Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       #120# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       II. Wertsteigerung  und Entwertung,  Freisetzung und  Bindung von
       Kapital
       
       Die Phänomene,  die wir  in diesem Kapitel untersuchen, setzen zu
       ihrer vollen  Entwicklung das  Kreditwesen und die Konkurrenz auf
       dem Weltmarkt voraus, der überhaupt die Basis und die Lebensatmo-
       sphäre der  kapitalistischen Produktionsweise  bildet. Diese kon-
       kreteren Formen  der kapitalistischen  Produktion können aber nur
       umfassend dargestellt  werden, nachdem  die allgemeine  Natur des
       Kapitals begriffen  ist; zudem  liegt ihre  Darstellung außer dem
       Plan unsers  Werks und  gehört seiner  etwaigen  Fortsetzung  an.
       Nichtsdestoweniger können die in der Überschrift bezeichneten Er-
       scheinungen hier  im allgemeinen behandelt werden. Sie hängen zu-
       sammen, erstens  untereinander und  zweitens sowohl  mit der Rate
       wie mit  der Masse des Profits. Sie sind auch schon deswegen kurz
       darzustellen, weil sie den Schein hervorbringen, als ob nicht nur
       die Rate,  sondern auch  die Masse  des Profits  - die in der Tat
       identisch ist mit der Masse des Mehrwerts - ab- und zunehmen kann
       unabhängig von  den Bewegungen des Mehrwerts, sei es seiner Masse
       oder seiner Rate.
       Sind Freisetzung  und Bindung  von Kapital  auf der  einen Seite,
       Wertsteigerung und Entwertung auf der andern als verschiedne Phä-
       nomene zu betrachten?
       Es fragt  sich zunächst:  Was verstehn  wir unter Freisetzung und
       Bindung von  Kapital? Wertsteigerung und Entwertung verstehn sich
       von selbst. Sie meinen nichts, als daß vorhandnes Kapital infolge
       irgendwelchen allgemeinen ökonomischen Umstände - denn es handelt
       sich nicht um besondre Schicksale eines beliebigen Privatkapitals
       - an  Wert zu- oder abnimmt; also daß der Wert des der Produktion
       vorgeschoßnen Kapitals,
       
       #121# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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       abgesehn von seiner Verwertung durch die von ihm angewandte Mehr-
       arbeit, steigt oder fällt.
       Unter Bindung  von Kapital  verstehn wir,  daß aus dem Gesamtwert
       des Produkts bestimmte gegebne Proportionen von neuem in die Ele-
       mente des  konstanten oder variablen Kapitals rückverwandelt wer-
       den müssen,  soll die  Produktion auf  ihrer  alten  Stufenleiter
       fortgehn. Unter  Freisetzung von  Kapital verstehn  wir, daß  ein
       Teil vom Gesamtwert des Produkts, der bisher entweder in konstan-
       tes oder  variables Kapital rückverwandelt werden mußte, disponi-
       bel und  überschüssig wird,  soll die  Produktion  innerhalb  der
       Schranken der  alten Stufenleiter  fortdauern. Diese  Freisetzung
       oder Bindung  von Kapital  ist verschieden  von Freisetzung  oder
       Bindung von  Revenue. Wenn der Jährliche Mehrwert für ein Kapital
       C z.B.  = x  ist, so kann infolge der Verwohlfeilerung von Waren,
       die in  den Konsum der Kapitalisten eingehn, x - a hinreichen, um
       dieselbe Masse  Genüsse etc. wie früher zu schaffen. Es wird also
       ein Teil  der Revenue  = a freigesetzt, der nun entweder zur Ver-
       größerung des  Konsums oder  zur Rückverwandlung  in Kapital (zur
       Akkumulation) dienen  kann. Umgekehrt:  Ist x  + a  erheischt, um
       dieselbe Lebensweise  fortzufahren, so  muß diese entweder einge-
       schränkt werden  oder ein  Einkommenteil =  a, der früher akkumu-
       liert wurde, muß nun als Revenue verausgabt werden.
       Die Wertsteigerung  und Entwertung  kann entweder konstantes oder
       variables Kapital oder beide treffen, und beim konstanten Kapital
       kann sie  wieder auf  den fixen oder den zirkulierenden Teil oder
       auf beide sich beziehn.
       Es sind  beim konstanten  Kapital zu  betrachten: Roh- und Hilfs-
       stoffe, wozu  auch Halbfabrikate  gehören, die wir hier unter dem
       Namen Rohstoiffe zusammenfassen, und Maschinerie und andres fixes
       Kapital.
       Es wurde  oben namentlich  Variation im Preis resp. Wert des Roh-
       stoffs mit Bezug auf seinen Einfluß auf die Profitrate betrachtet
       und das allgemeine Gesetz aufgestellt, daß bei sonst gleichen Um-
       ständen die Profitrate im umgekehrten Verhältnis zur Werthöhe des
       Rohstoiffs steht. Und dies ist unbedingt richtig für das Kapital,
       das neu  in einem Geschäft engagiert wird, wo also die Kapitalan-
       lage, die  Verwandlung von  Geld  in  produktives  Kapital,  erst
       stattfindet.
       Aber abgesehn  von diesem  in der  Neuanlage begrilffnen Kapital,
       befindet sich  ein großer Teil des schon fungierenden Kapitals in
       der Zirkulationssphäre,  während ein andrer Teil sich in der Pro-
       duktionssphäre befindet. Ein Teil ist als Ware auf dem Markt vor-
       handen und  soll in  Geld verwandelt  werden; ein andrer Teil ist
       als Geld, in welcher Form immer,
       
       #122# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrweirts in Profit usw.
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       vorhanden und  soll in  die Produktionsbedingungen rückverwandelt
       werden; ein dritter Teil endlich befindet sich innerhalb der Pro-
       duktionssphäre, teils in der ursprünglichen Form der Produktions-
       mittel, Rohstoff,  Hilfsstoff, auf dem Markt gekauftes Halbfabri-
       kat, Maschinerie  und andres fixes Kapital, teils als noch in der
       Anfertigung begriffnes  Produkt. Wie  Wertsteigerung oder Entwer-
       tung hier  wirkt, hängt  sehr ab  von der Proportion, worin diese
       Bestandteile zueinander  stehn lassen  wir, zur Vereinfachung der
       Frage, alles  fixe Kapital  zunächst ganz  aus dem  Spiel und be-
       trachten wir  nur den  aus Rohstoffen, Hilfsstoffen, Halbfabrika-
       ten, in  der Anfertigung  beffnen und  fertigen auf dem Markt be-
       findlichen Waren bestehenden Teil des konstanten Kapitals.
       Steigt der  Preis des  Rohstoffs, z.B.  der Baumwolle,  so steigt
       auch der Preis der Baumwollenwaren - der Halbfabrikate, wie Garn,
       und der  fertigen Waren,  wie Gewebe etc. -, die mit wohlfeilerer
       Baumwolle fabriziert  wurden; ebenso  steigt der  Wert  der  noch
       nicht verarbeiteten,  auf Uger  vorhandnen, wie  der noch  in der
       Verarbeitung beghgnen Baumwolle. Letztre, weil sie durch Rückwir-
       kung Ausdruck von mehr Arbeitszeit wird, setzt dem Produkt, worin
       sie als  Bestandteil eingeht,  höhern Wert  zu als sie selbst ur-
       sprünglich besaß  und als der Kapitalist für sie gezahlt hat. Ist
       also eine  Erhöhung im  Preis des.  Rohstoffs begleitet von einer
       bedeutenden Masse  auf dem  Markt vorhandner  fertiger Ware,  auf
       welcher Stufe  der Vollendung  immer, so  steigt der  Wert dieser
       Ware, und  es findet  damit eine  Erhöhung im Wert des vorhandnen
       Kapitals statt. Dasselbe gilt für die in der Hand der Produzenten
       befindlichen Vorräte  an Rohstoff  etc. Diese Wertsteigerung kann
       den einzelnen Kapitalisten, oder auch eine ganze besondre Produk-
       tionssphäre des Kapitals, entschädigen oder mehr als entschädigen
       für den Fall der Profitrate, der aus der Preissteigerung des Roh-
       stoffs folgt.  Ohne hier  auf die Details der Konkurrenzwirkungen
       einzugehn, kann  iedoch der Vollständigkeit wegen bemerkt werden,
       daß 1.  wenn die  auf Lager befindlichen Vorräte von Rohstoff be-
       deutend sind,  sie der am Produktionsherd des Rohstoffs entstand-
       nen Preissteigerung entgegenwirken; 2. wenn die auf dem Markt be-
       findlichen Halbfabrikate  oder fertigen Waren sehr schwer auf dem
       Markt lasten, sie den Preis der fertigen Waren und des Halbfabri-
       kats hindern, in Verhältnis zum Preis ihres Rohstoffs zu wachsen.
       Umgekehrt beim  Preisfall des  Rohstoffs, der  bei sonst gleichen
       Umständen die  Profitrate erhöht.  Die auf dem Markt befindlichen
       Waren, die  noch in  der Anfertigung beffnen Artikel, die Vorräte
       von Rohstoff  werden entwertet und damit der gleichzeitigen Stei-
       gerung der Profitrate entgegengewirkt.
       
       #123# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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       Je geringer z.B. am Ende des Geschäftsjahrs, zur Zeit wo der Roh-
       stoff massenhaft  neu geliefert  wird, also bei Ackerbauprodukten
       nach der  Ernte, die  in der  Produktionssphäre und auf dem Markt
       befindlichen Vorräte, desto reiner tritt die Wirkung einer Preis-
       veränderung im Rohstoff hervor.
       In unsrer ganzen Untersuchung wird ausgegangen von der Vorausset-
       zung, daß  Erhöhung oder  Erniedrigung der  Preise Ausdrücke  von
       wirklichen Wertschwankungen  sind. Da  es sich  hier aber  um die
       Wirkung handelt,  die diese  Preisschwankungen auf die Profitrate
       hervorbringen, So  ist es  in der Tat gleichgültig, worin sie be-
       gründet sind;  das hier Entwickelte gilt also ebenfalls, wenn die
       Preise steigen  und fällen  infolge nicht  von  Wertschwankungen,
       sondern von Einwirkungen des Kreditsystems, der Konkurrenz etc.
       Da die  Profitrate gleich ist dem Verhältnis des Überschusses des
       Werts des  Produkts zum Wert des vorgeschoßnen Gesamtkapitals, so
       wäre eine  Erhöhung der  Profitrate, die aus einer Entwertung des
       vorgeschoßnen Kapitals  hervorginge, mit  Verlust an  Kapitalwert
       verbunden, ebenso eine Erniedrigung der Profitrate, die aus Wert-
       steigerung des vorgeschoßnen Kapitals hervorginge, möglicherweise
       mit Gewinn.
       Was den  andere Teil  des konstanten Kapitals angeht, Maschinerie
       und überhaupt  fixes Kapital,  so sind  die Wertsteigerungen, die
       hier stattfinden und sich namentlich auf Baulichkeiten, auf Grund
       und Boden  etc. beziehn, nicht darstellbar ohne die Lehre von der
       Grundrente und  gehören daher  nicht hierher.  Für die Entwertung
       aber sind von allgemeiner Wichtigkeit:
       1. Die  beständigen Verbesserungen, welche vorhandne Maschinerie,
       Fabrikeinrichtung usw.  relativ ihres  Gebrauchswerts  und  damit
       auch ihres  Werts berauben. Dieser Prozeß wirkt gewaltsam nament-
       lich in  der ersten  Epoche neu  eingeführter Maschinerie,  bevor
       diese einen bestimmten Grad der Reife erlangt hat, und wo sie da-
       her beständig antiquiert ist, bevor sie Zeit hatte, ihren Wert zu
       reproduzieren. Es  ist dies  einer der Gründe der in solchen Epo-
       chen üblichen,  maßlosen Verlängerung der Arbeitszeit, des Arbei-
       tens mit wechselnder Schicht bei Tag und bei Nacht, damit in kür-
       zerm Zeitraum, ohne den Verschleiß der Maschinerie zu hoch zu be-
       rechnen, ihr Wert sich reproduziert. Wird dagegen kurze Wirkungs-
       zeit der  Maschinerie (ihre  kurze Lebensfrist  gegenüber voraus-
       sichtlichen Verbesserungen) nicht so ausgeglichen, so gibt sie zu
       viel Wertteil  für moralischen  Verschleiß an  das Produkt ab, so
       daß sie selbst mit der Handarbeit nicht konkurrieren kann. 15)
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       15) Beispiele u.a. bei Babbage [18]. Das gewöhnliche Mlfsmittel -
       Herabsetzung des
       
       #124# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       Wenn Maschinerie,  Einrichtung der  Baulichkeiten, überhaupt  das
       fixe Kapital,  eine gewisse Reife erlangt hat, so daß es für län-
       gre  Zeit  wenigstens  in  seiner  Grundkonstruktion  unverändert
       bleibt, so  tritt eine  ähnliche. Entwertung ein infolge von Ver-
       besserungen in  den Methoden  der Reproduktion dieses fixen Kapi-
       tals. Der  Wert der  Maschinerie etc. sinkt jetzt, nicht weil sie
       rasch verdrängt  oder in  gewissern  Grad  entwertet  wird  durch
       neuere, produktivere  Maschinerie etc.,  sondern weil  sie  jetzt
       wohlfeiler reproduziert  werden  kann.  Es  ist  dies  einer  der
       Gründe, warum  große Geschäftsanlagen,  oft erst  in zweiter Hand
       florieren, nachdem  der erste  Besitzer Bankrott  gemacht und der
       zweite, der  sie wohlfeil angekauft, deshalb von vornherein seine
       Produktion mit geringrer Kapitalauslage beginnt.
       Bei der  Agrikultur speziell  springt in die Augen, daß dieselben
       Gründe, die  den Preis des Produkts erhöhen oder senken, auch den
       Wert des  Kapitals erhöhen  oder senken,  weil  dies  selbst  zum
       großen Teil aus jenem Produkt, Korn, Vieh etc. besteht. (Ricardo.
       [19])
       
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       Es wäre nun noch zu erwähnen das variable Kapital.
       Soweit der Wert der Arbeitskraft steigt, weil der Wert der zu ih-
       rer Reproduktion  erheischten Lebensttel  steigt, oder  umgekehrt
       fällt, weil  der Wert dieser Lebensmittel fällt - und Wertsteige-
       rung und  Entwertung des variablen Kapitals drücken weiter nichts
       aus als diese beiden Fälle -, so entspricht, bei gleichbleibender
       Länge des Arbeitstags, Fallen des Mehrwerts dieser Wertsteigerung
       und Wachsen des Mehrwerts dieser Entwertung. Aber es können hier-
       mit zugleich  auch andre  Umstände -  Freisetzung und Bindung von
       Kapital -  verbunden sein, die vorher nicht untersucht wurden und
       die jetzt kurz angegeben werden sollen.
       Sinkt der  Arbeitslohn infolge  eines Wertfalls  der Arbeitskraft
       (womit sogar  Steigen im  realen Preis  der Arbeit verbunden sein
       kann), so wird also ein Teil des Kapitals, der bisher in Arbeits-
       lohn ausgelegt war, freigesetzt. Es findet Freisetzung von varia-
       blem Kapital statt. Für neu anzulegendes Kapital hat dies einfach
       die Wirkung,  daß es mit erhöhter Rate des Mehrwerts arbeitet. Es
       wird mit weniger Geld als früher dasselbe Quantum Arbeit in Bewe-
       gung gesetzt,  und so  erhöht sich der unbezahlte Teil der Arbeit
       auf Kosten  des bezahlten.  Aber für bisher beschäftigtes Kapital
       erhöht sich  nicht nur  die Rate  des Mehrwerts, sondern außerdem
       wird ein
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       Arbeitslohns -  wird auch  hier angewandt, und so wirkt diese be-
       ständige Entwertung ganz anders als Herr Carey in seinem harmoni-
       schen Gehirn träumt.
       
       #125# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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       Teil des  bisher in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals frei. Er war
       bisher gebunden  und bildete  einen ständigen Teil, der vom Erlös
       des Produkts  abging, in  Arbeitslohn ausgelegt  werden, als  va-
       riables Kapital  fungieren mußte, sollte das Geschäft auf der al-
       ten Stufenleiter  fortgehn. Jetzt wird dieser Teil disponibel und
       kann also  benutzt werden  als neue Kapitalanlage, sei es zur Er-
       weiterung desselben  Geschäfts, sei  es zur Funktion in einer an-
       dern Produktionssphäre.
       Nehmen wir z.B. an, es seien anfänglich 500 Pfd.St. erheischt ge-
       wesen, um  500 Arbeiter wöchentlich in Bewegung zu setzen, und es
       seien jetzt  nur noch  400 Pfd.St. dazu erheischt. Dann war, wenn
       die Masse  des produzierten  Werts beidemal  = 1000  Pfd.St., die
       Masse des wöchentlichen Mehrwerts das erstemal = 500 Pfd.St., die
       Mehrwertsrate 500/500  = 100%; aber nach der Lohnsenkung wird die
       Masse des  Mehrwerts 1000 Pfd.St. - 400 Pfd.St. = 600 Pfd.St. und
       seine Rate  600/400 =  150%. Und diese Erhöhung der Mehrwertsrate
       ist die  einzige Wirkung für den, der mit einem variablen Kapital
       von 400  Pfd.St. und  entsprechendem konstanten Kapital ein neues
       Geschäft in derselben Produktionssphäre anlegt. Aber in einem be-
       reits fungierenden  Geschäft ist in diesem Fall nicht nur infolge
       der Entwertung  des variablen Kapitals die Mehrwertsmasse von 500
       auf 600  Pfd. St.  und die Mehrwertsrate von 100 auf 150% gestie-
       gen; es  sind außerdem  100 Pfd.St. vom variablen Kapital freige-
       setzt, mit  denen wieder Arbeit exploitiert werden kann. Dieselbe
       Arbeitsmenge wird  also nicht nur vorteilhafter exploitiert, son-
       dern es  können auch  durch die  Freisetzung der  100 Pfd.St. mit
       demselben variablen Kapital von 500 Pfd.St. mehr Arbeiter als zu-
       vor zu der erhöhten Rate exploitiert werden.
       Nun umgekehrt.  Gesetzt, das  ursprüngliche Verhältnis  der  Pro-
       duktverteilung, bei  500 beschäftigten  Arbeitern, sei  = 400v  +
       600m = 1000, also die Rate des Mehrwerts = 150%. Der Arbeiter er-
       hält also  hier wöchentlich 4/5 Pfd.St. = 16 Schillinge. Wenn in-
       folge der  Wertsteigerung des variablen Kapitals 500 Arbeiter nun
       wöchentlich 500  Pfd.St. kosten, so wird der Wochenlohn eines je-
       den = 1 Pfd.St., und 400 Pfd.St. können nur 400 Arbeiter in Bewe-
       gung setzen.  Wird also dieselbe Arbeiteranzahl wie bisher in Be-
       wegung gesetzt,  so haben  wir 500v  + 500m  = 1000; die Rate des
       Mehrwerts wäre  gesunken von  150 auf  100%, also um 1/3. Für ein
       neu anzulegendes  Kapital wäre  dies die einzige Wirkung, daß die
       Rate des  Mehrwerts geringer  wäre. Bei  sonst gleichen Umständen
       wäre die  Profitrate entsprechend  gesunken, wenn  auch nicht  im
       selben Verhältnis. Wenn
       
       #126# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       z.B. c  = 2000,  so haben wir in einem Fall 2000c + 400v + 600m =
       3000. m'  = 150%,  p' =  600/2400 =  25%. Im zweiten Fall 2000c +
       500v +  500m =  3000, m' = 100%; p' = 500/2500 = 20%. Dagegen für
       das bereits  engagierte Kapital wäre die Wirkung doppelt. Mit 400
       Pfd.St. variablem  Kapital können jetzt nur 400 Arbeiter beschäf-
       tigt werden,  und zwar zu einer Mehrwertsrate von 100%. Sie geben
       also nur  einen Gesamtmehrwert von 400 Pfd.St. Da ferner ein kon-
       stantes Kapital vom Wert von 2000 Pfd.St. 500 Arbeiter erfordert,
       um es  in Bewegung zu setzen, so setzen 400 Arbeiter nur ein kon-
       stantes Kapital  zum Wert von 1600 Pfd.St. in Bewegung. Soll also
       die Produktion auf der bisherigen Stufe fortgeführt und nicht 1/5
       der Maschinerie  stillgesetzt werden, so muß das variable Kapital
       um 100 Pfd.St. erhöht werden, um nach wie vor 500 Arbeiter zu be-
       schäftigen; und dies ist nur möglich dadurch, daß bisher disponi-
       bles Kapital  gebunden wird, indem ein Teil der Akkumulation, der
       zur Ausdehnung  dienen sollte,  jetzt bloß  zur Ausfüllung  dient
       oder ein  zur Verausgabung  als Revenue bestimmter Teil dem alten
       Kapital zugeschlagen  wird. Mit  einer um  100 Pfd.St. vermehrten
       Auslage an  variablem Kapital wird dann 100 Pfd.St. weniger Mehr-
       wert produziert.  Um dieselbe Anzahl Arbeiter in Bewegung zu set-
       zen, ist  mehr Kapital  nötig, und zugleich ist der Mehrwert ver-
       ringert, den jeder einzelne Arbeiter liefert.
       Die Vorteile, die aus der Freisetzung, und die Nachteile, die aus
       der Bindung  von variablem  Kapital hervorgehn,  existieren beide
       nur für  das schon engagierte und daher sich in gegebnen Verhält-
       nissen reproduzierende  Kapital. Für neu anzulegendes Kapital be-
       schränkt sich der Vorteil auf der einen, der Nachteil auf der an-
       dern Seite auf Erhöhung resp. Erniedrigung der Rate des Mehrwerts
       und entsprechenden,  wenn auch keineswegs proportionellen Wechsel
       der Rate des Profits.
       
                                     ---
       
       Die eben  untersuchte Freisetzung und Bindung von variablem Kapi-
       tal ist  die Folge von Entwertung und Wertsteigerung der Elemente
       des variablen Kapitals, d.h. der Reproduktionskosten der Arbeits-
       kraft. Es  könnte aber auch variables Kapital freigesetzt werden,
       wenn infolge  der Entwicklung der Produktivkraft, bei gleichblei-
       bender Rate  des Arbeitslohns, weniger Arbeiter erheischt werden,
       um dieselbe  Masse konstantes  Kapital  in  Bewegung  zu  setzen.
       Ebenso kann umgekehrt Bindung von zusätzlichem variablerr Kapital
       stattfinden, wenn infolge von Abnahme der Produktivkraft
       
       #127# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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       der Arbeit  mehr Arbeiter  erheischt sind auf dieselbe Masse kon-
       stantes Kapital.  Wenn dagegen  ein Teil  des früher als variabel
       angewandten Kapitals  in Form von konstantem angewandt wird, also
       nur veränderte  Verteilung zwischen  den Bestandteilen  desselben
       Kapitals stattfindet,  so hat  dies zwar Einfluß auf die Rate des
       Mehrwerts wie des Profits, aber gehört nicht in die hier betrach-
       tete Rubrik der Bindung und Freisetzung von Kapital.
       Konstantes Kapital  kann, wie wir schon sahen, ebenfalls gebunden
       oder entbunden  werden infolge der Wertsteigerung oder Entwertung
       der Elemente,  aus denen  es besteht.  Hiervon abgesehn,  ist nur
       Bindung desselben  möglich (ohne  daß etwa ein Teil des variablen
       in konstantes  verwandelt wird),  wenn die Produktivkraft der Ar-
       beit zunimmt,  also dieselbe Arbeitsmasse größres Produkt erzeugt
       und daher  mehr konstantes  Kapital in  Bewegung setzt.  Dasselbe
       kann unter  gewissen Umständen  stattfinden, wenn  die Produktiv-
       kraft abnimmt,  wie z.B.  im Ackerbau,  so daß  dieselbe Arbeits-
       menge, um  dasselbe Produkt  zu erzeugen,  mehr Produktionsmittel
       bedarf, z.B.  größere Aussaat  oder Düngung, Dränierung etc. Ohne
       Entwertung kann konstantes Kapital freigesetzt werden, wenn durch
       Verbesserungen, Anwendung  von Naturkräften  etc. ein  konstantes
       Kapital von  geringerrn Wert in den Stand gesetzt wird, technisch
       denselben Dienst zu leisten, wie früher ein höherwertiges.
       Man hat im Buch II gesehn, daß, nachdem die Waren in Geld verwan-
       delt, verkauft  sind, ein bestimmter Teil dieses Geldes wieder in
       die stofflichen  Elemente des  konstanten Kapitals rückverwandelt
       werden muß,  und zwar in den Verhältnissen, wie sie der bestimmte
       technische Charakter  jeder gegebnen Produktionssphäre erheischt.
       Hier ist in allen Zweigen vom Arbeitslohn, also vom variablen Ka-
       pital abgesehn  - das  wichtigste Element  der Rohstoff, mit Ein-
       schluß der  Hilfsstoffe, die  namentlich wichtig  in Produktions-
       zweigen, wo kein eigentlicher Rohstoff eingeht, wie in Bergwerken
       und der  extraktiven Industrie  überhaupt. Der  Teil des Preises,
       der den Verschleiß der Maschinerie ersetzen muß, geht mehr ideell
       in die Rechnung ein, solange die Maschinerie überhaupt noch werk-
       fähig ist;  es kommt  nicht sehr darauf an, ob er heute oder mor-
       gen, oder  in welchem Abschnitt der Umschlagszeit des Kapitals er
       gezahlt und in Geld ersetzt wird. Anders mit dem Rohstoff. Steigt
       der Preis des Rohstoffs, so mag es unmöglich sein, ihn nach Abzug
       des Arbeitslohns  aus dem  Wert der Ware vollständig zu ersetzen.
       Heftige Preisschwankungen  bringen daher  Unterbrechungen,  große
       Kollisionen und  selbst Katastrophen  im Reproduktionsprozeß her-
       vor. Es sind namentlich eigentliche Agrikulturprodukte, der orga-
       nischen Natur  entstammende Rohstoffe, die solchen Wertschwankun-
       gen
       
       #128# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwert, in Profit usw.
       -----
       infolge wechselnder  Ernteerträge etc.  - hier noch ganz vom Kre-
       ditsystem abgesehn  - unterworfen  sind. Dasselbe  Quantum Arbeit
       kann sich  hier infolge unkontrollierbarer Naturverhältnisse, der
       Gunst oder  Ungunst der  Jahreszeiten usw.,  in sehr verschiednen
       Mengen von  Gebrauchswerten darstellen,  und ein  bestimmtes  Maß
       dieser Gebrauchswerte  wird darnach einen sehr verschiednen Preis
       haben. Stellt sich der Wert x in 100 Pfund der Ware a dar, so ist
       der Preis  von einem  Pfund von a ; wenn in 1000 Pfund a, 100 ist
       der Preis eines Pfundes von a usw. Es ist dies also das eine Ele-
       ment dieser Preisschwankungen des Rohstoffs. Ein zweites, das nur
       der Vollständigkeit  wegen hier  erwähnt wird - da die Konkurrenz
       wie das Kreditsystem hier noch außer dem Kreis unsrer Betrachtung
       liegt -,  ist in  der Natur  der Sache begründet, daß pflanzliche
       und tierische  Stoffe, deren  Wachstum und  Produktion bestimmten
       organischen, an  gewisse natürliche  Zeiträume gebundnen Gesetzen
       unterworfen sind,  nicht plötzlich in demselben Maß vermehrt wer-
       den können,  wie z.B. Maschinen und andres fixes Kapital, Kohlen,
       Erze etc..  deren Vermehrung, die sonstigen Naturbedingungen vor-
       ausgesetzt, in  einem industriell  entwickelten Land in kürzester
       Frist vor sich gehn kann. Es ist daher möglich und bei entwickel-
       ter kapitalistischer Produktion sogar unvermeidlich, daß die Pro-
       duktion und Vermehrung des Teils des konstanten Kapitals, der aus
       fixem Kapital,  Maschinerie etc.  besteht, einen bedeutenden Vor-
       sprung gewinnt  vor dem  Teil desselben, der aus organischen Roh-
       stollen besteht,  so daß  die Nachfrage  nach  diesen  Rohstoffen
       schneller wächst als ihre Zufuhr und daher ihr Preis steigt. Dies
       Steigen des  Preises führt in der Tat nach sich 1. daß diese Roh-
       stoffe aus  größrer Entfernung  zugeführt werden, indem der stei-
       gende Preis  größre Transportkosten  deckt; 2. daß die Produktion
       derselben vermehrt  wird, ein Umstand, welcher, der Natur der Sa-
       che nach, aber vielleicht erst ein Jahr später die Produktenmasse
       wirklich vermehren  kann; und  3. daß  allerlei früher unbenutzte
       Surrogate vernutzt  und ökonomischer  mit den Abfällen umgegangen
       wird. Wenn  das Steigen der Preise anfängt, sehr merklich auf die
       Ausdehnung der  Produktion und  die Zufuhr  zu wirken,  ist meist
       schon der  Wendepunkt eingetreten,  wo infolge des länger fortge-
       setzten Steigens  des Rohstoffs  und aller  Waren, in  die er als
       Element eingeht, die Nachfrage fällt und daher auch eine Reaktion
       im Preis  des Rohstoffs  eintritt. Abgesehn von den Konvulsionen,
       die dies  durch Entwertung von Kapital in verschiednen Formen be-
       wirkt, treten noch andre gleich zu erwähnende Umstände ein.
       
       #129# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
       -----
       Zunächst ist  aber schon aus dem bisher Gesagten klar: Je entwic-
       kelter die  kapitalistische Produktion  und je  größer daher  die
       Mittel plötzlicher und anhaltender Vermehrung des aus Maschinerie
       usw. bestehenden  Teils des  konstanten Kapitals,  je rascher die
       Akkumulation (wie  namentlich in  Zeiten der  Prosperität), desto
       größer die  relative Überproduktion  von Maschinerie  und  andrem
       fixem Kapital und desto häufiger die relative Unterproduktion der
       pflanzlichen und  tierischen Rohstoffe, desto markierter das vor-
       her beschriebne  Steigen ihres  Preises und  der diesem  entspre-
       chende Rückschlag.  Desto häufiger sind also die Revulsionen, die
       in dieser  heftigen Preisschwankung  eines der  Hauptelemente des
       Reproduktionsprozess ihren Grund haben.
       Tritt nun  aber der  Zusammenbruch dieser  hohen Preise ein, weil
       ihr Steigen  teils eine Vernünderung der Nachfrage hervorgerufen,
       teils aber  eine Erweiterung der Produktion hier, eine Zufuhr von
       entferntem und  bisher weniger oder gar nicht benutzten Produkti-
       onsgegenden dort verursacht hat und mit beiden eine die Nachfrage
       überholende Zufuhr  der Rohstoffe - sie namentlich überholend bei
       den alten  hohen Preisen  -, so ist das Resultat von verschiednen
       Gesichtspunkten zu  betrachten. Der  plötzliche Zusammenbruch des
       Preises der  Rohprodukte legt  ihrer Reproduktion einen Hemmschuh
       an, und  so wird  das Monopol  der Ursprungsländer, die unter den
       günstigsten Bedingungen  produzieren, wieder  hergestellt;  viel-
       leicht unter gewissen Einschränkungen hergestellt, aber doch her-
       gestellt. Die  Reproduktion der  Rohstoffe geht  zwar infolge des
       gegebnen Anstoßes  auf erweiterter Stufenleiter vor sich, nament-
       lich in  den Ländern,  die mehr  oder weniger  das Monopol dieser
       Produktion besitzen.  Aber die  Basis, auf der infolge der erwei-
       terten Maschinerie etc. die Produktion vor sich geht, und die nun
       nach einigen  Schwankungen als neue normale Basis, als neuer Aus-
       gangspunkt zu  gelten hat,  ist sehr erweitert durch die Vorgänge
       während des letzten Umschlagszyklus. Dabei hat aber in einem Teil
       der sekundären  Bezugsquellen die eben erst gesteigerte Reproduk-
       tion wieder bedeutende Hemmung erfahren. So kann man z.B. aus den
       Exporttabellen mit  den Fingern  herauszeigen,  wie  während  der
       letzten 30  Jahre  (bis  1865)  die  indische  Baumwollproduktion
       wächst, wenn  Ausfall in  der amerikanischen  eintritt, und  dann
       plötzlich wieder  mehr oder minder nachhaltig zurückgeht. Während
       der Zeit der Rohstoffteurung tun sich die industriellen Kapitali-
       sten zusammen,  bilden Assoziationen,  um die Produktion zu regu-
       lieren. So  z.B. nach dem Steigen der Baumwollpreise 1848 in Man-
       chester, ähnlich  für die  Produktion des Flachses in Irland. So-
       bald aber  der unmittelbare Anstoß vorüber ist und das allgemeine
       Prinzip der Konkurrenz, "im wohlfeilsten
       
       #130# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       Markt zu  kaufen" (statt  wie jene  Assoziationen bezwecken,  die
       Produktionsfähigkeit in  Passenden Ursprungsländern  zu begünsti-
       gen, abgesehn  vom unmittelbaren,  augenblicklichen  Preis,  wozu
       diese das Produkt derzeit liefern können) - sobald also das Prin-
       zip der Konkurrenz wieder souverän herrscht, überläßt man es wie-
       der dem  Preise, die  Zufuhr zu  regulieren. Aller Gedanke an ge-
       meinsame, übergreifende  und vorgehende  Kontrolle der Produktion
       der Rohstoffe  - eine  Kontrolle, die  im ganzen  und großen auch
       durchaus unvereinbar  ist mit  den Gesetzen  der kapitalistischen
       Produktion, und  daher immer  frommer Wunsch bleibt oder sich auf
       ausnahmsweise gemeinsame  Schritte in  Augenblicken großer unmit-
       telbarer Gefahr  und Ratlosigkeit  beschränkt -  macht Platz  dem
       Glauben, daß  Nachfrage und  Zufuhr sich  gegenseitig  regulieren
       werden. 16) Der Aberglaube der Kapitalisten ist hier so grob, daß
       selbst die Fabrikinspektoren wieder und wieder in ihren Berichten
       dar die  Hände über  dem Kopf  zusammenschlagen. Die  Abwechslung
       guter und  schlechter Jahre bringt natürlich auch wieder wohlfei-
       lere Rohstoffe  hervor. Abgesehn  von der  unmittelbaren Wirkung,
       die dies auf Ausdehnung der Nachfrage hat, kommt hinzu die früher
       erwähnte Wirkung  auf die Profitrate, als Stimulus. Und der obige
       Prozeß mit  dem allmählichen  überholtwerden der  Produktion  der
       Rohstoffe durch  die Produktion  von Maschinerie  etc. wiederholt
       sich dann  auf größrer  Stufenleiter. Die  wirkliche Verbesserung
       des Rohstoffs,  so daß  er nicht  nur der Quantität, sondern auch
       der erheischten Qualität nach
       -----
       16) Seit obiges geschrieben wurde (1865), hat sich die Konkurrenz
       auf dem  Weltmarkt bedeutend gesteigert durch die rapide Entwick-
       lung der  Industrie in allen Kulturländern, namentlich in Amerika
       und Deutschland. Die Tatsache, daß die rasch und riesig anschwel-
       lenden modernen Produktivkräfte den Gesetzen des kapitalistischen
       Warenaustausches, innerhalb  deren sie  sich bewegen sollen, täg-
       lich mehr  über den  Kopf wachsen  - diese  Tatsache dringt  sich
       heute auch  dem Bewußtsein  der Kapitalisten selbst mehr und mehr
       auf. Dies zeigt sich namentlich in zwei Symptomen. Erstens in der
       neuen allgemeinen Schutzzollmanie, die sich von der alten Schutz-
       zöllnerei besonders dadurch unterscheidet, daß sie gerade die ex-
       portfähigen Artikel am meisten schätzt. Zweitens in den Kartellen
       (Trusts) der Fabrikanten ganzer großer Produktionssphären zur Re-
       gulierung der Produktion und damit der Preise und Profite. Es ist
       selbstredend, daß  diese Experimente  nur bei  relativ  günstigem
       ökonomischen Wetter  durchführbar sind.  Der erste  Sturm muß sie
       über den  Haufen werfen  und beweisen, daß, wenn auch die Produk-
       tion einer  Regulierung bedarf,  es sicher nicht die Kapitalisten
       ist, die  dazu berufen  ist. Inzwischen  haben diese Kartelle nur
       den Zweck,  dafür zu sorgen. daß die Kleinen noch rascher von den
       Großen verspeist werden als bisher. - F.E.
       
       #131# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
       -----
       geliefert würde,  z.B. Baumwolle  amerikanischer Qualität von In-
       dien aus,  würde erheischen  lang fortgesetzte,  regelmäßig wach-
       sende und  stetige europäische  Nachfrage (ganz  abgesehn von den
       ökonomischen Bedingungen, worunter der indische Produzent in sei-
       ner Heimat  gestellt ist). So aber wird die Produktionssphäre der
       Rohstoffe nur  stoßweise, bald  plötzlich erweitert,  dann wieder
       gewaltsam kontrahiert.  Es ist dies alles, wie auch der Geist der
       kapitalistischen Produktion  überhaupt, sehr  gut zu studieren an
       der Baumwollennot  von 1861-1865,  wo noch hinzukam, daß ein Roh-
       stoff zeitweis  ganz fehlte, der eins der wesentlichsten Elemente
       der Reproduktion  ist. Es  kann nämlich  auch der  Preis steigen,
       während die  Zufuhr voll  ist, aber unter schwierigem Bedingungen
       voll. Oder  es kann wirklicher Mangel an Rohstoff vorhanden sein.
       In der Baumwollkrisis fand ursprünglich das letztre statt.
       Je mehr  wir daher in der Geschichte der Produktion der unmittel-
       barsten Gegenwart näherrücken, um so regelmäßiger finden wir, na-
       mentlich in  den entscheidenden  Industriezweigen, den stets sich
       wiederholenden Wechsel zwischen relativer Teurung und daraus ent-
       springender, spätrer  Entwertung der  der organischen  Natur ent-
       lehnten Rohstoffe.  Man wird  das bisher  Entwickelte illustriert
       finden in den folgenden, den Berichten der Fabrikinspektoren ent-
       lehnten Beispielen.
       Die Moral  von der  Geschichte, die  man auch  durch sonstige Be-
       trachtung der  Agrikultur gewinnen kann, ist die, daß das kapita-
       listische System  einer rationellen  Agrikultur widerstrebt  oder
       die rationelle  Agrikultur unverträglich ist mit dem kapitalisti-
       schen System  (obgleich dies  ihre technische  Entwicklung beför-
       dert) und  entweder der  Hand des  selbst arbeitenden Kleinbauern
       oder der Kontrolle der ass oziie rten Produzenten bedarf.
       
                                     ---
       
       Wir lassen nun die soeben erwähnten Illustrationen aus den engli-
       schen Fabrikberichten folgen.
       
       "Der Stand  des Geschäfts  ist besser;  aber der Zyklus guter und
       schlechter Zeiten  verkürzt sich mit der Vermehrung der Maschine-
       rie, und  wie sich  damit die  Nachfrage nach  Rohstoff vermehrt,
       wiederholen sich  auch die  Schwankungen in  der Geschäfts häufi-
       ger... Augenblicklich  ist nicht  nur das  Vertrauen wiederherge-
       stellt nach  der Panik von 1857, sondern die Panik selbst scheint
       fast ganz  vergessen.. Ob  diese  Besserung  anhalten  wird  oder
       nicht, hängt  in sehr  großem Maß ab vorn Preis der Rohstoffe. Es
       zeigen sich mir bereits Vorzeichen, daß in einigen Fällen das Ma-
       ximum schon  erreicht ist,  worüber hinaus  die Fabrikation immer
       weniger profitlich  wird, bis sie endlich ganz aufhört, Profit zu
       liefern. Nehmen wir z.B. die gewinnreichen Jahre im
       
       #132# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       Worsted-Geschäft 1849 und 1850, so sehn wir, daß der Preis engli-
       scher Kammwolle,  auf 13 d. stand und von australischer 14 bis 17
       d. per  Pfund, und daß im Durchschnitt der 10 Jahre 1841-1850 der
       Durchschnittspreis englischer  Wolle nie über 14 d. und australi-
       scher über  17 d.  per Pfund stieg. Ab er im Anfang des Unglücks-
       jahrs 1857 stand australische Wolle auf 23 d.; sie fiel im Dezem-
       ber, in  der schlimmsten  Zeit der  Panik, auf 18 d., ist aber im
       Lauf des Jahres 1858 wieder auf den gegenwärtigen Preis von 21 d.
       gestiegen. Englische  Wolle fing  1857 ebenfalls  mit 20  d.  an,
       stieg im  April und  September auf 21 d., fiel im Januar 1858 auf
       14 d.  und ist  seitdem auf  17 d. gestiegen, so daß sie 3 d. per
       Pfund höher steht als der Durchschnitt der angefürten 10 Jahre...
       Dies zeigt  nach meiner  Ansicht, daß entweder die Fallimente von
       1857, die  ähnlichen Preisen  geschuldet waren,  vergessen  sind;
       oder daß  nur knapp  so viel  Wolle produziert wird, wie die vor-
       handnen Spindeln  verspannen können; oder aber daß die Preise von
       Geweben eine dauernde Steigerung erfahren werden... Ich habe aber
       in meiner  bisherigen Erfahrung gesehn, wie in unglaublich kurzer
       Zeit die  Spindeln und  Webstühle nicht nur ihre Zahl vervielfäl-
       tigt haben, sondern auch ihre Betriebsgeschwindigkeit; daß ferner
       unsre Wollausfuhr  nach Frankreich  fast in  demselben Verhältnis
       gestiegen ist,  während sowohl  im In-  wie im Ausland das Durch-
       schnittsalter der  gehaltnen Schafe  immer niedriger wird, da die
       Bevölkerung sich rasch vermehrt und die Züchter ihren Viehbestand
       so rasch  wie möglich in Geld verwandeln wollen. Es ist mir daher
       oft ängstlich zumute gewesen, wenn ich Leute sah, die, ohne diese
       Kenntnis, ihr Geschick und ihr Kapital in Unternehmungen angelegt
       haben, deren  Erfolg von  der Zufuhr  eines Produkts abhängt, das
       nur nach gewissen organischen Gesetzen sich vermehren kann... Der
       Stand von  Nachfrage und  Zufuhr aller Rohstoffe... scheint viele
       Schwankunen im Baumwollengeschäft zu erklären und ebenso die Lage
       des englischen  Wollmarkts im Herbst 1857 und die daraus folgende
       Geschäftskrisis." 17  (R. Baker in Rep. Fact., Oct. 1858", p. 56-
       61.)
       
       Die Blütezeit der Worsted-Industrie des West Riding von Yorkshire
       war 1849/50.  Es wurden dort hierin beschäftigt 1838  29 246 Per-
       sonen, 1843  37 060, 1845  48 097, 1850  74 891. In demselben Di-
       strikt: 1838  2768 mechanische  Webstühle,  1841    11 458,  1843
       16 870, 1845   19 121  und 1850   29 539.  ("Rep.  Fact.,  [Oct.]
       1850", p.  60.) Diese Blüte der Kammwollindustrie fing an bereits
       im Oktober  1850 verdächtig  zu werden. Im Bericht vom April 1851
       sagt Subinspektor Baker über Leeds und Bradford:
       
       "Der Stand  des Geschäfts  ist seit einiger Zeit sehr unbefriedi-
       gend. Die  Kammgarnspinner verlieren  rasch die Profite von 1850,
       und die  Mehrzahl der Weber kommt auch nicht besonders voran. Ich
       glaube, daß  augenblicklich mehr Wollenmaschinerie stillsteht als
       je vorher, und auch die Machsspinner entlassen Arbeiter und stel-
       len Maschinen
       ---
       17) Es versteht sich, daß wir nicht, mit Herrn Baker, die Wollen-
       krisis von  1857 aus  dem Mißverhältnis  der Preise zwischen Roh-
       stoff und  Fabrikat  e r k l ä r e n.  Dies Verhältnis war selbst
       nur ein Symptom, und die Krise eine allgemeine. - F. E.
       
       #133# 6. Kapitel - Wirkung von Preise
       -----
       still. Die  Zyklen der  Textilindustrie sind jetzt in der Tat äu-
       ßerst ungewiß,  und wir werden, denke ich, bald zur Einsicht kom-
       men... daß  kein Verhältnis eingehalten wird zwischen der Produk-
       tionsfähigkeit der Spindeln, der Menge des Rohstoffs und der Ver-
       mehrung der Bevölkerung." (p. 52.)
       
       Dasselbe gilt  für die  Baumwollindustrie. In  dem eben zitierten
       Bericht von Oktober 1858 heißt es:
       
       "Seitdem die  Arbeitsstunden in Fabriken festgesetzt worden, sind
       die Beträge  des Rohstoffverbrauchs, der Produktion, der Löhne in
       allen Textilindustrien  auf einfache  Regeldetri  reduziert  wor-
       den... Ich  zitiere aus  einem  neulichen  Vortrag...  des  Herrn
       Baynes, des  jetzigen Mayor von Blackburn, über die Baumwollindu-
       strie, worin  er die  industrielle Statistik seiner eignen Gegend
       mit möglichstes Genauigkeit zusammengestellt:
       'Jede wirkliche  Pferdekraft bewegt 450 self-actor-Spindeln nebst
       Vorspinnmaschinerie oder 200 throstle-Spindeln oder 15 Stühle für
       40 Zoll  breites Tuch,  nebst Haspel., Scherungs- und Schlichtma-
       schinerie. Jede Pferdekraft beschäftigt beim Spinnen 2 1/2 Arbei-
       ter, beim  Weben aber  10; ihr Durchschnittslohn ist reichlich 10
       1/2 sh. per Kopf per Woche... Die verarbeiteten Durchschnittsnum-
       mern sind  Nr. 30-32  für die  Kette und  Nr. 34-36  für den Ein-
       schlag; nehmen  wir das  wöchentlich produzierte  Gespinst auf 13
       Unzen per  Spindel an, so gibt dies 824 700 Pfund Garn per Woche,
       wofür 970 000  Pfund oder  2300 Ballen  Baumwolle zum  Preis  von
       28 300 Pfd.St.  verbraucht werden... In unserm Distrikt (in einem
       Umkreis um  Blackburn mit 5 englischen Meilen Radius) ist der wö-
       chentliche Baumwollverbrauch 1 530 000 Pfund oder 3650 Ballen zum
       Kostpreis von  44 625 Pfd.St.  Es ist  dies 1/18 der ganzen Baum-
       wollspinnerei des  Vereinigten Königreichs und 1/6 der sämtlichen
       mechanischen Weberei.'
       Nach den  Berechnungen des  Herrn Baynes wäre also die Gesamtzahl
       der Baum,  wollspindeln des  Königreichs 28 800 000, und um diese
       in voller  Beschäftigung zu halten, würden jährlich 1 432 080 000
       Pfund Baumwolle  erfordert. Aber  die Baumwolleinfuhr, nach Abzug
       der Ausfuhr,  war 1856  und 1857  nur 1 022 576 832 Pfund; es muß
       also notwendig  ein Defizit  von 409 503 168  Pfund stattgefunden
       haben. Herr  Baynes, der  die Güte hatte, diesen Punkt mit mir zu
       besprechen, glaubt, daß eine Berechnung des jährlichen Bauinwoll-
       verbrauchs, begründet  auf den Verbrauch des Distrikts von Black-
       burn, zu hoch ausfallen würde infolge des Unterschieds, nicht nur
       der gesponnenen  Nummern, sondern  auch der  Vortrefflichkeit der
       Maschinerie. Er schätzt den gesamten jährlichen Baumwollverbrauch
       des Vereinigten  Königreichs auf  1000 Mill.  Pfund. Aber wenn er
       recht hat  und wirklich ein Überschuß der Zufuhr von 22 1/2 Mill.
       stattfindet, so  scheint Nachfrage  und Zufuhr  sich schon  jetzt
       beinahe das  Gleichgewicht zu  halten, auch  ohne daß wir die zu-
       sätzlichen Spindeln  und Webstühle  in Erwägung  ziehn, die  nach
       Herrn Baynes  in seinem  eignen Bezirk  in Aufstellung  begriffen
       sind und, danach zu urteilen. in andren Distrikten wahrscheinlich
       ebenfalls." (p.59, 60, 61.)

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