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#164#
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NEUNTES KAPITEL
Bildung einer allgemeinen Profitrate (Durchschnittsprofitrate)
und Verwandlung der Warenwerte in Produktionspreise
Die organische Zusammensetzung des Kapitals hängt in jeden aktu-
ellen Moment von zwei Umständen ab: erstens vom technischen Ver-
hältnis der angewandten Arbeitskraft zur Masse der angewandten
Produktionsmittel; zweitens vom Preis dieser Produktionsmittel.
Sie muß, wie wir gesehn, nach ihrem Prozentverhältnis betrachtet
werden. Die organische Zusammensetzung eines Kapitals, das aus
4/5 konstantem und 1/5 variablem Kapital besteht, drücken wir aus
durch die Formel 80c + 20v. Ferner wird bei der Vergleichung eine
unveränderliche Rate des Mehrwerts angenommen, und zwar eine ir-
gend beliebige Rate, z.B. 100%. Das Kapital von 80c + 20v wirft
also einen Mehrwert von 20m ab, was auf das Gesamtkapital eine
Profitrate von 20% bildet. Wie groß nun der wirkliche Wert seines
Produkts, hängt davon ab, wie groß der fixe Teil des konstanten
Kapitals und wieviel davon als Verschleiß in das Produkt eingeht,
wieviel nicht. Da dieser Umstand aber völlig gleichgültig für die
Profitrate und also für die vorliegende Untersuchung, wird der
Vereinfachung halber angenommen, daß das konstante Kapital über-
all gleichmäßig ganz in das jährliche Produkt dieser Kapitale
eingeht. Es wird ferner angenommen, daß die Kapitale in den ver-
schiednen Produktionssphären, im Verhältnis zur Größe ihres vari-
ablen Teils, jährlich gleich viel Mehrwert realisieren; es wird
also vorläufig abgesehn von dein Unterschied, den die Verschie-
denheit der Umschlagszeiten in dieser Beziehung hervorbringen
kann. Dieser Punkt wird später behandelt.
Nehmen wir fünf verschiedne Produktionssphären mit jedesmal ver-
schiedner organischer Zusammensetzung der in ihnen angelegten Ka-
pitale, etwa wie folgt:
#165# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise
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Kapitale Mehrwertrate Mehrwert Produktwert Profitrate
I. 80c+20v 100% 20 120 20%
II. 70c+30v 100% 30 130 30%
III. 60c+40v 100% 40 140 40%
IV. 85c+15v 100% 15 115 15%
V. 95c+ 5v 100% 5 105 5%
Wir haben hier für verschiedne Produktionssphären bei gleichmäßi-
ger Exploitation der Arbeit sehr verschiedne Profitraten, ent-
sprechend der verschiednen organischen Zusammensetzung der Kapi-
tale.
Die Gesamtsumme der in den fünf Sphären angelegten Kapitale ist =
500; die Gesamtsumme des von ihnen produzierten Mehrwerts = 110;
der Gesamtwert der von ihnen produzierten Waren = 610. Betrachten
wir die 500 als ein einziges Kapital, von dem I-V nur verschiedne
Teile bilden (Wie etwa in einer Baumwollfabrik in den verschied-
nen Abteilungen, im Kardierraum, Vorspinnraum, Spinnsaal und Weh-
saal, verschiednes Verhältnis von variablem und konstantem Kapi-
tal existiert und das Durchschnittsverhältnis für die ganze Fa-
brik erst berechnet werden muß), so wäre erstens die Durch-
schnittszusammensetzung des Kapitals von 500 = 390c + 110v oder
prozentig 78c + 22v. Jedes der Kapitale von 100 nur als 1/5 des
Gesamtkapitals betrachtet, wäre seine Zusammensetzung diese
durchschnittliche von 78c + 22v; ebenso fielen auf jedes 100 als
durchschnittlicher Mehrwert 22; daher wäre die Durchschnittsrate
des Profits = 22%, und endlich wäre der Preis von jedem Fünftel
des von den 500 produzierten Gesamtprodukts = 122. Das Produkt
von jedem Fünftel des vorgeschoßnen Gesamtkapitals müßte also zu
122 verkauft werden.
Es ist jedoch, um nicht zu ganz falschen Schlüssen zu kommen, nö-
tig, nicht alle Kostpreise = 100 anzurechnen.
Bei 80c + 20v und Mehrwertsrate = 100% wäre der Totalwert der vom
Kapital I = 100 produzierten Ware = 80c + 20v + 20m = 120, wenn
das gesamte konstante Kapital in das jährliche Produkt einginge.
Nun kann dies wohl unter Umständen in gewissen Produktionssphären
der Fall sein. Schwerlich jedoch da, wo das Verhältnis c:v = 4:1.
Es ist also bei den Werten der Waren, die von je 100 der ver-
schiednen Kapitale produziert werden, zu erwägen, daß sie ver-
schieden sein werden je nach der verschiednen Zusammensetzung von
c aus fixen und zirkullerenden Bestandteilen und daß die fixen
Bestandteile verschiedner Kapitale selbst wieder rascher oder
langsamer verschleißen, also in gleichen Zeiten ungleiche Wert-
quanta dem Produkt zusetzen. Für die Profitrate ist dies aber
gleichgültig. Ob die
#166# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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80c den Wert von 80 oder 50 oder 5 an das Jahresprodukt abgeben,
ob also das jährliche Produkt 80c + 20v + 20m = 120, oder 50c +
20v + 20m = 90, oder = 5c + 20v + 20m = 45 ist, in allen diesen
Fällen ist der Überschuß des Werts des Produkts über seinen Kost-
preis = 20, und in allen diesen Fällen werden, bei Feststellung
der Profitrate, diese 20 auf ein Kapital von 100 berechnet; die
Profitrate des Kapital I ist also in allen Fällen = 20%. Um dies
noch deutlicher zu machen, lassen wir in der folgenden Tabelle
für dieselben fünf Kapitale, wie oben, verschiedne Teile des kon-
stanten Kapitals in den Wert des Produkts eingehn.
Kapitale Mehrwert- Mehr- Profit- Verbrauch- Wert der Kost-
rate wert rate tes c Waren preis
I. 80c+ 20v 100% 20 20% 50 90 70
II. 70c+ 30v 100% 30 30% 51 111 81
III. 60c+ 40v 100% 40 40% 51 131 91
IV. 85c+ 15v 100% 15 15% 40 70 55
V. 95c+ 5v 100% 5 5% 10 20 15
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Summe 390c+110v - 110 - - - -
----------------------------------------------------------------
Durch
schn. 78c+ 22v - 22 22% - - -
Betrachtet man die Kapitale I-V wieder als ein einziges Gesamtka-
pital, so sieht man, daß auch in diesem Fall die Zusammensetzung
der Summen der fünf Kapitale = 500 = 390c + 110v, also die Durch-
schnittszusammensetzung = 78c + 22v, dieselbe bleibt; ebenso der
Durchschnittsmehrwert = 22 1*). Diesen Mehrwert gleichmäßig auf
I-V verteilt, kämen folgende Warenpreise heraus:
Kapitale Mehr- Wert der Kost- Preis der Profit- Abweichung
wert Waren preis Waren rate des Preises
vom Wert
I. 80c+ 20v 20 90 70 92 22% + 2
II. 70c+ 30v 30 111 81 103 22% + 8
III. 60c+ 40v 40 131 91 113 22% -18
IV. 85c+ 15v 15 70 2*) 55 77 22% + 7
V. 95c+ 5v 5 20 15 37 22% +17
Zusammengenommen werden die Waren verkauft 2 + 7 + 17 = 26 über
und 8 + 18 = 26 unter dem Wert, so daß die Preisabweichungen
durch
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1*) 1. Auflage: 22%: geändert nach dem Manuskript von Marx - 2*)
1. Auflage 40; geändert nach dem Manuskript von Marx
#167# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise
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gleichmäßige Verteilung des Mehrwerts oder durch Zuschlag des
durchschnittlichen Profits von 22 auf 100 vorgeschoßnes Kapital
zu den respektiven Kostpreisen der Waren I-V sich gegenseitig
aufheben; in demselben Verhältnis, worin ein Teil der Waren über,
wird ein andrer unter seinem Wert verkauft. Und nur ihr Verkauf
zu solchen Preisen ermöglicht, daß die Profitrate für I-V gleich-
mäßig ist, 22%, ohne Rücksicht auf die verschiedne organische
Komposition der Kapitale I-V. Die Preise, die dadurch entstehn,
daß der Durchschnitt der verschiednen Profitraten der verschied-
nen Produktionssphären gezogen und dieser Durchschnitt den Kost-
preisen der verschiednen Produktionssphären zugesetzt wird, sind
die Produktionspreise. Ihre Voraussetzung ist die Existenz einer
allgemeinen Profitrate, und diese setzt wiederum voraus, daß die
Profitraten in jeder besondren Produktionssphäre für sich genom-
men, bereits auf ebensoviel Durchschnittsraten reduziert sind.
Diese besondren Profitraten sind in jeder Produktionssphäre =
m/C, und sind, wie dies im ersten Abschnitt dieses Buchs ge-
schehn, aus dem Wert der Ware zu entwickeln. Ohne diese Entwick-
lung bleibt die allgemeine Profitrate (und daher auch der Produk-
tionspreis der Ware) eine sinn- und begriffslose Vorstellung. Der
Produktionspreis der Ware ist also gleich ihrem Kostpreis plus
dem, entsprechend der allgeme nen Profitrate, prozentig ihm zuge-
setzten Profit oder gleich ihrem Kostpreis plus dem Durch-
schnittsprofit.
Infolge der verschiednen organischen Zusammensetzung der in ver-
schiednen Produktionszweigen angelegten Kapitale; infolge daher
des Umstandes, daß je nach dem verschiednen Prozentsatz, den der
variable Teil in einem Gesamtkapital von gegebner Größe hat, sehr
verschiedne Quanta Arbeit von Kapitalen gleicher Größe in Bewe-
gung gesetzt werden, werden auch sehr verschiedne Quanta Mehrar-
beit von ihnen angeeignet oder sehr verschiedne Massen Mehrwert
von ihnen produziert. Demgemäß sind die Profitraten, die in ver-
schiednen Produktionszweigen herrschen, ursprünglieb sehr ver-
schieden. Diese verschiednen Profitraten werden durch die Konkur-
renz zu einer allgemeinen Profitrate ausgeglichen, welche der
Durchschnitt aller dieser verschiednen Profitraten ist. Der Pro-
fit, der entsprechend dieser allgemeinen Profitrate auf ein Kapi-
tal von gegebner Größe fällt, welches immer seine organische Zu-
sammensetzung, heißt der Durchschnittsprofit. Der Preis einer
Ware, welcher gleich ist ihrem Kostpreis plus dem im Verhältnis
ihrer Umschlagsbedingungen auf sie fallenden Teil des jährlichen
Durchschnittsprofits auf das in ihrer Produktion angewandte
(nicht bloß das in ihrer Produktion konsumierte) Kapital. ist ihr
Produktionspreis.
#168# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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Nehmen wir z.B. ein Kapital von 500, davon 100 fixes Kapital, wo-
von 1O% Verschleiß während einer Umschlagsperiode des zirkulie-
renden Kapitals von 400. Der Durchschnittsprofit für die Dauer
dieser Umschlagsperiode sei 10%. Dann wird der Kostpreis des wäh-
rend dieses Umschlags hergestellten Produkts sein: 10c für Ver-
schleiß plus 400 (c+v) zirkulierendes Kapital = 410, und ihr Pro-
duktionspreis: 410 Kostpreis plus (10% Profit auf 500) 50 = 460.
Obgleich daher die Kapitalisten der verschiednen Produktionssphä-
ren beim Verkauf ihrer Waren die in der Produktion dieser Waren
verbrauchten Kapitalwerte zurückziehn, so lösen sie nicht den in
ihrer eignen Sphäre bei der Produktion dieser Waren produzierten
Mehrwert und daher Profit ein, sondern nur so viel Mehrwert und
daher Profit, als vom Gesamtmehrwert oder Gesamtprofit, der vom
Gesamtkapital der Gesellschaft in allen Produktionssphären zusam-
mengenommen, in einem gegebnen Zeitabschnitt produziert wird, bei
gleicher Verteilung auf jeden aliquoten Teil des Gesamtkapitals
fällt. Pro 100 zieht jedes vorgeschoßne Kapital, welches immer
seine Zusammensetzung, in jedem Jahr oder andern Zeitabschnitt
den Profit, der für diesen Zeitabschnitt auf 100 als den soviel-
sten Teil des Gesamtkapitals kommt. Die verschiednen Kapitalisten
verhalten sich hier, soweit der Profit in Betracht kommt, als
bloße Aktionäre einer Aktiengesellschaft, worin die Anteile am
Profit gleichmäßig pro 100 verteilt werden und daher für die ver-
schiednen Kapitalisten sich nur unterscheiden nach jer Größe des
von jedem in das Gesamtunternehmen gesteckten Kapitals, nach sei-
ner verhältnismäßigen Beteiligung am Gesamtunternehmen, nach der
Zahl seiner Aktien. Während sich also der Teil dieses Warenprei-
ses, der die in der Produktion der Waren verzehrten Wertteile des
Kapitals ersetzt und mit dem daher diese verzehrten Kapitalwerte
rückgekauft werden müssen, während dieser Teil, der Kostpreis,
sich ganz nach der Auslage innerhalb der respektiven Produktions-
sphären richtet, richtet sich der andre Bestandteil des Waren-
preises, der auf diesen Kostpreis zugeschlagne Profit, nicht nach
der Masse Profit, die von diesem bestimmten Kapital in dieser be-
stimmten Produktionssphäre während einer gegebnen Zeit produziert
wird, sondern nach der Masse Profit, die auf jedes angewandte Ka-
pital, als aliquoten Teil des in der Gesamproduktion angewandten
gesellschaftlichen Gesamtkapitals, während eines gegebnen Zeit-
raums im Durchschnitt fällt. 22)
Wenn ein Kapitalist also seine Ware zu ihrem Produktionspreis ver
kauft,
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22) Cherbuliez. [23]
#169# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise
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so zieht er Geld zurück im Verhältnis zur Wertgröße des in der
Produktion von ihm verzehrten Kapitals und schlägt Profit heraus
im Verhältnis zu seinem vorgeschoßnen Kapital als bloßem aliquo-
ten Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. Seine Kostpreise
sind spezifisch. Der Profitzuschlag auf diesen Kostpreis ist un-
abhängig von seiner besondren Produktionssphäre, ist einfacher
Durchschnitt pro 100 des vorgeschoßnen Kapitals.
Unterstellen wir, die fünf verschiednen Kapitalanlagen I-V im vo-
rigen Beispiel gehörten einem Mann. Wieviel in jeder einzelnen
Anlage von I-V auf je 100 des angewandten Kapitals an variablem
und konstantem Kapital konsumiert würde in der Produktion der Wa-
ren, wäre gegeben, und dieser Wertteil der Waren I-V würde
selbstredend einen Teil ihres Preises bilden, da mindestens die-
ser Preis erheischt ist zum Ersatz des vorgeschoßnen und konsu-
mierten Kapitalteils. Diese Kostpreise wären also für jede Waren-
gattung von 1-V verschieden und würden als solche von dem Besit-
zer verschieden fixiert werden. Was aber die in I-V produzierten
verschiednen Massen von Mehrwert oder Profit beträfe, so könnte
der Kapitalist sie sehr gut als Profit seines vorgeschoßnen Ge-
samtkapitals rechnen, so daß auf je 100 Kapital ein bestimmter
aliquoter Teil fiele. Verschieden also wären bei den in den ein-
zelnen Anlagen I-V produzierten Waren die Kostpreise; aber gleich
bei allen diesen Waren wäre der Teil des Verkaufspreises, der aus
dem zugesetzten Profit von je 100 Kapital käme. Der Gesamtpreis
der Waren I-V wäre also gleich ihrem Gesamtwert, d.h. gleich
Summe der Kostpreise I-V plus Summe des in I-V produzierten Mehr-
werts oder Profit, in der Tat also Geldausdruck für das Gesamt-
quantum Arbeit, vergangner und neu zugesetzter, enthalten in den
Waren I-V. Und in dieser Weise ist in der Gesellschaft selbst -
die Totalität aller Produktionszweige betrachtet - die Summe der
Produktionspreise der produzierten Waren gleich der Summe ihrer
Werte.
Diesem Satz scheint die Tatsache zu widersprechen, daß in der ka-
pitalistischen Produktion die Elemente des produktiven Kapitals
in der Regel auf dem Markt gekauft sind, ihre Preise also einen
bereits realisierten Profit enthalten und hiernach der Produkti-
onspreis eines Industriezweigs samt dem in ihm enthaltnen Profit,
daß also der Profit des einen Industriezweigs in den Kostpreis
des andern eingeht. Aber wenn wir die Summe der Kostpreise der
Waren des ganzen Landes auf die eine Seite und die Summe seiner
Profite oder Mehrwerte auf die andre stellen, so ist klar, daß
die Rechnung sich richtig stellen muß. Z.B. nehmen wir eine Ware
A; ihr Kostpreis mag die Profite von B, C, D eingeschlossen ent-
halten, wie bei B, C, D etc. wieder die Profite von A in ihre
Kostpreise eingehn mögen.
#170# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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Stellen wir also die Rechnung auf, so fehlt der Profit von A in
seinem eignen Kostpreis und ebenso fehlen die Profite von B, C, D
etc. in ihren eignen Kostpreisen. Keiner rechnet seinen eignen
Profit in seinen Kostpreis ein. Gibt es also z.B. n Sphären der
Produktion und wird in jeder ein Profit gleich p gemacht, so ist
in allen zusammen der Kostpreis = k - np. Die Gesamtrechnung be-
trachtet, soweit die Profite einer Produktionssphäre eingehn in
den Kostpreis der andren, soweit sind also diese Profite bereits
in Rechnung gebracht für den Gesamtpreis des schließlichen End-
produkts und können nicht zum zweitenmal auf der Profitseite er-
scheinen. Erscheinen sie aber auf dieser Seite, so nur, weil die
Ware selbst Endprodukt war, ihr Produktionspreis also nicht in
den Kostpreis einer andern Ware eingeht.
Wenn in den Kostpreis einer Ware eine Summe eingeht = p für die
Profite der Produzenten der Produktionsmittel und auf diesen
Kostpreis ein Profit geschlagen wird = p1, so ist der Gesamtpro-
fit P = p + p1. Der Gesamtkostpreis der Ware, abstrahiert von al-
len für Profit eingehenden Preisteilen, ist dann ihr eigner Kost-
preis minus P. Heißt dieser Kostpreis k, so ist offenbar k + P =
k + p + p1. Man hat bei Behandlung des Mehrwerts in Buch I, Kap.
VII, 2, S. 211/203 1*) gesehn, daß das Produkt jedes Kapitals so
behandelt werden kann, als ob ein Teil bloß Kapital ersetzt, der
andre nur Mehrwert ausdrückt. Diese Berechnung auf das Gesamtpro-
dukt der Gesellschaft angewandt, finden Rektifikationen statt,
indem, die ganze Cesellschaft betrachtet, z.B. der im Preis des
Flachses enthaltne Profit nicht zweimal figurieren kann, nicht
als Teil zugleich des Preises der Leinwand und des Profits des
Flachsproduzenten.
Es findet insofern kein Unterschied statt zwischen Profit und
Mehrwert, als z.B. der Mehrwert von A in das konstante Kapital
von B eingeht. Für den Wert der Waren ist es ja völlig gleichgül-
tig, ob die in ihnen enthaltne Arbeit aus bezahlter oder unbe-
zahlter Arbeit besteht. Dies zeigt nur, daß B den Mehrwert von A
zahlt. In der Gesamtrechnung kann der Mehrwert von A nicht zwei-
mal zählen.
Aber der Unterschied ist der: Außer daß der Preis des Produkts
z.B. von Kapital B abweicht von seinem Wert, weil der in B reali-
sierte Mehrwert größer oder kleiner sein mag als der im Preis der
Produkte von B zugeschlagne Profit, so gilt auch derselbe Umstand
wieder für die Waren, die den konstanten Teil des Kapitals B, und
indirekt, als Lebensmittel der Arbeiter, auch seinen variablen
Teil bilden. Was den konstanten Teil
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1*) Siehe Band 23 unserer Aus S. 236
#171# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise
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betrifft, so ist er selbst gleich Kostpreis plus Mehrwert, also
jetzt gleich Kostpreis plus Profit, und dieser Profit kann wieder
größer oder kleiner sein als der Mehrwert, an dessen Stelle er
steht. Was das variable Kapital angeht, so ist der durchschnitt-
liche tägliche Arbeitslohn zwar stets gleich dem Wertprodukt der
Stundenzahl, die der Arbeiter arbeiten muß, um die notwendigen
Lebensmittel zu produzieren; aber diese Stundenzahl ist selbst
wie. der verfälscht durch die Abweichung der Produktionspreise
der notwendigen Lebensmittel von ihren Werten. Indes löst sich
dies immer dahin auf, daß, was in der einen Ware zuviel, in der
andren zuwenig für Mehrwert geht, und daß daher auch die Abwei-
chungen vom Wert, die in den in Produktionspreisen der Waren
stecken, sich gegeneinander aufheben. Es ist überhaupt bei der
ganzen kapitalistischen Produktion immer nur in einer sehr ver-
wickelten und annähernden Weise, als nie festzustellender Durch-
schnitt ewiger Schwankungen, daß sich das allgemeine Gesetz als
die beherrschende Tendenz durchsetzt.
Da die allgemeine Profitrate gebildet wird durch den Durchschnitt
der verschiednen Profitraten auf je 100 vom vorgeschoßnen Kapital
in einem bestimmten Zeitraum, sage einem Jahr, so ist darin auch
der durch den Unterschied der Umschlagszeiten für verschiedne Ka-
pitale hervorgebrachte Unterschied ausgelöscht. Aber diese Unter-
schiede gehn bestimmend ein in die verschiednen Profitraten der
verschiednen Produktionssphären, durch deren Durchschnitt die
allgemeine Profitrate gebildet wird.
Es ist bei der vorigen Illustration zur Bildung der allgemeinen
Profitrate jedes Kapital in jeder Produktionssphäre = 100 ange-
setzt, und zwar ist dies geschehn, um den prozentigen Unterschied
der Profitrate klarzumachen und daher auch den Unterschied in den
Werten der Waren, die von gleich großen Kapitalen produziert wer-
den. Aber es versteht sich: die wirklichen Massen des Mehrwerts,
die in jeder besondren Produktionssphäre erzeugt werden, hängen,
da in jeder solchen gegebnen Produktionssphäre die Zusammenset-
zung des Kapitals gegeben ist, von der Größe der angewandten Ka-
pitale ab. Indes, die besondre Profitrate einer einzelnen Produk-
tionssphäre wird nicht davon berührt, ob ein Kapital von 100, m x
100 oder xm x 100 angewandt wird. Die Profitrate bleibt 10%, ob
der Gesamtprofit 10:100 oder 1000:10 000 beträgt. Da aber die
Profitraten in den verschiednen Produktionssphären verschieden
sind, indem in denselben, je nach dem Verhältnis des variablen
Kapitals zum Gesamtkapital, sehr verschiedne Massen Mehrwert und
daher Profit produziert werden, so ist klar, daß der Durch-
schnittsprofit pro 100 des gesellschaftlichen Kapitals und daher
die Durchschnittsprofitrate
#172# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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oder allgemeinen Profitrate sehr verschieden sein wird, je nach
den respektiven Größen der in den verschiednen Sphären angelegten
Kapitale. Nehmen wir vier Kapitale A, B, C, D. Die Mehrwertsrate
sei für alle = 100%. Auf jede 100 vom Gesamtkapital sei das va-
riable Kapital für A = 25, für B = 40, für C = 15, für D = 10.
Auf jede 100 vom Gesamtkapital fiele dann ein Mehrwert oder Pro-
fit von A = 25, B = 40, C = 15, D = 10; zusammen = 90, also, wenn
die vier Kapitale gleich groß sind, Durchschnittsprofitrate 90/4
= 22 1/2 %.
Wenn aber die Gesamtkapitalgrößen sind wie folgt: A = 200, B =
300, C = 1000, D = 4000, so würden die produzierten Profite sein
resp. 50, 120, 150 und 400. Zusammen auf 5500 Kapital ein Profit
von 720 oder eine Durchschnittsprofitrate von 13 1/11%.
Die Massen des produzierten Gesamtwerts sind verschieden je nach
den verschiednen Größen der in A, B, C, D respektive vorgesclioß-
nen Gesamtkapitale. Bei Bildung der allgemeinen Profitrate han-
delt es sich daher nicht nur um den Unterschied der Profitraten
in den verschiednen ProduktionsSphären, deren einfacher Durch-
schnitt zu ziehn wäre, sondern um das relative Gewicht, womit
diese verschiednen Profitraten in die Bildung des Durchschnitts
eingehn. Dies aber hängt ab von der verhältnismäßigen Größe des
in jeder besondren Sphäre angelegten Kapitals oder davon, welchen
aliquoten Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals das in jeder
besondren Produktionssphäre angelegte Kapital bildet. Es muß na-
türlich ein sehr großer Unterschied stattfinden, je nachdem ein
größrer oder geringrer Teil des Gesamtkapitals eine höhere oder
niedere Profitrate abwirft. Und diese hängt wieder davon ab, wie-
viel Kapital in den Sphären angelegt ist, wo das variable Kapital
relativ zum Gesamtkapital groß oder klein ist. Es ist ganz damit
wie mit dem Durchschnittszinsfuß, den ein Wucherer macht, der
verschiedne Kapitalien zu verschiednen Zinsraten ausleiht, z.B.
zu 4, 5, 6, 7% etc. Die Durchschnittsrate hängt ganz davon ab,
wieviel von seinem Kapital er zu jeder der verschiednen Zinsraten
ausgeliehen hat. Die allgemeine Profitrate ist also durch zwei
Faktoren bestimmt: 1. durch die organische Zusammensetzung der
Kapitale in den verschiednen Sphären der Produktion, also durch
die verschiednen Profitraten der einzelnen Sphären;
2. durch die Verteilung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals auf
diese verschiednen Sphären, also durch die relative Größe des in
jeder besondren Sphäre, und daher zu einer besondren Profitrate,
angelegten Kapitals; d. h. durch den verhältnismäßigen Massenan-
teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, den jede besondre
Produktionssphäre verschluckt.
#173# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspreise
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Wir hatten es in Buch I und II nur mit den W e r t e n der Wa-
ren zu tun. Einerseits hat sich jetzt abgesondert als ein Teil
dieses Werts der K o s t p r e i s, andrerseits hat sich ent-
wickelt als eine verwandelte Form des Werts der
P r o d u k t i o n s p r e i s der Ware.
Gesetzt, die Zusammensetzung des gesellschaftlichen Durch-
schnittskapitals sei 80c + 20v und die Rate des jährlichen Mehr-
werts m' = 100%, so wäre der jährliche Durchschnittsprofit für
ein Kapital von 100 = 20 und die allgemeine jährliche Profitrate
= 20%. Welches nun immer der Kostpreis k der von einem Kapital
von 100 jährlich produzierten Waren, ihr Produktionspreis wäre =
k + 20. In den Produktionssphären, wo die Zusammensetzung des Ka-
pitals = (80-x)c + (20+x)v, wäre der wirklich erzeugte Mehrwert,
resp. der innerhalb dieser Sphäre produzierte jährliche Profit, =
20 + x, also größer als 20, und der produzierte Warenwert = k +
20 + x, größer als k + 20 oder größer als ihr Produktionspreis.
In den Sphären, wo die Zusammensetzung des Kapitals (80+x)c +
(20-x)v wäre der jährlich erzeugte Mehrwert oder Profit = 20-x,
also kleiner als 20, und daher der Warenwert k + 20 - x kleiner
als der Produktionspreis, der = k + 20. Abgesehn von etwaigen Un-
terschieden in der Umschlagszeit, wäre der Produktionspreis der
Waren gleich mit ihrem Wert nur in den Sphären, wo die Zusammen-
setzung des Kapitals zufällig = 80c + 20v wäre.
Die spezifische Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft
der Arbeit ist in jeder besondren Produktionssphäre dem Grade
nach verschieden, höher oder niedriger, im Verhältnis wie das von
einem bestimmten Quantum Arbeit, also bei gegebnem Arbeitstag von
einer bestimmten Anzahl Arbeiter, in Bewegung gesetzte Quantum
von Produktionsmitteln groß und daher das für ein bestimmtes
Quantum Produktionsmittel erheischte Quantum Arbeit klein ist.
Wir nennen daher Kapitale, die prozentig mehr konstantes, also
weniger variables Kapital enthalten als das gesellschaftliche
Durchschnittskapital: Kapitale von h ö h e r e r Zusammenset-
zung. Umgekehrt solche, wo das konstante Kapital einen relativ
kleinern und das variable einen größern Raum einnimmt, als beim
gesellschaftlichen Durchschnittskapital, nennen wir: Kapitale von
n i e d r i g e r e r Zusammensetzung. Kapitale von durch-
schnittlicher Zusammensetzung endlich nennen wir solche, deren
Zusammensetzung mit der des gesellschaftlichen Durchschnittskapi-
tals zusammenfällt. Ist das gesellschaftliche Durchschnittskapi-
tal prozentig zusammengesetzt aus 80c + 20v so steht ein Kapital
von 90c + 10v ü b e r, eins von 70c + 30v u n t e r dem ge-
sellschaftlichen Durchschnitt. Allgemein, Zusammensetzung des ge-
sellschaftlichen Durchschnittskapitals = mc + nv wo m und n kon-
stante Größen und m + n = 100.
#174# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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repräsentiert (m+x)c + (n-x)v, die höhere, (m-x)c + (n+x)v die
niedrigere Zusammensetzung eines einzelnen Kapitals oder einer
Kapitalgruppe. Wie diese Kapitale fungieren nach Herstellung der
Durchschnittsprofitrate, unter Voraussetzung einmaligen Umschlags
im Jahr, zeigt folgende Übersicht, worin I die Durchschnittszu-
sammensetzung vorstellt und die Durchschnittsprofitrate somit =
20% ist:
I. 80c + 20v + 20m. Profitrate = 20%.
Preis des Produkts = 120. Wert = 120.
II. 90c + 10v + 10m. Profitrate = 20%.
Preis des Produkts = 120. Wert = 110.
III. 70c + 30v + 30m. Profitrate = 20%.
Preis des Produkts = 120. Wert = 130.
Für die von Kapital II produzierten Waren wäre also ihr Wert
kleiner als ihr Produktionspreis, für die des Kapital III der
Produktionspreis kleiner als der Wert, und nur für die Kapitale I
der Produktionszweige, deren Zusammensetzung zufällig die des ge-
sellschaftlichen Durchschnitts ist, wären Wert und Produktions-
preis gleich. Obrigens muß bei Anwendung dieser Bezeichnungen auf
bestimmte Fälle natürlich in Rechnung gebracht werden, wie weit
etwa nicht ein Unterschied in der technischen Zusammensetzung,
sondern bloßer Wertwechsel der Elemente des konstanten Kapitals
das Verhältnis zwischen c und v vom allgemeinen Durchschnitt ab-
weichen macht.
Es ist durch die jetzt gegebne Entwicklung allerdings eine Modi-
fikation eingetreten bezüglich der Bestimmung des Kostpreises der
Waren. Ursprünglich wurde angenommen, daß der Kostpreis einer
Ware gleich sei dem Wert der in ihrer Produktion konsumierten Wa-
ren. Der Produktionspreis einer Ware ist aber für den Käufer der-
selben ihr Kostpreis und kann somit als Kostpreis in die Preis-
bildung einer andren Ware eingehn. Da der Produktionspreis abwei-
chen kann vom Wert der Ware, so kann auch der Kostpreis einer
Ware, worin dieser Produktionspreis andrer Ware eingeschlossen,
über oder unter dem Teil ihres Gesamtweirts stehn, der durch den
Wert der in sie eingehenden Produktionsmittel gebildet wird. Es
ist nötig, sich an diese modifizierte Bedeutung des Kostpreises
zu erinnern und sich daher zu erinnern, daß, wenn in einer beson-
dren Produktionssphäre der Kostpreis der Ware dem Wert der in ih-
rer Produktion verbrauchten Produktionsmittel gleichgesetzt wird,
stets ein Irrtum möglich ist. Für unsre gegenwärtige Untersuchung
ist nicht nötig, näher auf diesen Punkt einzugehn. Dabei bleibt
immer der Satz richtig, daß der Kostpreis der Waren stets kleiner
als ihr Wert. Denn wie auch der Kostpreis der Ware
#175# 9. Kapitel - Durchnittsprofitrate und Produktionspreise
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von dem Wert der in ihr konsumierten Produktionsmittel abweichen
mag, für den Kapitalisten ist dieser vergangne Irrtum gleichgül-
tig. Der Kostpreis der Ware ist ein gegebner, ist eine von sei-
ner, des Kapitalisten, Produktion unabhängige Voraussetzung, wäh-
rend das Resultat seiner Produktion eine Ware ist, die Mehrwert
enthält, also einen Wertüberschuß über ihren Kostpreis. Sonst hat
der Satz, daß der Kostpreis kleiner ist als der Wert der Ware,
sich jetzt praktisch in den Satz verwandelt, daß der Kostpreis
kleiner ist als der Produktionspreis. Für das gesellschaftliche
Gesamtkapital, wo Produktionspreis gleich Wert, ist dieser Satz
identisch mit dem frühern, daß der Kostpreis kleiner ist als der
Wert. Obgleich er für die besondren Produktionssphären abweichen-
den Sinn hat, so bleibt ihm immer die Tatsache zugrunde liegen,
daß, das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, der Kost-
preis der von diesem produzierten Waren kleiner als der Wert oder
der hier, für die Gesamtmasse der produzierten Waren, mit diesem
Wert identische Produktionspreis. Der Kostpreis einer Ware be-
zieht sich nur auf das Quantum der in ihr enthaltnen bezahlten
Arbeit, der Wert auf das Gesamtquantum der in ihr enthaltnen be-
zahlten und unbezahlten Arbeit; der Produktionspreis auf die
Summe der bezahlten Arbeit plus einem, für die besondre Produkti-
onssphäre unabhängig von ihr selbst, bestimmten Quantum unbezahl-
ter Arbeit.
Die Formel, daß der Produktionspreis einer Ware = k + p, gleich
Kostpreis plus Profit ist, hat sich jetzt näher dahin bestimmt,
daß p = kp' ist (wo p' die allgemeine Profitrate), und daher der
Produktionspreis = k + kp'. Ist k = 300 und p' = 15%, so ist der
Produktionspreis k + kp'= 300 + 300 15/100 = 345.
Der Produktionspreis der Waren m' jeder besondren Produktions-
sphäre kann Größenwechsel erfahren:
1. bei gleichbleibendem Wert der Waren (so daß also nach wie vor
dasselbe Quantum toter und lebendiger Arbeit in ihre Produktion
eingeht) infolgeeines von der besondren Sphäre unabhängigen Wech-
sels in der allgemeinen Profitrate;
2. bei gleichbleibender allgemeiner Profitrate durch Wertwechsel,
sei es in der besondren Produktionssphäre selbst, infolge techni-
scher Änderung, sei es infolge eines Wertwechsels der Waren, die
als Bildungselemente in ihr konstantes Kapital eingehn; 3. end-
lich durch Zusammenwirkung dieser beiden Umstände. Trotz der
großen Wechsel, die beständig - wie sich weiter zeigen wird in
den tatsächlichen Profitraten der besondren Produktionssphären
vorgehn,
#176# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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ist eine wirkliche Änderung in der allgemeinen Profitrate, soweit
nicht durch außerordentliche ökonomische Ereignisse ausnahmsweise
ins Werk gesetzt, das sehr späte Werk einer Reihe über sehr lange
Zeiträume sich erstreckender Schwingungen, d.h. von Schwingungen,
die viel Zeit brauchen, bis sie sich zu einer Änderung der allge-
meinen Profitrate konsolidieren und ausgleichen. Bei allen kür-
zern Perioden (ganz abgesehn von Schwankungen der Marktpreise)
ist daher eine Änderung in den Produktionspreisen prima facie
stets aus einem wirklichen Wertwechsel der Waren zu erklären,
d.h. aus einem Wechsel in der Gesamtsumme der zu ihrer Produktion
nötigen Arbeitszeit. Bloßer Wechsel im Geldausdruck derselben
Werte kommt hier selbstredend gar nicht in Betracht. 23)
Es ist andrerseits klar: das gesellschaftliche Gesamtkapital be-
trachtet, ist die Wertsumme der von ihm produzierten Waren (oder
in Geld ausgedrückt ihr Preis) = Wert des konstanten Kapitals +
Wert des variablen Kapitals + Mehrwert. Den Exploitationsgrad der
Arbeit als konstant angenommen, kann die Profitrate hier nur
wechseln, bei gleichbleibender Masse des Mehrwerts, wenn entweder
der Wert des konstanten Kapitals wechselt oder der Wert des vari-
ablen wechselt oder beide wechseln, so daß m/C sich ändert und
dadurch die allgemeine Profitrate. In jedem Falle also unter-
stellt ein Wechsel in der allgemeinen Profitrate Wechsel im Wert
der Waren, die als Bildungselemente in das konstante Kapital oder
in das variable oder in beide gleichzeitig eingehn.
Oder die allgemeine Profitrate kann wechseln bei gleichbleibendem
Wert der Waren, wenn der Exploitationsgrad der Arbeit wechselt.
Oder bei gleichbleibendem Exploitationsgrad der Arbeit kann die
allgemeine Profitrate wechseln, wenn die Summe der angewandten
Arbeit wechselt relativ zum konstanten Kapital, infolge techni-
scher Änderungen im Arbeitsprozeß. Aber solche technischen Ände-
rungen müssen sich stets zeigen in und daher begleitet sein von
einem Wertwechsel der Waren, deren Produktion jetzt gegen früher
mehr oder minder viel Arbeit erfordern würde. Man hat im ersten
Abschnitt gesehn: Mehrwert und Profit waren identisch, der Masse
nach betrachtet. Die Profitrate jedoch ist von vornherein unter-
schieden von der Rate des Mehrwerts, was zunächst nur als andre
Form der Berechnung erscheint; was aber ebenso von vornherein, da
die Rate des Profits steigen oder fallen kann bei gleichbleiben-
der Rate des Mehrwerts und umgekehrt und da allein die Rate des
Profits den Kapitalisten
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23) Corbet, p. 174.
#177# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspr.
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praktisch interessiert, durchaus den wirklichen Ursprung des
Mehrwerts verdunkelt und mystifiziert. Ein Größenunterschied je-
doch war nur zwischen Mehrwertsrate und Profitrate, nicht zwi-
schen Mehrwert und Profit selbst. Da in der Profitrate der Mehr-
wert auf das Gesamtkapital berechnet und auf es als sein Maß be-
zogen wird, so erscheint der Mehrwert selbst dadurch als aus dem
Gesamtkapital und zwar gleichmäßig aus allen seinen Teilen ent-
sprungen, so daß der organische Unterschied zwischen konstantem
und variablem Kapital im Begriff des Profits ausgelöscht ist; in
der Tat daher, in dieser seiner verwandelten Gestalt als Profit,
der Mehrwert selbst seinen Ursprung verleugnet, seinen Charakter
verloren hat, unerkennbar geworden ist. Soweit jedoch bezog sich
der Unterschied zwischen Profit und Mehrwert nur auf eine quali-
tative Änderung, einen Formwechsel, während wirklicher Größenun-
terschied auf dieser ersten Stufe der Verwandlung nur noch zwi-
schen Profitrate und Mehrwertsrate, noch nicht zwischen Profit
und Mehrwert existiert.
Anders verhält es sich, sobald eine allgemeine Profitrate und
durch selbe ein der in den verschiednen Produktionssphären gegeb-
nen Größe des angewandten Kapitals entsprechender Durch-
schnittsprofit hergestellt ist.
Es ist jetzt nur noch Zufall, wenn der in einer besondren Produk-
tionssphäre wirklich erzeugte Mehrwert und daher Profit mit dem
im Verkaufspreis der Ware enthaltnen Profit zusammenfällt. In der
Regel sind Profit und Mehrwert, und nicht bloß ihre Raten, nun
wirklich verschiedne Größen. Bei gegebnem Exploitationsgrad der
Arbeit ist jetzt die Masse des Mehrwerts, die in einer besondren
Produktionssphäre erzeugt wird, wichtiger für den Gesamtdurch-
schnittsprofit des gesellschaftlichen Kapitals, also für die Ka-
pitalistenklasse Oberhaupt, als direkt für den Kapitalisten in-
nerhalb jedes besondren Produktionszweigs. Für ihn nur 24), so-
fern das in seiner Branche erzeugte Quantum Mehrwert mitbestim-
mend eingreift in die Reglung des Durchschnittsprofits. Aber dies
ist ein Prozeß, der hinter seinem Rücken vorgeht, den er nicht
sieht, nicht versteht und der ihn in der Tat nicht interessiert.
Der wirkliche Größenunterschied zwischen Profit und Mehrwert -
nicht nur zwischen Profitrate und Mehrwertsrate - in den besond-
ren Produktionssphären versteckt nun völlig die wahre Natur und
den Ursprung des Profits, nicht nur für den Kapitalisten, der
hier ein besondres Interesse hat, sich zu täuschen, sondern auch
für den Arbeiter. Mit der Verwandlung der Werte in Produktions-
preise wird die Grundlage
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24) Selbstredend wird hier abgesehn von der Möglichkeit, durch
Lohndrückung, Monopolpreis usw. einen momentanen Extraprofit her-
auszuschlagen. [F.E.]
#178# II. Abschnitt - Verwandlung des Profite in Durchschnittspr.
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der Wertbestimmung selbst dem Auge entrückt. Endlich: Wenn bei
der bloßen Verwandlung von Mehrwert in Profit der Wertteil der
Waren, der den Profit bildet, dem andren Wertteil gegenübertritt
als dem Kostpreis der Ware, so daß hier schon der Begriff des
Werts dem Kapitalisten abhanden kommt, weil er nicht die Gesamt-
arbeit vor sich hat, die die Produktion der Ware kostet, sondern
nur den Teil der Gesamtarbeit, den er in der Form von Produkti-
onsmitteln, lebendigen oder toten, bezahlt hat, und ihm so der
Profit als etwas außerhalb des immanenten Werts der Ware Stehen-
des erscheint - so wird jetzt diese Vorstellung vollständig be-
stätigt, befestigt, verknöchert, indem der zum Kostpreis zuge-
schlagne Profit in der Tat, wenn man die besondre Produktions-
sphäre betrachtet, nicht durch die Grenzen der in ihr selbst vor-
gehenden Wertbildung bestimmt, sondern ganz äußerlich dagegen
festgesetzt ist.
Der Umstand, daß hier zum erstenmal dieser innere Zusammenhang
enthüllt ist; daß, wie man aus dem Folgenden und aus Buch IV sehn
wird, die bisherige Ökonomie entweder gewaltsam von den Unter-
schieden zwischen Mehrwert und Profit, Mehrwertsrate und Pro-
fitrate abstrahierte, um die Wertbestimmung als Grundlage fest-
halten zu können, oder aber mit dieser Wertbestimmung allen Grund
und Boden wissenschaftlichen Verhaltens aufgab, um an jenen in
der Erscheinung auffälligen Unterschieden festzuhalten - diese
Verwirrung der Theoretiker zeigt am besten, wie der im Konkur-
renzkampf befangne, seine Erscheinungen in keiner Art durchdrin-
gende praktische Kapitalist durchaus unfähig sein muß, durch den
Schein hindurch das innere Wesen und die innere Gestalt dieses
Prozesses zu erkennen.
Alle im ersten Abschnitt entwickelten Gesetze über Steigen und
Fallen der Profitrate haben in der Tat die folgende doppelte Be-
deutung:
I. Einerseits sind sie die Gesetze der allgemeinen Profitrate.
Bei den vielen verschiednen Ursachen, welche nach dem Entwickel-
ten die Profitrate steigen oder fallen machen, sollte man glau-
ben, daß die allgemeine Profitrate jeden Tag wechseln müßte. Aber
die Bewegung in einer Produktionssphäre wird die in der andem
aufheben, die Einflüsse kreuzen und paralysieren sich. Wir werden
später untersuchen, nach welcher Seite die Schwankungen in letz-
ter Instanz hinstreben; aber sie sind langsam; die Plötzlichkeit,
Vielseitigkeit und verschiedne Dauer der Schwankungen in den ein-
zelnen Produktionssphären macht, daß sie sich zum Teil in ihrer
Reihenfolge in der Zeit kompensieren, so daß Preisfall auf Preis-
steigerung folgt und umgekehrt, daß sie also lokal, d.h. auf die
besondre Produktionssphäre beschränkt bleiben; endlich, daß die
verschiednen lokalen Schwankungen
#179# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Prionspreise
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sich wechselseitig neutralisieren. Es finden innerhalb jeder be-
sondren Produktionssphäre Wechsel statt, Abweichungen von der
allgemeinen Profitrate, die sich einerseits in einem bestimmten
Zeitraum ausgleichen und daher nicht auf die allgemeine Pro-
fitrate zurückwirken; und die andrerseits wieder nicht auf sie
zurückwirken, weil sie durch andre gleichzeitige lokale Schwan-
kungen aufgehoben werden. Da die allgemeine Profitrate bestimmt
ist nicht nur durch die Durchschnittsprofitrate in jeder Sphäre,
sondern auch durch die Verteilung des Gesamtkapitals auf die ver-
schiednen besondren Sphären, und da diese Verteilung beständig
wechselt, so ist dies wieder eine beständige Ursache des Wechsels
in der allgemeinen Profitrate - aber eine Ursache des Wechsels,
die wiederum, bei der Ununterbrochenheit 1*) und Allseitigkeit
dieser Bewegung, großenteils sich selbst wieder paralysiert. 2.
Innerhalb jeder Sphäre ist ein Spielraum gegeben für kürzere oder
längere Epoche, wo die Profitrate dieser Sphäre schwankt, bevor
sich dies Schwanken, nach Steigen oder Fallen, hinreichend konso-
lidiert, um Zeit zu gewinnen zur Einwirkung auf die allgemeine
Profitrate und daher zur Erreichung von mehr als lokaler Bedeu-
tung. Innerhalb solcher räumlichen und zeitlichen Grenzen gelten
daher ebenfalls die im ersten Abschnitt dieses Buchs entwickelten
Gesetze der Profitrate. Die theoretische Ansicht - bei der ersten
Verwandlung des Mehrwerts in Profit daß jeder Teil des Kapitals
gleichmäßig Profit abwerfe 25), drückt eine praktische Tatsache
aus. Wie immer das industrielle Kapital zusammengesetzt sei, ob
es ein Viertel tote Arbeit und drei Viertel lebendige Arbeit oder
drei Viertel tote Arbeit und ein Viertel lebendige Arbeit in Be-
wegung setzt, ob es in dem einen Fall dreimal soviel Mehrarbeit
einsaugt oder Mehrwert produziert als in dem andren - bei glei-
chem Exploitation grad der Arbeit und abgesehn von individuellen
Unterschieden, die ohnehin verschwinden, weil wir beide Male nur
die Durchschnittszusammensetzung der ganzen Produktionssphäre vor
uns haben -, in beiden Fällen wirft es gleich viel Profit ab. Der
einzelne Kapitalist (oder auch die Gesamtheit der Kapitalisten in
jeder besondren Produktionssphäte), dessen Blick borniert ist,
glaubt mit Recht, daß sein Profit nicht allein aus der von ihm
oder in seinem Zweig beschäftigten Arbeit herstamme. Es ist dies
ganz wichtig für seinen Durchschnittsprofit. Wieweit dieser Pro-
fit vermittelt ist
---
25) Malthus. [24]
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1*) 1. Auflage: Unterbrochenheit
#180# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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durch die Gesamtexploitation der Arbeit durch das Gesamtkapital,
d.h. durch alle seine Kapitalistengenossen, dieser Zusammenhang
ist ihm ein vollständiges Mysterium, um so mehr, als selbst die
Bourgeoistheoretiker, die politischen Ökonomen, es bis jetzt
nicht enthüllt hatten. Ersparung an Arbeit - nicht nur an der Ar-
beit, notwendig um ein bestimmtes Produkt zu produzieren, sondern
auch an der Anzahl der beschäftigten Arbeiter - und größre Anwen-
dung toter Arbeit (konstantes Kapital) erscheint als ökonomisch
ganz richtige Operation und scheint von vornherein in keiner
Weise die allgemeine Profitrate und den Durchschnittsprofit an-
zugreifen. Wie sollte daher die lebendige Arbeit ausschließliche
Quelle des Profits sein, da Verminderung der zur Produktion nöti-
gen Menge Arbeit nicht nur nicht den Profit anzugreifen scheint,
sondern vielmehr unter gewissen Umständen als nächste Quelle zur
Vermehrung des Profits erscheint, wenigstens für den einzelnen
Kapitalisten?
Wenn in einer gegebnen Produktionssphäre der Teil des Kostpreises
steigt oder fällt, der den Wert des konstanten Kapitals repräsen-
tiert, so kommt dieser Teil aus der Zirkulation her und geht von
vornherein vergrößert oder verkleinert in den Produktionsprozeß
der Ware ein. Wenn andrerseits die angewandte Arbeiteranzahl in
derselben Zeit mehr oder weniger produziert, also bei gleichblei-
bender Arbeiteranzahl das zur Produktion einer bestimmten Waren-
menge erheischte Arbeitsquantum wechselt, so mag der Teil des
Kostpreises, der den Wert des variablen Kapitals repräsentiert,
derselbe bleiben, also mit gleicher Größe in den Kostpreis des
Gesamtprodukts eingehn. Aber auf jede einzelne von den Waren, de-
ren Summe das Gesamtprodukt ausmacht, fällt mehr oder weniger Ar-
beit (bezahlte und daher auch unbezahlte), also auch mehr oder
weniger von der Ausgabe für diese Arbeit, größeres oder kleineres
Stück des Lohns. Der vom Kapitalisten gezahlte Gesamtlohn bleibt
derselbe, aber er ist ein andrer, auf jedes Stück Ware berechnet.
Hier träte also Änderung ein in diesem Teil des Kostpreises der
Ware. Ob nun der Kostpreis der einzelnen Ware infolge solcher
Wertveränderungen, sei es in ihr selbst, sei es in ihren Waren-
elementen (oder auch der Kostpreis der Summe der von einem Kapi-
tal von gegebner Größe produzierten Waren) steigt oder fällt: ist
der Durchschnittsprofit z. B. 10%, so bleibt er 10%; obgleich
10%, die einzelne Ware betrachtet, eine sehr verschiedne Größe
darstellt, je nach dem, durch den vorausgesetzten Wertwechsel
hervorgebrachten. Größenwechsel im Kostpreis der einzelnen Ware.
26)
---
26) Corbet. [25]
#181# 9. Kapitel - Durchschnittsprofitrate und Produktionspr.
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Mit Bezug auf das variable Kapital - und dies ist das wichtigste,
weil es die Quelle des Mehrwerts und weil alles, was sein Ver-
hältnis zur Bereicherung des Kapitalisten verdeckt, das ganze Sy-
stem mystifiziert - vergröbert sich die Sache oder erscheint sie
dem Kapitalisten so: ein variables Kapital von 100 Pfd.St. stelle
z.B. den Wochenlohn von 100 Arbeitern vor. Wenn diese 100, bei
gegebnem Arbeitstag, ein wöchentliches Produkt von 200 Stück Wa-
ren produzieren = 200 W, so kostet 1 W - abstrahiert von dem Teil
des Kostpreises, den das konstante Kapital zusetzt - da 100
Pfd.St.
= 200 W, 1 W = 100 Pfd.St./200 = 10 Schill. Gesetzt nun, es träte
200 Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit ein; sie verdopple
sich, dieselbe Anzahl Arbeiter produziere in derselben Zeit zwei-
mal 200 W, worin sie früher 200 W produzierte. In diesem Fall ko-
stet (soweit der Kostpreis aus bloßem Arbeitslohn besteht), da
jetzt 100 Pfd.St. = 400 W, 1 W = 100 Pfd.St./400 = 5 Schill.
Verminderte sich die Produktivkraft um die Hälfte, so würde die-
selbe Arbeit nur noch 200 W produzieren; und da 100 Pfd.St = 200
W/2, nun 1 W = 200 Pfd.St./200 = 1 Pfd.St. Die Wechsel in der zur
Produktion der Waren erheischten Arbeitszeit und daher in ihrem
Wert, erscheinen jetzt mit Bezug auf den Kostpreis und daher auch
den Produktionspreis als verschiedne Verteilung desselben Ar-
beitslohns über mehr oder weniger Waren, je nachdem in derselben
Arbeitszeit für denselben Arbeitslohn mehr oder weniger Waren
produziert werden. Was der Kapitalist und daher auch der politi-
sche Ökonom sieht, ist, daß der Teil der bezahlten Arbeit, der
auf die Ware per Stück fällt, sich mit der Produktivität der Ar-
beit ändert und damit auch der Wert Jedes einzelnen Stücks; er
sieht nicht, daß dies ebenfalls der Fall ist mit der in jedem
Stück enthaltnen unbezahlten Arbeit, um so weniger, da der Durch-
schnittsprofit in der Tat durch die in seiner Sphäre absorbierte
unbezahlte Arbeit nur zufällig bestimmt ist. Nur in solch vergrö-
berter und begriffsloser Form scheint jetzt noch die Tatsache
durch, daß der Wert der Waren durch die in ihnen enthaltne Arbeit
bestimmt ist.
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