Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       FÜNFZIGSTES KAPITEL
       Der Schein der Konkurrenz
       
       Es ist  gezeigt worden, daß der Wert der Waren oder der durch ih-
       ren Gesamtwert regulierte Produktionspreis sich auflöst in:
       1. Einen Wertteil, der konstantes Kapital ersetzt oder die früher
       vergangne Arbeit  darstellt, die  in der Form von Produktionsmit-
       teln bei  Herstellung der  Ware verbraucht  wurde; in einem Wort,
       den Wert oder Preis, womit diese Produktionsmittel in den Produk-
       tionsprozeß der  Ware ein  gingen. Wir  sprechen hier nie von der
       einzelnen Ware,  sondern vom  Warenkapital, d.h.  der Form, worin
       sich das  Produkt des Kapitals in einem bestimmten Zeitabschnitt,
       z.B. jährlich darstellt, und wovon die einzelne Ware nur ein Ele-
       ment bildet,  das übrigens auch, seinem Wert nach, analog in die-
       selben Bestandteile zerfällt.
       2. Den Wertteil des variablen Kapitals, der das Einkommen des Ar-
       beiters mißt  und sich für diesen in Arbeitslohn verwandelt; wel-
       chen Arbeits  lohn also der Arbeiter in diesem variablen Wertteil
       reproduziert hat;  kurz, den  Wertteil, worin  sich der  bezahlte
       Teil der  dem ersten  konstanten Teil  in der Produktion der Ware
       neu zugesetzten Arbeit darstellt.
       3. Den  Mehrwert, d.h. den Wertteil des Warenprodukts, worin sich
       die unbezahlte  Arbeit oder  Mehrarbeit darstellt.  Dieser letzte
       Wertteil nimmt  wieder die  selbständigen Formen an, die zugleich
       Revenueformen sind:  die Formen von Profit des Kapitals (Zins des
       Kapitals als  solchem und Unternehmergewinn des Kapitals als fun-
       gierendem Kapital)  und Grundrente, die dem Eigner des im Produk-
       tionsprozeß mitwirkenden  Bodens zufällt.  Die Bestandteile 2 und
       3, d. h. der Wertbestandteil, der stets die Revenueformen von Ar-
       beitslohn (dies  immer nur, nachdem er vorher die Form von varia-
       blem Kapital durchgemacht), Profit und Rente annimmt, unterschei-
       det sich  von dem  konstanten Bestandteil  1 dadurch,  daß in ihn
       sich der  ganze Wert  auflöst, worin  sich die,  jenem konstanten
       Teil, den  Produktionsmitteln der Ware neu zugesetzte Arbeit ver-
       gegenständlicht. Sehn wir nun ab vom
       
       #861# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       konstanten Wertteil, so ist es richtig zu sagen, daß der Wert der
       Ware, soweit  er also  neu zugesetzte  Arbeit darstellt, sich be-
       ständig auflöst  in drei Teile, die drei Revenueformen bilden, in
       Arbeitslohn, Profit  und Renteß,  bei denen die respektiven Wert-
       größen, d.h.  die aliquoten Teile, die sie vom Gesamtwert bilden,
       durch verschiedne,  eigentümliche und  früher entwickelte Gesetze
       bestimmt werden. Aber es wäre falsch, umgekehrt zu sagen, daß der
       Wert des  Arbeitslohns, die  Rate des  Profits und  die Rate  der
       Rente selbständige konstituierende Wertelemente bilden, aus deren
       Zusammen. se  der Wert der Ware, abgesehn vom konstanten Bestand-
       teil, entspringe;  in andern Worten, es wäre falsch zu sagen, daß
       sie komponierende  Bestandteile des Warenwerts oder des Produkti-
       onspreises bilden. 56)
       Man sieht den Unterschied sofort ein.
       Gesetzt, der  Produktenwert eines  Kapitals von  500 sei = 400c +
       100v +  150m = 650; die 150m seien weiter zerfällt in 75 Profit +
       75 Rente.  Wir wollen ferner, zur Verrneidung unnützer Schwierig-
       keiten, annehmen,  dies Kapital sei mittlerer Zusammensetzung, so
       daß sein  Produktionspreis mit seinem Wert zusammenfällt; ein Zu-
       sammenfallen, das immer stattfindet, wenn das Produkt dieses Ein-
       zelkapitals als  Produkt eines  seiner Größe entsprechenden Teils
       des Gesarntkapitals betrachtet werden kann.
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       55) Bei  dem Zerfällen  des dem  konstanten Kapitalteil zumetzten
       Werts in  Arbeitslohn, Profit,  Grundrente ist  selbstredend, daß
       dies Wertteile  sind. Man kann sie natür lich sich vorstellen als
       existierend in  dem unmittelbaren Produkt, worin dieser Wert sich
       darstellt, d.h.  in dem  unmittelbaren Produkt,  das Arbeiter und
       Kapitalisten in einer besondren Produktionssphäre, z.B. der Spin-
       nerei, produziert  haben, also  in Garn.  Aber in der Tat stellen
       sie sich in diesem Produkt nicht mehr und nicht minder dar als in
       irgendeiner andern  Ware, in  irgendeinem andern  Bestandteil des
       stofflichen Reichtums  zum selben Wert. Und in der Praxis wird ja
       der Arbeitslohn  in Geld  bezahlt, also  im reinen  Wertausdruck;
       ebenso der  Zins und  die Rente.  Für den Kapitalisten ist in der
       Tat die  Verwandlung seines  Produkts in  den reinen Wertausdruck
       sehr wichtig;  bei der  Verteilung selbst ist sie schon vorausge-
       setzt. Ob  diese Werte  in dasselbe Produkt, dieselbe Ware riick-
       verwandelt werden,  aus deren  Produktion sie entsprangen, ob der
       Arbeiter einen  Teil des von ihm direkt produzierten Produkts zu-
       rückkauft oder  das Produkt  andrer  und  andersgearteter  Arbeit
       kauft, hat  mit der  Sache selbst  nichts zu  tun. Herr Rodbertus
       ereifert sich ganz nutzlos über diesen Gegenstand.
       56) "Es  genügt festzustellen, daß dieselbe allgemeine Regel, die
       den Wert  der  Rohprodukte  und  der  Manufakturwaren  reguliert,
       ebenso auf Metalle anwendbar ist; ihr Wert hängt nicht ab von der
       Profitrate, nicht  von der  Lohnrate noch  von der Rente, die für
       die Bergwerke  gezahlt wird,  sondern von  der Gesamtmenge an Ar-
       beit, die notwendig ist, um das Metall zu gewinnen und es auf den
       Markt zu bringen." (Ricardo, "Princ.", chap. III, p. 77.)
       
       #862# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       Hier bildet der Arbeitslohn, gemessen durch das variable Kapital,
       20%, vom vorgeschoßnen Kapital; der Mehrwert, auf das Gesamtkapi-
       tal berechnet, 30%, nämlich 15% Profit und 15% Rente. Der gesamte
       Wertbestandteil der  Ware, worin  sich die  neu zugesetzte Arbeit
       vergegenständlicht, ist gleich 100c + 150m = 250. Seine Größe ist
       unabhängig von  seiner  Zerfällung  in  Arbeitslohn,  Profit  und
       Rente. Wir  sehn aus  dem Verhältnis dieser Teile zueinander, daß
       die Arbeitskraft,  die mit 100 in Geld, sage 100 Pfd.St., bezahlt
       wurde, ein  Arbeitsquantum geliefert hat, das sich in einem Geld-
       quantum von  250 Pfd.St.  darstellt. Wir sehn daraus, daß der Ar-
       beiter 1  1/2mal soviel Mehrarbeit wie Arbeit für sich selbst ge-
       tan hat. War der Arbeitstag = 10 Stunden, so arbeitete er 4 Stun-
       den für  sich und  6 für den Kapitalisten. Die Arbeit der mit 100
       Pfd.St. gezahlten  Arbeiter drückt  sich daher aus in einem Geld-
       wert von 250 Pfd.St. Außer diesem Wert von 250 Pfd.St. ist nichts
       zu teilen  zwischen Arbeiter  und Kapitalist, zwischen Kapitalist
       und Grundeigentürher.  Es ist  der dem Wert der Produktionsmittel
       von 400  neu zugesetzte  Gesamtwert. Der so produzierte und durch
       das Quantum  in ihm  vergegenständlichter Arbeit bestimmte Waren-
       wert von  250 bildet daher die Grenze für die Dividenden, die Ar-
       beiter, Kapitalist  und Grundeigentümer  in der Form von Revenue,
       von Arbeitslohn, Profit und Rente aus diesem Wert ziehn können.
       Gesetzt, ein  Kapital von derselben organischen Komposition, d.h.
       demselben Verhältnis  der angewandten  lebendigen Arbeitskraft zu
       dem in  Bewegung gesetzten konstanten Kapital, sei gezwungen, für
       dieselbe Arbeitskraft, die das konstante Kapital von 400 in Bewe-
       gung setzt,  150 Pfd.St. statt 100 zu zahlen; und gesetzt ferner,
       Profit und  Rente teilten sich auch in verschiednen Verhältnissen
       in den  Mehrwert. Da  vorausgesetzt, daß das variable Kapital von
       150 Pfd.St.  dieselbe Arbeitsmasse  in Bewegung  setzt wie früher
       das von 100, wäre der neu produzierte Wert nach wie vor = 250 und
       der Wert  des Gesamtprodukts  nach wie vor = 650, aber wir hätten
       dann: 400c  + 150v  + 100m;  und diese  100m zerfielen etwa in 45
       Profit plus  55 Rente.  Die Proportion, worin sich der neu produ-
       zierte Gesamtwert in Arbeitslohn, Profit und Rente verteilt, wäre
       sehr verschieden; ebenso wäre die Größe des vorgeschoßnen Gesamt-
       kapitals verschieden, obgleich es nurdieselbe Gesamtmasse von Ar-
       beit in  Bewegung setzt.  Der Arbeitslohn  betrüge 27 3/11 %, der
       Profit 8  2/11 %, die Rente 10% auf das vorgeschoßne Kapital; der
       Gesamtmehrwert also etwas über 18%.
       Infolge der  Erhöhung des  Arbeitslohns wäre  der unbezahlte Teil
       der Gesamtarbeit  verändert und  damit der Mehrwert. Der Arbeiter
       hätte bei  zehnstündigem Arbeitstag  6 Stunden für sich und nur 4
       Stunden für den
       
       #863# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       Kapitalisten gearbeitet.  Auch die  Verhältnisse von  Profit  und
       Rente wären  verschieden, der verminderte Mehrwert wäre in verän-
       dertem Verhältnis  zwischen Kapitalist  und  Grundeigentümer  ge-
       teilt. Endlich,  da der  Wert des konstanten Kapitals unverändert
       geblieben und  der Wert  des vorgeschoßnen variablen Kapitals ge-
       stiegen, drückte sich der verminderte Mehrwert in einer noch mehr
       verminderten Bruttoprofitrate aus, worunter wir hier das Verhält-
       nis des  Gesarntmehrwerts zum  ganzen vorgeschoßnen  Kapital ver-
       stehn.
       Der Wechsel im Wert des Arbeitslohns, in der Rate des Profits, in
       der Rate  der Rente  könnte sich,  welches auch immer die Wirkung
       der Gesetze wäre, die das Verhältnis dieser Teile regulieren, nur
       bewegen in  den Grenzen,  die der neugeschaffne Warenwert von 250
       setzt. Eine  Ausnahme fände  nur statt,  wenn die Rente auf einem
       Monopolpreis beruhte. Dies würde am Gesetz nichts ändern, sondern
       nur die  Betrachtung komplizieren.  Denn betrachten wir in diesem
       Fall bloß  das Produkt  selbst, so wäre nur die Teilung des Mehr-
       werts verschieden;  betrachten wir aber seinen relativen Wert ge-
       genüber andern  Waren, so  fände sich  nur diese Verschiedenheit,
       daß ein  Teil des  Mehrwerts von ihnen auf diese spezifische Ware
       übertragen wurde.
       Rekapitulieren wir:
       
       Wert des Produkts                      Neu-  Mehrwerts-  Brutto-
                                              wert  rate        profit
                                                                rate
       Erster Fall:  400c + 100v + 150m = 650  250   150%      30%
       Zweiter Fall: 400c + 150v + 100m = 650  250   66 2/3%   18 2/11 %
       
       Erstens fällt der Mehrwert um ein Drittel seines frühern Betrags,
       von 150 auf 100. Die Profitrate fällt um etwas mehr als ein Drit-
       tel, von  30% auf  18%, weil der verminderte Mehrwert auf ein ge-
       wachsenes vorgeschoßnes Gesamtkapital zu berechnen ist. Sie fällt
       aber keineswegs  in demselben  Verhältnis wie  die Rate des Mehr-
       werts. Diese fällt von 150/100  auf 100/150, also von 150% auf 66
       2/3 %,  während die  Profitrate nur fällt von 150/500 auf 100/550
       oder von 30% auf 18 2/11 %. Die Profitrate fällt also im Verhält-
       nis mehr  als die  Masse des Mehrwerts, aber weniger als die Rate
       des Mehrwerts.  Ferner zeigt  Sich, daß  die Werte wie die Massen
       der Produkte  dieselben bleiben,  wenn nach  wie vor dieselbe Ar-
       beitsmasse angewandt  wird, obgleich das vorgeschoßne Kapital in-
       folge der  Vermehrung seines variablen Bestand teils sich vergrö-
       ßert hat.  Diese Vergrößerung  des vorgeschoßnen  Kapitals  würde
       sich allerdings  dem Kapitalisten  sehr fühlbar  machen, der  ein
       neues
       
       #864# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       Geschäft begänne.  Aber das  Ganze der  Reproduktion  betrachtet,
       heißt Vermehrung  des variablen  Kapitals weiter  nichts, als daß
       ein größrer Teil des von der neu zugesetzten Arbeit neu geschaff-
       nen Werts sich in Arbeitslohn und daher zunächst in variables Ka-
       pital statt  in Mehrwert und Mehrprodukt verwandelt. Der Wert des
       Produkts bleibt  also derselbe, weil er einerseits durch den kon-
       stanten Kapitalwert  400, andrerseits  durch  die  Zahl  250  be-
       schränkt ist,  worin sich  die neu  zugesetzte Arbeit  darstellt.
       Beide sind  aber unverändert  geblieben. Dies  Produkt, soweit es
       selbst wieder  in konstantes Kapital eingingen würde nach wie vor
       in derselben  Wertgröße gleich  viel Masse von Gebrauchswert dar-
       stellen; also  dieselbe Masse  von Elementen des konstanten Kapi-
       tals behielte  denselben Wert.  Anders verhielte  sich die Sache,
       wenn der  Arbeitslohn stiege,  nicht weil der Arbeiter einen grö-
       ßern Teil  seiner eignen  Arbeit erhielte,  sondern wenn er einen
       größern Teil  seiner eignen Arbeit erhielte, weil die Produktivi-
       tät der  Arbeit abgenommen  hätte. In  diesem Fall bliebe der Ge-
       samtwert, worin  sich dieselbe  Arbeit, bezahlte plus unbezahlte,
       darstellte, dieselbe;  aber die  Masse Produkt,  worin sich diese
       Masse Arbeit  darstellte, hätte  sich vermindert, also stiege der
       Preis jedes  aliquoten Teils  des Produkts,  weil jeder Teil mehr
       Arbeit darstellte.  Der erhöhte Arbeitslohn von 150 stellte nicht
       mehr Produkt dar wie früher der von 100; der verringerte Mehrwert
       von 100  stellte nur  noch 2/3  des Produkts dar gegen früher, 66
       2/3% der  Masse von  Gebrauchswerten, die sich früher in 100 dar-
       stellten. In diesem Fall würde auch das konstante Kapital verteu-
       ert, soweit  dies Produkt  in es  einginge. Dies  wäre aber nicht
       Folge der Erhöhung des Arbeitslohns, sondern die Erhöhung des Ar-
       beitslohns wäre Folge der Verteuerung der Ware und Folge der ver-
       minderten Produktivität  desselben Quantums Arbeit. Hier entsteht
       der Schein,  als ob  die Steigerung  des Arbeitslohns das Produkt
       verteuert hätte;  sie ist  aber hier nicht Ursache, sondern Folge
       eines Wertwechsels  der Ware infolge der verminderten Produktivi-
       tät der Arbeit.
       Wenn dagegen bei sonst gleichen Umständen, wo also dieselbe ange-
       wandte Arbeitsmenge  sich nach wie vor in 250 darstellt, der Wert
       der von  ihr angewandten  Produktionsmittel stiege oder fiele, so
       würde der Wert derselben Produktenmasse um dieselbe Größe steigen
       oder fallen.  450c +  100v + 150m gibt Produktwert = 700; dagegen
       350c +  100v + 150m für den Wert derselben Produktenmasse nur 600
       gegen früher  650. Wenn also das vorgeschoßne Kapital wächst oder
       abnimmt, welches  dieselbe Arbeitsmenge  in  Bewegung  setzt,  so
       steigt oder  fällt der  Wert des Produkts, bei sonst gleichen Um-
       ständen, wenn die Zunahme oder Abnahme des vor-
       
       #865# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       geschoßnen Kapitals von einer Änderung der Wertgröße des konstan-
       ten Kapitalteils  herrührt. Er  bleibt dagegen  unverändert, wenn
       die Zunahme oder Abnahme des vorgeschoßnen Kapitals von veränder-
       ter Wertgröße  des variablen  Kapitalteils, bei  gleichbleibender
       Produktivkraft der  Arbeit, herrührt. Beim konstanten Kapital ist
       Zunahme oder  Abnahme seines  Werts durch  keine entgegengesetzte
       Bewegung kornpensiert.  Beim variablen  Kapital,  gleichbleibende
       Produktivität der  Arbeit vorausgesetzt, ist Zunahme oder Abnahme
       seines Werts kompensiert durch die umgekehrte Bewegung auf seiten
       des Mehrwerts,  so daß  der Wert  des variablen Kapitals plus dem
       Mehrwert, also  der den  Produktionsmitteln durch  die Arbeit neu
       zugesetzte und  im  Produkt  neu  dargestellte  Wert  unverändert
       bleibt.
       Ist dagegen  Zu- oder  Abnahme des  Werts des  variablen Kapitals
       oder des Arbeitslohns Folge der Verteuerung oder Preissenkung der
       Waren, d.h.  der Verminderung  oder Steigerung  der Produktivität
       der in dieser Kapitalanlage angewandten Arbeit, so wirkt dies auf
       den Wert  des Produkts. Aber das Steigen oder Fallen des Arbeits-
       lohns ist hier nicht Ursache, sondern nur Folge.
       Wäre dagegen  im obigen Beispiel, bei gleichbleibendem konstantem
       Kapital =  400, die  Veränderung von 100v + 150m auf 150v + 100m,
       also das  Steigen des  variablen Kapitals,  Folge der Abnahme der
       Produktivkraft der Arbeit, nicht in diesem besondren Zweige, z.B.
       der Baumwollspinnerei, sondern etwa in der Agrikultur, welche die
       Nahrungsmittel des  Arbeiters liefert, also Folge der Verteuerung
       dieser Nahrungsmittel,  so bliebe  der Wert des Produkts unverän-
       dert. Der Wert von 650 würde sich nach wie vor in derselben Masse
       Baumwollgarn darstellen.
       Aus dem Entwickelten geht ferner hervor: Wenn die Verminderung in
       der Auslage von konstantem Kapital durch Ökonomie etc. in Produk-
       tionszweigen eintritt,  deren Produkte in die Konsurntion der Ar-
       beiter eingehn, so könnte dies, ebensogut wie die direkte Vermeh-
       rung der  Produktivität der  angewandten Arbeit selbst, eine Ver-
       minderung des Arbeitslohns, weil Ver wohlfellerung der Lebensmit-
       tel des  Arbeiters herbeiführen  und daher Wachsen des Mehrwerts;
       so daß  die Profitrate hier aus doppelten Gründen wüchse, nämlich
       einerseits, weil  der Wert  des konstanten  Kapitals abnimmt, und
       andrerseits, weil  der Mehrwert  zunimmt. Bei  unsrer Betrachtung
       der Verwandlung  des Mehrwerts  in Profit  nahmen wir an, daß der
       Arbeitslohn nicht  fällt, sondern  konstant bleibt, weil wir dort
       die Schwankungen der Profitrate, unabhängig von Veränderungen der
       Mehrwertsrate, zu  unter suchen  hatten. Außerdem  sind die  dort
       entwickelten Gesetze  allgemein und  gelten auch für Kapitalanla-
       gen, deren Produkte nicht in den Konsum des
       
       #866# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       Arbeiters eingehn,  bei denen Wertveränderungen des Produkts also
       ohne Einfluß auf den Arbeitslohn sind.
       
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       Die Besonderung und Auflösung des den Produktionsmitteln oder dem
       konstanten Kapitalteil  jährlich durch  die neu zugesetzte Arbeit
       neu zugefügten  Werts in  die verschiednen  Revenueformen von Ar-
       beitslohn, Profit und Rente ändert also nichts an den Grenzen des
       Werts selbst, an der Wertsumme, die sich unter diese verschiednen
       Kategorien verteilt;  ebensowenig wie  ein Wechsel  im Verhältnis
       dieser einzelnen Teile zueinander ihre Summe, diese gegebne Wert-
       größe, verändern  kann. Die  gegebne Zahl  100 bleibt  immer die-
       selbe, ob  sie sich  in 50 + 50 oder in 20 + 70 + 10 oder in 40 +
       30 + 30 zerlegt. Der Wertteil des Produkts, der in diese Revenuen
       zerfällt, ist bestimmt, ganz wie der konstante Wertteil des Kapi-
       tals, durch  den Wert  der Waren, d. h. durch das Quantum der je-
       desmal in  ihnen vergegenständlichten Arbeit. Es ist also erstens
       gegeben die  Wertmasse der Waren, die sich in Arbeitslohn, Profit
       und Rente  verteilt; also die absolute Grenze der Summe der Wert-
       stücke dieser  Waren.  Zweitens,  was  die  einzelnen  Kategorien
       selbst angeht,  so sind ihre durchschnittlichen und regulierenden
       Grenzen ebenfalls  gegeben. Der Arbeitslohn bildet bei dieser Be-
       grenzung derselben  die Basis.  Er ist nach einer Seite hin durch
       ein Naturgesetz  reguliert; seine Minimalgrenze ist gegeben durch
       das physische  Minimum von Lebensmitteln, das der Arbeiter bezie-
       hen muß,  um seine Arbeitskraft zu erhalten und zu reproduzieren;
       also durch  ein bestimmtes  Quantum Waren.  Der Wert dieser Waren
       ist  bestimmt   durch  die  Arbeitszeit,  die  ihre  Reproduktion
       erheischt; also durch den Teil der den Produktionsmitteln neu zu-
       gesetzten Arbeit, oder auch des 1*) Arbeitstags, den der Arbeiter
       zur Produktion  und Reproduktion  eines Äquivalents  für den Wert
       dieser notwendigen  Lebensmittel  erheischt.  Sind  z.  B.  seine
       durchschnittlichen tägEchen  Lebensmittel dem Wert nach = 6 Stun-
       den Durchschnittsarbeit,  so muß  er durchschnittlich  6  Stunden
       seiner Tagesarbeit  für sich  selbst arbeiten. Der wirkliche Wert
       seiner Arbeitskraft  weicht von  diesem physischen Minimum ab; er
       ist verschieden  je nach dem Klima und dem Stand dergesellschaft-
       lichen Entwicklung;  er hängt  ab nicht  nur von  den physischen,
       sondern auch  von den  historisch entwickelten gesellschaftlichen
       Bedürfnissen, die zur zweiten Natur werden. Aber in jedem Land zu
       einer gegebnen  Periode ist dieser regulierende durchschnittliche
       Arbeitslohn eine  gegebne Größe.  Der Wert der sämtlichen übrigen
       Revenuen hat so eine
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       1*) 1. Auflage: jedes; geändert nach dem Manuskript von Marx
       
       #867# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       Grenze. Er  ist stets  gleich dem  Wert, worin sich der Gesamtar-
       beitstag (der hier mit dem Durchschnittsarbeitstag zusammenfällt,
       da er  die vom  gesellschaftlichen Gesamtkapital  in Bewegung ge-
       setzte Gesamtarbeitsmasse umfaßt) verkörpert, minus dem Teil des-
       selben, der sich in Arbeitslohn verkörpert. Seine Grenze ist also
       gegeben durch  die Grenze  des Werts,  in welchem  sich die unbe-
       zahlte Arbeit  ausdrückt, d.h. durch das Quantum dieser unbezahl-
       ten Arbeit.  Wenn der  Teil des Arbeitstags, den der Arbeiter zur
       Reproduktion des  Werts seines  Lohns braucht,  in dem physischen
       Minimum seines  Lohns seine letzte Schranke hat, so hat der andre
       Teil des Arbeitstags, worin sich seine Mehrarbeit darstellt, also
       auch der  Wertteil, der den Mehrwert ausdrückt, seine Schranke an
       dem physischen Maximum des Arbeitstags, d.h. an dem Gesamtquantum
       täglicher Arbeitszeit,  das der Arbeiter bei Erhaltung und Repro-
       duktion seiner Arbeitskraft über haupt geben kann. Da es sich bei
       der jetzigen  Betrachtung um  Verteilung des Werts handelt, worin
       die jährlich  neu zugesetzte  Gesamtarbeit sich dar gestellt hat,
       so kann der Arbeitstag hier als konstante Größe betrachtet werden
       und ist  als solche  vorausgesetzt, wieviel oder wie wenig er von
       seinem physischen  Maximum auch abweiche. Die absolute Grenze des
       Wertteils, der  den Mehrwert  bildet und  der sich  in Profit und
       Grundrente auflöst,  ist also  gegeben; er ist bestimmt durch den
       Überschuß des  unbezahlten Teils  des Arbeitstags über seinen be-
       zahlten, also  durch den Wertteil des Gesamtprodukts, worin diese
       Mehrarbeit sich  verwirklicht. Nennen wir, wie ich es getan habe,
       den so in seinen Grenzen bestimmten, und auf das vorgeschoßne Ge-
       saintkapital berechneten  Mehrwert den Profit, so ist dieser Pro-
       fit, seiner absoluten Größe nach betrachtet, gleich dem Mehrwert,
       also in seinen Grenzen ebenso gesetzlich bestimmt wie dieser. Die
       Höhe der  Profitrate aber  ist ebenfalls  eine in gewissen, durch
       den Wert  der Waren  bestimmten Grenzen  eingeschloßne Größe. Sie
       ist das  Verhältnis des  Gesamtmehrwerts zu  dein der  Produktion
       vorgeschoßnen gesellschaftlichen  Gesamtkapital. Ist dies Kapital
       = 500  (meinetwegen Millionen)  und der Mehrwert = 100, so bilden
       20% die  absolute Grenze  der Profitrate.  Die Verteilung des ge-
       sellschaftlichen Profits  nach Maßgabe  dieser Rate  unter die in
       den verschiednen  Produktionssphären angelegten  Kapitale erzeugt
       von den  Werten der  Waren abweichende Produktionspreise, welches
       die wirklich regulierenden Durchschnittsmarktpreise sind. Die Ab-
       weichung jedoch  hebt weder  die Bestimmung  der Preise durch die
       Werte, noch  die gesetzmäßigen Grenzen des Profits auf. Statt daß
       der Wert  einer Ware  gleich dem in ihr aufgezehrten Kapital plus
       dem in  ihr steckenden  Mehrwert, ist  ihr Produktionspreis jetzt
       gleich dem  in ihr  aufgezehrten Kapital k plus dem Mehrwert, der
       auf
       
       #868# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
       -----
       sie infolge  der allgemeinen  Profitrate fällt, also z.B. 20% auf
       das zu ihrer Produktion vorgeschoßne, sowohl aufgezehrte wie bloß
       angewandte Kapital.  Aber dieser  Zuschlag von 20% ist selbst be-
       stimmt durch  den vom  gesellschaftlichen Gesamtkapital erzeugten
       Mehrwert und sein Verhältnis zum Wert des Kapitals; und darum ist
       er 20%  und nicht  10 oder 100. Die Verwandlung der Werte in Pro-
       duktionspreise hebt  also nicht die Grenzen des Profits auf, son-
       dern verändert nur seine Verteilung unter die verschiednen beson-
       dren Kapitale,  aus denen  das Gesellschaftskapital besteht, ver-
       teilt ihn auf sie gleichmäßig, im Verhältnis, worin sie Wertteile
       dieses Gesamtkapitals  bilden. Die  Marktpreise steigen  über und
       fallen unter  diese regulierenden  Produktionspreise, aber  diese
       Schwankungen heben  sich wechselseitig auf. Betrachtet man Preis-
       listen während  einer längern Periode und zieht man die Fälle ab,
       wo der  wirkliche Wert  der Waren  infolge eines  Wechsels in der
       Produktivkraft der  Arbeit verändert, und ebenso die Fälle, worin
       durch natürliche  oder gesellschaftliche Unfälle der Produktions-
       prozeß gestört  wurde, so wird man sich wundern, erstens über die
       verhältnismäßig engen  Grenzen der Abweichungen und zweitens über
       die Regelmäßigkeit  ihrer Ausgleichung.  Man wird  hier  dieselbe
       Herrschaft der  regulierenden Durchschnitte  finden, wie Quételet
       sie bei  den sozialen Phänomenen nachgewiesen hat. Stößt die Aus-
       gleichung der  Warenwerte zu Produktionspreisen auf keine Hinder-
       nisse, so  löst sich die Rente in Differentialrente auf, d.h. sie
       ist beschränkt  auf Ausgleichung  der Surplusprofite,  welche die
       regulierenden Produktionspreise einem Teil der Kapitalisten geben
       würden, und  die nun  vom Grundeigentümer angeeignet werden. Hier
       hat also  die Rente ihre bestimmte Wertgrenze in den Abweichungen
       der individuellen Profitraten, welche die Regulierung der Produk-
       tionspreise durch  die allgemeine  Profitrate hervorbringt. Setzt
       das Grundeigentum  der Ausgleichung  der Waren werte zu Produkti-
       onspreisen Hindernisse  in den Weg und eignet sich absolute Rente
       an, so  ist diese  begrenzt durch den Oberschuß des Werts der Bo-
       denprodukte über ihren Produktionspreis, also durch den Überschuß
       des in  ihnen enthaltnen  Mehrwerts über die durch die allgemeine
       Profitrate den  Kapitalen zufallende  Profitrate. Diese Differenz
       bildet dann  die Grenze der Rente, die nach wie vor nur einen be-
       stimmten Teil  des gegebnen und in den Waren enthaltnen Mehrwerts
       bildet.
       Findet  endlich   die  Ausgleichung   des  Mehrwerts  zum  Durch-
       schnittsProfit in den verschiednen Produktionssphären ein Hinder-
       nis an  künstlichen oder  natürlichen Monopolen,  und speziell am
       Monopol des  Grundeigentums,  so  daß  ein  Monopolpreis  möglich
       würde, der  über den Produktionspreis und über den Wert der Waren
       stiege, auf die das Monopol wirkt,
       
       #869# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       so würden  die durch  den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch
       nicht aufgehoben. Der Monopolpreis gewisser Waren würde nur einen
       Teil des  Profits der  andern Warenproduzenten  auf die Waren mit
       dem Monopolpreis übertragen. Es fände indirekt eine örtliche Stö-
       rung in  der Verteilung des Mehrwerts unter die verschiednen Pro-
       duktionssphären statt,  die  aber  die  Grenze  dieses  Mehrwerts
       selbst unverändert  ließe. Ginge die Ware mit Monopolpreis in den
       notwendigen Konsum  des Arbeiters  ein, so würde sie den Arbeits-
       lohn erhöhn und dadurch den Mehrwert vermindern, falls der Arbei-
       ter nach  wie vor  den Wert seiner Arbeitskraft bezahlt erhielte.
       Sie könnte den Arbeitslohn unter den Wert der Arbeitskraft herab-
       drücken, aber dies nur, soweit' )ener über der Grenze seines phy-
       sischen Minimums  stände. In  diesem Falle würde der Monopolpreis
       durch Abzug  am realen Arbeitslohn (d.h. der Masse der Gebrauchs-
       werte, die der Arbeiter durch dieselbe Masse Arbeit erhielte) und
       an dem  Profit der  andern Kapitalisten bezahlt. Die Grenzen, in-
       nerhalb deren der Monopolpreis die normale Regulierung der Waren-
       preise affizierte, wären fest bestimmt und genau berechenbar.
       Wie also die Teilung des neu zugesetzten und überhaupt in Revenue
       auflösbaren Werts  der Waren in dem Verhältnis zwischen notwendi-
       ger und  Mehrarbeit, Arbeitslohn  und Mehrwert, ihre gegebnen und
       regulierenden Grenzen findet, so wieder die Teilung des Mehrwerts
       selbst in Profit und Grundrente in den Gesetzen, die die Ausglei-
       chung der  Profitrate regeln. Bei der Spaltung in Zins und Unter-
       nehmergewinn bildet der Durchschnittsprofit selbst die Grenze für
       beide zusammen.  Er liefert die gegebne Wertgröße, worin sie sich
       zu teilen  haben und allein teilen können. Das bestimmte Verhält-
       nis der Teilung ist hier zufällig, d.h. ausschließlich durch Kon-
       kurrenzverhältnisse bestimmt. Während sonst die Deckung von Nach-
       frage und  Zufuhr gleich  ist der  Aufhebung der  Abweichung  der
       Marktpreise von  ihren regulierenden  Durchschnittspreisen,  d.h.
       der Aufhebung des Einflusses der Konkurrenz, ist sie hier das al-
       lein Bestimmende.  Aber warum?  Weil derselbe  Produktionsfaktor,
       das Kapital,  den ihm  zufallenden Teil  des Mehrwerts unter zwei
       Besitzer desselben  Produktionsfaktors zu  teilen hat.  Daß  aber
       hier keine  bestimmte, gesetzmäßige  Grenze für  die Teilung  des
       Durchschnittsprofits stattfindet,  hebt seine Grenze als Teil des
       Warenwerts nicht  auf; sowenig wie der Umstand, daß zwei Associes
       eines Geschäfts,  durch verschiedne äußere Umstände bestimmt, den
       Profit ungleich  teilen, die Grenzen dieses Profits irgendwie af-
       fiziert.
       Wenn also  der Teil  des Warenwerts,  worin sich die dem Wert der
       Produktionsmittel neu  zugesetzte Arbeit darstellt, sich zersetzt
       in verschiedne  Teile, die in der Form von Revenuen gegeneinander
       selbständige Gestalten
       
       #870# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       annehmen, so  sind deswegen  keineswegs Arbeitslohn,  Profit  und
       Grundrente nun  als die  konstituierenden Elemente zu betrachten,
       aus deren  Zusammensetzung  oder  Summe  der  regulierende  Preis
       (natural price, prix nécessaire 1*)) der Waren selbst entspränge;
       so daß  nicht der Warenwert, nach Abzug des konstanten Wertteils,
       die ursprüngliche Einheit wäre, die in diese drei Teile zerfällt,
       sondern umgekehrt  der Preis  jedes dieser drei Teile selbständig
       bestimmt wäre  und aus der Addition dieser drei unabhängigen Grö-
       ßen der  Preis der Ware sich erst bildet. In Wirklichkeit ist der
       Warenwert die vorausgesetzte Größe, das Ganze des Gesamtwerts von
       Arbeitslohn, Profit,  Rente, welches  immer deren  relative Größe
       gegeneinander sei. In jener falschen Auffassung sind Arbeitslohn,
       Profit, Rente drei selbständige Wertgrößen, deren Gesamtgröße die
       Größe des Warenwerts produziert, begrenzt und bestimmt.
       Zunächst ist  es klar,  daß, wenn  Arbeitslohn, Profit, Rente den
       Preis der Waren konstituieren, dies ebensowohl für den konstanten
       Teil des Warenwerts wie für den andern Teil gälte, worin sich das
       variable Kapital  und der  Mehrwert darstellt.  Dieser  konstante
       Teil kann  also hier ganz außer acht gelassen werden, da der Wert
       der Waren,  woraus er  besteht, sich  ebenfalls in  die Summe der
       Werte von  Arbeitslohn, Profit  und Rente auflösen würde. Wie be-
       reits bemerkt,  leugnet diese  Ansicht denn auch das Dasein eines
       solchen konstanten Wertteils.
       Es ist  ferner klar,  daß aller  Wertbegriff  hier  wegfällt.  Es
       bleibt nur  noch die  Vorstellung des  Preises, in  dem Sinn, daß
       eine gewisse  Masse Geld  den Besitzern von Arbeitskraft, Kapital
       und Boden  bezahlt wird.  Aber was  ist Geld? Geld ist kein Ding,
       sondern eine  bestimmte Form  des Werts,  unterstellt also wieder
       den Wert.  Wir wollen  also sagen,  daß eine bestimmte Masse Gold
       oder Silber  für jene  Produktionselemente gezahlt  wird oder daß
       sie dieser Masse im Kopf gleichgesetzt werden. Aber Gold und Sil-
       ber (und  der aufgeklärte  Ökonom ist stolz auf diese Erkenntnis)
       sind selbst  Waren wie  alle andren Waren. Der Preis von Gold und
       Silber ist  also auch  bestimmt  durch  Arbeitslohn,  Profit  und
       Rente. Wir  können also  nicht Arbeitslohn,  Profit und Rente da-
       durch bestimmen,  daß sie  einem gewissen Quantum Gold und Silber
       gleichgesetzt werden,  denn der  Wert dieses  Goldes und Silbers,
       worin sie  als in  ihrem Äquivalent geschätzt werden sollen, soll
       ja gerade  durch sie,  unabhängig vom Gold und Silber, d.h. unab-
       hängig vom  Wert jeder Ware, der ja gerade das Produkt jener drei
       ist, erst  bestimmt werden.  Sagen, daß der Wert von Arbeitslohn,
       Profit und Rente darin
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       1*) natürlicher Preis, notwendiger Preis
       
       #871# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       bestehe, daß  sie gleich  einem gewissen Quantum Gold und Silber,
       hieße also  nur sagen,  daß sie gleich einem gewissen Quantum Ar-
       beitslohn, Profit und Rente sind.
       Nehmen wir zunächst den Arbeitslohn. Denn von der Arbeit muß auch
       bei dieser Ansicht ausgegangen werden. Wie also wird der regulie-
       rende Preis  des Arbeitslohns  bestimmt, der  Preis, um den seine
       Marktpreise oszillieren?
       Wir wollen  sagen, durch  Nachfrage und  Zufuhr von Arbeitskraft.
       Aber von  welcher Nachfrage der Arbeitskraft handelt es sich? Von
       der Nachfrage  des Kapitals.  Die Nachfrage  nach Arbeit ist also
       gleich der Zufuhr von Kapital. Um von Zufuhr von Kapital zu spre-
       chen, müssen  wir vor  allem wissen,  was Kapital ist. Woraus be-
       steht das  Kapital? Nehmen  wir seine einfachste Erscheinung: aus
       Geld und  Waren. Aber  Geld ist bloß eine Form der Ware. Also aus
       Waren. Aber  der Wert der Waren ist nach der Voraussetzung in er-
       ster Instanz bestimmt durch den Preis der sie produ zierenden Ar-
       beit, den  Arbeitslohn. Der  Arbeitslohn wird  hier vorausgesetzt
       und behandelt als konstituierendes Element des Preises der Waren.
       Dieser Preis  soll nun  bestimmt werden  durch das Verhältnis der
       angebotnen Arbeit  zum Kapital. Der Preis des Kapitals selbst ist
       gleich dem  Preis der Waren, woraus es besteht. Die Nachfrage des
       Kapitals nach  Arbeit ist gleich der Zufuhr des Kapitals. Und die
       Zufuhr des  Kapitals ist  gleich der  Zufuhr einer Warensumme von
       gegebnem Preis,  und dieser Preis ist in erster Instanz reguliert
       durch den  Preis der Arbeit, und der Preis der Arbeit ist seiner-
       seits wieder  gleich dem  Teil des  Warenpreises, woraus  das va-
       riable Kapital  besteht, das  an den  Arbeiter im  Austausch  für
       seine Arbeit  abgetreten wird;  und der  Preis der  Waren, woraus
       dies variable  Kapital besteht, ist selbst wieder in erster Reihe
       bestimmt durch  den Preis  der Arbeit, denn er ist bestimmt durch
       die Preise  von Arbeitslohn, Profit und Rente. Um den Arbeitslohn
       zu bestimmen,  können wir also nicht das Kapital voraussetzen, da
       der Wert  des Kapitals  selbst durch den Arbeitslohn mit bestimmt
       ist.
       Außerdem nützt  uns das  Hereinbringen der Konkurrenz nichts. Die
       Konkurrenz macht  die Marktpreise der Arbeit steigen oder fallen.
       Aber gesetzt,  Nachfrage und  Zufuhr von  Arbeit decken sich. Wo-
       durch wird  dann der  Arbeitslohn bestimmt? Durch die Konkurrenz.
       Aber es  ist eben  voraus gesetzt,  daß die Konkurrenz aufhört zu
       estimmen, daß  sie durch das Gleichgewicht ihrer beiden entgegen-
       strebenden Kräfte  ihre Wirkung  auf. hebt.  Wir wollen ja gerade
       den natürlichen Preis des Arbeitslohns finden, d.h. den Preis der
       Arbeit, der  nicht von der Konkurrenz reguliert wird, sondern sie
       umgekehrt reguliert.
       
       #872# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
       -----
       Es bleibt  nichts übrig,  als den  notwendigen Preis  der  Arbeit
       durch die  notwendigen Lebensmittel  des Arbeiters  zu bestimmen.
       Aber diese  Lebensmittel sind  Waren, die  einen Preis haben. Der
       Preis der  Arbeit ist  also durch denpreis der notwendigenlebens-
       mittel bestimmt,  und der Preis der Lebensmittel ist, wie der al-
       ler andern  Waren, in erster Linie durch den Preis der Arbeit be-
       stimmt. Also  ist der  durch den Preis der Lebensmittel bestimmte
       Preis der  Arbeit durch  den Preis der Arbeit bestimmt. Der Preis
       der Arbeit  ist durch sich selbst bestimmt. In andren Worten, wir
       wissen nicht,  wodurch der Preis der Arbeit bestimmt ist. Die Ar-
       beit hat hier überhaupt einen Preis, weil sie als Ware betrachtet
       wird. Um  also von  dem Preis  der Arbeit zu sprechen, müssen wir
       wissen, was  Preis überhaupt  ist. Aber  was Preis überhaupt ist,
       erfahren wir auf diesem Wege erst recht nicht.
       Wir wollen  indes annehmen,  in dieser erfreulichen Weise sei der
       notwendige  Preis   der  Arbeit  bestimmt.  Wie  nun  der  Durch-
       schnittsprofit, der Profit jedes Kapitals in normalen Verhältnis-
       sen, der  das zweite  Preiselement der  Ware bildet?  Der  Durch-
       schnittsprofit muß bestimmt sein durch eine Durchschnittsrate des
       Profits; wie  wird diese bestimmt? Durch die Konkurrenz unter den
       Kapitalisten? Aber  diese Konkurrenz unterstellt schon das Dasein
       des Profits.  Sie unterstellt  verschiedne Profitraten  und daher
       verschiedne Profite,  sei es in denselben, sei es in verschiednen
       Produktionszweigen. Die  Konkurrenz kann  nur auf  die Profitrate
       wirken, soweit sie auf die Preise der Waren wirkt. Die Konkurrenz
       kann nur  bewirken, daß Produzenten innerhalb derselben Produkti-
       onssphäre ihre  Waren- zu  gleichen Preisen verkaufen und daß sie
       innerhalb verschiedner  Produktionssphären ihre  Waren zu Preisen
       verkaufen, die ihnen denselben Profit geben, denselben proportio-
       nellen Zuschlag  zu dem schon teilweise durch den Arbeitslohn be-
       stimmten Preis  der Ware. Die Konkurrenz kann daher nur Ungleich-
       heiten in  der Profittate  ausgleichen. Um  ungleiche Profitraten
       auszugleichen, muß  der Profit als Element des Warenpreises schon
       vorhanden sein. Die Konkurrenz schafft ihn nicht. Sie erhöht oder
       erniedrigt, aber  sie schafft nicht das Niveau, welches eintritt,
       sobald die  Ausgleichung stattgefunden.  Und, indem wir von einer
       notwendigen Rate  des Profits  sprechen, wollen  wir eben die von
       den Bewegungen der Konkurrenz unabhängige Profitrate kennen, wel-
       che ihrerseits  die Konkurrenz  reguliert. Die  durchschnittliche
       Profitrate tritt ein mit dem Gleichgewicht der Kräfte der konkur-
       rierenden Kapitalisten  gegeneinander. Die  Konkurrenz kann  dies
       Gleichgewicht herstellen, aber nicht die Profitrate, die auf die-
       sem Gleichgewicht eintritt. Sobald dies Gleichgewicht hergestellt
       ist, warum  ist nun  die allgemeine  Profitrate 10  oder 20  oder
       100%? Von wegen der Konkurrenz. Aber umgekehrt,
       
       #873# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       die Konkurrenz  hat die Ursachen aufgehoben, die Abweichungen von
       den 10  oder 20  oder 100% produzierten. Sie hat einen Warenpreis
       herbeigeführt, wobei  jedes Kapital  im Verhältnis  seiner  Größe
       denselben Profit  abwirft. Die  Größe dieses  Profits selbst aber
       ist unabhängig von ihr. Sie reduziert nur alle Abweichungen immer
       wieder auf  diese Größe. Ein Mann konkurriert mit den andren, und
       die Konkurrenz  zwingt ihn, seine Ware zu demselben Preis zu ver-
       kaufen wie jene. Warum aber ist dieser Preis 10 oder 20 oder 100?
       Es bleibt  also nichts  übrig, als  die Profitrate  und daher den
       Profit als  einen auf unbegreifliche Weise bestimmten Zuschlag zu
       dem Preis der Ware zu erkla'ren, der soweit durch den Arbeitslohn
       bestimmt war.  Das einzige, was uns die Konkurrenz sagt, ist, daß
       diese Profitrate eine gegebne Größe sein muß. Aber das wußten wir
       vorher, als  wir von  allgemeiner Profitrate  und dem notwendigen
       Preis des Profits sprachen.
       Es ist  ganz unnötig,  diesen abgeschmackten Prozeß an der Grund-
       rente von neuem durchzudreschen. Man sieht ohnedies, daß er, wenn
       irgendwie konsequent  durchgeführt, Profit  und Rente  als bloße,
       durch unbegreifliche  Gesetze bestimmte  Preiszuschläge zu dem in
       erster Linie  durch den  Arbeits. lohn  bestimmten Warenpreis er-
       scheinen läßt.  Kurz, die Konkurrenz muß es auf sich nehmen, alle
       Begriffslosigkeiten der  Ökonomen zu erklären, während die Ökono-
       men umgekehrt die Konkurrenz zu erklären hätten.
       Sieht man hier nun ab von der Phantasie der durch die Zirkulation
       geschaffnen, d.h.  aus dem  Verkauf entspringenden  Preisbestand-
       teile, Profit und Rente - und die Zirkulation kann nie geben, was
       ihr nicht vorher gegeben worden ist -, so kommt die Sache einfach
       auf dies hinaus:
       Der durch  den Arbeitslohn  bestimmte Preis einer Ware sei = 100;
       die Profitrate  10% auf den Arbeitslohn und die Rente 15% auf den
       Arbeitslohn. So  ist der  durch die Summe von Arbeitslohn, Profit
       und Rente  be. stimmte  Preis der  Ware =  125. Diese 25 Zuschlag
       können nicht  aus dem  Verkauf der Ware herrühren. Denn alle, die
       aneinander verkaufen,  verkaufen sich  jeder, was 100 Arbeitslohn
       gekostet hat, zu 125; was ganz dasselbe ist, als wenn sie alle zu
       100 verkauften.  Die Operation muß also unabhängig vom Zirkulati-
       onsprozeß betrachtet werden.
       Teilen sich  die drei  in die Ware selbst, die jetzt 125 kostet -
       und es  ändert nichts  an der  Sache, wenn der Kapitalist erst zu
       125 verkauft  und dann  dem Arbeiter  100, sich selbst 10 und dem
       Grundrentner 15  zahlt -,  so erhält  der Arbeiter  4/5 = 100 vom
       Wert und vom Produkt. Der Kapitalist erhält vom Wert und vom Pro-
       dukt 2/25  und der Crundrentner 3/25. Indem der Kapitalist zu 125
       verkauft statt zu 100, gibt er dem Arbeiter nur 4/5 des
       
       #874# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       Produkts, worin  sich seine  Arbeit darstellt.  Es wäre also ganz
       dasselbe, wenn  er dem  Arbeiter 80 gegeben und 20 zurückbehalten
       hätte, wovon  ihm 8 und dem Rentner 12 zukämen. Er hätte dann die
       Ware zu  ihrem Wert  verkauft, da  in der  Tat die Preiszuschläge
       vorn Wert  der Ware,  der bei dieser Voraussetzung durch den Wert
       des Arbeitslohns  bestimmt ist,  unabhängige Erhöhungen  sind. Es
       kommt auf  einem Umweg  darauf hinaus,  daß in dieser Vorstellung
       das Wort  Arbeitslohn, die 100, gleich dem Wert des Produkts ist,
       d.h. =  der Summe Geld, worin sich dies bestimmte Arbeitsquanturn
       darstellt; daß  dieser Wert  aber vom  realen Arbeitslohn  wieder
       verschieden ist  und daher  ein Surplus  läßt. Nur wird dies hier
       herausgebracht durch  nominellen Preiszuschlag. Wäre also der Ar-
       beitslohn gleich  110 statt  = 100, so müßte der Profit sein = 11
       und die Grundrente = 16 1/2 also der Preis der Ware = 137 1/2. Es
       würde dies  das Verhältnis gleich unverändert lassen. Da die Tei-
       lung aber  immer durch  nominellen Zuschlag gewisser Prozente auf
       den Arbeitslohn  erhalten würde,  stiege und  fiele der Preis mit
       dem Arbeitslohn.  Der Arbeitslohn  wird hier erst gleich dem Wert
       der Ware  gesetzt und  dann wieder von ihm geschieden. In der Tat
       aber kommt  die Sache, auf einem begriffslosen Umweg, darauf hin-
       aus, daß der Wert der Ware durch das in ihr enthaltne Quantum Ar-
       beit, der  Wert des Arbeitslohns aber durch den Preis der notwen-
       digen Lebensmittel  bestimmt ist und der Überschuß des Werts über
       den Arbeitslohn Profit und Rente bildet.
       Die Zersetzung  der Werte  der Waren, nach Abzug des Werts der in
       ihrer Produktion  verbrauchten Produktionsmittel,  die Zersetzung
       dieser gegebnen,  durch das  im Warenprodukt  vergegenständlichte
       Quantum Arbeit bestimmten Wertmasse in drei Bestandteile, die als
       Arbeitslohn, Profit  und Grundrente die Gestalt selbständiger und
       voneinander unabhängiger  Revenueformen annehmen  - diese Zerset-
       zung stellt  sich auf der zutage liegenden Oberfläche der kapita-
       listischen Produktion und daher in der Vorstellung der in ihr be-
       fangnen Agenten verkehrt dar.
       Der Gesamtwert  einer beliebigen  Ware sei  = 300,  davon 200 der
       Wert der  in ihrer Produktion verbrauchten Produktionsmittel oder
       Elemente des  konstanten Kapitals. Bleiben also 100 als Summe des
       dieser Ware in ihrem Produktionsprozeß zugesetzten Neuwerts. Die-
       ser Neuwert  von 100  ist alles, was verfügbar ist zur Teilung in
       die drei  Revenueformen. Setzen wir den Arbeitslohn - x, den Pro-
       fit =  y, die  Grundrente = z, so wird die Summe von x + y + z in
       unserm Fall  immer = 100 sein. In der Vorstellung der industriel-
       len, Kaufleute  und Bankiers sowie in der der Vulgärökonomen geht
       dies aber  ganz anders  zu. Für  sie ist nicht der Wert der Ware,
       nach Abzug  des Werts  der in ihr verbrauchten Produktionsmittel,
       gegeben = 100,
       
       #875# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       welche 100 dann in x, y, z zerteilt werden. Sondern der Preis der
       Ware setzt  sich einfach zusammen aus den von ihrem Wert und von-
       einander unab  hän.ig bestimmten Wertgrößen des Arbeitslohns, des
       Profits und  der Rente, so daß x, y, z Jedes für sich selbständig
       gegeben und  bestimmt ist,  und aus  der Summe dieser Größen, die
       kleiner oder  größer als  1 00  sein kann, erst die Wertgröße der
       Ware selbst, als aus der Addition dieser ihrer Wertbildner resul-
       tierte. Dies Quidproquo ist notwendig:
       Erstens, weil  die Wertbestandteile der Ware als selbständige Re-
       venuen einander  gegenübertreten, die als solche bezogen sind auf
       drei ganz  von. einander verschiedne Produktionsagentlen, die Ar-
       beit, das  Kapital und die Erde, und die daher aus diesen zu ent-
       springen scheinen.  Das Eigentum an der Arbeitskraft, am Kapital,
       an der  Erde ist die Ursache, die diese verschiednen Wertbestand-
       telle der Waren diesen respektiven Eignern zufallen macht und sie
       daher in  Revenuen für  sie verwandelt.  Aber der Wert entspringt
       nicht aus  einer Verwandlung  in Revenue, sondern er muß da sein,
       bevor er  in Revenue  verwandelt werden,  diese Gestalt  annehmen
       kann. Der  Schein des Umgekehrten muß sich um so mehr befestigen,
       als die  Bestimmung der  relativen Größe dieser drei Teile gegen-
       einander verschiedenartigen  Ge setzen  folgt, deren Zusammenhang
       mit und Beschränkung durch den Wert der Waren selbst sich keines-
       wegs auf der Oberfläche zeigt.
       Zweitens: Man hat gesehn, daß ein allgemeines Steigen oder Fallen
       des Arbeitslohns,  indem es bei sonst gleichen Umständen eine Be-
       wegung der  allgemeinen Profitrate  in entgegengesetzter Richtung
       erzeugt, die  Produktionspreise der verschiednen Waren verändert,
       die einen hebt, die andern senkt, je nach der Durchschnittszusam-
       mensetzung des  Kapitals in  den betreffenden Produktionssphären.
       Es wird  hier also  jedenfalls in  einigen Produktionssphären die
       Erfahrung gemacht, (daß der Durchschnittspreis einer Ware steigt,
       weil der  Arbeitslohn gestiegen, und fällt, weil er gefallen. Was
       nicht erfahren  wird, ist die geheime Regulierung dieser Änderun-
       gen durch  den vom  Arbeitslohn unabhängigen  Wert der Waren. Ist
       dagegen das  Steigen des Arbeitslohns lokal, findet es nur in be-
       sondren Produktionssphären infolge eigentümlicher Umstände statt,
       so kann eine entsprechende nominelle Preissteigerung dieser Waren
       eintreten. Dies Steigen des relativen Werts einer Sorte von Waren
       gegen die  andren, für die der Arbeitslohn unverändert geblieben,
       ist dann nur eine Reaktion gegen die lokale Störung der gleichmä-
       ßigen Verteilung  des Mehrwerts  an die verschiednen Produktions-
       sphären, ein  Mittel der  Ausgleichung der  bezondren Profitraten
       zur allgemeinen.  Die "Erfahrung",  die dabei  gemacht wird,  ist
       wieder Bestimmung  des Preises durch den Arbeitslohn. Was in die-
       sen beiden Fällen also erfahren wird, ist,
       
       #876# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       daß der  Arbeitslohn die  Warenpreise bestimmt hat. Was nicht er-
       fahren wird, ist die verborgne Ursache dieses Zusammenhangs. Fer-
       ner: Der  Durchschnittspreis der  Arbeit, d.h.  der Wert  der Ar-
       beitskraft, ist bestimmt durch den Produktionspreis der notwendi-
       gen Lebensmittel.  Steigt oder  fällt dieser,  so jener. Was hier
       wieder erfahren  wird, ist  die Existenz eines Zusammenhangs zwi-
       schen dem  ArbeitsloAn und  dem Preis der Waren; aber die Ursache
       kann als Wirkung und die Wirkung als Ursache sich darstellen, wie
       dies auch  bei der  Bewegung der Marktpreise der Fall ist, wo ein
       Steigen des  Arbeitslohns über  seinen Durchschnitt  dem mit  der
       Prosperitätsperlode verknüpften  Steigen der Marktpreise über die
       Produktionspreise und  der nachfolgende Fall des Arbeitslohns un-
       ter seinen  Durchschnitt dem  Fall der Marktpreise unter die Pro-
       duktionspreise entspricht. Dem Gebundensein der Produktionspreise
       durch die  Werte der  Waren müßte, von den oszillatorischen Bewe-
       gungen der  Marktpreise abgesehn, prima facie stets die Erfahrung
       entsprechen, daß,  wenn der  Arbeitslohn steigt,  die  Profitrate
       fällt und  umgekehrt. Aber  man hat  gesehn, daß  die  Profitrate
       durch Bewegungen  im Wert des konstanten Kapitals, unabhängig von
       den Bewegungen  des Arbeitslohns,  bestimmt sein kann; so daß Ar-
       beitslohn und Profitrate statt in entgegengesetzter, in derselben
       Richtung sich bewegen, beide zusammen steigen oder fallen können.
       Fiele die  Rate des  Mehrwerts unmittelbar  zusammen mit der Rate
       des Profits,  so wäre  dies nicht möglich. Auch wenn der Arbeits-
       lohn steigt  infolge gestiegner Preise der Lebensmittel, kann die
       Profittate dieselbe  bleiben oder selbst steigen, infolge größrer
       Intensität der  Arbeit oder  Verlängerung des  Arbeitstags.  Alle
       diese Erfahrungen  bestätigen den  durch die  selbständige,  ver-
       kehrte Form der Wertbestandteile erregten Schein, alt wenn entwe-
       der der  Arbeitslohn allein  oder Arbeitslohn und Profit zusammen
       den Wert der Waren bestimmen. Sobald überhaupt dies mit Bezug auf
       den Arbeitslohn  so scheint,  also Preis der Arbeit und durch die
       Arbeit erzeugter  Wert zusammenzufallen  schejnen, versteht  sich
       dies für  den Profit und die Rente von selbst. Ihre Preise, d. h.
       Geldausdrücke, müssen  dann unabhängig  von der  Arbeit  und  dem
       durch sie erzeugten Wert reguliert werden.
       Drittens: Man  nehme an,  daß die  Werte der  Waren oder  die nur
       scheinbar von  ihnen unabhängigen  Produktionspreise  unmittelbar
       und beständig  in der  Erscheinung zusammenfielen  mit den Markt-
       preisen der  Waren, statt vielmehr sich nur als die regulierenden
       Durchschnittspreise durchzusetzen durch die fortwährenden Kompen-
       sationen der  beständigen Schwankungen der Marktpreise. Man nehme
       ferner an, daß die Reproduktion immer unter denselben gleichblei-
       benden Verhältnissen stattfinde, also die Produktivität
       
       #877# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       der Arbeit  in allen  Elementen des Kapitals konstant bleibe. Man
       nehme endlich  an, daß der Wertteil des Warenprodukts, der in je-
       der Produktionssphäre  durch Zusatz  eines neuen Arbeitsquantums,
       also eines neu produzierten Werts zu dem Wert der Produktionsmit-
       tel gebildet  wird, sich  in stets gleichbleibenden Verhältnissen
       zersetze in  Arbeitslohn, Profit  und Rente,  so daß der wirklich
       gezahlte Arbeitslohn,  der tatsächlich realisierte Profit und die
       tatsächliche Rente  beständig unmittelbar  zusammenfielen mit dem
       Wert der  Arbeitskraft, mit  dem jedem  selbständig  fungierenden
       Teil des  Gesamtkapitals kraft der Durchschnittsprofitrate zukom-
       menden Teil  des Gesamtmehrwerts  und mit  den Grenzen, worin die
       Grundrente auf  dieser Basis  normalster eingebannt ist. In einem
       Wort, man  nehme an,  daß die  Verteilung des  gesellschaftlichen
       Wertprodukts und die Regelung der Produktionspreise auf kapitali-
       stischer Grundlage  erfolgt, aber  unter Beseitigung  der Konkur-
       renz.
       Unter diesen  Voraussetzungen also, wo derwert derwaren konstant-
       wäre und  erschiene, wo  der Wertteil des Warenprodukts, der sich
       in Revenuen  auflöst, eine  konstante Größe bliebe und sich stets
       als solche  darstellte, wo  endlich dieser  gegebne und konstante
       Wertteil sich  stets in  konstanten Verhältnissen in Arbeitslohn,
       Profit und  Rente zersetzte - selbst unter diesen Voraussetzungen
       würde die  wirkliche Bewegung notwendig in verkehrter Gestalt er-
       scheinen: nicht  alszersetzung einer im voraus gegebnen Wertgröße
       in drei  Teile, die  voneinander unabhängige Revenueformen anneh-
       men, sondern umgekehrt als Bildung dieser Wertgröße aus der Summe
       der unabhängig und für sich selbständig bestimmten, sie komponie-
       renden Elemente des Arbeitslohns, des Profits und der Grundrente.
       Dieser Schein  entspränge notwendig, weil in der wirklichen Bewe-
       gung der  Einzelkapitale und  ihrer Warenprodukte  nicht der Wert
       der Waren ihrer Zersetzung vorausgesetzt erscheint, sondern umge-
       kehrt die  Bestandteile, worin  sie sich  zersetzen, als dem Wert
       der Waren vorausgesetzt fungieren. Zunächst haben wir gesehn, daß
       jedem Kapitalisten  der Kostpreis  der Ware als gegebne Größe er-
       scheint und  sich im  wirklichen Produktionspreis  beständig  als
       solche darstellt. Der Kostpreis ist aber gleich dem Wert des kon-
       stanten Kapitals,  der vorgeschoßnen  Produktionsmittel, plus dem
       Wert der  Arbeitskraft, der  sich aber für den Produktionsagenten
       in der  irrationellen Form  des Preises  der Arbeit darstellt, so
       daß der Arbeitslohn zugleich als Revenue des Arbeiters erscheint.
       Der Durchschnittspreis  der Arbeit  ist eine  gegebne Größe, weil
       der Wert  der Arbeitskraft,  wie der jeder andern Ware, durch die
       zu ihrer  Reproduktion notwendige  Arbeitszeit bestimmt ist. Aber
       was den Wertteil der Waren betrifft, der sich in Arbeitslohn auf-
       löst, so entspringt er nicht daraus, daß er
       
       #878# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       diese Form  des Arbeitslohns  annimmt, daß der Kapitalist dem Ar-
       beiter dessen  Anteil an seinem eignen Produkt unter der Erschei-
       nungsform des  Arbeitslohns vorschießt,  sondern dadurch, daß der
       Arbeiter ein  seinem Arbeitslohn entsprechendes Äquivalent produ-
       ziert, d.h.  daß ein  Teil seiner Tages- oder Jahresarbeit den im
       Preis seiner  Arbeitskraft enthaltnen  Wert Produziert.  Der  Ar-
       beitslohn wird  aber kontraktlich  abgemacht, bevor  das ihm ent-
       sprechende Wertäquivalent  produziert ist.  Als ein Preiselement,
       dessen Größe gegeben ist, bevor die Ware und der Warenwert produ-
       ziert, als  Bestandteil des Kostpreises erscheint der Arbeitslohn
       daher nicht  als ein Teil, der sich in selbständiger Form vom Ge-
       samtwert der  Ware loslöst,  sondern umgekehrt als gegebne Größe,
       die diesen vorausbestimmt, d.h. als Preis- oder Wertbildner. Eine
       ähnliche Rolle  wie der  Arbeitslohn im Kostpreis der Ware spielt
       der Durchschnittsprofit  in ihrem Produktionspreis, denn der Pro-
       duktionspreis ist gleich dem Kostpreis plus dem Durchschnittspro-
       fit auf das vorgeschoßne Kapital. Dieser Durchschnittsprofit geht
       praktisch, in der Vorstellung und in der Berechnung des Kapitali-
       sten selbst,  als ein regulierendes Element ein, nicht nur soweit
       er die Obertragung der Kapitale aus einer Anlagesphäre in die an-
       dre bestimmt,  sondern auch  für alle Verkäufe und Kontrakte, die
       einen auf  längere Epochen sich erstreckenden Reproduktionsprozeß
       umfassen. Soweit  er aber  so eingeht, ist er eine vorausgesetzte
       Größe, die  in der  Tat unabhängig ist von dem in jeder besondren
       Produktionssphäre und daher noch mehr von dem von jeder einzelnen
       Kapitalanlage in  jeder dieser  Sphären erzeugten  Wert und Mehr-
       wert. Statt  als Resultat  einer Spaltung des Werts zeigt ihn die
       Erscheinung vielmehr  als vom Wert des Warenprodukts unabhängige,
       im Produktionsprozeß  der Waren  im voraus gegebne und den Durch-
       schnittspreis der  Waren selbst bestimmende Größe, d.h. als Wert-
       bildner. Und  zwar erscheint  der Mehrwert, infolge des Auseinan-
       derfallens seiner verschiednen Teile in ganz voneinander unabhän-
       gige Formen,  noch in  viel konkreterer  Form der Wertbildung der
       Waren vorausgesetzt.  Ein Teil  des Durchschnittsprofits,  in der
       Form des  Zinses, tritt dem fungierenden Kapitalisten selbständig
       als ein  der Produktion der Waren und ihres Werts vorausgesetztes
       Element gegenüber.  Sosehr die  Größe des Zinses schwankt, sosehr
       ist er  in jedem  Augenblick und  für jeden Kapitalisten eine ge-
       gebne Größe,  die für  ihn, den  einzelnen Kapitalisten,  in  den
       Kostpreis der  von ihm  produzierten Waren  eingeht.  Ebenso  die
       Grundrente in  der Form des kontraktlich festgestellten Pachtgel-
       des für  den agrikolen Kapitalisten und in der Form der Miete für
       die Geschäftsräume für andre Unternehmer. Diese Teile, worin sich
       der Mehrwert  zersetzt, erscheinen  daher, weil  als Elemente des
       Kostpreises gegeben für den einzelnen Kapitalisten, umgekehrt als
       Bildner
       
       #879# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       des Mehrwerts;  Bildner eines Teils des Warenpreises, wie der Ar-
       beitslohn den  andren bildet.  Das Geheimnis,  weshalb diese Pro-
       dukte der  Zersetzung des Warenwerts beständig als die Vorausset-
       zungen der  Wertbildung selbst  erscheinen, ist einfach dies, daß
       die kapitalistische  Produktionsweise, wie  jede andre, nicht nur
       beständig das  materielle Produkt  reproduziert, sondern  die ge-
       sellschaftlichen  ökonomischen   Verhältnisse,  die  ökonomischen
       Formbestimmtheiten seiner  Bildung. Ihr  Resultat erscheint daher
       ebenso beständig  als ihr vorausgesetzt, wie ihre Voraussetzungen
       als ihre Resultate erscheinen. Und es ist diese beständige Repro-
       duktion derselben  Verhältnisse, welche  der einzelne  Kapitalist
       als selbstverständlich, als unbezweifelbare Tatsache antizipiert.
       Solange die  kapitalistische Produktion  als solche  fortbesteht,
       löst ein  Teil der  neu zugesetzten  Arbeit sich beständig in Ar-
       beitslohn, ein  andrer in Profit (Zins und Unternehmergewinn) und
       der dritte in Rente auf. Bei den Kontrakten zwischen den Eigentü-
       mern der verschiednen Produktionsagentlen ist dies vorausgesetzt,
       und diese Voraussetzung ist richtig, sosehr die relativen Größen-
       verhältnisse in  jedem Einzelfall  schwanken. Die  bestimmte  Ge-
       stalt, worin  sich die  Wertteile gegenübertreten,  ist vorausge-
       setzt, weil sie beständig reproduziert wird, und sie wird bestän-
       dig reproduziert, weil sie beständig vorausgesetzt ist.
       Allerdings zeigt  die Erfahrung und die Erscheinung nun auch, daß
       die Marktpreise, in deren Einfluß dem Kapitalisten in der Tat die
       Wertbestimmung allein  erscheint, ihrer  Größe  nach  betrachtet,
       keineswegs von  diesen Antizipationen abhängig sind; daß sie sich
       nicht darnach richten, ob der Zins oder die Rente hoch oder nied-
       rig abgemacht  waren. Aber  die Marktpreise  sind nur konstant im
       Wechsel, und  ihr Durchschnitt  für längere  Perioden ergibt eben
       die respektiven  Durchschnitte von  Arbeitslohn, Profit und Rente
       als die  konstanten, also  die Marktpreise in letzter Instanz be-
       herrschenden Größen.
       Andrerseits scheint  die Reflexion  sehr einfach,  daß, wenn  Ar-
       beitslohn, Profit  und Rente  deswegen Wertbildner sind, weil sie
       der Produktion  des Werts  vorausgesetzt erscheinen,  und für den
       einzelnen Kapitalisten  im Kostpreis und Produktionspreis voraus-
       gesetzt sind, auch der konstante Kapitalteil, dessen Wert als ge-
       geben in  die Produktion  jeder Ware  eintritt, Wertbildner  ist.
       Aber der  konstante Kapitaltell ist nichts als eine Summe von Wa-
       ren und  daher Warenwerten.  Es käme  also auf  die abgeschmackte
       Tautologie hinaus,  daß der Warenwert der Bildner und die Ursache
       des Warenwerts ist.
       Wenn aber  der Kapitalist  irgendein  Interesse  hätte,  hierüber
       nachzudenken - und sein Nachdenken als Kapitalist ist ausschließ-
       lich durch sein
       
       #880# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       Interesse und  seine interessierten  Motive bestimmt  -, so zeigt
       ihm die Erfahrung, daß das Produkt, das er selbst produziert, als
       konstanter Kapitalteil  in andre  Produktionssphären und Produkte
       dieser andren  Produkt-lOnSSphären als  konstante Kapitaltelle in
       sein Produkt eingehn. Da also für ihn, soweit seine Neuproduktion
       geht, der  Wertzusatz gebildet  wird, dem  Schein nach, durch die
       Größen von  Arbe tslohn, Profit, Rente, so gilt dies auch für den
       konstanten Teil,  der aus Produkten aridrer Kapitalisten besteht,
       und daher  reduziert sich  in letzter Instanz, wenn auch in einer
       Art, der  nicht ganz auf die Sprünge zu kommen ist, der Preis des
       konstanten Kapitalteils  und damit  der Gesamtwert  der Waren  in
       letzter Instanz auf die Wertsumme, die aus der Addition der selb-
       ständigen, nach  versc-hiednen Gesetzen  geregelten und  aus ver-
       schiednen Quellen  gebildeten Wertbildnern:  Arbeitslohn,  Profit
       und Rente resultiert.
       Viertens: Der  Verkauf oder  Nichtverkauf der Waren zu ihren Wer-
       ten, also  die Wertbestimmung selbst, ist für den einzelnen Kapi-
       talisten durchaus  gleichgültig. Sie ist schon von vornherein et-
       was, das hinter seinem Rücken, durch die Macht von ihm unabhängi-
       ger Verhältnisse vorgeht, da nicht die Werte, sondern die von ih-
       nen verschiednen Produktionspreise in jeder Produktionssphäre die
       regulierenden Durchschnittspreise  bilden. Die Wertbestimmung als
       solche interessiert  und bestimmt  den einzelnen Kapitalisten und
       das Kapital in jeder besondren Produktionssphäre nur so weit, als
       das verminderte  oder vermehrte Arbeitsquantum, das mit dem Stei-
       gen oder  Fallen der Produktivkraft der Arbeit zur Produktion der
       Waren erheischt ist, in dem einen Fall ihn befähigt, bei den vor-
       handnen Marktpreisen  einen Extraprofit  zu machen, und im andren
       ihn zwingt,  den Preis  der Waren zu erhöhen, weil ein Stück mehr
       Arbeitslohn, mehr  konstantes Kapital,  daher auch mehr Zins, auf
       das Tellprodukt  oder die  einzelne Ware  fällt. Sie interessiert
       ihn nur, soweit sie die Produktionskosten der Ware für ihn selbst
       erhöht oder erniedrigt, also nur soweit sie ihn in eine Ausnahms-
       position setzt.  Dahingegen erscheinen  ihm Arbeitslohn, Zins und
       Rente als  regulierende Grenzen  nicht nur des Preises, zu dem er
       den ihm  als fungierendem  Kapitalisten zufallenden Teil des Pro-
       fits, den  Unternehmergewinn, realisieren kann, sondern zu dem er
       überhaupt, soll  fortgesetzte Reproduktion möglich sein, die Ware
       muß verkaufen können. Es ist für ihn durchaus gleichgültig, ob er
       den in  der Ware steckenden Wert und Mehrwert beim Verkauf reali-
       siert oder  nicht, vorausgesetzt  nur, daß  er den gewohnten oder
       einen größern Unternehmergewinn, über den durch Arbeitslohn, Zins
       und Rente  für ihn individuell gegebnen Kostpreis, aus dem Preise
       herausschlägt. Abgesehn
       
       #881# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       vom konstanten Kapitalteil, erscheinen ihm daher der Arbeitslohn,
       der Zins  und die Rente als die begrenzenden und daher schöpferi-
       schen, bestimmenden  Elemente des  Warenpreises. Gelingt  es  ihm
       z.B., den Arbeitslohn unter den Wert der Arbeitskraft, also unter
       seine normale Höhe herabzudrücken, Kapital zu niedrigerem Zinsfuß
       zu erhalten  und Pachtgeld  unter der  normalen Höhe der Rente zu
       zahlen, so  ist es völlig gleichgültig für ihn, ob er das Produkt
       unter seinem  Wert und  selbst unter dem allgemeinen Produktions-
       preis verkauft,  also einen Teil der in der Ware enthaltnen Mehr-
       arbeit umsonst weggibt. Dies gilt selbst für den konstanten Kapi-
       talteil. Kann ein Industrieller z.B. das Rohmaterial unter seinem
       Produktionspreis kaufen,  so schützt  ihn dies  vor Verlust, auch
       wenn er es in der fertigen Ware wieder unter dem Produktionspreis
       verkauft. Sein Unternehmergewinn kann derselbe bleiben und selbst
       wachsen, sobald  nur der Überschuß des Warenpreises über die Ele-
       mente desselben, die bezahlt, durch ein Äquivalent ersetzt werden
       müssen, derselbe bleibt oder wächst. Aber außer dem Wert der Pro-
       duktionsmittel, die  als gegebne  Preisgrößen in  die  Produktion
       seiner Waren eingehn, sind es grade Arbeitslohn, Zins, Rente, die
       als begrenzende und regelnde Preisgrößen in diese Produktion ein-
       gehn. Sie erscheinen ihm also als die Elemente, die den Preis der
       Waren  bestimmen.  Der  Unternehmergewinn  erscheint  von  diesem
       Standpunkt aus  entweder bestimmt durch den Oberschuß der von zu-
       fälligen Konkurrenzverhältnissen  abhängigen Marktpreise über den
       durch jene  Preiselemente bestimmten,  immanenten Wert der Waren;
       oder soweit er selbst bestimmend in den Marktpreis eingreift, er-
       scheint er selbst wieder als von der Konkurrenz unter Käufern und
       Verkäufern abhängig.
       In der Konkurrenz sowohl der einzelnen Kapitalisten untereinander
       wie in  der Konkurrenz auf dem Weltmarkt sind es die gegebnen und
       vorausgesetzten Größen  von Arbeitslohn,  Zins, Rente, die in die
       Rechnung als  konstante und regulierende Größen eingehn; konstant
       nicht in  dem Sinn,  daß sie ihre Größen nicht ändern, sondern in
       dem Sinn,  daß sie  in jedem  einzelnen Fall gegeben sind und die
       konstante Grenze  für die beständig schwankenden Marktpreise bil-
       den. Z.B.  bei der  Konkurrenz auf  dem Weltmarkt handelt es sich
       ausschließlich darum,  ob mit  dem gegebnen Arbeitslohn, Zins und
       Rente die  Ware zu oder unter den gegebnen allgemeinen Marktprei-
       sen mit  Vorteil, d. h. mit Realisierung eines entsprechenden Un-
       ternehmergewinns verkauft werden kann. Ist in einem Lande der Ar-
       beitslohn und  der Preis des Bodens niedrig, dagegen der Zins des
       Kapitals hoch,  weil die  kapitalistische  Produktionsweise  hier
       überhaupt nicht entwickelt ist, während in einem andern Lande der
       Arbeitslohn und der Bodenpreis
       
       #882# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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       nominell hoch,  dagegen der  Zins des  Kapitals niedrig steht, so
       wendet der Kapitalist in dem einen Land mehr Arbeit und Boden, in
       dem andern  verhältnismäßig mehr  Kapital an.  In der Berechnung,
       wieweit hier  die Konkurrenz  zwischen beiden möglich, gehn diese
       Faktoren als  bestimmende Elemente  ein. Die Erfahrung zeigt hier
       also theoretisch,  und die interessierte Berechnung des Kapitali-
       sten zeigt praktisch, daß die Preise der Waren durch Arbeitslohn,
       Zins und  Rente, durch den Preis der Arbeit, des Kapitals und des
       Bodens bestimmt  und daß diese Preiselemente in der Tat die regu-
       lierenden Preisbildner sind.
       Es bleibt  natürlich dabei immer ein Element, das nicht vorausge-
       setzt ist,  sondern aus dem Marktpreis der Waren resultiert, näm-
       lich der  Oberschuß über den aus der Addition jener Elemente, Ar-
       beitslohn, Zins und Rente, gebildeten Kostpreis. Dies vierte Ele-
       ment erscheint  in jedem  einzelnen Fall durch die Konkurrenz be-
       stimmt und  im Durchschnitt der Fälle durch den wieder durch die-
       selbe Konkurrenz,  nur in  längern Perioden,  regulierten  Durch-
       schnittsprofit.
       Fünftens: Auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise wird es
       sosehr selbstverständlich,  den Wert,  worin sich  die neu  zuge-
       setzte Arbeit  darstellt, in  die Revenueformen  von Arbeitslohn,
       Profit und  Grundrente zu  zerfallen, daß diese Methode (von ver-
       gangnen Geschichtsperioden, wie wir davon bei der Grundrente Bei-
       spiele gegeben haben, nicht zu sprechen) auch da angewandtwird,wo
       von vornherein  dieexistenzbedingungen ienerrevenueformen fehlen.
       D.h. alles wird per Analogie unter sie subsumiert.
       Wenn ein  unabhängiger Arbeiter - nehmen wir einen kleinen Bauer,
       weil hier alle drei Revenueformen sich anwenden lassen - für sich
       selbst arbeitet  und sein eignes Produkt verkauft, so wird er er-
       stens als  sein eigner  Beschäftiger (Kapitalist) betrachtet, der
       sich selbst  als Arbeiter  anwendet, und als sein eigner Grundei-
       gentümer, der  sich selbst  als seinen Pächter anwendet. Sich als
       Lohnarbeiter zahlt er Arbeitslohn, sich als Kapitalist vindiziert
       er Profit  und sich als Grundeigentümer zahlt er Rente. Die kapi-
       talistische Produktionsweise  und die ihr entsprechenden Verhält-
       nisse als  allgemein gesellschaftliche  Basis vorausgesetzt,  ist
       diese Subsumtion  soweit richtig,  als er  es nicht seiner Arbeit
       verdankt, sondern  dem Besitz der Produktionsmittel - welche hier
       allgemein die  Form von  Kapital angenommen  haben -,  daß er im-
       stande ist,  sich seine  eigne Mehrarbeit anzueignen. Und ferner,
       soweit er  sein Produkt  als Ware  produziert, also von dem Preis
       desselben abhängt (und selbst wenn nicht, ist dieser Preis veran-
       schlagbar), hängt  die Masse  der Mehrarbeit,  die  er  verwerten
       kann, nicht  von ihrer  eignen Größe, sondern von der allgemeinen
       Profitrate ab; und ebenso ist
       
       #883# 50. Kapitel - Der Schein der Konkurrenz
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       der etwaige  Überschuß über  die durch  die allgemeine Profitrate
       bestimmte Quote  des Mehrwerts  wieder nicht  bestimmt durch  das
       Quantum der  von ihm geleisteten Arbeit, sondern kann von ihm nur
       angeeignet werden,  weil er  Eigentümer des  Bodens ist.  Weil so
       eine der  kapitalistischen Produktionsweise  nicht  entsprechende
       Produktionsform -  und bis zu einem gewissen Grad nicht unrichtig
       - unter  ihre Revenueforrnen  subsumiert werden  kann,  befestigt
       sich um  so mehr der Schein, als ob die kapitalistischen Verhält-
       nisse Naturverhältnisse jeder Produktionsweise seien.
       Reduziert man  allerdings den  Arbeitslohn auf  seine  allgemeine
       Grundlage, nämlich  auf den  Teil des eignen Arbeitsprodukts, der
       in die individuelle Konsumtion des Arbeiters eingeht; befreit man
       diesen Anteil von der kapitalistischen Schranke und erweitert ihn
       zu dem  Umfang der  Konsumtion, den einerseits die vorhandne Pro-
       duktivkraft der  Gesellschaft zuläßt  (also die gesellschaftliche
       Produktivkraft seiner  eignen Arbeit als wirklich gesellschaftli-
       cher) und  den andrerseits die volle Entwicklung der Individuali-
       tät erheischt;  reduziert man ferner die Mehrarbeit und das Mehr-
       produkt auf  das Maß, das unter den gegebnen Produktionsbedingun-
       gen der  Gesellschaft erheischt ist, einerseits zur Bildung eines
       Assekuranz- und  Reservefonds, andrerseits  zur stetigen Erweite-
       rung der  Reproduktion in dem durch das gesellschaftliche Bedürf-
       nis bestimmten Grad; schließt man endlich in Nr., der notwendigen
       Arbeit, und  Nr. 2,  der Mehrarbeit,  das Quantum Arbeit ein, das
       die arbeitsfähigen  für die noch nicht oder nicht mehr arbeitsfä-
       higen Glieder  der Gesellschaft  stets  verrichten  müssen,  d.h.
       streift man  sowohl dem Arbeitslohn wie dem Mehrwert, der notwen-
       digen Arbeit  wie der  Mehrarbeit den spezifisch kapitalistischen
       Charakter ab,  so bleiben  eben nicht  diese Formen,  sondern nur
       ihre Grundlagen,  die allen  gesellschaftlichen Produktionsweisen
       gemeinschaftlich sind. Übrigens ist diese Art der Subsumtion auch
       früheren herrschenden  Produktionsweisen eigen, z.B. der feudalen
       Produktionsverhältnisse, die  ihr gar nicht entsprachen, ganz au-
       ßerhalb ihrer  standen, wurden  unter feudale  Beziehungen subsu-
       miert, z.B.  in England  die tenures in common socage 1*) (im Ge-
       gensatz zu den tenures on knight's service 2*)), die nur Geldver-
       pflichtungen einschlossen und nur dem Namen nach feudal waren.
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       1*) freien Bauernlehen - 2*) Lehen auf Ritterdienst

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