Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#133#
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1849
37
Engels an Marx
in Köln
Lieber Marx,
Nachdem ich mich jetzt während mehrerer Wochen sündhaften Lebens-
wandels von meinen Strapazen und Aventüren erholt habe, fühle ich
erstens das Bedürfnis, wieder zu arbeiten (wovon der beiliegende
magyaro-slawische Artikel 1*) ein schlagender Beweis), und zwei-
tens das Bedürfnis nach Geld. Letzteres ist das dringendste, und
wenn, Ihr bei Ankunft dieses mir noch nichts geschickt haben
solltet, so tut es doch gleich, denn ich bin seit mehreren Tagen
sans le sou 2*), und Pump ist in dieser lausigen Stadt keiner.
Wenn in dieser lausigen Schweiz nur irgend etwas vorfiele, um
drüber schreiben zu können. Aber lauter Lokaldreck der lausigsten
Art. Ein paar allgemeine Artikel 3*) drüber schick! ich indes
bald. Wenn ich noch lang im Ausland bleiben muß, so geh' ich nach
Lugano, besonders wenn in Italien etwas losgeht, wie es den An-
schein hat.
Aber ich denke immer, ich kann bald zurück. Dies faule Hocken im
Ausland, wo man doch nichts Ordentliches tun kann und ganz außer
der Bewegung steht, ist scheußlich unerträglich. Ich komme bald
zu der Einsicht, daß es selbst im Untersuchungsarrest in Köln
besser ist als in der freien Schweiz. Schreib mir doch, ob denn
gar keine Chance vorhanden, daß ich ebenso günstig behandelt
werd' wie Bürgers, Becker 4*) pp.
Raveaux hat recht: selbst in dem oktroyierten Preußen [134] ist
man freier als in der freien Schweiz. Jeder Spießbürger ist hier
zugleich Mouchard und Assommeur. Davon hab' ich in der Neujahrs-
nacht ein Exempel gesehn.
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1*) "Der magyarische Kampf" - 2*) ohne einen Pfennig - 3*) "Die
Schweizer Presse" - 4*) Hermann Becker
#134# 37 - Engels an Marx - 7./8. Januar 1849
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Wer Teufel hat neulich den langweiligen sittlich-religiösen Arti-
kel aus Heidelberg über den Märzverein in die Zeitung gesetzt?
[135] Daß Henricus von Zeit zu Zeit einen Artikel aushaucht, hab'
ich ebenfalls mit Vergnügen bemerkt, an dem Seufzer über das La-
denbergsche Zirkular [136], der sich durch 2 Nummern hinzieht.
Unsre Zeitung 5*) wird jetzt in der Schweiz sehr häufig zitiert,
die "Berner Zeitung" nimmt viel und die "Nat[ional]zeitung", und
dann geht das die Runde durch alle Blätter. Auch in den Schweizer
französischen Blättern wird sie, nach dem "National" pp. viel zi-
tiert, mehr als die "Kölnische".
Die Annonce werdet Ihr aufgenommen haben. [137] Beiliegend ein
Abdruck der unsrigen in der "Berner Zeitung". Grüß die ganze Ge-
sellschaft.
Dein E.
Bern, 7.[-8.] Jan. 49
Gestern zu spät zur Post. Heute also noch die Bemerkung, daß die
"Neue Rheinische Zeitung" seit dem 1. Januar h i e r n i c h t
m e h r e i n g e t r o f f e n i s t. Sieh doch nach, ob sie
regelmäßig abgeschickt. Ich hab' mich erkundigt, mit dem Abonnie-
ren ist's nichts. Ich müßte auf 1 / 2 J a h r abonnieren, so
lang bleib' ich nicht und hab' auch kein Geld. Wie gesagt, es ist
wichtig, daß sie herkommt, nicht bloß meinetwegen, sondern auch
hauptsächlich, weil die uns günstige, von einem Kommunisten 6*)
redigierte "Berner Zeitung" alles tut, um sie hier en vogue 7*)
zu bringen.
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5*) "Neue Rheinische Zeitung" - 6*) Jakob Stämpfli - 7*) in Mode
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