgezehrten
       konstanten und  variablen Kapitals)  plus einem  Profit, bestimmt
       durch die  allgemeine Profitrate,  berechnet auf das vorgeschoßne
       Gesamtkapital, verbrauchtes  und nicht  verbrauchtes. Wir  nehmen
       also an,  daß die  durchschnittlichen Verkaufspreise  dieser Pro-
       dukte gleich  ihren Produktionspreisen  sind. Es fragt sich dann,
       wie unter  dieser Voraussetzung  sich eine Grundrente entwickeln,
       d.h. ein  Teil des  Profits sich  in Grundrente verwandeln, daher
       ein Teil des Warenpreises dem Grundeigentümer anheimfallen kann.
       Um den  allgemeinen Charakter  dieser Form der Grundrente zu zei-
       gen, unterstellen  wir, die  Fabriken in  einem Lande  würden  in
       übeegender Anzahl  durch Dampfmaschinen getrieben, eine bestimmte
       Minderzahl jedoch durch natürliche Wasserfälle. Unterstellen wir,
       der Produktionspreis  in jenen  Industriezweigen sei 115 für eine
       Masse von  Waren, worin ein Kapital von 100 verzehrt ist. Die 15%
       Profit sind  berechnet nicht  nur auf das konsumierte Kapital von
       100, sondern  auf das Gesamtkapital, das in der Produktion dieses
       Warenwerts angewandt ist. Dieser Produktionspreis 1*), wie früher
       erörtert, ist  bestimmt, nicht  durch den individuellen Kostpreis
       jedes einzelnen  produzierenden Industriellen,  sondern durch den
       Kostpreis, den  die Ware durchschnittlich kostet unter den Durch-
       schnittsbedingungen
       -----
       1*) 1.  Auflage: Produktionsprozeß;  geändert nach dem Manuskript
       von Marx
       
       #654# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       des Kapitals  in der  ganzen Produktionssphäre. Es ist in der Tat
       der Marktproduktionspreis;  der durchschnittliche  Marktpreis  im
       Unterschied zu  seinen Oszillationen. Es ist überhaupt in der Ge-
       stalt des  Marktpreises und weiter in der Gestalt des regulieren-
       den Marktpreises oder Marktproduktionspreises, daß sich die Natur
       des Werts  der Waren darstellt, sein Bestimmtsein nicht durch die
       zur Produktion eines bestimmten Waren quantums oder einzelner Wa-
       ren individuell,  für einen bestimmten einzelnen Produzenten not-
       wendige Arbeitszeit,  sondern durch  die gesellschaftlich notwen-
       dige Arbeitszeit; durch die Arbeitszeit, die erheischt ist, unter
       dem gegebnen  Durchschnitt der  gesellschaftlichen Produktionsbe-
       dingungen das  gesellschaftlich erheischte  Gesamtquantum der auf
       dem Markt befindlichen Warenspezies zu erzeugen.
       Da die  bestimmten Zahlenverhältnisse hier vollständig gleichgül-
       tig sind,  wollen wir  ferner annehmen,  daß der Kostpreis in den
       Fabriken, die  durch Wasserkraft  getrieben werden,  nur 90 statt
       100 betrage.  Da der  den Markt regulierende Produktionspreis der
       Masse dieser  Waren =  115, mit  einem Profit von 15 %, so werden
       die Fabrikanten,  die ihre  Maschinen  mit  Wasserkraft  treiben,
       ebenfalls zu  115 verkaufen,  d.h. zu dem den Marktpreis regulie-
       renden Durchschnittspreis.  Ihr Profit betrüge daher 25 statt 15;
       der  regulierende  Produktionspreis  erlaubte  ihnen  einen  Sur-
       plusprofit von 10% zu machen, nicht weil sie ihre Ware über, son-
       dern weil  sie sie  zu dem  Produktionspreis verkaufen, weil ihre
       Waren produziert werden oder ihr Kapital fungiert unter ausnahms-
       weis günstigen  Bedingungen, Bedingungen,  die  über  dem  Durch-
       schnittsniveau der in dieser Sphäre herrschenden ständen.
       Zweierlei zeigt sich sofort:
       Erstens: Der  Surplusprofit der  Produzenten, die den natürlichen
       Wasserfall als Triebkraft anwenden, verhält sich zunächst wie al-
       ler Surplusprofit  (und wir haben diese Kategorie bereits entwic-
       kelt bei Darstellung der Produktionspreise), der nicht zufälliges
       Resultat von  Transaktionen im Zirkulationsprozeß, von zufälligen
       SchwanLungen der  Marktpreise ist.  Dieser Surplusprofit also ist
       ebenfalls gleich der Differenz zwischen dem individuellen Produk-
       tionspreis dieser  begünstigten Produzenten  und dem  allgemeinen
       gesellschaftlichen, den Markt regulierenden Produktionspreis die-
       ser ganzen  Produktionssphäre. Diese  Differenz  ist  gleich  dem
       Überschuß des  allgemeinen Produktionspreises der Ware über ihren
       individuellen Produktionspreis.  Die zwei  regulierenden  Grenzen
       dieses Überschusses  sind auf  der einen  Seite der  individuelle
       Kostpreis und  daher der  individuelle Produktionspreis,  auf der
       andern der allgemeine Produktionspreis. Der Wert der mit dem Was-
       serfall produzierten Ware ist kleiner, weil zu ihrer Produktion
       
       #655# 38. Kapitel - Die Diiferentialrente: Allgemeines
       -----
       ein kleineres Gesamtquantum Arbeit erfordert ist, nämlich weniger
       Arbeit, die in vergegenständlichter Form, als Teil des konstanten
       Kapitals eingeht.  Die hier  angewandte Arbeit  ist  produktiver,
       ihre individuelle  Produktivkraft ist größer als die in der Masse
       derselben Art Fabriken angewandten Arbeit. Ihre größre Produktiv-
       kraft zeigt  sich darin, daß sie, um dieselbe Masse Waren zu pro-
       duzieren, ein  geringres Quantum  konstantes Kapital braucht, ein
       geringres Quantum vergegenständlichter Arbeit als die andren; da-
       neben außerdem  ein geringeres  Quantum lebendiger Arbeit, da das
       Wasserrad nicht geheizt zu werden braucht. Diese größre individu-
       elle Produktivkraft  der angewandten  Arbeit vermindert den Wert,
       aber auch  den Kostpreis und damit den Produktionspreis der Ware.
       Für den  Industriellen stellt  sich dies  so dar, daß für ihn der
       Kostpreis der  Ware geringer  ist. Er  hat weniger vergegenständ-
       lichte Arbeit  zu zahlen und ebenso weniger Arbeitslohn für weni-
       ger angewandte  lebendige Arbeitskraft.  Da der  Kostpreis seiner
       Ware geringer,  ist auch  sein individueller Produktionspreis ge-
       ringer. Der  Kostpreis für  ihn ist  90 statt 100. Also wäre auch
       sein  individueller   Produktionspreis  statt  115  nur  103  1/2
       (100:115 = 90:103 1/2). Die Differenz zwischen seinem individuel-
       len Produktionspreis  und dem  allgemeinen ist begrenzt durch die
       Differenz zwischen  seinem individuellen Kostpreis und dem allge-
       meinen. Dies ist eine der Größen, die die Grenzen für seinen Sur-
       plusprofit 1*)  bilden. Die  andre ist  die Größe des allgemeinen
       Produktionspreises, worin die allgemeine Profitrate als einer der
       regelnden Faktoren  eingeht. Würden  die  Kohlen  wohlfeiler,  so
       nähme die  Differenz zwischen seinem individuellen und dem allge-
       meinen Kostpreis  ab und  daher sein  Surplusprofit. Müßte er die
       Ware zu ihrem individuellen Wert oder dem durch ihren individuel-
       len Wert bestimmten Produktionspreis verkaufen, so fiele die Dif-
       ferenz fort.  Sie ist einerseits das Resultat davon, daß die Ware
       zu ihrem  allgemeinen Marktpreis  verkauft wird,  zum Preis, wozu
       die Konkurrenz  die Einzelpreise  ausgleicht, andrerseits  davon,
       daß die  größre individuelle  Produktivkraft der von ihm in Bewe-
       gung gesetzten  Arbeit nicht den Arbeitern zugute kommt, sondern,
       wie alle  Produktivkraft der Arbeit, ihrem Anwender; daß sie sich
       als Produktivkraft  des Kapitals  darstellt. Da die eine Schranke
       dieses Surplusprofits die Höhe des allgemeinen Produktionspreises
       ist, wovon  die Höhe  der allgemeinen Profitrate einer der Fakto-
       ren, so  kann er  nur entspringen  aus der Differenz zwischen dem
       allgemeinen und dem individuellen Produktionspreis, daher aus der
       Differenz zwischen  der individuellen  und der  allgemeinen  Pro-
       fitrate. Ein Überschuß
       -----
       1*) 1. Auflage: sein Surplusprodukt
       
       #656# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       über diese  Differenz unterstellt  den Verkauf  von Produkt über,
       nicht zu, dem durch den Markt geregelten Produktionspreis.
       Zweitens: Bisher  unterscheidet sich der Surplusprofit des Fabri-
       kanten, der  den natürlichen  Wasserfall  statt  des  Dampfs  als
       Triebkraft anwendet,  in keiner  Art von allem andern Surpluspro-
       fit. Aller  normale, d.h. nicht durch zufällige Verkaufsgeschäfte
       oder durch  Schwankungen des  Marktpreises  hervorgebrachte  Sur-
       plusprofit ist  bestimmt durch die Differenz zwischen dem indivi-
       duellen Produktionspreis  der Waren dieses besondren Kapitals und
       dem allgemeinen  Produktionspreis, der  die Marktpreise der Waren
       des Kapitals  dieser Produktionssphäre  Oberhaupt regelt oder die
       Marktpreise der  Waren des in dieser Produktionssphäre angelegten
       Gesamtkapitals. Aber jetzt kommt der Unterschied.
       Welchem Umstand  verdankt der Fabrikant im vorliegenden Fall sei-
       nen Surplusprofit,  den Überschuß,  den der  durch die allgemeine
       Profitrate regulierte Produktionspreis ihm persönlich abwirft?
       In erster  Instanz einer  Naturkraft, der  Triebkraft des Wasser-
       falls, der  von Natur sich vorfindet und der nicht wie die Kohle,
       welche Wasser in Dampf verwandelt, selbst Produkt der Arbeit ist,
       daher Wert  hat, durch ein Äquivalent bezahlt werden muß, kostet.
       Es ist  ein natürlicher  Produktionsagent,  in  dessen  Erzeugung
       keine Arbeit eingeht.
       Aber das  ist nicht  alles. Der  Fabrikant, der  mit der Dampfma-
       schine arbeitet,  wendet auch  Naturkräfte an, die ihm nichts ko-
       sten, die  aber die Arbeit produktiver machen und, sofern sie da-
       durch die Herstellung der für die Arbeiter erheischten Lebensmit-
       tel verwohlfellern,  den Mehrwert  und daher  den Profit erhöhen;
       die also ganz so gut vom Kapital monopolisiert werden wie die ge-
       sellschaftlichen Naturkräfte  der Arbeit,  die  aus  Kooperation,
       Teilung etc.  entspringen. Der  Fabrikant zahlt  die Kohlen, aber
       nicht die  Fähigkeit des  Wassers, seinen  Aggregatzustand zu än-
       dern, in  Dampf überzugehn, nicht die Elastizität des Dampfs usw.
       Diese Monopolisierung der Naturkräfte, d.h. der durch sie bewirk-
       ten Steigerung der Arbeitskraft, ist allem Kapital gemeinsam, das
       mit Dampfmaschinen  arbeitet. Sie  mag den  Teil des  Arbeitspro-
       dukts, der  Mehrwert darstellt,  erhöhen gegen den Teil, der sich
       in Arbeitslohn  verwandelt. Soweit  sie dies  tut, erhöht sie die
       allgemeine Profitrate, aber sie schafft keinen Surplusprofit, der
       eben im  Oberschuß des  individuellen  Profits  über  den  Durch-
       schnittsprofit besteht.  Daß die  Anwendung einer Naturkraft, des
       Wasserfalls, hier  Surplusprofit schafft,  kann also nicht allein
       aus der  Tatsache entspringen, daß die gesteigerte Produktivkraft
       der Arbeit hier der Anwendung einer Naturkraft geschuldet ist. Es
       müssen weitere modifizierende Umstände eintreten.
       
       #657# 38. Kapitel - Die Differentialrente: Allgemeines
       -----
       Umgekehrt. Die  bloße Anwendung von Naturkräften in der Industrie
       mag auf  die Höhe  der allgemeinen Profitrate, weil auf die Masse
       der zur  Produktion notwendiger  Lebensmittel erheischten  Arbeit
       einwirken. Sie  schafft aber an und für sich keine Abweichung von
       der allgemeinen  Profitrate, und gerade um eine solche handelt es
       sich hier. Ferner: Der Surplusprofit, den sonst ein individuelles
       Kapital in  einer besondren  Produktionssphäre realisiert  - denn
       die Abweichungen der Profittaten zwischen den besondren Produkti-
       onssphären gleichen  sich fortwährend zur Durchschnittsprofitrate
       aus -,  entspringt, von den nur zufälligen Abweichungen abgesehn,
       aus einer  Verminderung des  Kostpreises, also der Produktionsko-
       sten, die  entweder dem  Umstand geschuldet  ist, daß  Kapital in
       größren als den durchschnittlichen Massen angewandt wird und sich
       daher die  faux frais der Produktion vermindern, während die all-
       gemeinen Ursachen  der Steigerung  der Produktivkraft  der Arbeit
       (Kooperation, Teilung etc.) in höherm Grade, mit mehr Intensität,
       weil auf  größrem Arbeitsfeld,  wirken können;  oder aber dem Um-
       stand, daß,  abgesehn vom Umfang des fungierenden Kapitals, beßre
       Arbeitsmethoden, neue  Erfindungen, verbesserte Maschinen, chemi-
       sche Fabrikgeheimnisse  etc., kurz  neue, verbesserte,  über  dem
       Durchschnittsniveau stehende Produktionsmittel und Produktionsme-
       thoden angewandt werden. Die Verminderung des Kostpreises und der
       daraus entfließende  Surplusprofit entspringen  hier aus  der Art
       und Weise,  wie das  fungierende Kapital  angelegt wird. Sie ent-
       springen entweder daraus, daß es in ausnahmswels großen Massen in
       einer Hand konzentriert ist ein Umstand, der sich aufhebt, sobald
       gleich große  Kapitalmassen durchschnittlich  angewandt werden  -
       oder daß  Kapital von  bestimmter Größe  in besonders produktiver
       Weise fungiert  - ein  Umstand, der wegfällt, sobald sich die ex-
       zeptionelle Produktionsweise  verallgemeinert oder  von noch mehr
       entwickelter überflügelt wird.
       Die Ursache des Surplusprofits entspringt hier also aus dem Kapi-
       tal selbst  (worin die  davon in  Bewegung gesetzte Arbeit einbe-
       griffen); sei  es aus einem Größenunterschied des angewandten Ka-
       pitals, sei es aus zweckmäßigerer Anwendung desselben; und an und
       für sich  steht nichts  im Wege,  daß alles  Kapital in derselben
       Produktionssphäre in  derselben Weise  angelegt wird. Die Konkur-
       renz zwischen  den Kapitalen  strebt im  Gegenteil, diese  Unter-
       schiede mehr  und mehr  auszugleichen; die  Bestimmung des  Werts
       durch die  gesellschaftlich  notwendige  Arbeitszeit  setzt  sich
       durch in  der Verwohlfellerung der Waren und dem Zwang, die Waren
       unter denselben  günstigen Verhältnissen herzustellen. Es verhält
       sich aber  anders t  dem Surplusprofit  des Fabrikanten,  der den
       Wasserfall anwendet. Die
       
       #658# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       gesteigerte Produktivkraft  der von  ihm angewandten  Arbeit ent-
       springt weder  aus dem  Kapital und  der Arbeit  selbst, noch aus
       bloßer Anwendung  einer von  Kapital und  Arbeit  unterschiednen,
       aber dem Kapital einverleibten Naturkraft. Sie entspringt aus der
       größren naturwüchsigen Produktivkraft der Arbeit, gebunden an die
       Benutzung einer  Naturkraft, aber nicht einer Naturkraft, die al-
       lem Kapital  in derselben  Produktionssphäre zur Verfügung steht,
       wie z.B.  die Elastizität  des Dampfs;  deren Anwendung sich also
       nicht von  selbst versteht,  sobald überhaupt  Kapital in  dieser
       Sphäre angelegt wird. Sondern einer monopolisierbaren Naturkraft,
       die wie  der Wasserfall  nur denen  zur Verfügung steht, die über
       besondre Stücke  des Erdbodens und seine Appartenentien zu verfü-
       gen haben. Es hängt durchaus nicht vom Kapital ab, diese Naturbe-
       dingung größrer  Produktivkraft der Arbeit ins Leben zu rufen, in
       der Art,  wie jedes  Kapital Wasser in Dampf verwandeln kann. Sie
       findet sich  nur lokal,  in der Natur vor und ist da, wo sie sich
       nicht vorfindet,  nicht herstellbar  durch bestimmte  Auslage von
       Kapital. Sie ist nicht gebunden an durch Arbeit herstellbare Pro-
       dukte wie  Maschinen, Kohlen etc., sondern an bestimmte Naturver-
       hältnisse bestimmter  Teile des Bodens. Der Teil der Fabrikanten,
       der die Wasserfälle besitzt, schließt den Teil, der sie nicht be-
       sitzt, von  der Anwendung  dieser Naturkraft  aus, weil der Boden
       und noch  mehr der  mit Wasserkraft begabte Boden beschränkt ist.
       Es schließt  dies nicht aus, daß, obgleich die Masse der natürli-
       chen Wasserfälle in einem Lande beschränkt ist, die Masse der zur
       Industrie vernutzbaren Wasserkraft vermehrt werden kann. Der Was-
       serfall kann  künstlich abgeleitet  werden, um  seine  Triebkraft
       vollständig auszunutzen;  den Fall  gegeben, kann  das  Wasserrad
       verbessert werden,  um möglichst viel von der Wasserkraft zu ver-
       wenden; wo  das gewöhnliche  Rad für die Wasserzufuhr nicht paßt,
       können Turbinen  angewandt werden  etc. Der  Besitz dieser Natur-
       kraft bildet ein Monopol in der Hand ihres Besitzers, eine Bedin-
       gung hoher  Produktivkraft des  angelegten  Kapitals,  die  nicht
       durch den  Produktionsprozeß des Kapitals selbst hergestellt wer-
       den kann  33); diese Naturkraft, die so monopolisierbar ist, haf-
       tet immer an der Erde. Eine solche Naturkraft gehört nicht zu den
       allgemeinen  Bedingungen  der  fraglichen  Produktionssphäre  und
       nicht zu  den Bedingungen  derselben, die  allgemein  herstellbar
       sind.
       Denken wir  uns nun  die Wasserfälle,  mit dein Boden, zu dem sie
       gehören, in  der Hand von Subjekten, die als Inhaber dieser Teile
       des Erdballs  gelten' als  Grundeigentümer, so  schließen sie die
       Anlage des Kapitals am Wasserfall
       ---
       33) Siehe über den Extraprofit die "Inquiry" (gegen Malthus).
       
       #659# 38. Kapitel - Die Differentialrente: Allgemeines
       -----
       und seine  Benutzung durch das Kapital aus. Sie können die Benut-
       zung erlauben  oder versagen.  Aber das Kapital aus sich kann den
       Wasserfall nicht  schaffen. Der Surplusprofit, der aus dieser Be-
       nutzung des  Wasserfalls entspringt,  entspringt daher  nicht aus
       dem Kapital,  sondern aus  der Anwendung einer rnonopolisierbaren
       und monopolisierten  Naturkraft durch  das Kapital.  Unter diesen
       Umständen verwandelt  sich der  Surplusprofit in Grundrente, d.h.
       er fällt  dem Eigentümer  des Vasserfalls zu. Zahlt der Fabrikant
       diesem 10 Pfd.St. jährlich für seinen Wasserfall, so beträgt sein
       Profit 15  Pfd.St.; 15%  auf die  100 Pfd.St.,  worauf dann seine
       Produktionskosten sich  belaufen; und  er steht  sich ganz ebenso
       gut, möglicherweise  besser, als  alle andren Kapitalisten seiner
       Produktionssphäre, die mit Dampf arbeiten. Es würde nichts an der
       Sache ändern,  wenn der Kapitalist selbst den Wasserfall eignete.
       Er würde  nach wie vor den Surplusprofit von 10 Pfd.St. nicht als
       Kapitalist, sondern  als Eigentümer  des Wasserfalls bezichn, und
       eben weil  dieser Überschuß nicht aus seinem Kapital als solchem,
       sondern aus der Verfügung über eine von seinem Kapital trennbare,
       monopolisierbare, in  ihrem Umfang  beschränkte  Naturkraft  ent-
       springt, verwandelt er sich in Grundrente.
       Erstens: Es ist klar, daß diese Rente immer Digerentialrente ist,
       denn sie  geht nicht  bestimmend ein in den allgemeinen Produkti-
       onspreis der Ware, sondern setzt ihn voraus. Sie entspringt stets
       aus der Differenz zwischen dem individuellen Produktionspreis des
       Einzelkapitals, dem  die monopolisierte  Naturkraft zur Verfügung
       steht, und dem allgemeinen Produktionspreis des in der fraglichen
       Produktionssphäre überhaupt angelegten Kapitals.
       Zweitens: Diese Grundrente entspringt nicht aus der absoluten Er-
       höhung der Produktivkraft des angewandten Kapitals, resp. der von
       ihm angeeigneten  Arbeit, die  Oberhaupt nur  den Wert  der Waren
       vermindern kann;  sondern aus der größten relativen Fruchtbarkeit
       bestimmter, in einer Produktionssphäre angelegter Einzelkapitale,
       verglichen mit den Kapitalanlagen, die von diesen ausnahmsweisen,
       naturgeschaffnen Gunstbedingungen der Produktivkraft ausgeschlos-
       sen sind. Wenn z.B. die Benutzung des Dampfs, obgleich die Kohlen
       Wert haben  und die  Wasserkraft nicht, überwiegende Vorteile ge-
       währte, die  bei Benutzung  der Wasserkraft ausgeschlossen wären,
       sie mehr  als kompensierten, so würde die Wasserkraft nicht ange-
       wandt und  könnte keinen  Surplusprofit, daher keine Rente erzeu-
       gen.
       Drittens: Die  Naturkraft ist nicht die Quelle des Surplusprofit.
       sondern nur  eine Naturbasis  desselben, weil  die Naturbasis der
       ausnahmsweis
       
       #660# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       erhöhten Produktivkraft  der Arbeit.  So  ist  der  Gebrauchswert
       überhaupt Träger  des Tauschwerts, aber nicht seine Ursache. Der-
       selbe Gebrauchswert,  könnte er  ohne Arbeit  verschafft  werden,
       hätte keinen  Tauschwert, behielte aber nach wie vor seine natür-
       liche Nützlichkeit  als Gebrauchswert.  Andrerseits aber  hat ein
       Ding keinen  Tauschwert ohne Gebrauchswert, also ohne solchen na-
       türlichen Träger  der Arbeit. Glichen sich nicht die verschiednen
       Werte zu  Produktionspreisen und  die verschiednen  individuellen
       Produktionspreise zu  einem allgemeinen,  den Markt regulierenden
       Produktionspreis aus,  so würde  die bloße Steigerung der Produk-
       tivkraft der  Arbeit durch  den Gebrauch  des Wasserfalls nur den
       Preis der mit dem Wasserfall produzierten Waren erniedrigen, ohne
       den in  diesen Waren  steckenden Profittell  zu erhöhen, ganz wie
       sich andrerseits  diese  gesteigerte  Produktivkraft  der  Arbeit
       überhaupt nicht in Mehrwert verwandeln würde, appropriierte nicht
       das Kapital die Produktivkraft, natürliche und gesellschaftliche,
       der von  ihm angewandten  Arbeit als  seine eigne.  Viertens: Das
       Grundeigentum am  Wasserfall hat  mit der Schöpfung des Teils des
       Mehrwerts (Profits)  und daher des Preises der Ware überhaupt die
       mit Hilfe des Wasserfalls produziert wird, an und für sich nichts
       zu schalten.  Dieser Surplusprofit  existierte  auch,  wenn  kein
       Grundeigentum existierte, wenn z.B. das Land, wozu der Wasserfall
       gehörte, vom  Fabrikanten als herrenloses Land benutzt würde. Das
       Grundeigentum schafft  also nicht  den Wertteil, der sich in Sur-
       plusprofit verwandelt,  sondern es befähigt nur den Grundeigentü-
       mer, den Eigentümer des Wasserfalls, diesen Surplusprofit aus der
       Tasche des Fabrikanten in seine eigne zu locken. Es ist die Ursa-
       che, nicht  der Schöpfung  dieses Surplusprofits,  sondern seiner
       Verwandlung in  die Form der Grundrente, daher der Aneignung die-
       ses Teils  des Profits,  resp. des Warenpreises, durch den Grund-
       oder Wasserfallseigentümer.
       Fünftens: Es  ist klar,  daß der  Preis des Wasserfalls, also der
       Preis, den der Grundeigentümer erhielte, verkaufte er ihn an eine
       dritte Person  oder auci,  an den  Fabrikanten  selbst,  zunächst
       nicht in  den Produktionspreis dei Waren eingeht, obgleich in den
       individuellen Kostpreis  des Fabrikanten;  denn  die  Rente  ent-
       springt hier aus dem, unabhängig vom Wasserfall regulierten, Pro-
       duktionspreis der mit Dampfmaschinen produzierten Waren derselben
       Art. Ferner  aber ist  dieser Preis des Wasserfalls überhaupt ein
       irrationeller Ausdruck,  hinter dem sich ein reelles ökonomisches
       Verhältnie versteckt. Der Wasserfall, wie die Erde überhaupt, wie
       alle Naturkraft,  hal keinen Wert, weil er keine in ihm vergegen-
       ständlichte Arbeit  darstellt und  daher auch  keinen Preis,  der
       normalster nichts ist als der in Geld ausgedrückte
       
       #661# 38. Kapitel - Die Differentialrente- Allgemeines
       -----
       Wert. Wo  kein Wert  ist, kann eo ipso auch nichts in Geld darge-
       stellt werden.  Dieser Preis  ist nichts  als die  kapitalisierte
       Rente. Das  Grundeigentum befähigt  den Eigentümer, die Differenz
       zwischen dem individuellen Profit und dem Durchschnittsprofit ab-
       zufangen; der  so abgefangne  Profit, der sich jährlich erneuert,
       kann kapitalisiert werden und erscheint dann als Preis der Natur-
       kraft selbst.  Ist der  Surplusprofit, den die Benutzung des Was-
       serfalls dem  Fabrikanten abwirft,  10 Pfd.St.  jährlich und  der
       Durchschnittszins 5%,  so stellen  diese 10  Pfd.St. jährlich den
       Zins eines Kapitals von 200 Pfd.St. dar; und diese Kapitalisation
       der jährlichen  10 Pfd.St.,  die der Wasserfall seinen Eigentümer
       befähigt, dem Fabrikanten abzufangen, erscheint dann als Kapital-
       wert des  Wasserfalls selbst.  Daß nicht  dieser selbst Wert hat,
       sondern sein  Preis bloßer  Reflex des abgefangnen Surplusprofits
       ist, kapitalistisch  berechnet, zeigt  sich gleich darin, daß der
       Preis von  200 Pfd.St.  nur das Produkt des Surplusprofits von 10
       Pfd.St. mit  20 Jahren darstellt, während unter sonst gleichblei-
       benden Umständen  derselbe Wasserfall  für unbestimmte  Zeit, 30,
       100, x  Jahre den  Eigentümer befähigt, jährlich diese 10 Pfd.St.
       abzufangen, und  während andrerseits,  wenn eine  neue, nicht auf
       Wasserkraft anwendbare  Produktionsmethode den  Kostpreis der mit
       der Dampfmaschine  produzierten Waren  von 100 auf 90 Pfd.St. er-
       niedrigte, der  Surplusprofit und  damit die  Rente und damit der
       Preis des Wasserfalls verschwende.
       Nachdem wir  so den  allgemeinen  Begriff  der  Differentialrente
       festgesetzt, gehn  wir nun  zur Betrachtung  derselben in der ei-
       gentlichen Agrikultur über. Was von ihr gesagt wird, gilt im gan-
       zen auch für Bergwerke.

       zurück