Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#200# 64 - Engels an Marx - 25. Februar 1851
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Engels an Marx
in London
Lieber Marx,
Gestern vor 8 Tagen schickte ich Dir einen Brief für Harney und
habe seitdem keine Antwort von Dir, was mich einigermaßen in Ver-
legenheit setzen könnte, wenn ein Brief von H[arney], der jeden
Tag ankommen kann, rasche Beantwortung erfordern sollte, oder
wenn die Unterhandlungen der hiesigen neuen Chartistenclique, we-
gen eines Besuchs Harneys hier, zum Ziele führten und er mir ei-
nes schönen Morgens auf die Kneipe gerückt käme. Ich hoffe, daß
Du alles richtig erhalten hast und daß es nicht Unwohlsein ist,
was Dich vom Schreiben abhält. Vielleicht sagt Dir der Brief
nicht zu oder die Manier, mit der ich ohne weitere Beratung mit
Dir sofort auf eigne Faust handelte. Aber grade deswegen schickte
ich ihn Dir ja, und hattest Du etwas auszusetzen, so war nichts
einfacher, als dem Harney einfach sagen zu lassen, er solle vor-
derhand meine Artikel 1*) nicht drucken lassen, und mir den Brief
zurückzuschicken nebst Glossen, which you know would have had all
due attention 2*).
Jedenfalls bin ich Dir noch seit längerer Zeit die Antwort auf
die currency-Geschichte 3*) schuldig. Die Sache selbst ist meiner
Ansicht nach ganz richtig und wird sehr dazu beitragen, die ver-
rückte Zirkulationstheorie auf einfache und klare fundamental
facts 4*) zu reduzieren. Über die Ausführung in Deinem Brief
finde ich nur folgendes zu bemerken:
1. Gesetzt, im Anfang der period of pressure 5*) stände die Rech-
nung der Bank of England, wie Du sagst, mit £ 12 000 000 deposits
und 8 Millionen bullion 6*) oder coin 7*). Um die überflüssigen £
4 Millionen bullion loszuwerden, läßt Du sie den Diskontosatz
herabsetzen. Ich glaube, daß sie das nicht zu tun brauchte, und
soviel ich mich erinnere, ist die Herabsetzung des Diskontosatzes
im Anfang der pressure bisher nie vorgekommen. Meiner Ansicht
nach würde die pressure sofort auf die deposits wirken und
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1*) Siehe vorl. Band, S. 167 u. 178 - 2*) die, wie Du weißt, alle
gebührende Beachtung gefunden hätten - 3*) Zirkulations-Geschich-
te (siehe vorl. Band, S. 173-177) - 4*) grundlegende Tatsachen -
5*) Periode der Geldklemme - 6*) Goldbarren - 7*) gemünztem Geld
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sehr bald nicht nur das Gleichgewicht zwischen bullion und depo-
sits herstellen, sondern die Bank zwingen, den Diskontosatz zu
erhöhen, damit das bullion nicht unter 1/3 der deposits sinkt. In
demselben Maß, wie die pressure zunimmt, stockt auch die Zirkula-
tion des Kapitals, der Umsatz der Waren. Die einmal trassierten
Wechsel verfallen aber und wollen bezahlt sein. Daher muß das Re-
servekapital - die deposits - in Bewegung gesetzt werden - Du
verstehst, nicht qua currency 8*), sondern qua capital 9*), und
so wird der einfache drain of bullion 10*), nebst der pressure,
von selbst hinreichen, die Bank von ihrem überflüssigen bullion
zu befreien. Dazu ist nicht nötig, daß die Bank i h r e n Zins-
fuß unter Verhältnissen h e r a b s e t z t, die den allgemei-
nen Zinsfuß im ganzen Lande gleichzeitig s t e i g e r n.
2. In einer Periode der wachsenden pressure würde, wie ich
glaube, die Bank in demselben Maß das Verhältnis des bullion zu
den deposits steigern müssen (um nicht in Verlegenheit zu kom-
men), in welchem die pressure zunimmt. Die 4 überzähligen Millio-
nen würden ihr ein gefunden Fressen sein, und sie würde sie so
langsam ausgeben wie nur möglich. Bei steigender pressure würde,
unter Deinen Voraussetzungen, ein Verhältnis des bullion zu den
deposits wie 2/5:1,1/2:1 und selbst 3/5:1 durchaus nicht über-
trieben sein, und um so leichter durchzuführen, als mit der Ab-
nahme der deposits auch die bullion reserve absolut abnimmt, wenn
auch relativ zunehmen würde. Der run 11*) auf die Bank ist hier
ebenso möglich wie beim Papiergeld und kann durch ganz gewöhnli-
che Handelsverhältnisse herbeigeführt werden, ohne daß der Kredit
der Bank erschüttert wäre.
3. "Die currency wird z u l e t z t berührt", sagst Du. Deine
eignen Voraussetzungen, daß sie infolge des stockenden Geschäfts
berührt wird und dann natürlich weniger currency nötig ist, füh-
ren zu dem Schluß, daß die currency sich gleichzeitig mit der Ak-
tivität des commerces vermindert und ein Teil derselben überflüs-
sig wird in dem Maß, wie die pressure steigt. F ü h l b a r
wird sie freilich erst am Ende, bei hoher pressure, vermindert;
aber im ganzen geht doch dieser Prozeß vom Beginn der pressure an
vor sich, wenn er sich auch nicht tatsächlich im einzelnen nach-
weisen läßt. Aber insofern, als dies superseding 12*) eines Teils
der currency F o l g e der übrigen kommerziellen Verhältnisse,
der von der currency unabhängigen pressure ist, und alte andren
Waren und Handelsverhältnisse v o r ihr davon betroffen werden,
und ebenfalls insofern diese Abnahme bei der currency zuletzt
p r a k t i s c h fühlbar wird, insofern wird sie allerdings zu-
letzt von der Krise berührt.
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8*) als Umlaufmittel - 9*) als Kapital - 10*) Goldabfluß -
11*) Ansturm - 12*) diese Verdrängung
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Diese Glossen, wie Du siehst, beschränken sich rein auf Deinen
modus illustrandi 13*); die Sache selbst ist vollständig in Ord-
nung.
Dein F. E.
[Manchester] Dienstag, 25. Febr. [1851]
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13*) Deine Art der Veranschaulichung
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