Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


       zurück

       #134# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit
       -----
       III. Allgemeine Illustration: die Baumwollkrise 1861-1865
       
       Vorgeschichte 1845-1860.
       
       1845. Blütezeit  der Baumwollindustrie.  Sehr niedriger Baumwoll-
       preis. L. Horner sagt darüber:
       
       "Während der  letzten 8  Jahre ist  mir  keine  so  lebhafte  Ge-
       schäftsperiode vorgekommen,  wie sie im letzten Sommer und Herbst
       vorgeherrscht hat.  Besonders in der Baumwollspinnerei. Das ganze
       halbe Jahr durch habe ich jede Woche Anmeldungen neuer Kapitalan-
       lagen in  Fabriken erhalten; bald waren es neue Fabriken, die ge-
       baut wurden,  bald hatten  die wenigen  leerstehenden neue Mieter
       gefunden, bald wurde, im Betrieb befindliche Fabriken ausgedehnt,
       neue stärkre Dampfmaschinen und vermehrte Arbeitsmaschinerie auf-
       gestellt." ("Rep. Fact., Oct. 1845", p. 13.)
       
       1846. Die Klagen beginnen.
       
       "Schon seit  längrer Zeit  höre ich  von den  Baumwollfabrikanten
       sehr verbreitete  Klagen über  den  gedruckten  Stand  ihres  Ge-
       schäfts... während  der letzten 6 Wochen haben verschiedne Fabri-
       ken angefangen  kurze Zeit zu arbeiten, gewöhnlich 8 Stunden täg-
       lich statt  12; dies  scheint sich  zu verbreiten...  es hat  ein
       großer Preisaufschlag  der Baumwolle  stattgefunden und...  nicht
       nur keine  Preiserhöhung des  Fabrikats, sondern...  seine Preise
       sind niedriger als vor dem Aufschlag in Baumwolle. Die große Ver-
       mehrung in  der Zahl  der Baumwollfabriken  während der letzten 4
       Jahre muß  zur Folge gehabt haben einerseits eine stark vermehrte
       Nachfrage nach  dem Rohstoff und andrerseits eine stark vermehrte
       Zufuhr von  Fabrikaten auf  den Markt;  beide Ursachen müssen ge-
       meinsam zur  Herackung des Profits gewirkt haben, solange die Zu-
       fuhr des  Rohstoffs und  die Nachfrage nach dem Fabrikat unverän-
       dert blieb; aber sie haben noch weit stärker gewirkt, weil einer-
       seits die  Zufuhr von  Baumwolle neuerdings  ungenügend  war  und
       andrerseits die Nachfrage nach den Fabrikaten in verschiednen in-
       ländischen und  ausländischen  Märkten  abgenommen  hat."  ("Rep.
       Fact., Oct. 1846", p. 10.)
       
       Die steigende  Nachfrage nach  Rohstoff und  die Überfüllung  des
       Markts mit  Fabrikat gehn natürlich Hand in Hand. - Beiläufig be-
       schränkte sich die damalige Ausdehnung der Industrie und nachfol-
       gende Stockung  nicht auf  die Baumwolldistrikte.  Im Kammwolldi-
       strikt von  Bradford waren  1836 nur  318 Fabriken,  1846 dagegen
       490. Diese  Zahlen drucken bei weitem nicht die wirkliche Steige-
       rung der Produktion aus, da die bestehenden Fabriken
       gleichzeitig bedeutend erweitert wurden. Dies gilt besonders auch
       von Flachsspinnereien.
       
       #135# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
       -----
       "Sie alle  haben mehr  oder weniger  während der letzten 10 Jahre
       beigetragen zu  der Überführung des Markts, der die jetzige Stoc-
       kung des  Geschäfts großenteils  zugeschrieben werden  muß... Der
       gedruckte Geschäftsstand  folgt ganz  natürlich aus  einer so ra-
       schen Erweitrung der Fabriken und der Maschinerie." ("Rep. Fact.,
       Oct. 1846", p. 30.)
       
       1847. Im  Oktober Geldkrisis. Diskonto 8%. Vorher schon Zusammen-
       bruch des  Eisenbahnschwindels, der ostindischen Wechselreiterei.
       Aber:
       
       "Herr Baker  gibt sehr interessante Details über die in den letz-
       ten Jahren  gestiegne Nachfrage  für Baumwolle,  Wolle und Flachs
       infolge der  Ausdehnung dieser  Industrien. Er hält die vermehrte
       Nachfrage nach diesen Rohstoffen, namentlich da sie zu einer Zeit
       eintrat, wo  deren Zufuhr  weit unter  den Durchschnitt  gefallen
       ist, für fast genügend, den gegenwärtigen gedruckten Stand dieser
       Geschäftszweige zu erklären, auch ohne daß man die Zerrüttung des
       Geldmarkts zu  Hilfe nimmt. Diese Ansicht wird vollständig bestä-
       tigt durch  meine eignen Beobachtungen und durch das, was ich von
       geschäftskundigen Leuten  erfahren habe.  Diese verschiednen  Ge-
       schäftszweige waren alle schon sehr gedrückt, als Diskontierungen
       noch leicht  zu 5% und weniger zu bewirken waren. Dagegen war die
       Zufuhr von  Rohseide reichlich, die Preise mäßig und das Geschäft
       demgemäß lebhaft,  bis... in  den letzten 2 oder 3 Wochen, wo un-
       zweifelhaft die  Geldkrisis nicht nur die Trarnierer selbst, son-
       dern noch  mehr ihre  Hauptkunden, die Fabrikanten von Modewaren,
       affiziert hat.  Ein Blick  auf die veröffentlichten amtlichen Be-
       richte zeigt,  daß die Baumwollindustrie in den letzten drei Jah-
       ren sich  um beinahe  27% vermehrt  hat. Infolgedessen  ist Baum-
       wolle, rund  gesprochen, von  4 d.  auf 6 d. per Pfund gestiegen,
       während Garn,  dank der  vermehrten Zufuhr,  nur eine Kleinigkeit
       über seinem frühern Preise steht. Die Wollindustrie fing 1836 an,
       sich auszudehnen,  seitdem ist  sie in Yorkshire um 40% gewachsen
       und in  Schottland noch  mehr. Noch größer ist der Zuwachs in der
       Worsted-Industrie." Die  Berechnungen ergeben  hier für denselben
       Zeitraum eine Ausdehnung von über 74%. Der Verbrauch von Rohwolle
       ist daher  enorm gewesen.  Die Leinenindustrie  zeigt  seit  1839
       einen Zuwachs  von ungefähr 25% in England, 22% in Schottland und
       beinahe 90%  in Irland  ; die  Folge hiervon,  bei gleichzeitigen
       schlechten Flachsernten,  war, daß der Rohstoff um 10 Pfd.St. per
       Tonne gestiegen,  der Garnpreis  dagegen 6 d. das Bündel gefallen
       ist." ("Rep. Fact., Oct. 1847", p. 30, 31.)
       ---
       18) Man unterscheidet in England streng zwischen Woollen Manufac-
       ture,  die  aus  kurzer  Wolle  Streichgarn  spinnt  und  verweht
       (Hauptzentrum Leeds),  und Worsted  Manufacture, die  aus  langer
       Wolle Kammgarn  spinnt und  verweht (Hauptsitz Bradford in Yorks-
       hire). - F.E.
       19) Diese rasche Ausdehnung der Maschinenspinnerei von Leinengarn
       in Irland  gab dem Export des deutschen (schlesischen, Lausitzer,
       westfälischen) aus Handgepinst gewobnen Leinens damals den Todes-
       stoß. - F.E.
       
       #136# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       1849. Seit den letzten Monaten von 1848 lebte das Geschäft wieder
       auf.
       
       "Der Flachspreis,  der so  niedrig war,  daß er  fast unter allen
       möglichen zukünftigen Umständen einen erträglichen Profit sicher-
       stellte, hat die Fabrikanten veranlaßt, ihr Geschäft stetig fort-
       zufahren. Die  Wollfabrikanten waren  im Anfang  des  Jahrs  eine
       Zeitlang sehr  stark beschäftigt...  ich fürchte aber, daß Konsi-
       gnationen von  Wollenwaren oft  die Stelle  wirklicher  Nachfrage
       vertreten und  daß Perioden  scheinbarer Prosperität, d.h. voller
       Beschäftigung, nicht  immer mit  den Perioden legitimer Nachfrage
       sich decken.  Während einiger Monate ist das Worsted-Geschäft be-
       sonders gut  gewesen... Im  Anfang der  erwähnten  Periode  stand
       Wolle besonders niedrig; die Spinner hatten sich zu vorteilhaften
       Preisen gedeckt  und sicher  auch in bedeutenden Quantitäten. Als
       der Wollpreis  mit den Frühjahrsauktionen stieg, hatten die Spin-
       ner den  Vorteil davon,  und sie  behielten ihn, da die Nachfrage
       nach  Fabrikaten  beträchtlich  und  unabweishar  wurde."  ("Rep.
       Fact., [April] 1849", p. 42.)
       "Wenn wir  die Variationen  im Stand des Geschäfts ansehn, die in
       den Fabrikdistrikten seit jetzt 3 oder 4 Jahren vorgekommen sind,
       so müssen  wir, glaube ich, zugeben, daß irgendwo eine große Stö-
       rungsursache besteht...  Kann da  nicht die  ungeheure Produktiv-
       kraft der  vermehrten Maschinerie ein neues Element geliefert ha-
       ben?" ("Rep. Fact., April 1849", p. 42, 43.)
       
       Im November  1848, Mai  und Sommer bis Oktober 1849 wurde das Ge-
       schäft immer schwunghafter.
       
       "Am meisten gilt dies von der Fabrikation von Stoffen aus Ungarn,
       die sich  um Bradford und Halifax gruppiert; dies Geschäft hat zu
       keiner frühern  Zeit auch  nur annähernd seine jetzige Ausdehnung
       erreicht... Die  Spekulation im Rohstoff und die Ungewißheit über
       seine wahrscheinliche  Zufuhr hat  von jeher größre Aufregung und
       häufigere Schwankung  in der  Baumwollindustrie hervorgerufen als
       in irgendeinem  andern Geschäftszweig. Es findet hier augenblick-
       lich eine Anhäufung von Vorräten grabrer Baumwollwaren statt, die
       die kleinern Spinner beunruhigt und sie bereits benachteiligt, so
       daß mehrere  von ihnen  kurze Zeit  arbeiten." ("Rep. Fact., Oct.
       1849", p. 64, 65.)
       
       1850. April. Fortdauernd flottes Geschäft. Ausnahme:
       
       "Große Depression in einem Teil der Baumwollindustrie infolge un-
       genügender Zufuhr  des Rohstoffs  gerade für grobe Garnnummem und
       schwere Gewebe... Es wird befürchtet, daß die für das Worsted-Ge-
       schäft neuerdings  aufgestellte vermehrte Maschinerie eine ähnli-
       che Reaktion  herbeiführen wird. Herr Baker berechnet, daß allein
       im Jahre  1849 in diesem Geschäftszweig das Produkt der Webstühle
       um 40% und das der Spindein um 25-30% gestiegen ist, und die Aus-
       dehnung geht  noch immer  im  selben  Verhältnis  voran."  ("Rep.
       Fact., April 1850" p. 54.)
       
       #137# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
       -----
       1850. Oktober.
       
       "Der Baumwollpreis  fährt fort... eine beträchtliche Gedrücktheit
       in diesem Industriezweig zu verursachen, besonders für solche Wa-
       ren, bei  denen der  Rohstoff, einen beträchtlichen Teil der Pro-
       duktionskosten ausmacht.  Der große  Preisaufschlag der  Rohseide
       hat auch  in diesem  Zweig vielfach  einen Druck  herbeigeführt."
       ("Rep. Fact., Oct. 1850", p. 14.)
       
       Nach dem  hier zitierten Bericht des Komitees der königlichen Ge-
       sellschaft für  Flachsbau in  Irland hatte  hier der hohe Flachs-
       preis, bei  niedrigem Preisstand andrer landwirtschaftlichen Pro-
       dukte, eine  bedeutende Vermehrung  der Flachsproduktion  für das
       folgende Jahr sichergestellt. (p. 33.)
       
       1853. April. Große Prosperität.
       
       "Zu keiner  Zeit während der 17 Jahre, während denen ich amtliche
       Kenntnis genommen  habe vom  Stand des  Fabirikdistrikts von Lan-
       cashire, ist  mir eine solche allgemeine Prosperität vorgekommen;
       die Tätigkeit ist in allen Zweigen außerordentlich", sagt L. Hor-
       ner. ("Rep. Fact., April 1853", p. 19.)
       
       1853.     Oktober.      Depression     der     Baumwollindustrie.
       "Überproduktion." ("Rep. Fact., October 1853", p. 15.)
       
       1854. April.
       
       "Das Wollgeschäft,  obwohl nicht  flott, hat  in  allen  Fabriken
       volle Beschäftigung  geliefert; ebenso die Baumwollindustrie. Das
       Worsted-Geschäft war im ganzen vorigen Halbjahr durchweg unregel-
       mäßig... In  der Leinenindustrie  fand Störung  statt infolge der
       verminderten Zufuhren  von Flachs  und Hanf aus Rußland wegen des
       Krimkriegs." ("Rep. Fact., [April] 1854", p. 37.)
       
       1859.
       
       "Das Geschäft  in der  schottischen Leinenindustrie  ist noch ge-
       drückt... da  der Rohstoff selten und teuer ist; die geringe Qua-
       lität der  vorigen Ernte  in den  Ostseeländern, woher  wir unsre
       Hauptzufuhr bezogen,  wird eine  schädliche Wirkung  auf das  Ge-
       schäft dieses  Bezirks ausüben;  dagegen ist  Jute, die in vielen
       groben Artikeln  den Flachs allmählich verdrängt, weder ungewöhn-
       lich teuer  noch selten... ungefähr die Hälfte der Maschinerie in
       Dundee spinnt  jetzt Jute."  ("Rep. Fact.,  April 1859",  p. 19.)
       "Infolge des  hohen Preises des Rohstoffs ist die Flachsspinnerei
       noch immer durchaus nicht lohnend, und während alle andern Fabri-
       ken die  volle Zeit  laufen, haben  wir verschiedne Beispiele der
       Stillsetzung von Flachsmaschinerie... Die Jutespinnerei... ist in
       einer zufriedenstellendem  Lage, da  neuerdings dieser  Stoff auf
       einen mäßigem  Preis herabgegangen  ist."  ("Rep.  Fact.  October
       1859", p. 20.)
       
       #138# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       1861-1864. Amerikanischer  Bürgerkrieg. Cotton  Famine.  1*)  Das
       größte Beispiel  der Unterbrechung des Produktionsprozesses durch
       Mangel und Teuerung des Rohstoffs
       
       1860. April.
       
       "Was den Stand des Geschäfts angeht, freut es mich, Ihnen mittei-
       len zu  können, daß  trotz des  hohen Preises  der Rohstoffe alle
       Textilindustrien, mit  Ausnahme von  Seide, während  des  letzten
       halben Jahres  recht gut  beschäftigt gewesen  sind... In einigen
       der Baumwollbezirke sind Arbeiter auf dem Weg der Annonce gesucht
       worden und aus Norfolk und andern ländlichen Grafschaften dorthin
       gewandert... Es scheint in jedem Industriezweig ein großer Mangel
       an Rohstoff zu herrschen. Es ist... dieser Mangel allein, der uns
       in Schranken  hält. Im  Baumwollgeschäft ist die Zahl der neu er-
       richteten Fabriken, die Erweiterung der schon bestehenden und die
       Nachfrage nach  Arbeitern wohl  nie so  stark gewesen  wie jetzt.
       Nach allen  Richtungen hin  ist man auf der Suche nach Rohstoff."
       ("Rep. Fact., April 1860", p. 57.)
       
       1860. Oktober.
       
       "Der Stand des Geschäfts in den Baumwoll-, Woll- und Flachsbezir-
       ken ist  gut gewesen;  in Irland  soll er  sogar sehr gut gewesen
       sein seit  mehr als  einem Jahr und wäre noch besser gewesen ohne
       den hohen  Preis des  Rohstoffs. Die  Flachsspinner scheinen  mit
       mehr Ungeduld  als je  auf die Eröffnung der Hilfsquellen Indiens
       durch die  Eisenbahnen zu  warten und  auf die entsprechende Ent-
       wicklung seiner Agrikultur, um endlich eine... ihren Bedürfnissen
       entsprechende Zufuhr  von  Flachs  zu  erhalten."  ("Rep.  Fact.,
       October 1860", p. 37.)
       
       1861. April.
       
       "Der Geschäftsstand  ist augenblicklich gedrückt... einige wenige
       Baumwollfabriken arbeiten  kurze Zeit,  und viele  Seidenfabriken
       sind nur teilweise beschäftigt. Rohstoff ist teuer. In fast jedem
       textilen Zweige  steht er über dem Preis, zu dem er für die Masse
       der Konsumenten  verarbeitet werden  kann." ("Rep.  Fact.,  April
       1861 p. 33.)
       Es zeigte  sich jetzt, daß 1860 in der Baumwollindustrie überpro-
       duziert worden  war; die  Wirkung davon  machte sich noch während
       der nächsten Jahre fühlbar.
       
       "Es hat  zwischen zwei und drei Jahren genommen, bis die Überpro-
       duktion von 1860 auf dem Weltmarkt absorbiert war." ("Rep. Fact.,
       October 1863",  p. 127.) Der gedruckte Stand der Märkte für Baum-
       wollfabrikate in Ostasien, anfangs 1860, hatte eine entsprechende
       Rückwirkung auf  das Geschäft  in Blackburn,  wo im  Durchschnitt
       30 000 mechanische  Webstühle fast  ausschließlich in der Produk-
       tion von Geweben für diesen Markt beschäftigt sind. Die Nachfrage
       für Arbeit war demzufolge hier schon
       -----
       1*) Baumwolinot
       
       #139# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
       -----
       beschränkt, viele Monate bevor die Wirkungen der Baumwollblockade
       sich fühlbar  machten... Glücklicherweise  wurden hierdurch viele
       Fabrikanten vor  dem Ruin  bewahrt. Die  Vorräte stiegen im Wert,
       solange man  sie auf  Lager hielt, und so wurde die erschreckende
       Entwertung vermieden,  die sonst  in einer  solchen Krisis unver-
       meidlich war." ("Rep. Fact., October 1862", p. 28, 29, 30.)
       
       1861. Oktober.
       
       "Das Geschäft  ist seit  einiger Zeit sehr gedruckt gewesen... Es
       ist gar  nicht unwahrscheinlich,  daß  während  der  Wintermonate
       viele Fabriken  die Arbeitszeit  sehr verkürzen  werden. Dies war
       indes vorherzusehn...  ganz abgesehn  von den Ursachen, die unsre
       gewöhnliche Baumwollzufuhr  von Amerika  und unsre Ausfuhr unter-
       brochen haben, wurde Verkürzung der Arbeitszeit für den kommenden
       Winter notwendig geworden sein infolge der starken Vermehrung der
       Produktion in  den letzten drei Jahren und der Störungen im indi-
       schen und  chinesischen Markt."  ("Rep. Fact.,  October 1861", p.
       19.)
       
       Baumwollabfall. Ostindische  Baumwolle (Surat).  Einfluß auf  den
       Lohn der Arbeiter. Verbesserung in der Maschinerie. Ersetzung von
       Baumwolle durch  Stärkmehl und  Mineralien. Wirkung dieser Stärk-
       mehlschlichte auf die Arbeiter. Spinner feinerer Garnnummern. Be-
       trug der Fabrikanten
       
       "Ein Fabrikant  schreibt mir  wie folgt:  was die  Schätzung  des
       Baumwollverbrauchs per  Spindel betrifft, so ziehn Sie wohl nicht
       hinreichend die  Tatsache in  Rechnung, daß, wenn Baumwolle teuer
       ist, jeder  Spinner gewöhnlicher  Garne (sage  bis Nr. 40, haupt-
       sächlich Nr.  12-32) so  feine Nummern  spinnt, wie er nur irgend
       kann, d.h. er wird Nr. 16 spinnen statt früher Nr. 12 oder Nr. 22
       statt Nr. 16 usw.; und der Weber, der diese feinen Carne verwebt,
       wird seinen  Kattun auf das gewöhnliche Gewicht bringen, indem er
       um so  viel mehr  Schlichte zusetzt.  Dies Hilfsmittel wird jetzt
       benutzt in  einem wirklich  schmählichen Grad. Ich habe aus guter
       Quelle gehört, daß es ordinäre Shirtings 1*) für Export gibt, wo-
       von das  Stück 8 Pfund wiegt, und wovon 2 3/4 Pfund Schlichte wa-
       ren. In  Gewebe andrer  Sorten wird  oft bis zu 50% Schlichte ge-
       steckt, so daß der Fabrikant keineswegs lügt, der sich rühmt, ein
       reicher Mann zu werden, indem er sein Gewebe für weniger Geld per
       Pfund verkauft,  als er  für das  Garn bezahlt hat, woraus es ge-
       macht ist." ("Rep. Fact., April 1864", p. 27.)
       
       "Es sind  mir auch  Aussagen gemacht  worden, daß die Weber ihren
       gesteigerten Krankheitsstand  der Schlichte  zuschreiben, die für
       die aus  ostindischer Baumwolle  gesponnenen Ketten verwandt wird
       und die  nicht mehr wie früher bloß aus Mehl besteht. Dies Surro-
       gat für  Mehl soll  jedoch den sehr großen Vorteil bieten, daß es
       das Gewicht des Gewebes bedeutend vermehrt, so daß 15 Pfund Garn,
       wenn verwebt,  zu 20  Pfund werden." ("Rep. Fact., Oct. 1863", p.
       63. Dies Surrogat war gemahlner Talk,
       -----
       1*) Hemdenstoffe
       
       #140# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       genannt China clay, oder Cips, genannt French chalk.) - "Der Ver-
       dienst der  Weber (hier bedeutet dies die Arbeiter) ist sehr ver-
       mindert durch  Anwendung von  Surrogaten  für  Mehl  als  Ketten-
       schlichte. Diese  Schlichte macht  das Garn  schwerer, aber  auch
       hart und  brüchig. Jeder  Faden der  Kette geht im Webstuhl durch
       die sogenannte Litze, deren starke Fäden die Kette in der richti-
       gen Lage  halten; die hartgeschlichteten Ketten verursachen fort-
       währende Fadenbrüche in der Litze; jeder Bruch verursacht dem We-
       ber fünf  Minuten Zeitverlust  zur Reparatur; der Weber hat diese
       Schäden jetzt  mindestens 10mal  so oft  wie früher auszubessern,
       und der  Stuhl leistet während der Arbeitsstunden natürlich um so
       viel weniger." (l.c.p. 42, 43.)
       
       "In Ashton,  Stalybridge, Mossley,  Oldham etc. ist die Beschrän-
       kung der  Arbeitszeit um ein volles Drittel durchgeführt, und die
       Arbeitsstunden werden  noch jede Woche weiter verkürzt... Gleich-
       zeitig mit  dieser Verkürzung  der  Arbeitszeit  findet  auch  in
       vielen Zweigen Herabsetzung des Lohns statt." (p. 13.)
       
       Anfangs 1861 fand ein Strike unter den mechanischen Webern in ei-
       nigen Teilen von Lancashire statt. Verschiedne Fabrikanten hatten
       eine Lohnherabsetzung von 5-7 1/2 % angekündigt; die Arbeiter be-
       standen darauf,  daß die Lohnsätze beibehalten, aber die Arbeits-
       stunden verkürzt  werden sollten. Dies wurde nicht bewilligt, und
       der Strike entstand. Nach einem Monat mußten die Arbeiter nachge-
       ben. Aber nun erhielten sie beides:
       
       "Außer der  Lohnherabsetzung, worin  die Arbeiter zuletzt einwil-
       ligten, arbeiten  jetzt auch  viele Fabriken kurze Zeit." (" Rep.
       Fact., April 1861", p. 23.)
       
       1862. April.
       
       "Die Leiden der Arbeiter haben sich seit dem Datum meines letzten
       Berichts bedeutend vermehrt, aber zu keinerzeit in der Geschichte
       der Industrie  sind so  plötzliche und  so schwere  iden ertragen
       worden mit  so viel  schweigender Resignation  und so  geduldigem
       Selbstgefühl." ("Rep.  Fact., April 1862", p. 10.) - Die Verhält-
       niszahl  der  augenblicklich  ganz  beschäftigungslosen  Arbeiter
       scheint nicht  viel größer  zu sein als 1848, wo eine gewöhnliche
       Panik herrschte,  die aber bedeutend genug war, um die beunruhig-
       ten Fabrikanten  zur Zusammenstellung  einer ähnlichen  Statistik
       über die Baumwollindustrie zu veranlassen, wie sie jetzt wöchent-
       lich ausgegeben  wird... Im  Mai 1848  waren von sämtlichen Baum-
       wollarbeitern in  Manchester 15%,  unbeschäftigt, 12%  arbeiteten
       kurze Zeit,  während über  70% auf voller Zeit beschäftigt waren.
       Am 28.  Mai 1862  waren 15%  unbeschäftigt, 35%  arbeiteten kurze
       Zeit, 49%  volle Zeit... In den Nachbarorten, z.B. Stockport, ist
       die Prozentzahl  der nicht  voll und  der gar nicht Beschäftigten
       höher, die  der Vollbeschäftigten  geringer", weil  nämlich  hier
       gröbere Nummern gesponnen werden als in Manchester. (p. 16.)
       
       1862. Oktober,
       
       "Nach der letzten amtlichen Statistik waren [1861] im Vereinigten
       Königreich 2887  Baumwollfabriken, davon  2109 in meinem Distrikt
       (Lancashire und Cheshire).
       
       #141# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
       -----
       Ich wußte  wohl, daß  ein sehr  großer Teil  der 2109 Fabriken in
       meinem Bezirk  kleine Etablissements  waren, die  nur wenig Leute
       beschäftigen. Es  hat mich aber überrascht zu entdecken, wie groß
       diese Zahl  ist. In 392, oder 19%, ist die Triebkraft, Dampf oder
       Wasser, unter  10 Pferdekraft;  in 345, oder 16%, zwischen 10 und
       20 Pferdekraft;  in 1372  ist sie  20 Pferde und mehr... Ein sehr
       großer Teil  dieser kleinen  Fabrikanten mehr als ein Drittel der
       Gesamtzahl -  waren selbst  vor nicht  langer Zeit  Arbeiter; sie
       sind Leute ohne Kommando über Kapital... Die Hauptiast wurde also
       auf die  übrigen 2/3 fallen." ("Rep. Fact., October 1862", p. 18,
       19.)
       
       Nach demselben  Bericht waren  von den  Baumwollarbeitern in Lan-
       cashire und  Cheshire damals  voll beschäftigt 40 146 oder 11,3%,
       mit beschränkter  Arbeitszeit beschäftigt 134 767 oder 38%, unbe-
       schäftigt 179 721  oder 50,7%. Zieht man hiervon die Angaben über
       Manchester und  Bolton ab, wo hauptsächlich feine Nummern gespon-
       nen werden,  ein von  der Baumwollnot  verhältnismäßig wenig  be-
       troffner Zweig,  so stellt  sich die Sache noch ungünstiger, näm-
       lich: Vollbeschäftigt  8,5%, beschränkt  beschäftigt  38%,  unbe-
       schäftigt 53,5%. (p. 19, 20.)
       
       "Es macht  für die  Arbeiter einen  wesentlichen Unterschied,  ob
       gute oder schlechte Baumwolle verarbeitet wird. In den ersten Mo-
       naten des  Jahrs, als  die Fabrikanten  ihre Fabriken  dadurch in
       Gang zu  halten suchten, daß sie alle zu mäßigen Preisen kaufbare
       Baumwolle aufbrauchten, kam viel schlechte Baumwolle in Fabriken,
       wo früher gewöhnlich gute verwandt wurde; der Unterschied im Lohn
       der Arbeiter war so groß, daß viele Strikes stattfanden, weil sie
       jetzt zum  alten Stücklohn  keinen erträglichen Taglohn mehr her-
       ausschlagen konnten...  In einigen  Fällen betrug der Unterschied
       durch Anwendung  schlechter Baumwolle  selbst bei voller Arbeits-
       zeit die Hälfte des Gesamtlohns." (p. 27.)
       
       1863. April.
       
       "Im Lauf  dieses Jahres  wird nicht  viel mehr als die Hälfte der
       Baumwollarbeiter voll  beschäftigt werden  können." ("Rep. Fact.,
       April 1863", p. 14.)
       
       "Ein sehr  ernstlicher Nachteil bei Verwendung ostindischer Baum-
       wolle, wie die Fabriken sie jetzt gebrauchen müssen, ist der, daß
       die Geschwindigkeit der Maschinerie dabei sehr verlangsamt werden
       muß. Während  der letzten Jahre wurde alles aufgeboten, diese Ge-
       schwindigkeit zu  beschleunigen, so daß dieselbe Maschinerie mehr
       Arbeit tat.  Die verminderte  Geschwindigkeit trifft aber den Ar-
       beiter ebensosehr  wie den Fabrikanten; denn die Mehrzahl der Ar-
       beiter wird  nach Stücklohn bezahlt, die Spinner soviel per Pfund
       gesponnenes Garn, die Weber soviel per gewebtes Stück; und selbst
       bei den  andern, nach  Wochenlohn bezahlten  Arbeitern wurde eine
       Lohnverminderung eintreten  infolge der  verminderten Produktion.
       Nach meinen  Ermittlungen... und den mir übergebnen Aufstellungen
       des Verdienstes  der Baumwollarbeiter im Lauf dieses Jabrs... er-
       gibt sich eine Vermindrung von durchnittlich 20%, in einigen Fäl-
       len von  50%, berechnet nach den Lohnhöhen, wie sie 1861 herrsch-
       ten."
       
       #142# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       (p. 13.)  - "Die verdiente Summe hängt ab... davon, was für Mate-
       rial verarbeitet  wird... Die Lage der Arbeiter, in Beziehung auf
       den verdienten  Lohnbetrag, ist  sehr viel besser jetzt" (Oktober
       1863) "als  voriges Jahr  um diese Zeit. Die Maschinerie ist ver-
       bessert worden,  man kennt  den Rohstoff besser, und die Arbeiter
       werden leichter mit den Schwierigkeiten fertig, womit sie anfangs
       zu kämpfen  hatten. Voriges  Frühjahr war ich in Preston in einer
       Nähschule"  (Wohltätigkeitsanstalt   für  Unbeschäftigte);  "zwei
       junge Mädchen,  die tags  zuvor in  eine Weberei geschickt waren,
       auf die  Angabe des Fabrikanten hin, daß sie 4 sh. die Woche ver-
       dienen könnten,  baten um  Wiederaufnahme in die Schule und klag-
       ten, sie  hätten nicht 1 sh. per Woche verdienen können. Ich habe
       Angaben gehabt  über Self-acting  minders... Männer, die ein paar
       Self-actors regieren,  die nach 14 Tagen voller Arbeitszeit 8 sh.
       11 d. verdient hatten, und von dieser Summe wurde ihnen die Haus-
       miete abgezogen, wobei der Fabrikant" (Edelmütigster!) "ihnen je-
       doch die  halbe Miete  als Geschenk zurückgab. Die Minders nahmen
       die Summe von 6 sh. 11 d. nach Hause. An manchen Orten verdienten
       die Self-acting  minders 5-9 sh. die Woche, die Weber von 2-6 sh.
       die Woche, während der letzten Monate 1862... Gegenwärtig besteht
       ein viel  gesundrer Zustand,  obwohl der Verdienst in den meisten
       Distrikten noch  immer sehr abgenommen hat... Mehrere andre Ursa-
       chen haben  zu dem geringen Verdienst beigetragen, neben dem kür-
       zern Stapel  der indischen Baumwolle und ihrer Verunreinigung. So
       z.B. ist  es jetzt Brauch, Baumwollabfall reichlich unter die in-
       dische Baumwolle  zu mischen,  und dies  steigert  natürlich  die
       Schwierigkeit für  den Spinner noch mehr. Bei der Kürze der Faser
       reißen die  Fäden leichter  beim Herausziehen  der Mule  und beim
       Drehen des  Garns, und  die Mule kann nicht so regelmäßig im Gang
       gehalten werden...  Ebenso kann,  bei der  großen Aufmerksamkeit,
       die auf  die Fäden  verwandt werden  muß, eine Weberin häufig nur
       einen Stuhl  überwachen,  und  nur  sehr  wenige  mehr  als  zwei
       Stühle... In  vielen Fällen ist der Lohn der Arbeiter geradezu um
       5, 7  1/2, und  10% herabgesetzt  worden... in  der Mehrzahl  der
       Fälle muß  der Arbeiter zusehn, wie er mit seinem Rohstoff fertig
       wird und  wie er  zum gewöhnlichen  Lohnsatz an Verdienst heraus-
       schlägt was  er kann... Eine andre Schwierigkeit, womit die Weber
       zuweilen zu  kämpfen haben,  ist, daß  sie aus  schlechtem  Stoff
       gutes Gewebe  machen sollen  und mit Lohnabzügen gestraft werden,
       wenn die  Arbeit  nicht  nach  Wunsch  ausfällt."  ("Rep.  Fact.,
       October 1863", p. 41-43.)
       
       Die Löhne waren miserabel, selbst wo volle Zeit gearbeitet wurde.
       Die Baumwollarbeiter  stellten sich  bereitwillig zu  all den öf-
       fentlichen Arbeiten,  Dränage, Wegehauten, Steineklopfen, Straße-
       pflastern, wozu sie verbraucht wurden, um ihre Unterstützung (die
       tatsächlich eine Unterstützung der Fabrikanten war, s. Buch I, S.
       598/589 1*))  von den  Lokalbehörden zu  beziehn. Die ganze Bour-
       geoisie  stand   auf  Wache   über  den   Arbeitern.  Würde   der
       schlechteste Hundelohn  angeboten und  der  Arbeiter  wollte  ihn
       nicht
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S.600/601
       
       #143# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel
       -----
       nehmen, so  strich das  Unterstützungskomitee ihn  von der Unter-
       stützungsliste. Es  war insofern  eine goldne  Zeit für die Herrn
       Fabrikanten, als  die Arbeiter  entweder verhungern oder zu jedem
       dem Bourgeois profitabelsten Preis arbeiten mußten, wobei die Un-
       terstützungskomitees als  ihre Wachthunde agierten. Zugleich ver-
       hinderten die Fabrikanten, in geheimem Einverständnis mit der Re-
       gierung, die  Auswanderung soweit  wie möglich,  teils um  ihr im
       Fleisch und  Blut der Arbeiter existierendes Kapital stets in Be-
       reitschaft zu  halten, teils  um die  von den  Arbeitern erpreßte
       Hausmiete zu sichern.
       Die Unterstützungskomitees  handelten in  diesem Punkt mit großer
       Strenge. War  Arbeit angeboten, so wurden die Arbeiter, denen sie
       angeboten worden,  von der Liste gestrichen und so gezwungen, sie
       anzunehmen. Wenn  sie sich weigerten, die Arbeit anzutreten... so
       war die  Ursache die, daß ihr Verdienst bloß nominell, die Arbeit
       aber außerordentlich schwer sein würde." l.c.p. 97.)
       
       Die Arbeiter  waren zu  jeder Art Arbeit bereitwillig, zu der sie
       infolge des Public Works Act 1*) angestellt wurden.
       
       "Die Grundsätze,  wonach industrielle Beschäftigungen organisiert
       wurden, wechselten bedeutend in verschiednen Städten. Aber selbst
       an den  Orten, wo die Arbeit in freier Luft nicht absolut als Ar-
       beitsprobe (Iabour test) diente, wurde diese Arbeit doch entweder
       mit der  bloßen regelmäßigen Unterstützungssumme oder doch nur so
       unbedeutend höher  bezahlt, daß  sie in der Tat eine Arbeitsprobe
       wurde." (p. 69.) Der Public Works Act von 1863 sollte diesem Übel
       abhelfen und  den Arbeiter befähigen, seinen Taglohn als unabhän-
       giger Taglöhner zu verdienen. Der Zweck dieses Akts war dreifach:
       1. Lokalbehörden  zu befähigen, Geld (mit Einwilligung des Präsi-
       denten der  staatlichen Zentral-Armenbehörde)  von den  Schatzan-
       leihe-Kommissären zu borgen; 2. Verbesserungen in den Städten der
       Baumwollbezirke zu  erleichtern; 3. den unbeschäftigten Arbeitern
       Arbeit und  lohnenden Verdienst (remunerative wages) zu verschaf-
       fen."
       
       Bis Ende  Oktober 1863  waren Anleihen bis zum Betrag von 883 700
       Pfd.St. unter diesem Gesetz bewilligt worden. (p. 70.).Die unter-
       nommenen Arbeiten  waren hauptsächlich  Kanalisation, Wegebauten,
       Straßenpflastem, Sammelteiche für Wasserwerke etc.
       Herr Henderson,  Präsident des  Komitees von  Blackburn, schreibt
       mit Beziehung hierauf an Fabrikinspektor Redgrave:
       
       "Während meiner  ganzen Erfahrung  im Lauf der gegenwärtigen Zeit
       des Leidens und des Elends hat mich nichts stärker frappiert oder
       mir mehr  Freude gemacht  als die  heitre Bereitwilligkeit, womit
       die unbeschäftigten Arbeiter dieses Distrikts die ihnen gemäß dem
       Public Works  Act vom  Stadtrat von  Blackburn  angebotne  Arbeit
       übernommen haben.  Man kann kaum einen großem Kontrast denken als
       den zwischen
       -----
       1*) Gesetzes über öffentliche Arbeiten
       
       #144# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       dem Baumwollspinner,  der früher  als geschickter Arbeiter in der
       Fabrik, und  jetzt als Tagelöhner an einem Abzugskanal 14 oder 18
       Fuß tief arbeitet."
       
       (Sie verdienten dabei je nach Größe der Familie 4-12 sh. wöchent-
       lich, letztre riesige Summe mußte oft für eine Familie von 8 Per-
       sonen ausreichen.  Die Herren  Spießbürger hatten dabei doppelten
       Profit: Erstens  bekamen sie das Geld zur Verbesserung ihrer rau-
       chigen und vernachlässigten Städte zu ausnahmsweis niedrigen Zin-
       sen; zweitens  zahlten sie die Arbeiter weit unter den regelmäßi-
       gen Lohnsätzen.)
       
       "Gewohnt wie  er war,  an eine  fast tropische Temperatur, an Ar-
       beit, wobei  Gewandtheit und Genauigkeit der Manipulation ihm un-
       endlich mehr  nutzte als  Muskelkraft, gewohnt  an das  Doppelte,
       manchmal Dreifache  der Entlohnung,  die er  jetzt erhalten kann,
       schließt seine  willige Annahme  der gebotnen  Beschäftigung eine
       Summe von  SeIbstverleugnung  und  Rücksicht  ein,  die  ihm  zur
       höchsten Ehre gereicht. In Blackburn sind die Leute probiert wor-
       den, bei fast jeder möglichen Art von Arbeit in freier Luft; beim
       Ausgraben eines  steifen, schweren  Lehmbodens auf  beträchtliche
       Tiefe, bei  Trockenlegung, Steinklopfen,  Wegebauten, bei Ausgra-
       bungen für  Straßenkanäle auf  Tiefen von  14, 16 und zuweilen 20
       Fuß. Häufig stehn sie dabei in 10-12 Zoll tiefem Schmutz und Was-
       ser, und  jedesmal sind  sie dabei einem Klima ausgesetzt, dessen
       nasse Kälte  in keinem  Distrikt Englands übertroffen, wenn über-
       haupt erreicht  wird." (p.  91, 92.)  - "Die Haltung der Arbeiter
       ist fast tadellos gewesen... ihre Bereitwilligkeit, die Arbeit in
       freier Luft  zu übernehmen  und sich  damit durchzuschlagen." (p.
       69.)
       
       1864. April.
       
       "Gelegentlich hört  man in verschiednen Bezirken Klagen über Man-
       gel an Arbeitern, hauptsächlich in gewissen Zweigen, z.B. der We-
       berei... aber diese Klagen haben ihren Ursprung ebensosehr in dem
       geringen Lohn,  den die Arbeiter verdienen können infolge der an-
       gewandten schlechten  Garnsorten, wie in irgendwelchen wirklichen
       Seltenheit von  Arbeitern selbst in diesem besondern Zweig. Zahl-
       reiche Zwistigkeiten wegen des Lohns haben vorigen Monat stattge-
       funden zwischen gewissen Fabrikanten und ihren Arbeitern. Ich be-
       daure, daß  Strikes nur zu häufig vorgekommen sind... Die Wirkung
       des Public Works Act wird von den Fabrikanten als eine Konkurrenz
       empfunden, und infolgedessen hat das Lokalkomitee von Bacup seine
       Tätigkeit suspendiert,  denn obwohl noch nicht alle Fabriken lau-
       fen, hat  sich doch  ein Mangel  an  Arbeitern  gezeigt."  ("Rep.
       Fact., April 1864", p. 9.)
       
       Es war  allerdings die  höchste Zeit  für die Herren Fabrikanten.
       Infolge des  Public Works Act wuchs die Nachfrage so sehr, daß in
       den Steinbrüchen  bei Bacup  manche Fabrikarbeiter  jetzt 4-5 sh.
       täglich verdienten.  Und so wurden die öffentlichen Arbeiten all-
       mählich eingestellt  - diese  neue Auflage der Ateliers nationaux
       von 1848 [20], aber diesmal errichtet zum Nutzen der Bourgeoisie.
       
       #145# 6. Kapitel - Wirkung von Preiswechsel 145
       -----
       Experimente in corpore vili 1*)
       
       "Obwohl ich  den sehr  herabgesetzten Lohn"  (der Vollbeschäftig-
       ten), den  wirklichen Verdienst  der Arbeiter in verschiednen Fa-
       briken gegeben  habe, folgt  keineswegs, daß  sie Woche für Woche
       dieselbe Summe  verdienen. Die  Arbeiter sind hier großen Schwan-
       kungen ausgesetzt  infolge des  beständigen Experimentierens  der
       Fabrikanten mit verschiednen Arten und Proportionen von Baumwolle
       und Abfall  in derselben  Fabrik; die  Mischungen,  wie  man  sie
       nennt, werden  häufig gewechselt,  und der Verdienst der Arbeiter
       steigt und  fällt mit der Qualität der Baumwollmischung. Zuweilen
       blieb er  nur 15%  des frühern Verdienstes, und in einer oder ein
       paar Wochen fiel er auf 50 oder 60% herunter."
       
       Inspektor Redgrave, der hier spricht, gibt nun der Praxis entnom-
       mene Lohnaufstellungen, wovon hier folgende Beispiele hinreichen:
       A, Weber,  Familie von  6 Personen,  4 Tage in der Woche beschäf-
       tigt, 6 sh. 8 1/2 d.; B, Twister 2*), 4 1/2 Tag per Woche, 6 sh.;
       C, Weber, Familie von 4, 5 Tage per Woche, 5 sh. 1 d.; D, Slubber
       3*), Familie  von 6, 4 Tage per Woche, 7 sh. 10 d.; E, Weber, Fa-
       milie von 7, 3 Tage. 5 sh. usw. Redgrave fährt fort:
       
       "Die obigen Aufstellungen verdienen Beachtung, denn sie beweisen,
       daß die  Arbeit in  mancher Familie  ein Unglück werden würde, da
       sie nicht  nur das Einkommen reduziert, sondern es so tief herun-
       terbringt, daß  es vollständig  unzureichend wird,  um  mehr  als
       einen ganz  kleinen Teil ihrer absoluten Bedürfnisse zu befriedi-
       gen, wenn  nicht  zusätzliche  Unterstützung  in  Fällen  gegeben
       würde, wo der Verdienst der Familie nicht die Summe erreicht, die
       sie alt,  Unterstützung erhalten  wurde, wenn sie alle unbeschäf-
       tigt wären." ("Rep. Fact., October 1863", p. 50-53.)
       
       "In keiner  Woche seit dem 5. Juni 1863 ist die durchschnittliche
       Gesamtbeschäftigung aller  Arbeiter mehr als zwei Tage, 7 Stunden
       und einige Minuten gewesen." l.c.p. 121.)
       
       Von Anfang  der Krise bis 25. März 1863 wurden beinahe drei Mill.
       Pfd.St. ausgegeben  von den Armenverwaltungen, dem Zentral-Unter-
       stützungskomitee und dem Londoner Mansion-House-Komitee. (p. 13.)
       
       "In einem  Bezirk, wo wohl das feinste Garn gesponnen wird... er-
       leiden die  Spinner eine  indirekte Lohnherabsetzung  von 15% in-
       folge des Übergangs von Sea Island zu ägyptischer Baumwolle... In
       einem ausgedehnten Distrikt, wo Baumwollabfall in Mengen verwandt
       wird zur Mischung mit indischer Baumwolle, haben die Spinner eine
       hnreduktion von  5% gehabt  und außerdem noch 20-30% verloren in-
       folge der  Verarbeitung von  Surat und Abfall. Die Weber sind von
       vier Stühlen auf
       -----
       1*) an einem wertlosen Körper - 2*) Zwirner - 3*) Vorspinner
       
       #146# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       2 heruntergekommen.  1860 machten  sie auf jeden Webstuhl 5 sh. 7
       d., 1863 nur 3 sh. 4 d.... Die Geldstrafen, die auf amerikanische
       Baumwolle früher von 3 d. bis 6 d. variierten" (für den Spinner),
       laufen jetzt auf zu 1 sh. bis 3 sh. 6 d."
       
       In einem  Bezirk, wo  ägyptische Baumwolle  gebraucht wurde, ver-
       mischt mit ostindischer:
       
       "Der Durchschnittslohn  der Mule-Spinner  1860 war  18-25 sh. und
       ist jetzt  10-18 sh. Dies ist nicht ausschließlich durch die ver-
       schlechterte Baumwolle verursacht, sondern auch durch die vermin-
       derte Geschwindigkeit der Mule, um dem Garn eine stärkere Drehung
       zu geben, wo in gewöhnlichen Zeiten Extrazahlung gemmäß der Lohn-
       liste gemacht worden wäre." (p. 43, 44, 45-50.) Obgleich die ost-
       indische Baumwolle  vielleicht hier und da mit Profit für den Fa-
       brikanten verarbeitet worden ist, so sehn wir doch (siehe Lohnli-
       ste p.  53), daß  die Arbeiter  darunter leiden,  verglichen  mit
       1861. Setzt  sich der  Gebrauch von Surat fest, so werden die Ar-
       beiter den gleichen Verdienst wie 1861 verlangen; dies aber würde
       den Profit  des Fabrikanten  ernstlich affizieren, falls es nicht
       ausgeglichen wird  durch den  Preis, sei es der Baumwolle, sei es
       der Fabrikate." (p. 105.)
       
       Hausmiete.
       
       "Die Hausmiete  der Arbeiter, wenn die von ihnen bewohnten cotta-
       ges dem  Fabrikanten gehören, wird von diesem häufig vom Lohn ab-
       gezogen, selbst wenn kurze Zeit gearbeitet wird. Trotzdem ist der
       Wert dieser  Gebäude gesunken,  und Häuschen  sind  jetzt  25-50%
       wohlfeiler gegen früher zu haben; eine cottage, die sonst 3 sh. 6
       d. per  Woche kostete,  ist jetzt für 2 sh. 4 d. zu haben und zu-
       weilen noch für weniger." (p. 57.)
       
       Auswanderung. Die Fabrikanten waren natürlich gegen die Auswande-
       rung der Arbeiter, einestells weil sie
       
       "in Erwartung  beßrer Zeiten  für die  BaumwoIlindustrie sich die
       Mittel zur  Hand erhalten wollten, um ihre Fabrik in der vorteil-
       haftesten Weise  zu betreiben." Dann aber auch sind manche Fabri-
       kanten Eigentümer  der Häuser,  worin die von ihnen beschäftigten
       Arbeiter wohnen,  und wenigstens  einige von  ihnen rechnen unbe-
       dingt darauf, später einen Teil der aufgelaufnen schuldigen Miete
       bezahlt zu erhalten". (p. 96.)
       
       Herr Bernal  Osborne sagt in einer Rede an seine Parlamentswähler
       vom 22. Oktober 1864, daß sich die Arbeiter von Lancashite benom-
       men haben  wie  die  antiken  Philosophen  (Stoiker).  Nicht  wie
       Schafe?

       zurück