Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#144# 45 - Marx an Engels - 23. November 1850
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45
Marx an Engels
in Manchester
London, 23. Nov. 1850
Lieber Engels!
Dein Brief hat meiner Frau sehr wohlgetan. Sie befindet sich in
einer wirklich gefährlichen Aufgeregtheit und Angegriffenheit.
Sie hatte das Kind selbst gestillt und unter den schwierigsten
Verhältnissen mit den größten Opfern sich seine Existenz erkauft.
Dazu der Gedanke, daß das arme Kind ein Opfer der bürgerlichen
Misère gewesen ist, obgleich es ihm speziell an keiner Pflege ge-
fehlt hat.
Herr Schramm 1*) ist ganz verseilert [154] und befindet sich in
einer seiner ekelhaftesten Epochen. Zwei Tage durch, am 19. und
20. November, ließ er sich gar nicht bei uns sehn, kam dann eine
Minute und verschwand sofort wieder nach einigen albernen Redens-
arten. Am Begräbnistage hatte er sich zum Mitfahren gemeldet,
kömmt einen Augenblick vor der anberaumten Stunde, spricht kein
Wort von dem Begräbnis, sondern erzählt meiner Frau, daß er sich
eilen müsse fortzugehn, um nicht zu spät bei seinem Bruder 2*)
zum Essen zu kommen. Du begreifst, wie bei dem jetzigen irrita-
beln Zustand meiner Frau das Benehmen dieses Menschen, der so
viel Freundschaft in unserm Haus genossen, beleidigen muß.
Jones hat mir die eigentliche Lage Harneys auseinandergesetzt. Er
ist sous le coup de la justice 3*). Sein Blatt mußte dem ganzen
Inhalt nach gestempelt sein. [155] Die Regierung wartet nur eine
größre Verbreitung ab, um ihn zu fassen. Der Prozeß gegen Dickens
ist bloß als Präzedenz gegen ihn eingeleitet. Wird er dann ge-
faßt, so kann er außer der eigentlichen Strafe 20 Jahre sitzen
für die Unmöglichkeit, die securities 4*) aufzubringen.
Bauer 5*) und Pfänder haben ihren Prozeß gewonnen. [156] Roberts
war ihr Advokat.
Dein K. M.
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1*) Conrad Schramm - 2*) Rudolf Schramm - 3*) unter dem Henker-
beil der Justiz - 4*) Sicherheiten - 5*) Heinrich Bauer
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