Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       #662#
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       NEUNUNDDREISSIGSTES KAPITEL
       Erste Form der Differentialrente (Differentialrente I)
       
       Ricardo hat vollständig recht in folgenden Sätzen:
       
       "Rent" (d.h.  Differentialrente; er  unterstellt,  daß  überhaupt
       keine Rente  existiert außer  Differentialrente) "is  always  the
       difference between  the produce obtained by the employment of two
       equal quantities  of capital  and labour."  1*) ("Principies", p.
       59.)
       
       "Auf derselben  Bodenquantität", hätte  er hinzufügen müssen, so-
       weit es  sich um  Grundrente und nicht um Surplusprofit überhaupt
       handelt.
       In andern  Worten: Surplusprofit, wenn normal und nicht durch zu-
       fällige Begebenheiten  im Zirkulationsprozeß  erzeugt, wird immer
       produziert als  Differenz zwischen  dem Produkt von zwei gleichen
       Mengen Kapital  und Arbeit,  und dieser  Surplusprofit verwandelt
       sich in  Bodenrente, wenn  zwei gleiche Mengen Kapital und Arbeit
       auf gleichen  Bodenflächen mit  ungleichen Resultaten beschäftigt
       werden. Es  ist übrigens  keineswegs unbedingt  erforderlich, daß
       dieser Surplusprofit  aus den ungleichen Resultaten gleicher Men-
       gen von  beschäftigtem Kapital  entspringt. Es können auch in den
       verschiednen Anlagen  ungleich große  Kapitale beschäftigt  sein;
       dies ist  sogar meist  die Voraussetzung; aber gleiche proportio-
       nelle Teile, also z.B. 100 Pfd.St. von jedem, geben ungleiche Re-
       sultate; d.h. die Profitrate ist verschieden. Dies ist die allge-
       meine Voraussetzung  für das  Dasein des  Surplusprofits in einer
       beliebigen Sphäre der Kapitalanlage Überhaupt. Das zweite ist die
       Verwandlung dieses  Surplusprofits in  die  Form  der  Grundrente
       (überhaupt der  Rente, als einer vom Profit unterschiednen Form);
       es muß  immer untersucht werden, wann, wie, unter welchen Umstän-
       den diese Verwandlung stattfindet.
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       1*) "Rente  ist immer die Differenz zwischen dem Produkt, das man
       durch Anwendung  von zwei  gleichen Mengen Kapital und Arbeit er-
       hält."
       
       #663# 39. Kapitel - Differentialrente I
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       Ricardo hat ferner recht mit Bezug auf den folgenden Satz, sofern
       er auf Differentialrente eingeschränkt wird:
       
       "Whatever diminishes  the inequality  in the  produce obtained on
       the same  or on  new land,  tends to lower rent; and whatever in-
       creases that inequality, necessarily produces an opposite effect,
       and tends to raise it." 1*) (p. 74.)
       
       Unter diese  Ursachen aber  gehören  nicht  nur  die  allgemeinen
       (Fruchtbarkeit und  Lage), sondern  1. die  Steuerverteilung,  je
       nachdem sie  gleichmäßig wirkt  oder nicht; das letztre ist immer
       der Fall,  wenn sie,  wie in England, nicht zentralisiert ist und
       wenn die  Steuer auf  den Boden  und nicht  auf die Rente erhoben
       wird; 2. die Ungleichheiten, die aus der verschiednen Entwicklung
       der Agrikultur  in verschiednen  Landestellen  hervorgehn,  indem
       sich dieser  Industriezweig, seines traditionellen Charakters we-
       gen, schwerer nivelliert als die Manufaktur, und 3. die Ungleich-
       heit, worin Kapital unter die Pächter verteilt ist. Da die Besit-
       zergreifung der Agrikultur durch die kapitalistische Produktions-
       weise, die  Verwandlung der selbstwirtschaftenden Bauern in Lohn-
       arbeiter, in der Tat die letzte Eroberung dieser Produktionsweise
       überhaupt ist,  so sind  diese Ungleichheiten  hier größer als in
       irgendeinem andern  Industriezweig.  Nach  diesen  Vorbemerkungen
       will ich  erst ganz  kurz zusammenstellen  die Eigentümlichkeiten
       meiner Entwicklung im Unterschied der von Ricardo etc.
       
                                     ---
       
       Wir betrachten  zuerst die  ungleichen Ergebnisse gleicher Mengen
       von Kapital,  angewandt auf  verschiedne Ländereien  von gleichem
       Umfang; oder, bei ungleichem Umfang, die Ergebnisse berechnet auf
       gleich große Bodenflächen.
       Die zwei  allgemeinen, vom  Kapital unabhängigen  Ursachen dieser
       ungleichen Ergebnisse  sind: 1. die Fruchtbarkeit (es ist zu die-
       sem Punkt  1 auseinanderzusetzen, was alles und welche verschied-
       nen Momente  in der natürlichen Fruchtbarkeit der Ländereien ein-
       begriffen sind), 2. die Lage der Ländereien. Die letztre ist ent-
       scheidend bei Kolonien und Überhaupt entscheidend für die Reihen-
       folge, worin  Ländereien nacheinander in Bebauung genommen werden
       können. Ferner ist es klar, daß diese zwei verschiednen
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       1*) "Was  immer die Ungleichheit des Produkts vermindert, das man
       auf demselben  oder auf  neuem Land  erhält, hat die Tendenz, die
       Rente zu  senken; und  was immer diese Ungleichheit vermehrt, er-
       zeugt notwendigerweise  eine entgegengesetzte  Wirkung,  hat  die
       Tendenz, sie zu erhöhen."
       
       #664# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       Gründe der  Differentialrente, Fruchtbarkeit  und Lage, in entge-
       gengesetzter Richtung  wirken können. Ein Boden kann sehr gut ge-
       legen und  sehr wenig  fruchtbar sein,  und umgekehrt. Dieser Um-
       stand ist  wichtig, denn  er erklärt  uns, warum bei der Urbarma-
       chung des  Bodens eines  gegebnen Landes  ebensowohl von  besserm
       Land zu  schlechterem, wie  umgekehrt vorgeschritten werden kann.
       Endlich ist  klar, daß  der Fortschritt  der sozialen  Produktion
       überhaupt einerseits  nivellierend wirkt  auf die  Lage als Grund
       der Differentialrente,  indem er  lokale Märkte schafft und durch
       Herstellung der Kommunikations- und Transportmittel Lage schafft;
       andrerseits die  Unterschiede der  lokalen Lagen  der  Ländereien
       steigert, durch  die Trennung  der Agrikultur  von der Manufaktur
       und durch  Bildung großer  Zentren der Produktion nach der einen,
       wie durch  relative Vereinsamung  desm Landes  nach andrer  Seite
       hin.
       Zunächst aber  lassen wir  diesen Punkt, die Lage, außer acht und
       betrachten bloß  den der  natürlichen Fruchtbarkeit. Abgesehn von
       klimatischen etc.  Momenten, besteht der Unterschied der natürli-
       chen Fruchtbarkeit  im Unterschied der chemischen Zusammensetzung
       der Bodenoberfläche,  d.h. in  ihrem verschiednen  Gehalt an  den
       Nahrungsstoffen der  Pflanzen. Indes,  gleichen chemischen Gehalt
       und in diesem Sinn gleiche natürliche Fruchtbarkeit zweier Boden-
       flächen vorausgesetzt,  wird die  wirkliche, effektive Fruchtbar-
       keit verschieden  sein, je  nachdem sich  diese Nahrungsstoffe in
       einer Form  befinden, worin  sie mehr  oder minder assimilierbar,
       unmittelbar verwertbar für die Nahrung der Pflanzen sind. Es wird
       also teils  von der  chemischen, teils  von der mechanischen Ent-
       wicklung der  Agrikultur abhängen,  wieweit auf  natürlich gleich
       fruchtbaren Ländereien dieselbe natürliche Fruchtbarkeit disponi-
       bel gemacht  werden kann.  Die Fruchtbarkeit,  obgleich objektive
       Eigenschaft des  Bodens, schließt daher ökonomisch immer Relation
       ein, Relation  zum gegebnen  chemischen und mechanischen Entwick-
       lungsstand der  Agrikultur, und ändert sich daher mit diesem Ent-
       wicklungsstand. Sei  es infolge chemischer Mittel (z.B. Anwendung
       bestimmter flüssiger  Dünger auf steifem Tonboden oder auch Bren-
       nen von  schwerem Tonboden)  oder mechanischer  Mittel (z.B.  be-
       sondrer Pflüge  für schweren Boden) können die Hindernisse besei-
       tigt werden, welche gleich fruchtbaren Boden tatsächlich unergle-
       biger machten  (auch die Dränierung gehört dazu). Oder selbst die
       Reihenfolge in der Bebauung der Bodenarten kann dadurch wechseln,
       wie dies  z.B. zwischen  leichtem Sandboden und schwerem Tonboden
       für eine  Entwicklungsperiode der  englischen Agrikultur der Fall
       war. Dies  zeigt wieder, wie historisch - im sukzessiven Lauf der
       Bebauung - ebensowohl von mehr
       
       #665# 39. Kapitel - Differentialrente I
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       fruchtbarem zu  weniger  fruchtbarem  Boden  übergegangen  werden
       kann, wie  umgekehrt. Dasselbe kann geschehn durch künstlich her-
       vorgebrachte Verbesserung  in der Zusammensetzung des Bodens oder
       durch bloße  Änderung in der Agrikulturmethode. Endlich kann das-
       selbe Resultat  hervorgehn aus  Veränderung in der Hierarchie der
       Bodenarten infolge  verschiedner Verhältnisse  des  Untergrundes,
       sobald dieser  ebenfalls in den Kulturbereich gezogen und zur Ac-
       kerkrume geschlagen  wird. Dies ist bedingt teils durch Anwendung
       neuer Agrikulturmethoden  (wie Futterkräuter), teils durch mecha-
       nische Mittel,  die entweder  den Untergrund zum Obergrund machen
       oder ihn  damit vermischen  oder den Untergrund bebauen, ohne ihn
       in die Höhe zu werfen. Alle diese Einflüsse auf die Differential-
       fruchtbarkeit verschiedner  Ländereien kommen  darauf hinaus, daß
       für die  ökonomische Fruchtbarkeit  der Stand  der Produktivkraft
       der Arbeit,  hier die  Fähigkeit der  Agrikultur, die  natürliche
       Fruchtbarkeit des  Bodens sofort  ausbeutbar zu machen - eine Fä-
       higkeit, die in verschiednen Entwicklungsstufen verschieden ist -
       , ebensosehr ein Moment der sogenannten natürlichen Fruchtbarkeit
       des Bodens ist, wie seine chemische Zusammensetzung und seine an-
       dren natürlichen Eigenschaften.
       Wir setzen  also eine  gegebne Entwicklungsstufe  der  Agrikultur
       voraus. Wir setzen ferner voraus, daß die Hierarchie der Bodenar-
       ten mit  Beziehung auf diese Entwicklungsstufe berechnet ist, wie
       es natürlich  für gleichzeitige Kapitalanlagen auf den verschied-
       nen Undereien stets der Fall ist. Dann kann die Differentialrente
       sich in  aufsteigender oder  absteigender Reihenfolge darstellen,
       denn obgleich  die Reihenfolge  gegeben ist für die Totalität der
       wirklich bebauten  Lindereien, hat stets eine sukzessive Bewegung
       stattgefunden, worin sie gebildet wurde.
       Unterstelle 4  Bodenarten, A,  B, C,  D. Unterstelle  ferner  den
       Preis eines  Quarters Weizen = 3 Pfd.St. oder 60 sh. Da die Rente
       bloße Differentialrente  ist, ist  dieser Preis  von 60  sh.  per
       Quarter für den schlechtesten Boden gleich den Produktionskosten,
       d.h. gleich Kapital plus Durchschnittsprofit.
       A sei  dieser schlechteste  Boden und  gebe für  50 sh. Auslage 1
       Quarter - 60 sh.; also 10 sh. Profit oder 20%.
       B gebe  für dieselbe Auslage 2 Quarters = 120 sh. Es wäre dies 70
       sh. Profit oder ein Surplusprofit von 60 sh.
       C gebe  bei gleicher Auslage 3 qrs. = 180 sh.; Gesamtprofit = 130
       sh. Surplusprofit = 120 sh.
       D gebe 4 qrs. = 240 sh. = 180 sh. Surplusprofit.
       
       #666# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       Wir hätten dann folgende Reihenfolge:
       
                                 Tabelle I
                   Produkt    Kapital-    Profit       Rente
       Bodenart Quar- Schill- vorschuß Quar- Schill- Quar- Schill-
                ters  inge             ters  inge    ters  inge
           A     1     60       50      1/6   10       -     -
           B     2    120       50    1 1/6   70       1    60
           C     3    180       50    2 1/2  130       2   120
           D     4    240       50    3 1/6  190       3   180
       -------------------------------------------------------
       Total    10    600                              6   360
       
       Die respektiven  Renten waren  für D = 190 sh. - 10 sh., oder die
       Differenz zwischen D und A; für C = 130 - 10 sh., oder die Diffe-
       renz zwischen  C und  A; für B = 70 sh. - 10 sh., oder die Diffe-
       renz zwischen B und A; und die Gesamtrente für B, C, D = 6 qrs. =
       360 sh., gleich der Summe der Differenzen von D und A, C und A, B
       und A.
       Diese Reihenfolge, die ein gegebnes Produkt in einem gegebnen Zu-
       stand darstellt,  kann ebensowohl,  abstrakt betrachtet  (und wir
       haben schon  die Gründe  angegeben, warum  dies auch in der Wirk-
       lichkeit der  Fall sein kann), in absteigender Reihenfolge (von D
       bis A herabsteigend, von fruchtbarem zu stets unfruchtbarerem Bo-
       den) wie  in aufsteigender  Stufenfolge (von A nach D heraufstei-
       gend, von  relativ unfruchtbarem  zu immer  fruchtbarerem Boden),
       endlich wechselnd,  bald ab-, bald aufsteigend, z.B. von D auf C,
       von C auf A, von A auf B, hervorgebracht sein.
       Der Prozeß  bei der  absteigenden Folge  war der:  der Preis  des
       Quarters steigt allmählich von sage 15 sh. auf 60. Sobald die von
       D produzierten  4 qrs.  (worunter man sich Millionen denken kann)
       nicht mehr  ausreichten, stieg  der Weizenpreis  so weit, daß die
       fehlende Zufuhr  von C  geschafft werden  konnte. D.h., der Preis
       mußte auf  20 sh.  per qr. gestiegen sein. Sobald der Weizenpreis
       auf 30  sh. per  qr. stieg,  konnte 13,  sobald er  auf 60 stieg,
       konnte A  in Bebauung  genommen werden,  ohne daß das darauf ver-
       wandte Kapital  sich mit einer geringem Profitrate als 20% zu be-
       gnügen hatte.  Es bildete  sich so eine Rente für D, zuerst von 5
       sh. per  qr. = 20 sh. für die 4 qrs., die es produziert; dann von
       15 sh.  per qr.  60 sh.,  dann von 45 sh. per qr. = 180 sh. für 4
       qrs. War  die Profitrate  von D  ursprünglich ebenfalls = 20%, so
       war sein  Gesamtprofit auf  die 4  qrs. auch nur 10 sh., was aber
       mehr Korn vorstellte
       
       #667# 39. Kapitel - Differentialrente
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       bei einem Kornpreis von 15 sh. als bei dem von 60 sh. Da aber das
       Korn in  die Reproduktion  der Arbeitskraft eingeht und von jedem
       Quarter ein Teil Arbeitslohn ersetzen muß und ein andrer konstan-
       tes Kapital,  so war  unter dieser Voraussetzung der Mehrwert hö-
       her, also  auch, bei  sonst gleichbleibenden  Umständen, die Pro-
       fitrate. (Die  Sache über  die Profitrate noch besonders und mehr
       im Detail zu untersuchen.)
       War dagegen  die Reihenfolge umgekehrt, fing der Prozeß von A an,
       so stieg,  sobald neues  Ackerland  in  Bebauung  gesetzt  werden
       mußte, erst  der Preis  des Quarters über 60 sh.; da aber die nö-
       tige Zufuhr  von B geliefert wurde, die nötige Zufuhr von 2 qrs.,
       fiel er  wieder auf 60 sh.; indem zwar B das qr. zu 30 sh. produ-
       zierte, es  aber zu  60 verkaufte,  weil seine  Zufuhr gerade nur
       hinreichte, die  Nachfrage zu decken. So bildete sich eine Rente,
       zunächst von  60 sh.  für B,  und in derselben Weise für C und D;
       immer vorausgesetzt,  daß, obgleich  sie beide relativ das qr. zu
       20 und  zu 15  sh. wirklichern Wert lieferten, der Marktpreis auf
       60 sh.  bleibt, weil die Zufuhr des einen qr., welches A liefert,
       nach wie  vor notwendig  ist, um den Gesamtbedarf zu befriedigen.
       In diesem  Fall würde  das Steigen der Nachfrage über den Bedarf,
       den erst  A, dann  A und B befriedigten, nicht bewirkt haben, daß
       B, C, D sukzessive angebaut werden konnten, sondern daß überhaupt
       das Feld  der Urbarmachung  ausgedehnt  wurde  und  zufällig  die
       fruchtbareren Ländereien erst später in seinen Bereich fielen.
       In der  ersten Reihe  würde mit der Zunahme des Preises die Rente
       steigen und  die Profitrate  abnehmen. Diese Abnahme könnte durch
       entgegenwirkende Umstände  ganz oder teilweis paralysiert werden;
       auf diesen  Punkt ist  später näher einzugehn. Es darf nicht ver-
       gessen werden,  daß die  allgemeine Profitrate  nicht  durch  den
       Mehrwert in   a l l e n   Produktionssphären gleichmäßig bestimmt
       ist. Es  ist nicht der agrikole Profit, der den industriellen be-
       stimmt, sondern umgekehrt. Doch darüber später.
       In der zweiten Reihe bliebe die Profitrate auf das ausgelegte Ka-
       pital dieselbe;  die Masse des Profits würde sich in weniger Korn
       darstellen; aber der relative Preis des Korns, verglichen mit an-
       dren Waren, wäre gestiegen. Nur würde die Zunahme des Profits, wo
       eine solche  stattfindet, statt  in die Taschen der industriellen
       Pächter zu  fließen und  sich als wachsender Profit darzustellen,
       sich vom  Profit abzweigen  in der  Form der Rente. Der Kornpreis
       bliebe aber unter der gemachten Voraussetzung stationär.
       Entwicklung und Wachstum der Differentialrente blieben dieselben,
       sowohl bei gleichbleibenden wie bei steigenden Preisen und sowohl
       bei dem  kontinuierlichen Progreß von schlechteren zu besserm Bo-
       den wie  bei kontinuierlichem Regreß von besserrn zu schlechteren
       Boden.
       
       #668# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       Bisher haben  wir angenommen,  1. daß der Preis in der einen Rei-
       henfolge steigt,  in der  andern stationär bleibt, und 2. daß be-
       ständig von  besserrn zu schlechterrn oder umgekehrt von schtech-
       terrn zu besserrn Boden fortgegangen wird.
       Nehmen wir aber an, der Getreidebedarf steige von den ursprüngli-
       chen 10  auf 17 qrs.; ferner, der schlechteste Boden A werde ver-
       drängt durch  einen andern Boden A, der mit den Produktionskosten
       von 60  sh. (50  sh. Kost  plus 10  sh. für 20% Profit) 1 1/3 qr.
       liefert, dessen  Produktion.preis für  den qr. also = 45 sh.; der
       auch, der  alte Boden A habe sich infolge fortgesetzter rationel-
       ler Bebauung verbessert oder sei bei gleichbleibenden Kosten pro-
       duktiver bebaut  worden, z.B.  durch Einführung von Klee etc., so
       daß sein Produkt bei gleichbleibendem Kapitalvorschuß auf 1/3 qr.
       steigt. Nehmen  wir ferner  an, die  Bodenarten B, C, D lieferten
       nach wie  vor dasselbe  Produkt, aber es seien neue Bodenarten A'
       von einer  Fruchtbarkeit zwischen A und B, ferner B', B'' von ei-
       ner Fruchtbarkeit  zwischen B  und C in Anbau gekommen, in diesem
       Falle würden folgende Phänomene stattfinden.
       Erstens: Der  Produktionspreis des  qr. Weizen oder sein regulie-
       render Marktpreis wäre gefallen von 60 auf 45 ah. oder um 25%.
       Zweitens: Es  wäre gleichzeitig  von fruchtbarerem zu unfruchtba-
       rerem Boden  und von weniger fruchtbarem zu fruchtbarerem fortge-
       gangen worden. Der Boden A' ist fruchtbarer als A, aber unfrucht-
       barer als die bisher bebauten B, C, D; und B', B'' sind fruchtba-
       rer als A, A' und B, aber unfruchtbarer als C und D. Es wäre also
       die Reihenfolge  in Kreuz-  und Querzügen gegangen; es wäre nicht
       zu absolut  unfruchtbarerem Boden fort. gegangen worden gegenüber
       A etc.,  aber zu relativ unfruchtbarerem, verglichen mit den bis-
       her fruchtbarsten  Bodenarten C  und D; es wäre andrerseits nicht
       zu absolut fruchtbarerem Boden fortgegangen worden, aber zu rela-
       tiv fruchtbarerem gegenüber den bisher unfruchtbarsten A, resp. A
       und B.
       Drittens: Die  Rente auf  B wäre gefallen; ebenso die Rente von C
       und D;  aber das  Gesamtrental in  Korn wäre gestiegen von 6 qrs.
       auf 7  2/3; die Masse der bebauten und Rente tragenden Ländereien
       hätte zugenommen  und die  Masse des Produkts von 10 qrs. auf 17.
       Der Profit,  wenn gleichbleibend  für A, wäre in Korn ausgedruckt
       gestiegen; aber  die Profitrate selbst hätte steigen können, weil
       der relative  Mehrwert. In  diesem Fall wären wegen Verwohlfeile-
       rung der Lebensmittel der Arbeitslohn, also die Auslage an varia-
       blem Kapital  gefallen, also auch die Gesamtauslage. In Geld wäre
       das Gesamtrental gefallen von 360 sh. auf 345.
       
       #669# 39. Kapitel - Differentialrente I
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       Wir wollen die neue Reihenfolge hierherstellen.
       
                                  Tabelle II
                  Produkt   Kapital-   Profit     Rente     Produktions-
                                                            preis
       Bodenart Quar Schill auslage Quar Schill Quar Schill per Quarter
                ters inge           ters inge   ters inge
       A        1 1/2   60    50    2/9   10     -    -       45     sh.
       A'       1 2/3   75    50    5/9   25    1/3   15      36     "
       B        2       90    50    8/9   40    2/3   30      30     "
       B'       2 1/3  105    50  1 2/9   55     1    45      25 5/7 "
       B''      2 2/3  120    50  1 5/9   70  1 1/3   60      22 1/2 "
       C        3      135    50  1 8/9   85  1 2/3   75      20     "
       D        4      180    50  2 8/9  130  2 2/3  120      15     "
       ----------------------------------------------------------------
       Total   17                             7 2/3  345
       
       Waren endlich  nur die  Bodenarten A, B, C, D nach wie vor kulti-
       viert, aber  ihre Ertragfähigkeit derart gesteigert worden, daß A
       statt 1  qr. 2,  B statt 2 qrs. 4, C statt 3 qrs. 7 und D statt 4
       qrs. 10  produziert hätte,  so daß  also dieselben  Ursachen ver-
       schieden auf  die verschiednen Bodenarten gewirkt hätten, so wäre
       die Gesamtproduktion gestiegen von 10 qrs. auf 23. Nehmen wir an,
       daß die  Nachfrage infolge  des Steigens  der Bevölkerung und des
       Sinkens des  Preises diese  23 qrs.  absorbiert hätte,  so ergäbe
       sich folgendes Resultat:
       
                                  Tabelle III
                  Produkt   Kapital- Produktions-  Profit     Rente
                                     preis
       Bodenart Quar Schill auslage  per Quarter Quar Schill Quar Schill
                ters inge                        ters inge   ters inge
       A        2       60     50    30           1/3   10     0    0
       B        4      120     50    15         2 1/3   70     2   60
       C        7      210     50     8 4/7     5 1/3  160     5  150
       D       10      300     50     6         8 1/3  250     8  240
       --------------------------------------------------------------
       Total   23                                             15  450
       
       Die Zahlenverhältnisse  sind hier,  wie bei den übrigen Tabellen,
       will, kürlich, aber die Annahmen sind durchaus rationell.
       Die erste und Hauptannahme ist, daß die Verbesserung in der Agri-
       kultur auf  verschiedne Bodenatten  ungleichmäßig wirkt  und hier
       auf die  sten Bodenarten  C und D mehr wirkt als auf A und B. Die
       Erfahrung hat  gezeigt, daß  dies in  der Regel  sich so verhält,
       wenn auch  der umgekehrte Fall eintreten kann. Wirkte die Verbes-
       serung mehr auf den schlechtern
       
       #670# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       Boden als auf den bessern, so wäre die Rente auf den letztren ge-
       fallen statt  zu steigen. - Mit dem absoluten Wachsen der Frucht-
       barkeit aller Bodenarten ist in der Tabelle aber zugleich voraus-
       gesetzt das  Wachsen der  höhern relativen  Fruchtbarkeit bei den
       bessern Bodenarten  C und D, daher Wachsen der Differenz des Pro-
       dukts bei  gleicher Kapitalanlage und daher Wachsen der Differen-
       tialrente.
       Die zweite  Voraussetzung ist,  daß mit dem wachsenden Gesamtpro-
       dukt der  Gesamtbedarf Schritt hält. Erstens braucht man sich das
       Wachstum nicht  als plötzlich  erfolgt zu denken, sondern allmäh-
       lich, bis die Reihe III hergestellt wird. Zweitens ist es falsch,
       daß der  Konsum notwendiger  Lebensmittel nicht  wächst mit ihrer
       Verwohlfeilerung. Die Abschaffung der Korngesetze [17] in England
       (siehe Newman [99]) hat das Gegenteil bewiesen, und die entgegen-
       gesetzte Vorstellung  ist nur  daher entstanden,  daß  große  und
       plötzliche Unterschiede  in den  Ernten, die  bloß dem Wetter ge-
       schuldet sind,  in den  Getreidepreisen bald  unverhältnismäßigen
       Fall, bald  unverhältnismäßiges Steigen  hervorbringen. Wenn hier
       die plötzliche  und kurzlebige  Verwohlfeilerung nicht  Zeit  be-
       kommt, ihre  volle Wirkung  auf Ausdehnung  der  Konsumtion  aus-
       zuüben, so  ist das  Gegenteil der  Fall, wo die Verwohlfellerung
       aus dem  Sinken des  regulierenden Produktionspreises selbst her-
       vorgeht, also  von Dauer  ist. Drittens:  Ein Teil des Ge treides
       kann als  Branntwein oder Bier verzehrt werden. Und der steigende
       Konsum dieser  beiden Artikel  ist keineswegs in enge Grenzen ge-
       bunden. Viertens  hängt die Sache teils vom Wachstum der Bevölke-
       rung ab, teils kann das Land ein Kornexportland sein, wie England
       bis über  die Mitte  des 18. Jahrhunderts hinaus noch war, so daß
       der Bedarf nicht durch die Grenzen der bloß nationalen Konsumtion
       reguliert ist.  Endlich kann  Vermehrung und Verwohlfeilerung der
       Produktion von  Weizen die Folge haben, daß statt Roggen oder Ha-
       fer Weizen  Hauptnahrungsmittel der  Volksmasse wird,  also schon
       dadurch der  Markt dafür  wächst, wie bei abnehmendem Produkt und
       zunehmendem Preis  der umgekehrte  Fall eintreten  kann. -  Unter
       diesen Voraussetzungen  also und  bei den angenommenen Zahlenver-
       hältnissen gibt die Reihe III das Resultat, daß der Preis per qr.
       fällt von 60 auf 30 sh., also um 50%, daß die Produktion, vergli-
       chen mit  Reihe I,  wächst von  10 auf 23 qrs., also um 130%; daß
       die Rente auf Boden B stationär bleibt, auf C sich um 25% und auf
       D sich um 33 1/3 % erhöht, und daß das Gesamtrental steigt von 18
       auf 22 1/2 Pfd.St., also um 25%. 1*)
       -----
       1*) 1. Auflage: daß die Rente auf Boden B stationär bleibt, auf C
       sich verdoppelt  und auf  D sich  mehr als verdoppelt und daß das
       Gesamtrental steigt von 18 auf 22 Pfd. St., also um 22 1/9 %.
       
       #671# 39. Kapitel - Differentialrente I
       -----
       Es ergibt  sich aus  der Vergleichung  der drei  Tabellen  (wovon
       Reihe I  doppelt zu  nehmen ist, von A zu D aufsteigend und von D
       zu A  herabsteigend), die entweder als gegebne Abstufungen in ei-
       nem gegebnen  Zustand der  Gesellschaft aufgefaßt werden können -
       z.B. nebeneinander  in drei  verschiednen Ländern - oder als auf-
       einander folgend  in verschiednen Zeitabschnitten der Entwicklung
       desselben Landes, es ergibt sich:
       1. Daß die Reihe, wenn fertig - welches immer der Gang ihres Bil-
       dungsprozesses gewesen sein mag - immer so erscheint, daß sie ab-
       steigend ist;  denn bei  Betrachtung der Rente wird man immer zu-
       erst ausgehn  von dem Boden, der das Maximum von Rente trägt, und
       erst zuletzt zu dem kommen, der keine Rente trägt.
       2. Der  Produktionspreis des schlechtesten, keine Rente tragenden
       Bodens ist  stets der  regulierende Marktpreis, obgleich letztrer
       bei Tabelle  I, wenn sie sich in aufsteigender Reihe bildete, nur
       dadurch stationär  bliebe, daß immer besserer Boden bebaut würde.
       In diesem Falle ist der Preis des auf dem besten Boden produzier-
       ten Korns insoweit regulierend, als es von dem davon produzierten
       Quantum abhängt,  wieweit der  Boden A regulierend bleibt. Würden
       B, C,  D über den Bedarf produzieren, so hörte A auf, regulierend
       zu sein.  Dies schwebt Storch vor, wenn er die beste Bodenart zur
       regulierenden macht. [100] In dieser Art reguliert der amerikani-
       sche Getreidepreis den englischen.
       3. Die  Differentialrente entspringt aus dem für den jedesmal ge-
       gebnen Entwicklungsgrad  der Kultur  gegebnen Unterschied  in der
       natürlichen Fruchtbarkeit  der Bodenart  (hier noch  abgesehn von
       der Lage),  also aus  dem beschränkten  Umfang der  besten Lände-
       reien, und dem Umstand, daß gleiche Kapitale angelegt werden müs-
       sen auf  ungleiche Bodenarten,  die also für dasselbe Kapital un-
       gleiches Produkt abwerfen.
       4. Das  Vorhandensein einer Differentialrente und einer graduier-
       ten Differentialrente  kann hervorgehn  ebensogut in absteigender
       Stufenleiter, durch  Fortgang von besserem Boden zu schlechterem,
       wie umgekehrt von schlechterem zu besserem, oder durch Kreuz- und
       Querzüge in  abwechselnder Richtung.  (Reihe 1  kann sich  bilden
       durch Fortgang  sowohl von D zu A wie von A zu D. Reihe II umfaßt
       Bewegungen beider Art.)
       5. Je  nach ihrer  Bildungsweise kann  die Differentialrente  bei
       stationärem, steigendem  und fallendem  Preis  des  Bodenprodukts
       sich ausbilden. Bei fallendem Preis kann die Gesamtproduktion und
       das Gesamtrental  steigen und  sich Rente  auf bisher  rentelosen
       Ländereien bilden,  obgleich der  schlechteste Boden A durch bes-
       sern verdrängt  oder selbst  besser geworden  ist und  obwohl die
       Rente auf andren beßren und selbst den besten Bodenarten
       
       #672# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       fällt (Tabelle  II); dieser Prozeß kann auch mit einem Fallen des
       Gesamtrentals (in  Geld) verbunden sein. Endlich kann bei fallen-
       den Preisen,  die einer  allgemeinen Verbesserung  der Kultur ge-
       schuldet sind,  so daß  das Produkt  und der  Produktenpreis  des
       schlechtesten Bodens  fällt, die Rente auf einem Teil der bessern
       Bodenarten gleichbleiben  oder fallen, aber auf den besten Boden-
       arten wachsen. Die Differentialrente jedes Bodens, verglichen mit
       dem schlechtesten  Boden, hängt allerdings vom Preis z.B. des qr.
       Weizen ab,  wenn die  Differenz der  Produktenmasse gegeben  ist.
       Aber wenn  der Preis  gegeben ist, hängt sie ab von der Größe der
       Differenz der  Produktenmasse, und  wenn bei steigender absoluter
       Fruchtbarkeit alles  Bodens diejenige der bessern Bodensorten re-
       lativ mehr  steigt als  die der  schlechtem, so wächst damit auch
       die Größe  dieser Differenz.  So ist (Tabelle I) bei einem Preise
       von 60  sh. die  Rente auf  D bestimmt durch sein differentielles
       Produkt gegen  A, also  durch den Überschuß von 3 qrs.; die Rente
       ist daher = 3 x 60 = 180 sh. Aber in Tabelle III, wo der Preis 30
       sh., ist sie bestimmt durch die Masse des überschüssigen Produkts
       von D über A = 8 qrs., aber 8 x 30 = 240 sh.
       Es fällt  hiermit die erste falsche Voraussetzung der Differenti-
       alrente fort,  wie sie  noch bei West, Malthus, Ricardo herrscht,
       daß sie  nämlich notwendig  Fortgang zu  stets schlechteren Boden
       voraussetzt oder  stets abnehmende  Fruchtbarkeit der Agrikultur.
       [101] Sie kann, wie wir gesehn haben, stattfinden bei Fortgang zu
       stets besserm  Boden; sie kann stattfinden, wenn ein besserer Bo-
       den, statt  des frühern schlechtem, die unterste Stelle einnimmt;
       sie kann  mit steigendem  Fortschritt in der Agrikultur verbunden
       sein. Ihre  Bedingung ist nur Ungleichheit der Bodenarten. Soweit
       die Entwicklung  der Produktivität in Betracht kommt, unterstellt
       sie, daß  die Steigerung der absoluten Fruchtbarkeit des Gesamta-
       reals diese Ungleichheit nicht aufhebt, sondern sie entweder ver-
       mehrt oder stationär läßt oder nur vermindert.
       Von Anfang  bis Mitte  des 18. Jahrhunderts herrschte in England,
       trotz des  fallenden Preises  von Gold oder Silber, fortwährendes
       Sinken der Getreidepreise neben gleichzeitigem (die ganze Periode
       betrachtet) Wachsen  der Rente,  des Rentals, des Umfangs der be-
       bauten Ländereien,  der agrikolen Produktion und der Bevölkerung.
       Dies entspricht  der Tabelle I, kombiniert mit Tabelle II in auf-
       steigender Linie,  aber so, daß der schlechteste Boden A entweder
       verbessert oder  aus der  Bebauung  mit  Getreide  hinausgeworfen
       wird; was jedoch nicht bedeutet, daß er nicht zu andern landwirt-
       schaftlichen oder industriellen Zwecken benutzt wurde.
       Von Anfang  des 19.  Jahrhunderts an  (Datum näher anzugeben) bis
       1815
       
       #673# 39. Kapitel - Differentialtente I
       -----
       fortwährendes Steigen der Getreidepreise, mit beständigem Wachsen
       der Rente,  des Rentals, des Umfangs der bebauten Ländereien, der
       agrikolen Produktion und der Bevölkerung. Dies entspricht Tabelle
       I in  absteigender Linie.  (Es ist hier Zitat anzufahren über die
       Bebauung schlechterer Ländereien in Jener Zeit.)
       Zu Pettys  und Davenants  Zeit, Klagen der Landleute und Grundbe-
       sitzer über  die Verbesserungen  und Urbarmachungen,  Fallen  der
       Rente auf den bessern Ländereien, Steigen des Gesamtrentals durch
       Erweiterung des Rente tragenden Bodens.
       (Zu diesen  drei Punkten  weitere Zitate nachher zu geben; ebenso
       über die Differenz in der Fruchtbarkeit der verschiednen bebauten
       Bodenteile in einem Lande.)
       Es ist  bei der  Differentialrente überhaupt zu bemerken, daß der
       Marktwert immer  über dem  Gesamtproduktionspreis der  Produkten-
       masse steht. Nehmen wir z.B. Tabelle I. Die 10 qrs. Gesamtprodukt
       werden verkauft zu 600 sh., weil der Marktpreis durch den Produk-
       tionspreis von  A bestimmt  ist, der  60 sh. per qr. beträgt. Der
       wirkliche Produktionspreis aber ist.
       
       A    1 qr.  = 60 sh.;               1 qr. = 60 sh.
       B    2 qrs. = 60 sh.;               1 qr. = 30 sh.
       C    3 qrs. = 60 sh.;               1 qr. = 20 sh.
       D    4 qrs. = 60 sh.;               1 qr. = 15 sh.
       --------------------------------------------------
           10 qrs. = 240 sh.; Durchschnitt 1 qr. = 24 sh.
       
       Der wirkliche  Produktionspreis der 10 qrs. ist 240 sh.; sie wer-
       den verkauft  zu 600, 250% zu teuer. Der wirkliche Durchschnitts-
       preis für 1 qr. ist 24 sh.; der Marktpreis 60 sh., ebenfalls 250%
       zu teuer.
       Es ist  dies die  Bestimmung durch den Marktwert, wie er sich auf
       Basis der  kapitalistischen Produktionsweise vermittelst der Kon-
       kurrenz durch. setzt; diese erzeugt einen falschen sozialen Wert.
       Dies entspringt  aus dem Gesetz des Marktwerts, dem die Bodenpro-
       dukte unterworfen  werden. Die Bestimmung des Marktwerts der Pro-
       dukte, also  auch der  Bodenprodukte, ist  ein gesellschaftlicher
       Akt, wenn  auch ein  gesellschaftlich unbewußt  und unabsichtlich
       vollzogner, der mit Notwendigkeit auf dem Tauschwert des Produkts
       beruht, nicht auf dem Boden und den Differenzen seiner Fruchtbar-
       keit. Denkt  man sich  die kapitalistische  Form der Gesellschaft
       aufgehoben und  die Gesellschaft als bewußte und planmäßige Asso-
       ziation organisiert,  so stellten  die 10  qrs. ein Quantum selb-
       ständiger Arbeitszeit  vor, gleich  dem, das in 240 sh. enthalten
       ist. Die Gesellschaft würde also dies Bodenprodukt nicht erkaufen
       zu dem 2 1/2fachen der wirklichen Arbeitszeit,
       
       #674# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       die darin  steckt; die  Basis einer  Klasse von  Grundeigentümern
       fiele damit  weg. Es  würde dies ganz ebenso wirken wie eine Ver-
       wohlfeilerung des  Produkts zu  gleichem Betrag durch fremde Ein-
       fuhr. So richtig es daher ist zu sagen, daß - die jetzige Produk-
       tionsweise beibehalten, aber vorausgesetzt, daß die Differential-
       rente dem  Staat zufiele - die Preise der Bodenprodukte bei sonst
       gleichbleibenden Umständen  dieselben bleiben  würden, so  falsch
       ist es  zu sagen,  daß der  Wert der Produkte derselbe bliebe bei
       Ersetzung der  kapitalistischen Produktion durch Assoziation. Die
       Dieselbigkeit des  Marktpreises für  Waren derselben  Art ist die
       Weise, worin  sich der  gesellschaftliche Charakter des Werts auf
       Basis der kapitalistischen Produktionsweise und überhaupt der auf
       Warenaustausch zwischen  e i n z e l n e n  beruhenden Produktion
       durchsetzt. Was  die Gesellschaft,  als Konsument betrachtet, zu-
       viel zahlt  für die Bodenprodukte, was ein Minus der Realisierung
       ihrer Arbeitszeit  in Bodenproduktion  bildet, bildet  jetzt  das
       Plus für einen Teil der Gesellschaft, die Grundeigentümer.
       Ein zweiter Umstand, wichtig für das unter II im nächsten Kapitel
       Darzustellende, ist  dieser: Es  handelt sich  nicht nur  um  die
       Rente per  Acre oder  per Hektare,  überhaupt um  den Unterschied
       zwischen Produktionspreis und Marktpreis, oder zwischen individu-
       ellem und allgemeinem Produktionspreis per Acre, sondern es kommt
       auch darauf  an, wieviel Acres von jeder Bodenart in Kultur sind.
       Die Wichtigkeit  betrifft hier unmittelbar nur die Größe des Ren-
       tals, d.h.  der Totalrente  der ganzen  bebauten Fläche; es dient
       uns aber  zugleich als  Übergang zur Entwicklung des Steigens der
       R a t e   d e r   R e n t e,   obgleich die Preise weder steigen,
       noch die  Die Grenzen in der relativen Fruchtbarkeit der Bodenar-
       ten bei fallenden Preisen. Wir hatten oben:
       
                                 Tabelle I
       Bodenart  Acres  Produktionskosten  Produkt  Kornrente  Geldrente
       A          1          3 Pfd.St.      1 qr.      0       0
       B          1          3  "  "        2 qrs.     1 qr.   3 Pfd.St.
       C          1          3  "  "        3  "       2 qrs.  6  "  "
       D          1          3. "  "        4  "       3  "    9  "  "
       ----------------------------------------------------------------
       Summa      4                        10 qrs.     6 qrs. 18 Pfd.St.
       
       Nehmen wir nun an, die Zahl der bebauten Acres verdoppeln sich in
       jeder Klasse, so haben wir:
       
       #675# 39. Kapitel - Differentialrente I
       -----
                                 Tabelle Ia
       Bodenart  Acres  Produktionskosten  Produkt  Kornrente  Geldrente
       A          2          6 Pfd.St.      2 qrs.     0       0
       B          2          6  "  "        4 qrs.     2 qrs.  6 Pfd.St.
       C          2          6  "  "        6  "       4  "   12  "  "
       D          2          6  "  "        8  "       6  "   18  "  "
       ----------------------------------------------------------------
       Summa      8                        20 qrs.    12 qrs. 36 Pfd.St.
       
       Wir wollen  noch zwei Fälle annehmen, den ersten, daß die Produk-
       tion sich auf den beiden geringsten Bodenarten ausdehnt, also wie
       folgt:
       
                                 Tabelle Ia
       Bodenart  Acres  Produktionskosten  Produkt  Kornrente  Geldrente
                       per Acre  insgesamt
       A          4    3 Pfd.St. 12 Pfd.St.  4 qrs.    0       0
       B          4    3  "  "   12  "  "    8  "      4 qrs. 12 Pfd.St.
       C          2    3  "  "    6  "  "    6  "      4  "   12  "  "
       D          2    3  "  "    6  "  "    8  "      6  "   18  "  "
       ----------------------------------------------------------------
       Summa     12              36 Pfd.St. 26 qrs.   14 qrs. 42 Pfd.St.
       
       und schließlich  ungleiche Ausdehnung  der Produktion und des be-
       bauten Gebiets auf den vier Bodenklassen:
       
                                 Tabelle Ic
       Bodenart  Acres  Produktionskosten  Produkt  Kornrente  Geldrente
                       per Acre  insgesamt
       A         1     3 Pfd.St.  3 Pfd.St.  1 qr.     0       0
       B         2     3  "  "    6  "  "    4 qrs.    2 qrs.  6 Pfd.St.
       C         5     3  "  "   15  "  "   15  "     10  "   30  "  "
       D         4     3  "  "   12  "  "   16  "     12  "   36  "  "
       ----------------------------------------------------------------
       Summa    12               36 Pfd.St. 36 qrs.   24 qrs. 72 Pfd.St.
       
       Zunächst bleibt  in allen  diesen Fällen  I, Ia, Ib, Ic die Rente
       per Acre dieselbe; denn in der Tat ist das Ergebnis derselben Ka-
       pitalmasse auf  je 1  Acre derselben Bodenart unverändert geblie-
       ben; es  ist nur  unterstellt, was in jedem nde in jedem gegebnen
       Augenblick der Fall ist, nämlich daß
       
       #676# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       die verschiednen  Bodenarten in  bestimmten Verhältnissen  an dem
       gesamten bebauten  Boden partizipieren;  und was in zwei Ländern,
       verglichen miteinander,  oder in  demselben Lande in verschiednen
       Zeitpunkten, beständig der Fall ist, daß das Verhältnis wechselt,
       worin der bebaute Gesamtboden sich unter sie verteilt.
       Vergleichen wir  Ia mit  I, so  sehn wir, daß, wenn der Anbau der
       Ländereien der  vier Klassen  in gleicher  Proportion wächst, mit
       der Verdopplung der bebauten Acres sich die Gesamtproduktion ver-
       doppelt und ebenso Korn- und Geldrente.
       Vergleichen wir  aber Ib  und Ic nacheinander mit I, so findet in
       beiden Fällen  eine Verdreifachung in der der Kultur unterworfnen
       Bedenfläche statt.  Sie steigt  in beiden  Fällen von 4 Acres auf
       12, aber in Ib nehmen Klasse A und B, von denen A keine Rente und
       B die geringste Differentialrente trägt, den bedeutendsten Anteil
       am Zuwachs,  nämlich von den 8 neubebauten-Acres fallen je 3, zu-
       sammen 6,  auf A und B, während nur je 1, zusammen 2, auf C und D
       fallen. In  andren Worten:  3/4 des Zuwachses fallen auf A und B,
       und nur  1/4 auf  C und  D. Dies vorausgesetzt, entspricht in Ib,
       verglichen mit  I, dem verdreifachten Umfang der Kultur kein ver-
       dreifachtes Produkt, denn das Produkt steigt von 10 nicht auf 30,
       sondern nur  auf 26. Andrerseits, da ein bedeutender Teil des Zu-
       wachses auf A stattfand, das keine Rente abwirft, und von dem Zu-
       wachs auf  die bessern  Ländereien der Hauptteil auf Klasse B, so
       steigt die  Kornrente nur von 6 auf 14 qrs. und die Geldrente von
       18 auf 42 Pfd.St.
       Vergleichen wir dagegen Ic mit I, wo der nicht Rente zahlende Bo-
       den gar nicht an Umfang wächst, der der Minimalrente nur schwach,
       während der  Hauptzuwachs auf  C und  D fällt, so finden wir, daß
       mit der verdreifachten bebauten Bodenfläche die Produktion von 10
       auf 36  qrs. gestiegen  ist, also auf mehr als das Dreifache; die
       Kornrente von  6 auf  24 qrs.  oder auf das Vierfache; und ebenso
       die Geldrente von 18 auf 72 Pfd.St.
       In allen  diesen Fällen bleibt der Natur der Sache nach der Preis
       des Bodenprodukts  stationär; in  allen Fällen wächst das Gesamt-
       rental mit  der Ausdehnung  der Kultur,  soweit diese  nicht aus-
       schließlich auf  dem schlechtesten,  keine Rente  zahlenden Boden
       stattfindet. Aber  dies Wachsen  ist verschieden.  Im Verhältnis,
       wie die  Ausdehnung auf  den bessern  Bodenarten stattfindet  und
       also die  Produktenmasse nicht  nur im  Verhältnis zur Ausdehnung
       des Bodens,  sondern rascher  wächst, wächst Korn- und Geldrente.
       Im Verhältnis,  wie der schlechteste Boden und die ihm nächstste-
       henden  Bodenarten  vorzugsweise  an  der  Ausdehnung  teilnehmen
       (wobei unterstellt, daß der schlechteste Boden konstante Klasse),
       steigt das Gesamtrental
       
       #677# 39. Kapitel - Differentialrente I
       -----
       nicht im  Verhältnis zur  Ausdehnung der Kultur. Zwei Länder also
       gegeben, wo  der keine Rente abwerfende Boden A von derselben Be-
       schaffenheit ist,  steht das Rental im umgekehrten Verhältnis zum
       aliquoten Teil,  den die schlechteste und die minder guten Boden-
       arten im  Gesamtareal des  bebauten Bodens  ausmachen, und  daher
       auch im  umgekehrten Verhältnis  zur Masse des Produkts bei glei-
       cher Kapitalanlage auf gleich große Gesamtflächen. Das Verhältnis
       zwischen der  Quantität des schlechtesten bebauten Bodens und der
       des bessern,  innerhalb der  Gesamtbodenfläche eines  ndes, wirkt
       also umgekehrt  auf das Gesamtrental ein, wie das Verhältnis zwi-
       schen der  Qualität des  bebauten schlechtesten Bodens zu der des
       bessern und  besten auf  die Rente  per Acre wirkt und daher, bei
       sonst gleichen  Umständen, auch  auf das Rental. Die Verwechslung
       dieser beiden  Momente hat zu allerlei verkehrten Einwürfen gegen
       die Differentialrente Anlaß gegeben.
       Das Gesamtrental  wächst also  durch bloße Ausbreitung der Kultur
       und durch die damit verbundne ausgedehntere Anwendung von Kapital
       und Arbeit auf den Boden.
       Aber der  wichtigste Punkt  ist dieser: Obgleich nach der Voraus-
       setzung das  Verhältnis der  Renten der  verschiednen Bodenarten,
       per Acre  gerechnet, dasselbe bleibt und daher auch die Rentrate,
       betrachtet mit  Beziehung auf das für jeden Acre ausgelegte Kapi-
       tal, so  zeigt sich  folgendes: Vergleichen  wir 1a  mit 1  - den
       Fall, wo  die Zahl der bebauten Acres sich proportionell vermehrt
       hat und  die Kapitalanlage  auf denselben  -, so finden wir, daß,
       wie die Gesamtproduktion proportionell zur vergrößerten Anbauflä-
       che gewachsen ist, d.h. beide sich verdoppelt haben, dasselbe mit
       dem Rental  der Fall ist. Es ist gestiegen von 18 auf 36 Pfd.St.,
       ganz wie die Zahl der Acres von 4 auf 8.
       Nehmen wir die Gesamtfläche von 4 Acres, so betrug das Gesamtren-
       tal darauf  18 Pfd.St., also die Durchschnittsrente, eingerechnet
       den Boden,  der keine  Rente trägt,  4 1/2 Pfd.St. So könnte z.B.
       ein Grundeigentümer  rechnen, dem  alle 4  Acres gehörten; und so
       wird die Durchschnittsrente auf ein ganzes nd statistisch berech-
       net. Das  Gesamtrental von  18 Pfd.St.  ergibt sich bei Anwendung
       eines Kapitals von 10 Pfd.St. Das Verhältnis dieser beiden Zahlen
       nennen wir die Rentrate; hier also 180%.
       Dieselbe Rentrate  ergibt sich bei I a, wo 8 statt 4 Acres bebaut
       sind, aber  alle Bodenarten  im gleichen  Verhältnis  am  Zuwachs
       teilgenommen haben. Das Gesamtrental von 36 Pfd. St. ergibt bei 8
       Acres und 20 Pfd. St. angewandtem Kapital eine Durchschnittsrente
       von 41/2 Pfd. St. per Acre und eine Rentrate von 180%.
       
       #678# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       Betrachten wir  dagegen Ib,  wo der Zuwachs hauptsächlich auf den
       beiden geringem Bodenarten stattgefunden, so haben wir eine Rente
       von 42  Pfd.St. auf  12 Acres, also eine Durchschnittsrente von 3
       1/2  Pfd.St.  per  Acre.  Das  ausgelegte  Gesamtkapital  ist  30
       Pfd.St., also  die Rentrate  = 140%.  Die Durchschnittsrente  per
       Acre hat  also abgenommen  um 1 Pfd.St., und die Rentrate ist ge-
       fallen von 180 auf 140%. Es findet hier also, bei Wachsen des Ge-
       samtrentals von 18 Pfd.St. auf 42 Pfd.St., Sinken der Durchnitts-
       rente statt,  sowohl per  Acre wie aufs Kapital berechnet; ebenso
       wie die  Produktion wächst,  aber nicht  proportional. Es  findet
       dies statt,  obgleich die  Rente auf allen Bodenarten, sowohl per
       Acre wie  auf das  ausgelegte Kapital berechnet, dieselbe bleibt.
       Es findet  dies statt,  weil 3/4  des Zuwachses  auf Boden A, der
       keine Rente  trägt, und  auf Boden B fallen, der nur die Minimal-
       rente trägt.
       Hätte im Fall Ib die Gesamtausdehnung nur auf Boden A stattgefun-
       den, so  hätten wir  9 Acres auf A, 1 auf B, 1 auf C und 1 auf D.
       Das Gesamtrental wäre nach wie vor 18 Pfd.St., die Durchschnitts-
       rente per  Acre auf  die 12  Acres also  1 1/2  Pfd.St.,  und  18
       Pfd.St. Rente  auf 30  Pfd.St.  ausgelegtes  Kapital,  also  eine
       Rentrate von  60%. Die mittlere Rente, sowohl per Acre berechnet,
       wie auf  das angewandte  Kapital, hätte  sehr abgenommen, während
       das Gesamtrental nicht gewachsen wäre.
       Vergleichen wir  endlich Ic  mit I  und Ib.  Verglichen mit I hat
       sich die Bodenfläche verdreifacht und ebenso das ausgelegte Kapi-
       tal. Das Gesamtrental ist 72 Pfd.St. auf 12 Acres, also 6 Pfd.St.
       per Acre  gegen 4 1/2Pfd.St. im Fall I. Die Rentrate auf das aus-
       gelegte Kapital (72 Pfd.St. : 30Pfd.St.) ist 240% statt 180%. Das
       Gesamtprodukt ist  gestiegen von  1 0  auf 36 qrs. Verglichen mit
       Ib, wo  die Gesamtzahl der bebauten Acres, das angewandte Kapital
       und die  Differenzen zwischen  den bebauten Bodenarten dieselben,
       aber die  Verteilung anders,  ist das  Produkt 36  qrs. statt  26
       qrs., die  Durchschnittsrente per Acre 6 Pfd.St. statt 3 1/2, und
       die Rentrate mit Bezug auf das vorgeschoßne gleichgroße Gesamtka-
       pital 240% statt 140%.
       Einerlei, ob  wir die verschiednen Zustände in Tabelle Ia, Ib, Ic
       als gleichzeitig  nebeneinander bestehende Zustände in verschied-
       nen Ländern,  oder als  sukzessive Zustände in demselben Land be-
       trachten, ergibt  sich aus  dieser Darstellung:  Bei  stationärem
       Preis   des   Getreides,   weil   gleichbleibendem   Ertrag   des
       schlechtesten, rentelosen  Bodens; bei gleichbleibender Differenz
       in der  Fruchtbarkeit der verschiednen bebauten Bodenklassen; bei
       gleich großem  respektivem Produkt  daher von gleich großer Kapi-
       talanlage auf  gleiche aliquote Teile (Acres) der in jeder Boden-
       klasse bebauten Flächen; bei konstantem Verhältnis daher zwischen
       den Renten per Acre
       
       #679# 39. Kapitel - Differentieltente I
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       jeder Bodenart  und bei gleicher Rentrate auf das in jedem Boden-
       teil derselben  Art angelegte  Kapital: Erstens wächst das Rental
       stets mit  Erweiterung der bebauten Fläche und daher mit vermehr-
       ter Kapitalanlage,  mit Ausnahme  des Falls, wo der ganze Zuwachs
       auf den  rentelosen Boden  käme. Zweitens  kann sowohl die Durch-
       schnittsrente per  Acre (Cesamtrental  dividiert durch Gesamtzahl
       der bebauten  Acres) wie  die Durchschnittsrentrate (Gesamtrental
       dividiert durch  das ausgelegte Gesamtkapital) sehr bedeutend va-
       riieren; und  zwar beide  in derselben  Richtung, aber unter sich
       selbst wieder in verschiednen Proportionen. Läßt man den Fall au-
       ßer acht, wo der Zuwachs nur auf dem rentelosen Boden A stattfin-
       det, so  ergibt sich, daß die Durchschnittsrente per Acre und die
       Durchschnittsrentrate auf das in der Agrikultur angelegte Kapital
       abhängen von  den proportionellen Anteilen, welche die verschied-
       nen Bodenklassen in der bebauten Gesamtfläche ausmachen; oder was
       auf dasselbe  hinauskommt, von der Verteilung des angewandten Ge-
       samtkapitals auf  die Bodenarten  von verschiedner Fruchtbarkeit.
       Ob viel  oder wenig Land angebaut ist und daher (mit Ausnahme des
       Falls, wo  der Zuwachs  nur auf  A kommt) das Gesamtrental größer
       oder kleiner ist, die Durchschnittsrente per Acre oder die Durch-
       schnittsrentrate aufs angewandte Kapital bleibt dieselbe, solange
       die Proportionen  der Beteiligung  der verschiednen Bodenarten an
       der Gesamtfläche konstant bleiben. Trotz des Steigens, und selbst
       des bedeutenden  Steigens, des  Gesamtrentals mit Erweiterung der
       Kultur und wachsender Kapitalanlage, fällt die Durchschnittsrente
       per Acre  und die  Durchschnittstentrate aufs  Kapital, wenn  die
       Ausdehnung der  rentelosen und  der nur geringe Differentialtente
       tragenden Ländereien  mehr wächst  als die  der  bessern,  höhere
       Rente tragenden. Umgekehrt steigt die Durchschnittstente per Acre
       und die Durchschnittsrentrate aufs Kapital im Maß wie die bessern
       Ländereien einen  verhältnismäßig größern Anteil der Gesamtfläche
       ausmachen und  daher verhältnismäßig  mehr Kapitalanlage  auf sie
       fällt.
       Betrachtet män also. die Durchschnittsrente per Acre oder Hektare
       des gesamten bebauten Bodens, wie es meist geschieht in statisti-
       schen Werken,  indem man entweder verschiedne Länder in derselben
       Epoche oder verschiedne Epochen in demselben Lande vergleicht, so
       sieht man, daß die Durchschnittshöhe der Rente per Acre und daher
       auch das Gesamtrental in gewissen (wenn auch keineswegs gleichen,
       sondern vielmehr  rascheren Schritt  gehenden) Proportionen  ent-
       spricht, nicht der relativen, sondern der absoluten Fruchtbarkeit
       der Agrikultur  in einem  Lande, d.h. der Masse der Produkte, die
       es durchschnittlich auf gleicher Fläche liefert. Denn je größern
       
       #680# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
       -----
       Anteil der  Gesamtfläche die  bessern Bodenarten ausmachen, desto
       größer ist  die Produktenmasse bei gleicher Kapitalanlage und auf
       gleich großer  Bodenfläche;  und  desto  größer  ist  die  Durch-
       schnittsrente per  Acre. Umgekehrt,  umgekehrt.  So  scheint  die
       Rente nicht  durch das  Verhältnis der Differentialfruchtbarkeit,
       sondern durch  die absolute Fruchtbarkeit bestimmt, und damit das
       Gesetz der  Differentialrente aufgehoben. Es werden daher gewisse
       Phänomene geleugnet  oder auch  wohl durch nicht existierende Un-
       terschiede in den Durchschnitts-Getreidepreisen und der Differen-
       tialfruchtbarkeit der  bebauten Ländereien  zu erklären  gesucht,
       Phänomene, die  einfach ihren Grund darin haben, daß das Verhält-
       nis des Gesamtrentals, sei es zur Gesamtfläche des angebauten Bo-
       dens, sei  es zu  dem im Boden angelegten Gesamtkapital bei glei-
       cher Fruchtbarkeit  des rentelosen Bodens, daher gleichen Produk-
       tionspreisen, und  bei gleicher Differenz zwischen den verschied-
       nen Bodenarten,  nicht nur  bestimmt ist durch die Rente per Acre
       oder durch  die Rentrate  aufs Kapital,  sondern ebensosehr durch
       die verhältnismäßige  Anzahl der  Acres jeder Bodenart in der Ge-
       samtzahl der  bebauten Acres,  oder was auf dasselbe hinauskommt,
       durch die  Verteilung des  angewandten Gesamtkapitals  unter  die
       verschiednen Bodenarten.  Dieser Umstand  ist bisher sonderbarer-
       weise ganz  übersehn worden.  Jedenfalls zeigt sich, und dies ist
       für den Fortgang unsrer Untersuchung wichtig, daß die verhältnis-
       mäßige Höhe  der  Durchschnittsrente  per  Acre  und  die  Durch-
       schnittsrentrate oder  das Verhältnis des Gesamtrentals zu dem im
       Boden angelegten  Gesamtkapital  steigen  oder  fallen  kann  bei
       gleichbleibenden  Preisen,   gleichbleibender  Differenz  in  der
       Fruchtbarkeit der  bebauten Ländereien und gleichbleibender Rente
       per Acre,  resp. Rentrate  für das  per Acre angelegte Kapital in
       jeder wirklich Rente tragenden Bodenklasse, resp. für alles wirk-
       lich Rente tragende Kapital, durch bloße extensive Ausdehnung der
       Kultur.
       
                                     ---
       
       Es sind noch folgende Zusätze zu machen, die zum Teil auch auf II
       passen, mit  Bezug auf die unter I betrachtete Form der Differen-
       tialrente.
       Erstens: Man hat gesehn, wie die Durchschnittsrente per Acre oder
       die Durchschnittsrentrate  aufs Kapital steigen kann bei Ausbrei-
       tung der  Kultur, stationären Preisen und gleichbleibender Diffe-
       rentialfruchtbarkeit der  bebauten Ländereien. Sobald aller Boden
       in einem Land angeeignet ist, Kapitalanlage auf den Boden, Kultur
       und Bevölkerung  eine bestimmte  Höhe erreicht  haben - Umstände,
       die alle vorausgesetzt sind, sobald die kapitalistische Produkti-
       onsweise zur herrschenden wird und sich auch der Agrikultur
       
       #681# 39. Kapitel - Differentialrente I
       -----
       bemächtigt -,  ist der  Preis des  nicht bebauten Bodens der ver-
       schiednen Qualitäten  (bloß die  Differentialrente vorausgesetzt)
       bestimmt durch den Preis der bebauten Ländereien von gleicher Bo-
       nität und  äqujvalenter Lage. Der Preis ist derselbe - nach Abzug
       der hinzukommenden Kosten der Urbarmachung -, obgleich dieser Bo-
       den keine  Rente trägt.  Der Preis des Bodens ist zwar nichts als
       die kapitalisierte  Rente. Aber  auch bei den bebauten Ländereien
       werden im Preise nur künftige Renten bezahlt, z.B. zwanzigjährige
       Renten auf  einen Schlag vorausbezahlt, wenn der maßgebende Zins-
       fuß 5% ist. Sobald Boden verkauft wird, wird er als Rente tragen-
       der verkauft,  und der  prospektive Charakter der Rente (die hier
       als Bodenfrucht,  was sie  nur dem  Schein nach  ist,  betrachtet
       wird) unterscheidet den unbebauten Boden nicht vorn bebauten. Der
       Preis der  unbebauten Ländereien, wie ihre Rente, deren zusammen-
       gezogne Formel  er darstellt,  ist rein  illusorisch, solange die
       Ländereien nicht  wirklich verwendet  werden. Aber  er ist  so  a
       priori bestimmt  und wird  realisiert, sobald sich Käufer finden.
       Wenn daher  die wirkliche  Durchschnittsrente eines  Landes durch
       sein wirkliches  durchschnittliches jährliches  Rental  und  sein
       Verhältnis zu  der gesamten  bebauten Fläche bestimmt ist, so ist
       der Preis  des nicht bebauten Bodenteils bestimmt durch den Preis
       des bebauten  und ist  daher nur ein Reflex der Kapitalanlage und
       ihrer Resultate  in den  bebauten Ländereien. Da mit Ausnahme des
       schlechtesten Bodens  alle Bodenarten  Rente  tragen  (und  diese
       Rente, wie  wir unter  II sehn werden, mit der Masse des Kapitals
       und der  ihr entsprechenden Intensität der Kultur steigt), bildet
       sich so  der nominelle  Preis für  die nicht bebauten Bodenteile,
       und werden  sie so  zu einer Ware, einer Quelle des Reichtums für
       ihre Besitzer. Es erklärt dies zugleich, warum der Bodenpreis des
       gesamten Gebiets,  auch des  nicht bebauten wächst. (Opdyke.) Die
       Landspekulation, z.B.  in den Vereinigten Staaten, beruht nur auf
       diesem Reflex,  den das Kapital und die Arbeit auf den unbebauten
       Boden werfen.
       Zweitens. Der  Fortgang in  der Ausdehnung  des  bebauten  Bodens
       überhaupt findet  entweder statt  zu schlechteren  Boden oder auf
       den verschiednen  gegebnen Bodenarten in verschiednen Verhältnis-
       sen, je  nachdem sie sich vorfinden. Der Fortgang zu schlechteren
       Boden geschieht natürlich nie aus freier Wahl, sondern kann - ka-
       pitalistische Produktionsweise vorausgesetzt - nur Folge steigen-
       der Preise  und bei  jeder Produktionsweise nur Folge der Notwen-
       digkeit sein.  Dies jedoch nicht unbedingt. Schlechter Boden wird
       relativ besserm vorgezogen wegen der Lage, die bei aller Ausbrei-
       tung der  Kultur in  jungen Ländern  entscheidend ist;  dann aber
       auch, weil, obgleich die Bodenformation eines gewissen Strichs im
       ganzen zu
       
       #682# VI. Abschnitt - Verwandlung von SurpIusprofit in Grundrente
       -----
       dem fruchtbareren  gehört, dennoch  im einzelnen besserer und ge-
       ringerer Boden bunt durcheinandergewürfelt sind, und der geringre
       Boden, schon  seines Zusammenhangs  mit dem  bessern halber,  der
       Kultur unterworfen  werden muß.  Bildet der schlechtre Boden Ein-
       schlüsse in  den bessern,  so gibt  ihm der beßre den Vorteil der
       Lage gegen  fruchtbareres Land, das nicht im Zusammenhang mit dem
       bereits der Kultur unterworfnen oder zu unterwerfenden steht.
       So war  der Staat  Michigan einer der ersten der westlichen Staa-
       ten, der kornausführend wurde. Sein Boden ist im ganzen arm. Aber
       seine Nachbarschaft  zum Staate  New York und seine Wasserverbin-
       dungen  vermittelst  der  Seen  und  des  Erie-Kanals  gaben  ihm
       zunächst den Vorzug vor den von Natur fruchtbareren, weiter west-
       lich gelegnen  Staaten. Das  Beispiel dieses Staats, im Vergleich
       zum Staat  New York,  zeigt uns  auch den Übergang von besserm zu
       schlechteren Boden.  Der Boden  des Staates  New York, namentlich
       der westliche  Teil, ist  ungleich fruchtbarer, besonders für den
       Weizenbau. Durch  Raubbau wurde dieser fruchtbare Boden unfrucht-
       bar gemacht, und nun erschien der Boden von Michigan fruchtbarer.
       
       "1838 wurde  Weizenmehl in  Buffalo nach  dem Westen  verschafft,
       hauptsächlich von  der Weizenregion von New York und Ober-Kanada.
       Gegenwärtig, nach  nur 12  Jahren, werden  ungeheure Vorräte  von
       Weizen und  Mehl vom Westen hergebracht, den Erie-See entlang und
       auf dem  Erie-Kanal, in Buffalo und dem benachbarten Hafen Black-
       rock nach Osten verschafft. Besonders wurde der Export von Weizen
       und Mehl  stimuliert durch  die europäische  Hungersnot von 1847.
       Dadurch wurde  der Weizen  im westlichen  New York wohlfeiler und
       der Weizenbau  weniger einträglich  gemacht; dies  veranlaßte die
       New Yorker  Farmers, sich mehr auf Viehzucht und Milchwirtschaft,
       Obstbau usw.  zu werfen, auf Zweige, worin nach ihrer Ansicht der
       Nordwesten außerstande  sein wird, direkt mit ihnen zu konkurrie-
       ren." (J. W. Johnston, "Notes on North America", London 1851, I.,
       p. 222, 223.)
       
       Drittens. Es ist eine falsche Voraussetzung, daß der Boden in Ko-
       lonien und  Oberhaupt in jungen Ländern, die Korn zu wohlfeileren
       Preisen ausführen  können, deswegen notwendig von größerer natür-
       licher Fruchtbarkeit  ist. Das Getreide wird hier nicht nur unter
       seinem Wert, sondern unter seinem Produktionspreis verkauft, näm-
       lich unter  dem durch  die Durchschnittsprofitrate  in den ältern
       Ländern bestimmten  Prodüktionspreis. Wenn wir, wie Johnston sagt
       (p. 223),
       
       "gewohnt sind,  mit diesen  neuen Staaten, von denen solche große
       Zufuhren von Weizen jährlich nach Buffalo kommen, die Vorstellung
       großer natürlicher Fruchtbarkeit und endloser Gebiete reichen Bo-
       dens zu verknüpfen",
       
       #683# 39. Kapitel - Differentialrente I
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       so hängt  dies ab  zunächst von ökonomischen Zuständen. Die ganze
       Bevölkerung eines  solchen Landes, wie z.B. Michigan, ist anfangs
       fast ausschließlich  mit der  Landwirtschaft beschäftigt, und na-
       mentlich mit  deren Massenprodukten,  die allein  sie gegen Indu-
       striewaren und  tropische Produkte  austauschen kann.  Ihr ganzes
       überschüssiges Produkt  erscheint daher  in der Gestalt von Korn.
       Es unterscheidet dies von vornherein die auf Grundlage des moder-
       nen Weltmarkts gegründeten Kolonialstaaten von denen früherer und
       speziell der  antiken Zeit.  Sie erhalten fertig, durch den Welt-
       markt, Produkte,  die sie  unter andern Umständen selbst schaffen
       müßten, Kleidung,  Werkzeuge etc. Nur auf solcher Grundlage konn-
       ten die  südlichen Staaten der Union Baumwolle zu ihrem Hauptpro-
       dukt machen. Die Teilung der Arbeit auf dem Weltmarkt erlaubt ih-
       nen das.  Wenn sie  daher, ihre  Neuheit und die relativ schwache
       Zahl ihrer Bevölkerung betrachtet, ein sehr großes überschüssiges
       Produkt zu produzieren scheinen, so ist dies nicht der Fruchtbar-
       keit ihres  Bodens geschuldet, auch nicht der Fruchtbarkeit ihrer
       Arbeit, sondern  der einseitigen  Form ihrer Arbeit und daher des
       überschüssigen Produkts, worin diese sich darstellt.
       Ferner aber  hat relativ weniger fruchtbarer Ackerboden, der aber
       erst neu bebaut wird und noch durch keine Kultur beleckt war, bei
       nicht durchaus ungünstigen klimatischen Verhältnissen, wenigstens
       in den  obern Schichten so viel leichtlösliche Pflanzennährstoffe
       aufgehäuft, daß  er für längre Zeit Ernten ohne Düngung gibt, und
       zwar bei  schon ganz oberflächlicher Bebauung. Bei den westlichen
       Prärien kommt  hinzu, daß  sie kaum irgendwelche Urbarmachungsko-
       sten erheischen,  sondern die Natur sie urbar gemacht hat. 33)[a]
       In minder  fruchtbaren Gebieten  dieser Art  kommt der  Überschuß
       heraus, nicht durch die hohe Fruchtbarkeit des Bodens, also durch
       den Ertrag  per Acre,  sondern durch  die Masse der Acres, die in
       oberflächlicher Weise bebaut werden kann, da dieser Boden dem Be-
       bauer nichts, oder, mit ältern Ländern verglichen, nur verschwin-
       dend wenig  kostet. Z. B. wo der Metärievertrag existiert, wie in
       Teilen von  New York,  Michigan, Kanada  etc. Eine Familie bebaut
       oberflächlich, sage 100 Acres, und obgleich
       ---
       33)[a] {Es  ist grade die rasch anwachsende Bebauung solcher Prä-
       rie-  oder  Steppengegenden,  die  neuerdings  den  vielberühmten
       Malthusschen Satz,  daß die "Bevölkerung auf die Subsistenzmittel
       drückt", zum Kinderspott gemacht, und im Gegensatz dazu den Agra-
       rierjammer erzeugt  hat, wonach der Ackerbau und mit ihm Deutsch-
       land zugrunde  geht, wenn  man sich nicht die auf die Bevölkerung
       druckenden Lebensmittel  gewaltsam vom Halse hält. Der Anbau die-
       ser Steppen, Prärien, Pampas, Uanos etc. ist aber erst in den An-
       fängen begriffen;  seine umwälzende  Wirkung auf  die europäische
       Landwirtschaft wird sich also noch ganz anders fühlbar machen als
       bisher. - F.E.}
       
       #684# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       das Produkt  per Acre nicht groß, gewährt das von 100 Acres einen
       bedeutenden Überschuß  zum Verkauf.  Dazu kommt noch die fast ko-
       stenlose Viehhaltung auf natürlichen Weiden ohne künstliche Gras-
       wiesen. Was hier entscheidet, ist nicht die Qualität, sondern die
       Quantität des  Bodens. Die Möglichkeit dieser oberflächlichen Be-
       bauung wird  natürlich mehr oder minder rasch erschöpft, im umge-
       kehrten Verhältnis  zur Fruchtbarkeit des neuen Bodens und im di-
       rekten Verhältnis zur Ausfuhr seines Produkts.
       
       "Und dennoch  wird solch ein Land ausgezeichnete erste Ernten ge-
       ben, selbst  von Weizen; wer den ersten Rahm vom Boden abschöpft,
       wird einen reichlichen Überschuß von Weizen zu Markte senden kön-
       nen." (l.c.p. 224.)
       
       In Ländern  älterer Kultur  machen die Eigentumsverhältnisse, der
       durch den  Preis des bebauten Bodens bestimmte Preis des unbebau-
       ten usw., derartige extensive Wirtschaft unmöglich.
       
       Daß deswegen weder, wie Ricardo sich dies vorstellt, dieser Boden
       sehr fruchtbar  sein muß, noch nur Bodenarten gleicher Fruchtbar-
       keit bebaut  werden, ersieht man aus folgendem: Im Staat Michigan
       wurden 1848  mit Weizen  besät  465 900  Acres  und  produzierten
       4 739 300 Bushels  oder im  Durchschnitt 10 1/5 Bushels per Acre;
       dies ergibt  nach Abzug  des Saatkorns  weniger als 9 Bushels per
       Acre. Von den 29 Counties des Staats produzierten 2 durchschnitt-
       lich 7 Bush., 3-8, 2-9, 7-10, 6-11, 3-12, 4-13 Bush. uni nur eine
       16 und eine andre 18 Bush. per Acre. (l.c.p. 225.)
       Für die  praktische Kultur  fällt höhere Fruchtbarkeit des Bodens
       zusammen mit  höherer sofortiger Ausnutzbarkeit dieser Fruchtbar-
       keit. Die  letztre kann  bei einem  von Natur  armen Boden größer
       sein als  bei einen  von Natur reichen; es ist aber die Sorte Bo-
       den, wozu  der Kolonist  zunächs greifen wird und bei Ermangelung
       von Kapital  greifen muß.  Endlich: Die Ausdehnung der Kultur auf
       größte Bodenflächen - abgesehn von dem eben betrachteten Fall, wo
       zu schlechterem Boden Zuflucht genommen werden muß als dem bisher
       bebauten - auf den verschiedner Bodenarten von A bis D, also z.B.
       die Bebauung  größerer Flächen von E und C, setzt keineswegs vor-
       heriges Steigen  der Getreidepreise voraus, sowenig wie die jähr-
       lich vorangehende  Erweiterung  z.B.  der  Baumwollspinnerei  ein
       fortwährendes Steigen  der Garnpreise  erheischt. Obgleich bedeu-
       tendes Steigen oder Fallen der Marktpreise auf den Produktionsum-
       fang einwirkt,  so findet  doch, hiervon  abgesehn, auch  bei den
       Durchschnittspreisen, deren  Stand auf  die Produktion weder hem-
       mend noch  ausnahmsweis ermunternd  wirkt, in der Agrikultur (wie
       in allen  andren Produktionszweigen, die kapitalistisch betrieben
       werden) fortwährend jene relative
       
       #685# 39. Kapitel - Differentialrente I
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       Überproduktion statt, die an sich identisch ist mit der Akkumula-
       tion und die bei andrer Produktionsweise direkt durch die Vermeh-
       rung der Bevölkerung und in Kolonien durch fortwährende Einwande-
       rung bewirkt  wird. Der  Bedarf wächst  beständig, und  in dieser
       Voraussicht wird  fortwährend neues  Kapital in neuem Boden ange-
       legt; obgleich  ie nach  Umständen für verschiedne Bodenprodukte.
       Es ist  die Bildung  neuer Kapitale, die dies an und für sich mit
       sich bringt.  Was aber  den einzelnen  Kapitalisten betrifft,  so
       mißt er den Umfang seiner Produktion durch den seines disponiblen
       Kapitals, soweit  er es  noch selbst  überwachen kann.  Was er im
       Auge hat,  ist, soviel  Platz wie möglich auf dem Markt einzuneh-
       men. Wird  überproduziert, so  schiebt er  die Schuld nicht sich,
       sondern seinen  Konkurrenten zu.  Der  einzelne  Kapitalist  kann
       seine Produktion  ausdehnen, ebensowohl  indem er  einen  größern
       aliquoten Teil  des gegebnen  Markts sich  aneignet, als indem er
       den Markt selbst erweitert.

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