Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
zurück
#825# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
-----
III
Die Vulgärökonomie tut in der Tat nichts, als die Vorstellungen
der in den bürgerlichen Produktionsverhältnissen befangenen Agen-
ten dieser Produktion doktrinär zu verdolmetschen, zu systemati-
sieren und zu apologetisieren. Es darf uns also nicht wunderneh-
men, daß sie gerade in der entfremdeten Erscheinungsform der öko-
nomischen Verhältnisse, worin diese prima facie abgeschmackt und
vollkommene Widersprüche sind - und alle Wissenschaft wäre über-
flüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmit-
telbar zusammenfielen -, wenn gerade hier die Vulgärökonomie sich
vollkommen bei sich selbst fühlt und ihr diese Verhältnisse um so
selbstverständlicher erscheinen, je mehr der innere Zusammenhang
an ihnen verborgen ist, sie aber der ordinären Vorstellung geläu-
fig sind. Daher hat sie nicht die geringste Ahnung darüber, daß
die Trinität, von der sie ausgeht: Grund und Boden - Rente, Kapi-
tal - Zins, Arbeit - Arbeitslohn oder Preis der Arbeit drei prima
facie unmögliche Kompositionen sind. Erst haben wir den Ge-
brauchswert Boden, der keinen Wert hat, und den Tauschwert Rente:
so daß ein soziales Verhältnis, als Ding gefaßt, zur Natur in
eine Proportion gesetzt ist; also zwei inkommensurable Größen,
die ein Verhältnis zueinander haben sollen. Dann Kapital - Zins.
Wird das Kapital als eine gewisse, in Geld selbständig darge-
stellte Wertsumme gefaßt, so ist es prima facie Unsinn, daß ein
Wert mehr Wert sein soll, als er wert ist. Gerade in der Form:
Kapital - Zins fällt alle Vermittlung fort, und ist das
#826# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
-----
Kapital auf seine allgemeinste, aber darum auch aus sich selbst
unerklärliche und absurde Formel reduziert. Ebendarum zieht der
Vulgärökonom die Formel Kapital - Zins, mit der okkulten Qualität
eines Werts- sich selbst ungleich zu sein, der Formel Kapital -
Profit vor, weil hier schon dem wirklichen Kapitalverhältnis nä-
hergekommen wird. Dann wieder, in dem unruhigen Gefühl, daß 4
nicht 5 ist und daher 100 Taler unmöglich 110 Taler sein können,
flüchtet er vom Kapital als Wert zur stofflichen Substanz des Ka-
pitals; zu seinem Gebrauchswert als Produktionsbedingung der Ar-
beit, Maschinerie, Rohstoff etc. So gelingt es dann wieder, statt
des unbegreiflichen ersten Verhältnisses, wonach 4 = 5, ein ganz
inkommensurables herauszubringen zwischen einem Gebrauchswert,
einem Ding auf der einen Seite, und einem bestimmten gesell-
schaftlichen P1rOduktionsverhältnis, dem Mehrwert, auf der an-
dern; wie beim Grundeigentum. Sobald er bei diesem Inkommensurab-
len angelangt, wird dem Vulgärökonomen alles klar und fühlt er
nicht mehr das Bedürfnis, weiter nachzudenken. Denn er ist eben
beim "Rationale" der Bürgervorstellung angelangt. Endlich, Ar-
beit-Arbeitslohn, Preis der Arbeit, ist, wie in Buch I 1*) nach-
gewiesen, ein Ausdruck, der prima facie dem Begriff des Werts wi-
derspricht und ebenso dem des Preises, und is der allgemein
selbst nur ein bestimmter Ausdruck des Werts ist; "Preis der Ar-
beit" ist ebenso irrationell wie ein gelber Logarithmus. Aber
hier ist der Vulgärökonom erst recht befriedigt, da er nun bei
der tiefen Einsicht des Bürgers angelangt ist, daß er Geld für
die Arbeit zahlt, und da grade der Widerspruch der Formel gegen
den Begriff des Werts ihn der Verpflichtung überhebt, den letz-
tren zu begreifen.
---
Wir 49) haben gesehn, daß der kapitalistische Produktionsprozeß
eine geschichtlich bestimmte Form des gesellschaftlichen Produk-
tionsprozesses Oberhaupt ist. Dieser letztere ist sowohl Produk-
tionsprozeß der materiellen Existenzbedingungen des menschlichen
Lebens wie ein in spezifischen, historisch-ökonomischen Produkti-
onsverhältnissen vor sich gehender, diese Produktionsverhältnisse
selbst und damit die Träger dieses Prozesses, ihre materiellen
Existenzbedingungen und ihre gegenseitigem Verhältnisse, d.h.
ihre bestimmte ökonomische Gesellschaftsform produzierender und
reproduzierender Prozeß. Denn das Ganze dieser Beziehungen, worin
sich die
---
49) Anfang von Kap. XLVIII nach dem Ms.
-----
1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 557-564
#827# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
-----
Träger dieser Produktion zur Natur und zueinander befinden, worin
sie produzieren, dies Ganze ist eben die Gesellschaft, nach ihrer
ökonomischen Struktur betrachtet. Wie alle seine Vorgänger, geht
der kapitalistische Produktionsprozeß unter bestimmten materiel-
len Bedingungen vor sich, die aber zugleich Träger bestimmter ge-
sellschaftlicher Verhältnisse sind, welche die Individuen im Pro-
zeß ihrer Lebensreproduktion eingehn. jene Bedingungen, wie diese
Verhältnisse, sind einerseits Voraussetzungen, andrerseits Resul-
tate und Schöpfungen des kapitalistischen Produktionsprozesses;
sie werden von ihm produziert und reproduziert. Wir sahen ferner:
das Kapital - und der Kapitalist ist nur das personifizierte Ka-
pital, fungiert im Produktionsprozeß nur als Träger des Kapitals
-, also das Kapital pumpt in dem ihm entsprechenden gesellschaft-
lichen Produktionsprozeß ein bestimmtes Quantum Mehrarbeit aus
den unmittelbaren Produzenten oder Arbeitern heraus, Mehrarbeit,
die jenes ohne Äquivalent erhält und die ihrem Wesen nach immer
Zwangsarbeit bleibt, wie sehr sie auch als das Resultat freier
kontraktlicher Übereinkunft erscheinen mag. Diese Mehr. arbeit
stellt sich dar in einem Mehrwert, und dieser Mehrwert existiert
in einem Mehrprodukt. Mehrarbeit überhaupt, als Arbeit über das
Maß der gegebnen Bedürfnisse hinaus, muß immer bleiben. Im kapi-
talistischen wie im Sklavensystem usw. hat sie nur eine antagoni-
stische Form und wird ergänzt durch reinen Müßiggang eines Teils
der Gesellschaft. Ein bestimmtes Quantum Mehrarbeit ist erheischt
durch die Assekuranz gegen Zufälle, durch die notwendige, der
Entwicklung der Bedürfnisse und dem Fortschritt der Bevölkerung
entsprechende, progressive Ausdehnung des Reproduktionsprozesses,
was vom kapitalistischen Standpunkt aus Akkumulation heißt. Es
ist eine der zivilisatorischen Seiten des Kapitals, daß es diese
Mehrarbeit in einer Weise und unter Bedingungen erzwingt, die der
Entwicklung der Produktivkräfte, der gesellschaftlichen Verhält-
nisse und der Schöpfung der Elemente für eine höhere Neubildung
vorteilhafter sind als unter den frühern Formen der Sklaverei,
Leibeigenschaft usw. Es führt so einerseits eine Stufe herbei, wo
der Zwang und die Monopolisierung der gesellschaftlichen Entwick-
lung (einschließlich ihrer materiellen und intellektuellen Vor-
teile) durch einen Teil der Gesellschaft auf Kosten des andern
wegfällt; andrerseits schafft sie die materiellen Mittel und den
Keim zu Verhältnissen, die in einer höhern Form der Gesellschaft
erlauben, diese Mehrarbeit zu verbinden mit einer größem Be-
schränkung der der materiellen Arbeit überhaupt gewidmeten Zeit.
Denn die Mehrarbeit kann, je nach der Entwicklung der Produktiv-
kraft der Arbeit, groß sein bei kleinem Gesamtarbeitstag und re-
lativ klein bei großem Gesamtarbeitstag. Ist die notwendige
#828# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
-----
Arbeitszeit = 3 und die Mehrarbeit = 3, so ist der Gsamtarbeits-
tag = 6 und die Rate der Mehrarbeit = 100%. Ist die notwendige
Arbeit = 9 und die Mehrarbeit = 3, so der Gesamtarbeitstag = 12
und die Rate der Mehrarbeit nur = 33 1/3 %. Sodann aber hängt es
von der Produktivität der Arbeit ab, wieviel Gebrauchswert in be-
stimmter Zeit, also auch in bestimmter Mehrarbeitszeit herge-
stellt wird. Der wirkliche Reichtum der Gesellschaft und die Mög-
lichkeit beständiger Erweiterung ihres Reproduktionsprozesses
hängt also nicht ab von der Länge der Mehrarbeit, sondern von ih-
rer Produktivität und von den mehr oder minder reichhaltigen Pro-
duktionsbedingungen, worin sie sich vollzieht. Das Reich der
Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch
Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt
also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentli-
chen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen
muß, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhal-
ten und zu reproduzieren, so muß es der Zivilisierte, und er muß
es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produk-
tionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der
Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse; aber zugleich erweitern
sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in
diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete
Mensch, die assozilerten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel
mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kon-
trolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht be-
herrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter
den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedin-
gungen vollziehn. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwen-
digkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwick-
lung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Frei-
heit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner
Basis auf blühn kann. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die
Grundbedingung.
In der kapitalistischen Gesellschaft verteilt sich dieser Mehr-
wert oder dies Mehrprodukt - wenn wir von den zufälligen Schwan-
kungen der Verteilung absehn und ihr regelndes Gesetz, ihre nor-
mierenden Grenzen betrachten - unter den Kapitalisten als Divi-
dende im Verhältnis zu der Quote, die jedem vom gesellschaftli-
chen Kapital gehört. In dieser Gestalt erscheint der Mehrwert als
der Durchschnittsprofit, der dem Kapital zufällt, ein Durch-
schnittsprofit, der sich selbst wieder in Unternehmergewinn und
Zins spaltet und unter diesen beiden Kategorien verschiednen Sor-
ten von Kapitalisten zufallen kann. Diese Aneignung und Vertei-
lung des Mehrwerts resp. Mehrprodukts durch das Kapital besitzt
jedoch ihre Schranke
#829# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
-----
am Grundeigentum. Wie der fungierende Kapitalist die Mehrarbeit
und damit unter der Form des Profits den Mehrwert und das Mehr-
produkt aus dem Arbeiter auspumpt, so pumpt der Grundeigentürner
einen Teil dieses Mehrwerts oder Mehrprodukts wieder dem Kapita-
listen aus, unter der Form der Rente, nach früher entwickelten
Gesetzen.
Wenn wir also hier vom Profit als dem dem Kapital zufallenden An-
teil des Mehrwerts sprechen, so meinen wir den Durchschnittspro-
fit (gleich Unternehrnergewinn plus Zins), der durch den Abzug
der Rente vom Gesamtprofit (in seiner Masse identisch mit dem Ge-
samtmehrwert) bereits beschränkt ist; der Abzug der Rente ist
vorausgesetzt. Kapitalprofit (Unternehmergewinn plus Zins) und
Grundrente sind also nichts als besondre Bestandteile des Mehr-
werts, Kategorien, worin dieser, je nach seinem Anheirnfall an
das Kapital oder das Grundeigentum, unterschieden wird, Rubriken,
die aber an seinem Wesen nichts ändern. Zusammenaddiert bilden
sie die Summe des gesellschaftlichen Mehrwerts. Das Kapital pumpt
die Mehrarbeit, die sich im Mehrwert und Mehrprodukt darstellt,
direkt aus den Arbeitern aus. Es kann also in diesem Sinn als
Produzent des Mehrwerts betrachtet werden. Das Grundeigentum hat
mit dem wirklichen Produktionsprozeß nichts zu schaffen. Seine
Rolle beschränkt sich darauf, einen Teil des produzierten Mehr-
werts aus der Tasche des Kapitals in seine eigne hinüberzuführen.
Jedoch spielt der Grundeigentümer eine Rolle im kapitalistischen
Produktionsprozeß, nicht nur durch den Druck, den er auf das Ka-
pital ausübt, auch nicht bloß dadurch, daß großes Grundeigentum
eine Voraussetzung und Bedingung der kapitalistischen Produktion,
weil der Expropriation des Arbeiters von den Arbeitsbedingungen
ist, sondern speziell dadurch, daß er als Personifikation einer
der wesentlichsten Produktionsbedingungen erscheint.
Der Arbeiter endlich, als Eigentümer und Verkäufer seiner persön-
lichen Arbeitskraft, erhält unter dem Namen Arbeitslohn einen
Teil des Produkts, worin sich der Teil seiner Arbeit darstellt,
den wir notwendige Arbeit nennen, d.h. die zur Erhaltung und Re-
produktion dieser Arbeitskraft notwendige Arbeit, seien die Be-
dingungen dieser Erhaltung und Reproduktion nun ärmlicher oder
reicher, günstiger oder ungünstiger.
So disparat diese Verhältnisse nun sonst erscheinen mögen, sie
haben alle eins gemein: Das Kapital wirft jahraus, jahrein dem
Kapitalisten Profit ab, der Boden dem Grundeigentürner Grundrente
und die Arbeitskraft unter normalen Verhältnissen, und solange
sie eine brauchbare Arbeitskraft bleibt - dem Arbeiter Arbeits-
lohn. Diese drei Wertteile des jährlich produzierten Gesamtwerts
und die ihnen entsprechenden Teile des jährlich produzierten
#830# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
-----
Gesamtprodukts können - wir sehn hier zunächst von der Akkumula-
tion ab - von ihren respektiven Besitzern jährlich verzehrt wer-
den, ohne daß die Quelle ihrer Reproduktion versiegt. Sie er-
scheinen als jährlich zu verzehrende Früchte eines perennierenden
Baums oder vielmehr dreier Bäume, sie bilden das jährliche Ein-
kommen dreier Klassen, des Kapitalisten, des Grundeigentümers und
des Arbeiters, Revenuen, die der fungierende Kapitalist als der
unmittelbare Auspumper der Mehrarbeit und Anwender der Arbeit
Oberhaupt verteilt. Dem Kapitalisten erscheint sein Kapital, dem
Grundeigentümer sein Boden und dem Arbeiter seine Arbeitskraft
oder vielmehr seine Arbeit selbst (da er die Arbeitskraft nur als
sich äußernde wirklich verkauft und ihm der Preis der Arbeits-
kraft, wie früher gezeigt, auf Basis der kapitalistischen Produk-
tionsweise sich notwendig als Preis der Arbeit darstellt) so als
drei verschiedne Quellen ihrer spezifischen Revenuen, des Pro-
fits, der Grundrente und des Arbeitslohns. Sie sind es in der Tat
in dem Sinne, daß das Kapital für den Kapitalisten eine perennie-
rende Pumpmaschine von Mehrarbeit, der Boden für den Grundeigen-
tümer ein perennierender Magnet zur Anziehung eines Teils des vom
Kapital ausgepumpten Mehrwerts und endlich die Arbeit die bestän-
dig sich erneuernde Bedingung und das stets sich erneuernde Mit-
tel ist, um einen Teil des vom Arbeiter geschaffnen Werts und da-
her einen durch diesen Wertteil gemeßnen Teil des gesellschaftli-
chen Produkts, die notwendigen Lebensmittel, unter dem Titel des
Arbeitslohns zu erwerben. Sie sind es ferner in dem Sinn, daß das
Kapital einen Teil des Werts und daher des Produkts der jährli-
chen Arbeit in der Form des Profits, das Grundeigentum einen an-
dern Teil in der Form der Rente und die Lohnarbeit einen dritten
Teil in der Form des Arbeitslohns fixiert und grade durch diese
Verwandlung umsetzt in die Revenuen des Kapitalisten, des Grund-
eigentümers und des Arbeiters, ohne aber die Substanz selbst zu
schaffen, die sich in diese verschiednen Kategorien verwandelt.
Die Verteilung setzt vielmehr diese Substanz als vorhanden vor-
aus, nämlich den Gesamtwert des jährlichen Produkts, der nichts
ist als vergegenständlichte gesellschaftliche Arbeit. Es ist je-
doch nicht in dieser Form, daß sich die Sache den Produktions-
agenten, den Trägern der verschiednen Funktionen des Produktions-
prozesses darstellt, sondern vielmehr in einer verkehrten Form.
Warum dies geschieht, werden wir im Fortgang der Untersuchung
weiter entwickeln. Kapital, Grundeigentum und Arbeit erscheinen
jenen Produktionsagenten als drei verschiedne, unabhängige Quel-
len, aus denen als solchen drei ver schiedne Bestandteile des
jährlich produzierten Werts - und daher des Produkts, worin er
existiert - entspringen; aus denen also nicht nur die verschied-
nen
#831# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
-----
Formen dieses Werts als Revenuen, welche besendren Faktoren des
gesellschaftlichen Produktionsprozesses zufallen, sondern dieser
Wert selbst entspringt und damit die Substanz dieser Revenuefor-
men.
{Hier fehlt ein Foliobogen im Ms.}
... Differentialrente ist gebunden an die relative Fruchtbarkeit
der Ländereien, also an Eigenschaften, die aus dem Boden als sol-
chem entspringen. Aber soweit sie erstens beruht auf den ver-
schiednen individuellen Werten der Produkte verschiedner Bodenar-
ten, ist es nur die eben erwähnte Bestimmung; soweit sie zweitens
beruht auf dem von diesen individuellen Werten unterschiednen,
regulierenden allgemeinen Marktwert, ist es ein gesellschaftli-
ches, vermittelst der Konkurrenz durchgeführtes Gesetz, das weder
mit dem Boden noch mit den verschiednen Graden seiner Fruchtbar-
keit etwas zu tun hat.
Es könnte scheinen, als wenn wenigstens in: "Arbeit - Arbeits-
lohn" ein rationelles Verhältnis ausgesprochen wäre. Aber dies
ist ebensowenig der Fall wie mit: "Boden - Grundrente". Soweit
die Arbeit wertbildend ist und sich im Wert der Waren darstellt,
hat sie nichts zu tun mit der Verteilung dieses Werts unter ver-
schiedne Kategorien. Soweit sie den spezifisch gesellschaftlichen
Charakter der Lohnarbeit hat, ist sie nicht wertbildend. Es ist
überhaupt früher gezeigt worden, daß Arbeitslohn oder Preis der
Arbeit nur ein irrationeller Ausdruck für den Wert oder Preis der
Arbeitskraft ist; und die bestimmten gesellschaftlichen Bedingun-
gen, unter denen diese Arbeitskraft verkauft wird, haben mit der
Arbeit als allgemeinem Produktionsagenten nichts zu schaffen. Die
Arbeit vergegenständlicht sich auch in dem Wertbestandteil der
Ware, der als Arbeitslohn den Preis der Arbeitskraft bildet; sie
schafft diesen Teil ebensogut wie die andern Teile des Produkts;
aber sie vergegenständlicht sich in diesem Teil nicht mehr und
nicht anders als in den Teilen, die Rente oder Profit bilden. Und
überhaupt, wenn wir die Arbeit als wertbildend fixieren, betrach-
ten wir sie nicht in ihrer konkreten Gestalt alsproduktionsbedin-
gung, sondern in einer gesellschaftlichen Bestimmtheit, die von
der der Lohnarbeit verschieden ist.
Selbst der Ausdruck: "Kapital - Profit" ist hier inkorrekt. Wenn
das Kapital in der einzigen Beziehung gefaßt wird, worin es Mehr-
wert produziert, nämlich in seinem Verhältnis zum Arbeiter, worin
es Mehrarbeit erpreßt durch den Zwang, den es auf die Arbeits-
kraft, d.h. auf den Lohnarbeiter ausübt, so umfaßt dieser Mehr-
wert außer Profit (Unternehmergewinn plus Zins) auch die Rente,
kurz, den ganzen ungeteilten Mehrwert. Hier dagegen, als Quelle
von Revenue, wird es nur auf den Teil in Beziehung gesetzt, der
dem Kapitalisten anheimfällt. Es ist dies nicht der Mehrwert,
#832# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
-----
den es überhaupt extrahiert, sondern nur der Teil, den es für den
Kapitalisten extrahiert. Noch mehr fällt aller Zusammenhang fort,
sobald sich die Formel verwandelt in die: "Kapital - Zins".
Wenn wir erstens das Disparate der drei Quellen betrachteten, so
jetzt zweitens, daß dagegen ihre Produkte, ihre Abkömmlinge, die
Revenuen, alle derselben Sphäre, der des Werts angehören. Indes
gleicht sich dies dadurch aus (dies Verhältnis nicht nur zwischen
inkommensurablen Größen, sondern zwischen ganz ungleichmäßigen,
unter sich beziehungslosen und unvergleichbaren Dingen), daß in
der Tat das Kapital, gleich der Erde und der Arbeit, bloß seiner
stofflichen Substanz nach, also einfach als Produziertes Produk-
tionsmittel genommen wird, wobei sowohl von ihm als Verhältnis
zum Arbeiter wie von ihm als Wert abstrahiert wird.
Drittens. In diesem Sinn also bietet die Formel: Kapital - Zins
(Profit), Erde - Rente, Arbeit - Arbeitslohn, gleichmäßige und
symmetrische Inkongruität. In der Tat, indem die Lohnarbeit nicht
als eine gesellschaftlich bestimmte Form der Arbeit, sondern alle
Arbeit ihrer Natur nach als Lohnarbeit erscheint (sich dem in den
kapitalistischen Produktionsverhältnissen Befangnen so vor-
stellt), fallen auch die bestimmten, spezifischen gesellschaftli-
chen Formen, welche die gegenständlichen Arbeitsbedingungen - die
produzierten Produktionsmittel und die Erde - der Lohnarbeit ge-
genüber einnehmen (wie sie umgekehrt ihrerseits die Lohnarbeit
voraussetzen), ohne weiteres zusammen mit dem stofflichen Dasein
dieser Arbeitsbedingungen oder mit der Gestalt, die sie überhaupt
im wirklichen Arbeitsprozeß besitzen, unabhängig von jeder ge-
schichtlich bestimmten gesellschaftlichen, ja unabhängig von je-
der gesellschaftlichen Form desselben. Die der Arbeit entfrem-
dete, ihr gegenüber verselbständigte und somit verwandelte Ge-
stalt der Arbeitsbedingungen, worin also die produzierten Produk-
tionsmittel sich in Kapital verwandeln und die Erde in monopoli-
sierte Erde, in Grundeigentum, diese einer bestimmten Ge-
schichtsperiode angehörige Gestalt fällt daher zusammen mit dem
Dasein und der Funktion der produzierten Produktionsmittel und
der Erde im Produktionsprozeß überhaupt. Jene Produktionsmittel
sind an und für sich, von Natur, Kapital; Kapital ist nichts als
ein bloßer "ökonomischer Name" für jene Produktionsmittel; und so
ist die Erde an und für sich, von Natur, die von einer gewissen
Zahl Grundeigentümer monopolisierte Erde. Wie im Kapital und Ka-
pitalisten - der in der Tat nichts ist als das personifizierte
Kapital - die Produkte eine selbständige Macht werden gegenüber
den Produzenten, so wird im Grundeigentümer der Grund und Boden
personifiziert, der sich ebenfalls auf die Hinterfüße stellt und
als selbständige Macht seinen Anteil
#833# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
-----
fordert von dem mit seiner Hilfe erzeugten Produkt; so daß nicht
der Boden den ihm gehörigen Teil des Produkts zu Ersatz und Stei-
gerung seiner Produktivität erhält, sondern statt seiner der
Grundeigentümer einen Anteil dieses Produkts zur Verschacherung
und Verschwendung. Es ist klar, daß das Kapital die Arbeit als
Lohnarbeit voraussetzt. Es ist aber ebenso klar, daß, wenn von
der Arbeit als Lohnarbeit ausgegangen wird, so daß das Zusammen-
fallen der Arbeit überhaupt mit der Lohnarbeit selbstverständlich
scheint, dann auch als natürliche Form der Arbeitsbedingungen,
gegenüber der Arbeit überhaupt, das Kapital und die monopoli-
sierte Erde erscheinen müssen. Kapital zu sein erscheint nun als
natürliche Form der Arbeitsmittel und daher als rein dinglicher
und aus ihrer Funktion im Arbeitsprozeß überhaupt entspringender
Charakter. Kapital und produziertes Produktionsmittel werden so
identische Ausdrücke. Ebenso werden Erdboden und durch Privatei-
gentum monopolisierten Erdboden identische Ausdrücke. Die Ar-
beitsmittel als solche, die von Natur Kapital sind, werden daher
zur Quelle des Profits wie die Erde als solche zur Quelle der
Rente.
Die Arbeit als solche, in ihrer einfachen Bestimmtheit als zweck-
mäßige produktive Tätigkeit, bezieht sich auf die Produktionsmit-
tel, nicht in deren gesellschaftlicher Formbestimmtheit, sondern
in ihrer stofflichen Substanz, als Material und Mittel der Ar-
beit, die sich ebenfalls nur stofflich, als Gebrauchswerte von-
einander unterscheiden, die Erde als unproduziertes, die andren
als produzierte Arbeitsmittel. Fällt also die Arbeit mit der
Lohnarbeit zusammen, so fällt auch die bestimmte gesellschaftli-
che Form, worin die Arbeitsbedingungen nun der Arbeit gegenüber-
stehn, zusammen mit ihrem stofflichen Dasein. Die Arbeitsmittel
sind dann als solche Kapital, und die Erde als solche ist Grund-
eigentum. Die formale Verselbständigung dieser Arbeitsbedingungen
gegenüber der Arbeit, die besondre Form dieser Verselbständigung,
die sie gegenüber der Lohnarbeit besitzen, ist dann eine von ih-
nen als Dingen, als materiellen Produktionsbedingungen untrenn-
bare Eigenschaft, ein ihnen als Produktionselementen notwendig
zukommender, immanent eingewachsener Charakter. Ihr durch eine
bestimmte Geschichtsepoche bestimmter sozialer Charakter im kapi-
talistischen Produktionsprozeß ist ein ihnen naturgemäß, und so-
zusagen von Ewigkeit her, als Elementen des Produktionsprozesses
eingeborner dinglicher Charakter. Der respektive Anteil daher,
den die Erde als das ursprüngliche Beschäftigungsfeld der Arbeit,
als das Reich der Naturkräfte, als das vorgefundne Arsenal aller
Arbeitsgegenstände, und der andre respektive Anteil, den die pro-
duzierten Produktionsmittel (Instrumente, Rohstoffe etc.) an dem
Produktionsprozeß überhaupt nehmen, müssen dann sich auszudrücken
#834# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quelle
-----
scheinen in den respektiven Anteilen, die ihnen als Kapital und
Grundeigentum, d.h. die ihren sozialen Repräsentanten in der Form
von Profit (Zins) und Rente zufallen, wie dem Arbeiter im Ar-
beitslohn der Anteil, den seine Arbeit am Produktionsprozeß
nimmt. Rente, Profit, Arbeitslohn scheinen so aus der Rolle her-
auszuwachsen, die die Erde, die produzierten Produktionsmittel
und die Arbeit im einfachen Arbeitsprozeß spielen, selbst soweit
wir diesen Arbeitsprozeß als bloß zwischen dem Menschen und der
Natur vorgehend und abgesehn von Jeder geschichtlichen Bestimmt-
heit betrachten. Es ist nur wieder dieselbe Sache in einer andern
Form, wenn gesagt wird: Das Produkt, worin sich die Arbeit des
Lohnarbeiters für ihn selbst, als sein Ertrag, seine Revenue dar-
stellt, ist nur der Arbeitslohn, der Teil des Werts (und daher
des durch diesen Wert gemeßnen sozialen Produkts), der seinen Ar-
beitslohn darstellt. Fällt also die Lohnarbeit mit der Arbeit
überhaupt zusammen, so auch der Arbeitslohn mit dem Produkt der
Arbeit und der Wertteil, den der Arbeitslohn darstellt, mit dem
durch die Arbeit geschaffnen Wert überhaupt. Dadurch treten aber
die andern Werttelle, Profit und Rente, ebenso selbständig dem
Arbeitslohn gegenüber und müssen aus eignen, von der Arbeit spe-
zifisch verschiednen und unabhängigen Quellen entspringen; sie
müssen aus den mitwirkenden Produktionselementen entspringen, de-
ren Besitzern sie zufallen, also der Profit aus den Produktions-
mitteln, den stofflichen Elementen des Kapitals, und die Rente
aus der vom Grundeigentümer repräsentierten Erde oder der Natur.
(Roscher.)
Grundeigentum, Kapital und Lohnarbeit verwandeln sich daher aus
Quellen der Revenue in dem Sinn, daß das Kapital dem Kapitalisten
einen Teil des Mehrwerts, den er aus der Arbeit extrahlert, in
der Form des Profits, das Monopol an der Erde dem Grundeigentümer
einen andern Teil in der Form der Rente attrahiert und die Arbeit
dem Arbeiter den letzten noch disponiblen Wertteil in der Form
des Arbeitslohns zuschlägt, aus Quellen, vermittelst deren ein
Teil des Werts in die Form des Profits, ein zweiter in die Form
der Rente und ein dritter in die Form des Arbeitslohns sich ver-
wandelt - in wirkliche Quellen, aus denen diese Wertteile und die
bezüglichen Teile des Produkts, worin sie existieren oder wogegen
sie umsetzbar sind, selbst entspringen und aus denen als letzter
Quelle daher der Wert des Produkts selbst entspringt. 50)
---
50) "Arbeitslohn, Profit und Bodenrente sind die drei Urquellen
alles Einkommens sowohl wie alles Tauschwerts." (A. Smithl [122])
- "So sind die Ursachen der materiellen Produktion gleichzeitig
die Quellen der ursprünglichen Revenuen, die es gibt." (Storch,
["Cours d'économie politique", St.-Pétersbourg 1815. I, p. 259.)
#835# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
-----
Wir haben bereits bei den einfachsten Kategorien der kapitalisti-
schen Produktionsweise, und selbst der Warenproduktion, bei der
Ware und dem Geld den mystifizierenden Charakter nachgewiesen,
der die gesellschaftlichen Verhältnisse, denen die stofflichen
Elemente des Reichtums bei der Produktion als Träger dienen, in
Eigenschaften dieser Dinge selbst verwandelt (Ware) und noch aus-
gesprochener das Produktionsverhältnis selbst in ein Ding (Geld).
Alle Gesellschaftsformen, soweit sie es zur Warenproduktion und
Geldzirkulation bringen, nehmen an dieser Verkehrung teil. Aber
in der kapitalistischen Produktionsweise und beim Kapital, wel-
ches ihre herrschende Kategorie, ihr bestimmendes Produktionsver-
hältnis bildet, entwickelt sich diese verzauberte und verkehrte
Welt noch viel weiter. Betrachtet man das Kapital zunächst im un-
mittelbaren Produktionsprozeß als Auspumper von Mehrarbeit, so
ist dies Verhältnis noch sehr einfach, und der wirkliche Zusam-
menhang drängt sich den Trägern dieses Prozesses, den Kapitali-
sten selbst auf und ist noch in ihrem Bewußtsein. Der heftige
Kampf um die Grenzen des Arbeitstags beweist dies schlagend. Aber
selbst innerhalb dieser nicht vermittelten Sphäre, der Sphäre des
unmittelbaren Prozesses zwischen Arbeit und Kapital, bleibt es
nicht bei dieser Einfachheit. Mit der Entwicklung des relativen
Mehrwerts in der eigentlichen spezifisch kapitalistischen Produk-
tionsweise, womit sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte der
Arbeit entwickeln, erscheinen diese Produktivkräfte und die ge-
sellschaftlichen Zusammenhänge der Arbeit im unmittelbaren Ar-
beitsprozeß als aus der Arbeit in das Kapital verlegt. Damit wird
das Kapital schon ein sehr mystisches Wesen, indem alle gesell-
schaftlichen Produktivkräfte der Arbeit als ihm, und nicht der
Arbeit als solcher, zukommende und aus seinem eignen Schoß her-
vorsprossende Kräfte erscheinen. Dann kommt der Zirkulationspro-
zeß dazwischen, dessen Stoff- und Formwechsel alle Teile des Ka-
pitals, selbst des agrikolen Kapitals, in demselben Grad anheim-
fallen, wie sich die spezifisch kapitalistische Produktionsweise
entwickelt. Es ist dies eine Sphäre, worin die Verhältnisse der
ursprünglichen Wertproduktion völlig in den Hintergrund treten.
Schon im unmittelbaren Produktionsprozeß ist der Kapitalist
zugleich als Warenproduzent, als Leiter der Warenproduktion tä-
tig. Dieser Produktionsprozeß stellt sich ihm daher keineswegs
einfach als Produktionsprozeß von Mehrwert dar. Welches aber im-
mer der Mehrwert sei, den das Kapital im unmittelbaren Produkti-
onsprozeß ausgepumpt und in Waren dargestellt hat, der in den Wa-
ren enthaltne Wert und Mehrwert muß erst im Zirkulationsprozeß
realisiert werden. Und sowohl die Rückerstattung der in der Pro-
duktion vorgeschoßnen Werte, wie namentlich der in den Waren ent-
haltne Mehrwert, scheint nicht
#836# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
-----
in der Zirkulation sich bloß zu realisieren, sondern aus ihr zu
entspringen; ein Schein, den namentlich zwei Umstände befestigen:
erstens der Profit bei Veräußerung, der von Prellerei, List,
Sachkenntnis, Geschick und tausend Marktkonjunkturen abhängt;
dann aber der Umstand, daß hier neben der Arbeitszeit ein zweites
bestimmendes Element hinzutritt, die Zirkulationszeit. Diese fun-
giert zwar nur als negative Schranke der Wert- und Mehrwertbil-
dung, hat aber den Schein, als sei sie ein ebenso positiver Grund
wie die Arbeit selbst und als bringe sie eine, aus der Natur des
Kapitals hervorgehende, von der Arbeit unabhängige Bestimmung
herein. Wir hatten in Buch 11 diese Zirkulationssphäre natürlich
nur darzustellen in bezug auf die Formbestimmungen, die sie er-
zeugt, die Fortentwicklung der Gestalt des Kapitals nachzuweisen,
die in ihr vorgeht. In der Wirklichkeit aber ist diese Sphäre die
Sphäre der Konkurrenz, die, jeden einzelnen Fall betrachtet, vom
Zufall beherrscht ist; wo also das innere Gesetz, das in diesen
Zufällen sich durchsetzt und sie reguliert, nur sichtbar wird,
sobald diese Zufälle in großen Massen zusammengefaßt werden, wo
es also den einzelnen Agenten der Produktion selbst unsichtbar
und unverständlich bleibt. Weiter aber: der wirkliche Produkti-
onsprozeß, als Einheit des unmittelbaren Produktionsprozesses und
des Zirkulationsprozesses, erzeugt neue Gestaltungen, worin mehr
und mehr die Ader des innern Zusammenhangs verlorengeht, die Pro-
duktionsverhältnisse sich gegeneinander verselbständigen und die
Wertbestandteile sich gegeneinander in selbständigen Formen ver-
knöchern.
Die Verwandlung des Mehrwerts in Profit ist, wie wir sahen, eben-
sosehr durch den Zirkulationsprozeß wie durch den Produktionspro-
zeß bestimmt. Der Mehrwert, in der Form des Profits, wird nicht
mehr auf den in Arbeit ausgelegten Kapitalteil, aus dem er ent-
springt, sondern auf das Gesamtkapital bezogen. Die Profitrate
wird durch eigne Gesetze reguliert, die einen Wechsel derselben
bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts zulassen und selbst be-
dingen. Alles dies verhüllt mehr und mehr die wahre Natur des
Mehrwerts und daher das wirkliche Triebwerk des Kapitals. Noch
mehr geschieht dies durch die Verwandlung des Profits in Durch-
schnittsprofit und der Werte in Produktionspreise, in die regu-
lierenden Durchschnitte der Marktpreise. Es tritt hier ein kom-
plizierter gesellschaftlicher Prozeß dazwischen, der Ausglei-
chungsprozeß der Kapitale, der die relativen Durchschnittspreise
der Waren von ihren Werten und die Durchschnittsprofite in den
verschiednen Produktionssphären (ganz abgesehn von den individu-
ellen Kapitalanlagen in jeder besondren Produktionssphäre) von
der wirklichen Exploitation der Arbeit durch die besondren Kapi-
tale losscheidet. Es
#837# 48. Kapitel - Die trinitarische Forrnel
-----
scheint nicht nur so, sondern es ist hier in der Tat der Durch-
schnittspreis der Waren verschieden von ihrem Wert, also von der
in ihnen realisierten Arbeit, und der Durchschnittsprofit eines
besondren Kapitals verschieden von dem Mehrwert, den dies Kapital
aus den von ihm beschäftigten Arbeitern extrahiert hat. Der Wert
der Waren erscheint unmittelbar nur noch in dem Einfluß der wech-
selnden Produktivkraft der Arbeit auf Sinken und Steigen der Pro-
duktionspreise, auf ihre Bewegung, nicht auf ihre letzten Gren-
zen. Der Profit erscheint nur noch akzessorisch bestimmt durch
die unmittelbare Exploitation der Arbeit, soweit diese nämlich
dem Kapitalisten erlaubt, bei den, scheinbar unabhängig von die-
ser Exploitation vorhandnen, regulierenden Marktpreisen, einen
vom Durchschnittsprofit abweichenden Profit zu realisieren. Die
normalen Durchschnittsprofite selbst scheinen dem Kapital imma-
nent, unabhängig von der Exploitation; die anormale Exploitation
oder auch die durchschnittliche Exploitation unter günstigen Aus-
nahmsbedingungen scheint nur die Abweichungen vom Durch-
schnittsprofit, nicht diesen selbst zu bedingen. Die Spaltung des
Profits in Unternehmergewinn und Zins (gar nicht zu sprechen von
der Dazwischenkunft des kommerziellen Profits und des Geldhand-
lungsprofits, die auf der Zirkulation gegründet sind und ganz und
gar aus ihr und nicht aus dem Produktionsprozeß selbst zu ent-
springen scheinen) vollendet die Verselbständigung der Form des
Mehrwerts, die Verknöcherung seiner Form gegen seine Substanz,
sein Wesen. Ein Teil des Profits, im Gegensatz zu dem andren,
löst sich ganz von dem Kapitalverhältnis als solchem los und
stellt sich dar als entspringend nicht aus der Funktion der Aus-
beutung der Lohnarbeit, sondern aus der Lohnarbeit des Kapitali-
sten selbst. Im Gegensatz dazu scheint dann der Zins als unabhän-
gig, sei es von der Lohnarbeit des Arbeiters, sei es von der eig-
nen Arbeit des Kapitalisten, aus dem Kapital als seiner eignen
unabhängigen Quelle zu entspringen. Wenn das Kapital ursprüng-
lich, auf der Oberfläche der Zirkulation, erschien als Kapitalfe-
tisch, werterzeugender Wert, so stellt es sich jetzt wieder in
der Gestalt des zinstragenden Kapitals als in seiner entfrem-
detsten und eigentümlichsten Form dar. Weshalb auch die Form:
"Kapital - Zins" als drittes zu "Erde - Rente" und "Arbeit - Ar-
beitslohn" viel konsequenter ist als "Kapital - Profit", indem im
Profit immer noch eine Erinnerung an seinen Ursprung bleibt, die
im Zins nicht nur ausgelöscht, sondern in feste gegensätzliche
Form zu diesem Ursprung gestellt ist.
Endlich tritt neben das Kapital als selbständige Quelle von Mehr-
wert das Grundeigentum, als Schranke des Durchschnittsprofits und
als einen Teil des Mehrwerts an eine Klasse übertragend, die we-
der selbst arbeitet,
#838# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
-----
noch Arbeiter direkt exploitiert, noch sich wie das zinstragende
Kapital in moralisch erbaulichen Trostgründen, z.B. dem Risiko
und dem Opfer im Wegielhen des Kapitals, ergehn kann. Indem hier
ein Teil des Mehrwerts direkt nicht an Gesellschaftsverhältnisse,
sondern an ein Naturelernent, die Erde, gebunden scheint, ist die
Form der Entfremdung und Verknöcherung der verschiednen Teile des
Mehrwerts gegeneinander vollendet, der innere Zusammenhang end-
gültig zerrissen und seine Quelle vollständig verschüttet, eben
durch die Verselbständigung der an die verschiednen stofflichen
Elemente des Produktionsprozesses gebundnen, Produktionsverhält-
nisse gegeneinander.
Im Kapital - Profit, oder noch besser Kapital - Zins, Boden -
Grundrente, Arbeit - Arbeitslohn, in dieser ökonomischen Trinität
als dem Zusammenhang der Bestandteile des Werts und des Reichtums
überhaupt mit seinen Quellen ist die Mystifikation der kapitali-
stischen Produktionsweise, die Verdinglichung der gesellschaftli-
chen Verhältnisse, das unmittelbare Zusammenwachsen der stoffli-
chen Produktionsverhältnisse mit ihrer geschichtlich-sozialen Be-
stimmtheit vollendet: die verzauberte, verkehrte und auf den Kopf
gestellte Welt, wo Monsleur le Capital und Madame la Terre als
soziale Charaktere und zugleich unmittelbar als bloße Dinge ihren
Spuk treiben. Es ist das große Verdienst der klassischen Ökono-
mie, diesen falschen Schein und Trug, diese Verselbständigung und
Verknöcherung der verschiednen gesellschaftlichen Elemente des
Reichtums gegeneinander, diese Personifizierung der Sachen und
Versachlichung der Produktionsverhältnisse, diese Religion des
Alltagslebens aufgelöst zu haben, indem sie den Zins auf einen
Teil des Profits und die Rente auf den Überschuß über den Durch-
schnittsprofit reduziert, so daß beide im Mehrwert zusammenfal-
len; indem sie den Zirkulationsprozeß als bloße Metamorphose der
Formen darstellt und endlich im unmittelbaren Produktionsprozeß
Wert und Mehrwert der Waren auf die Arbeit reduziert. Dennoch
bleiben selbst die besten ihrer Wortführer, wie es vom bürgerli-
chen Standpunkt nicht anders möglich ist, mehr oder weniger in
der von ihnen kritisch aufgelösten Welt des Scheins befangen und
fallen daher alle mehr oder weniger in Inkonsequenzen, Halbheiten
und ungelöste Widersprüche. Es ist dagegen andrerseits ebenso na-
türlich, daß die wirklichen Produktionsagenten in diesen entfrem-
deren und irrationellen Formen von Kapital - Zins, Boden - Rente,
Arbeit - Arbeitslohn sich völlig zu Hause fühlen, denn es sind
eben die Gestaltungen des Scheins, in welchem sie sich bewegen
und womit sie täglich zu tun haben. Es ist daher ebenso natür-
lich, daß die Vulgärökonomie, die nichts als eine didaktiche,
mehr oder minder doktrinäre Übersetzung
#839# 48. Kapitel - Die trinitarische Formel
-----
der Alltagsvorstellungen der wirklichen Produktionsagenten ist
und eine gewisse verständige Ordnung unter sie bringt, grade in
dieser Trinität, worin der ganze innere Zusammenhang ausgelöscht
ist, die naturgemäße und über allen Zweifel erhabene Basis ihrer
seichten Wichtigtuerei findet. Diese Formel entspricht zugleich
dem Interesse der herrschenden Klassen, indem sie die Naturnot-
wendigkeit und ewige Berechtigung ihrer Einnahmequellen prokla-
miert und zu einem Dogma erhebt.
In der Darstellung der Versachlichung der Produktionsverhältnisse
und ihrer Verselbständigung gegenüber den Produktionsagenten gehn
wir nicht ein auf die Art und Weise, wie die Zusammenhänge durch
den Weltmarkt, seine Konjunkturen, die Bewegung der Marktpreise,
die Perioden des Kredits, die Zyklen der Industrie und des Han-
dels, die Abwechslung der Prosperität und Krise, ihnen als über-
mächtige, sie willenlos beherrschende Naturgesetze erscheinen und
sich ihnen gegenüber als blinde Notwendigkeit geltend machen.
Deswegen nicht, weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz außer-
halb unsers Plans liegt und wir nur die innere Organisation der
kapitalistischen Produktionsweise, sozusagen in ihrem idealen
Durchschnitt, darzustellen haben.
In frühern Gesellschaftsformen tritt diese ökonomische Mystifika-
tion nur ein hauptsächlich in bezug auf das Geld und das zinstra-
gende Kapital. Sie ist der Natur der Sache nach ausgeschlossen,
erstens, wo die Produk tion für den Gebrauchswert, für den unmit-
telbaren Selbstbedarf vorwiegt; zweitens, wo, wie in der antiken
Zeit und im Mittelalter, Sklaverei oder Leibeigenschaft die
breite Basis der gesellschaftlichen Produktion bildet: die Herr-
schaft der Produktionsbedingungen über die Produzenten ist hier
versteckt durch die Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse,
die als unmittelbare Triebfedern des Produktionsprozesses er-
scheinen und sichtbar sind. In den ursprünglichen Gemeinwesen, wo
naturwüchsiger Kommunismus herrscht, und selbst in den antiken
städtischen Gemeinwesen ist es dies Gemeinwesen selbst mit seinen
Bedingungen, das als Basis der Produktion sich darstellt, wie
seine Reproduktion als ihr letzter Zweck. Selbst im mittelalter-
lichen Zunftwesen erscheint weder das Kapital noch die Arbeit un-
gebunden, sondern ihre Beziehungen durch das KorporationsWesen
und mit demselben zusammenhängende Verhältnisse und ihnen ent-
sprechende Vorstellungen von Berufspflicht, Meisterschaft etc.
bestimmt. Erst in der kapitalistischen Produktionsweise... 1*)
-----
1*) Hier bricht das Manuskript ab
zurück