Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#137# 40 - Marx an Engels - 7. Juni 1849
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40
Marx an Engels
in Kaiserslautern [139]
Schreibe mir unter der Adresse:
M. Ramboz, 45, rue de Lille
Paris, 7. Juni [1849]
45, rue de Lille
Lieber Engels!
Ich schreibe Dir in diesem Briefe wenig ausführlich. Erst sollst
Du mir antworten, ob er u n v e r s e h r t angekommen ist. Ich
glaube, daß die Briefe wieder con amore 1*) erbrochen werden.
Es herrscht hier eine royalistische Reaktion, schamloser als un-
ter Guizot, bloß vergleichbar mit der nach 1815. Paris ist morne
2*). Dazu die Cholera, die außerordentlich wütet. Trotzdem stand
ein kolossaler Ausbruch des Revolutionskraters nie näher bevor
als jetzt zu Paris. Die Details darüber später. Ich komme mit der
ganzen revolutionären Partei zusammen und werde in einigen Tagen
s ä m t l i c h e Revolutionsjournale zu meiner Verfügung haben.
Was die hiesigen pfälzisch-badischen Gesandten [140] betrifft, so
ist Blind, von einem wirklichen oder vermeintlichen Choleraanfall
erschreckt, einige Stunden von Paris aufs Land gezogen.
Quant à 3*) Schütz ist folgendes zu bemerken:
1. Setzt ihn die provisorische Regierung in eine falsche Posi-
tion, indem sie ihm keine Berichte schickt. Die Franzosen verlan-
gen des faits 4*), und wo soll er sie hernehmen, wenn ihm kein
Teufel schreibt? Es müssen ihm möglichst oft Depeschen zukommen.
Es ist klar, daß er in diesem Augenblick nichts ausrichten kann.
Das einzig Erreichbare ist, der preußischen Regierung Wind in die
Augen zu streuen, indem man ihm möglich macht, häufig mit den
Chefs der Montagnards [141] zusammenzukommen.
2. Ein zweiter unverzeihlicher Fehler des gouvernement provisoire
du Palatinat 5*) ist, daß man hinter dem Rücken des offiziellen
Gesandten eine Masse lausiger Deutschen mit dieser oder jener
Mission beauftragt. Das muß ein für allemal aufhören, wenn Schütz
den Montagnards gegenüber
#138# 40 - Marx an Engels - 7. Juni 1849
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wenigstens die Honneurs seiner Position behaupten soll, und das
ist in diesem Augenblicke - Preußen gegenüber - doch wohl der
ganze Inhalt seiner Mission.
Daß er im übrigen wenig erfährt, versteht sich von selbst, da er
nur mit einigen o f f i z i e l l e n Montagnards zusammen-
kömmt. Ich werde ihn übrigens immer au courant 6*) halten.
Meinerseits muß ich verlangen, daß Du mir wenigstens zweimal die
Woche regelmäßig und jedesmal, so oft etwas Wichtiges vorfällt,
sofort schreibst.
In dem Feuilleton der "Kölnischen Zeitung" über die Pfälzer Bewe-
gung de dato Dürkheim an der Hardt, heißt es unter anderm:
"Auf Herrn Marx, den Redakteur der '[Neuen] Rheinischen Zeitung',
ist man nicht gut zu sprechen. Derselbe soll der provisorischen
Regierung erklärt haben, seine Zeit sei noch nicht gekommen; er
werde sich vorläufig zurückziehn." Wie hängt das zusammen? Die
elenden Deutschen hier, mit denen ich jedes Zusammentreffen übri-
gens vermeide, werden das breit durch Paris zu schlagen suchen.
Ich halte es deshalb für gut, wenn ihr in der "Karlsruher" oder
"Mannheimer Abendzeitung" gradezu erzählt in einem Korrespon-
denzartikel, ich sei als Repräsentant des d e m o k r a t i-
s c h e n Z e n t r a l k o m i t e e s [142] zu Paris. Ich
halte dies auch deshalb für nützlich, weil einstweilen, wo augen-
blicklich, unmittelbar noch kein Resultat hier zu erreichen ist,
man die Preußen glauben machen muß, daß furchtbare Intrigen hier
gespielt werden. Il faut faire peur aux Aristocrates. 7*)
Ruge ist hier gleich Null.
Was macht Dronke?
Du mußt übrigens sehn, daß D a i r g e n d w o G e l d f ü r
m i c h a u f t r e i b s t; Du weißt, daß ich die letzten ein-
gehenden Summen, pour faire honneur aux obligations de la
"Nouvelle G[azette] Rhén[ane]" 8*), verausgabt habe, und in den
jetzigen circonstances 9*) kann ich weder ganz eingezogen wohnen
und leben, noch weniger in Geldverlegenheiten geraten.
Wenn es Dir irgend möglich ist, so schicke mir einen französi-
schen Artikel, worin Du die ganze ungarische Affäre resümierst.
Teile diesen Brief d'Ester mit. Grüße ihn bestens. Soll ich unter
einer andern Adresse schreiben, so gebt sie an.
M.
[Auf der Adreßseite]
Herrn Fr. Engels, zu erfragen bei Dr. d'Ester
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6*) auf dem laufenden - 7*) Man muß den Aristokraten Angst ma-
chen. - 8*) um den Verpflichtungen der "Neuen Rheinischen Zei-
tung" nachzukommen - 9*) Verhältnissen
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