Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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ACHTUNDDREISSIGSTES KAPITEL
Die Differentialrente: Allgemeines
Bei Analyse der Bodenrente wollen wir zunächst von der Vorausset-
zung ausgehn, daß Produkte, die eine solche Rente zahlen, bei
denen ein Teil des Mehrwerts, also auch ein Teil des Gesamtprei-
ses sich in Rente auflöst - für unsern Zweck reicht es hin, Ac-
kerbauprodukte oder auch Bergwerksprodukte zu berücksichtigen -,
daß also Boden- oder Bergwerksprodukte, wie alle andren Waren, zu
ihren Produktionspreisen verkauft werden. D.h. ihre Verkaufs-
preise sind gleich ihren Kostelementen (dem Wert des aufgezehrten
konstanten und variablen Kapitals) plus einem Profit, bestimmt
durch die allgemeine Profitrate, berechnet auf das vorgeschoßne
Gesamtkapital, verbrauchtes und nicht verbrauchtes. Wir nehmen
also an, daß die durchschnittlichen Verkaufspreise dieser Pro-
dukte gleich ihren Produktionspreisen sind. Es fragt sich dann,
wie unter dieser Voraussetzung sich eine Grundrente entwickeln,
d.h. ein Teil des Profits sich in Grundrente verwandeln, daher
ein Teil des Warenpreises dem Grundeigentümer anheimfallen kann.
Um den allgemeinen Charakter dieser Form der Grundrente zu zei-
gen, unterstellen wir, die Fabriken in einem Lande würden in
übeegender Anzahl durch Dampfmaschinen getrieben, eine bestimmte
Minderzahl jedoch durch natürliche Wasserfälle. Unterstellen wir,
der Produktionspreis in jenen Industriezweigen sei 115 für eine
Masse von Waren, worin ein Kapital von 100 verzehrt ist. Die 15%
Profit sind berechnet nicht nur auf das konsumierte Kapital von
100, sondern auf das Gesamtkapital, das in der Produktion dieses
Warenwerts angewandt ist. Dieser Produktionspreis 1*), wie früher
erörtert, ist bestimmt, nicht durch den individuellen Kostpreis
jedes einzelnen produzierenden Industriellen, sondern durch den
Kostpreis, den die Ware durchschnittlich kostet unter den Durch-
schnittsbedingungen
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1*) 1. Auflage: Produktionsprozeß; geändert nach dem Manuskript
von Marx
#654# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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des Kapitals in der ganzen Produktionssphäre. Es ist in der Tat
der Marktproduktionspreis; der durchschnittliche Marktpreis im
Unterschied zu seinen Oszillationen. Es ist überhaupt in der Ge-
stalt des Marktpreises und weiter in der Gestalt des regulieren-
den Marktpreises oder Marktproduktionspreises, daß sich die Natur
des Werts der Waren darstellt, sein Bestimmtsein nicht durch die
zur Produktion eines bestimmten Waren quantums oder einzelner Wa-
ren individuell, für einen bestimmten einzelnen Produzenten not-
wendige Arbeitszeit, sondern durch die gesellschaftlich notwen-
dige Arbeitszeit; durch die Arbeitszeit, die erheischt ist, unter
dem gegebnen Durchschnitt der gesellschaftlichen Produktionsbe-
dingungen das gesellschaftlich erheischte Gesamtquantum der auf
dem Markt befindlichen Warenspezies zu erzeugen.
Da die bestimmten Zahlenverhältnisse hier vollständig gleichgül-
tig sind, wollen wir ferner annehmen, daß der Kostpreis in den
Fabriken, die durch Wasserkraft getrieben werden, nur 90 statt
100 betrage. Da der den Markt regulierende Produktionspreis der
Masse dieser Waren = 115, mit einem Profit von 15 %, so werden
die Fabrikanten, die ihre Maschinen mit Wasserkraft treiben,
ebenfalls zu 115 verkaufen, d.h. zu dem den Marktpreis regulie-
renden Durchschnittspreis. Ihr Profit betrüge daher 25 statt 15;
der regulierende Produktionspreis erlaubte ihnen einen Sur-
plusprofit von 10% zu machen, nicht weil sie ihre Ware über, son-
dern weil sie sie zu dem Produktionspreis verkaufen, weil ihre
Waren produziert werden oder ihr Kapital fungiert unter ausnahms-
weis günstigen Bedingungen, Bedingungen, die über dem Durch-
schnittsniveau der in dieser Sphäre herrschenden ständen.
Zweierlei zeigt sich sofort:
Erstens: Der Surplusprofit der Produzenten, die den natürlichen
Wasserfall als Triebkraft anwenden, verhält sich zunächst wie al-
ler Surplusprofit (und wir haben diese Kategorie bereits entwic-
kelt bei Darstellung der Produktionspreise), der nicht zufälliges
Resultat von Transaktionen im Zirkulationsprozeß, von zufälligen
SchwanLungen der Marktpreise ist. Dieser Surplusprofit also ist
ebenfalls gleich der Differenz zwischen dem individuellen Produk-
tionspreis dieser begünstigten Produzenten und dem allgemeinen
gesellschaftlichen, den Markt regulierenden Produktionspreis die-
ser ganzen Produktionssphäre. Diese Differenz ist gleich dem
Überschuß des allgemeinen Produktionspreises der Ware über ihren
individuellen Produktionspreis. Die zwei regulierenden Grenzen
dieses Überschusses sind auf der einen Seite der individuelle
Kostpreis und daher der individuelle Produktionspreis, auf der
andern der allgemeine Produktionspreis. Der Wert der mit dem Was-
serfall produzierten Ware ist kleiner, weil zu ihrer Produktion
#655# 38. Kapitel - Die Diiferentialrente: Allgemeines
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ein kleineres Gesamtquantum Arbeit erfordert ist, nämlich weniger
Arbeit, die in vergegenständlichter Form, als Teil des konstanten
Kapitals eingeht. Die hier angewandte Arbeit ist produktiver,
ihre individuelle Produktivkraft ist größer als die in der Masse
derselben Art Fabriken angewandten Arbeit. Ihre größre Produktiv-
kraft zeigt sich darin, daß sie, um dieselbe Masse Waren zu pro-
duzieren, ein geringres Quantum konstantes Kapital braucht, ein
geringres Quantum vergegenständlichter Arbeit als die andren; da-
neben außerdem ein geringeres Quantum lebendiger Arbeit, da das
Wasserrad nicht geheizt zu werden braucht. Diese größre individu-
elle Produktivkraft der angewandten Arbeit vermindert den Wert,
aber auch den Kostpreis und damit den Produktionspreis der Ware.
Für den Industriellen stellt sich dies so dar, daß für ihn der
Kostpreis der Ware geringer ist. Er hat weniger vergegenständ-
lichte Arbeit zu zahlen und ebenso weniger Arbeitslohn für weni-
ger angewandte lebendige Arbeitskraft. Da der Kostpreis seiner
Ware geringer, ist auch sein individueller Produktionspreis ge-
ringer. Der Kostpreis für ihn ist 90 statt 100. Also wäre auch
sein individueller Produktionspreis statt 115 nur 103 1/2
(100:115 = 90:103 1/2). Die Differenz zwischen seinem individuel-
len Produktionspreis und dem allgemeinen ist begrenzt durch die
Differenz zwischen seinem individuellen Kostpreis und dem allge-
meinen. Dies ist eine der Größen, die die Grenzen für seinen Sur-
plusprofit 1*) bilden. Die andre ist die Größe des allgemeinen
Produktionspreises, worin die allgemeine Profitrate als einer der
regelnden Faktoren eingeht. Würden die Kohlen wohlfeiler, so
nähme die Differenz zwischen seinem individuellen und dem allge-
meinen Kostpreis ab und daher sein Surplusprofit. Müßte er die
Ware zu ihrem individuellen Wert oder dem durch ihren individuel-
len Wert bestimmten Produktionspreis verkaufen, so fiele die Dif-
ferenz fort. Sie ist einerseits das Resultat davon, daß die Ware
zu ihrem allgemeinen Marktpreis verkauft wird, zum Preis, wozu
die Konkurrenz die Einzelpreise ausgleicht, andrerseits davon,
daß die größre individuelle Produktivkraft der von ihm in Bewe-
gung gesetzten Arbeit nicht den Arbeitern zugute kommt, sondern,
wie alle Produktivkraft der Arbeit, ihrem Anwender; daß sie sich
als Produktivkraft des Kapitals darstellt. Da die eine Schranke
dieses Surplusprofits die Höhe des allgemeinen Produktionspreises
ist, wovon die Höhe der allgemeinen Profitrate einer der Fakto-
ren, so kann er nur entspringen aus der Differenz zwischen dem
allgemeinen und dem individuellen Produktionspreis, daher aus der
Differenz zwischen der individuellen und der allgemeinen Pro-
fitrate. Ein Überschuß
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1*) 1. Auflage: sein Surplusprodukt
#656# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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über diese Differenz unterstellt den Verkauf von Produkt über,
nicht zu, dem durch den Markt geregelten Produktionspreis.
Zweitens: Bisher unterscheidet sich der Surplusprofit des Fabri-
kanten, der den natürlichen Wasserfall statt des Dampfs als
Triebkraft anwendet, in keiner Art von allem andern Surpluspro-
fit. Aller normale, d.h. nicht durch zufällige Verkaufsgeschäfte
oder durch Schwankungen des Marktpreises hervorgebrachte Sur-
plusprofit ist bestimmt durch die Differenz zwischen dem indivi-
duellen Produktionspreis der Waren dieses besondren Kapitals und
dem allgemeinen Produktionspreis, der die Marktpreise der Waren
des Kapitals dieser Produktionssphäre Oberhaupt regelt oder die
Marktpreise der Waren des in dieser Produktionssphäre angelegten
Gesamtkapitals. Aber jetzt kommt der Unterschied.
Welchem Umstand verdankt der Fabrikant im vorliegenden Fall sei-
nen Surplusprofit, den Überschuß, den der durch die allgemeine
Profitrate regulierte Produktionspreis ihm persönlich abwirft?
In erster Instanz einer Naturkraft, der Triebkraft des Wasser-
falls, der von Natur sich vorfindet und der nicht wie die Kohle,
welche Wasser in Dampf verwandelt, selbst Produkt der Arbeit ist,
daher Wert hat, durch ein Äquivalent bezahlt werden muß, kostet.
Es ist ein natürlicher Produktionsagent, in dessen Erzeugung
keine Arbeit eingeht.
Aber das ist nicht alles. Der Fabrikant, der mit der Dampfma-
schine arbeitet, wendet auch Naturkräfte an, die ihm nichts ko-
sten, die aber die Arbeit produktiver machen und, sofern sie da-
durch die Herstellung der für die Arbeiter erheischten Lebensmit-
tel verwohlfellern, den Mehrwert und daher den Profit erhöhen;
die also ganz so gut vom Kapital monopolisiert werden wie die ge-
sellschaftlichen Naturkräfte der Arbeit, die aus Kooperation,
Teilung etc. entspringen. Der Fabrikant zahlt die Kohlen, aber
nicht die Fähigkeit des Wassers, seinen Aggregatzustand zu än-
dern, in Dampf überzugehn, nicht die Elastizität des Dampfs usw.
Diese Monopolisierung der Naturkräfte, d.h. der durch sie bewirk-
ten Steigerung der Arbeitskraft, ist allem Kapital gemeinsam, das
mit Dampfmaschinen arbeitet. Sie mag den Teil des Arbeitspro-
dukts, der Mehrwert darstellt, erhöhen gegen den Teil, der sich
in Arbeitslohn verwandelt. Soweit sie dies tut, erhöht sie die
allgemeine Profitrate, aber sie schafft keinen Surplusprofit, der
eben im Oberschuß des individuellen Profits über den Durch-
schnittsprofit besteht. Daß die Anwendung einer Naturkraft, des
Wasserfalls, hier Surplusprofit schafft, kann also nicht allein
aus der Tatsache entspringen, daß die gesteigerte Produktivkraft
der Arbeit hier der Anwendung einer Naturkraft geschuldet ist. Es
müssen weitere modifizierende Umstände eintreten.
#657# 38. Kapitel - Die Differentialrente: Allgemeines
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Umgekehrt. Die bloße Anwendung von Naturkräften in der Industrie
mag auf die Höhe der allgemeinen Profitrate, weil auf die Masse
der zur Produktion notwendiger Lebensmittel erheischten Arbeit
einwirken. Sie schafft aber an und für sich keine Abweichung von
der allgemeinen Profitrate, und gerade um eine solche handelt es
sich hier. Ferner: Der Surplusprofit, den sonst ein individuelles
Kapital in einer besondren Produktionssphäre realisiert - denn
die Abweichungen der Profittaten zwischen den besondren Produkti-
onssphären gleichen sich fortwährend zur Durchschnittsprofitrate
aus -, entspringt, von den nur zufälligen Abweichungen abgesehn,
aus einer Verminderung des Kostpreises, also der Produktionsko-
sten, die entweder dem Umstand geschuldet ist, daß Kapital in
größren als den durchschnittlichen Massen angewandt wird und sich
daher die faux frais der Produktion vermindern, während die all-
gemeinen Ursachen der Steigerung der Produktivkraft der Arbeit
(Kooperation, Teilung etc.) in höherm Grade, mit mehr Intensität,
weil auf größrem Arbeitsfeld, wirken können; oder aber dem Um-
stand, daß, abgesehn vom Umfang des fungierenden Kapitals, beßre
Arbeitsmethoden, neue Erfindungen, verbesserte Maschinen, chemi-
sche Fabrikgeheimnisse etc., kurz neue, verbesserte, über dem
Durchschnittsniveau stehende Produktionsmittel und Produktionsme-
thoden angewandt werden. Die Verminderung des Kostpreises und der
daraus entfließende Surplusprofit entspringen hier aus der Art
und Weise, wie das fungierende Kapital angelegt wird. Sie ent-
springen entweder daraus, daß es in ausnahmswels großen Massen in
einer Hand konzentriert ist ein Umstand, der sich aufhebt, sobald
gleich große Kapitalmassen durchschnittlich angewandt werden -
oder daß Kapital von bestimmter Größe in besonders produktiver
Weise fungiert - ein Umstand, der wegfällt, sobald sich die ex-
zeptionelle Produktionsweise verallgemeinert oder von noch mehr
entwickelter überflügelt wird.
Die Ursache des Surplusprofits entspringt hier also aus dem Kapi-
tal selbst (worin die davon in Bewegung gesetzte Arbeit einbe-
griffen); sei es aus einem Größenunterschied des angewandten Ka-
pitals, sei es aus zweckmäßigerer Anwendung desselben; und an und
für sich steht nichts im Wege, daß alles Kapital in derselben
Produktionssphäre in derselben Weise angelegt wird. Die Konkur-
renz zwischen den Kapitalen strebt im Gegenteil, diese Unter-
schiede mehr und mehr auszugleichen; die Bestimmung des Werts
durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit setzt sich
durch in der Verwohlfellerung der Waren und dem Zwang, die Waren
unter denselben günstigen Verhältnissen herzustellen. Es verhält
sich aber anders t dem Surplusprofit des Fabrikanten, der den
Wasserfall anwendet. Die
#658# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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gesteigerte Produktivkraft der von ihm angewandten Arbeit ent-
springt weder aus dem Kapital und der Arbeit selbst, noch aus
bloßer Anwendung einer von Kapital und Arbeit unterschiednen,
aber dem Kapital einverleibten Naturkraft. Sie entspringt aus der
größren naturwüchsigen Produktivkraft der Arbeit, gebunden an die
Benutzung einer Naturkraft, aber nicht einer Naturkraft, die al-
lem Kapital in derselben Produktionssphäre zur Verfügung steht,
wie z.B. die Elastizität des Dampfs; deren Anwendung sich also
nicht von selbst versteht, sobald überhaupt Kapital in dieser
Sphäre angelegt wird. Sondern einer monopolisierbaren Naturkraft,
die wie der Wasserfall nur denen zur Verfügung steht, die über
besondre Stücke des Erdbodens und seine Appartenentien zu verfü-
gen haben. Es hängt durchaus nicht vom Kapital ab, diese Naturbe-
dingung größrer Produktivkraft der Arbeit ins Leben zu rufen, in
der Art, wie jedes Kapital Wasser in Dampf verwandeln kann. Sie
findet sich nur lokal, in der Natur vor und ist da, wo sie sich
nicht vorfindet, nicht herstellbar durch bestimmte Auslage von
Kapital. Sie ist nicht gebunden an durch Arbeit herstellbare Pro-
dukte wie Maschinen, Kohlen etc., sondern an bestimmte Naturver-
hältnisse bestimmter Teile des Bodens. Der Teil der Fabrikanten,
der die Wasserfälle besitzt, schließt den Teil, der sie nicht be-
sitzt, von der Anwendung dieser Naturkraft aus, weil der Boden
und noch mehr der mit Wasserkraft begabte Boden beschränkt ist.
Es schließt dies nicht aus, daß, obgleich die Masse der natürli-
chen Wasserfälle in einem Lande beschränkt ist, die Masse der zur
Industrie vernutzbaren Wasserkraft vermehrt werden kann. Der Was-
serfall kann künstlich abgeleitet werden, um seine Triebkraft
vollständig auszunutzen; den Fall gegeben, kann das Wasserrad
verbessert werden, um möglichst viel von der Wasserkraft zu ver-
wenden; wo das gewöhnliche Rad für die Wasserzufuhr nicht paßt,
können Turbinen angewandt werden etc. Der Besitz dieser Natur-
kraft bildet ein Monopol in der Hand ihres Besitzers, eine Bedin-
gung hoher Produktivkraft des angelegten Kapitals, die nicht
durch den Produktionsprozeß des Kapitals selbst hergestellt wer-
den kann 33); diese Naturkraft, die so monopolisierbar ist, haf-
tet immer an der Erde. Eine solche Naturkraft gehört nicht zu den
allgemeinen Bedingungen der fraglichen Produktionssphäre und
nicht zu den Bedingungen derselben, die allgemein herstellbar
sind.
Denken wir uns nun die Wasserfälle, mit dein Boden, zu dem sie
gehören, in der Hand von Subjekten, die als Inhaber dieser Teile
des Erdballs gelten' als Grundeigentümer, so schließen sie die
Anlage des Kapitals am Wasserfall
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33) Siehe über den Extraprofit die "Inquiry" (gegen Malthus).
#659# 38. Kapitel - Die Differentialrente: Allgemeines
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und seine Benutzung durch das Kapital aus. Sie können die Benut-
zung erlauben oder versagen. Aber das Kapital aus sich kann den
Wasserfall nicht schaffen. Der Surplusprofit, der aus dieser Be-
nutzung des Wasserfalls entspringt, entspringt daher nicht aus
dem Kapital, sondern aus der Anwendung einer rnonopolisierbaren
und monopolisierten Naturkraft durch das Kapital. Unter diesen
Umständen verwandelt sich der Surplusprofit in Grundrente, d.h.
er fällt dem Eigentümer des Vasserfalls zu. Zahlt der Fabrikant
diesem 10 Pfd.St. jährlich für seinen Wasserfall, so beträgt sein
Profit 15 Pfd.St.; 15% auf die 100 Pfd.St., worauf dann seine
Produktionskosten sich belaufen; und er steht sich ganz ebenso
gut, möglicherweise besser, als alle andren Kapitalisten seiner
Produktionssphäre, die mit Dampf arbeiten. Es würde nichts an der
Sache ändern, wenn der Kapitalist selbst den Wasserfall eignete.
Er würde nach wie vor den Surplusprofit von 10 Pfd.St. nicht als
Kapitalist, sondern als Eigentümer des Wasserfalls bezichn, und
eben weil dieser Überschuß nicht aus seinem Kapital als solchem,
sondern aus der Verfügung über eine von seinem Kapital trennbare,
monopolisierbare, in ihrem Umfang beschränkte Naturkraft ent-
springt, verwandelt er sich in Grundrente.
Erstens: Es ist klar, daß diese Rente immer Digerentialrente ist,
denn sie geht nicht bestimmend ein in den allgemeinen Produkti-
onspreis der Ware, sondern setzt ihn voraus. Sie entspringt stets
aus der Differenz zwischen dem individuellen Produktionspreis des
Einzelkapitals, dem die monopolisierte Naturkraft zur Verfügung
steht, und dem allgemeinen Produktionspreis des in der fraglichen
Produktionssphäre überhaupt angelegten Kapitals.
Zweitens: Diese Grundrente entspringt nicht aus der absoluten Er-
höhung der Produktivkraft des angewandten Kapitals, resp. der von
ihm angeeigneten Arbeit, die Oberhaupt nur den Wert der Waren
vermindern kann; sondern aus der größten relativen Fruchtbarkeit
bestimmter, in einer Produktionssphäre angelegter Einzelkapitale,
verglichen mit den Kapitalanlagen, die von diesen ausnahmsweisen,
naturgeschaffnen Gunstbedingungen der Produktivkraft ausgeschlos-
sen sind. Wenn z.B. die Benutzung des Dampfs, obgleich die Kohlen
Wert haben und die Wasserkraft nicht, überwiegende Vorteile ge-
währte, die bei Benutzung der Wasserkraft ausgeschlossen wären,
sie mehr als kompensierten, so würde die Wasserkraft nicht ange-
wandt und könnte keinen Surplusprofit, daher keine Rente erzeu-
gen.
Drittens: Die Naturkraft ist nicht die Quelle des Surplusprofit.
sondern nur eine Naturbasis desselben, weil die Naturbasis der
ausnahmsweis
#660# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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erhöhten Produktivkraft der Arbeit. So ist der Gebrauchswert
überhaupt Träger des Tauschwerts, aber nicht seine Ursache. Der-
selbe Gebrauchswert, könnte er ohne Arbeit verschafft werden,
hätte keinen Tauschwert, behielte aber nach wie vor seine natür-
liche Nützlichkeit als Gebrauchswert. Andrerseits aber hat ein
Ding keinen Tauschwert ohne Gebrauchswert, also ohne solchen na-
türlichen Träger der Arbeit. Glichen sich nicht die verschiednen
Werte zu Produktionspreisen und die verschiednen individuellen
Produktionspreise zu einem allgemeinen, den Markt regulierenden
Produktionspreis aus, so würde die bloße Steigerung der Produk-
tivkraft der Arbeit durch den Gebrauch des Wasserfalls nur den
Preis der mit dem Wasserfall produzierten Waren erniedrigen, ohne
den in diesen Waren steckenden Profittell zu erhöhen, ganz wie
sich andrerseits diese gesteigerte Produktivkraft der Arbeit
überhaupt nicht in Mehrwert verwandeln würde, appropriierte nicht
das Kapital die Produktivkraft, natürliche und gesellschaftliche,
der von ihm angewandten Arbeit als seine eigne. Viertens: Das
Grundeigentum am Wasserfall hat mit der Schöpfung des Teils des
Mehrwerts (Profits) und daher des Preises der Ware überhaupt die
mit Hilfe des Wasserfalls produziert wird, an und für sich nichts
zu schalten. Dieser Surplusprofit existierte auch, wenn kein
Grundeigentum existierte, wenn z.B. das Land, wozu der Wasserfall
gehörte, vom Fabrikanten als herrenloses Land benutzt würde. Das
Grundeigentum schafft also nicht den Wertteil, der sich in Sur-
plusprofit verwandelt, sondern es befähigt nur den Grundeigentü-
mer, den Eigentümer des Wasserfalls, diesen Surplusprofit aus der
Tasche des Fabrikanten in seine eigne zu locken. Es ist die Ursa-
che, nicht der Schöpfung dieses Surplusprofits, sondern seiner
Verwandlung in die Form der Grundrente, daher der Aneignung die-
ses Teils des Profits, resp. des Warenpreises, durch den Grund-
oder Wasserfallseigentümer.
Fünftens: Es ist klar, daß der Preis des Wasserfalls, also der
Preis, den der Grundeigentümer erhielte, verkaufte er ihn an eine
dritte Person oder auci, an den Fabrikanten selbst, zunächst
nicht in den Produktionspreis dei Waren eingeht, obgleich in den
individuellen Kostpreis des Fabrikanten; denn die Rente ent-
springt hier aus dem, unabhängig vom Wasserfall regulierten, Pro-
duktionspreis der mit Dampfmaschinen produzierten Waren derselben
Art. Ferner aber ist dieser Preis des Wasserfalls überhaupt ein
irrationeller Ausdruck, hinter dem sich ein reelles ökonomisches
Verhältnie versteckt. Der Wasserfall, wie die Erde überhaupt, wie
alle Naturkraft, hal keinen Wert, weil er keine in ihm vergegen-
ständlichte Arbeit darstellt und daher auch keinen Preis, der
normalster nichts ist als der in Geld ausgedrückte
#661# 38. Kapitel - Die Differentialrente- Allgemeines
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Wert. Wo kein Wert ist, kann eo ipso auch nichts in Geld darge-
stellt werden. Dieser Preis ist nichts als die kapitalisierte
Rente. Das Grundeigentum befähigt den Eigentümer, die Differenz
zwischen dem individuellen Profit und dem Durchschnittsprofit ab-
zufangen; der so abgefangne Profit, der sich jährlich erneuert,
kann kapitalisiert werden und erscheint dann als Preis der Natur-
kraft selbst. Ist der Surplusprofit, den die Benutzung des Was-
serfalls dem Fabrikanten abwirft, 10 Pfd.St. jährlich und der
Durchschnittszins 5%, so stellen diese 10 Pfd.St. jährlich den
Zins eines Kapitals von 200 Pfd.St. dar; und diese Kapitalisation
der jährlichen 10 Pfd.St., die der Wasserfall seinen Eigentümer
befähigt, dem Fabrikanten abzufangen, erscheint dann als Kapital-
wert des Wasserfalls selbst. Daß nicht dieser selbst Wert hat,
sondern sein Preis bloßer Reflex des abgefangnen Surplusprofits
ist, kapitalistisch berechnet, zeigt sich gleich darin, daß der
Preis von 200 Pfd.St. nur das Produkt des Surplusprofits von 10
Pfd.St. mit 20 Jahren darstellt, während unter sonst gleichblei-
benden Umständen derselbe Wasserfall für unbestimmte Zeit, 30,
100, x Jahre den Eigentümer befähigt, jährlich diese 10 Pfd.St.
abzufangen, und während andrerseits, wenn eine neue, nicht auf
Wasserkraft anwendbare Produktionsmethode den Kostpreis der mit
der Dampfmaschine produzierten Waren von 100 auf 90 Pfd.St. er-
niedrigte, der Surplusprofit und damit die Rente und damit der
Preis des Wasserfalls verschwende.
Nachdem wir so den allgemeinen Begriff der Differentialrente
festgesetzt, gehn wir nun zur Betrachtung derselben in der ei-
gentlichen Agrikultur über. Was von ihr gesagt wird, gilt im gan-
zen auch für Bergwerke.
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