Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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#747#
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VIERUNDVIERZIGSTES KAPITEL
Differentialrente auch auf dem schlechtesten bebauten Boden
Gesetzt, die Nachfrage nach Korn sei steigend und die Zufuhr
könne nur befriedigt werden durch sukzessive Kapitalanlagen mit
Unterproduktivität auf den Rente tragenden Ländereien oder durch
zusätzliche Kapitalanlage, ebenfalls mit abnehmender Produktivi-
tät, auf Boden A oder durch Kapitalanlage auf neuen Ländereien
von geringrer Qualität als A.
Nehmen wir als Repräsentanten der Rente tragenden Ländereien den
Boden B.
Die zuschüssige Kapitalanlage verlangt ein Steigen des Marktprei-
ses über den bisherigen regulierenden Produktionspreis von 3
Pfd.St. per qr., um die Mehrproduktion von 1 qr. (das hier eine
Million qrs. darstellen mag, wie jeder Acre eine Million Acres)
auf B zu ermöglichen. Auf C und D etc., den Bodenarten höchster
Rente, mag dann auch Mehrprodukt stattfinden, aber nur mit abneh-
mender Surplusproduktivkraft; das eine qr. von B ist, jedoch als
notwendig vorausgesetzt, um die Nachfrage zu decken. Kann dies
eine qr. wohlfeiler durch Kapitalzuschuß auf B produziert werden,
als bei gleichem Kapitalzuschuß auf A oder durch Herabsteigen zum
Boden A-1 der z.B. das qr. nur zu 4 Pfd.St. produzieren kann,
während das Zuschußkapital auf A schon zu 3/4 Pfd.St. per qr.
produzieren könnte, so würde das Zuschußkapital auf B den Markt-
preis regulieren.
A habe wie bisher 1 qr. zu 3 Pfd.St. produziert. B ebenfalls wie
bisher zusammen 3 1/2 qrs. zum individuellen Produktionspreis von
zusammen 6 Pfd.St. Ist nun auf B ein Zuschuß von 4 Pfd.St. Pro-
duktionskosten (inkl. Profit) nötig, um ein ferneres qr. zu pro-
duzieren, während es au zu 3 3/4 Pfd.St. produziert werden
könnte, so würde es selbstverständlich auf A, nicht auf B produ-
ziert werden. Nehmen wir also an, es könne auf B mit 3 1/2
Pfd.St. zuschüssigen Produktionskosten hergestellt werden. In
diesem Fall würde 3 1/2 Pfd.St. der regulierende Preis für die
gesamte Produktion. B würde nun sein Produkt, von Jetzt 4 1/2
qrs., verkaufen zu 15 3/4 Pfd.St.
#748# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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Davon gingen ab die Produktionskosten der ersten 3 1/2 qrs. mit 6
Pfd.St. und die des letzten qr. mit 3 1/2 Pfd.St., zusammen 9
1/2. Bleibt Surplusprofit für Rente = 6 1/4 Pfd.St. gegen früher
nur 4 1/2 Pfd.St. In diesem Fall würde der Acre A ebenfalls eine
Rente von 1/2 Pfd.St. abwerfen; aber nicht der schlechteste Boden
A, sondern der beßre Boden B wurde den Produktionspreis von 3 1/2
Pfd.St. regulieren. Es ist dabei natürlich unterstellt, daß neuer
Boden der Bonität A von derselben günstigen Lage, wie der bisher
bebaute, nicht zugänglich ist, sondern eine zweite Kapitalanlage
auf die schon bebaute Strecke A, aber zu größern Produktionsko-
sten, oder Heranziehung noch geringem Bodens A-1 nötig wäre. So-
bald durch sukzessive Kapitalanlagen die Differentialrente II in
Wirksamkeit tritt, können die Grenzen des steigenden Produktions-
preises durch bessern Boden reguliert sein, und der schlechteste
Boden, die Basis der Differentialrente I, kann dann ebenfalls
Rente tragen. So wurden dann bei bloßer Differentialrente alle
bebauten Ländereien Rente tragen. Wir hätten dann folgende zwei
Aufstellungen, wo unter Produktionskosten die Summe des vorge-
schoßnen Kapitals plus 20% Profit verstanden ist, also auf je 2
1/2 Pfd.St. Kapital 1/2 Pfd.St. Profit, zusammen 3 Pfd.St.
Boden- Acres Produk Produkt Verkaufs Geld- Korn Geld
art duktions preis ertrag rente rente
kosten
Pfd.St. qrs. Pfd.St. Pfd.St. qrs. Pfd.St.
A 1 3 1 3 3 0 0
B 1 6 3 1/2 3 10 1/2 1 1/2 4 1/2
C 1 6 5 1/2 3 16 1/2 3 1/2 10 1/2
D 1 6 7 1/2 3 22 1/2 5 1/2 16 1/2
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Total 4 21 17 1/2 52 1/2 10 1/2 31 1/2
Dies ist der Stand der Dinge vor der neuen Kapitalanlage von 3
1/2 Pfd.St. auf B, die nur 1 qr. liefern Nach dieser Kapitalan-
lage stellt sich die Sache wie folgt:
Boden- Acres Produk Produkt Verkaufs Geld- Korn Geld
art duktions preis ertrag rente rente
kosten
Pfd.St. qrs. Pfd.St. Pfd.St. qrs. Pfd.St.
A 1 3 1 3 1/2 3 1/2 11 1/7 1/2
B 1 9 1/2 4 1/2 3 1/2 15 3/4 1 11/14 6 1/4
C 1 6 5 1/2 3 1/2 19 1/4 3 11/14 13 1/4
D 1 6 7 1/2 3 1/2 26 1/4 5 11/14 20 1/4
-----------------------------------------------------------------
Total 4 24 1/2 18 1/2 64 3/4 11 1/2 40 1/4
#749# 44. Kapitel - Differentialrente auch auf dem schlechtesten
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{Dies ist wieder nicht ganz richtig gerechnet. Dem Pächter von B
kosten die 4 1/2 qrs. erstens an Produktionskosten 9 1/2 Pfd.St.
und zweitens an Rente 4 1/2 Pfd.St., zusammen 14 Pfd.St.; Durch-
schnitt per qr. = 3 1/9 Pfd.St. Dieser Durchschnittspreis seiner
Gesamtproduktion wird hiermit der regulierende Marktpreis. Danach
würde die Rente auf A 1/9 Pfd.St. statt 1/2 Pfd.St. betragen, und
die auf B würde bleiben 4 1/2 Pfd.St. wie bisher: 4 1/2 qrs. à 3
1/9 Pfd.St. = 14 Pfd.St., davon ab 9 1/2 Pfd.St. Produktionsko-
sten, bleiben 4 1/2 Pfd.St. für Surplusprofit. Man sieht: trotz
der zu ändernden Zahlen zeigt das Beispiel, wie vermittelst Dif-
ferentialrente II der bessere, schon Rente tragende Boden den
Preis regulieren und dadurch aller Boden, auch der bisher rente-
lose, in rentetragenden verwandelt werden kann. - F. E.}
Die Kornrente muß steigen, sobald der regulierende Produktions-
preis des Korns steigt, sobald also das qr. Korn auf dem regulie-
renden Boden oder die regulierende Kapitalanlage auf einer der
Bodenarten steigt. Es ist dasselbe, als wären alle Bodenarten un-
fruchtbarer geworden und produzierten z.B. mit 2 1/2 Pfd.St.
neuer Kapitalanlage alle nur 5/7 qr. statt 1 qr. Was sie mit der-
selben Kapitalanlage an Korn mehr produzieren, verwandelt sich in
Surplusprodukt, worin sich der Surplusprofit und daher die Rente
darstellt. Gesetzt, die Profitrate bliebe dieselbe, so kann der
Pächter mit seinem Profit weniger Korn kaufen. Die Profitrate
kann dieselbe bleiben, wenn der Arbeitslohn nicht steigt, entwe-
der weil er auf das physische Minimum, also unter den normalen
Wert der Arbeitskraft heruntergedrückt wird; oder weil die an-
dern, von der Manufaktur gelieferten Gegenstände des Arbeiterkon-
sums verhältnismäßig wohlfeiler geworden sind; oder weil der Ar-
beitstag verlängert oder intensiver geworden ist und daher die
Profitrate in den nicht agrikolen Produktionszweigen, die aber
den agrikolen Profit reguliert, gleichgeblieben, wenn nicht ge-
stiegen ist; oder aber, weil bei der Agrikultur zwar dasselbe Ka-
pital ausgelegt ist, aber mehr konstantes und weniger variables.
Wir haben nun die erste Weise betrachtet, worin auf dem bisher
schlechtesten Boden A Rente entstehn kann, ohne daß noch
schlechtrer Boden in Bebauung gezogen wird; nämlich durch die
Differenz seines individuellen, bisher regulierenden Produktions-
preises gegen den neuen, höhern Produktionspreis, wozu das letzte
zuschüssige Kapital mit Unterproduktivkraft auf besserm Boden das
nötige Zuschußprodukt liefert.
Hätte das zuschüssige Produkt von Boden A-1, geliefert werden
müssen, der das qr. nur zu 4 Pfd.St. liefern kann, so wäre die
Rente per Acre auf A auf 1 Pfd.St. gestiegen. Aber in diesem Fall
wäre A-1, als der schlechteste
#750# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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kultivierte Boden an die Stelle von A und dieser als unterstes
Glied in die Reihe der Rente tragenden Bodenarten gerückt. Die
Differentialtente I hätte sich geändert. Dieser Fall liegt also
außerhalb der Betrachtung der Differentialrente II, die aus ver-
schiedner Produktivität sukzessiver Kapitalanlagen auf derselben
Bodenstrecke entspringt.
Es kann aber außerdem noch in doppelter Weise Differentialrente
auf Boden A entstehn.
Bei gleichbleibendem Preis - irgendeinem gegehnen Preis, der
selbst ein gefaliner sein kann, verglichen mit frühern -, wenn
die zusätzliche Kapitalanlage Surplusproduktivität erzeugt, was
prima facie bis zu einem gewissen Punkt gerade beim schlechtesten
Boden immer der Fall sein muß.
Zweitens aber, wenn umgekehrt die Produktivität der sukzessiven
Kapitalanlagen auf Boden A abnimmt.
Beidemal ist vorausgesetzt, daß die vermehrte Produktion durch
den Stand der Nachfrage erheischt ist.
Aber es bietet sich hier, vom Standpunkt der Differentialrente
aus, eine eigentümliche Schwierigkeit dar wegen des früher ent-
wickelten Gesetzes, daß es immer der individuelle Durch-
schnittsproduktionspreis des qr. auf die Gesamtproduktion (oder
die Gesamtauslage von Kapital) ist, der bestimmt. Bei dem Boden A
aber ist nicht, wie bei den bessern Bodenarten, ein Produktions-
preis außer ihm gegeben, der für neue Kapitalanlagen die Ausglei-
chung des individuellen mit dem allgemeinen Produktionspreis be-
schränkt. Denn der individuelle Produktionspreis von A ist ja
grade der allgemeine Produktionspreis, der den Marktpreis regu-
liert.
Nimm an:
1. B e i s t e i g e n d e r P r o d u k t i v k r a f t
d e r s u k z e s s i v e n K a p i t a l a n l a g e n können
auf 1 Acre von A mit 5 Pfd.St. Kapitalvorschuß, entsprechend 6
Pfd.St. Produktionskosten, statt 2 qrs. 3 produziert werden. Die
erste Kapitalanlage von 2 1/2 Pfd.St. liefert 1 qr., die zweite 2
qrs. In diesem Fall geben 6 Pfd.St. Produktionskosten 3 qrs., der
qr. wird also durchschnittlich 2 Pfd.St. kosten; werden also die
3 qrs. zu 2 Pfd.St. verkauft, so trägt A nach wie vor keine
Rente, sondern es hat sich nur die Basis der Differentialrente II
verändert. 2 Pfd.St. ist der regulierende Produktionspreis gewor-
den statt 3 Pfd.St.; ein Kapital von 2 1/2 Pfd.St. produziert
jetzt durchschnittlich auf dem schlechtesten Boden 1 1/2 statt 1
qr., und dies ist nun die offizielle Fruchtbarkeit für alle hö-
hern Bodenarten bei Anlage von 2 1/2 Pfd.St. Ein Teil ihres bis-
herigen Surplusprodukts geht von nun an ein in die Bildung ihres
notwendigen Produkts wie ein Teil ihres Surplusprofits in die
Bildung des Durchschnittsprofits.
#751# 44. Kapitel - Differentialrente auch auf dem schlechtesten
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Wird dagegen gerechnet wie auf den bessern Bodenarten, wo die
Durchschnittsrechnung nichts ändert am absoluten Surplus, weil
für sie der allgemeine Produktionspreis als Schranke der Kapital-
anlage gegeben ist, so kostet das qr. der ersten Kapitalanlage 3
Pfd.St. und die 2 qrs. der zweiten jedes nur 1 1/2 Pfd. St. Es
würde also eine Kornrente von 1 qr. und eine Geldrente von 3
Pfd.St. auf A entstehn, die 3 qrs. aber zum alten Preise zu zu-
sammen 9 Pfd.St. verkauft werden. Erfolgte eine dritte Kapitalan-
lage von 2 1/2 Pfd.St. mit gleichbleibender Fruchtbarkeit wie die
zweite, so würden nun zusammen 5 qrs. mit 9 Pfd.St. Produktions-
kosten produziert. Bliebe der individuelle Durchschnittsprodukti-
onspreis von A regulierend, so müßte das qr. nun zu 1 4/5 Pfd.St.
verkauft werden. Der Durchschnittspreis wäre wieder gefallen,
nicht durch neues Steigen der Fruchtbarkeit der dritten Kapital-
anlage, sondern nur durch Zusätze einer neuen Kapitalanlage mit
derselben zuschüssigen Fruchtbarkeit wie die zweite. Statt wie
auf den Rente tragenden Bodenarten die Rente zu erhöhen, würden
die sukzessiven Kapitalanlagen von höherer aber gleichbleibender
Fruchtbarkeit auf Boden A den Produktionspreis, und damit bei
sonst gleichbleibenden Umständen die Differentialrente auf allen
andern Bodenarten proportionell senken. Bliebe dagegen die erste
Kapitalanlage, die 1 qr. zu 3 Pfd.St. Produktionskosten produ-
ziert, für sich maßgebend, so würden die 5 qrs. zu 15 Pfd.St.
verkauft, und die Differentialrente der spätern Kapitalanlagen
auf Boden A betrüge 6 Pfd.St. Der Zusatz von Mehrkapital auf den
Acre von A, in welcher Form immer appliziert, wäre hier eine Ver-
besserung, und das zusätzliche Kapital hätte auch den ursprüngli-
chen Kapitalteil produktiver gemacht. Es wäre Unsinn zu sagen,
1/3 des Kapitals hätte 1 qr. und die übrigen 2/3 hätten 4 qrs.
produziert. 9 Pfd.St. per Acre würden immer 5 qrs. produzieren,
während 3 Pfd.St. nur 1 qr. produzieren würden. Ob oder ob nicht
hier eine Rente entstände, ein Surplusprofit, wäre ganz von Um-
ständen abhängig. Normal müßte der regulierende Produktionspreis
fallen. Dies wird der Fall sein, wenn diese verbesserte, aber mit
mehr Kosten verknüpfte Bebauung auf Boden A nur stattfindet, weil
auch auf den bessern Bodenarten - also allgemeine Revolution in
der Agrikultur; so daß jetzt, wenn von der natürlichen Fruchtbar-
keit des Bodens A die Rede ist, unterstellt wird, daß er mit 6
resp. 9 Pfd.St. statt mit 3 Pfd.St. bestellt wird. Namentlich
gälte dies, wenn die Mehrzahl der bebauten Acres des Bodens A,
welche die Masse der Zufuhr dieses Landes liefern, dieser neuen
Methode unterworfen würden. Wenn aber die Verbesserung zunächst
nur einen geringen Teil der Fläche von A ergriffe, so würde die-
ser besser bebaute Teil einen Surplusprofit liefern, den der
Grundbesitzer rasch bei der
#752# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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Hand wäre, ganz oder zum Teil in Rente zu verwandeln und als
Rente zu fixieren. So könnte, wenn die Nachfrage Schritt hielte
mit der wachsenden Zufuhr, im Maß wie der Boden A seiner ganzen
Fläche nach allmählich der neuen Methode unterworfen würde, sich
nach und nach Rente bilden auf allem Boden der Qualität A und die
Surplusproduktivität ganz oder teilweise, je nach den Marktver-
hältnissen, konfisziert werden. Die Ausgleichung des Produktions-
preises von A zum Durchschnittspreis seines Produkts bei vermehr-
ter Kapitalauslage könnte so verhindert werden durch die Fixie-
rung des Surplusprofits dieser vermehrten Kapitalauslage in Form
von Rente. In diesem Fall wäre es wieder, wie wir das früher auf
den bessern Ländereien bei abnehmender Produktivkraft der Zusatz-
kapitale gesehn, die Verwandlung des Surplusprofits in Grund-
rente, d.h. das Dazwischentreten des Grundeigentums, welches den
Produktionspreis erhöhen würde, statt daß die Differentialrente
bloß Folge der Differenzen zwischen individuellem und allgemeinem
Produktionspreis wäre. Es würde für Boden A das Zusammenfallen
beider Preise, weil die Regelung des Produktionspreises durch den
durchschnittlichen Produktionspreis von A, verhindern; es würde
also einen höhern Produktionspreis als den nötigen auf rechthal-
ten und dadurch Rente schaffen. Selbst bei freier Korneinfuhr vom
Ausland könnte dasselbe Resultat hervorgebracht werden oder fort-
bestehn, indem die Pächter gezwungen würden, den Boden, der bei
dem von außen be stimmten Produktionspreis im Kornbau konkurrie-
ren könnte, ohne Rente zu tragen, einer andren Bestimmung zuzu-
wenden, z.B. der Viehweide, und daher nur Rente tragende Lände-
reien dem Kornbau unterworfen würden, d.h. nur Ländereien, deren
individueller durchschnittlicher Produktionspreis per qr. niedri-
ger wäre als der von außen bestimmte Produktionspreis. Es ist im
ganzen anzunehmen, daß im gegebnen Fall der Produktionspreis sin-
ken wird, aber nicht bis auf seinen Durchschnittspreis, sondern
höher stehn wird, aber unter dem Produktionspreis des schlachtest
bebauten Bodens A, so daß die Konkurrenz von neuem Boden von A
beschränkt wird.
2. B e i a b n e h m e n d e r P r o d u k t i v k r a f t
d e r Z u s a t z k a p i t a l e. Gesetzt, Boden A-1, könne
das zusätzliche qr. nur zu 4 Pfd.St. produzieren, Boden A aber zu
3 3/4, also wohlfeiler, aber um 1/4 Pfd. St. teurer als das durch
seine erste Kapitalanlage produzierte qr. In diesem Fall wäre der
Gesamtpreis der beiden auf A produzierten qrs. = 6 3/4 Pfd.St.;
also der Durchschnittspreis per qr. 3 3/8 Pfd.St. Der Produkti-
onspreis würde steigen, aber nur um 3/8 Pfd.St., während, wenn
das Zusatzkapital auf neuem Boden angelegt würde, der zu 3 3/4
Pfd.St. produzierte, er um weitere 3/8 Pfd.St. bis
#753# 44. Kapitel - Differentialrente auch auf dem schlechtesten
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3 3/4 Pfd.St. steigen und damit proportionelle Erhöhung aller an-
dern Differentialrenten bewirken würde.
Der Produktionspreis von 3 3/8 Pfd.St. per qr. von A wäre so aus-
geglichen zu seinem Durchschnittsproduktionspreis bei vermehrter
Kapitalanlage und wäre regulierend; er würde also keine Rente ab-
werfen, weil keinen Surplusprofit.
Würde aber dies von der zweiten Kapitalanlage produzierte qr. zu
3 3/4 Pfd.St. verkauft, so würfe jetzt der Boden A eine Rente von
3/4 Pfd.St. ab, und zwar auch auf alle Acres von A, worauf keine
zuschüssige Kapitalanlage stattgefunden, die also nach wie vor
das qr. zu 3 Pfd.St. produzierten. Solange noch unbebaute Strec-
ken von A existieren, könnte der Preis nur temporär auf 3 3/4
Pfd.St. steigen. Die Mitbewerbung neuer Strecken von A würde den
Produktionspreis auf 3 Pfd.St. halten, bis aller Boden von A er-
schöpft wäre, dessen günstige Lage ihm erlaubt, das qr. wohlfei-
ler als 3 3/4 Pfd.St. zu produzieren. Dies wäre also anzunehmen
obgleich der Grundeigentümer, wenn ein Acre des Bodens Rente
trägt, keinen andern rentefrei einem Pächter überlassen wird.
Es hinge wieder von der größern oder geringem Verallgemeinerung
der zweiten Kapitalanlage auf dem vorhandnen Boden A ab, ob der
Produktionspreis zum Durchschnittspreis ausgeglichen oder der in-
dividuelle Produktionspreis der zweiten Kapitalanlage nut 3 3/4
Pfd.St. regulierend wird. Das letztre ist nur der Fall, sobald
der Grundbesitzer Zeit gewinnt, den Surplusprofit, der bis zur
Befriedigung der Nachfrage beim Preis von 3 3/4 Pfd.St. per qr.
gemacht würde, als Rente zu fixieren.
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Über die abnehmende Produktivität des Bodens bei sukzessiven Ka-
pitalanlagen ist Liebig nachzusehn. Man hat gesehn, daß die suk-
zessive Abnahme der Surplusproduktivkraft der Kapitalanlagen die
Rente per Acre bei gleichbleibendem Produktionspreis stets ver-
mehrt und daß sie dies selbst bei fallendem tun kann.
Allgemein aber ist dies zu bemerken:
Vom Standpunkt der kapitalistischen Produktionsweise findet stets
relative Verteuerung der Produkte statt, wenn, um dasselbe Pro-
dukt zu erhalten, eine Auslage gemacht, etwas bezahlt werden muß,
was früher nicht bezahlt wurde. Denn unter Ersatz des in der Pro-
duktion aufgezehrten Kapitals ist nur der Ersatz von Werten zu
verstehn, die sich in bestimmten Produktionstteln darstellten.
Naturelemente, die in die Produktion als Agentien ein, ohne zu
kosten, welche Rolle sie immer in der Produktion
#754# VI. Abschnitt - Verwandlung von Surplusprofit in Grundrente
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spielen mögen, gehn nicht als Bestandteile des Kapitals in sie
ein, sondern als Gratisnaturkraft des Kapitals, d.h. als eine
Gratisnaturproduktivkraft der Arbeit, die sich aber auf Basis der
kapitalistischen Produktionsweise, wie alle Produktivkraft, als
Produktivkraft des Kapitals darstellt. Wenn also eine solche Na-
turkraft, die ursprünglich nichts kostet, in die Produktion ein-
geht, so zählt sie nicht mit bei der Preisbestimmung, solange das
mit ihrer Hilfe gelieferte Produkt für den Bedarf ausreicht. Muß
aber im Fortgang der Entwicklung ein größeres Produkt geliefert
werden, als mit Hilfe dieser Naturkraft hergestellt werden kann,
muß also dies zusätzliche Produkt ohne Hilfe dieser Naturkraft
oder unter Beihilfe von menschhchem Zutun, menschlicher Arbeit
erzeugt werden, so geht ein neues zusätzliches Element in das Ka-
pital ein. Es findet also relativ mehr Kapitalauslage statt, um
dasselbe Produkt zu erhalten. Alle andren Umstände gleichblei-
bend, findet Verteurung der Produktion statt.
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{Aus einem Heft, "Begonnen Mitte Februar 1876"}
D i f f e r e n t i a l r e n t e u n d R e n t e a l s
b l o ß e r Z i n s d e s d e m B o d e n
e i n v e r l e i b t e n K a p i t a l s.
Die sog. ständigen Meliorationen - welche die physikalische, zum
Teil auch chemische Beschaffenheit des Bodens verändern durch
Operationen, die Kapitalauslage kosten und als Einverleibung des
Kapitals in den Boden betrachtet werden können - kommen fast alle
darauf hinaus, einem bestimmten Bodenstück, dem Boden an einem
bestimmten, beschränkten Platz, Eigenschaften zu geben, die
andrer Boden, an andrem Platz und oft ganz in der Nähe, von Natur
besitzt. Ein Boden ist von Natur nivelliert, der andre muß nivel-
liert werden; der eine besitzt natürlichen Wasserabfluß, der an-
dre bedarf künstlicher Dränierung; der eine besitzt von Natur
eine tiefe Ackerkrume, bei dem andren muß sie künstlich vertieft
werden; ein Tonboden ist von Natur mit dem zusagenden Quantum
Sand gemischt, bei einem andern muß dies Verhältnis erst geschaf-
fen werden; die eine Wiese wird von Natur berieselt oder über-
schlammt, die andre muß es werden durch Arbeit, oder in der Spra-
che der bürgerlichen Ökonomie, durch Kapital.
Es ist nun eine wahrhaft erheiternde Theorie, daß hier bei dem
einen Boden, dessen komparative Vorteile erworben sind, die Rente
Zins ist, bei dem andren aber, der von Natur diese Vorteile be-
sitzt, nicht. (In der Tat wird die Sache aber in der Ausführung
dahin verdreht, daß, weil in dem einen Fall die Rente wirklich
mit Zins zusammenfällt, sie auch in den andren
#755# 44. Kapitel - Differentialrente auch auf dem schlechtesten
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Fällen, wo dies positiv nicht der Fall ist, Zins genannt, in Zins
umgelogen werden muß.) Der Boden trägt aber nach der gemachten
Kapitalanlage die Rente, nicht weil Kapital auf ihm angelegt wor-
den ist, sondern weil die Kapitalanlage den Boden zu einem gegen
früher produktiveren Anlagefeld gemacht hat. Gesetzt, aller Boden
eines Landes bedürfe dieser Kapitalanlage; so muß jedes Boden-
stück, dem sie noch nicht zuteil geworden, durch dies Stadium
erst durchpassieren, und die Rente (der Zins, den er abwirft im
gegebnen Fall), die der schon mit Kapitalanlage versehene Boden
trägt, ist ebensogut eine Differentialrente, als ob er von Natur
diesen Vorzug besäße und der andre Boden ihn erst künstlich er-
werben müßte.
Auch diese in Zins auflösliche Rente wird zur reinen Differenti-
alrente, sobald das ausgelegte Kapital amortisiert ist. Dasselbe
Kapital müßte sonst als Kapital doppelt existieren.
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Es ist eine der heitersten Erscheinungen, daß alle die Gegner Ri-
cardos, die die Bestimmung des Werts ausschließlich durch die Ar-
beit bekämpfen, gegenüber der aus Bodenunterschieden hervorgehen-
den Differentialrente geltend machen, daß hier die Natur statt
der Arbeit wertbestimmend gemacht werde; zugleich aber diese Be-
stimmung der Lage vindizieren oder auch, und noch mehr, dem Zins
des bei der Bearbeitung in den Boden ge. steckten Kapitals. Die-
selbe Arbeit bringt denselben Wert hervor für das in einer gegeb-
nen Zeit geschaffne Produkt; die Größe aber oder das Quantum die-
ses Produkts, also auch der Wertteil, der auf einen aliquoten
Teil dieses Produkts fällt, hängt bei gegebner Quantität der Ar-
beit einzig vom Quantum des Produkts ab und dies wieder von der
Produktivität des gegebnen Quantums Arbeit, nicht von der Größe
dieses Quantums. Ob diese Produktivität der Natur oder Gesell-
schaft geschuldet ist, ist ganz gleichgültig. Nur in dem Fall, wo
sie selbst Arbeit, also Kapital kostet, vermehrt sie die Produk-
tionskosten um einen neuen Bestandteil, was bei der bloßen Natur
nicht der Fall ist.
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