Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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#134# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit
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III. Allgemeine Illustration: die Baumwollkrise 1861-1865
Vorgeschichte 1845-1860.
1845. Blütezeit der Baumwollindustrie. Sehr niedriger Baumwoll-
preis. L. Horner sagt darüber:
"Während der letzten 8 Jahre ist mir keine so lebhafte Ge-
schäftsperiode vorgekommen, wie sie im letzten Sommer und Herbst
vorgeherrscht hat. Besonders in der Baumwollspinnerei. Das ganze
halbe Jahr durch habe ich jede Woche Anmeldungen neuer Kapitalan-
lagen in Fabriken erhalten; bald waren es neue Fabriken, die ge-
baut wurden, bald hatten die wenigen leerstehenden neue Mieter
gefunden, bald wurde, im Betrieb befindliche Fabriken ausgedehnt,
neue stärkre Dampfmaschinen und vermehrte Arbeitsmaschinerie auf-
gestellt." ("Rep. Fact., Oct. 1845", p. 13.)
1846. Die Klagen beginnen.
"Schon seit längrer Zeit höre ich von den Baumwollfabrikanten
sehr verbreitete Klagen über den gedruckten Stand ihres Ge-
schäfts... während der letzten 6 Wochen haben verschiedne Fabri-
ken angefangen kurze Zeit zu arbeiten, gewöhnlich 8 Stunden täg-
lich statt 12; dies scheint sich zu verbreiten... es hat ein
großer Preisaufschlag der Baumwolle stattgefunden und... nicht
nur keine Preiserhöhung des Fabrikats, sondern... seine Preise
sind niedriger als vor dem Aufschlag in Baumwolle. Die große Ver-
mehrung in der Zahl der Baumwollfabriken während der letzten 4
Jahre muß zur Folge gehabt haben einerseits eine stark vermehrte
Nachfrage nach dem Rohstoff und andrerseits eine stark vermehrte
Zufuhr von Fabrikaten auf den Markt; beide Ursachen müssen ge-
meinsam zur Herackung des Profits gewirkt haben, solange die Zu-
fuhr des Rohstoffs und die Nachfrage nach dem Fabrikat unverän-
dert blieb; aber sie haben noch weit stärker gewirkt, weil einer-
seits die Zufuhr von Baumwolle neuerdings ungenügend war und
andrerseits die Nachfrage nach den Fabrikaten in verschiednen in-
ländischen und ausländischen Märkten abgenommen hat." ("Rep.
Fact., Oct. 1846", p. 10.)
Die steigende Nachfrage nach Rohstoff und die Überfüllung des
Markts mit Fabrikat gehn natürlich Hand in Hand. - Beiläufig be-
schränkte sich die damalige Ausdehnung der Industrie und nachfol-
gende Stockung nicht auf die Baumwolldistrikte. Im Kammwolldi-
strikt von Bradford waren 1836 nur 318 Fabriken, 1846 dagegen
490. Diese Zahlen drucken bei weitem nicht die wirkliche Steige-
rung der Produktion aus, da die bestehenden Fabriken
gleichzeitig bedeutend erweitert wurden. Dies gilt besonders auch
von Flachsspinnereien.
#135# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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"Sie alle haben mehr oder weniger während der letzten 10 Jahre
beigetragen zu der Überführung des Markts, der die jetzige Stoc-
kung des Geschäfts großenteils zugeschrieben werden muß... Der
gedruckte Geschäftsstand folgt ganz natürlich aus einer so ra-
schen Erweitrung der Fabriken und der Maschinerie." ("Rep. Fact.,
Oct. 1846", p. 30.)
1847. Im Oktober Geldkrisis. Diskonto 8%. Vorher schon Zusammen-
bruch des Eisenbahnschwindels, der ostindischen Wechselreiterei.
Aber:
"Herr Baker gibt sehr interessante Details über die in den letz-
ten Jahren gestiegne Nachfrage für Baumwolle, Wolle und Flachs
infolge der Ausdehnung dieser Industrien. Er hält die vermehrte
Nachfrage nach diesen Rohstoffen, namentlich da sie zu einer Zeit
eintrat, wo deren Zufuhr weit unter den Durchschnitt gefallen
ist, für fast genügend, den gegenwärtigen gedruckten Stand dieser
Geschäftszweige zu erklären, auch ohne daß man die Zerrüttung des
Geldmarkts zu Hilfe nimmt. Diese Ansicht wird vollständig bestä-
tigt durch meine eignen Beobachtungen und durch das, was ich von
geschäftskundigen Leuten erfahren habe. Diese verschiednen Ge-
schäftszweige waren alle schon sehr gedrückt, als Diskontierungen
noch leicht zu 5% und weniger zu bewirken waren. Dagegen war die
Zufuhr von Rohseide reichlich, die Preise mäßig und das Geschäft
demgemäß lebhaft, bis... in den letzten 2 oder 3 Wochen, wo un-
zweifelhaft die Geldkrisis nicht nur die Trarnierer selbst, son-
dern noch mehr ihre Hauptkunden, die Fabrikanten von Modewaren,
affiziert hat. Ein Blick auf die veröffentlichten amtlichen Be-
richte zeigt, daß die Baumwollindustrie in den letzten drei Jah-
ren sich um beinahe 27% vermehrt hat. Infolgedessen ist Baum-
wolle, rund gesprochen, von 4 d. auf 6 d. per Pfund gestiegen,
während Garn, dank der vermehrten Zufuhr, nur eine Kleinigkeit
über seinem frühern Preise steht. Die Wollindustrie fing 1836 an,
sich auszudehnen, seitdem ist sie in Yorkshire um 40% gewachsen
und in Schottland noch mehr. Noch größer ist der Zuwachs in der
Worsted-Industrie." Die Berechnungen ergeben hier für denselben
Zeitraum eine Ausdehnung von über 74%. Der Verbrauch von Rohwolle
ist daher enorm gewesen. Die Leinenindustrie zeigt seit 1839
einen Zuwachs von ungefähr 25% in England, 22% in Schottland und
beinahe 90% in Irland ; die Folge hiervon, bei gleichzeitigen
schlechten Flachsernten, war, daß der Rohstoff um 10 Pfd.St. per
Tonne gestiegen, der Garnpreis dagegen 6 d. das Bündel gefallen
ist." ("Rep. Fact., Oct. 1847", p. 30, 31.)
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18) Man unterscheidet in England streng zwischen Woollen Manufac-
ture, die aus kurzer Wolle Streichgarn spinnt und verweht
(Hauptzentrum Leeds), und Worsted Manufacture, die aus langer
Wolle Kammgarn spinnt und verweht (Hauptsitz Bradford in Yorks-
hire). - F.E.
19) Diese rasche Ausdehnung der Maschinenspinnerei von Leinengarn
in Irland gab dem Export des deutschen (schlesischen, Lausitzer,
westfälischen) aus Handgepinst gewobnen Leinens damals den Todes-
stoß. - F.E.
#136# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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1849. Seit den letzten Monaten von 1848 lebte das Geschäft wieder
auf.
"Der Flachspreis, der so niedrig war, daß er fast unter allen
möglichen zukünftigen Umständen einen erträglichen Profit sicher-
stellte, hat die Fabrikanten veranlaßt, ihr Geschäft stetig fort-
zufahren. Die Wollfabrikanten waren im Anfang des Jahrs eine
Zeitlang sehr stark beschäftigt... ich fürchte aber, daß Konsi-
gnationen von Wollenwaren oft die Stelle wirklicher Nachfrage
vertreten und daß Perioden scheinbarer Prosperität, d.h. voller
Beschäftigung, nicht immer mit den Perioden legitimer Nachfrage
sich decken. Während einiger Monate ist das Worsted-Geschäft be-
sonders gut gewesen... Im Anfang der erwähnten Periode stand
Wolle besonders niedrig; die Spinner hatten sich zu vorteilhaften
Preisen gedeckt und sicher auch in bedeutenden Quantitäten. Als
der Wollpreis mit den Frühjahrsauktionen stieg, hatten die Spin-
ner den Vorteil davon, und sie behielten ihn, da die Nachfrage
nach Fabrikaten beträchtlich und unabweishar wurde." ("Rep.
Fact., [April] 1849", p. 42.)
"Wenn wir die Variationen im Stand des Geschäfts ansehn, die in
den Fabrikdistrikten seit jetzt 3 oder 4 Jahren vorgekommen sind,
so müssen wir, glaube ich, zugeben, daß irgendwo eine große Stö-
rungsursache besteht... Kann da nicht die ungeheure Produktiv-
kraft der vermehrten Maschinerie ein neues Element geliefert ha-
ben?" ("Rep. Fact., April 1849", p. 42, 43.)
Im November 1848, Mai und Sommer bis Oktober 1849 wurde das Ge-
schäft immer schwunghafter.
"Am meisten gilt dies von der Fabrikation von Stoffen aus Ungarn,
die sich um Bradford und Halifax gruppiert; dies Geschäft hat zu
keiner frühern Zeit auch nur annähernd seine jetzige Ausdehnung
erreicht... Die Spekulation im Rohstoff und die Ungewißheit über
seine wahrscheinliche Zufuhr hat von jeher größre Aufregung und
häufigere Schwankung in der Baumwollindustrie hervorgerufen als
in irgendeinem andern Geschäftszweig. Es findet hier augenblick-
lich eine Anhäufung von Vorräten grabrer Baumwollwaren statt, die
die kleinern Spinner beunruhigt und sie bereits benachteiligt, so
daß mehrere von ihnen kurze Zeit arbeiten." ("Rep. Fact., Oct.
1849", p. 64, 65.)
1850. April. Fortdauernd flottes Geschäft. Ausnahme:
"Große Depression in einem Teil der Baumwollindustrie infolge un-
genügender Zufuhr des Rohstoffs gerade für grobe Garnnummem und
schwere Gewebe... Es wird befürchtet, daß die für das Worsted-Ge-
schäft neuerdings aufgestellte vermehrte Maschinerie eine ähnli-
che Reaktion herbeiführen wird. Herr Baker berechnet, daß allein
im Jahre 1849 in diesem Geschäftszweig das Produkt der Webstühle
um 40% und das der Spindein um 25-30% gestiegen ist, und die Aus-
dehnung geht noch immer im selben Verhältnis voran." ("Rep.
Fact., April 1850" p. 54.)
#137# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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1850. Oktober.
"Der Baumwollpreis fährt fort... eine beträchtliche Gedrücktheit
in diesem Industriezweig zu verursachen, besonders für solche Wa-
ren, bei denen der Rohstoff, einen beträchtlichen Teil der Pro-
duktionskosten ausmacht. Der große Preisaufschlag der Rohseide
hat auch in diesem Zweig vielfach einen Druck herbeigeführt."
("Rep. Fact., Oct. 1850", p. 14.)
Nach dem hier zitierten Bericht des Komitees der königlichen Ge-
sellschaft für Flachsbau in Irland hatte hier der hohe Flachs-
preis, bei niedrigem Preisstand andrer landwirtschaftlichen Pro-
dukte, eine bedeutende Vermehrung der Flachsproduktion für das
folgende Jahr sichergestellt. (p. 33.)
1853. April. Große Prosperität.
"Zu keiner Zeit während der 17 Jahre, während denen ich amtliche
Kenntnis genommen habe vom Stand des Fabirikdistrikts von Lan-
cashire, ist mir eine solche allgemeine Prosperität vorgekommen;
die Tätigkeit ist in allen Zweigen außerordentlich", sagt L. Hor-
ner. ("Rep. Fact., April 1853", p. 19.)
1853. Oktober. Depression der Baumwollindustrie.
"Überproduktion." ("Rep. Fact., October 1853", p. 15.)
1854. April.
"Das Wollgeschäft, obwohl nicht flott, hat in allen Fabriken
volle Beschäftigung geliefert; ebenso die Baumwollindustrie. Das
Worsted-Geschäft war im ganzen vorigen Halbjahr durchweg unregel-
mäßig... In der Leinenindustrie fand Störung statt infolge der
verminderten Zufuhren von Flachs und Hanf aus Rußland wegen des
Krimkriegs." ("Rep. Fact., [April] 1854", p. 37.)
1859.
"Das Geschäft in der schottischen Leinenindustrie ist noch ge-
drückt... da der Rohstoff selten und teuer ist; die geringe Qua-
lität der vorigen Ernte in den Ostseeländern, woher wir unsre
Hauptzufuhr bezogen, wird eine schädliche Wirkung auf das Ge-
schäft dieses Bezirks ausüben; dagegen ist Jute, die in vielen
groben Artikeln den Flachs allmählich verdrängt, weder ungewöhn-
lich teuer noch selten... ungefähr die Hälfte der Maschinerie in
Dundee spinnt jetzt Jute." ("Rep. Fact., April 1859", p. 19.)
"Infolge des hohen Preises des Rohstoffs ist die Flachsspinnerei
noch immer durchaus nicht lohnend, und während alle andern Fabri-
ken die volle Zeit laufen, haben wir verschiedne Beispiele der
Stillsetzung von Flachsmaschinerie... Die Jutespinnerei... ist in
einer zufriedenstellendem Lage, da neuerdings dieser Stoff auf
einen mäßigem Preis herabgegangen ist." ("Rep. Fact. October
1859", p. 20.)
#138# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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1861-1864. Amerikanischer Bürgerkrieg. Cotton Famine. 1*) Das
größte Beispiel der Unterbrechung des Produktionsprozesses durch
Mangel und Teuerung des Rohstoffs
1860. April.
"Was den Stand des Geschäfts angeht, freut es mich, Ihnen mittei-
len zu können, daß trotz des hohen Preises der Rohstoffe alle
Textilindustrien, mit Ausnahme von Seide, während des letzten
halben Jahres recht gut beschäftigt gewesen sind... In einigen
der Baumwollbezirke sind Arbeiter auf dem Weg der Annonce gesucht
worden und aus Norfolk und andern ländlichen Grafschaften dorthin
gewandert... Es scheint in jedem Industriezweig ein großer Mangel
an Rohstoff zu herrschen. Es ist... dieser Mangel allein, der uns
in Schranken hält. Im Baumwollgeschäft ist die Zahl der neu er-
richteten Fabriken, die Erweiterung der schon bestehenden und die
Nachfrage nach Arbeitern wohl nie so stark gewesen wie jetzt.
Nach allen Richtungen hin ist man auf der Suche nach Rohstoff."
("Rep. Fact., April 1860", p. 57.)
1860. Oktober.
"Der Stand des Geschäfts in den Baumwoll-, Woll- und Flachsbezir-
ken ist gut gewesen; in Irland soll er sogar sehr gut gewesen
sein seit mehr als einem Jahr und wäre noch besser gewesen ohne
den hohen Preis des Rohstoffs. Die Flachsspinner scheinen mit
mehr Ungeduld als je auf die Eröffnung der Hilfsquellen Indiens
durch die Eisenbahnen zu warten und auf die entsprechende Ent-
wicklung seiner Agrikultur, um endlich eine... ihren Bedürfnissen
entsprechende Zufuhr von Flachs zu erhalten." ("Rep. Fact.,
October 1860", p. 37.)
1861. April.
"Der Geschäftsstand ist augenblicklich gedrückt... einige wenige
Baumwollfabriken arbeiten kurze Zeit, und viele Seidenfabriken
sind nur teilweise beschäftigt. Rohstoff ist teuer. In fast jedem
textilen Zweige steht er über dem Preis, zu dem er für die Masse
der Konsumenten verarbeitet werden kann." ("Rep. Fact., April
1861 p. 33.)
Es zeigte sich jetzt, daß 1860 in der Baumwollindustrie überpro-
duziert worden war; die Wirkung davon machte sich noch während
der nächsten Jahre fühlbar.
"Es hat zwischen zwei und drei Jahren genommen, bis die Überpro-
duktion von 1860 auf dem Weltmarkt absorbiert war." ("Rep. Fact.,
October 1863", p. 127.) Der gedruckte Stand der Märkte für Baum-
wollfabrikate in Ostasien, anfangs 1860, hatte eine entsprechende
Rückwirkung auf das Geschäft in Blackburn, wo im Durchschnitt
30 000 mechanische Webstühle fast ausschließlich in der Produk-
tion von Geweben für diesen Markt beschäftigt sind. Die Nachfrage
für Arbeit war demzufolge hier schon
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1*) Baumwolinot
#139# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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beschränkt, viele Monate bevor die Wirkungen der Baumwollblockade
sich fühlbar machten... Glücklicherweise wurden hierdurch viele
Fabrikanten vor dem Ruin bewahrt. Die Vorräte stiegen im Wert,
solange man sie auf Lager hielt, und so wurde die erschreckende
Entwertung vermieden, die sonst in einer solchen Krisis unver-
meidlich war." ("Rep. Fact., October 1862", p. 28, 29, 30.)
1861. Oktober.
"Das Geschäft ist seit einiger Zeit sehr gedruckt gewesen... Es
ist gar nicht unwahrscheinlich, daß während der Wintermonate
viele Fabriken die Arbeitszeit sehr verkürzen werden. Dies war
indes vorherzusehn... ganz abgesehn von den Ursachen, die unsre
gewöhnliche Baumwollzufuhr von Amerika und unsre Ausfuhr unter-
brochen haben, wurde Verkürzung der Arbeitszeit für den kommenden
Winter notwendig geworden sein infolge der starken Vermehrung der
Produktion in den letzten drei Jahren und der Störungen im indi-
schen und chinesischen Markt." ("Rep. Fact., October 1861", p.
19.)
Baumwollabfall. Ostindische Baumwolle (Surat). Einfluß auf den
Lohn der Arbeiter. Verbesserung in der Maschinerie. Ersetzung von
Baumwolle durch Stärkmehl und Mineralien. Wirkung dieser Stärk-
mehlschlichte auf die Arbeiter. Spinner feinerer Garnnummern. Be-
trug der Fabrikanten
"Ein Fabrikant schreibt mir wie folgt: was die Schätzung des
Baumwollverbrauchs per Spindel betrifft, so ziehn Sie wohl nicht
hinreichend die Tatsache in Rechnung, daß, wenn Baumwolle teuer
ist, jeder Spinner gewöhnlicher Garne (sage bis Nr. 40, haupt-
sächlich Nr. 12-32) so feine Nummern spinnt, wie er nur irgend
kann, d.h. er wird Nr. 16 spinnen statt früher Nr. 12 oder Nr. 22
statt Nr. 16 usw.; und der Weber, der diese feinen Carne verwebt,
wird seinen Kattun auf das gewöhnliche Gewicht bringen, indem er
um so viel mehr Schlichte zusetzt. Dies Hilfsmittel wird jetzt
benutzt in einem wirklich schmählichen Grad. Ich habe aus guter
Quelle gehört, daß es ordinäre Shirtings 1*) für Export gibt, wo-
von das Stück 8 Pfund wiegt, und wovon 2 3/4 Pfund Schlichte wa-
ren. In Gewebe andrer Sorten wird oft bis zu 50% Schlichte ge-
steckt, so daß der Fabrikant keineswegs lügt, der sich rühmt, ein
reicher Mann zu werden, indem er sein Gewebe für weniger Geld per
Pfund verkauft, als er für das Garn bezahlt hat, woraus es ge-
macht ist." ("Rep. Fact., April 1864", p. 27.)
"Es sind mir auch Aussagen gemacht worden, daß die Weber ihren
gesteigerten Krankheitsstand der Schlichte zuschreiben, die für
die aus ostindischer Baumwolle gesponnenen Ketten verwandt wird
und die nicht mehr wie früher bloß aus Mehl besteht. Dies Surro-
gat für Mehl soll jedoch den sehr großen Vorteil bieten, daß es
das Gewicht des Gewebes bedeutend vermehrt, so daß 15 Pfund Garn,
wenn verwebt, zu 20 Pfund werden." ("Rep. Fact., Oct. 1863", p.
63. Dies Surrogat war gemahlner Talk,
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1*) Hemdenstoffe
#140# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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genannt China clay, oder Cips, genannt French chalk.) - "Der Ver-
dienst der Weber (hier bedeutet dies die Arbeiter) ist sehr ver-
mindert durch Anwendung von Surrogaten für Mehl als Ketten-
schlichte. Diese Schlichte macht das Garn schwerer, aber auch
hart und brüchig. Jeder Faden der Kette geht im Webstuhl durch
die sogenannte Litze, deren starke Fäden die Kette in der richti-
gen Lage halten; die hartgeschlichteten Ketten verursachen fort-
währende Fadenbrüche in der Litze; jeder Bruch verursacht dem We-
ber fünf Minuten Zeitverlust zur Reparatur; der Weber hat diese
Schäden jetzt mindestens 10mal so oft wie früher auszubessern,
und der Stuhl leistet während der Arbeitsstunden natürlich um so
viel weniger." (l.c.p. 42, 43.)
"In Ashton, Stalybridge, Mossley, Oldham etc. ist die Beschrän-
kung der Arbeitszeit um ein volles Drittel durchgeführt, und die
Arbeitsstunden werden noch jede Woche weiter verkürzt... Gleich-
zeitig mit dieser Verkürzung der Arbeitszeit findet auch in
vielen Zweigen Herabsetzung des Lohns statt." (p. 13.)
Anfangs 1861 fand ein Strike unter den mechanischen Webern in ei-
nigen Teilen von Lancashire statt. Verschiedne Fabrikanten hatten
eine Lohnherabsetzung von 5-7 1/2 % angekündigt; die Arbeiter be-
standen darauf, daß die Lohnsätze beibehalten, aber die Arbeits-
stunden verkürzt werden sollten. Dies wurde nicht bewilligt, und
der Strike entstand. Nach einem Monat mußten die Arbeiter nachge-
ben. Aber nun erhielten sie beides:
"Außer der Lohnherabsetzung, worin die Arbeiter zuletzt einwil-
ligten, arbeiten jetzt auch viele Fabriken kurze Zeit." (" Rep.
Fact., April 1861", p. 23.)
1862. April.
"Die Leiden der Arbeiter haben sich seit dem Datum meines letzten
Berichts bedeutend vermehrt, aber zu keinerzeit in der Geschichte
der Industrie sind so plötzliche und so schwere iden ertragen
worden mit so viel schweigender Resignation und so geduldigem
Selbstgefühl." ("Rep. Fact., April 1862", p. 10.) - Die Verhält-
niszahl der augenblicklich ganz beschäftigungslosen Arbeiter
scheint nicht viel größer zu sein als 1848, wo eine gewöhnliche
Panik herrschte, die aber bedeutend genug war, um die beunruhig-
ten Fabrikanten zur Zusammenstellung einer ähnlichen Statistik
über die Baumwollindustrie zu veranlassen, wie sie jetzt wöchent-
lich ausgegeben wird... Im Mai 1848 waren von sämtlichen Baum-
wollarbeitern in Manchester 15%, unbeschäftigt, 12% arbeiteten
kurze Zeit, während über 70% auf voller Zeit beschäftigt waren.
Am 28. Mai 1862 waren 15% unbeschäftigt, 35% arbeiteten kurze
Zeit, 49% volle Zeit... In den Nachbarorten, z.B. Stockport, ist
die Prozentzahl der nicht voll und der gar nicht Beschäftigten
höher, die der Vollbeschäftigten geringer", weil nämlich hier
gröbere Nummern gesponnen werden als in Manchester. (p. 16.)
1862. Oktober,
"Nach der letzten amtlichen Statistik waren [1861] im Vereinigten
Königreich 2887 Baumwollfabriken, davon 2109 in meinem Distrikt
(Lancashire und Cheshire).
#141# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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Ich wußte wohl, daß ein sehr großer Teil der 2109 Fabriken in
meinem Bezirk kleine Etablissements waren, die nur wenig Leute
beschäftigen. Es hat mich aber überrascht zu entdecken, wie groß
diese Zahl ist. In 392, oder 19%, ist die Triebkraft, Dampf oder
Wasser, unter 10 Pferdekraft; in 345, oder 16%, zwischen 10 und
20 Pferdekraft; in 1372 ist sie 20 Pferde und mehr... Ein sehr
großer Teil dieser kleinen Fabrikanten mehr als ein Drittel der
Gesamtzahl - waren selbst vor nicht langer Zeit Arbeiter; sie
sind Leute ohne Kommando über Kapital... Die Hauptiast wurde also
auf die übrigen 2/3 fallen." ("Rep. Fact., October 1862", p. 18,
19.)
Nach demselben Bericht waren von den Baumwollarbeitern in Lan-
cashire und Cheshire damals voll beschäftigt 40 146 oder 11,3%,
mit beschränkter Arbeitszeit beschäftigt 134 767 oder 38%, unbe-
schäftigt 179 721 oder 50,7%. Zieht man hiervon die Angaben über
Manchester und Bolton ab, wo hauptsächlich feine Nummern gespon-
nen werden, ein von der Baumwollnot verhältnismäßig wenig be-
troffner Zweig, so stellt sich die Sache noch ungünstiger, näm-
lich: Vollbeschäftigt 8,5%, beschränkt beschäftigt 38%, unbe-
schäftigt 53,5%. (p. 19, 20.)
"Es macht für die Arbeiter einen wesentlichen Unterschied, ob
gute oder schlechte Baumwolle verarbeitet wird. In den ersten Mo-
naten des Jahrs, als die Fabrikanten ihre Fabriken dadurch in
Gang zu halten suchten, daß sie alle zu mäßigen Preisen kaufbare
Baumwolle aufbrauchten, kam viel schlechte Baumwolle in Fabriken,
wo früher gewöhnlich gute verwandt wurde; der Unterschied im Lohn
der Arbeiter war so groß, daß viele Strikes stattfanden, weil sie
jetzt zum alten Stücklohn keinen erträglichen Taglohn mehr her-
ausschlagen konnten... In einigen Fällen betrug der Unterschied
durch Anwendung schlechter Baumwolle selbst bei voller Arbeits-
zeit die Hälfte des Gesamtlohns." (p. 27.)
1863. April.
"Im Lauf dieses Jahres wird nicht viel mehr als die Hälfte der
Baumwollarbeiter voll beschäftigt werden können." ("Rep. Fact.,
April 1863", p. 14.)
"Ein sehr ernstlicher Nachteil bei Verwendung ostindischer Baum-
wolle, wie die Fabriken sie jetzt gebrauchen müssen, ist der, daß
die Geschwindigkeit der Maschinerie dabei sehr verlangsamt werden
muß. Während der letzten Jahre wurde alles aufgeboten, diese Ge-
schwindigkeit zu beschleunigen, so daß dieselbe Maschinerie mehr
Arbeit tat. Die verminderte Geschwindigkeit trifft aber den Ar-
beiter ebensosehr wie den Fabrikanten; denn die Mehrzahl der Ar-
beiter wird nach Stücklohn bezahlt, die Spinner soviel per Pfund
gesponnenes Garn, die Weber soviel per gewebtes Stück; und selbst
bei den andern, nach Wochenlohn bezahlten Arbeitern wurde eine
Lohnverminderung eintreten infolge der verminderten Produktion.
Nach meinen Ermittlungen... und den mir übergebnen Aufstellungen
des Verdienstes der Baumwollarbeiter im Lauf dieses Jabrs... er-
gibt sich eine Vermindrung von durchnittlich 20%, in einigen Fäl-
len von 50%, berechnet nach den Lohnhöhen, wie sie 1861 herrsch-
ten."
#142# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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(p. 13.) - "Die verdiente Summe hängt ab... davon, was für Mate-
rial verarbeitet wird... Die Lage der Arbeiter, in Beziehung auf
den verdienten Lohnbetrag, ist sehr viel besser jetzt" (Oktober
1863) "als voriges Jahr um diese Zeit. Die Maschinerie ist ver-
bessert worden, man kennt den Rohstoff besser, und die Arbeiter
werden leichter mit den Schwierigkeiten fertig, womit sie anfangs
zu kämpfen hatten. Voriges Frühjahr war ich in Preston in einer
Nähschule" (Wohltätigkeitsanstalt für Unbeschäftigte); "zwei
junge Mädchen, die tags zuvor in eine Weberei geschickt waren,
auf die Angabe des Fabrikanten hin, daß sie 4 sh. die Woche ver-
dienen könnten, baten um Wiederaufnahme in die Schule und klag-
ten, sie hätten nicht 1 sh. per Woche verdienen können. Ich habe
Angaben gehabt über Self-acting minders... Männer, die ein paar
Self-actors regieren, die nach 14 Tagen voller Arbeitszeit 8 sh.
11 d. verdient hatten, und von dieser Summe wurde ihnen die Haus-
miete abgezogen, wobei der Fabrikant" (Edelmütigster!) "ihnen je-
doch die halbe Miete als Geschenk zurückgab. Die Minders nahmen
die Summe von 6 sh. 11 d. nach Hause. An manchen Orten verdienten
die Self-acting minders 5-9 sh. die Woche, die Weber von 2-6 sh.
die Woche, während der letzten Monate 1862... Gegenwärtig besteht
ein viel gesundrer Zustand, obwohl der Verdienst in den meisten
Distrikten noch immer sehr abgenommen hat... Mehrere andre Ursa-
chen haben zu dem geringen Verdienst beigetragen, neben dem kür-
zern Stapel der indischen Baumwolle und ihrer Verunreinigung. So
z.B. ist es jetzt Brauch, Baumwollabfall reichlich unter die in-
dische Baumwolle zu mischen, und dies steigert natürlich die
Schwierigkeit für den Spinner noch mehr. Bei der Kürze der Faser
reißen die Fäden leichter beim Herausziehen der Mule und beim
Drehen des Garns, und die Mule kann nicht so regelmäßig im Gang
gehalten werden... Ebenso kann, bei der großen Aufmerksamkeit,
die auf die Fäden verwandt werden muß, eine Weberin häufig nur
einen Stuhl überwachen, und nur sehr wenige mehr als zwei
Stühle... In vielen Fällen ist der Lohn der Arbeiter geradezu um
5, 7 1/2, und 10% herabgesetzt worden... in der Mehrzahl der
Fälle muß der Arbeiter zusehn, wie er mit seinem Rohstoff fertig
wird und wie er zum gewöhnlichen Lohnsatz an Verdienst heraus-
schlägt was er kann... Eine andre Schwierigkeit, womit die Weber
zuweilen zu kämpfen haben, ist, daß sie aus schlechtem Stoff
gutes Gewebe machen sollen und mit Lohnabzügen gestraft werden,
wenn die Arbeit nicht nach Wunsch ausfällt." ("Rep. Fact.,
October 1863", p. 41-43.)
Die Löhne waren miserabel, selbst wo volle Zeit gearbeitet wurde.
Die Baumwollarbeiter stellten sich bereitwillig zu all den öf-
fentlichen Arbeiten, Dränage, Wegehauten, Steineklopfen, Straße-
pflastern, wozu sie verbraucht wurden, um ihre Unterstützung (die
tatsächlich eine Unterstützung der Fabrikanten war, s. Buch I, S.
598/589 1*)) von den Lokalbehörden zu beziehn. Die ganze Bour-
geoisie stand auf Wache über den Arbeitern. Würde der
schlechteste Hundelohn angeboten und der Arbeiter wollte ihn
nicht
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S.600/601
#143# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
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nehmen, so strich das Unterstützungskomitee ihn von der Unter-
stützungsliste. Es war insofern eine goldne Zeit für die Herrn
Fabrikanten, als die Arbeiter entweder verhungern oder zu jedem
dem Bourgeois profitabelsten Preis arbeiten mußten, wobei die Un-
terstützungskomitees als ihre Wachthunde agierten. Zugleich ver-
hinderten die Fabrikanten, in geheimem Einverständnis mit der Re-
gierung, die Auswanderung soweit wie möglich, teils um ihr im
Fleisch und Blut der Arbeiter existierendes Kapital stets in Be-
reitschaft zu halten, teils um die von den Arbeitern erpreßte
Hausmiete zu sichern.
Die Unterstützungskomitees handelten in diesem Punkt mit großer
Strenge. War Arbeit angeboten, so wurden die Arbeiter, denen sie
angeboten worden, von der Liste gestrichen und so gezwungen, sie
anzunehmen. Wenn sie sich weigerten, die Arbeit anzutreten... so
war die Ursache die, daß ihr Verdienst bloß nominell, die Arbeit
aber außerordentlich schwer sein würde." l.c.p. 97.)
Die Arbeiter waren zu jeder Art Arbeit bereitwillig, zu der sie
infolge des Public Works Act 1*) angestellt wurden.
"Die Grundsätze, wonach industrielle Beschäftigungen organisiert
wurden, wechselten bedeutend in verschiednen Städten. Aber selbst
an den Orten, wo die Arbeit in freier Luft nicht absolut als Ar-
beitsprobe (Iabour test) diente, wurde diese Arbeit doch entweder
mit der bloßen regelmäßigen Unterstützungssumme oder doch nur so
unbedeutend höher bezahlt, daß sie in der Tat eine Arbeitsprobe
wurde." (p. 69.) Der Public Works Act von 1863 sollte diesem Übel
abhelfen und den Arbeiter befähigen, seinen Taglohn als unabhän-
giger Taglöhner zu verdienen. Der Zweck dieses Akts war dreifach:
1. Lokalbehörden zu befähigen, Geld (mit Einwilligung des Präsi-
denten der staatlichen Zentral-Armenbehörde) von den Schatzan-
leihe-Kommissären zu borgen; 2. Verbesserungen in den Städten der
Baumwollbezirke zu erleichtern; 3. den unbeschäftigten Arbeitern
Arbeit und lohnenden Verdienst (remunerative wages) zu verschaf-
fen."
Bis Ende Oktober 1863 waren Anleihen bis zum Betrag von 883 700
Pfd.St. unter diesem Gesetz bewilligt worden. (p. 70.).Die unter-
nommenen Arbeiten waren hauptsächlich Kanalisation, Wegebauten,
Straßenpflastem, Sammelteiche für Wasserwerke etc.
Herr Henderson, Präsident des Komitees von Blackburn, schreibt
mit Beziehung hierauf an Fabrikinspektor Redgrave:
"Während meiner ganzen Erfahrung im Lauf der gegenwärtigen Zeit
des Leidens und des Elends hat mich nichts stärker frappiert oder
mir mehr Freude gemacht als die heitre Bereitwilligkeit, womit
die unbeschäftigten Arbeiter dieses Distrikts die ihnen gemäß dem
Public Works Act vom Stadtrat von Blackburn angebotne Arbeit
übernommen haben. Man kann kaum einen großem Kontrast denken als
den zwischen
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1*) Gesetzes über öffentliche Arbeiten
#144# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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dem Baumwollspinner, der früher als geschickter Arbeiter in der
Fabrik, und jetzt als Tagelöhner an einem Abzugskanal 14 oder 18
Fuß tief arbeitet."
(Sie verdienten dabei je nach Größe der Familie 4-12 sh. wöchent-
lich, letztre riesige Summe mußte oft für eine Familie von 8 Per-
sonen ausreichen. Die Herren Spießbürger hatten dabei doppelten
Profit: Erstens bekamen sie das Geld zur Verbesserung ihrer rau-
chigen und vernachlässigten Städte zu ausnahmsweis niedrigen Zin-
sen; zweitens zahlten sie die Arbeiter weit unter den regelmäßi-
gen Lohnsätzen.)
"Gewohnt wie er war, an eine fast tropische Temperatur, an Ar-
beit, wobei Gewandtheit und Genauigkeit der Manipulation ihm un-
endlich mehr nutzte als Muskelkraft, gewohnt an das Doppelte,
manchmal Dreifache der Entlohnung, die er jetzt erhalten kann,
schließt seine willige Annahme der gebotnen Beschäftigung eine
Summe von SeIbstverleugnung und Rücksicht ein, die ihm zur
höchsten Ehre gereicht. In Blackburn sind die Leute probiert wor-
den, bei fast jeder möglichen Art von Arbeit in freier Luft; beim
Ausgraben eines steifen, schweren Lehmbodens auf beträchtliche
Tiefe, bei Trockenlegung, Steinklopfen, Wegebauten, bei Ausgra-
bungen für Straßenkanäle auf Tiefen von 14, 16 und zuweilen 20
Fuß. Häufig stehn sie dabei in 10-12 Zoll tiefem Schmutz und Was-
ser, und jedesmal sind sie dabei einem Klima ausgesetzt, dessen
nasse Kälte in keinem Distrikt Englands übertroffen, wenn über-
haupt erreicht wird." (p. 91, 92.) - "Die Haltung der Arbeiter
ist fast tadellos gewesen... ihre Bereitwilligkeit, die Arbeit in
freier Luft zu übernehmen und sich damit durchzuschlagen." (p.
69.)
1864. April.
"Gelegentlich hört man in verschiednen Bezirken Klagen über Man-
gel an Arbeitern, hauptsächlich in gewissen Zweigen, z.B. der We-
berei... aber diese Klagen haben ihren Ursprung ebensosehr in dem
geringen Lohn, den die Arbeiter verdienen können infolge der an-
gewandten schlechten Garnsorten, wie in irgendwelchen wirklichen
Seltenheit von Arbeitern selbst in diesem besondern Zweig. Zahl-
reiche Zwistigkeiten wegen des Lohns haben vorigen Monat stattge-
funden zwischen gewissen Fabrikanten und ihren Arbeitern. Ich be-
daure, daß Strikes nur zu häufig vorgekommen sind... Die Wirkung
des Public Works Act wird von den Fabrikanten als eine Konkurrenz
empfunden, und infolgedessen hat das Lokalkomitee von Bacup seine
Tätigkeit suspendiert, denn obwohl noch nicht alle Fabriken lau-
fen, hat sich doch ein Mangel an Arbeitern gezeigt." ("Rep.
Fact., April 1864", p. 9.)
Es war allerdings die höchste Zeit für die Herren Fabrikanten.
Infolge des Public Works Act wuchs die Nachfrage so sehr, daß in
den Steinbrüchen bei Bacup manche Fabrikarbeiter jetzt 4-5 sh.
täglich verdienten. Und so wurden die öffentlichen Arbeiten all-
mählich eingestellt - diese neue Auflage der Ateliers nationaux
von 1848 [20], aber diesmal errichtet zum Nutzen der Bourgeoisie.
#145# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel 145
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Experimente in corpore vili 1*)
"Obwohl ich den sehr herabgesetzten Lohn" (der Vollbeschäftig-
ten), den wirklichen Verdienst der Arbeiter in verschiednen Fa-
briken gegeben habe, folgt keineswegs, daß sie Woche für Woche
dieselbe Summe verdienen. Die Arbeiter sind hier großen Schwan-
kungen ausgesetzt infolge des beständigen Experimentierens der
Fabrikanten mit verschiednen Arten und Proportionen von Baumwolle
und Abfall in derselben Fabrik; die Mischungen, wie man sie
nennt, werden häufig gewechselt, und der Verdienst der Arbeiter
steigt und fällt mit der Qualität der Baumwollmischung. Zuweilen
blieb er nur 15% des frühern Verdienstes, und in einer oder ein
paar Wochen fiel er auf 50 oder 60% herunter."
Inspektor Redgrave, der hier spricht, gibt nun der Praxis entnom-
mene Lohnaufstellungen, wovon hier folgende Beispiele hinreichen:
A, Weber, Familie von 6 Personen, 4 Tage in der Woche beschäf-
tigt, 6 sh. 8 1/2 d.; B, Twister 2*), 4 1/2 Tag per Woche, 6 sh.;
C, Weber, Familie von 4, 5 Tage per Woche, 5 sh. 1 d.; D, Slubber
3*), Familie von 6, 4 Tage per Woche, 7 sh. 10 d.; E, Weber, Fa-
milie von 7, 3 Tage. 5 sh. usw. Redgrave fährt fort:
"Die obigen Aufstellungen verdienen Beachtung, denn sie beweisen,
daß die Arbeit in mancher Familie ein Unglück werden würde, da
sie nicht nur das Einkommen reduziert, sondern es so tief herun-
terbringt, daß es vollständig unzureichend wird, um mehr als
einen ganz kleinen Teil ihrer absoluten Bedürfnisse zu befriedi-
gen, wenn nicht zusätzliche Unterstützung in Fällen gegeben
würde, wo der Verdienst der Familie nicht die Summe erreicht, die
sie alt, Unterstützung erhalten wurde, wenn sie alle unbeschäf-
tigt wären." ("Rep. Fact., October 1863", p. 50-53.)
"In keiner Woche seit dem 5. Juni 1863 ist die durchschnittliche
Gesamtbeschäftigung aller Arbeiter mehr als zwei Tage, 7 Stunden
und einige Minuten gewesen." l.c.p. 121.)
Von Anfang der Krise bis 25. März 1863 wurden beinahe drei Mill.
Pfd.St. ausgegeben von den Armenverwaltungen, dem Zentral-Unter-
stützungskomitee und dem Londoner Mansion-House-Komitee. (p. 13.)
"In einem Bezirk, wo wohl das feinste Garn gesponnen wird... er-
leiden die Spinner eine indirekte Lohnherabsetzung von 15% in-
folge des Übergangs von Sea Island zu ägyptischer Baumwolle... In
einem ausgedehnten Distrikt, wo Baumwollabfall in Mengen verwandt
wird zur Mischung mit indischer Baumwolle, haben die Spinner eine
hnreduktion von 5% gehabt und außerdem noch 20-30% verloren in-
folge der Verarbeitung von Surat und Abfall. Die Weber sind von
vier Stühlen auf
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1*) an einem wertlosen Körper - 2*) Zwirner - 3*) Vorspinner
#146# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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2 heruntergekommen. 1860 machten sie auf jeden Webstuhl 5 sh. 7
d., 1863 nur 3 sh. 4 d.... Die Geldstrafen, die auf amerikanische
Baumwolle früher von 3 d. bis 6 d. variierten" (für den Spinner),
laufen jetzt auf zu 1 sh. bis 3 sh. 6 d."
In einem Bezirk, wo ägyptische Baumwolle gebraucht wurde, ver-
mischt mit ostindischer:
"Der Durchschnittslohn der Mule-Spinner 1860 war 18-25 sh. und
ist jetzt 10-18 sh. Dies ist nicht ausschließlich durch die ver-
schlechterte Baumwolle verursacht, sondern auch durch die vermin-
derte Geschwindigkeit der Mule, um dem Garn eine stärkere Drehung
zu geben, wo in gewöhnlichen Zeiten Extrazahlung gemmäß der Lohn-
liste gemacht worden wäre." (p. 43, 44, 45-50.) Obgleich die ost-
indische Baumwolle vielleicht hier und da mit Profit für den Fa-
brikanten verarbeitet worden ist, so sehn wir doch (siehe Lohnli-
ste p. 53), daß die Arbeiter darunter leiden, verglichen mit
1861. Setzt sich der Gebrauch von Surat fest, so werden die Ar-
beiter den gleichen Verdienst wie 1861 verlangen; dies aber würde
den Profit des Fabrikanten ernstlich affizieren, falls es nicht
ausgeglichen wird durch den Preis, sei es der Baumwolle, sei es
der Fabrikate." (p. 105.)
Hausmiete.
"Die Hausmiete der Arbeiter, wenn die von ihnen bewohnten cotta-
ges dem Fabrikanten gehören, wird von diesem häufig vom Lohn ab-
gezogen, selbst wenn kurze Zeit gearbeitet wird. Trotzdem ist der
Wert dieser Gebäude gesunken, und Häuschen sind jetzt 25-50%
wohlfeiler gegen früher zu haben; eine cottage, die sonst 3 sh. 6
d. per Woche kostete, ist jetzt für 2 sh. 4 d. zu haben und zu-
weilen noch für weniger." (p. 57.)
Auswanderung. Die Fabrikanten waren natürlich gegen die Auswande-
rung der Arbeiter, einestells weil sie
"in Erwartung beßrer Zeiten für die BaumwoIlindustrie sich die
Mittel zur Hand erhalten wollten, um ihre Fabrik in der vorteil-
haftesten Weise zu betreiben." Dann aber auch sind manche Fabri-
kanten Eigentümer der Häuser, worin die von ihnen beschäftigten
Arbeiter wohnen, und wenigstens einige von ihnen rechnen unbe-
dingt darauf, später einen Teil der aufgelaufnen schuldigen Miete
bezahlt zu erhalten". (p. 96.)
Herr Bernal Osborne sagt in einer Rede an seine Parlamentswähler
vom 22. Oktober 1864, daß sich die Arbeiter von Lancashite benom-
men haben wie die antiken Philosophen (Stoiker). Nicht wie
Schafe?
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