Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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#110# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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IV. Nutzbarmachung der Exkremente der Produktion
Mit der kapitalistischen Produktionsweise erweitert sich die Be-
nutzung der Exkremente der Produktion und Konsumtion. Unter er-
stern verstehn wir die Abfälle der Industrie und Agrikultur, un-
ter Letztem teils die Exkremente, die aus dem natürlichen Stoff-
wechsel des Menschen hervorgehn, teils die Form, worin die Ver-
brauchsgegenstände nach ihrem Verbrauch übrigbleiben. Exkremente
der Produktion sind also in der chemischen Industrie die Neben-
produkte, die bei kleiner Produktionsstufe verlorengehn; die Ei-
senspäne, die bei der Maschinenfabrikation abfallen und wieder
als Rohstoff in die Eisenproduktion eingehn etc. Exkremente der
Konsumtion sind die natürlichen Ausscheidungsstoffe der Menschen,
Kleiderreste in Form von Lumpen usw. Die Exkremente der Konsum-
tion sind am wichtigsten für die Agrikultur. In Beziehung auf
ihre Verwendung findet in der kapitalistischen Wirtschaft eine
kolossale Verschwendung statt; in London z.B. weiß sie mit dem
Dünger von 4 1/2 Millionen Menschen nichts Beßres anzufangen, als
ihn mit ungeheuren Kosten zur Verpestung der Themse zu gebrau-
chen.
#111# 5. Kapitel - Ökonomie in der Anwendung des konst. Kapitals
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Die Verteuerung der Rohstoffe bildet natürlich den Antrieb zur
Vernutzung der Abfälle.
Im ganzen sind die Bedingungen dieser Wiederbenutzung: Massenhaf-
tigkeit solcher Exkremente, die sich nur ergibt bei Arbeit auf
großer Stufenleiter; Verbesserung der Maschinerie, womit Stoffe,
die in ihrer gegebnen Form früher unbrauchbar, in eine der Neu-
produktion dienstbare Gestalt übergeführt werden; Fortschritt der
Wissenschaft, speziell der Chemie, welche die nutzbaren Eigen-
schaften solcher Abfälle entdeckt. Allerdings findet auch in der
kleinen, gärtnermäßig betriebnen Agrikultur, wie etwa in der Lom-
barde, im südlichen China und in Japan, große Ökonomie dieser Art
statt. Im ganzen aber ist in diesem System die Produktivität der
Agrikultur erkauft durch große Verschwendung menschlicher Ar-
beitskraft, die andren Sphären der Produktion entzogen wird. Die
sog. Abfälle spielen eine bedeutende Rolle in fast jeder Indu-
strie. So wird im Fabrikbericht Oktober 1863 als einer der Haupt-
gründe angegeben, weshalb sowohl in England wie in vielen Teilen
von Irland die Pächter nur ungern und selten Flachs bauen:
"Der große Abfall... der bei der Bereitung des Flachses in den
kleinen mit Wasserkraft getriebenen Hechelfabriken (scutch mills)
stattfindet... Der Abfall bei Baumwolle ist verhältnismäßig ge-
ring, aber bei Flachs sehr groß. Gute Behandlung beim Wasser rö-
sten und mechanischen Hecheln kann diesen Nachteil bedeutend ein-
schränken... In Irland wird Flachs oft auf höchst schmähliche
Weise gehechelt, so daß 28-30% verlorengehn",
was alles durch Anwendung von beßrer Maschinerie vermieden werden
könnte. Das Werg fiel dabei so massenhaft ab, daß der Fabrikin-
spektor sagt:
"Von einigen der Hechelfabriken in Irland ist mir mitgeteilt wor-
den, daß die Hechler den dort gemachten Abfall oft zu Hause auf
ihren Herden als Brennstoff verwandt haben, und doch ist er sehr
wertvoll." (l.c.p. 140.)
"Von Baumwollabfall wird weiter unten die Rede sein, wo wir von
den Preisschwankungen des Rohstoffs handeln. Die Wollenindustrie
war gescheiter als die Flachsbereitung.
"Es war früher gewöhnlich, die Zubereitung von Wollenabfall und
wohnen Lumpen zu wiederholter Bearbeitung in Verruf zu erklären,
aber das Vorurteil hat sich vollständig gelegt mit Beziehung auf
den shoddy trade (Kunstwollindustrie), die ein wichtiger Zweig
des Wollendistrikts von Yorkshire geworden ist, und ohne Zweifel
wird auch das Geschäft in Baumwollabfall bald denselben Platz
einnehmen als ein Geschäftszweig, der einem anerkannten Bedürfnis
abhilft. Vor 30 Jahren waren wollne Lumpen, d.h. Stücke von ganz
wollnem Tuch etc., im Durchschnitt etwa
#112# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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4 Pfd.St. 4 sh. per Tonne wert; in den letzten paar Jahren sind
sie 44 Pfd.St. per Tonne wert geworden. Und die Nachfrage ist so
gestiegen, daß auch gemischte Gewebe au, Wolle und Baumwolle ver-
nutzt werden, indem man Mittel gefunden hat, die Baumwolle zu
zerstören, ohne der Wolle zu schaden; und jetzt sind Tausende von
Arbeitern in der Fabrikation von Shoddy beschäftigt, und der Kon-
sument hat großen Vorteil davon, indem er jetzt Tuch von guter
Durchschnittsqualität zu einem sehr mäßigen Preis kaufen kann."
("Rep. Fact., Oct. 1863", p. 107.)
Die so verjüngte Kunstwolle betrug schon Ende 1862 ein Drittel
des ganzen Wollverbrauchs der englischen Industrie. ("Rep. Fact.,
Oct. 1862", p. 81.) Der "große Vorteil" für den "Konsumenten" be-
steht darin, daß seine Wollkleider nur ein Drittel der frühern
Zeit brauchen, um zu verschleißen, und ein Sechstel, um faden-
scheinig zu werden.
Die englische Seidenindustrie bewegte sich auf derselben abschüs-
sigen Bahn. Von 1839-1862 hatte der Verbrauch von wirklicher Roh-
seide sich etwas vermindert, dagegen der von Seidenabfällen ver-
doppelt. Mit verbesserter Maschinerie war man im Stand, aus die-
sem, anderswo ziemlich wertlosen Stoff eine zu vielen Zwecken
verwendbare Seide zu fabrizieren.
Das schlagendste Beispiel von Verwendung von Abfällen liefert die
chemische Industrie. Sie verbraucht nicht nur ihre eignen Ab-
fälle, indem sie neue Verwendung dafür findet, sondern auch die-
jenigen der verschiedenartigsten andern Industrien und verwandelt
z.B. den früher fast nutzlosen Gasteer in Anilinfarben,
Krappfarbstoff (Allzarin), und neuerdings auch in Medikamente.
Von dieser Ökonomie der Exkremente der Produktion, durch ihre
Wiederbenutzung, ist zu unterscheiden die Ökonomie bei der Erzeu-
gung von Abfall, also die Reduktion der Produktionsexkremente auf
ihr Minimum, und die unmittelbare Vernutzung, bis zum Maximum,
aller in die Produktion eingehenden Roh- und Hilfsstoffe.
Die Ersparung von Abfall ist zum Teil durch die Güte der ange-
wandten Maschinerie bedingt. Öl, Seife etc. wird gespart im Ver-
hältnis wie die Maschinentelle genauer gearbeitet und besser po-
liert sind. Dies bezieht sich auf die Hilfsstoffe. Z.T. aber, und
dies ist das wichtigste, hängt es von der Güte der angewandten
Maschinen und Werkzeuge ab, ob ein größrer oder geringrer Teil
des Rohstoffs im Produktionsprozeß sich in Abfall verwandelt.
Endlich hängt dies ab von der Güte des Rohstoffs selbst. Diese
ist wieder bedingt teils durch die Entwicklung der extraktiven
Industrie und Agrikultur, die ihn erzeugt (von dem Fortschritt
der Kultur im eigentlichen Sinn), teils von der Ausbildung der
Prozesse, die der Rohstoff vor seinem Eintritt in die Manufaktur
durchmacht.
#113# 5. Kapitel - Ökonomie in der Anwendung des konst. Kapitals
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"Paramentier hat bewiesen, daß seit einer nicht sehr entfernten
Epoche, z.B. der Zeit Ludwigs XIV., die Kunst, Korn zu mahlen, in
Frankcreich sehr bedeutend vervollkommnet worden ist, so daß die
neuen Mühlen, gegenüber den alten, aus derselben Menge Korn bis
zur Hälfte mehr Brot liefern können. Man hat in der Tat für die
jährlich, Konsurntion eines Einwohners von Paris anfangs 4 se-
tiers Korn, dann 3, endlich 2 gerchnet, während sie heutzutage
nur noch 1 1/2 setier oder ungefähr 342 Pfund per Kopf ist... In
der Perche, wo ich lange gewohnt habe, sind plump konstruierte
Mühlen, die Mühlsteine von Granit und Trapp hatten, nach den Re-
geln der seit 30 Jahren so sehr fortgeschrittnen Mechanik umge-
baut worden. Man hat sie mit guten Mühlsteinen von Fert6 versehn,
man hat das Korn zweimal ausgemahlen, man hat dem Mahlbeutel eine
kreisförmige Bewegung gegeben, und das Produkt an Mehl hat sich
für dieselbe Menge Korn um 1/6 vermehrt. Ich erkläre mir also
leicht das enorme Mißverhältnis zwischen dem täglichen Kornver-
brauch bei den Römern und bei uns; der ganze Grund liegt einfach
in der Mangelhaftigkeit der Verfahrensweisen beim Mahlen und bei
der Brotbereitung. So muß ich auch eine merkwürdige Tatsache er-
klären, die Plinius XVIII., c. 20, 2 anfährt.. Das Mehl wurde in
Rom verkauft, je nach Qualität, zu 40, 48 oder 96 Ass der Modius.
Diese Preise, so hoch im Verhältnis zu den gleichzeitigen Korn-
preisen, erklären sich aus den damals noch in der Kindheit be-
findlichen, unvollkommnen Mühlen und den daraus folgenden be-
trächtlichen Mahlkosten." (Dureau de la Malle, "Écon. Pol. des
Romains", Paris 1840, I, p. 280, 281.)
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