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DRITTES KAPITEL
Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertsrate
Wie am Schluß des vorigen Kapitels hervorgehoben, unterstellen
wir hier, wie überhaupt in diesem ganzen ersten Abschnitt, daß
die Summe des Profits, die auf ein gegebnes Kapital fällt, gleich
ist der gesamten Summe des vermittelst dieses Kapitals in einem
gegebnen Zirkulationsabschnitt produzierten Mehrwerts. Wir sehn
also einstweilen davon ab, daß dieser Mehrwert einerseits sich
spaltet in verschiedne Unterformen: Kapitalzins, Grundrente,
Steuern etc., und daß er andrerseits in der Mehrzahl der Fälle
sich keineswegs deckt mit dem Profit, wie er angeeignet wird
kraft der allgemeinen Durchschnittsprofitrate, von der im zweiten
Abschnitt die Rede sein wird.
Soweit der Profit quantitativ dem Mehrwert gleichgesetzt wird,
ist seine Größe, und die Größe der Profitrate, bestimmt durch die
Verhältnisse einfacher, in jedem einzelnen Fall gegebner oder be-
stimmbarer Zahlengrößen. Die Untersuchung bewegt sich also
zunächst auf rein mathematischem Gebiet.
Wir behalten die im ersten und zweiten Buch angewandten Bezeich-
nungen bei. Das Gesamtkapital C teilt sich in das konstante Kapi-
tal c und das variable Kapital v, und produziert einen Mehrwert
m. Das Verhältnis dieses Mehrwerts zum vorgeschoßnen variablen
Kapital, also m/v nennen wir die Rate des Mehrwerts und bezeich-
nen sie mit m'. Es ist also m/v = m' und folglich m = m'v. Wird
dieser Mehrwert, statt auf das variable Kapital, auf das Gesamt-
kapital bezogen, so heißt er Profit (p) und das Verhältnis
des Mehrwerts m zum Gesamtkapital C, also m/C, heißt die Pro-
fitrate p'. Wir haben demnach:
m m
p' = - = ---,
C c+v
#60# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerft in Profit usw.
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setzen wir für in seinen oben gefundnen Wert m'v, so haben wir
v v
p' = m'- = m'---,
C c+v
welche Gleichung sich auch ausdrücken läßt in der Proportion:
p':m' = v:C;
die Pirofitrate verhält sich zur Mehrwertsrate wie das variable
Kapital zum Gesamtkapital.
Es folgt aus dieser Proportion, daß p', die Profitrate stets
kleiner ist als m, die Mehrwertsrate, weil v, das variable Kapi-
tal, stets kleiner ist als C, die Summe von v+c, von variablem
und konstantem Kapital; den einzigen, praktisch unmöglichen Fall
ausgenommen, wo v=C, wo also gar kein konstantes Kapital, kein
Produktionsmittel, sondern nur Arbeitslohn vom Kapitalisten vor-
geschossen würde.
Es kommen bei unsrer Untersuchung indes noch eine Reihe andrer
Faktoren in Betracht, die auf die Größe von c, v und m bestimmend
einwirken, und daher kurz zu erwähnen sind.
Erstens der W e r t d e s G e l d e s. Diesen können wir
überall als konstant annehmen.
Zweitens der U m s c h l a g. Diesen Faktor lassen wir einst-
weilen ganz außer Betracht, da sein Einfluß auf die Profitrate in
einem spätern Kapitel besonders behandelt wird. {Hier nehmen wir
nur den einen Punkt vorweg, daß die Formel p'=m'v/C streng rich-
tig ist nur für e i n e Umschlagsperiode des variablen Kapi-
tals, daß wir sie aber für den Jahresumschlag richtig machen, in-
dem wir statt m', der einfachen Rate des Mehrwerts, m'n, die Jah-
resrate des Mehrwerts setzen; worin n die Anzahl der Umschläge
des variablen Kapitals innerhalb eines Jahres ist (s. Buch II,
Kap. XVI, I). F. E.}.
Drittens kommt in Betracht die P r o d u k t i v i t ä t d e r
A r b e i t, deren Einfluß auf die Rate des Mehrwerts in Buch I,
Abschnitt IV, ausführlich erörtert worden ist. Sie kann aber auch
noch einen direkten Einfluß auf die Profitrate, wenigstens eines
Einzelkapitals, ausüben, wenn, wie Buch I, Kap. X, S. 323/314 1*)
entwickelt, dies Einzelkapital mit größerer als der gesellschaft-
lich-durchschnittlichen Produktivität arbeitet, seine Produkte zu
einem niedrigem Wert darstellt, als dem gesellschaftlichen Durch-
schnittswert derselben Ware, und so einen Extraprofit realisiert.
Dieser Fall bleibt hier aber noch unberücksichtigt, da wir auch
in diesem Abschnitt noch von der Voraussetzung
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 335/336
#61# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertrate
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ausgehn, daß die Waren unter gesellschaftlich-normalen Bedingun-
gen produziert und zu ihren Werten verkauft werden. Wir gehn also
in jedem einzelnen Fall von der Annahme aus, daß die Produktivi-
tät der Arbeit konstant bleibt. In der Tat drückt die Wertzusam-
mensetzung des in einem Industriezweig angelegten Kapitals, also
ein bestimmtes Verhältnis des variablen zum konstanten Kapital,
jedesmal einen bestimmten Grad der Produktivität der Arbeit aus.
Sobald also dies Verhältnis anders als durch bloße Wertänderung
der stofflichen Bestandteile des konstanten Kapitals, oder durch
Änderung des Arbeitslohns, eine Veränderung erfährt, muß auch die
Produktivität der Arbeit eine Änderung erlitten haben, und wir
werden daher oft genug finden, daß die mit den Faktoren c, v und
in vorgehenden Veränderungen ebenfalls Änderungen in der Produk-
tivität der Arbeit einschließen.
Dasselbe gilt von den noch übrigen drei Faktoren: L ä n g e
d e s A r b e i t s t a g s, I n t e n s i t ä t d e r
A r b e i t u n d A r b e i t s l o h n. Ihr Einfluß auf Masse
und Rate des Mehrwerts ist im ersten Buch 1*) ausführlich entwic-
kelt. Es ist also begreiflich, daß, wenn wir auch zur Vereinfa-
chung stets von der Voraussetzung ausgehn, daß diese drei Fakto-
ren konstant bleiben, dennoch die Veränderungen, die mit v und in
vorgehn, ebenfalls Wechsel in der Größe dieser ihrer Bestimmungs-
momente in sich schließen können. Und da ist nur kurz daran zu
erinnern, daß der Arbeitslohn auf Größe des Mehrwerts und Höhe
der Mehrwertsrate umgekehrt wirkt wie die Länge des Arbeitstags
und die Intensität der Arbeit-, daß Steigerung des Arbeitslohns
den Mehrwert verringert, während Verlängerung des Arbeitstags und
Erhöhung der Intensität der Arbeit ihn vermehren.
Gesetzt z.B., ein Kapital von 100 produziere mit 20 Arbeitern bei
zehnstündiger Arbeit und einem Gesamtwochenlohn von 20 einen
Mehrwert von 20, so haben wir:
80c + 20v + 20m; m'= 100%, p' = 20%.
Der Arbeitstag werde verlängert, ohne Lohnerhöhung, auf 15 Stun-
den; das Gesamtwertprodukt der 20 Arbeiter erhöht sich dadurch
von 40 auf 60 (10:15 = 40:60); da v, der gezahlte Arbeitslohn,
derselbe bleibt, steigt der Mehrwert von 20 auf 40, und wir ha-
ben:
80c + 20v + 40m; m' = 200%, p' = 40%.
Wenn andrerseits, bei zehnständiger Arbeit, der Lohn von 20 auf
12 fällt, so haben wir ein Gesamtwertprodukt von 40 wie anfangs,
aber es verteilt
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 542-552
#62# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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sich anders; v sinkt auf 12 und läßt daher den Rest von 28 für m
Wir haben also:
80v + 12v + 28m; m' = 233 1/3 %, p' = 28/92 = 30 10/23 %.
Wir sehn also, daß sowohl verlängerter Arbeitstag (oder desglei-
chen gesteigerte Arbeitsintensität) wie Senkung des Lohns die
Masse und damit die Rate des Mehrwerts steigern; umgekehrt würde
erhöhter Lohn bei sonst gleichen Umständen die Rate des Mehrwerts
herabdrücken. Wächst also v durch Lohnsteigerung, so drückt es
nicht ein gesteigertes, sondern nur ein teurer bezahltes Arbeits-
quantum aus; m' und p' steigen nicht, sondern fallen.
Es zeigt sich hier schon, daß Änderungen in Arbeitstag, Ar-
beitsintensität und Arbeitslohn nicht eintreten können ohne
gleichzeitige Änderung in v und m und ihrem Verhältnis, also auch
in p', dem Verhältnis von in zu c + v, dem Gesamtkapital; und
ebenso ist es klar, daß Änderungen des Verhältnisses von in zu v
ebenfalls Wechsel in mindestens einer der erwähnten drei Arbeits-
bedingungen einschließen.
herin zeigt sich eben die besondre organische Beziehung des vari-
ablen Kapitals zur Bewegung des Gesamtkapitals und seiner Verwer-
tung, sowie sein Unterschied vom konstanten Kapital. Das kon-
stante Kapital, soweit Wertbildung in Betracht kommt, ist nur
wichtig wegen dem Wert, den es hat, wobei es ganz gleichgültig
für die Wertbildung ist, ob ein konstantes Kapital von 1500
Pfd.St. 1500 Tonnen Eisen sage zu 1 Pfd.St., oder 500 Tonnen Ei-
sen zu 3 Pfd.St. vorstellt. Das Quantum der wirklichen Stoffe,
das sein Wert darstellt, ist vollständig gleichgültig für die
Wertbildung und für die Rate des Profits, die in umgekehrter
Richtung mit diesem Wert variiert, einerlei welches Verhältnis
die Zu- oder Abnahme des Werts des konstanten Kapitals zur Masse
der stofflichen Gebrauchswerte hat, die es darstellt.
Ganz anders verhält es sich mit dem variablen Kapital. Es ist
nicht der Wert, den es hat, die Arbeit, die in ihm vergegenständ-
licht ist, worauf es zunächst ankommt, sondern dieser Wert als
bloßer Index der Gesamtarbeit, die es in Bewegung setzt, und die
nicht in ihm ausgedruckt ist; der Gesamtarbeit, deren Unterschied
von der in ihm selbst ausgedrückten und daher bezahlten Arbeit,
deren Mehrwert bildender Teil eben um so größer ist, je kleiner
die in ihm selbst enthaltne Arbeit. Ein Arbeitstag von 10 Stunden
sei gleich zehn Schilling = zehn Mark. Ist die notwendige, den
Arbeitslohn, also das variable Kapital ersetzende Arbeit = 5
Stunden = 5 Schill., so die Mehrarbeit = 5 Stunden und der Mehr-
wert = 5 Schill., ist jene 4 Stunden
#63# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertsrate
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4 Schill., so die Mehrarbeit 6 Stunden und der Mehrwert = 6
Schilling.
Sobald also die Wertgröße des variablen Kapitals aufhört, Index
der von ihm in Bewegung gesetzten Arbeitsmasse zu sein, vielmehr
das Maß dieses Index selbst sich ändert, wird die Rate des Mehr-
werts in entgegengesetzter Richtung und in umgekehrtem Verhältnis
mit geändert.
Wir gehn jetzt dazu über, die obige Gleichung der Profitrate p' =
m'v/C auf die verschiednen möglichen Fälle anzuwenden. Wir werden
nacheinander die einzelnen Faktoren von m'v/C ihren Wert ändern
lassen und die Wirkung dieser Änderungen auf die Profitrate fest-
stellen. Wir erhalten so verschiedne Reihen von Fällen, die wir
entweder als sukzessive veränderte Wirkungsumstände eines und
desselben Kapitals ansehn können oder aber als verschiedne,
gleichzeitig nebeneinander bestehende und zur Vergleichung heran-
gezogne Kapitale, etwa in verschiednen Industriezweigen oder ver-
schiednen Ländern. Wenn daher die Auffassung mancher unsrer Bei-
spiele als zeitlich aufeinanderfolgender Zustände eines und des-
selben Kapitals gezwungen oder praktisch unmöglich erscheint, so
fällt dieser Einwand weg, sobald sie als Vergleichung unabhängi-
ger Kapitale gefaßt werden.
Wir trennen also das Produkt m'v/C in seine beiden Faktoren m'
und v/C; wir behandeln zuerst m' als konstant und untersuchen die
Wirkung der möglichen Variationen von v/C; wir setzen dann den
Bruch v/C als konstant und lassen m' die möglichen Variationen
durchmachen; endlich setzen wir sämtliche Faktoren als variabel,
und erschöpfen damit die sämtlichen Fälle, aus denen sich Gesetze
über die Profitrate ableiten lassen.
I. m' konstant, v/C variabel
Für diesen Fall, der mehrere Unterfälle umfaßt, läßt sich eine
allgemeine Formel aufstellen. Haben wir zwei Kapitale C und C1
mit den respektiven variablen Bestandteilen v und v1, mit der
beiden gemeinsamen Mehrwertsrate m', und den Profitraten p' und
p', - so ist:
p' = m'v/C; p'1 = m'v1/C1.
Setzen wir nun C und C1, sowie v und v1 in Verhältnis zueinander,
setzen wir z.B. den Wert des Bruchs C1/C = E, und den des Bruchs
v1/v = e,
#64# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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so ist C1 = EC, und v1 = ev. Indem wir nun in der obigen Glei-
chung für p'1, für C1 und v1 die so gewonnenen Werte setzen, ha-
ben wir:
ev
p'1 = m'--.
EC1
Wir können aber noch eine zweite Formel aus obigen beiden Glei-
chungen ableiten, indem wir sie in die Proportion verwandeln:
p':p'1 = m'v/C : m'v1/C1 = v/C : v1/C1.
Da der Wert eines Bruchs derselbe bleibt, wenn Zähler und Nenner
mit derselben Zahl multipliziert oder dividiert werden, so können
wir v/C und v1/C1 auf Prozentsätze reduzieren, d.h. C und C1
beide = 100 setzen. Dann haben wir v/C = v/100 und v1/C = v1/100,
und können in obiger Proportion die Nenner weglassen, und erhal-
ten:
p':p'1 = v:v1; oder:
Bei zwei beliebigen Kapitalen, die mit gleicher Mehrwertsrate
fungieren, verhalten sich die Profitraten wie die variablen Kapi-
talteile, prozentig auf ihre respektiven Gesamtkapitale berech-
net.
Diese beiden Formen umfassen alle Fälle der Variation von v/C.
Ehe wir diese Fälle einzeln untersuchen, noch eine Bemerkung. Da
C
die Summe von c und v, des konstanten und des variablen Kapitals,
ist, und da die Mehrwertsrate wie die Profitrate gewöhnlich in
Prozenten ausgedrückt werden, so ist es überhaupt bequem, die
Summe c + v ebenfalls gleich Hundert zu setzen, d.h. c und v pro-
zentig auszudrücken. Es ist für die Bestimmung zwar nicht der
Masse, aber wohl der Rate des Profits einerlei, ob wir sagen: ein
Kapital von 15 000, wovon 12 000 konstantes und 3000 variables
Kapital, produziert einen Mehrwert von 3000; oder ob wir dies Ka-
pital auf Prozente reduzieren:
15 000C = 12 000c + 3000v (+ 3000m)
100C= 80c + 20v (+ 20m).
In beiden Fällen ist die Rate des Mehrwerts m' = 100%, die Pro-
fitrate = 20%.
Ebenso, wenn wir zwei Kapitale miteinander vergleichen, z. B. mit
dem vorstehenden ein andres Kapital:
12 000C = 10 800c + 1200v (+ 1200m)
100C = 90c + 10v (+ 10m),
#65# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zw Mehrwerurate
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wo beidemal m'= 100%, p'= 10% ist, und wo die Vergleichung mit
dem vorstehenden Kapital in der prozentigen Form weit übersicht-
licher ist.
Handelt es sich dagegen um Veränderungen, die an einem und dem-
selben Kapital vorgehn, so ist die prozentige Form nur selten zu
gebrauchen, weil sie diese Veränderungen fast immer verwischt.
Geht ein Kapital von der prozentigen Form:
80c+ 20v + 20m
über in die prozentige Form:
90c +10v + 10m,
so ist nicht ersichtlich, ob die veränderte prozentige Zusammen-
setzung 90c + 10v entstanden ist durch absolute Abnahme von v
oder absolute Zunahme von c, oder durch beides. Dazu müssen wir
die absoluten Zahlengrößen haben. Für die Untersuchung der nach-
folgenden einzelnen Fälle von Variation aber kommt alles darauf
an, wie diese Veränderung zustande gekommen ist, ob die 80c + 20v
zu 90c + 10v geworden sind dadurch, daß meinetwegen die 12 000c +
3000v durch Vermehrung des konstanten Kapitals bei gleichbleiben-
dem variablen sich verwandelt haben in 27 000c+ 3000v (prozentig
90c + 10v); oder ob sie diese Form angenommen haben, bei gleich-
bleibendem konstantem Kapital durch Verringerung des variablen,
also durch Übergang in 12 000c + 1333 1/3v (prozentig ebenfalls
90c + 10v); oder endlich durch Änderung beider Summanden, etwa
13 500c + 1500v (prozentig wieder 90c + 10v). Diese Fälle werden
wir aber gerade alle nacheinander zu untersuchen, und damit auf
die Annehmlichkeiten der prozentigen Form zu verzichten, oder sie
nur in zweiter Unie anzuwenden haben.
1. m' und C konstant, v variabel
Wenn v seine Größe ändert, kann C nur unverändert bleiben da-
durch, daß der andre Bestandteil von C, nämlich das konstante Ka-
pital c, seine Größe um dieselbe Summe, aber in entgegengesetzter
Richtung, ändert wie v. Ist C ursprünglich = 80c + 20v = 100 und
verringert sich dann v auf 10, so kann C nur = 100 bleiben, wenn
c auf 90 steigt; 90c + 10v = 100. Allgemein gesprochen: verwan-
delt sich v in v +- d, in v vermehrt oder vermindert um d, so muß
c sich verwandeln in c -+ d, muß um dieselbe Summe, aber in ent-
gegengesetzter Richtung, variieren, damit den Bedingungen des
vorliegenden Falls genügt werde.
Ebenfalls muß, bei gleichbleibender Mehrwertsrate m', aber wech-
selndem variablem Kapital v, die Masse des Mehrwerts in sich än-
dern, da m = m'v und in m'v der eine Faktor, v, einen andem Wert
erhält.
#66# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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Die Voraussetzungen unsres Falls ergeben neben der ursprünglichen
Gleichung
p' = m'v/C
durch Variation von v die zweite:
p'1 = m'v1/C,
worin v in v1 übergegangen, und p'1 die daraus folgende verän-
derte Profitrate, zu finden ist.
Sie wird gefunden durch die entsprechende Proportion:
p:p'1 = m'v/C : m'v1/C = v:v1.
Oder: bei gleichbleibender Mehrwertsrate und gleichbleibendem Ge-
samtkapital verhält sich die ursprüngliche Profittate zu der
durch Änderung des variablen Kapitals entstandnen wie das ur-
sprüngliche variable Kapital zum veränderten.
War das Kapital ursprünglich wie oben:
I. 15 000C = 12 000c + 3000v (+ 3000m); und ist es jetzt:
II. 15 000C = 13 000c + 2000v (+ 2000m); so ist C = 15 000 und
m'= 100% in beiden Fällen, und die Profitrate von I, 20%. verhält
sich zu der von II, 13 1/3 %, wie das variable Kapital von I,
3000, zu dem von II, 2000, also 20%: 13 1/3% = 3000:2000.
Das variable Kapital kann nun entweder steigen oder fallen. Neh-
men
wir zuerst ein Beispiel, worin es steigt. Ein Kapital sei ur-
sprünglich konstituiert und fungiere wie folgt:
I. 100c + 20v + 10m; C = 120, m' = 50%, p' = 8 1/3 %.
Das variable Kapital steige nun auf 30; dann muß nach der Voraus-
setzung das konstante Kapital von 100 auf 90 fallen, damit das
Gesamtkapital unverändert = 120 bleibe. Der produzierte Mehrwert
muß, bei gleicher Mehrwertsrate von 50%, auf 15 steigen. Wir ha-
ben also:
II. 90c + 30v + 15m; C = 120, m' = 50%, p' = 12 1/2 %.
Gehn wir zunächst von der Annahme aus, daß der Arbeitslohn unver-
ändert sei. Dann müssen die andern Faktoren der Mehrwertsrate,
Arbeitstag und Arbeitsintensität, ebenfalls gleichgeblieben sein.
Die Steigerung von v (von 20 auf 30) kann also nur den Sinn ha-
ben, daß die Hälfte mehr Arbeiter angewandt werden. Dann steigt
auch das Gesamtwertprodukt um die Hälfte, von 30 auf 45, und ver-
teilt sich, ganz wie vorher, zu 2/3 auf Arbeitslohn und 1/3 auf
Mehrwert. Gleichzeitig aber ist bei vermehrter
#67# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertsrate
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Arbeiteranzahl das konstante Kapital, der Wert der Produktions-
mittel, von 100 auf 90 gefallen. Wir haben also vor uns einen
Fall von abnehmender Produktivität der Arbeit, verbunden mit
gleichzeitiger Abnahme des kori, stanten Kapitals; ist dieser
Fall ökonomisch möglich?
In der Agrikultur und extraktiven Industrie, wo Abnahme der Pro-
duktivität der Arbeit und daher Zunahme der beschäftigten Arbei-
terzahl leicht zu begreifen, ist dieser Prozeß - innerhalb der
Schranken der kapitalistischen Produktion und auf deren Basis -
verbunden nicht mit Abnahme, sondern mit Zunahme des konstanten
Kapitals. Selbst wenn die obige Abnahme von c durch bloßen Preis-
fall bedingt wäre, würde ein einzelnes Kapital den Übergang von I
zu II nur unter ganz ausnahmsweisen Umständen vollziehn können.
Bei zwei unabhängigen Kapitalen aber, die in verschiednen Ländern
oder in verschiednen Zweigen der Agrikultur oder extraktiven In-
dustrie angelegt, wäre es nichts Auffallendes, wenn in dem einen
Fall mehr Arbeiter (daher größeres variables Kapital) angewandt
würden und mit minder wertvollen oder spärlicheren Produktions-
mitteln arbeiteten als im andern Fall.
Lassen wir aber die Voraussetzung fallen, daß der Arbeitslohn
sich gleichbleibt, und erklären wir die Steigerung des variablen
Kapitals von 20 auf 30 durch Erhöhung des Arbeitslohns um die
Hälfte, so tritt ein ganz andrer Fall ein. Dieselbe Arbeiteranz-
ahl - sagen wir 20 Arbeiter - arbeitet mit denselben oder nur un-
bedeutend verringerten Produktionsmitteln weiter. Bleibt der Ar-
beitstag unverändert - z.B. auf 10 Stunden so ist das Gesamtwert-
produkt ebenfalls unverändert; es ist nach wie vor 30. Diese 30
werden aber sämtlich gebraucht, um das vorgeschoßne variable Ka-
pital von 30 zu ersetzen; der Mehrwert wäre verschwunden. Es war
aber vorausgesetzt, daß die Mehrwertsrate konstant, also wie in I
auf 50% stehnbliebe. Dies ist nur möglich, wenn der Arbeitstag um
die Hälfte verlängert, auf 15 Stunden erhöht wird. Die 20 Arbei-
ter produzierten dann in 15 Stunden einen Gesamtwert von 45, und
die sämtlichen Bedingungen wären erfüllt:
II. 90c +30v + 15m; C = 120, m' = 50%, p' = 12 1/2 %.
In diesem Fall brauchen die 20 Arbeiter nicht mehr Arbeitsmittel,
Werkzeug, Maschinen etc. als im Fall I; nur das Rohmaterial oder
die Hilfsstoffe müßten sich um die Hälfte vermehren. Bei einem
Preisfall dieser Stoffe wäre also der Übergang von I zu II unter
unseren Voraussetzungen schon weit eher auch für ein einzelnes
Kapital ökonomisch zulässig. Und der Kapitalist würde für seinen,
bei Entwertung seines konstanten Kapitals etwa erlittenen Verlust
wenigstens einigermaßen entschädigt durch größern Profit.
#68# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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Nehmen wir nun an, das variable Kapital falle statt zu steigen.
Dann brauchen wir nur unser obiges Beispiel umzukehren, Nr. II
als das ursprüngliche Kapital zu setzen und von II zu I überzu-
gehn.
II. 90c + 30v + 15m verwandelt sich dann in
I. 100c + 20v + 10m, und es ist augenscheinlich, daß durch diese
Umstellung an den die beiderseitigen Profitraten und ihr gegen-
seitigem Verhältnis regelnden Bedingungen nicht das geringste ge-
ändert wird.
Fällt v von 30 auf 20, weil 1/3 weniger Arbeiter beschäftigt wer-
den bei wachsendem konstantem Kapital, so haben wir hier den Nor-
malfall der modernen Industrie vor uns: steigende Produktivität
der Arbeit, Bewältigung größerer Massen von Produktionsmitteln
durch weniger Arbeiter. Daß diese Bewegung mit dem gleichzeitig
eintretenden Fall in der Profitrate notwendig verbunden ist, wird
sich im dritten Abschnitt dieses Buchs herausstellen. Sinkt aber
v von 30 auf 20, weil dieselbe Arbeiteranzahl, aber zu niedrige-
rem Lohn beschäftigt wird, so bliebe, bei unverändertem Arbeits-
tag, das Gesamtwertprodukt nach wie vor= 30v + 15m = 45; da v auf
20 gefallen, würde der Mehrwert auf 25 steigen, die Mehrwertsrate
von 50% auf 125%, was gegen die Voraussetzung wäre. Um innerhalb
der Bedingungen unsres Falls zu bleiben, muß der Mehrwert, zur
Rate von 50%, vielmehr auf 10 fallen, also das Gesamtwertprodukt
von 45 auf 30, und dies ist nur möglich durch Verkürzung des Ar-
beitstags um 1/3. Dann haben wir wie oben: 100c +20v + 10m; m' =
50%. p' = 8 1/3%.
Es bedarf wohl keiner Erwähnung, daß diese Herabsetzung der Ar-
beitszeit bei fallendem Lohn in der Praxis nicht vorkommen würde.
Dies ist indes gleichgültig. Die Profitrate ist eine Funktion von
mehreren Vatiablen, und wenn wir wissen wollen, wie diese Vari-
ablen auf die Profitrate wirken, müssen wir die Einzelwirkung ei-
ner jeden nach der Reihe untersuchen, einerlei ob solche iso-
lierte Wirkung bei einem und demselben Kapital ökonomisch zuläs-
sig ist oder nicht.
2. m' konstant, v variabel, C verändert durch die Variation von v
Dieser Fall ist vom vorigen nur dem Grade nach unterschieden.
Statt daß c um ebensoviel ab- oder zunimmt, wie v zu- oder ab-
nimmt, bleibt c hier konstant. Unter den heutigen Bedingungen der
großen Industrie und Agrikultur ist das variable Kapital aber nur
ein relativ geringer Teil des
#69# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertsrate
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Gesamtkapitals und daher die Abnahme oder das Wachstum des letz-
tern, soweit sie durch Änderung des erstern bestimmt werden,
ebenfalls relativ gering. Gehn wir wieder aus von einem Kapital:
I. 100c + 20v + 10m; C = 120, m' = 50%, p' = 8 1/3 %,
so würde dies sich etwa verwandeln in:
II. 100c + 30v + 15m; C = 130, m' = 50%, p' = 11 7/13 %.
Der entgegengesetzte Fall der Abnahme des variablen Kapitals
würde wieder versinnlicht durch den umgekehrten Übergang von II
zu I.
Die ökonomischen Bedingungen wären m wesentlchen dieselben wie im
vorigen Fall und bedürfen daher keiner wiederholten Erörterung.
Der Übergang von I zu II schließt ein: Verringerung der Produkti-
vität der Arbeit um die Hälfte; die Bewältigung von 100, erfor-
dert um die Hälfte mehr Arbeit in II als in I. Dieser Fall kann
in der Agrikultur vorkommen. 9)
Während aber im vorigen Fall das Gesamtkapital konstant blieb da-
durch, daß konstantes Kapital in variables verwandelt wurde oder
umgekehrt, findet hier bei Vermehrung des variablen Teils Bindung
von zuschüssigem Kapital, bei Verminderung desselben Freisetzung
von vorher angewandtem Kapital statt.
3. m'v konstant, c und damit auch C variabel
In diesem Fall verändert sich die Gleichung:
p' = m'v/C in: p'1 = m'v/C1,
und führt unter Streichung der auf beiden Seiten vorkommenden
Faktoren zur Proportion:
p'1 : p, = C : C1;
bei gleicher Mehrwertsrate und gleichen variablen Kapitalteilen
verhalten sich die Profitraten umgekehrt wie die Gesamtkapitale.
Haben wir z.B. drei Kapitale oder drei verschiedne Zustände des-
selben Kapitals:
I. 80c + 20v + 20m; C = 100, m' = 100%, p' = 20%;
II. 100c + 20v + 20m; C = 120, m' = 100%, p' = 16 2/3 %;
III. 60c + 20v + 20m; C = 80, m' = 100%, p' = 25%;
so verhalten sich:
20% : 16 2/3% = 120 : 100 und 20% : 25% = 80 : 100.
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9) Hier steht im Ma.: "Später zu untersuchen, wie dieser Fall mit
der Grundrente zusammenhängt."
#70# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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Die früher gegebne allgemeine Formel für Variationen von bei kon-
stantem m' war:
ev v
p'1 = m'--; sie wird jetzt: p'1 = m' --,
EC EC
da v keine Veränderung erleidet, also der Faktor e = v1/v hier =
1 wird.
Da m'v = m, der Masse des Mehrwerts, und da m' und v beide kon-
stant bleiben, so wird auch in nicht von der Variation von C be-
rührt; die Mehrwertsmasse bleibt nach wie vor der Veränderung
dieselbe.
Sänke c auf Null, so wäre p' = m', die Profitrate gleich der
Mehrwertsrate.
Die Veränderung von c kann entstehn entweder aus bloßem Wertwech-
sel der stofflichen Elemente des konstanten Kapitals oder aus
veränderter technischer Zusammensetzung des Gesamtkapitals, also
aus einer Veränderung in der Produktivität der Arbeit im betref-
fenden Produktionszweig 1*). In letzterm Fall würde die mit der
Entwicklung der großen Industrie und Agrikultur steigende Produk-
tivität der gesellschaftlichen Arbeit bedingen, daß der Übergang
stattfindet in der Reihenfolge (im obigen Beispiel) von III zu I
und von I zu II. Ein Arbeitsquantum, das mit 20 bezahlt wird und
das einen Wert von 40 produziert, würde zuerst eine Masse Ar-
beitsmittel bewältigen vom Wert von 60; bei steigender Produkti-
vität und gleichbleibendem Wert würden die bewältigten Arbeits-
mittel wachsen zuerst auf 80, dann auf 100. Die umgekehrte Rei-
henfolge würde Abnahme der Produktivität bedingen; dasselbe Ar-
beitsquantum würde weniger Produktionsmittel in Bewegung setzen
können, der Betrieb würde eingeschränkt, wie dies in Agrikultur,
Bergwerken etc. vorkommen kann.
Ersparnis an konstantem Kapital erhöht einerseits die Profitrate
und setzt andrerseits Kapital frei, ist also von Wichtigkeit für
den Kapitalisten. Diesen Punkt sowie die Einwirkung von Preis-
wechsel der Elemente des konstanten Kapitals, namentlich der Roh-
stoffe, werden wir späterhin 2*) noch näher untersuchen. Es zeigt
sich auch hier wieder, daß Variation des konstanten Kapitals
gleichmäßig auf die Profitrate wirkt, einerlei ob diese Variation
hervorgerufen ist durch Zu- oder Abnahme der stofflichen Bestand-
teile von c oder durch bloße Wertveränderung derselben.
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1*) 1. Auflage: Produktivzweig - 2*) siehe vorl. Band, S. 87-146
#71# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertsrate
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4. m' konstant, v, c und C sämtlich variabel
In diesem Fall bleibt die obige allgemeine Formel für die verän-
derte Profitrate:
ev
p'1 = m'--
EC
maßgebend. Es ergibt sich daraus, daß bei gleichbleibender Mehr-
wertsrate:
a) die Profitrate fällt, wenn E größer als e, d.h. wenn das kon-
stante Kapital sich derart vermehrt, daß das Gesamtkapital m
stärkerem Verhältnis wächst als das variable Kapital. Geht ein
Kapital von 80c +20v +20m über in die Zusammensetzung 170c + 30v
+ 30m, so bleibt m' = 100%, aber v/C fällt von 20/100 auf 30/200,
trotzdem daß sowohl v wie C sich vermehrt haben, und die Pro-
fitrate fällt entsprechend von 20% auf 15%.
b) die Profitrate bleibt unverändert nur wenn e = E, d. h. wenn
der Bruch v/C bei scheinbarer Veränderung denselben Wert behält,
d.h. wenn Zähler und Nenner mit derselben Zahl multipliziert oder
dividiert werden. 80c + 20v + 20m und 160c + 40v + 40m haben au-
genscheinlich dieselbe Profitrate von 20%, weil m' = 100% bleibt
und v/C = 20/100 = 40/200 in beiden Beispielen denselben Wert
darstellt.
c) die Profitrate steigt, wenn e größer als E, d.h. wenn das va-
riable Kapital in stärkerem Verhältnis wächst als das Gesamtkapi-
tal. Wird 80c + 20v + 20m zu 120c + 40v + 40m, so steigt die Pro-
fittate von 20% auf 25%, weil bei unverändertem m'v/C = 20/100
gestiegen ist auf 40/160, von auf 1/5 auf 1/4.
Bei Wechsel von v und C in gleicher Richtung können wir diese
Größenveränderung so auffassen, daß beide bis zu einem gewissen
Grad in demselben Verhältnis variieren, so daß bis dahin v/C un-
verändert bleibt. Über diesen Grad hinaus würde dann nur eins von
beiden variieren, und wir haben damit diesen komplizierteren Fall
auf einen der vorhergehenden einfachern reduziert.
Geht z.B. 80c + 20v +20m über in: 100c + 30v + 30m, so bleibt das
Verhältnis von v zu c und also auch zu C unverändert bei dieser
Variation bis zu: 100c + 25v + 25m. Bis dahin also bleibt auch
die Profitrate unberührt. Wir können also jetzt 100c + 25v + 25m
zum Ausgangspunkt nehmen; wir finden, daß v um 5, auf 30v, und
dadurch C von 125 auf 130 gestiegen ist, und haben damit den
zweiten Fall, den der einfachen Variation von v und der dadurch
verursachten Variation von C vor uns. Die Profitrate, die
#72# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
-----
ursprünglich 20% war, steigt durch diesen Zusatz von 5 v bei
gleicher Mehrwertsrate auf 23 1/13 %.
Dieselbe Reduktion auf einen einfachem Fall kann stattfinden,
auch wenn v und C in entgegengesetzter Richtung ihre Größe än-
dern. Gehn wir z.B. wieder aus von 80v + 20c + 20m und lassen
dies übergehn in die Form: 110c + 10v + 10m so wäre bei einer Än-
derung auf 40c + 10v + 10m die Profitrate dieselbe wie anfangs,
nämlich 20%. Durch Zusatz von 70c zu dieser Zwischenform wird sie
gesenkt auf 8 1/3 %. Wir haben den Fall also wieder reduziert auf
einen Fall der Variation einer einzigen Variablen, nämlich von c.
Gleichzeitige Variation von v, c und C bietet also keine neuen
Gesichtspunkte und führt in letzter Instanz stets zurück auf
einen Fall, wo nur ein Faktor variabel ist.
Selbst der einzige noch übrige Fall ist tatsächlich bereits er-
schöpft, nämlich der Fall, wo v und C numerisch gleich groß blei-
ben, aber ihre stofflichen Elemente einen Wertwechsel erleiden,
wo also v ein verändertes Quantum in Bewegung gesetzter Arbeit, c
ein verändertes Quantum in Bewegung gesetzter Produktionsmittel
anzeigt.
In 80c + 20v + 20m stelle 20, ursprünglich den Lohn von 20 Arbei-
tern, zu 10 Arbeitsstunden täglich, dar. Der Lohn eines jeden
steige von 1 auf 1 1/4. Dann bezahlen 20v statt 20 nur noch 16
Arbeiter. Wenn aber die 20 in 200 Arbeitsstunden einen Wert von
40 produzierten, werden die 16, in 10 Stunden täglich, also 160
Arbeitsstunden in allem, nur einen Wert von 32 produzieren. Nach
Abzug von 20, für Lohn bleibt dann von 32 nur noch 12 für Mehr-
wert; die Rate des Mehrwerts wäre gefallen von 100% auf 60%. Da
aber nach der Voraussetzung die Rate des Mehrwerts konstant blei-
ben muß, so müßte der Arbeitstag um 1/4, von 10 Stunden auf 12
1/2, verlängert werden; wenn 20 Arbeiter in 10 Stunden täglich
200 Arbeitsstunden einen Wert von 80 produzieren, so produzieren
16 Arbeiter in 12 1/2 Stunden täglich = 200 Stunden denselben
Wert, das Kapital von 80c + 20v produzierte nach wie vor einen
Mehrwert von 20.
Umgekehrt: fällt der Lohn derart, daß 20v den Lohn von 30 Arbei-
tern bestreitet, so kann m' nur konstant bleiben, wenn der Ar-
beitstag von 10 auf 6 2/3 Stunden herabgesetzt wird. 20 x 10 = 30
x 6/3 = 200 Arbeitsstunden.
Inwiefern bei diesen entgegengesetzten Annahmen c dem Wertaus-
druck in Geld nach gleichbleiben, aber dennoch die den veränder-
ten Verhältnissen entsprechende veränderte Menge Produktionsmit-
tel darstellen kann, ist im wesentlichen schon oben erörtert. In
seiner Reinheit dürfte dieser Fall nur sehr ausnahmsweise zuläs-
sig sein.
#73# 3.Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwerts
-----
Was den Wertwechsel der Elemente von c betrifft, der ihre Masse
vergrößert oder vermindert, aber die Wertsumme c unverändert
läßt, so berührt er weder die Profitrate noch die Mehrwertsrate,
solange er keine Verändrung der Größe von v nach sich zieht. Wir
haben hiermit alle möglichen Fälle der Variation von v, c und C
in unsrer Gleichung erschöpft. Wir haben gesehn, daß die Pro-
fitrate, bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts, fallen, gleich-
bleiben oder steigen kann, indem die geringste Änderung im Ver-
hältnis von v zu c, resp. C, hinreicht, um die Profitrate eben-
falls zu ändern.
Es hat sich ferner gezeigt, daß bei der Variation von v überall
eine Grenze eintritt, wo die Konstanz von m' ökonomisch unmöglich
wird. Da jede einseitige Variation von c ebenfalls an einer
Grenze ankommen muß, wo v nicht länger konstant bleiben kann, so
zeigt sich, daß für alle möglichen Variationen von v/C Grenzen
gesetzt sind, jenseits deren m' ebenfalls variabel werden muß.
Bei den Variationen von m', zu deren Untersuchung wir jetzt über-
gehn, wird diese Wechselwirkung der verschiednen Vabeln unsrer
Gleichung noch deutlicher hervortreten.
II. m' variabel
Eine allgemeine Formel für die Profitraten bei verschiednen Mehr-
wertsraten, einerlei ob v konstant bleibt oder ebenfalls vari-
iert, ergibt sich, wenn wir die Gleichung:
p' = m'v/C
übergehn lassen in die andre:
p'1 = m'1 v1/C1,
wo p'1, m'1, v1 und C1 die veränderten Werte von p', m', v und C
bedeuten.
Wir haben dann:
p' : p'1 = m'v/C : m'1v1/C1,
und daraus:
m'1 v1 C
p'1 = --- x -- x -- x p'.
m' c C1
1. m' variabel, v konstant
In diesem Fall haben wir die Gleichungen:
p' = m'v/C; p'1 = m'1 v/C,
in beiden v/C gleichwertig. Es verhält sich daher:
p' : p'1 = m' : m'1.
#74# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
-----
Die Profitraten zweier Kapitale von gleicher Zusammensetzung ver-
halten sich wie die bezüglichen beiden Mehrwertsraten. Da es im
Bruch v/C nicht auf die absoluten Größen von v und C ankommt,
sondern nur auf das Verhältnis beider, gilt dies für alle Kapi-
tale gleicher Zusammensetzung, was immer ihre absolute Größe sei.
80c + 20v + 20m; C = 100, m' = 100%, p' = 20%
160c + 40v + 20m; C = 200, m'= 50%, p'= 10%
100% : 50% = 20% : 10%.
Sind die absoluten Größen von v und C in beiden Fällen dieselben,
so verhalten sich die Profitraten außerdem wie die Mehrwertsmas-
sen.
p' : p'1 = m'v : m'v = m : m1.
Zum Beispiel:
80c + 20v + 20m; m' = 100%, p' = 20%
80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10%
20% : 10% = 100 x 20: 50 x 20 = 20m : 10m.
Es ist nun klar, daß bei Kapitalen von gleicher absoluter oder
prozentiger Zusammensetzung die Mehrwertsrate nur verschieden
sein kann, wenn entweder der Arbeitslohn oder die Länge des Ar-
beitstags oder die Intensität der Arbeit verschieden ist. In den
drei Fällen:
I. 80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10%,
II. 80c + 20v + 20m; m' = 100%, p' = 20%,
III. 80c + 20v + 40m; m' = 200%, p' = 40%,
wird ein Gesamtwertprodukt erzeugt in I von 30 (20v + 10m), in II
von 40, in III von 60. Dies kann auf dreierlei Weise geschehn.
Erstens, wenn die Arbeitslöhne verschieden sind, also 20, in je-
dem einzelnen Fall eine verschiedne Arbeiteranzahl ausdrückt. Ge-
setzt, in I werden 15 Arbeiter 10 Stunden beschäftigt zum Lohn
von 1 2/3 Pfd.St. und produzieren einen Wert von 30 Pfd.St., da-
von 20 Pfd.St. den Lohn ersetzen und 10 Pfd.St. für Mehrwert
bleiben. Fällt der Lohn auf 1 Pfd.St., so können 20 Arbeiter 10
Stunden beschäftigt werden und produzieren dann einen Wert von 40
Pfd.St., wovon 20 Pfd.St. für Lohn und 20 Pfd.St. Mehrwert. Fällt
der Lohn noch weiter auf 1/3 Pfd.St., so werden 30 Arbeiter 10
Stunden beschäftigt und produzieren einen Wert von 60 Pfd. St.,
wovon nach Abzug von 20 Pfd.St. für Lohn noch 40 Pfd.St. für
Mehrwert bleiben.
Dieser Fall: konstante prozentige Zusammensetzung des Kapitals,
konstanter Arbeitstag, konstante Arbeitsintensität, Wechsel der
Mehrwertsrate verursacht durch Wechsel des Arbeitslohns, ist der
einzige, wo Ricardos Annahme zutrifft:
#75# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertsrate
-----
"Profits would be high or low, e x a c t l y i n
p r o p o r t i o n as wages would be low or high." 1*)
("Principles", ch. I, sect. III, p. 18 der "Works of D. Ricardo",
ed. MacCulloch, 1852.)
Oder zweitens, wenn die Intensität der Arbeit verschieden ist.
Dann machen z. B. 20 Arbeiter mit denselben Arbeitsmitteln in 10
täglichen Arbeitsstunden, in I 30, in II 40, in III 60 Stück ei-
ner bestimmten Ware, wovon jedes Stück, außer dem Wert der darin
verbrauchten Produktionsmittel, einen Neuwert von 1 Pfd.St. dar-
stellt. Da jedesmal 20 Stück = 20 Pfd.St. den Arbeitslohn erset-
zen, bleiben für Mehrwert in 110 Stück 10 Pfd.St., in II 20 Stück
20 Pfd.St., in III 40 Stück 40 Pfd.St.
Oder drittens, der Arbeitstag ist von verschiedner Länge. Arbei-
ten bei gleicher Intensität 20 Arbeiter in I neun, in II zwölf,
in III achtzehn Stunden täglich, so verhält sich ihr Gesamtpro-
dukt 30:40:60 wie 9:12:18, und da der Lohn jedesmal = 20, so
bleiben wieder 10, resp. 20 und 40 für Mehrwert.
Steigerung oder Senkung des Arbeitslohns wirkt also in umgekehr-
ter Richtung, Steigerung oder Senkung der Arbeitsintensität und
Verlängerung oder Kürzung des Arbeitstags wirkt in derselben
Richtung auf die Höhe der Mehrwertsrate und damit, bei konstantem
v/C, auf die Profitrate.
2. m' und v variabel, C konstant
In diesem Fall gilt die Proportion:
v v1
p' : p'1 = m'- : m'1-- = m'v : m'1v1 = m: m1.
C C
Die Profitraten verhalten sich wie die respektiven Mehrwertsmas-
sen.
Variierung der Mehrwertsrate bei gleichbleibendem variablem Kapi-
tal bedeutete Veränderung in Größe und Verteilung des Wertpro-
dukts. Gleichzeitige Variation von v und m' schließt ebenfalls
eine andre Verteilung, aber nicht immer einen Größenwechsel des
Wertprodukts ein. Es sind drei Fälle möglich:
a) Die Variation von v und m' erfolgt in entgegengesetzter Rich-
tung, aber um dieselbe Größe; z.B.:
80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10%
90c + 10v + 20m; m' = 200%, p' = 20%.
Das Wertprodukt ist in beiden Fällen gleich, also auch das gelei-
stete Arbeitsquanturn; 20v + 10m = 10v + 20m = 30. Der Unter-
schied ist nur,
-----
1*) Die Profite würden g e n a u i n d e m
V e r h ä l t n i s hoch oder niedrig sein, wie die Löhne nied-
rig oder hoch wären."
#76# I.- Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
-----
daß im ersten Fall 20 für Lohn gezahlt werden und 10 für Mehrwert
bleiben, während im zweiten Fall der Lohn nur 10 beträgt und der
Mehrwert daher 20. Dies ist der einzige Fall, wo bei gleichzeiti-
ger Variation von v und m' Arbeiterzahl, Arbeitsintensität und
Länge des Arbeitstags unberührt bleiben.
b) Die Variation von m' und v erfolgt ebenfalls in entgegenge-
setzter Richtung, aber nicht um dieselbe Größe bei beiden. Dann
überwiegt die Variation entweder von v oder von m'.
I. 80c + 20v + 20m, m' = 100%, p' = 20%
II. 72c + 28v + 20m, m' = 71 3/7 %, p' = 20%
III. 84c + 16v + 20m, m' = 25%, p' = 20%.
In I wird ein Wertprodukt von 40 mit 20v, in II eins von 48 mit
28v in III eins von 36 mit 16, bezahlt. Sowohl das Wertprodukt
wie der Lohn hat sich verändert; Änderung des Wertprodukts aber
heißt Änderung des geleisteten Arbeitsquantums, also entweder der
Arbeiterzahl, der Arbeitsdauer oder der Arbeitsintensität oder
mehrerer von diesen dreien.
c) Die Variation von m' und v erfolgt in derselben Richtung; dann
verstärkt die eine die Wirkung der andern.
90c + 10v + 10m; m' = 100%, p' = 10%
80c + 20v + 30m; m' = 150%, p' = 30%
92c + 8v + 6m; m' = 75%, p' = 6%.
Auch hier sind die drei Wertprodukte verschieden, nämlich 20, 50
und 14; und diese Verschiedenheit in der Größe des jedesmaligen
Arbeitsquantums reduziert sich wieder auf Verschiedenheit der Ar-
beiterzahl, der Arbeitsdauer, der Arbeitsintensität oder mehrerer
resp. aller dieser Faktoren.
3. m', v und C variabel
Dieser Fall bietet keine neuen Gesichtspunkte und erledigt sich
durch die unter II., m' variabel, gegebne allgemeine Formel.
---
Die Wirkung eines Größenwechsels der Mehrwertsrate auf die Pro-
fitrate ergibt also folgende Fälle:
1. p' vermehrt oder vermindert sich in demselben Verhältnis wie
m', wenn v/C konstant bleibt.
#77# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertsrate
-----
80c + 20v + 20m; m' = 100%, p' = 20%
80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10%
100% : 50% = 20% : 10%.
2. p' steigt oder fällt in stärkerem Verhältnis als m', wenn v/C
sich in entgegengesetzter Richtung bewegt wie m', d.h. zunimmt
oder abnimmt, wenn m' zu, oder abnimmt.
80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10%
70c + 30v + 20m; m' = 66 2/3%, p' = 20%
50% : 66 2/3% < 10% : 20%.
3. p' steigt oder fällt in kleinerm Verhältnis als m', wenn v/C
sich in entgegengesetzter Richtung ändert wie m', aber in klei-
nerm Verhältnis.
80c + 20v + 10m; m' = 50%, p' = 10%
90c + 10v + 15m; m' = 150%, p' = 15%
50% : 150% > 10% : 15%.
4. p' steigt, obgleich m' fällt, oder fällt, obgleich in steigt,
wenn v/C sich in entgegengesetzter Richtung ändert wie m' und in
größerem Verhältnis ah dieses.
80c + 20v + 20m; m' = 100%, p' = 20%
90c + 10v + 15m; m' = 150%, p' = 15 %
m' gestiegen von 100% auf 150%, p' gefallen von 20% auf 15%.
5. Endlich: p' bleibt konstant, obgleich m' steigt oder fällt,
wenn v/C in entgegengesetzter Richtung, aber genau in demselben
Verhältnis wie m' seine Größe ändert.
Es ist nur dieser letzte Fall, der noch einiger Erörterung be-
darf. Wie wir oben bei den Variationen von v/C sahen, daß eine
und dieselbe Mehrwertsrate sich in den verschiedensten Profitra-
ten ausdrücken kann, so sehn wir hier, daß einer und derselben
Profitrate sehr verschiedne Mehrwertsraten zugrunde liegen kön-
nen. Während aber bei konstantem m' jede beliebige Änderung im
Verhältnis von v zu C genügte, um eine Verschiedenheit der Pro-
fitrate hervorzurufen, muß bei Größenwechsel von m' ein genau
entsprechender, umgekehrter Größenwechsel von v/C eintreten, da-
mit die Profitrate dieselbe bleibe. Dies ist bei einem und dem-
selben Kapital oder bei zwei Kapitalen in demselben Land nur sehr
ausnahmsweise möglich.
#78# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
-----
Nehmen wir z. B. ein Kapital
80c + 20v + 20m; C = 100, m' = 100%. p' = 20%,
nehmen wir an. der Arbeitslohn falle derart, daß dieselbe Arbei-
terzahl nunmehr mit 16v zu haben wäre statt mit 20v. Dann haben
wir, bei sonst unveränderten Verhältnissen, unter Freisetzung von
4v,
80c + 16v + 24m; C = 96, m' = 150%, p' = 25%.
Damit nun p' = 20% wäre, wie vorher, müßte das Gesamtkapital auf
120, also das konstante auf 104 wachsen:
104c + 16v + 24m; C = 120, m' = 150%, p' = 20%.
Dies wäre nur möglich, wenn gleichzeitig mit der Lohnsenkung eine
Änderung in der Produktivität der Arbeit einträte, die diese ver-
änderte Zusammensetzung des Kapitals erheischte; oder aber, wenn
der Geldwert des konstanten Kapitals von 80 auf 104 stiege; kurz,
ein zufälliges Zusammentreffen von Bedingungen, wie es nur in
Ausnahmefällen vorkommt. In der Tat ist eine Änderung von m', die
nicht gleichzeitig eine Änderung von v, und damit auch von v/C
bedingt, nur unter ganz bestimmten Umständen denkbar, bei solchen
Industriezweigen nämlich, worin nur fixes Kapital und Arbeit an-
gewandt wird und der Arbeitsgegenstand von der Natur geliefert
ist.
Aber im Vergleich der Profitraten zweier Länder ist dies anders.
Dieselbe Profitrate drückt hier in der Tat meist verschiedne Ra-
ten des Mehrwerts aus.
Aus den sämtlichen fünf Fällen ergibt sich also, daß eine stei-
gende Profitrate einer fallenden oder steigenden Mehrwertsrate,
eine fallende Profitrate einer steigenden oder fallenden, eine
gleichbleibende Profitrate einer steigenden oder fallenden Mehr-
wertsrate entsprechen kann. Daß eine steigende, fallende oder
gleichbleibende Profitrate ebenfalls einer gleich. bleibenden
Mehrwertsrate entsprechen kann, haben wir unter I gesehn.
---
Die Profitrate wird also bestimmt durch zwei Hauptfaktoren: die
Rate des Mehrwerts und die Wertzusammensetzung des Kapitals. Die
Wirkungen dieser beiden Faktoren lassen sich kurz zusammenfassen
wie folgt, wobei wir die Zusammensetzung in Prozenten ausdrücken
können, da es hier gleichgültig ist, von welchem der beiden Kapi-
talteile die Änderung ausgeht: Die Profitraten zweier Kapitale
oder eines und desselben Kapitals in zwei sukzessiven, verschied-
nen Zuständen
#79# 3. Kapitel - Verhältnis der Profitrate zur Mehrwertsrate
-----
s i n d g l e i c h:
1. bei gleicher prozentiger Zusammensetzung der Kapitale und
gleicher Mehrwertsrate.
2. bei ungleicher prozentiger Zusammensetzung und ungleicher
Mehrwertsrate, wenn die Produkte der Mehrwertsraten in die pro-
zentigen variablen Kapitaltelle (die m' und v), d.h. die prozen-
tig aufs Gesamtkapital berechneten Mehrwerts m a s s e n (m =
m'v) gleich sind, in andern Worten, wenn beide Male die Faktoren
m' und v in umgekehrtem Verhältnis zueinander stehn.
S i e s i n d u n g l e i c h:
1. bei gleicher prozentiger Zusammensetzung, wenn die Mehrwerts-
ratenungleich sind, wo sie sich verhalten wie die Mehrwertsraten.
2. bei gleicher Mehrwertsrate und ungleicher prozentiger Zusam-
mensetzung, wo sie sich verhalten wie die vatiablen Kapitalteile.
3. bei ungleicher Mehrwertsrate und ungleicher prozentiger Zusam-
men setzung, wo sie sich verhalten wie die Produkte m'v, d. h.
wie die prozentig aufs Gesamtkapital berechneten Mehrwertsmassen.
10)
---
10) In dem Ms. finden sich noch ausführliche Berechnungen über
die Differenz zwischen Mehrwertsrate und Profitrate (m' - p'),
die allerhand interessante Eigentümlichkeiten besitzt und deren
Bewegung die Fälle anzeigt, wo die beiden Raten sich voneinander
entfernen oder sich einander nähern. Diese Bewegungen lassen sich
auch in Kurven darstellen. Ich verzichte auf Wiedergabe dieses
Materials, da es für die nächsten Zwecke dieses Buchs weniger
wichtig ist und es hier genügt, diejenigen Leser, die diesen
Punkt weiter verfolgen wollen, einfach darauf aufmerksam zu ma-
chen. - F. E.
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