Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       EINUNDVIERZIGSTES KAPITEL
       Die Differentialrente II - Erster Fall:
       Konstanter Produktionspreis
       
       Diese Voraussetzung schließt ein, daß der Marktpreis nach wie vor
       durch das  auf dem  schlechtesten Boden A angelegte Kapital regu-
       liert wird.
       I. Wenn  das auf irgendeiner der Rente tragenden Bodenatten B, C,
       D angelegte  zuschüssige Kapital  nur soviel  Produziert wie das-
       selbe Kapital auf Boden A, d.h. wenn es zum regulierenden Produk-
       tionspreis nur  den Durchschnittsprofit abwirft, also keinen Sur-
       plusprofit, so  ist die  Wirkung auf  die Rente  gleich Null.  Es
       bleibt alles beim alten. Es ist dasselbe, als wenn eine beliebige
       Zahl Acres von der Qualität A, des schlechtesten Bodens, der bis-
       her bebauten Fläche zugesetzt wäre.
       II. Die  zusätzlichen Kapitale bringen auf jeder verschiednen Bo-
       denart ihrer  Größe proportionelle,  zuschüssige Produkte hervor;
       d.h. die  Größe der  Produktion wächst,  je nach der spezifischen
       Fruchtbarkeit jeder  Bodenart, proportionell  zur Größe  des  zu-
       schüssigen Kapitals. Wir gingen in Kapitel XXXIX aus von der fol-
       genden Tabelle I:
       
       Boden    Kapi Profit Produk        Ver-                   Rate
       art      tal         tions Produkt kaufs-  Ertrag  Rente  des
           Acres Pfd  Pfd.  kosten        preis   Pfd.       Pfd Surplus
                 St.  St.   Pfd.St. qrs.  Pfd.St. St.    qrs St. profits
       A    1   2 1/2  1/2    3      1      3      3      0   0     0
       B    1   2 1/2  1/2    3      2      3      6      1   3   120%
       C    1   2 1/2  1/2    3      3      3      9      2   6   240%
       D    1   2 1/2  1/2    3      4      3     12      3   9   360%
       ---------------------------------------------------------------
       Total 4  10            12     10           30      6  18
       
       #699# 41. Kapitel - Differentialtente II - Erster Fall
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       Diese verwandelt sich jetzt in:
       
                                 Tabelle II
       Boden    Kapi Profit Produk        Ver-                   Rate
       art      tal         tions Produkt kaufs-  Ertrag  Rente  des
           Acres Pfd  Pfd.  kosten        preis   Pfd.       Pfd Surplus
                 St.  St.   Pfd.St. qrs.  Pfd.St. St.    qrs St. profits
       
       A    1  2 1/2   1      6      2      3      6      0   0
              +2 1/2
              =5
       B    1  2 1/2   1      6      4      3     12      2   6    120%
              +2 1/2
              =5
       C    1  2 1/2   1      6      6      3     18      4  12    240%
              +2 1/2
              =5
       D    1  2 1/2   1      6      8      3     24      6  18    360%
              +2 1/2
              =5
       ----------------------------------------------------------------
            4  20                   20            60     12  36
       
       Es ist  hier nicht nötig, daß, wie in der Tabelle, die Kapitalan-
       lage sich  auf allen  Bodenarten verdoppelt.  Das Gesetz ist das-
       selbe, sobald nur auf irgendeiner oder mehreren der Rente tragen-
       den Bodenatten zuschüssiges Kapital angewandt wird, gleichviel in
       welcher Proportion.  Was nötig ist, ist nur, daß auf jeder Boden-
       art die Produktion sich im selben Verhältnis vermehrt wie das Ka-
       pital. Die  Rente steigt  hier bloß infolge vermehrter Kapitalan-
       lage auf den Boden und im Verhältnis zu dieser Kapitalvermehrung.
       Diese Vermehrung  des Produkts und der Rente infolge von und pro.
       portionell zu  vermehrter Kapitalanlage ist, was Quantum des Pro-
       dukts und  der Rente  angeht, ganz dasselbe, als wenn die bebaute
       Fläche der  Rente tragenden Ländereien gleicher Bonität sich ver-
       mehrt hätte  und mit  gleicher Kapitalanlage, wie früher auf den-
       selben Bodenarten,  der Kultur  unterworfen wäre. Im Fall von Ta-
       belle II  z.B. bliebe das Resultat dasselbe, wenn das zuschüssige
       Kapital von  2 1/2 Pfd.St. per Acre auf je einen zweiten Acre von
       B, C und D angelegt wäre.
       Diese Annahme unterstellt ferner keine fruchtbarere Anwendung des
       Kapitals, sondern  nur Anwendung  von mehr  Kapital auf derselben
       Fläche mit demselben Erfolg wie bisher.
       Es bleiben  hier alle proportionellen Verhältnisse dieselben. Al-
       lerdings, wenn man nicht die proportionellen Differenzen, sondern
       die rein  arithmetischen betrachtet,  kann sich die Differential-
       rente auf  den verschiednen Bodenarten verändern. Nehmen wir z.B.
       an, das  zuschüssige Kapital sei nur auf B und D angelegt worden.
       So ist dann der Unterschied von D und A = 7 qrs., früher = 3; der
       von B  und A = 3 qrs., früher = 1; der von C und B = -1, früher =
       +1 usw. Aber diese arithmetische Differenz, die
       
       #700# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       entscheidend ist  bei der Differentialrente 1, soweit sich in ihr
       der Unterschied  in der  Produktivität bei gleicher Kapitalanlage
       ausdrückt, ist  hier völlig gleichgültig, weil sie nur Folge ver-
       schiedner Mehranlage  oder NichtMehranlage  von Kapital  ist, bei
       gleichbleibender Differenz für jeden gleichen KapitaltelI auf die
       verschiednen Ländereien.
       III. Die  zuschüssigen Kapitale  bringen  überschüssiges  Produkt
       hervor und  bilden daher  Surplusprofite,  aber  mit  abnehmender
       Rate, nicht iin Verhältnis zu ihrer Vergrößerung.
       
                                 Tabelle III
       Boden    Kapi Profit Produk        Ver-                   Rate
       art      tal         tions Produkt kaufs-  Ertrag  Rente  des
           Acres Pfd  Pfd.  kosten        preis   Pfd.       Pfd Surplus
                 St.  St.   Pfd.St. qrs.  Pfd.St. St.   qrs  St. profits
       A    1  2 1/2  1/2   3       1      3    3      0      0       0
       B    1  2 1/2   1    6       2      3   10 1/2  1 1/2  4 1/2  90%
              +2 1/2               +1 1/2
              =5                   =3 1/2
       C    1  2 1/2   1    6    1  3 + 2  3   15      3      9     180%
              +2 1/2               =5
       D    1  2 1/2   1    6       4      3   22 1/2  5 1/2 16 1/2 330%
              +2 1/2               +3 1/2
              =5                   =7 1/2
       -----------------------------------------------------------------
              17 1/2  3 1/2  21    17          51     10     30
       
       Es ist bei dieser dritten Annahme wieder gleichgültig, ob die zu-
       schüssigen zweiten  Kapitalanlagen gleichmäßig oder ungleichmäßig
       auf die  verschiednen Bodenarten fallen oder nicht; ob die abneh-
       mende Produktion  von Surplusprofit  in gleichen  oder ungleichen
       Verhältnissen vor  sich geht;  ob die zusätzlichen Kapitalanlagen
       alle auf  dieselbe, Rente  tragende, Bodenart  fallen oder ob sie
       sich verteilen, gleichmäßig oder ungleichmäßig, auf Rente tragen-
       den Boden  verschiedner Bonität. Alle diese Umstände sind für das
       zu entwickelnde  Gesetz gleichgültig.  Die einzige  Voraussetzung
       ist, daß  zuschüssige Kapitalanlagen  auf irgendeiner  der  Rente
       tragenden Bodenarten  Surplusprofit abwerfen, aber in abnehmender
       Proportion zum  Maß der Kapitalvermehrung. Die Grenzen dieser Ab-
       nahme bewegen  sich 'n  den Beispielen  der vorliegenden  Tabelle
       zwischen 4 qrs. = 12 Pfd.St. dem Produkt der ersten Kapitalanlage
       auf den besten Boden D, und 1 qt. = 3Pfd.St., dem Produkt dersel-
       ben Kapitalanlage  auf den schlechtesten Boden A. Das Produkt des
       besten Bodens  bei Anlage  von Kapital I bildet die Maximalgrenze
       und das  Produkt des  nicht Rente tragenden, keinen Surplusprofit
       gebenden schlechtesten  Bodens A, bei gleicher Kapitalanlage, die
       Minimalgrenze des  Produkts, welches die sukzessiven Kapitalanla-
       gen auf  irgendeinem der Surplusprofit abwerfenden Bodenatten bei
       abnehmen-
       
       #701# 41. Kapitel - Differentialtente II - Erster Fall
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       der Produktivität  sukzessiver Kapitalanlagen  abwerfen. Wie  die
       Annahme II  dem entspricht,  daß von  den bessern Bodenarten neue
       Stücke gleicher Qualität der bebauten Fläche zugefügt werden, daß
       die Quantität  irgend einer der kultivierten Bodenarten sich ver-
       mehrt, so  entspricht die Annahme 111 dem, daß zusätzliche Boden-
       stücke bebaut  werden, deren  verschiedne Grade von Fruchtbarkeit
       sich verteilen  zwischen D  und A,  zwischen denen des besten und
       denen des schlechtesten Bodens. Finden die sukzessiven Kapitalan-
       lagen ausschließlich  auf dem  Boden D  statt, so  können sie die
       existierenden Differenzen  zwischen D  und A einbegreifen, ferner
       Differenzen zwischen D und C, ebenso wie zwischen D und B. Finden
       sie alle  auf Boden  C statt, so nur Differenzen zwischen C und A
       resp. B; wenn auf B, nur Differenzen zwischen B und A.
       Das Gesetz  aber ist:  daß die  Rente auf allen diesen Bodenarten
       absolut wächst,  wenn auch nicht im Verhältnis zum zuschüssig an-
       gelegten Kapital.
       Die Rate  des Surplusprofits,  sowohl das zuschüssige Kapital wie
       das gesamte auf den Boden angelegte Kapital betrachtet, nimmt ab;
       aber die absolute Größe des Surplusprofits nimmt zu; ganz wie die
       abnehmende Profitrate  des Kapitals überhaupt meist mit zunehmen-
       der absoluter  Masse des Profits verbunden ist. So ist der Durch-
       schnitts-Surplusprofit der  Kapitalanlage auf  B = 90% aufs Kapi-
       tal, während  er bei  der ersten Kapital. anlage = 120% war. Aber
       der gesamte  Surplusprofit nimmt  zu, von 1 qr. auf 1 1/2 qr. und
       von 3  Pfd.St. auf  4 1/2.  Die Gesamtrente für sich betrachtet -
       und nicht  mit Bezug  auf die verdoppelte Größe des vorgeschoßnen
       Kapitals -  ist absolut gestiegen. Die Differenzen der Renten der
       verschiednen Bodenarten  und ihr Verhältnis zueinander mögen hier
       wechseln; aber  dieser Wechsel  in der  Differenz ist hier Folge,
       nicht Ursache der Vermehrung der Renten gegeneinander.
       IV. Der  Fall, wo die zuschüssigen Kapitalanlagen auf den bessern
       Boden, arten  ein größeres  Produkt erzeugen  als die ursprüngli-
       chen, verlangt keine weitre Analyse. Es versteht sich von selbst,
       daß unter  dieser Voraussetzung  die Renten per Acre steigen, und
       in größerm  Verhältnis als  das zuschüssige  Kapital, auf welcher
       Bodenart immer seine Anlage stattgefunden hat. In diesem Fall ist
       die zuschüssige  Kapitalanlage mit Verbesserung verbunden. Es ist
       hierin eingeschlossen,  wenn ein Zuschuß von weniger Kapital die-
       selbe oder  größre Wirkung produziert als früher Zuschuß von mehr
       Kapital. Dieser Fall ist nicht ganz identisch mit dem frühem, und
       es ist dies ein Unterschied, der bei allen Kapitalanlagen wichtig
       ist. Wenn z.B. 100 einen Profit von 10 gibt und 200, in einer be-
       stimmten Form  angewandt, einen  Profit von 40, so ist der Profit
       von 10% auf 20% gestiegen, und insoweit ist
       
       #702# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       dies dasselbe,  als wenn  50, in einer wirksamern Form angewandt,
       einen Profit  von 10 statt 5 gibt. Wir unterstellen hier, daß der
       Profit mit proportioneller Vermehrung des Produkts verbunden ist.
       Aber der  Unterschied ist,  daß ich in dem einen Fall das Kapital
       verdoppeln muß,  dagegen in dem andern mit dem bisherigen Kapital
       den doppelten  Effekt hervorbringe.  Es ist  durchaus nicht  das-
       selbe, ob  ich 1.  mit halb  soviel lebendiger und vergegenständ-
       lichter Arbeit  dasselbe Produkt  wie früher, oder 2. mit dersel-
       ben, Arbeit  das doppelte  Produkt gegen  früher, oder 3. mit der
       doppelten Arbeit das vielfache Produkt gegen früher hervorbringe.
       Im ersten  Fall wird  Arbeit -  in lebendiger oder vergegenständ-
       lichter Form - frei, die anderswie verwandt werden kann; das Dis-
       positionsvermögen über Arbeit und Kapital wächst. Die Freisetzung
       von Kapital  (und Arbeit)  ist an sich eine Vermehrung des Reich-
       tums; sie  hat ganz denselben Effekt, als ob dies zuschüssige Ka-
       pital durch  Akkumulation erzielt  worden sei, spart aber die Ar-
       beit der Akkumulation.
       Gesetzt, ein Kapital von 100 habe ein Produkt von 10 Meter produ-
       ziert. In den 100 sei sowohl konstantes Kapital als lebendige Ar-
       beit und  Profit eingeschlossen. So kostet der Meter 10. Kann ich
       mit demselben  Kapital von 100 jetzt 20 Meter produzieren, so ko-
       stet der Meter 5. Kann ich dagegen mit 50 Kapital 10 Meter produ-
       zieren, so  kostet der  Meter auch 5, und es wird ein Kapital von
       50 freigesetzt,  soweit die  alte Warenzufuhr genügt. Muß ich 200
       Kapital anlegen,  um 40 Meter zu produzieren, so kostet der Meter
       ebenfalls 5. Die Wert- oder auch Preisbestimmung läßt hier keinen
       Unterschied erkennen,  ebensowenig wie  die  dem  Kapitalvorschuß
       proportionelle Produktenmasse.  Aber im  ersten Fall wird Kapital
       freigesetzt; im  zweiten Fall  wird zuschüssiges Kapital erspart,
       soweit etwa  doppelte Produktion nötig wäre; im dritten Fall kann
       das vermehrte Produkt nur erhalten werden, indem das vorgeschoßne
       Kapital wächst,  obgleich nicht in demselben Verhältnis, wie wenn
       das vermehrte  Produkt von  der alten Produktivkraft hätte gelie-
       fert werden sollen. (Gehört in Abschnitt I.)
       Vom Standpunkt  der kapitalistischen  Produktion aus  betrachtet,
       nicht mit  Rücksicht auf  Steigerung des  Mehrwerts, sondern  auf
       Senkung des  Kostpreises - und Ersparung der Kosten auch im Mehr-
       wert bildenden  Element, der  Arbeit, tut dem Kapitalisten diesen
       Dienst und  bildet Profit  für ihn, solange der regulierende Pro-
       duktionspreis derselbe  bleibt - ist die Anwendung von konstantem
       Kapital stets wohlfeiler als die von variablern. Es setzt dies in
       der Tat  die der  kapitalistischen Produktionsweise entsprechende
       Kreditentwicklung und  Reichlichkeit von  Leihkapital voraus. Auf
       der einen Seite wende ich 100 Pfd.St. zusätzliches konstantes Ka-
       pital an,
       
       #703# 41. Kapitel - Differentialrente II - Erster Fall
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       wenn 100  Pfd.St. das  Produkt von 5 Arbeitern während des Jahrs;
       auf der andern 100 Pfd.St; In variablem Kapital. Ist die Rate des
       Mehrwerts =  100%, so der Wert, den die 5 Arbeiter geschaffen ha-
       ben =  200 Pfd.St.;  dagegen der  Wert von 100 Pfd.St. konstantem
       Kapital ist  = 100  Pfd.St. und  als  Kapital  vielleicht  =  105
       Pfd.St., wenn  der Zinsfuß = 5%. Dieselben Geldsummen, je nachdem
       sie der  Produktion vorgeschossen  werden als Wertgrößen von kon-
       stantem oder  von variablem  Kapital,  drücken  sehr  verschiednc
       Werte aus, in ihrem Produkt betrachtet. Was ferner die Kosten der
       Waren vom Standpunkt des Kapitalisten angeht, findet noch der Un-
       terschied statt,  daß von den 100 Pfd.St. konstantes Kapital, so-
       weit dies  in fixem  Kapital angelegt,  nur der Verschleiß in den
       Wert der  Ware eingeht,  während die  100 Pfd.St. für Arbeitslohn
       ganz darin reproduziert sein müssen.
       Bei Kolonisten  und überhaupt selbständigen Kleinproduzenten, die
       über Kapital  gar nicht oder nur zu hohen Zinsen verfügen können,
       ist der  Produktenteil, der  den Arbeitslohn vertritt, ihre Reve-
       nue, während  er für  den Kapitalisten Kapitalvorschuß ist. Jener
       betrachtet diese Arbeitsauslage daher als unumgängliche Vorbedin-
       gung für  den Arbeitsertrag, um den es sich zunächst handelt. Was
       aber seine  überschüssige Arbeit  betrifft, nach Abzug jener not-
       wendigen Arbeit, so realisiert sie sich jedenfalls in einem über-
       schüssigen Produkt; und sobald er dies verkaufen oder auch selbst
       verwenden kann,  betrachtet er dies als etwas, was ihm nichts ge-
       kostet hat,  weil keine  vergegenständlichte Arbeit. Es ist diese
       allein, deren Verausgabung ihm als Veräußerung von Reichtum gilt.
       Er sucht  natürlich so hoch zu verkaufen als möglich; aber selbst
       der Verkauf unter dem Wert und unter dem kapitalistischen Produk-
       tionspreis gilt  ihm immer  noch als Profit, soweit dieser Profit
       nicht durch  Verschuldung, Hypothek usw. antizipiert ist. Für den
       Kapitalisten dagegen  ist sowohl  die Auslage  von variablem  wie
       konstantern Kapital Vorschuß von Kapital. Der relativ größre Vor-
       schuß des Letztem verringert unter sonst gleichbleibenden Umstän-
       den den Kostpreis, wie wirklich auch den Wert der Waren. Obgleich
       daher der  Profit bloß  aus der Mehrarbeit, also bloß aus der An-
       wendung von  variablem Kapital  entspringt, kann es dem einzelnen
       Kapitalisten doch so scheinen, daß die lebendige Arbeit das kost-
       spieligste und  am meisten  aufs Minimum  zu reduzierende Element
       seiner Produktionskosten ist. Es ist dies nur eine kapitalistisch
       verdrehte Form  des Richtigen, daß die verhältnismäßig größre An-
       wendung vergangner Arbeit, verglichen mit lebendiger, gesteigerte
       Produktivität der  gesellschaftlichen Arbeit  und größren gesell-
       schaftlichen Reichtum  bedeutet. So  falsch ist alles und so, auf
       den Kopf  gestellt, bietet sich alles dar vom Standpunkt der Kon-
       kurrenz. -
       
       #704# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       Bei der  Voraussetzung gleichbleibender  Produktionspreise können
       die zuschüssigen Kapitalanlagen mit gleichbleibender, zunehmender
       oder abnehmender  Produktivität auf  den bessern Ländereien, d.h.
       auf allen  von B  aufwärts gemacht werden. Auf A selbst wäre dies
       unter unsrer  Voraussetzung nur  möglich entweder bei gleichblei-
       bender Produktivität,  wo das  Land dann nach wie vor keine Rente
       trägt, oder auch wenn die Produktivität zunimmt; ein Teil des auf
       den Boden  A angelegten Kapitals würde dann Rente tragen, der an-
       dre nicht. Aber es wäre unmöglich bei Annahme abnehmender Produk-
       tivkraft für  A, denn sonst würde der Produktionspreis nicht kon-
       stant bleiben,  sondern steigen.  Unter  allen  diesen  Umständen
       aber, d.h.  ob das  Surplusprodukt, das  sie bringen, ihrer Größe
       proportionell oder  über oder  unter dieser Proportion - ob daher
       die Rate  des Surplusprofits  des Kapitals,  beim Wachstum dieses
       letzteren, konstant  bleibt, steigt oder fällt -, das Surpluspro-
       dukt und  der ihm  entsprechende Surplusprofit  per Acre  wächst,
       also auch  eventuell die  Rente, Korn- und Geldrente. Das Wachsen
       in der bloßen Masse des Surplusprofits, resp. der Rente, per Acre
       berechnet, d.h.  wachsende Masse auf eine gleichbleibende Einheit
       berechnet, also  hier auf irgendein bestimmtes Bodenquantum, Acre
       oder Hektare,  drückt sich als wachsende Proportion aus. Die Höhe
       der Rente,  per Acre berechnet, wächst daher unter diesen Umstän-
       den einfach  infolge der  Vermehrung des auf den Boden angelegten
       Kapitals. Und zwar findet dies statt bei gleichbleibenden Produk-
       tionspreisen, und  gleichgültig dagegen, ob die Produktivität des
       zuschüssigen Kapitals  gleichbleibend, abnehmend  oder  zunehmend
       ist. Die  letzteren Umstände  modifizieren den  Umfang, worin die
       Höhe der  Rente per  Acre wächst,  aber nicht die Tatsache dieses
       Wachsens selbst. Dies ist ein Phänomen, welches der Differential-
       rente II  eigentümlich ist und sie von Differentialrente I unter-
       scheidet. Wären  die zusätzlichen  Kapitalanlagen, statt zeitlich
       nacheinander auf  denselben  Boden,  räumlich  nebeneinander  auf
       neuen zusätzlichen Boden der entsprechenden Qualität gemacht wor-
       den, so  wäre die Masse des Rentals gewachsen und, wie früher ge-
       zeigt, auch  die Durchschnittsrente  der  bebauten  Gesamtfläche,
       aber nicht  die Höhe der Rente per Acre. Bei gleichbleibendem Re-
       sultat, soweit  Masse und  Wert der Gesamtproduktion und des Sur-
       plusprodukts in Betracht kommen, entwickelt die Konzentration des
       Kapitals auf  engerer Bodenfläche die Höhe der Rente per Acre, wo
       unter denselben Umständen seine Zerstreuung über eine größre Flä-
       che, bei  sonst gleichbleibenden  Umständen, nicht  diese Wirkung
       hervorbringt. je  mehr sich aber die kapitalistische Produktions-
       weise entwickelt,  desto mehr  auch die Konzentration von Kapital
       auf derselben Bodenfläche, desto höher steigt also die Rente, per
       
       #705# 41. Kapitel - Differentialrente II - Erster Fall
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       Acre berechnet.  In zwei  Ländern daher, wo die Produktionspreise
       identisch, die  Differenzen der Bodenarten identisch und dieselbe
       Masse Kapital  angelegt wäre,  aber in dem einen mehr in der Form
       sukzessiver Anlagen  auf beschränkter  Bodenfläche, in der andren
       mehr in der Form koordinierter Anlagen auf breiterer Fläche, wäre
       die Rente  per Acre  und damit der Bodenpreis höher in dem ersten
       und niedriger  im zweiten  Land, obgleich  die Masse der Rente in
       beiden Ländern  dieselbe wäre.  Der Unterschied  in der  Höhe der
       Rente wäre  hier also  weder aus  Unterschied in  der natürlichen
       Fruchtbarkeit der  Bodenarten, nach der Menge der angewandten Ar-
       beit, sondern  ausschließlich aus  der verschiednen Art der Kapi-
       talanlagen zu erklären.
       Wenn wir  hier von Surplusprodukt sprechen, so ist darunter immer
       zu verstehn  der aliquote  Teil des Produkts, worin sich der Sur-
       plusprofit darstellt.  Sonst verstehn  wir unter Mehrprodukt oder
       Surplusprodukt den  Produktenteil, worin sich der Gesamtmehrwert,
       oder auch  in einzelnen  Fällen denjenigen, worin sich der Durch-
       schnittsprofit darstellt. Die spezifische Bedeutung, die das Wort
       beim Rente tragenden Kapital erhält, gibt, wie früher gezeigt, zu
       Mißverständnissen Anlaß.

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