Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       VIERUNDVIERZIGSTES KAPITEL
       Differentialrente auch auf dem schlechtesten bebauten Boden
       
       Gesetzt, die  Nachfrage nach  Korn sei  steigend und  die  Zufuhr
       könne nur  befriedigt werden  durch sukzessive Kapitalanlagen mit
       Unterproduktivität auf  den Rente tragenden Ländereien oder durch
       zusätzliche Kapitalanlage,  ebenfalls mit abnehmender Produktivi-
       tät, auf  Boden A  oder durch  Kapitalanlage auf neuen Ländereien
       von geringrer Qualität als A.
       Nehmen wir  als Repräsentanten der Rente tragenden Ländereien den
       Boden B.
       Die zuschüssige Kapitalanlage verlangt ein Steigen des Marktprei-
       ses über  den bisherigen  regulierenden  Produktionspreis  von  3
       Pfd.St. per  qr., um  die Mehrproduktion von 1 qr. (das hier eine
       Million qrs.  darstellen mag,  wie jeder Acre eine Million Acres)
       auf B  zu ermöglichen.  Auf C und D etc., den Bodenarten höchster
       Rente, mag dann auch Mehrprodukt stattfinden, aber nur mit abneh-
       mender Surplusproduktivkraft;  das eine qr. von B ist, jedoch als
       notwendig vorausgesetzt,  um die  Nachfrage zu  decken. Kann dies
       eine qr. wohlfeiler durch Kapitalzuschuß auf B produziert werden,
       als bei gleichem Kapitalzuschuß auf A oder durch Herabsteigen zum
       Boden A-1  der z.B.  das qr.  nur zu  4 Pfd.St. produzieren kann,
       während das  Zuschußkapital auf  A schon  zu 3/4  Pfd.St. per qr.
       produzieren könnte,  so würde das Zuschußkapital auf B den Markt-
       preis regulieren.
       A habe  wie bisher 1 qr. zu 3 Pfd.St. produziert. B ebenfalls wie
       bisher zusammen 3 1/2 qrs. zum individuellen Produktionspreis von
       zusammen 6  Pfd.St. Ist  nun auf B ein Zuschuß von 4 Pfd.St. Pro-
       duktionskosten (inkl.  Profit) nötig, um ein ferneres qr. zu pro-
       duzieren, während  es au  zu  3  3/4  Pfd.St.  produziert  werden
       könnte, so  würde es selbstverständlich auf A, nicht auf B produ-
       ziert werden.  Nehmen wir  also an,  es könne  auf B  mit  3  1/2
       Pfd.St. zuschüssigen  Produktionskosten  hergestellt  werden.  In
       diesem Fall  würde 3  1/2 Pfd.St.  der regulierende Preis für die
       gesamte Produktion.  B würde  nun sein  Produkt, von  Jetzt 4 1/2
       qrs., verkaufen zu 15 3/4 Pfd.St.
       
       #748# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       Davon gingen ab die Produktionskosten der ersten 3 1/2 qrs. mit 6
       Pfd.St. und  die des  letzten qr.  mit 3  1/2 Pfd.St., zusammen 9
       1/2. Bleibt  Surplusprofit für Rente = 6 1/4 Pfd.St. gegen früher
       nur 4  1/2 Pfd.St. In diesem Fall würde der Acre A ebenfalls eine
       Rente von 1/2 Pfd.St. abwerfen; aber nicht der schlechteste Boden
       A, sondern der beßre Boden B wurde den Produktionspreis von 3 1/2
       Pfd.St. regulieren. Es ist dabei natürlich unterstellt, daß neuer
       Boden der  Bonität A von derselben günstigen Lage, wie der bisher
       bebaute, nicht  zugänglich ist, sondern eine zweite Kapitalanlage
       auf die  schon bebaute  Strecke A, aber zu größern Produktionsko-
       sten, oder  Heranziehung noch geringem Bodens A-1 nötig wäre. So-
       bald durch  sukzessive Kapitalanlagen die Differentialrente II in
       Wirksamkeit tritt, können die Grenzen des steigenden Produktions-
       preises durch  bessern Boden reguliert sein, und der schlechteste
       Boden, die  Basis der  Differentialrente I,  kann dann  ebenfalls
       Rente tragen.  So wurden  dann bei  bloßer Differentialrente alle
       bebauten Ländereien  Rente tragen.  Wir hätten dann folgende zwei
       Aufstellungen, wo  unter Produktionskosten  die Summe  des vorge-
       schoßnen Kapitals  plus 20%  Profit verstanden ist, also auf je 2
       1/2 Pfd.St. Kapital 1/2 Pfd.St. Profit, zusammen 3 Pfd.St.
       
       Boden-  Acres  Produk  Produkt  Verkaufs  Geld-    Korn   Geld
       art            duktions         preis     ertrag   rente  rente
                      kosten
                      Pfd.St.  qrs.     Pfd.St.  Pfd.St.  qrs.   Pfd.St.
       A        1       3      1        3         3       0       0
       B        1       6      3 1/2    3        10 1/2   1 1/2   4 1/2
       C        1       6      5 1/2    3        16 1/2   3 1/2  10 1/2
       D        1       6      7 1/2    3        22 1/2   5 1/2  16 1/2
       ----------------------------------------------------------------
       Total    4      21     17 1/2             52 1/2  10 1/2  31 1/2
       
       Dies ist  der Stand  der Dinge  vor der neuen Kapitalanlage von 3
       1/2 Pfd.St.  auf B,  die nur 1 qr. liefern Nach dieser Kapitalan-
       lage stellt sich die Sache wie folgt:
       
       Boden-  Acres  Produk  Produkt  Verkaufs  Geld-    Korn   Geld
       art            duktions         preis     ertrag   rente  rente
                      kosten
                      Pfd.St.  qrs.     Pfd.St.  Pfd.St.  qrs.   Pfd.St.
       A        1       3      1        3 1/2     3 1/2  11 1/7     1/2
       B        1       9 1/2  4 1/2    3 1/2    15 3/4  1 11/14  6 1/4
       C        1       6      5 1/2    3 1/2    19 1/4  3 11/14 13 1/4
       D        1       6      7 1/2    3 1/2    26 1/4  5 11/14 20 1/4
       -----------------------------------------------------------------
       Total    4      24 1/2 18 1/2             64 3/4  11 1/2  40 1/4
       
       #749# 44. Kapitel - Differentialrente auch auf dem schlechtesten
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       {Dies ist  wieder nicht ganz richtig gerechnet. Dem Pächter von B
       kosten die  4 1/2 qrs. erstens an Produktionskosten 9 1/2 Pfd.St.
       und zweitens  an Rente 4 1/2 Pfd.St., zusammen 14 Pfd.St.; Durch-
       schnitt per  qr. = 3 1/9 Pfd.St. Dieser Durchschnittspreis seiner
       Gesamtproduktion wird hiermit der regulierende Marktpreis. Danach
       würde die Rente auf A 1/9 Pfd.St. statt 1/2 Pfd.St. betragen, und
       die auf  B würde bleiben 4 1/2 Pfd.St. wie bisher: 4 1/2 qrs. à 3
       1/9 Pfd.St.  = 14  Pfd.St., davon ab 9 1/2 Pfd.St. Produktionsko-
       sten, bleiben  4 1/2  Pfd.St. für Surplusprofit. Man sieht: trotz
       der zu  ändernden Zahlen zeigt das Beispiel, wie vermittelst Dif-
       ferentialrente II  der bessere,  schon Rente  tragende Boden  den
       Preis regulieren  und dadurch aller Boden, auch der bisher rente-
       lose, in rentetragenden verwandelt werden kann. - F. E.}
       Die Kornrente  muß steigen,  sobald der regulierende Produktions-
       preis des Korns steigt, sobald also das qr. Korn auf dem regulie-
       renden Boden  oder die  regulierende Kapitalanlage  auf einer der
       Bodenarten steigt. Es ist dasselbe, als wären alle Bodenarten un-
       fruchtbarer geworden  und produzierten  z.B. mit  2  1/2  Pfd.St.
       neuer Kapitalanlage alle nur 5/7 qr. statt 1 qr. Was sie mit der-
       selben Kapitalanlage an Korn mehr produzieren, verwandelt sich in
       Surplusprodukt, worin  sich der Surplusprofit und daher die Rente
       darstellt. Gesetzt,  die Profitrate  bliebe dieselbe, so kann der
       Pächter mit  seinem Profit  weniger Korn  kaufen. Die  Profitrate
       kann dieselbe  bleiben, wenn der Arbeitslohn nicht steigt, entwe-
       der weil  er auf  das physische  Minimum, also unter den normalen
       Wert der  Arbeitskraft heruntergedrückt  wird; oder  weil die an-
       dern, von der Manufaktur gelieferten Gegenstände des Arbeiterkon-
       sums verhältnismäßig  wohlfeiler geworden sind; oder weil der Ar-
       beitstag verlängert  oder intensiver  geworden ist  und daher die
       Profitrate in  den nicht  agrikolen Produktionszweigen,  die aber
       den agrikolen  Profit reguliert,  gleichgeblieben, wenn nicht ge-
       stiegen ist; oder aber, weil bei der Agrikultur zwar dasselbe Ka-
       pital ausgelegt ist, aber mehr konstantes und weniger variables.
       Wir haben  nun die  erste Weise  betrachtet, worin auf dem bisher
       schlechtesten  Boden   A  Rente  entstehn  kann,  ohne  daß  noch
       schlechtrer Boden  in Bebauung  gezogen wird;  nämlich durch  die
       Differenz seines individuellen, bisher regulierenden Produktions-
       preises gegen den neuen, höhern Produktionspreis, wozu das letzte
       zuschüssige Kapital mit Unterproduktivkraft auf besserm Boden das
       nötige Zuschußprodukt liefert.
       Hätte das  zuschüssige Produkt  von Boden  A-1, geliefert  werden
       müssen, der  das qr.  nur zu  4 Pfd.St. liefern kann, so wäre die
       Rente per Acre auf A auf 1 Pfd.St. gestiegen. Aber in diesem Fall
       wäre A-1, als der schlechteste
       
       #750# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       kultivierte Boden  an die  Stelle von  A und dieser als unterstes
       Glied in  die Reihe  der Rente  tragenden Bodenarten gerückt. Die
       Differentialtente I  hätte sich  geändert. Dieser Fall liegt also
       außerhalb der  Betrachtung der Differentialrente II, die aus ver-
       schiedner Produktivität  sukzessiver Kapitalanlagen auf derselben
       Bodenstrecke entspringt.
       Es kann  aber außerdem  noch in doppelter Weise Differentialrente
       auf Boden A entstehn.
       Bei gleichbleibendem  Preis -  irgendeinem  gegehnen  Preis,  der
       selbst ein  gefaliner sein  kann, verglichen  mit frühern -, wenn
       die zusätzliche  Kapitalanlage Surplusproduktivität  erzeugt, was
       prima facie bis zu einem gewissen Punkt gerade beim schlechtesten
       Boden immer der Fall sein muß.
       Zweitens aber,  wenn umgekehrt  die Produktivität der sukzessiven
       Kapitalanlagen auf Boden A abnimmt.
       Beidemal ist  vorausgesetzt, daß  die vermehrte  Produktion durch
       den Stand der Nachfrage erheischt ist.
       Aber es  bietet sich  hier, vom  Standpunkt der Differentialrente
       aus, eine  eigentümliche Schwierigkeit  dar wegen des früher ent-
       wickelten  Gesetzes,   daß  es   immer  der  individuelle  Durch-
       schnittsproduktionspreis des  qr. auf  die Gesamtproduktion (oder
       die Gesamtauslage von Kapital) ist, der bestimmt. Bei dem Boden A
       aber ist  nicht, wie bei den bessern Bodenarten, ein Produktions-
       preis außer ihm gegeben, der für neue Kapitalanlagen die Ausglei-
       chung des  individuellen mit dem allgemeinen Produktionspreis be-
       schränkt. Denn  der individuelle  Produktionspreis von  A ist  ja
       grade der  allgemeine Produktionspreis,  der den Marktpreis regu-
       liert.
       Nimm an:
       1.    B e i    s t e i g e n d e r    P r o d u k t i v k r a f t
       d e r  s u k z e s s i v e n  K a p i t a l a n l a g e n  können
       auf 1  Acre von  A mit  5 Pfd.St. Kapitalvorschuß, entsprechend 6
       Pfd.St. Produktionskosten,  statt 2 qrs. 3 produziert werden. Die
       erste Kapitalanlage von 2 1/2 Pfd.St. liefert 1 qr., die zweite 2
       qrs. In diesem Fall geben 6 Pfd.St. Produktionskosten 3 qrs., der
       qr. wird  also durchschnittlich 2 Pfd.St. kosten; werden also die
       3 qrs.  zu 2  Pfd.St. verkauft,  so trägt  A nach  wie vor  keine
       Rente, sondern es hat sich nur die Basis der Differentialrente II
       verändert. 2 Pfd.St. ist der regulierende Produktionspreis gewor-
       den statt  3 Pfd.St.;  ein Kapital  von 2  1/2 Pfd.St. produziert
       jetzt durchschnittlich  auf dem schlechtesten Boden 1 1/2 statt 1
       qr., und  dies ist  nun die offizielle Fruchtbarkeit für alle hö-
       hern Bodenarten  bei Anlage von 2 1/2 Pfd.St. Ein Teil ihres bis-
       herigen Surplusprodukts  geht von nun an ein in die Bildung ihres
       notwendigen Produkts  wie ein  Teil ihres  Surplusprofits in  die
       Bildung des Durchschnittsprofits.
       
       #751# 44. Kapitel - Differentialrente auch auf dem schlechtesten
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       Wird dagegen  gerechnet wie  auf den  bessern Bodenarten,  wo die
       Durchschnittsrechnung nichts  ändert am  absoluten Surplus,  weil
       für sie der allgemeine Produktionspreis als Schranke der Kapital-
       anlage gegeben  ist, so kostet das qr. der ersten Kapitalanlage 3
       Pfd.St. und  die 2  qrs. der  zweiten jedes nur 1 1/2 Pfd. St. Es
       würde also  eine Kornrente  von 1  qr. und  eine Geldrente  von 3
       Pfd.St. auf  A entstehn,  die 3 qrs. aber zum alten Preise zu zu-
       sammen 9 Pfd.St. verkauft werden. Erfolgte eine dritte Kapitalan-
       lage von 2 1/2 Pfd.St. mit gleichbleibender Fruchtbarkeit wie die
       zweite, so  würden nun zusammen 5 qrs. mit 9 Pfd.St. Produktions-
       kosten produziert. Bliebe der individuelle Durchschnittsprodukti-
       onspreis von A regulierend, so müßte das qr. nun zu 1 4/5 Pfd.St.
       verkauft werden.  Der Durchschnittspreis  wäre  wieder  gefallen,
       nicht durch  neues Steigen der Fruchtbarkeit der dritten Kapital-
       anlage, sondern  nur durch  Zusätze einer neuen Kapitalanlage mit
       derselben zuschüssigen  Fruchtbarkeit wie  die zweite.  Statt wie
       auf den  Rente tragenden  Bodenarten die Rente zu erhöhen, würden
       die sukzessiven  Kapitalanlagen von höherer aber gleichbleibender
       Fruchtbarkeit auf  Boden A  den Produktionspreis,  und damit  bei
       sonst gleichbleibenden  Umständen die Differentialrente auf allen
       andern Bodenarten  proportionell senken. Bliebe dagegen die erste
       Kapitalanlage, die  1 qr.  zu 3  Pfd.St. Produktionskosten produ-
       ziert, für  sich maßgebend,  so würden  die 5  qrs. zu 15 Pfd.St.
       verkauft, und  die Differentialrente  der spätern  Kapitalanlagen
       auf Boden  A betrüge 6 Pfd.St. Der Zusatz von Mehrkapital auf den
       Acre von A, in welcher Form immer appliziert, wäre hier eine Ver-
       besserung, und das zusätzliche Kapital hätte auch den ursprüngli-
       chen Kapitalteil  produktiver gemacht.  Es wäre  Unsinn zu sagen,
       1/3 des  Kapitals hätte  1 qr.  und die übrigen 2/3 hätten 4 qrs.
       produziert. 9  Pfd.St. per  Acre würden immer 5 qrs. produzieren,
       während 3  Pfd.St. nur 1 qr. produzieren würden. Ob oder ob nicht
       hier eine  Rente entstände,  ein Surplusprofit, wäre ganz von Um-
       ständen abhängig.  Normal müßte der regulierende Produktionspreis
       fallen. Dies wird der Fall sein, wenn diese verbesserte, aber mit
       mehr Kosten verknüpfte Bebauung auf Boden A nur stattfindet, weil
       auch auf  den bessern  Bodenarten - also allgemeine Revolution in
       der Agrikultur; so daß jetzt, wenn von der natürlichen Fruchtbar-
       keit des  Bodens A  die Rede  ist, unterstellt wird, daß er mit 6
       resp. 9  Pfd.St. statt  mit 3  Pfd.St. bestellt  wird. Namentlich
       gälte dies,  wenn die  Mehrzahl der  bebauten Acres des Bodens A,
       welche die  Masse der  Zufuhr dieses Landes liefern, dieser neuen
       Methode unterworfen  würden. Wenn  aber die Verbesserung zunächst
       nur einen  geringen Teil der Fläche von A ergriffe, so würde die-
       ser besser  bebaute Teil  einen Surplusprofit  liefern,  den  der
       Grundbesitzer rasch bei der
       
       #752# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       Hand wäre,  ganz oder  zum Teil  in Rente  zu verwandeln  und als
       Rente zu  fixieren. So  könnte, wenn die Nachfrage Schritt hielte
       mit der  wachsenden Zufuhr,  im Maß wie der Boden A seiner ganzen
       Fläche nach  allmählich der neuen Methode unterworfen würde, sich
       nach und nach Rente bilden auf allem Boden der Qualität A und die
       Surplusproduktivität ganz  oder teilweise,  je nach den Marktver-
       hältnissen, konfisziert werden. Die Ausgleichung des Produktions-
       preises von A zum Durchschnittspreis seines Produkts bei vermehr-
       ter Kapitalauslage  könnte so  verhindert werden durch die Fixie-
       rung des  Surplusprofits dieser vermehrten Kapitalauslage in Form
       von Rente.  In diesem Fall wäre es wieder, wie wir das früher auf
       den bessern Ländereien bei abnehmender Produktivkraft der Zusatz-
       kapitale gesehn,  die Verwandlung  des Surplusprofits  in  Grund-
       rente, d.h.  das Dazwischentreten des Grundeigentums, welches den
       Produktionspreis erhöhen  würde, statt  daß die Differentialrente
       bloß Folge der Differenzen zwischen individuellem und allgemeinem
       Produktionspreis wäre.  Es würde  für Boden  A das Zusammenfallen
       beider Preise, weil die Regelung des Produktionspreises durch den
       durchschnittlichen Produktionspreis  von A,  verhindern; es würde
       also einen  höhern Produktionspreis als den nötigen auf rechthal-
       ten und dadurch Rente schaffen. Selbst bei freier Korneinfuhr vom
       Ausland könnte dasselbe Resultat hervorgebracht werden oder fort-
       bestehn, indem  die Pächter  gezwungen würden, den Boden, der bei
       dem von  außen be stimmten Produktionspreis im Kornbau konkurrie-
       ren könnte,  ohne Rente  zu tragen, einer andren Bestimmung zuzu-
       wenden, z.B.  der Viehweide,  und daher nur Rente tragende Lände-
       reien dem  Kornbau unterworfen würden, d.h. nur Ländereien, deren
       individueller durchschnittlicher Produktionspreis per qr. niedri-
       ger wäre  als der von außen bestimmte Produktionspreis. Es ist im
       ganzen anzunehmen, daß im gegebnen Fall der Produktionspreis sin-
       ken wird,  aber nicht  bis auf seinen Durchschnittspreis, sondern
       höher stehn wird, aber unter dem Produktionspreis des schlachtest
       bebauten Bodens  A, so  daß die  Konkurrenz von neuem Boden von A
       beschränkt wird.
       2.   B e i   a b n e h m e n d e r    P r o d u k t i v k r a f t
       d e r   Z u s a t z k a p i t a l e.   Gesetzt, Boden  A-1, könne
       das zusätzliche qr. nur zu 4 Pfd.St. produzieren, Boden A aber zu
       3 3/4, also wohlfeiler, aber um 1/4 Pfd. St. teurer als das durch
       seine erste Kapitalanlage produzierte qr. In diesem Fall wäre der
       Gesamtpreis der  beiden auf  A produzierten qrs. = 6 3/4 Pfd.St.;
       also der  Durchschnittspreis per  qr. 3 3/8 Pfd.St. Der Produkti-
       onspreis würde  steigen, aber  nur um  3/8 Pfd.St., während, wenn
       das Zusatzkapital  auf neuem  Boden angelegt  würde, der zu 3 3/4
       Pfd.St. produzierte, er um weitere 3/8 Pfd.St. bis
       
       #753# 44. Kapitel - Differentialrente auch auf dem schlechtesten
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       3 3/4 Pfd.St. steigen und damit proportionelle Erhöhung aller an-
       dern Differentialrenten bewirken würde.
       Der Produktionspreis von 3 3/8 Pfd.St. per qr. von A wäre so aus-
       geglichen zu  seinem Durchschnittsproduktionspreis bei vermehrter
       Kapitalanlage und wäre regulierend; er würde also keine Rente ab-
       werfen, weil keinen Surplusprofit.
       Würde aber  dies von der zweiten Kapitalanlage produzierte qr. zu
       3 3/4 Pfd.St. verkauft, so würfe jetzt der Boden A eine Rente von
       3/4 Pfd.St.  ab, und zwar auch auf alle Acres von A, worauf keine
       zuschüssige Kapitalanlage  stattgefunden, die  also nach  wie vor
       das qr.  zu 3 Pfd.St. produzierten. Solange noch unbebaute Strec-
       ken von  A existieren,  könnte der  Preis nur  temporär auf 3 3/4
       Pfd.St. steigen.  Die Mitbewerbung neuer Strecken von A würde den
       Produktionspreis auf  3 Pfd.St. halten, bis aller Boden von A er-
       schöpft wäre,  dessen günstige Lage ihm erlaubt, das qr. wohlfei-
       ler als  3 3/4  Pfd.St. zu produzieren. Dies wäre also anzunehmen
       obgleich der  Grundeigentümer, wenn  ein Acre  des  Bodens  Rente
       trägt, keinen andern rentefrei einem Pächter überlassen wird.
       Es hinge  wieder von  der größern oder geringem Verallgemeinerung
       der zweiten  Kapitalanlage auf  dem vorhandnen Boden A ab, ob der
       Produktionspreis zum Durchschnittspreis ausgeglichen oder der in-
       dividuelle Produktionspreis  der zweiten  Kapitalanlage nut 3 3/4
       Pfd.St. regulierend  wird. Das  letztre ist  nur der Fall, sobald
       der Grundbesitzer  Zeit gewinnt,  den Surplusprofit,  der bis zur
       Befriedigung der  Nachfrage beim  Preis von 3 3/4 Pfd.St. per qr.
       gemacht würde, als Rente zu fixieren.
       
                                     ---
       
       Über die  abnehmende Produktivität des Bodens bei sukzessiven Ka-
       pitalanlagen ist  Liebig nachzusehn. Man hat gesehn, daß die suk-
       zessive Abnahme  der Surplusproduktivkraft der Kapitalanlagen die
       Rente per  Acre bei  gleichbleibendem Produktionspreis stets ver-
       mehrt und daß sie dies selbst bei fallendem tun kann.
       Allgemein aber ist dies zu bemerken:
       Vom Standpunkt der kapitalistischen Produktionsweise findet stets
       relative Verteuerung  der Produkte  statt, wenn, um dasselbe Pro-
       dukt zu erhalten, eine Auslage gemacht, etwas bezahlt werden muß,
       was früher nicht bezahlt wurde. Denn unter Ersatz des in der Pro-
       duktion aufgezehrten  Kapitals ist  nur der  Ersatz von Werten zu
       verstehn, die  sich in  bestimmten Produktionstteln  darstellten.
       Naturelemente, die  in die  Produktion als  Agentien ein, ohne zu
       kosten, welche Rolle sie immer in der Produktion
       
       #754# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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       spielen mögen,  gehn nicht  als Bestandteile  des Kapitals in sie
       ein, sondern  als Gratisnaturkraft  des Kapitals,  d.h. als  eine
       Gratisnaturproduktivkraft der Arbeit, die sich aber auf Basis der
       kapitalistischen Produktionsweise,  wie alle  Produktivkraft, als
       Produktivkraft des  Kapitals darstellt. Wenn also eine solche Na-
       turkraft, die  ursprünglich nichts kostet, in die Produktion ein-
       geht, so zählt sie nicht mit bei der Preisbestimmung, solange das
       mit ihrer  Hilfe gelieferte Produkt für den Bedarf ausreicht. Muß
       aber im  Fortgang der  Entwicklung ein größeres Produkt geliefert
       werden, als  mit Hilfe dieser Naturkraft hergestellt werden kann,
       muß also  dies zusätzliche  Produkt ohne  Hilfe dieser Naturkraft
       oder unter  Beihilfe von  menschhchem Zutun,  menschlicher Arbeit
       erzeugt werden, so geht ein neues zusätzliches Element in das Ka-
       pital ein.  Es findet  also relativ mehr Kapitalauslage statt, um
       dasselbe Produkt  zu erhalten.  Alle andren  Umstände gleichblei-
       bend, findet Verteurung der Produktion statt.
       
                                     ---
       
       {Aus einem Heft, "Begonnen Mitte Februar 1876"}
       D i f f e r e n t i a l r e n t e     u n d    R e n t e    a l s
       b l o ß e r       Z i n s       d e s       d e m       B o d e n
       e i n v e r l e i b t e n  K a p i t a l s.
       Die sog.  ständigen Meliorationen - welche die physikalische, zum
       Teil auch  chemische Beschaffenheit  des Bodens  verändern  durch
       Operationen, die  Kapitalauslage kosten und als Einverleibung des
       Kapitals in den Boden betrachtet werden können - kommen fast alle
       darauf hinaus,  einem bestimmten  Bodenstück, dem  Boden an einem
       bestimmten,  beschränkten  Platz,  Eigenschaften  zu  geben,  die
       andrer Boden, an andrem Platz und oft ganz in der Nähe, von Natur
       besitzt. Ein Boden ist von Natur nivelliert, der andre muß nivel-
       liert werden;  der eine besitzt natürlichen Wasserabfluß, der an-
       dre bedarf  künstlicher Dränierung;  der eine  besitzt von  Natur
       eine tiefe  Ackerkrume, bei dem andren muß sie künstlich vertieft
       werden; ein  Tonboden ist  von Natur  mit dem  zusagenden Quantum
       Sand gemischt, bei einem andern muß dies Verhältnis erst geschaf-
       fen werden;  die eine  Wiese wird  von Natur berieselt oder über-
       schlammt, die andre muß es werden durch Arbeit, oder in der Spra-
       che der bürgerlichen Ökonomie, durch Kapital.
       Es ist  nun eine  wahrhaft erheiternde  Theorie, daß hier bei dem
       einen Boden, dessen komparative Vorteile erworben sind, die Rente
       Zins ist,  bei dem  andren aber, der von Natur diese Vorteile be-
       sitzt, nicht.  (In der  Tat wird die Sache aber in der Ausführung
       dahin verdreht,  daß, weil  in dem  einen Fall die Rente wirklich
       mit Zins zusammenfällt, sie auch in den andren
       
       #755# 44. Kapitel - Differentialrente auch auf dem schlechtesten
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       Fällen, wo dies positiv nicht der Fall ist, Zins genannt, in Zins
       umgelogen werden  muß.) Der  Boden trägt  aber nach der gemachten
       Kapitalanlage die Rente, nicht weil Kapital auf ihm angelegt wor-
       den ist,  sondern weil die Kapitalanlage den Boden zu einem gegen
       früher produktiveren Anlagefeld gemacht hat. Gesetzt, aller Boden
       eines Landes  bedürfe dieser  Kapitalanlage; so  muß jedes Boden-
       stück, dem  sie noch  nicht zuteil  geworden, durch  dies Stadium
       erst durchpassieren,  und die  Rente (der Zins, den er abwirft im
       gegebnen Fall),  die der  schon mit Kapitalanlage versehene Boden
       trägt, ist  ebensogut eine Differentialrente, als ob er von Natur
       diesen Vorzug  besäße und  der andre Boden ihn erst künstlich er-
       werben müßte.
       Auch diese  in Zins auflösliche Rente wird zur reinen Differenti-
       alrente, sobald  das ausgelegte Kapital amortisiert ist. Dasselbe
       Kapital müßte sonst als Kapital doppelt existieren.
       
                                     ---
       
       Es ist eine der heitersten Erscheinungen, daß alle die Gegner Ri-
       cardos, die die Bestimmung des Werts ausschließlich durch die Ar-
       beit bekämpfen, gegenüber der aus Bodenunterschieden hervorgehen-
       den Differentialrente  geltend machen,  daß hier  die Natur statt
       der Arbeit  wertbestimmend gemacht werde; zugleich aber diese Be-
       stimmung der  Lage vindizieren oder auch, und noch mehr, dem Zins
       des bei  der Bearbeitung in den Boden ge. steckten Kapitals. Die-
       selbe Arbeit bringt denselben Wert hervor für das in einer gegeb-
       nen Zeit geschaffne Produkt; die Größe aber oder das Quantum die-
       ses Produkts,  also auch  der Wertteil,  der auf  einen aliquoten
       Teil dieses  Produkts fällt, hängt bei gegebner Quantität der Ar-
       beit einzig  vom Quantum  des Produkts ab und dies wieder von der
       Produktivität des  gegebnen Quantums  Arbeit, nicht von der Größe
       dieses Quantums.  Ob diese  Produktivität der  Natur oder Gesell-
       schaft geschuldet ist, ist ganz gleichgültig. Nur in dem Fall, wo
       sie selbst  Arbeit, also Kapital kostet, vermehrt sie die Produk-
       tionskosten um  einen neuen Bestandteil, was bei der bloßen Natur
       nicht der Fall ist.

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