Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851


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       #157# 50 - Marx an Engels·- 7. Januar 1851
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       50
       
       Marx an Engels
       in Manchester
       
       London, 7. Januar 1851
       Lieber Engels!
       Ich schreibe  Dir heute,  um Dir eine questiuncula theoretica 1*)
       vorzulegen, natürlich naturae politico-economicae 2*).
       Du weißt,  um ab  ovo 3*)  zu beginnen, daß nach der Ricardoschen
       Theorie der Rente sie nichts anders ist, als der Unterschied zwi-
       schen den  Produktionskosten und  dem Preis  des  Bodenproduktes,
       oder wie er das auch ausdrückt, der Unterschied des Preises, wozu
       das schlechteste  Land verkaufen  muß, um  seine Kosten herauszu-
       bringen (immer den Profit und Zinsen des Pächters eingerechnet in
       die Kosten), und wozu das beste Land verkaufen kann.
       Das Steigen der Rente beweist nach ihm, wie er selbst seine Theo-
       rie auslegt:
       1. Es wird zu immer schlechteren Erdarten Zuflucht genommen, oder
       dasselbe Quantum  Kapital, sukzessive  auf denselben  Boden ange-
       wandt, bringt  nicht dasselbe  Produkt. Mit einem Worte: die Erde
       verschlechtert sich  in demselben  Maß, als  die Bevölkerung  ihr
       mehr abverlangen  muß. Sie wird relativ unfruchtbarer. Worin dann
       Malthus den  realen Boden  seiner Populationstheorie gefunden hat
       und worin seine Schüler jetzt ihren letzten Notanker suchen.
       2. Die Rente  kann nur  steigen, wenn  der  Getreidepreis  steigt
       (wenigstens   ö k o n o m i s c h   l e g a l);   sie muß fallen,
       wenn er fällt.
       3. Wenn das   R e n t a l   e i n e s   g a n z e n   L a n d e s
       steigt, so  ist dies  nur erklärlich dadurch, daß eine sehr große
       Masse relativ schlechteren Bodens in Bebauung gesetzt worden ist.
       Diesen 3  Propositions  4*)  widerspricht  nun  überall  die  Ge-
       schichte.
       1. Kein Zweifel,  daß immer  schlechtre Erdarten  in Bebauung ge-
       setzt werden mit dem Fortschritt der Zivilisation. Aber ebensowe-
       nig Zweifel,
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       1*) kleine theoretische  Frage - 2*) politisch-ökonomischer Natur
       - 3*) beim Ursprung - 4*) Behauptungen
       
       #158# 50 - Marx an Engels - 7. Januar 1851
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       daß diese  schlechtem Erdarten  relativ gut sind gegen die früher
       guten, infolge des Fortschritts der Wissenschaft und Industrie.
       2. Seit 1815 ist der Getreidepreis von 90 auf 50 sh. gefallen und
       drunter vor  der Abschaffung  der Korngesetze,  unregelmäßig aber
       beständig. Die  Rente ist beständig gestiegen. So in England. Mu-
       tatis mutandis überall auf dem Kontinent.
       3. In allen  Ländern finden  wir, wie  schon Petty bemerkte, daß,
       wenn der  Preis des Getreides abnahm, das Gesamtrental des Landes
       stieg.
       Die Hauptsache  bei alledem  bleibt, das Gesetz der Rente mit dem
       Fortschritt der  Fruchtbarkeit der Agrikultur im allgemeinen aus-
       zugleichen, wodurch  einmal die historischen Tatsachen allein er-
       klärt werden  können, anderseits  die  Malthussche  Verschlechte-
       rungstheorie nicht  nur der  Hände, sondern  auch der Erde allein
       beseitigt wird.
       Ich glaube, daß die Sache einfach zu erklären ist wie folgt:
       Gesetzt, in  einem gegebnen  Zustand der Agrikultur sei der Preis
       des Quarter  Weizens 7 sh. und ein Acre Land der besten Qualität,
       das eine Rente von 10 sh. zahlt, produziere 20 Bushel. Der Ertrag
       des acres  also = 20 × 7 oder = 140 sh. Die Produktionskosten be-
       tragen in  diesem Falle  130 sh.  130 sh.  ist also der Preis des
       Produkts des schlechtesten in Bebauung gesetzten Landes.
       Gesetzt, es trete nun eine allgemeine Verbesserung der Agrikultur
       ein. Setzen wir diese voraus, so nehmen wir an, gleichzeitig, daß
       Wissenschaft, Industrie  und Bevölkerung  im  Zunehmen  begriffen
       sind. Eine  durch Verbesserung  allgemein vermehrte Fruchtbarkeit
       des Bodens  setzt diese  Bedingungen voraus,  im Unterschied  der
       bloß  vom  Zufall  einer  günstigen  Jahreszeit  hervorgebrachten
       Fruchtbarkeit.
       Der Weizenpreis  falle von  7 auf  5 sh.  per Quarter.  Das beste
       Land, Nr.  1, das  früher 20  Bushel hervorbrachte, bringe nun 30
       Bushel hervor.  Bringt also jetzt ein statt 20 × 7 oder 140 sh. -
       30 ×  5 oder 150 sh. D. h. eine Rente von 20 sh. statt früher von
       10. Der  schlechteste Boden, der keine Rente trägt, muß produzie-
       ren 26 Bushel, denn nach unsrer obigen Annahme ist der notwendige
       Preis desselben  130 sh.  und 26  × 5 = 130. Ist die Verbesserung
       nicht so  allgemein, d.h.  der allgemeine Fortschritt der Wissen-
       schaft, der  mit dem  Gesamtfortschritt der Gesellschaft, Popula-
       tion usw.  Hand in  Hand geht, daß der schlechteste Boden, der in
       Bebauung gesetzt  werden muß,  26 Bushel  hervorbringen kann,  so
       kann der Getreidepreis nicht auf 5 sh. per Quarter fallen.
       Die 20  sh. Rente  drücken nach  wie vor den Unterschied zwischen
       den Produktionskosten  und dem Getreidepreis auf dem besten Boden
       oder zwischen
       
       #159#
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       Erste Seite des Briefe, von Marx an Engels vom 7. Januar 1851
       
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       #161# 50 - Marx an Engels - 7. Januar 1851
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       den Produktionskosten  des schlechtsten  und denen des besten Bo-
       dens aus.  Relativ bleibt  das Eine Land immer ebenso unfruchtbar
       gegen  das  andre  wie  vorher.  Aber  die    a l l g e m e i n e
       F r u c h t b a r k e i t  hat sich gehoben.
       Vorausgesetzt wird  nur, daß,  wenn der Getreidepreis von 7 auf 5
       sh. fällt,  die Konsumtion  in demselben  Maße zunimmt, die Nach-
       frage, oder daß die Produktivität nicht die Nachfrage übersteigt,
       die zu  dem Preis  von 5  sh. erwartet werden kann. So sehr diese
       Voraussetzung falsch  wäre, wenn  der Preis  von 7 auf 5 gefallen
       wäre durch  einen ausnahmsweis  üppigen Herbst,  so notwendig ist
       sie bei einer graduellen und durch die Produzenten selbst bewirk-
       ten Steigerung der Fruchtbarkeit. In allen Fällen handelt es sich
       hier nur um die ökonomische Möglichkeit dieser Hypothese.
       Es folgt hieraus:
       1. Die Rente  kann steigen,  obgleich der Preis des Bodenprodukts
       fällt, und  doch    b l e i b t    R[ i c a r d o] s  G e s e t z
       r i c h t i g.
       2. Das Gesetz  der Rente,  wie R[icardo] es in einfachster These,
       abgesehn von seiner Ausführung, hinstellt, setzt nicht die abneh-
       mende Fruchtbarkeit  des Bodens  voraus, sondern  nur,  t r o t z
       d e r  m i t  d e r  E n t w i c k e l u n g  d e r  G e s e l l-
       s c h a f t        a l l g e m e i n        z u n e h m e n d e n
       F r u c h t b a r k e i t     d e s      B o d e n s,      v e r-
       s c h i e d n e   Fruchtbarkeit der  Ländereien oder verschiednes
       Resultat des sukzessiv auf demselben Boden angewandten Kapitals.
       3. Je allgemeiner  die Verbesserung  des Bodens  ist, desto  mehr
       Sorten von  Ländereien wird sie umfassen, und das Rental des gan-
       zen Landes  kann steigen, obgleich der Getreidepreis im allgemei-
       nen sinkt.  Gesetzt z.B. das obige Beispiel, so kömmt es nur dar-
       auf an,  wie groß  die Anzahl der Ländereien ist, die mehr als 26
       Bushel zu  5 sh.  produziert, ohne  grade deren 30 produzieren zu
       müssen, d.h.  um wie  mannigfaltiger die Qualität des Landes ist,
       das zwischen  dem besten und dem schlechtsten liegt. Es geht dies
       die ratio  5*) der  Rente des  besten Landes  nichts an.  Es geht
       überhaupt die ratio der Rente nicht direkt an.
       Du weißt,  daß der  Hauptwitz bei  der Rente der ist, daß sie er-
       zeugt ist  durch die  Ausgleichung des  Preises für die Resultate
       verschiedner Produktionskosten,  daß aber  dies Gesetz des Markt-
       preises nichts als ein Gesetz der bürgerlichen Konkurrenz. Indes-
       sen bliebe,  selbst nach Abschaffung der bürgerlichen Produktion,
       der Haken, daß die Erde relativ unfruchtbarer würde, daß mit der-
       selben Arbeit  weniger sukzessiv geschaffen würde, obgleich nicht
       mehr, wie  im bürgerlichen Regime, der beste Boden so teures Pro-
       dukt lieferte  wie der  schlechtste. Dies  Bedenken fiele mit dem
       obigen fort.
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       5*) Höhe
       
       #162# 50 - Marx an Engels - 7. Januar 1851
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       Ich bitte Dich um Deine Ansicht über die Sache.
       Weil ich Dich mit dieser Scheiße gelangweilt, schicke ich Dir zur
       Erheiterung folgendes  Pack Briefe  von Dr.  Magnus Groß (doppelt
       großer Groß!  Allergrößter Groß!)  aus Cincinnati. [164] Du wirst
       finden, daß,  wenn Monsieur  Groß nicht  grand 6*), er jedenfalls
       gros 7*)  ist. Teilering II. in nuce 8*). Gleichen sich doch alle
       Koblenzer. [165]  Schick mir die Sache zurück, und wenn Du willst
       und Zeit und Lust hast, mit einer Zeile für Dronke.
       Dein K. M.
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       6*) groß - 7*) plump - 8*) im kleinen

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