Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851


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       1848
       
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       Engels an Marx
       in Brüssel
       
       Lieber Marx,
       Wenn ich  Dir nicht  geschrieben habe,  so lag das daran, daß ich
       bis heute  den verfluchten Louis Blanc noch immer nicht zu fassen
       kriegen konnte.  Décidément il  y met de la mauvaise volonté. 1*)
       Aber ich  packe ihn  doch - ich gehe alle Tage hin oder laure ihm
       im Café  auf. Mit  père 2*)  Flocon dagegen ist was zu machen. Er
       ist entzückt  über die  Manier, wie die "B[rüsseler-]Zeitung" und
       der "N[orthern]  Star" die "Reforme" gegen den "National" vertei-
       digt haben.  3*) Selbst  die blâme 4*) gegen L. BI[anc] und Ledru
       [-Rollin] haben  ihn nicht  irregemacht; ebensowenig meine Erklä-
       rung, wir  hätten uns jetzt in London entschieden, öffentlich als
       Kommunisten aufzutreten.  Er machte  natürlich schöne Sachen gel-
       tend: vous  tendez au  despotisme, vous  tuerez la  révolution en
       France, nous  avons onze  millions de  petits paysans qui sont en
       même temps  les propriétaires les plus enragés 5*) pp., obwohl er
       auch auf  die Bauern schimpfte, - aber enfin, dit-il, nos princi-
       pes sont  trop rapprochés les uns des autres pour que nous ne de-
       vions pas  marcher ensemble;  quant à  nous nous  vous appuyerons
       autant que sera dans notre pouvoir 6*) pp.
       Die Geschichte  mit Mosi  hat mich  ungeheuer amüsiert, obwohl es
       mir ärgerlich war, daß sie auskam. In Brüssel wußten es außer Dir
       nur Gigot  und Lupus  - und  Born, dem  ich's mal in Paris in der
       Besoffenheit erzählt
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       1*) Es steckt  entschieden böser  Wille dahinter.  - 2*) Vater  -
       3*) Friedrich Engels:  "Die 'Réforme'  und  der  'National'"  und
       "Frankreich: Politische Vorgänge" - 4*) Tadel - 5*) ihr neigt
       zum Despotismus,  ihr werdet  die Revolution in Frankreich töten,
       wir haben elf Millionen kleine Bauern, die gleichzeitig die fana-
       tischsten Eigentümer  sind -  6*) schließlich, sagte er, sind un-
       sere Prinzipien einander zu nahe, als daß wir nicht zusammen mar-
       schieren sollten; was uns betrifft, so werden wir euch soweit un-
       terstützen, wie es in unserer Macht liegt
       
       #110# 24 - Engels an Marx - 14. Januar 1848
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       hatte. Enfin, c'est égál. 7*) Moses mit Pistolen drohend, in ganz
       Brüssel seine  Hörner affichierend, und noch dazu bei Bornstedt!!
       muß kostbar  gewesen sein.  Die Erfindung des Ferdinand Wolff mit
       dem Protokoll  m'a fait crever de rire 8*) - und der Moses glaubt
       das! Wenn  übrigens der  Esel auf  seiner abgeschmackten Lüge von
       der Notzucht  beharren sollte,  so kann  ich  ihm  mit  früheren,
       gleichzeitigen und  späteren Détails aufwarten, darüber ihm Hören
       und Sehen  vergehen soll.  Hat mir doch diese Bileams Eselin noch
       verflossenen Juli  hier in  Paris eine mit Resignation vermischte
       Liebeserklärung in  optima forma  9*) gemacht  und mir die aller-
       nächtlichsten Geheimnisse  ihrer Menage  anvertraut! Ihre Wut auf
       mich ist  pure verschmähte  Liebe. Übrigens  dachte ich in Valen-
       ciennes an  Moses nur in zweiter Instanz, in erster hab' ich mich
       rächen wollen  für die  Gemeinheiten, die  sie gegenüber der Mary
       10*) begangen.
       Der   s c h w e r e  W e i n  reduziert sich auf 1/3 Flasche Bor-
       deaux. Es  ist nur  schade, daß der gehörnte Siegfried seinen un-
       glücklichen Zustand  nicht im Arbeiterverein öffentlich zu Proto-
       koll gegeben hat. Es steht ihm übrigens frei, an allen meinen ge-
       genwärtigen, vergangnen  Und zukünftigen Mätressen seine Revanche
       zu nehmen,  und empfehle  ich ihm hierzu 1. die flamändische Rie-
       sin, welche in meiner ehemaligen Wohnung 87 chaussée d'Ixelles au
       premier 11*)  wohnt und Mademoiselle Joséphine heißt, und 2. eine
       Französin Mademoiselle  Félicie, welche Sonntag, 23. d. Mts., mit
       dem ersten  Zug, von  Köln in  Brüssel ankommt,  um nach Paris zu
       reisen. Es  wäre Pech,  wenn er bei keiner von beiden reüssierte.
       Teile ihm  diese Renseignements  gefälligst mit,  damit er  meine
       Aufrichtigkeit erkennt. I will give him fair play. 12*)
       Heine ist am Kaputtgehen. Vor 14 Tagen war ich bei ihm, da lag er
       im Bett  und hatte einen Nervenanfall gehabt. Gestern war er auf,
       aber höchst  elend. Er  kann keine  drei Schritt  mehr gehen,  er
       schleicht, an den Mauern sich stützend, vom Fauteuil bis ans Bett
       und vice  versa. Dazu  Lärm in  seinem Hause,  der  ihn  verrückt
       macht, Schreinern,  Hämmern usw. Geistig ist er auch etwas ermat-
       tet. Heinzen wollte zu ihm, wurde aber nicht vorgelassen.
       Bei Herwegh  war ich  auch gestern.  Hat nebst Familie die Grippe
       und viel  Besuch von alten Weibern. Er sagte mir, daß der 2. Band
       von L.  Blanc [80] ganz verdunkelt werde durch den enormen Sukzeß
       von Michelets  2. Band  [106]. Ich habe beide noch nicht gelesen,
       weil ich  wegen Geldmangel  mich nicht im Lesekabinett abonnieren
       konnte. Übrigens ist der Micheletsche Sukzeß nur durch seine Sus-
       pension und seine Bürgerlichkeit zu erklären.
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       7*) Nun, das ist egal. - 8*) hat mich vor Lachen platzen lassen -
       9*) in aller  Form -  10*) Mary Burns  - 11*) im  ersten Stock  -
       12*) Ich will ehrliches Spiel mit ihm treiben.
       
       #111# 24 - Engels an Marx - 14. Januar 1848
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       Mit dem  B[und] [83]  geht's hier miserabel. Solche Schlafmützig-
       keit und  kleinliche Eifersucht  der Kerls  untereinander ist mir
       nie vorgekommen.  Die Weitlingerei und Proudhonisterei sind wirk-
       lich der komplettste Ausdruck der Lebensverhältnisse dieser Esel,
       und daher  ist nichts zu machen. Die einen sind echte Straubinger
       [47], alternde  Knoten, die  andern angehende  Kleinbürger.  Eine
       Klasse, die  davon lebt,  daß sie  wie Irländer den Franzosen den
       Lohn drückt,  ist total  unbrauchbar. Ich  mache jetzt noch einen
       letzten Versuch,  si cela  ne réussit  pas, je me retire de cette
       espèce de  propagande 13*).  Hoffentlich kommen  die Londoner Pa-
       piere 14*)  bald und  werden die Geschichte wieder etwas beleben;
       ich werde  dann den  Moment benutzen.  Da die Kerle bis jetzt gar
       kein Resultat des Kongresses sehen, werden sie natürlich vollends
       schlapp. Ich  bin mit einigen neuen Arbeitern, die mir Stumpf und
       Neubeck zugeführt, in Verbindung, es ist aber nicht zu sagen, was
       daraus zu machen ist.
       Sag dem Bornstedt: 1. Er soll mit seinen Abonnements bei den hie-
       sigen Arbeitern  nicht mit so geschäftsmäßiger Strenge auftreten,
       sonst verliert  er sie alle; 2. der Agent, den ihm der Moses ver-
       schafft, ist  ein lamentierender  Schlappschwanz und  sehr eitel,
       aber der  einzige, der sich noch damit befassen will und kann, er
       soll ihn  also nicht froissieren; der Kerl hat sich auch geplagt,
       aber er  kann kein  Geld zusetzen,  was er  übrigens    s c h o n
       g e t a n   h a t.   Er muß  aus dem Geld, was ihm einkommt, doch
       die Kosten decken, die ihm die Korrespondenz pp. [macht] 15*); 3.
       wenn er einzelne No. 16*) herschickt, nie mehr als 10-15 [von] 15
       einer No.  höchstens, und zwar  d u r c h  G e l e g e n h e i t.
       Die Pakete  [passieren] 15*) das Ministerium Duchâtel, wo sie mit
       Zeitverlust geholt  [werden] 15*)  müssen und  wo das Ministerium
       einen furchtbaren  Portoaufschlag erhebt,  um diesen  Commerce zu
       ruinieren. So ein Paket kostet 6-8 Franken, und was ist da zu ma-
       chen, wenn  es gefordert  wird? Esselen  in Lüttich  wollte einen
       garde de convoi 17*) stellen, der das besorgte; schreib doch nach
       Lüttich, daß das eingerichtet wird. 4. Die No., die noch hier wa-
       ren, sind  durch Gelegenheit  nach Süddeutschland geschickt. Wenn
       sich Gelegenheit  bietet, so soll Barnstedt] noch einige neue No.
       herschicken, um  Propaganda in Cafés pp. zu machen. 5. Wird Barn-
       stedt] dieser Tage einen Artikel 18*) und die Geschichte über die
       preußischen Finanzen  erhalten. Du  mußt aber  das wegen der Aus-
       schüsse von 1843 [107] nochmals durchsehen und das Nötige ändern,
       da es aus sehr wüster Erinnerung aufgeschrieben ist.
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       13*) wenn das  nicht glückt, ziehe ich mich von dieser Art Propa-
       ganda zurück  -  14*) "Manifest  der  Kommunistischen  Partei"  -
       15*) Papier beschädigt - 16*) der "Deutschen-Brüsseler-Zeitung" -
       17*) Transportbegleiter - 18*) "Die Bewegungen von 1847"
       
       #112# 24 - Engels an Marx - 14. Januar 1848
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       Wenn die  Geschichte mit  Mosi dahin  führt, daß  Du ihn  in  der
       "Br[üsseler-]Z[eitung]"  attackierst,   so  soll  sie  mich  sehr
       freuen. Wie  der Kerl  noch in Brüssel bleibt, ist mir unbegreif-
       lich. En voilà encore une occasion pour l'exiler à Verviers. 19*)
       Das mit der "Reforme" soll besorgt werden. 20*)
       Dein E.
       Paris, 14. Jan. 48
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       19*) Da ist  noch ein  Anlaß, ihn  nach Verviers  zu verbannen. -
       20*) siehe vorl. Band, S. 113

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