Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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EINUNDFÜNFZIGSTES KAPITEL
Distributionsverhältnisse und Produktionsverhältnisse
Der durch die jährlich neu zugesetzte Arbeit neu zugesetzte Wert
- also auch der Teil des jährlichen Produkts, worin sich dieser
Wert darstellt und der aus dem Gesamtertrag herausgezogen, ausge-
schieden werden kann - zerfällt also in drei Teile, die drei ver-
schiedne Revenueformen annehmen, in Formen, die einen Teil dieses
Werts als dem Besitzer der Arbeitskraft, einen Teil als dem Be-
sitzer des Kapitals und einen dritten Teil als dem Besitzer des
Grundeigentums gehörig oder zufallend ausdrücken. Es sind dies
also Verhältnisse oder Formen der Distribution, denn sie drücken
die Verhältnisse aus, worin sich der neu erzeugte Gesamtwert un-
ter die Besitzer der verschiednen Produktionsagentien verteilt.
Der gewöhnlichen Anschauung erscheinen diese Verteilungsverhält-
nisse als Naturverhältnisse, als Verhältnisse, die aus der Natur
aller gesellschaftlichen Produktion, aus den Gesetzen der men-
schlichen Produktion schlechthin entspringen. Es kann zwar nicht
geleugnet werden, daß vorkapitalistische Gesellschaften andre
Verteilungsweisen zeigen, aber diese werden dann als unentwic-
kelte, unvollkommene und verkleidete, nicht auf ihren reinsten
Ausdruck und ihre höchste Gestalt reduzierte, anders gefärbte
Weisen jener naturgemäßen Vertellungsverhältnisse gedeutet.
Das einzig Richtige in dieser Vorstellung ist dies: Gesellschaft-
liche Produktion irgendeiner Art (z.B. die der naturwüchsigen in-
dischen Gemeinwesen oder die des mehr künstlich entwickelten Kom-
munismus der Peruaner) vorausgesetzt, kann stets unterschieden
werden zwischen dem Teil der Arbeit, dessen Produkt unmittelbar
von den Produzenten und ihren Angehörigen individuell konsumiert
wird, und - abgesehn von dem Teil, der der produktiven Konsumtion
anheimfällt - einem andern Teil der Arbeit, der immer Mehrarbeit
ist, dessen Produkt stets zur Befriedigung allgemeiner gesell-
schaftlicher Bedürfnisse dient, wie immer dies Mehrprodukt
#885# 51. Kapitel - Distributionsverhältnisse u. Produktionsverh.
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verteilt werde und wer immer als Repräsentant dieser gesell-
schaftlichen Bedürfnisse fungiere. Die Identität der verschiednen
Verteilungsweisen kommt also darauf hinaus, daß sie identisch
sind, wenn man von ihren Unterscheidungen und spezifischen Formen
abstrahiert, nur die Einheit in ihnen, im Gegensatz zu ihrem Un-
terschied festhält.
Weitergebildetes, mehr kritisches Bewußtsein gibt jedoch den ge-
schichtlich entwickelten Charakter der Verteilungsverhältnisse zu
56)[a], hält dafür aber um so fester an dem sich gleichbleiben-
den, aus der menschlichen Natur entspringenden und daher von al-
ler geschichtlichen Entwicklung unabhängigen Charakter der Pro-
duktionsverhältnisse selbst.
Die wissenschaftliche Analyse der kapitalistischen Produktions-
weise beweist dagegen umgekehrt, daß sie eine Produktionsweise
von besondrer Art, von spezifischer historischer Bestimmtheit
ist; daß sie, wie jede andre bestimmte Produktionsweise, eine ge-
gebne Stufe der gesellschaftlichen Produktivkräfte und ihrer Ent-
wicklungsformen als ihre geschichtliche Be dingung voraussetzt:
eine Bedingung, die selbst das geschichtliche Resultat und Pro-
dukt eines vorhergegangnen Prozesses ist und wovon die neue Pro-
duktionsweise als von ihrer gegebnen Grundlage ausgeht; daß die
dieser spezifischen, historisch bestimmten Produktionsweise ent-
sprechenden Produktionsverhältnisse - Verhältnisse, welche die
Menschen in ihrem gesellschaftlichen Lebensprozeß, in der Erzeu-
gung ihres gesellschaftlichen Lebens eingehn - einen spezifi-
schen, historischen und vorübergehenden Charakter haben; und daß
endlich die Verteilungsverhältnisse wesentlich identisch mit die-
sen Produktionsverhältnissen, eine Kehrseite derselben sind, so
daß beide denselben historisch vorübergehenden Charakter teilen.
Bei der Betrachtung der Verteilungsverhältnisse geht man zunächst
von der angeblichen Tatsache aus, daß das jährliche Produkt sich
als Arbeitslohn, Profit und Grundrente verteilt. Aber so ausge-
sprochen ist die Tatsache falsch. Das Produkt verteilt sich auf
der einen Seite in Kapital und auf der andern in Revenuen. Die
eine dieser Revenuen, der Arbeitslohn, nimmt selbst immer nur die
Form einer Revenue, der Revenue des Arbeiters an, nachdem er vor-
her demselben Arbeiter in der Form von Kapital gegenübergetreten
ist. Das Gegenübertreten der produzierten Arbeitsbedingungen und
der Arbeitsprodukte überhaupt als Kapital, gegenüber den unmit-
telbaren Produzenten, schließt von vornherein ein einen bestimm-
ten gesellschaftlichen Charakter der sachlichen Arbeitsbedingun-
gen gegenüber den Arbeitern und damit ein bestimmtes Verhältnis,
worin sie in der
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56)[a] J. Stuart Mill, "Some Unsettled Questions of Pol. Econ.",
London 1844.
#886# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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Produktion selbst zu den Besitzern der Arbeitsbedingungen und zu-
einander treten. Die Verwandlung dieser Arbeitsbedingungen in Ka-
pital schließt ihrerseits die Expropriation der unmittelbaren
Produzenten von Grund und Boden und damit eine bestimmte Form des
Grundeigenturns ein.
Verwandelte sich der eine Teil des Produkts nicht in Kapital, so
würde der andre nicht die Formen von Arbeitslohn, Profit und
Rente annehmen.
Andrerseits, wenn die kapitalistische Produktionsweise diese be-
stimmte gesellschaftliche Gestalt der Produktionsbedingungen vor-
aussetzt, reproduziert sie dieselbe beständig. Sie produziert
nicht nur die materiellen Produkte, sondern reproduziert bestän-
dig die Produktionsverhältnisse, worin jene produziert werden,
und damit auch die entsprechenden Vertellungsverhältnisse.
Allerdings kann gesagt werden, daß das Kapital (und das Grundei-
gentum, welches es als seinen Gegensatz einschließt) selbst schon
eine Verteilung voraussetzt: die Expropriation der Arbeiter von
den Arbeitsbedingungen, die Konzentration dieser Bedingungen in
den Händen einer Minorität von Individuen, das ausschließliche
Eigentum am Grund und Boden für andre Individuen, kurz, alle die
Verhältnisse, die im Abschnitt über die ursprüngliche Akkumula-
tion (Buch I, Kap. XXIV) entwickelt worden sind. Aber diese Ver-
teilung ist durchaus verschieden von dem, was man unter Vertei-
lungsverhältnissen versteht, wenn man diesen, im Gegensatz zu den
Produktionsverhältnissen, einen historischen Charakter vindi-
ziert. Man meint darunter die verschiednen Titel auf den Teil des
Produkts, der der individuellen Konsumtion anheimfällt. Jene Ver-
teilungsverhältnisse sind dagegen die Grundlagen besondrer ge-
sellschaftlicher Funktionen, welche innerhalb des Produktionsver-
hältnisses selbst bestimmten Agenten desselben zufallen im Gegen-
satz zu den unmittelbaren Produzenten. Sie geben den Produktions-
bedingungen selbst und ihren Repräsentanten eine spezifische ge-
sellschaftliche Qualität. Sie bestimmen den ganzen Charakter und
die ganze Bewegung der Produktion.
Es sind zwei Charakterzüge, weiche die kapitalistische Produkti-
onsweise von vornherein auszeichnen.
Erstens. Sie produziert ihre Produkte als Waren. Waren zu produ-
zieren, unterscheidet sie nicht von andern Produktionsweisen;
wohl aber dies, daß Ware zu sein, der beherrschende und bestim-
mende Charakter ihres Produkts ist. Es schließt dies zunächst
ein, daß der Arbeiter selbst nur als Warenverkäufer und daher als
freier Lohnarbeiter, die Arbeit also überhaupt als Lohnarbeit
auftritt. Es ist nach der bisher gegebnen Entwicklung überflüs-
sig, von neuem nachzuweisen, wie das Verhältnis von Kapital
#887# 51. Kapitel - Distributionsverhältnisse u. Produktionsverh.
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und Lohnarbeit den ganzen Charakter der Produktionsweise be-
stimmt. Die Hauptagenten dieser Produktionsweise selbst, der Ka-
pitalist und der Lohnarbeiter, sind als solche nur Verkörperun-
gen, Personifizierungen von Kapital und Lohnarbeit; bestimmte ge-
sellschaftliche Charaktere, die der gesellschaftliche Produkti-
onsprozeß den Individuen aufprägt; Produkte dieser bestimmten ge-
sellschaftlichen Produktionsverhältnisse.
Der Charakter 1. des Produkts als Ware, und 2. der Ware als Pro-
dukt des Kapitals, schließt schon die sämtlichen Zirkulationsver-
hältnisse ein, d.h. einen bestimmten gesellschaftlichen Prozeß,
den die Produkte durchmachen müssen und worin sie bestimmte ge-
sellschaftliche Charaktere annehmen; er schließt ein ebenso be-
stimmte Verhältnisse der Produktionsagenten, von denen die Ver-
wertung ihres Produkts und seine Rückverwandlung, sei es in Le-
bensmittel, sei es in Produktionsmittel, bestimmt ist. Aber auch
abgesehn hiervon, ergibt sich aus den beiden obigen Charakteren
des Produkts als Ware, oder Ware als kapitalistisch produzierter
Ware, die ganze Wertbestimmung und die Regelung der Gesamtproduk-
tion durch den Wert. In dieser ganz spezifischen Form des Werts
gilt die Arbeit einerseits nur als gesellschaftliche Arbeit;
andrerseits ist die Verteilung dieser gesellschaftlichen Arbeit
und die wechselseitige Ergänzung, der Stoffwechsel ihrer Pro-
dukte, die Unterordnung unter und Einschiebung in das gesell-
schaftliche Triebwerk, dem zufälligen, sich wechselseitig aufhe-
benden Treiben der einzelnen kapitalistischen Produzenten über-
lassen. Da diese sich nur als Warenbesitzer gegenübertreten und
jeder seine Ware so hoch als möglich zu verkaufen sucht (auch
scheinbar in der Regulierung der Produktion selbst nur durch
seine Willkür geleitet ist), setzt sich das innere Gesetz nur
durch vermittelst ihrer Konkurrenz, ihres wechselseitigen Drucks
aufeinander, wodurch sich die Abweichungen gegenseitig aufheben.
Nur als inneres Gesetz, den einzelnen Agenten gegenüber als blin-
des Naturgesetz, wirkt hier das Gesetz des Werts und setzt das
gesellschaftliche Gleichgewicht der Produktion inmitten ihrer zu-
fälligen Fluktuationen durch.
Es ist ferner schon in der Ware eingeschlossen, und noch mehr in
der Ware als Produkt des Kapitals, die Verdinglichung der gesell-
schaftlichen Produktionsbestimmungen und die Versubjektivierung
der materiellen Grundlagen der Produktion, welche die ganze kapi-
talistische Produktionsweise charakterisiert.
Das zweite, was die kapitalistische Produktionsweise speziell
auszeichnet, ist die Produktion des Mehrwerts als direkter Zweck
und bestimmendes Motiv der Produktion. Das Kapital produziert we-
sentlich Kapital, und es
#888# VII. Abschnitt - Die Revenuen und ihre Quellen
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tut dies nur, soweit es Mehrwert produziert. Wir haben bei Be-
trachtung des relativen Mehrwerts, weiter bei Betrachtung der
Verwandlung des Mehrwerts in Profit gesehn, wie sich hierauf eine
der kapitalistischen Periode eigentümliche Produktionsweise grün-
det - eine besondre Form der Entwicklung der gesellschaftlichen
Produktivkräfte der Arbeit, aber als dem Arbeiter gegenüber ver-
selbständigter Kräfte des Kapitals, und in direktem Gegensatz da-
her zu seiner, des Arbeiters, eignen Entwicklung. Die Produk.
tion für den Wert und den Mehrwert schließt, wie sich dies bei
der weitern Entwicklung gezeigt hat, die stets wirkende Tendenz
ein, die zur Produktion einer Ware nötige Arbeitszeit, d.h. Ihren
Wert, unter den jedesmal bestehenden gesellschaftlichen Durch-
schnitt zu reduzieren. Der Drang zur Reduktion des Kostpreises
auf sein Minimum wird der stärkste Hebel der Steigerung der ge-
sellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit, die aber hier nur als
beständige Steigerung der Produktivkraft des Kapitals erscheint.
Die Autorität, die der Kapitalist als Personifikation des Kapi-
tals im unmittelbaren Produktionsprozeß annimmt, die gesell-
schaftliche Funktion, die er als Leiter und Beherrscher der Pro-
duktion bekleidet, ist wesentlich verschieden von der Autorität
auf Basis der Produktion mit Sklaven, Leibeignen usw.
Während, auf Basis der kapitalistischen Produktion, der Masse der
unmittelbaren Produzenten der gesellschaftliche Charakter ihrer
Produktion in der Form streng regelnder Autorität und eines als
vollständige Hietarchie gegliederten, gesellschaftlichen Mecha-
nismus des Arbeitsprozesses gegenübertritt - welche Autorität ih-
ren Trägern aber nur als Personifizierung der Arbeitsbedingungen
gegenüber der Arbeit, nicht wie in früheren Produktionsformen als
politischen oder theokratischen Herrschern zukommt -, herrscht
unter den Trägern dieser Autorität, den Kapitalisten selbst, die
sich nur als garenbesitzer gegenübertreten, die vollständigste
Anarchie, innerhalb lerert der gesellschaftliche Zusammenhang der
Produktion sich nur als übermächtiges Naturgesetz der individuel-
len Willkür gegenüber geltend macht.
Nur weil die Arbeit in der Form der Lohnarbeit und die Produkti-
onsmittel in der Form von Kapital vorausgesetzt sind - also nur
infolge dieser spezifischen gesellschaftlichen Gestalt dieser
zwei wesentlichen Produktionsagentien -, stellt sich ein Teil des
Werts (Produkts) als Mehrwert und dieser Mehrwert als Profit
(Rente) dar, als Gewinn des Kapitalisten, als zusätzlicher dispo-
nibler, ihm gehöriger Reichtum. Aber nur weil er sich so als sein
Profit darstellt, stellen sich die zusätzlichen Produktionsmit-
tel, die zur Erweiterung der Reproduktion bestimmt sind und die
einen Teil des
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Profits bilden, als neues zusätzliches Kapital und die Erweite-
rung des Reproduktionsprozesses überhaupt als kapitalistischer
Akkumulationsprozeß dar.
Obgleich die Form der Arbeit als Lohnarbeit entscheidend für die
Gestalt des ganzen Prozesses und für die spezifische Weise der
Produktion selbst, ist nicht die Lohnarbeit wertbestimmend. In
der Wertbestimmung handelt es sich um die gesellschaftliche Ar-
beitszeit überhaupt, das Quantum Arbeit, worüber die Gesellschaft
überhaupt zu verfügen hat und dessen relative Absorption durch
die verschiednen Produkte gewissermaßen deren respektives gesell-
schaftliches Gewicht bestimmt. Die bestimmte Form, worin sich die
gesellschaftliche Arbeitszeit im Wert der Waren als bestimmend
durchsetzt, hängt allerdings mit der Form der Arbeit als Lohnar-
beit und der entsprechenden Form der Produktionsmittel als Kapi-
tal insofern zusammen, als nur auf dieser Basis die Warenproduk-
tion zur allgemeinen Form der Produktion wird.
Betrachten wir übrigens die sogenannten Verteilungsverhältnisse
selbst. Der Arbeitslohn unterstellt die Lohnarbeit, der Profit
das Kapital. Diese bestimmten Verteilungsformen unterstellen also
bestimmte gesellschaftliche Charaktere der Produktionsbedingungen
und bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse der Produktionsagen-
ten. Das bestimmte Vertellungsverhältnis ist also nur Ausdruck
des geschichtlich bestimmten Produktionsverhältnisses.
Und nun nehme man den Profit. Diese bestimmte Form des Mehrwerts
ist die Voraussetzung dafür, daß die Neubildung der Produktions-
mittel in der Form der kapitalistischen Produktion vorgeht; also
ein die Reproduk. tion beherrschendes Verhältnis, obgleich es dem
einzelnen Kapitalisten scheint, er könne eigentlich den ganzen
Profit als Revenue aufessen. Indessen findet er dabei Schranken,
die ihm schon in der Form von Assekuranz- und Reservefonds, Ge-
setz der Konkurrenz usw. entgegentreten und ihm praktisch bewei-
sen, daß der Profit keine bloße Verteilungskategorie des indivi-
duell konsumierbaren Produkts ist. Der ganze kapitalistische Pro-
duktionsprozeß ist ferner reguliert durch die Preise der Pro-
dukte. Aber die regulierenden Produktionspreise sind selbst wie-
der reguliert durch die Ausgleichung der Profitrate und die ihr
entsprechende Verteilung des Kapitals in die verschiednen gesell-
schaftlichen Produktionssphären. Der Profit erscheint hier also
als Hauptfaktor, nicht der Verteilung der Produkte, sondern ihrer
Produktion selbst, Teil der Verteilung der Kapitale und der Ar-
beit selbst in die verschiednen Produktionssphären. Die Spaltung
des Profits in Unternehmergewinn und Zins erscheint als Vertei-
lung derselben
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Revenue. Aber sie entspringt zunächst aus der Entwicklung des Ka-
pitals als sich selbst verwertenden, Mehrwert erzeugenden Werts,
dieser bestimmten gesellschaftlichen Gestalt des herrschenden
Produktionsprozesses. Sie entwickelt aus sich heraus den Kredit
und die Kreditinstitutionen und damit die Gestalt der Produktion.
Im Zins usw. gehn die angeblichen Verhandlungsformen als bestim-
mende Produktionsmomente n den Preis ein.
Von der Grundrente könnte es scheinen, daß sie bloße Verteilungs-
form ist, weil das Grundeigentum als solches keine oder wenig-
stens keine normale Funktion im Produktionsprozeß selbst ver-
sieht. Aber der Umstand, daß 1. die Rente beschränkt wird auf den
Überschuß über den Durchschnittsprofit, 2. daß der Grundeigentü-
mer vom Lenker und Beherrscher des Produktionsprozesses und des
ganzen gesellschaftlichen Lebensprozesses herabgedrückt wird zum
bloßen Verpachter von Boden, Wucherer in Boden und bloßen Einkas-
sierer von Rente, ist ein Spezifisches historisches Ergebnis der
kapitalistischen Produktionsweise. Daß die Erde die Form von
Grundeigentum erhalten hat, ist eine historische Voraussetzung
derselben. Daß das Grundeigentum Formen erhält, welche die kapi-
talistische Betriebsweise der Landwirtschaft zulassen, ist ein
Produkt des spezifischen Charakters dieser Produktionsweise. Man
mag die Einnahme des Grundeigentümers auch in andren Gesell-
schaftsformen Rente nennen. Aber sie ist wesentlich unterschieden
von der Rente, wie sie in dieser Produktionsweise erscheint.
Die sogenannten Verteilungsverhältnisse entsprechen also und ent-
springen aus historisch bestimmten, spezifisch gesellschaftlichen
Formen des Produktionsprozesses und der Verhältnisse, welche die
Menschen im Reproduktionsprozeß ihres menschlichen Lebens unter-
einander eingehn. Der historische Charakter dieser Vertellungs-
verhältnisse ist der historische Charakter der Produktionsver-
hältnisse, wovon sie nur eine Seite ausdrucken. Die kapitalisti-
sche Verteilung ist verschieden von den Verteilungsformen, die
aus andren Produktionsweisen entspringen, und jede Verteilungs-
form verschwindet mit der bestimmten Form der Produktion, der sie
entstammt und entspricht.
Die Ansicht, die nur die Verteilungsverhältnisse als historisch
betrachtet, aber nicht die Produktionsverhältnisse, ist einer-
seits nur die Ansicht der beginnenden, aber noch befangnen Kritik
der bürgerlichen Ökonomie. Andrerseits aber beruht sie auf einer
Verwechslung und Identifizierung des gesellschaftlichen Produkti-
onsprozesses mit dem einfachen Arbeitsprozeß, wie ihn auch ein
abnorm isolierter Mensch ohne alle gesellschaftliche Beihilfe
verrichten müßte. Soweit der Arbeitsprozeß nur ein bloßer Prozeß
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zwischen Mensch und Natur ist, bleiben seine einfachen Elemente
allen gesellschaftlichen Entwicklungsformen desselben gemein.
Aber jede bestimmte historische Form dieses Prozesses entwickelt
weiter die materiellen Grundlagen und gesellschaftlichen Formen
desselben. Auf einer gewissen Stufe der Reife angelangt, wird die
bestimmte historische Form abgestreift und macht einer höheren
Platz. Daß der Moment einer solchen Krise gekommen, zeigt sich,
sobald der Widerspruch und Gegensatz zwischen den Verteilungsver-
hältnissen, daher auch der bestimmten historischen Gestalt der
ihnen entsprechenden Produktionsverhältnisse einerseits und den
Produktivkräften, der Produktionsfähigkeit und der Entwicklung
ihrer Agentien andrerseits, Breite und Tiefe gewinnt. Es tritt
dann ein Konflikt zwischen der materiellen Entwicklung der Pro-
duktion und ihrer gesellschaftlichen Form ein. 57)
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57) Sieh die Schrift über Competition and Co-operation (1832 ?).
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