Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       #825# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
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       III
       
       Die Vulgärökonomie  tut in  der Tat nichts, als die Vorstellungen
       der in den bürgerlichen Produktionsverhältnissen befangenen Agen-
       ten dieser  Produktion doktrinär zu verdolmetschen, zu systemati-
       sieren und  zu apologetisieren. Es darf uns also nicht wunderneh-
       men, daß sie gerade in der entfremdeten Erscheinungsform der öko-
       nomischen Verhältnisse,  worin diese prima facie abgeschmackt und
       vollkommene Widersprüche  sind - und alle Wissenschaft wäre über-
       flüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmit-
       telbar zusammenfielen -, wenn gerade hier die Vulgärökonomie sich
       vollkommen bei sich selbst fühlt und ihr diese Verhältnisse um so
       selbstverständlicher erscheinen,  je mehr der innere Zusammenhang
       an ihnen verborgen ist, sie aber der ordinären Vorstellung geläu-
       fig sind.  Daher hat  sie nicht die geringste Ahnung darüber, daß
       die Trinität, von der sie ausgeht: Grund und Boden - Rente, Kapi-
       tal - Zins, Arbeit - Arbeitslohn oder Preis der Arbeit drei prima
       facie unmögliche  Kompositionen sind.  Erst  haben  wir  den  Ge-
       brauchswert Boden, der keinen Wert hat, und den Tauschwert Rente:
       so daß  ein soziales  Verhältnis, als  Ding gefaßt,  zur Natur in
       eine Proportion  gesetzt ist;  also zwei  inkommensurable Größen,
       die ein  Verhältnis zueinander haben sollen. Dann Kapital - Zins.
       Wird das  Kapital als  eine gewisse,  in Geld  selbständig darge-
       stellte Wertsumme  gefaßt, so  ist es prima facie Unsinn, daß ein
       Wert mehr  Wert sein  soll, als  er wert ist. Gerade in der Form:
       Kapital - Zins fällt alle Vermittlung fort, und ist das
       
       #826# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       Kapital auf  seine allgemeinste,  aber darum auch aus sich selbst
       unerklärliche und  absurde Formel  reduziert. Ebendarum zieht der
       Vulgärökonom die Formel Kapital - Zins, mit der okkulten Qualität
       eines Werts-  sich selbst  ungleich zu sein, der Formel Kapital -
       Profit vor,  weil hier schon dem wirklichen Kapitalverhältnis nä-
       hergekommen wird.  Dann wieder,  in dem  unruhigen Gefühl,  daß 4
       nicht 5  ist und daher 100 Taler unmöglich 110 Taler sein können,
       flüchtet er vom Kapital als Wert zur stofflichen Substanz des Ka-
       pitals; zu  seinem Gebrauchswert als Produktionsbedingung der Ar-
       beit, Maschinerie, Rohstoff etc. So gelingt es dann wieder, statt
       des unbegreiflichen  ersten Verhältnisses, wonach 4 = 5, ein ganz
       inkommensurables herauszubringen  zwischen  einem  Gebrauchswert,
       einem Ding  auf der  einen Seite,  und einem  bestimmten  gesell-
       schaftlichen P1rOduktionsverhältnis,  dem Mehrwert,  auf der  an-
       dern; wie beim Grundeigentum. Sobald er bei diesem Inkommensurab-
       len angelangt,  wird dem  Vulgärökonomen alles  klar und fühlt er
       nicht mehr  das Bedürfnis,  weiter nachzudenken. Denn er ist eben
       beim "Rationale"  der Bürgervorstellung  angelangt. Endlich,  Ar-
       beit-Arbeitslohn, Preis  der Arbeit, ist, wie in Buch I 1*) nach-
       gewiesen, ein Ausdruck, der prima facie dem Begriff des Werts wi-
       derspricht und  ebenso dem  des Preises,  und  is  der  allgemein
       selbst nur  ein bestimmter Ausdruck des Werts ist; "Preis der Ar-
       beit" ist  ebenso irrationell  wie ein  gelber Logarithmus.  Aber
       hier ist  der Vulgärökonom  erst recht  befriedigt, da er nun bei
       der tiefen  Einsicht des  Bürgers angelangt  ist, daß er Geld für
       die Arbeit  zahlt, und  da grade der Widerspruch der Formel gegen
       den Begriff  des Werts  ihn der Verpflichtung überhebt, den letz-
       tren zu begreifen.
       
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       Wir 49)  haben gesehn,  daß der kapitalistische Produktionsprozeß
       eine geschichtlich  bestimmte Form des gesellschaftlichen Produk-
       tionsprozesses Oberhaupt  ist. Dieser letztere ist sowohl Produk-
       tionsprozeß der  materiellen Existenzbedingungen des menschlichen
       Lebens wie ein in spezifischen, historisch-ökonomischen Produkti-
       onsverhältnissen vor sich gehender, diese Produktionsverhältnisse
       selbst und  damit die  Träger dieses  Prozesses, ihre materiellen
       Existenzbedingungen und  ihre  gegenseitigem  Verhältnisse,  d.h.
       ihre bestimmte  ökonomische Gesellschaftsform  produzierender und
       reproduzierender Prozeß. Denn das Ganze dieser Beziehungen, worin
       sich die
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       49) Anfang von Kap. XLVIII nach dem Ms.
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 557-564
       
       #827# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
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       Träger dieser Produktion zur Natur und zueinander befinden, worin
       sie produzieren, dies Ganze ist eben die Gesellschaft, nach ihrer
       ökonomischen Struktur  betrachtet. Wie alle seine Vorgänger, geht
       der kapitalistische  Produktionsprozeß unter bestimmten materiel-
       len Bedingungen vor sich, die aber zugleich Träger bestimmter ge-
       sellschaftlicher Verhältnisse sind, welche die Individuen im Pro-
       zeß ihrer Lebensreproduktion eingehn. jene Bedingungen, wie diese
       Verhältnisse, sind einerseits Voraussetzungen, andrerseits Resul-
       tate und  Schöpfungen des  kapitalistischen Produktionsprozesses;
       sie werden von ihm produziert und reproduziert. Wir sahen ferner:
       das Kapital  - und der Kapitalist ist nur das personifizierte Ka-
       pital, fungiert  im Produktionsprozeß nur als Träger des Kapitals
       -, also das Kapital pumpt in dem ihm entsprechenden gesellschaft-
       lichen Produktionsprozeß  ein bestimmtes  Quantum Mehrarbeit  aus
       den unmittelbaren  Produzenten oder Arbeitern heraus, Mehrarbeit,
       die jenes  ohne Äquivalent  erhält und die ihrem Wesen nach immer
       Zwangsarbeit bleibt,  wie sehr  sie auch  als das Resultat freier
       kontraktlicher Übereinkunft  erscheinen mag.  Diese Mehr.  arbeit
       stellt sich  dar in einem Mehrwert, und dieser Mehrwert existiert
       in einem  Mehrprodukt. Mehrarbeit  überhaupt, als Arbeit über das
       Maß der  gegebnen Bedürfnisse hinaus, muß immer bleiben. Im kapi-
       talistischen wie im Sklavensystem usw. hat sie nur eine antagoni-
       stische Form  und wird ergänzt durch reinen Müßiggang eines Teils
       der Gesellschaft. Ein bestimmtes Quantum Mehrarbeit ist erheischt
       durch die  Assekuranz gegen  Zufälle, durch  die notwendige,  der
       Entwicklung der  Bedürfnisse und  dem Fortschritt der Bevölkerung
       entsprechende, progressive Ausdehnung des Reproduktionsprozesses,
       was vom  kapitalistischen Standpunkt  aus Akkumulation  heißt. Es
       ist eine  der zivilisatorischen Seiten des Kapitals, daß es diese
       Mehrarbeit in einer Weise und unter Bedingungen erzwingt, die der
       Entwicklung der  Produktivkräfte, der gesellschaftlichen Verhält-
       nisse und  der Schöpfung  der Elemente für eine höhere Neubildung
       vorteilhafter sind  als unter  den frühern  Formen der Sklaverei,
       Leibeigenschaft usw. Es führt so einerseits eine Stufe herbei, wo
       der Zwang und die Monopolisierung der gesellschaftlichen Entwick-
       lung (einschließlich  ihrer materiellen  und intellektuellen Vor-
       teile) durch  einen Teil  der Gesellschaft  auf Kosten des andern
       wegfällt; andrerseits  schafft sie die materiellen Mittel und den
       Keim zu  Verhältnissen, die in einer höhern Form der Gesellschaft
       erlauben, diese  Mehrarbeit zu  verbinden mit  einer  größem  Be-
       schränkung der  der materiellen Arbeit überhaupt gewidmeten Zeit.
       Denn die  Mehrarbeit kann, je nach der Entwicklung der Produktiv-
       kraft der  Arbeit, groß sein bei kleinem Gesamtarbeitstag und re-
       lativ klein bei großem Gesamtarbeitstag. Ist die notwendige
       
       #828# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       Arbeitszeit =  3 und die Mehrarbeit = 3, so ist der Gsamtarbeits-
       tag =  6 und  die Rate  der Mehrarbeit = 100%. Ist die notwendige
       Arbeit =  9 und  die Mehrarbeit = 3, so der Gesamtarbeitstag = 12
       und die  Rate der Mehrarbeit nur = 33 1/3 %. Sodann aber hängt es
       von der Produktivität der Arbeit ab, wieviel Gebrauchswert in be-
       stimmter Zeit,  also auch  in bestimmter  Mehrarbeitszeit  herge-
       stellt wird. Der wirkliche Reichtum der Gesellschaft und die Mög-
       lichkeit  beständiger  Erweiterung  ihres  Reproduktionsprozesses
       hängt also nicht ab von der Länge der Mehrarbeit, sondern von ih-
       rer Produktivität und von den mehr oder minder reichhaltigen Pro-
       duktionsbedingungen, worin  sie sich  vollzieht.  Das  Reich  der
       Freiheit beginnt  in der  Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch
       Not und  äußere Zweckmäßigkeit  bestimmt ist,  aufhört; es  liegt
       also der  Natur der  Sache nach jenseits der Sphäre der eigentli-
       chen materiellen  Produktion. Wie  der Wilde mit der Natur ringen
       muß, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhal-
       ten und  zu reproduzieren, so muß es der Zivilisierte, und er muß
       es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produk-
       tionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der
       Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse; aber zugleich erweitern
       sich die  Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in
       diesem Gebiet  kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete
       Mensch, die  assozilerten Produzenten,  diesen ihren Stoffwechsel
       mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kon-
       trolle bringen,  statt von  ihm als  von einer  blinden Macht be-
       herrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter
       den ihrer  menschlichen Natur  würdigsten und adäquatesten Bedin-
       gungen vollziehn. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwen-
       digkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwick-
       lung, die  sich als  Selbstzweck gilt,  das wahre Reich der Frei-
       heit, das  aber nur  auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner
       Basis auf  blühn kann.  Die Verkürzung  des Arbeitstags  ist  die
       Grundbedingung.
       In der  kapitalistischen Gesellschaft  verteilt sich dieser Mehr-
       wert oder  dies Mehrprodukt - wenn wir von den zufälligen Schwan-
       kungen der  Verteilung absehn und ihr regelndes Gesetz, ihre nor-
       mierenden Grenzen  betrachten -  unter den Kapitalisten als Divi-
       dende im  Verhältnis zu  der Quote, die jedem vom gesellschaftli-
       chen Kapital gehört. In dieser Gestalt erscheint der Mehrwert als
       der Durchschnittsprofit,  der dem  Kapital  zufällt,  ein  Durch-
       schnittsprofit, der  sich selbst  wieder in Unternehmergewinn und
       Zins spaltet und unter diesen beiden Kategorien verschiednen Sor-
       ten von  Kapitalisten zufallen  kann. Diese Aneignung und Vertei-
       lung des  Mehrwerts resp.  Mehrprodukts durch das Kapital besitzt
       jedoch ihre Schranke
       
       #829# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
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       am Grundeigentum.  Wie der  fungierende Kapitalist die Mehrarbeit
       und damit  unter der  Form des Profits den Mehrwert und das Mehr-
       produkt aus  dem Arbeiter auspumpt, so pumpt der Grundeigentürner
       einen Teil  dieses Mehrwerts oder Mehrprodukts wieder dem Kapita-
       listen aus,  unter der  Form der  Rente, nach früher entwickelten
       Gesetzen.
       Wenn wir also hier vom Profit als dem dem Kapital zufallenden An-
       teil des  Mehrwerts sprechen, so meinen wir den Durchschnittspro-
       fit (gleich  Unternehrnergewinn plus  Zins), der  durch den Abzug
       der Rente vom Gesamtprofit (in seiner Masse identisch mit dem Ge-
       samtmehrwert) bereits  beschränkt ist;  der Abzug  der Rente  ist
       vorausgesetzt. Kapitalprofit  (Unternehmergewinn plus  Zins)  und
       Grundrente sind  also nichts  als besondre Bestandteile des Mehr-
       werts, Kategorien,  worin dieser,  je nach  seinem Anheirnfall an
       das Kapital oder das Grundeigentum, unterschieden wird, Rubriken,
       die aber  an seinem  Wesen nichts  ändern. Zusammenaddiert bilden
       sie die Summe des gesellschaftlichen Mehrwerts. Das Kapital pumpt
       die Mehrarbeit,  die sich  im Mehrwert und Mehrprodukt darstellt,
       direkt aus  den Arbeitern  aus. Es  kann also  in diesem Sinn als
       Produzent des  Mehrwerts betrachtet werden. Das Grundeigentum hat
       mit dem  wirklichen Produktionsprozeß  nichts zu  schaffen. Seine
       Rolle beschränkt  sich darauf,  einen Teil des produzierten Mehr-
       werts aus der Tasche des Kapitals in seine eigne hinüberzuführen.
       Jedoch spielt  der Grundeigentümer eine Rolle im kapitalistischen
       Produktionsprozeß, nicht  nur durch den Druck, den er auf das Ka-
       pital ausübt,  auch nicht  bloß dadurch, daß großes Grundeigentum
       eine Voraussetzung und Bedingung der kapitalistischen Produktion,
       weil der  Expropriation des  Arbeiters von den Arbeitsbedingungen
       ist, sondern  speziell dadurch,  daß er als Personifikation einer
       der wesentlichsten Produktionsbedingungen erscheint.
       Der Arbeiter endlich, als Eigentümer und Verkäufer seiner persön-
       lichen Arbeitskraft,  erhält unter  dem Namen  Arbeitslohn  einen
       Teil des  Produkts, worin  sich der Teil seiner Arbeit darstellt,
       den wir  notwendige Arbeit nennen, d.h. die zur Erhaltung und Re-
       produktion dieser  Arbeitskraft notwendige  Arbeit, seien die Be-
       dingungen dieser  Erhaltung und  Reproduktion nun  ärmlicher oder
       reicher, günstiger oder ungünstiger.
       So disparat  diese Verhältnisse  nun sonst  erscheinen mögen, sie
       haben alle  eins gemein:  Das Kapital  wirft jahraus, jahrein dem
       Kapitalisten Profit ab, der Boden dem Grundeigentürner Grundrente
       und die  Arbeitskraft unter  normalen Verhältnissen,  und solange
       sie eine  brauchbare Arbeitskraft  bleibt - dem Arbeiter Arbeits-
       lohn. Diese  drei Wertteile des jährlich produzierten Gesamtwerts
       und die ihnen entsprechenden Teile des jährlich produzierten
       
       #830# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       Gesamtprodukts können  - wir sehn hier zunächst von der Akkumula-
       tion ab  - von ihren respektiven Besitzern jährlich verzehrt wer-
       den, ohne  daß die  Quelle ihrer  Reproduktion versiegt.  Sie er-
       scheinen als jährlich zu verzehrende Früchte eines perennierenden
       Baums oder  vielmehr dreier  Bäume, sie bilden das jährliche Ein-
       kommen dreier Klassen, des Kapitalisten, des Grundeigentümers und
       des Arbeiters,  Revenuen, die  der fungierende Kapitalist als der
       unmittelbare Auspumper  der Mehrarbeit  und Anwender  der  Arbeit
       Oberhaupt verteilt.  Dem Kapitalisten erscheint sein Kapital, dem
       Grundeigentümer sein  Boden und  dem Arbeiter  seine Arbeitskraft
       oder vielmehr seine Arbeit selbst (da er die Arbeitskraft nur als
       sich äußernde  wirklich verkauft  und ihm  der Preis der Arbeits-
       kraft, wie früher gezeigt, auf Basis der kapitalistischen Produk-
       tionsweise sich  notwendig als Preis der Arbeit darstellt) so als
       drei verschiedne  Quellen ihrer  spezifischen Revenuen,  des Pro-
       fits, der Grundrente und des Arbeitslohns. Sie sind es in der Tat
       in dem Sinne, daß das Kapital für den Kapitalisten eine perennie-
       rende Pumpmaschine  von Mehrarbeit, der Boden für den Grundeigen-
       tümer ein perennierender Magnet zur Anziehung eines Teils des vom
       Kapital ausgepumpten Mehrwerts und endlich die Arbeit die bestän-
       dig sich  erneuernde Bedingung und das stets sich erneuernde Mit-
       tel ist, um einen Teil des vom Arbeiter geschaffnen Werts und da-
       her einen durch diesen Wertteil gemeßnen Teil des gesellschaftli-
       chen Produkts,  die notwendigen Lebensmittel, unter dem Titel des
       Arbeitslohns zu erwerben. Sie sind es ferner in dem Sinn, daß das
       Kapital einen  Teil des  Werts und daher des Produkts der jährli-
       chen Arbeit  in der Form des Profits, das Grundeigentum einen an-
       dern Teil  in der Form der Rente und die Lohnarbeit einen dritten
       Teil in  der Form  des Arbeitslohns fixiert und grade durch diese
       Verwandlung umsetzt  in die Revenuen des Kapitalisten, des Grund-
       eigentümers und  des Arbeiters,  ohne aber die Substanz selbst zu
       schaffen, die  sich in  diese verschiednen Kategorien verwandelt.
       Die Verteilung  setzt vielmehr  diese Substanz als vorhanden vor-
       aus, nämlich  den Gesamtwert  des jährlichen Produkts, der nichts
       ist als  vergegenständlichte gesellschaftliche Arbeit. Es ist je-
       doch nicht  in dieser  Form, daß  sich die Sache den Produktions-
       agenten, den Trägern der verschiednen Funktionen des Produktions-
       prozesses darstellt,  sondern vielmehr  in einer verkehrten Form.
       Warum dies  geschieht, werden  wir im  Fortgang der  Untersuchung
       weiter entwickeln.  Kapital, Grundeigentum  und Arbeit erscheinen
       jenen Produktionsagenten  als drei verschiedne, unabhängige Quel-
       len, aus  denen als  solchen drei  ver schiedne  Bestandteile des
       jährlich produzierten  Werts -  und daher  des Produkts, worin er
       existiert -  entspringen; aus denen also nicht nur die verschied-
       nen
       
       #831# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
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       Formen dieses  Werts als Revenuen, welche besendren Faktoren  des
       gesellschaftlichen Produktionsprozesses  zufallen, sondern dieser
       Wert selbst  entspringt und damit die Substanz dieser Revenuefor-
       men.
       {Hier fehlt ein Foliobogen im Ms.}
       ... Differentialrente  ist gebunden an die relative Fruchtbarkeit
       der Ländereien, also an Eigenschaften, die aus dem Boden als sol-
       chem entspringen.  Aber soweit  sie erstens  beruht auf  den ver-
       schiednen individuellen Werten der Produkte verschiedner Bodenar-
       ten, ist es nur die eben erwähnte Bestimmung; soweit sie zweitens
       beruht auf  dem von  diesen individuellen  Werten unterschiednen,
       regulierenden allgemeinen  Marktwert, ist  es ein gesellschaftli-
       ches, vermittelst der Konkurrenz durchgeführtes Gesetz, das weder
       mit dem  Boden noch mit den verschiednen Graden seiner Fruchtbar-
       keit etwas zu tun hat.
       Es könnte  scheinen, als  wenn wenigstens  in: "Arbeit - Arbeits-
       lohn" ein  rationelles Verhältnis  ausgesprochen wäre.  Aber dies
       ist ebensowenig  der Fall  wie mit:  "Boden - Grundrente". Soweit
       die Arbeit  wertbildend ist und sich im Wert der Waren darstellt,
       hat sie  nichts zu tun mit der Verteilung dieses Werts unter ver-
       schiedne Kategorien. Soweit sie den spezifisch gesellschaftlichen
       Charakter der  Lohnarbeit hat,  ist sie nicht wertbildend. Es ist
       überhaupt früher  gezeigt worden,  daß Arbeitslohn oder Preis der
       Arbeit nur ein irrationeller Ausdruck für den Wert oder Preis der
       Arbeitskraft ist; und die bestimmten gesellschaftlichen Bedingun-
       gen, unter  denen diese Arbeitskraft verkauft wird, haben mit der
       Arbeit als allgemeinem Produktionsagenten nichts zu schaffen. Die
       Arbeit vergegenständlicht  sich auch  in dem  Wertbestandteil der
       Ware, der  als Arbeitslohn den Preis der Arbeitskraft bildet; sie
       schafft diesen  Teil ebensogut wie die andern Teile des Produkts;
       aber sie  vergegenständlicht sich  in diesem  Teil nicht mehr und
       nicht anders als in den Teilen, die Rente oder Profit bilden. Und
       überhaupt, wenn wir die Arbeit als wertbildend fixieren, betrach-
       ten wir sie nicht in ihrer konkreten Gestalt alsproduktionsbedin-
       gung, sondern  in einer  gesellschaftlichen Bestimmtheit, die von
       der der Lohnarbeit verschieden ist.
       Selbst der  Ausdruck: "Kapital - Profit" ist hier inkorrekt. Wenn
       das Kapital in der einzigen Beziehung gefaßt wird, worin es Mehr-
       wert produziert, nämlich in seinem Verhältnis zum Arbeiter, worin
       es Mehrarbeit  erpreßt durch  den Zwang,  den es auf die Arbeits-
       kraft, d.h.  auf den  Lohnarbeiter ausübt, so umfaßt dieser Mehr-
       wert außer  Profit (Unternehmergewinn  plus Zins) auch die Rente,
       kurz, den  ganzen ungeteilten  Mehrwert. Hier dagegen, als Quelle
       von Revenue,  wird es  nur auf den Teil in Beziehung gesetzt, der
       dem Kapitalisten anheimfällt. Es ist dies nicht der Mehrwert,
       
       #832# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       den es überhaupt extrahiert, sondern nur der Teil, den es für den
       Kapitalisten extrahiert. Noch mehr fällt aller Zusammenhang fort,
       sobald sich die Formel verwandelt in die: "Kapital - Zins".
       Wenn wir  erstens das Disparate der drei Quellen betrachteten, so
       jetzt zweitens,  daß dagegen ihre Produkte, ihre Abkömmlinge, die
       Revenuen, alle  derselben Sphäre,  der des Werts angehören. Indes
       gleicht sich dies dadurch aus (dies Verhältnis nicht nur zwischen
       inkommensurablen Größen,  sondern zwischen  ganz ungleichmäßigen,
       unter sich  beziehungslosen und  unvergleichbaren Dingen), daß in
       der Tat  das Kapital, gleich der Erde und der Arbeit, bloß seiner
       stofflichen Substanz  nach, also einfach als Produziertes Produk-
       tionsmittel genommen  wird, wobei  sowohl von  ihm als Verhältnis
       zum Arbeiter wie von ihm als Wert abstrahiert wird.
       Drittens. In  diesem Sinn  also bietet die Formel: Kapital - Zins
       (Profit), Erde  - Rente,  Arbeit -  Arbeitslohn, gleichmäßige und
       symmetrische Inkongruität. In der Tat, indem die Lohnarbeit nicht
       als eine gesellschaftlich bestimmte Form der Arbeit, sondern alle
       Arbeit ihrer Natur nach als Lohnarbeit erscheint (sich dem in den
       kapitalistischen  Produktionsverhältnissen   Befangnen  so   vor-
       stellt), fallen auch die bestimmten, spezifischen gesellschaftli-
       chen Formen, welche die gegenständlichen Arbeitsbedingungen - die
       produzierten Produktionsmittel  und die Erde - der Lohnarbeit ge-
       genüber einnehmen  (wie sie  umgekehrt ihrerseits  die Lohnarbeit
       voraussetzen), ohne  weiteres zusammen mit dem stofflichen Dasein
       dieser Arbeitsbedingungen oder mit der Gestalt, die sie überhaupt
       im wirklichen  Arbeitsprozeß besitzen,  unabhängig von  jeder ge-
       schichtlich bestimmten  gesellschaftlichen, ja unabhängig von je-
       der gesellschaftlichen  Form desselben.  Die der  Arbeit entfrem-
       dete, ihr  gegenüber verselbständigte  und somit  verwandelte Ge-
       stalt der Arbeitsbedingungen, worin also die produzierten Produk-
       tionsmittel sich  in Kapital verwandeln und die Erde in monopoli-
       sierte  Erde,   in  Grundeigentum,  diese  einer  bestimmten  Ge-
       schichtsperiode angehörige  Gestalt fällt  daher zusammen mit dem
       Dasein und  der Funktion  der produzierten  Produktionsmittel und
       der Erde  im Produktionsprozeß  überhaupt. Jene Produktionsmittel
       sind an  und für sich, von Natur, Kapital; Kapital ist nichts als
       ein bloßer "ökonomischer Name" für jene Produktionsmittel; und so
       ist die  Erde an  und für sich, von Natur, die von einer gewissen
       Zahl Grundeigentümer  monopolisierte Erde. Wie im Kapital und Ka-
       pitalisten -  der in  der Tat  nichts ist als das personifizierte
       Kapital -  die Produkte  eine selbständige Macht werden gegenüber
       den Produzenten,  so wird  im Grundeigentümer der Grund und Boden
       personifiziert, der  sich ebenfalls auf die Hinterfüße stellt und
       als selbständige Macht seinen Anteil
       
       #833# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
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       fordert von  dem mit seiner Hilfe erzeugten Produkt; so daß nicht
       der Boden den ihm gehörigen Teil des Produkts zu Ersatz und Stei-
       gerung seiner  Produktivität erhält,  sondern  statt  seiner  der
       Grundeigentümer einen  Anteil dieses  Produkts zur Verschacherung
       und Verschwendung.  Es ist  klar, daß  das Kapital die Arbeit als
       Lohnarbeit voraussetzt.  Es ist  aber ebenso  klar, daß, wenn von
       der Arbeit  als Lohnarbeit ausgegangen wird, so daß das Zusammen-
       fallen der Arbeit überhaupt mit der Lohnarbeit selbstverständlich
       scheint, dann  auch als  natürliche Form  der Arbeitsbedingungen,
       gegenüber der  Arbeit überhaupt,  das Kapital  und die  monopoli-
       sierte Erde  erscheinen müssen. Kapital zu sein erscheint nun als
       natürliche Form  der Arbeitsmittel  und daher als rein dinglicher
       und aus  ihrer Funktion im Arbeitsprozeß überhaupt entspringender
       Charakter. Kapital  und produziertes  Produktionsmittel werden so
       identische Ausdrücke.  Ebenso werden Erdboden und durch Privatei-
       gentum monopolisierten  Erdboden identische  Ausdrücke.  Die  Ar-
       beitsmittel als  solche, die von Natur Kapital sind, werden daher
       zur Quelle  des Profits  wie die  Erde als  solche zur Quelle der
       Rente.
       Die Arbeit als solche, in ihrer einfachen Bestimmtheit als zweck-
       mäßige produktive Tätigkeit, bezieht sich auf die Produktionsmit-
       tel, nicht  in deren gesellschaftlicher Formbestimmtheit, sondern
       in ihrer  stofflichen Substanz,  als Material  und Mittel der Ar-
       beit, die  sich ebenfalls  nur stofflich, als Gebrauchswerte von-
       einander unterscheiden,  die Erde  als unproduziertes, die andren
       als produzierte  Arbeitsmittel. Fällt  also die  Arbeit  mit  der
       Lohnarbeit zusammen,  so fällt auch die bestimmte gesellschaftli-
       che Form,  worin die Arbeitsbedingungen nun der Arbeit gegenüber-
       stehn, zusammen  mit ihrem  stofflichen Dasein. Die Arbeitsmittel
       sind dann  als solche Kapital, und die Erde als solche ist Grund-
       eigentum. Die formale Verselbständigung dieser Arbeitsbedingungen
       gegenüber der Arbeit, die besondre Form dieser Verselbständigung,
       die sie  gegenüber der Lohnarbeit besitzen, ist dann eine von ih-
       nen als  Dingen, als  materiellen Produktionsbedingungen untrenn-
       bare Eigenschaft,  ein ihnen  als Produktionselementen  notwendig
       zukommender, immanent  eingewachsener Charakter.  Ihr durch  eine
       bestimmte Geschichtsepoche bestimmter sozialer Charakter im kapi-
       talistischen Produktionsprozeß  ist ein ihnen naturgemäß, und so-
       zusagen von  Ewigkeit her, als Elementen des Produktionsprozesses
       eingeborner dinglicher  Charakter. Der  respektive Anteil  daher,
       den die Erde als das ursprüngliche Beschäftigungsfeld der Arbeit,
       als das  Reich der Naturkräfte, als das vorgefundne Arsenal aller
       Arbeitsgegenstände, und der andre respektive Anteil, den die pro-
       duzierten Produktionsmittel  (Instrumente, Rohstoffe etc.) an dem
       Produktionsprozeß überhaupt nehmen, müssen dann sich auszudrücken
       
       #834# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quelle
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       scheinen in  den respektiven  Anteilen, die ihnen als Kapital und
       Grundeigentum, d.h. die ihren sozialen Repräsentanten in der Form
       von Profit  (Zins) und  Rente zufallen,  wie dem  Arbeiter im Ar-
       beitslohn der  Anteil,  den  seine  Arbeit  am  Produktionsprozeß
       nimmt. Rente,  Profit, Arbeitslohn scheinen so aus der Rolle her-
       auszuwachsen, die  die Erde,  die produzierten  Produktionsmittel
       und die  Arbeit im einfachen Arbeitsprozeß spielen, selbst soweit
       wir diesen  Arbeitsprozeß als  bloß zwischen dem Menschen und der
       Natur vorgehend  und abgesehn von Jeder geschichtlichen Bestimmt-
       heit betrachten. Es ist nur wieder dieselbe Sache in einer andern
       Form, wenn  gesagt wird:  Das Produkt,  worin sich die Arbeit des
       Lohnarbeiters für ihn selbst, als sein Ertrag, seine Revenue dar-
       stellt, ist  nur der  Arbeitslohn, der  Teil des Werts (und daher
       des durch diesen Wert gemeßnen sozialen Produkts), der seinen Ar-
       beitslohn darstellt.  Fällt also  die Lohnarbeit  mit der  Arbeit
       überhaupt zusammen,  so auch  der Arbeitslohn mit dem Produkt der
       Arbeit und  der Wertteil,  den der Arbeitslohn darstellt, mit dem
       durch die  Arbeit geschaffnen Wert überhaupt. Dadurch treten aber
       die andern  Werttelle, Profit  und Rente,  ebenso selbständig dem
       Arbeitslohn gegenüber  und müssen aus eignen, von der Arbeit spe-
       zifisch verschiednen  und unabhängigen  Quellen entspringen;  sie
       müssen aus den mitwirkenden Produktionselementen entspringen, de-
       ren Besitzern  sie zufallen, also der Profit aus den Produktions-
       mitteln, den  stofflichen Elementen  des Kapitals,  und die Rente
       aus der  vom Grundeigentümer repräsentierten Erde oder der Natur.
       (Roscher.)
       Grundeigentum, Kapital  und Lohnarbeit  verwandeln sich daher aus
       Quellen der Revenue in dem Sinn, daß das Kapital dem Kapitalisten
       einen Teil  des Mehrwerts,  den er  aus der Arbeit extrahlert, in
       der Form des Profits, das Monopol an der Erde dem Grundeigentümer
       einen andern Teil in der Form der Rente attrahiert und die Arbeit
       dem Arbeiter  den letzten  noch disponiblen  Wertteil in der Form
       des Arbeitslohns  zuschlägt, aus  Quellen, vermittelst  deren ein
       Teil des  Werts in  die Form des Profits, ein zweiter in die Form
       der Rente  und ein dritter in die Form des Arbeitslohns sich ver-
       wandelt - in wirkliche Quellen, aus denen diese Wertteile und die
       bezüglichen Teile des Produkts, worin sie existieren oder wogegen
       sie umsetzbar  sind, selbst entspringen und aus denen als letzter
       Quelle daher der Wert des Produkts selbst entspringt. 50)
       ---
       50) "Arbeitslohn,  Profit und  Bodenrente sind die drei Urquellen
       alles Einkommens sowohl wie alles Tauschwerts." (A. Smithl [122])
       - "So  sind die  Ursachen der materiellen Produktion gleichzeitig
       die Quellen  der ursprünglichen  Revenuen, die es gibt." (Storch,
       ["Cours d'économie politique", St.-Pétersbourg 1815. I, p. 259.)
       
       #835# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
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       Wir haben bereits bei den einfachsten Kategorien der kapitalisti-
       schen Produktionsweise,  und selbst  der Warenproduktion, bei der
       Ware und  dem Geld  den mystifizierenden  Charakter nachgewiesen,
       der die  gesellschaftlichen Verhältnisse,  denen die  stofflichen
       Elemente des  Reichtums bei  der Produktion als Träger dienen, in
       Eigenschaften dieser Dinge selbst verwandelt (Ware) und noch aus-
       gesprochener das Produktionsverhältnis selbst in ein Ding (Geld).
       Alle Gesellschaftsformen,  soweit sie  es zur Warenproduktion und
       Geldzirkulation bringen,  nehmen an  dieser Verkehrung teil. Aber
       in der  kapitalistischen Produktionsweise  und beim Kapital, wel-
       ches ihre herrschende Kategorie, ihr bestimmendes Produktionsver-
       hältnis bildet,  entwickelt sich  diese verzauberte und verkehrte
       Welt noch viel weiter. Betrachtet man das Kapital zunächst im un-
       mittelbaren Produktionsprozeß  als Auspumper  von Mehrarbeit,  so
       ist dies  Verhältnis noch  sehr einfach, und der wirkliche Zusam-
       menhang drängt  sich den  Trägern dieses Prozesses, den Kapitali-
       sten selbst  auf und  ist noch  in ihrem  Bewußtsein. Der heftige
       Kampf um die Grenzen des Arbeitstags beweist dies schlagend. Aber
       selbst innerhalb dieser nicht vermittelten Sphäre, der Sphäre des
       unmittelbaren Prozesses  zwischen Arbeit  und Kapital,  bleibt es
       nicht bei  dieser Einfachheit.  Mit der Entwicklung des relativen
       Mehrwerts in der eigentlichen spezifisch kapitalistischen Produk-
       tionsweise, womit sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte der
       Arbeit entwickeln,  erscheinen diese  Produktivkräfte und die ge-
       sellschaftlichen Zusammenhänge  der Arbeit  im unmittelbaren  Ar-
       beitsprozeß als aus der Arbeit in das Kapital verlegt. Damit wird
       das Kapital  schon ein  sehr mystisches Wesen, indem alle gesell-
       schaftlichen Produktivkräfte  der Arbeit  als ihm,  und nicht der
       Arbeit als  solcher, zukommende  und aus seinem eignen Schoß her-
       vorsprossende Kräfte  erscheinen. Dann kommt der Zirkulationspro-
       zeß dazwischen,  dessen Stoff- und Formwechsel alle Teile des Ka-
       pitals, selbst  des agrikolen Kapitals, in demselben Grad anheim-
       fallen, wie  sich die spezifisch kapitalistische Produktionsweise
       entwickelt. Es  ist dies  eine Sphäre, worin die Verhältnisse der
       ursprünglichen Wertproduktion  völlig in  den Hintergrund treten.
       Schon  im  unmittelbaren  Produktionsprozeß  ist  der  Kapitalist
       zugleich als  Warenproduzent, als  Leiter der Warenproduktion tä-
       tig. Dieser  Produktionsprozeß stellt  sich ihm  daher keineswegs
       einfach als  Produktionsprozeß von Mehrwert dar. Welches aber im-
       mer der  Mehrwert sei, den das Kapital im unmittelbaren Produkti-
       onsprozeß ausgepumpt und in Waren dargestellt hat, der in den Wa-
       ren enthaltne  Wert und  Mehrwert muß  erst im Zirkulationsprozeß
       realisiert werden.  Und sowohl die Rückerstattung der in der Pro-
       duktion vorgeschoßnen Werte, wie namentlich der in den Waren ent-
       haltne Mehrwert, scheint nicht
       
       #836# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       in der  Zirkulation sich  bloß zu realisieren, sondern aus ihr zu
       entspringen; ein Schein, den namentlich zwei Umstände befestigen:
       erstens der  Profit bei  Veräußerung, der  von  Prellerei,  List,
       Sachkenntnis, Geschick  und  tausend  Marktkonjunkturen  abhängt;
       dann aber der Umstand, daß hier neben der Arbeitszeit ein zweites
       bestimmendes Element hinzutritt, die Zirkulationszeit. Diese fun-
       giert zwar  nur als  negative Schranke der Wert- und Mehrwertbil-
       dung, hat aber den Schein, als sei sie ein ebenso positiver Grund
       wie die  Arbeit selbst und als bringe sie eine, aus der Natur des
       Kapitals hervorgehende,  von der  Arbeit  unabhängige  Bestimmung
       herein. Wir  hatten in Buch 11 diese Zirkulationssphäre natürlich
       nur darzustellen  in bezug  auf die Formbestimmungen, die sie er-
       zeugt, die Fortentwicklung der Gestalt des Kapitals nachzuweisen,
       die in ihr vorgeht. In der Wirklichkeit aber ist diese Sphäre die
       Sphäre der  Konkurrenz, die, jeden einzelnen Fall betrachtet, vom
       Zufall beherrscht  ist; wo  also das innere Gesetz, das in diesen
       Zufällen sich  durchsetzt und  sie reguliert,  nur sichtbar wird,
       sobald diese  Zufälle in  großen Massen zusammengefaßt werden, wo
       es also  den einzelnen  Agenten der  Produktion selbst unsichtbar
       und unverständlich  bleibt. Weiter  aber: der wirkliche Produkti-
       onsprozeß, als Einheit des unmittelbaren Produktionsprozesses und
       des Zirkulationsprozesses,  erzeugt neue Gestaltungen, worin mehr
       und mehr die Ader des innern Zusammenhangs verlorengeht, die Pro-
       duktionsverhältnisse sich  gegeneinander verselbständigen und die
       Wertbestandteile sich  gegeneinander in selbständigen Formen ver-
       knöchern.
       Die Verwandlung des Mehrwerts in Profit ist, wie wir sahen, eben-
       sosehr durch den Zirkulationsprozeß wie durch den Produktionspro-
       zeß bestimmt.  Der Mehrwert,  in der Form des Profits, wird nicht
       mehr auf  den in  Arbeit ausgelegten Kapitalteil, aus dem er ent-
       springt, sondern  auf das  Gesamtkapital bezogen.  Die Profitrate
       wird durch  eigne Gesetze  reguliert, die einen Wechsel derselben
       bei gleichbleibender  Rate des  Mehrwerts zulassen und selbst be-
       dingen. Alles  dies verhüllt  mehr und  mehr die  wahre Natur des
       Mehrwerts und  daher das  wirkliche Triebwerk  des Kapitals. Noch
       mehr geschieht  dies durch  die Verwandlung des Profits in Durch-
       schnittsprofit und  der Werte  in Produktionspreise, in die regu-
       lierenden Durchschnitte  der Marktpreise.  Es tritt hier ein kom-
       plizierter gesellschaftlicher  Prozeß  dazwischen,  der  Ausglei-
       chungsprozeß der  Kapitale, der die relativen Durchschnittspreise
       der Waren  von ihren  Werten und  die Durchschnittsprofite in den
       verschiednen Produktionssphären  (ganz abgesehn von den individu-
       ellen Kapitalanlagen  in jeder  besondren Produktionssphäre)  von
       der wirklichen  Exploitation der Arbeit durch die besondren Kapi-
       tale losscheidet. Es
       
       #837# 48. Kapitel - Die trinitarische Forrnel
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       scheint nicht  nur so,  sondern es ist hier in der Tat der Durch-
       schnittspreis der  Waren verschieden von ihrem Wert, also von der
       in ihnen  realisierten Arbeit,  und der Durchschnittsprofit eines
       besondren Kapitals verschieden von dem Mehrwert, den dies Kapital
       aus den  von ihm beschäftigten Arbeitern extrahiert hat. Der Wert
       der Waren erscheint unmittelbar nur noch in dem Einfluß der wech-
       selnden Produktivkraft der Arbeit auf Sinken und Steigen der Pro-
       duktionspreise, auf  ihre Bewegung,  nicht auf ihre letzten Gren-
       zen. Der  Profit erscheint  nur noch  akzessorisch bestimmt durch
       die unmittelbare  Exploitation der  Arbeit, soweit  diese nämlich
       dem Kapitalisten  erlaubt, bei den, scheinbar unabhängig von die-
       ser Exploitation  vorhandnen, regulierenden  Marktpreisen,  einen
       vom Durchschnittsprofit  abweichenden Profit  zu realisieren. Die
       normalen Durchschnittsprofite  selbst scheinen  dem Kapital imma-
       nent, unabhängig  von der Exploitation; die anormale Exploitation
       oder auch die durchschnittliche Exploitation unter günstigen Aus-
       nahmsbedingungen  scheint   nur  die   Abweichungen  vom   Durch-
       schnittsprofit, nicht diesen selbst zu bedingen. Die Spaltung des
       Profits in  Unternehmergewinn und Zins (gar nicht zu sprechen von
       der Dazwischenkunft  des kommerziellen  Profits und des Geldhand-
       lungsprofits, die auf der Zirkulation gegründet sind und ganz und
       gar aus  ihr und  nicht aus  dem Produktionsprozeß selbst zu ent-
       springen scheinen)  vollendet die  Verselbständigung der Form des
       Mehrwerts, die  Verknöcherung seiner  Form gegen  seine Substanz,
       sein Wesen.  Ein Teil  des Profits,  im Gegensatz  zu dem andren,
       löst sich  ganz von  dem Kapitalverhältnis  als solchem  los  und
       stellt sich  dar als entspringend nicht aus der Funktion der Aus-
       beutung der  Lohnarbeit, sondern aus der Lohnarbeit des Kapitali-
       sten selbst. Im Gegensatz dazu scheint dann der Zins als unabhän-
       gig, sei es von der Lohnarbeit des Arbeiters, sei es von der eig-
       nen Arbeit  des Kapitalisten,  aus dem  Kapital als seiner eignen
       unabhängigen Quelle  zu entspringen.  Wenn das  Kapital ursprüng-
       lich, auf der Oberfläche der Zirkulation, erschien als Kapitalfe-
       tisch, werterzeugender  Wert, so  stellt es  sich jetzt wieder in
       der Gestalt  des zinstragenden  Kapitals als  in seiner  entfrem-
       detsten und  eigentümlichsten Form  dar. Weshalb  auch die  Form:
       "Kapital -  Zins" als drittes zu "Erde - Rente" und "Arbeit - Ar-
       beitslohn" viel konsequenter ist als "Kapital - Profit", indem im
       Profit immer  noch eine Erinnerung an seinen Ursprung bleibt, die
       im Zins  nicht nur  ausgelöscht, sondern  in feste gegensätzliche
       Form zu diesem Ursprung gestellt ist.
       Endlich tritt neben das Kapital als selbständige Quelle von Mehr-
       wert das Grundeigentum, als Schranke des Durchschnittsprofits und
       als einen  Teil des Mehrwerts an eine Klasse übertragend, die we-
       der selbst arbeitet,
       
       #838# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       noch Arbeiter  direkt exploitiert, noch sich wie das zinstragende
       Kapital in  moralisch erbaulichen  Trostgründen, z.B.  dem Risiko
       und dem  Opfer im Wegielhen des Kapitals, ergehn kann. Indem hier
       ein Teil des Mehrwerts direkt nicht an Gesellschaftsverhältnisse,
       sondern an ein Naturelernent, die Erde, gebunden scheint, ist die
       Form der Entfremdung und Verknöcherung der verschiednen Teile des
       Mehrwerts gegeneinander  vollendet, der  innere Zusammenhang end-
       gültig zerrissen  und seine  Quelle vollständig verschüttet, eben
       durch die  Verselbständigung der  an die verschiednen stofflichen
       Elemente des  Produktionsprozesses gebundnen, Produktionsverhält-
       nisse gegeneinander.
       Im Kapital  - Profit,  oder noch  besser Kapital  - Zins, Boden -
       Grundrente, Arbeit - Arbeitslohn, in dieser ökonomischen Trinität
       als dem Zusammenhang der Bestandteile des Werts und des Reichtums
       überhaupt mit  seinen Quellen ist die Mystifikation der kapitali-
       stischen Produktionsweise, die Verdinglichung der gesellschaftli-
       chen Verhältnisse,  das unmittelbare Zusammenwachsen der stoffli-
       chen Produktionsverhältnisse mit ihrer geschichtlich-sozialen Be-
       stimmtheit vollendet: die verzauberte, verkehrte und auf den Kopf
       gestellte Welt,  wo Monsleur  le Capital  und Madame la Terre als
       soziale Charaktere und zugleich unmittelbar als bloße Dinge ihren
       Spuk treiben.  Es ist  das große Verdienst der klassischen Ökono-
       mie, diesen falschen Schein und Trug, diese Verselbständigung und
       Verknöcherung der  verschiednen gesellschaftlichen  Elemente  des
       Reichtums gegeneinander,  diese Personifizierung  der Sachen  und
       Versachlichung der  Produktionsverhältnisse, diese  Religion  des
       Alltagslebens aufgelöst  zu haben,  indem sie  den Zins auf einen
       Teil des  Profits und die Rente auf den Überschuß über den Durch-
       schnittsprofit reduziert,  so daß  beide im Mehrwert zusammenfal-
       len; indem  sie den Zirkulationsprozeß als bloße Metamorphose der
       Formen darstellt  und endlich  im unmittelbaren Produktionsprozeß
       Wert und  Mehrwert der  Waren auf  die Arbeit  reduziert. Dennoch
       bleiben selbst  die besten ihrer Wortführer, wie es vom bürgerli-
       chen Standpunkt  nicht anders  möglich ist,  mehr oder weniger in
       der von  ihnen kritisch aufgelösten Welt des Scheins befangen und
       fallen daher alle mehr oder weniger in Inkonsequenzen, Halbheiten
       und ungelöste Widersprüche. Es ist dagegen andrerseits ebenso na-
       türlich, daß die wirklichen Produktionsagenten in diesen entfrem-
       deren und irrationellen Formen von Kapital - Zins, Boden - Rente,
       Arbeit -  Arbeitslohn sich  völlig zu  Hause fühlen, denn es sind
       eben die  Gestaltungen des  Scheins, in  welchem sie sich bewegen
       und womit  sie täglich  zu tun  haben. Es ist daher ebenso natür-
       lich, daß  die Vulgärökonomie,  die nichts  als eine  didaktiche,
       mehr oder minder doktrinäre Übersetzung
       
       #839# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
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       der Alltagsvorstellungen  der wirklichen  Produktionsagenten  ist
       und eine  gewisse verständige  Ordnung unter sie bringt, grade in
       dieser Trinität,  worin der ganze innere Zusammenhang ausgelöscht
       ist, die  naturgemäße und über allen Zweifel erhabene Basis ihrer
       seichten Wichtigtuerei  findet. Diese  Formel entspricht zugleich
       dem Interesse  der herrschenden  Klassen, indem sie die Naturnot-
       wendigkeit und  ewige Berechtigung  ihrer Einnahmequellen prokla-
       miert und zu einem Dogma erhebt.
       In der Darstellung der Versachlichung der Produktionsverhältnisse
       und ihrer Verselbständigung gegenüber den Produktionsagenten gehn
       wir nicht  ein auf die Art und Weise, wie die Zusammenhänge durch
       den Weltmarkt,  seine Konjunkturen, die Bewegung der Marktpreise,
       die Perioden  des Kredits,  die Zyklen der Industrie und des Han-
       dels, die  Abwechslung der Prosperität und Krise, ihnen als über-
       mächtige, sie willenlos beherrschende Naturgesetze erscheinen und
       sich ihnen  gegenüber als  blinde Notwendigkeit  geltend  machen.
       Deswegen nicht, weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz außer-
       halb unsers  Plans liegt  und wir nur die innere Organisation der
       kapitalistischen Produktionsweise, sozusagen in ihrem idealen
       Durchschnitt, darzustellen haben.
       In frühern Gesellschaftsformen tritt diese ökonomische Mystifika-
       tion nur ein hauptsächlich in bezug auf das Geld und das zinstra-
       gende Kapital.  Sie ist  der Natur der Sache nach ausgeschlossen,
       erstens, wo die Produk tion für den Gebrauchswert, für den unmit-
       telbaren Selbstbedarf  vorwiegt; zweitens, wo, wie in der antiken
       Zeit und  im  Mittelalter,  Sklaverei  oder  Leibeigenschaft  die
       breite Basis  der gesellschaftlichen Produktion bildet: die Herr-
       schaft der  Produktionsbedingungen über  die Produzenten ist hier
       versteckt durch  die Herrschafts-  und Knechtschaftsverhältnisse,
       die als  unmittelbare Triebfedern  des  Produktionsprozesses  er-
       scheinen und sichtbar sind. In den ursprünglichen Gemeinwesen, wo
       naturwüchsiger Kommunismus  herrscht, und  selbst in  den antiken
       städtischen Gemeinwesen ist es dies Gemeinwesen selbst mit seinen
       Bedingungen, das  als Basis  der Produktion  sich darstellt,  wie
       seine Reproduktion  als ihr letzter Zweck. Selbst im mittelalter-
       lichen Zunftwesen erscheint weder das Kapital noch die Arbeit un-
       gebunden, sondern  ihre Beziehungen  durch das  KorporationsWesen
       und mit  demselben zusammenhängende  Verhältnisse und  ihnen ent-
       sprechende Vorstellungen  von Berufspflicht,  Meisterschaft  etc.
       bestimmt. Erst in der kapitalistischen Produktionsweise... 1*)
       -----
       1*) Hier bricht das Manuskript ab

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