Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       SIEBENTES KAPITEL
       Nachträge
       
       Gesetzt, wie in diesem Abschnitt unterstellt, die in jeder beson-
       dren Produktionssphäre  angeeignete Profitmasse  sei  gleich  der
       Summe des Mehrwerts, den das in dieser Sphäre angelegte Gesamtka-
       pital erzeugt.  So wird  der Bourgeols  den Profit doch nicht als
       identisch mit dem Mehrwert, d.h. mit unbezahlter Mehrarbeit, auf-
       fassen, und zwar aus folgenden Gründen nicht:
       1. In  dem Prozeß  der Zirkulation vergißt er den Produktionspro-
       zeß. Das  Realisieren des Werts der Waren - worin das Realisieren
       ihres Mehrwerts eingeschlossen - gilt ihm als Machen dieses Mehr-
       werts. {Eine  leergelassene Lücke  im Manuskript  deutet an,  daß
       Marx diesen Punkt näher zu entwickeln vorhatte. - F. E.}
       2. Denselben Exploitationsgrad der Arbeit vorausgesetzt, hat sich
       gezeigt, daß, abgesehn von allen durch das Kreditsystem hereinge-
       brachten Modifikationen, von aller wechselseitigen Übervorteilung
       und Prellerei  der Kapitalisten  untereinander, ferner  von aller
       günstigen Wahl  des Markts,  die Profitrate sehr verschieden sein
       kann, je  nachdem der  Rohstoff wohlfeiler  oder minder wohlfeil,
       mit mehr oder minder Sachkenntnis angekauft; je nachdem die ange-
       wandte Maschinerie produktiv, zweckmäßig und wohlfeil; je nachdem
       die Gesamteinrichtung der verschiednen Stufen des Produktionspro-
       zesses mehr  oder minder  vollkommen, die  Stoffvergeudung besei-
       tigt, die Leitung und Aufsicht einfach und wirksam ist usw. Kurz,
       den Mehrwert  für ein  bestimmtes variables  Kapital gegeben,  so
       hängt es  noch sehr  von der  individuellen Geschäftstüchtigkeit,
       sei es  des Kapitalisten  selbst, sei es seiner Unteraufseher und
       Kommis ab,  ob sich  dieser selbe  Mehrwert in einer größern oder
       kleinern Profitrate ausdrückt, und daher, ob er eine größere oder
       kleinere Profitmasse liefert. Derselbe Mehrwert von 1000 Pfd.St.,
       das Produkt  von 1 000 Pfd.St. Arbeitslohn, sei im Geschäft A auf
       9000 Pfd.St. und in dem andern Geschäft B auf 11000 Pfd.St.
       
       #148# 1. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       konstantes Kapital  bezogen. Im Fall A haben wir p' = 1000/10 000
       = 10%.  Indem 1000  Fall B  haben wir p' = 1000/12 000 = 8 1/3 %.
       Das Gesamtkapital  produziert bei  A verhältnismäßig  mehr Profit
       als bei  B, weil  dort die Profitrate höher als hier, obgleich in
       beiden Fällen  das vorgeschoßne variable Kapital 1000 und der aus
       demselben geschlagne  Mehrwert ebenfalls = 1000 ist, also in bei-
       den Fällen  gleich große Exploitation von gleich vielen Arbeitern
       stattfindet.  Diese  Verschiedenheit  der  Darstellung  derselben
       Masse Mehrwerts  oder die Verschiedenheit der Profitraten und da-
       her der  Profite selbst,  bei gleicher  Exploitation der  Arbeit,
       kann auch  aus andren Quellen herstammen; sie kann aber auch ein-
       zig und  allein entspringen  aus der  Verschiedenheit in  dem Ge-
       schäftsgeschick, womit  beide Geschäfte  geführt sind. Und dieser
       Umstand verleitet  den Kapitalisten  - überzeugt  ihn -, daß sein
       Profit geschuldet ist, nicht der Exploitation der Arbeit, sondern
       wenigstens teilweise  auch andern,  davon unabhängigen Umständen,
       namentlich aber seiner individuellen Tat.
       
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       Aus dem in diesem ersten Abschnitt Entwickelten folgt die Falsch-
       heit der Ansicht (Rodbertus [21]), wonach (im Unterschied von der
       Grundrente, wo  z.B. das  Bodenareal dasselbe bleibe, während die
       Rente wachse) ein Größenwechsel des Kapitals ohne Einfluß auf das
       Verhältnis zwischen  Profit und  Kapital und  daher auf  die Pro-
       fitrate bleibe, weil, wenn die Masse des Profits wächst, auch die
       Masse des  Kapitals wächst,  auf das  er berechnet wird und umge-
       kehrt.
       Dies ist  nur wahr  in zwei Fällen. Erstens wenn, alle andern Um-
       stände, also  namentlich die  Rate des Mehrwerts, als gleichblei-
       bend vorausgesetzt, ein Wertwechsel der Ware eintritt, welche die
       Geldware ist. (Dasselbe findet statt bei dem nur nominellen Wert-
       wechsel, Steigen  oder Fallen  von Wertzeichen bei sonst gleichen
       Umständen.) Das Gesamtkapital sei 100 Pfd.St. und der Profit = 20
       Pfd.St., die  Profitrate also  = 20%.  Fällt oder steigt das Gold
       nun um  100%, so wird im ersten Fall dasselbe Kapital 200 Pfd.St.
       wert sein,  das früher  100 Pfd.St. wert war, und der Profit wird
       einen Wert von 40 Pfd.St. haben, d.h. sich in diesem Geldausdruck
       darstellen, statt  früher in 20 Pfd.St. Im zweiten Fall sinkt das
       Kapital auf einen Wert von 50 Pfd.St., und der Profit stellt sich
       dar in  einem Produkt zum Wert von 10 Pfd.St. Aber in beiden Fäl-
       len ist 200:40 50:10 = 100:20
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       1*) 1.  Auflage: steigt  oder fällt; geändert nach dem Manuskript
       von Marx
       
       #149# 7. Kapitel - Nachträge
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       = 20%. In allen diesen Fällen wäre jedoch in der Tat kein Größen-
       wechsel im  Kapitalwert, sondern  nur im  Geldausdruck  desselben
       Werts und  desselben Mehrwerts  vorgegangen. Es  könnte also auch
       m/C oder die Profitrate nicht affiziert werden.
       Der andre  Fall ist  der, wenn wirklicher Größenwechsel des Werts
       stattfindet, aber  dieser Größenwechsel  nicht begleitet  ist von
       einem Wechsel  im Verhältnis  von v:c,  d.h., wenn bei konstanter
       Rate des Mehrwerts das Verhältnis des in Arbeitskraft ausgelegten
       Kapitals (das  variable Kapital als Index der in Bewegung gesetz-
       ten Arbeitskraft  betrachtet) zu dem in Produktionsmitteln ausge-
       legten Kapital  dasselbe bleibt. Unter diesen Umständen, ob wir C
       oder nC  oder C/n   haben, z.B. 1000 oder 2000 oder 500, wird der
       Profit, bei 20% Profitrate, im ersten Fall 200, im zweiten = 400,
       im dritten  = 100 sein; aber 200/1000 = 400/2000 = 100/500 = 20%.
       D.h. die  Profitrate bleibt  hier unverändert, weil die Zusammen-
       setzung des Kapitals dieselbe bleibt und von seinem Größenwechsel
       nicht berührt  wird. Zunahme  oder Abnahme  der Profitmasse zeigt
       daher hier nur an Zunahme oder Abnahme in der Größe des angewand-
       ten Kapitals.
       Im ersten  Fall findet also nur ein scheinbarer Größenwechsel des
       angewandten Kapitals statt, im zweiten Fall findet ein wirklicher
       Größenwechsel statt,  aber kein Wechsel in der organischen Zusam-
       mensetzung des Kapitals, in dem Verhältnis seines variablen Teils
       zu seinem  konstanten. Aber  diese beiden  Fälle ausgenommen, ist
       der Größenwechsel  des an  gewandten Kapitals entweder  F o l g e
       eines vorhergegangnen  Wertwechsels in  einem seiner Bestandteile
       und daher  (sofern nicht  mit dem  variablen Kapital der Mehrwert
       selbst wechselt) eines Wechsels in der relativen Größe seiner Be-
       standteile; oder  dieser Größenwechsel  (Wie  bei  Arbeiten  ,auf
       großer Stufenleiter,  Einführung neuer  Maschinerie etc.) ist die
       Ursache eines Wechsels in der relativen Größe seiner beiden orga-
       nischen Bestandteile.  In allen diesen Fällen muß daher bei sonst
       gleichen Umständen der Grüßenwechsel des angewandten Kapitals be-
       gleitet sein von einem gleichzeitigen Wechsel der Profitrate.
       
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       Die Vermehrung  der Profitrate  stammt stets daher, daß der Mehr-
       wert relativ  oder absolut im Verhältnis zu seinen Produktionsko-
       sten, d.h.  zum vorgeschoßnen  Gesamtkapital, vermehrt  wird oder
       die Differenz  zwischen Rate  des Profits  und Rate des Mehrwerts
       vermindert wird.
       
       #150# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       Schwankungen in  der Rate  des Profits, unabhängig vom Wechsel in
       den organischen Bestandteilen des Kapitals oder von der absoluten
       Größe des Kapitals, sind dadurch möglich, daß der Wert des vorge-
       schoßnen Kapitals,  in welcher  Form, fix  oder zirkullerend,  es
       existiere, steigt  oder fällt  infolge einer,  von dem schon exi-
       stierenden Kapital  unabhängigen, Erhöhung  oder Erniedrigung der
       zu einer  Reproduktion nötigen Arbeitszeit. Der Wert Jeder Ware -
       also auch  der Waren,  woraus das  Kapital besteht  - ist bedingt
       nicht durch  die in  ihr selbst enthaltne notwendige Arbeitszeit,
       sondern durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die zu
       ihrer Reproduktion  erheischt ist. Diese Reproduktion kann erfol-
       gen unter erschwerenden oder unter erleichternden Umständen, ver-
       schieden von  den Bedingungen  der ursprüngilchen Produktion. Be-
       darf es  unter den  veränderten Umständen  allgemein  doppelt  so
       vieler oder  umgekehrt halb so vieler Zeit, um dasselbe sachliche
       Kapital zu  reproduzieren, so  würde bei  unverändertem Wert  des
       Geldes, wenn  es früher 100 Pfd.St. wert, jetzt 200 Pfd.St., bzw.
       50 Pfd.St.  wert sein.  Träfe diese  Werterhöhung oder Entwertung
       alle Teile  des Kapitals gleichmäßig, so wurde sich auch der Pro-
       fit entsprechend  in der  doppelten oder  nur in der halben Geld-
       summe ausdrücken.  Schließt sie aber eine Änderung in der organi-
       schen Zusammensetzung  des Kapitals  ein, steigert oder senkt sie
       das Verhältnis  des variablen zum konstanten Kapitalteil, so wird
       die Profitrate  bei sonst  gleichen Umständen wachsen mit relativ
       wachsendem,  fallen  bei  relativ  sinkendem  variablem  Kapital.
       Steigt oder  fällt nur  der Geldwert  (infolge einer Wertänderung
       des Geldes)  des vorgeschoßnen  Kapitals, so steigt oder fällt im
       selben Verhältnis  der Geldausdruck des Mehrwerts. Die Profitrate
       bleibt unverändert.

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