Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851


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       #243# 84 - Marx an Engels - 3. Mai 1851
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       84
       
       Marx an Engels
       in Manchester
       
       [London] 3. Mai 1851
       Lieber Engels!
       Lupus hat  von Köln, wie er mir selbst schreibt, einen englischen
       Paß und  Reisegeld für  sich und  Dronke erhalten. Dronke hat den
       Kölnern [224] auch einen Aufsatz über die italienische Revolution
       zugeschickt.
       Mais ce  qu'il y a de drôle 1*), Dronkes Unterschrift steht posi-
       tiv -  abgedruckt in Louis Blanc - unter der Adresse an das dama-
       lige Komitee  zur Feier  der Februarrevolution. Nous lui demande-
       rons des  éclaircissements sur  ce fait étrange. Dans le meilleur
       cas, ce n'est pas un trait d'esprit de la part de ce gnome. 2*)
       Becker hat  seine Setzerei  und Druckerei  nach Verviers verlegt,
       und es  scheint nicht, daß die Regierungsverfolgungen ihm Schaden
       tun. Ein  Heft [225]  von meinem  Dreck ist hierher gelangt, aber
       nur ein Exemplar.
       Das hiesige  zentraldemokratische deutsche Komitee [2269 hat sich
       hier aufgelöst  zur selben  Zeit, wo  der große  Karl Heinzen ihm
       "militärischen Gehorsam" ankündigt. Der süße Kinkel, wegen seiner
       dramatischen Vorlesungen für respektable Cityleute - 12 Vorlesun-
       gen für 1 Guinea: der Süße schickt diese Billetts durch ein Komi-
       tee (worin  Oppenheim von Berlin) an Gott und die Welt, hat unge-
       fähr 300 Zuhörer -, darf sich natürlich nicht kompromittieren und
       hat sich zurückgezogen. Ebenso Haug sich überworfen. Ruge, dessen
       Finanzen sehr zerrüttet scheinen, hatte vor, sich eine Daguerreo-
       typanstalt zu  kaufen und  als Daguerreotypist das Land zu durch-
       ziehn.
       Weerth schreibt mir heute im höchsten Maße malkontent: die langen
       Nasen und  das Rauchfleisch  ennuyieren ihn.  Außerdem, sagt  er,
       drohe ihm  "eine glänzende Lage" - Heirat? Aber er sei zu alt, um
       Philister zu werden. Du kennst unsren Freund Weerth. Er ennuyiert
       sich rasch  und am schnellsten, wenn er sich bürgerlich behaglich
       findet. Sein Freund Campe sagte ihm, verdrießlich auf die Makula-
       tur zeigend:  "Alles zieht,  aber nichts  schlägt durch." Und das
       sei der allgemeine Zustand in Teutschland.
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       1*) Aber was komisch ist - 2*) Wir werden von ihm Aufklärung über
       diesen seltsamen  Umstand verlangen.  Im besten  Fall ist es kein
       geistreicher Einfall von seifen dieses Knirpses.
       
       #244# 84 - Marx an Engels - 3. Mai 1851
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       Hier wimmelt's von people 3*) aller Art. Ich glaube nicht, daß es
       mich belästigen wird in any way 4*). Denn was von den Industriel-
       len liberal,  radikal oder  auch nur neugierig ist, das wird [mit
       großer Auf]merksamkeit 5*) eingefangen bei Göhringer oder von der
       Kinkel-Clique und  dann gleich  mit Skandal über uns beide gefüt-
       tert. Tant mieux pour nous! 6*)
       Diese ganze Woche ist die Bibliothek geschlossen gewesen. Von dem
       roten Narren 7*) erfährt man nichts mehr.
       Daniels schreibt  mir, daß sie nirgends besser repräsentiert sind
       als in  Berlin und dort zwei "Talente" und "Gentlemen" zur Dispo-
       sition haben, die sehr tätig seien.
       Tupman 8*)  leidet an  sehr starkem  Tripper. Nach einer heftigen
       Szene mit  Madame la baronesse 9*) ist die Sache wieder halb bei-
       gelegt, aber  seine Stellung ist subalterner durch seinen Leicht-
       sinn geworden.
       Das Foucaultsche Experiment mit dem Pendel wird hier im polytech-
       nischen Institut gezeigt.
       Den gesagten  Brief an Daniels werde ich morgen besorgen. Schramm
       10*) hat  es mirabile  dictu 11*) zu einem season ticket 12*) ge-
       bracht.
       Heinzen hat  in seinem  Saublatt  13*)  mich  wieder  mit  seinem
       "native" 14*)  Dreck geworfen,  der malheureux 15*). Der Kerl ist
       so dumm,  daß Schramm für bares Geld unter dem Namen "Müller" bei
       ihm korrespondiert  und lauter unpassende Allotria, wie den Blan-
       qui-Toast [203] etc., in seinen Zeitungskram einschmuggelt.
       Willich begegnete  vor einigen Tagen dem Bamberger, den er früher
       einmal gesehn  hatte. Kam  auf ihn zu. Drückte ihm die Hand: "Ich
       war 3 Wochen sehr krank. Konnte das Haus nicht verlassen. Die Re-
       volution marschiert  famos. Namentlich  hier in  London sind  wir
       sehr tätig. Zwei neue Filialvereine gestiftet. Schapper wirkt un-
       geheuer."
       Ein andermal  mehr. Nächste  Woche werde ich mich auf der Biblio-
       thek ernsthaft für Deine Quellen zu L. Blanc umsehn.
       Dein K. M.
       Meine Fr[au lä]ßt 5*) grüßen. Sie war wütend, daß der Pi[eper uns
       so zudrin]glich 5*) gleich auf den Hals kam.
       Übrigens schenkst  Du der  Post immer  einen stamp.  One will do.
       16*)
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       3*) Volk -  4*) in irgendeiner  Weise -  5*) Papier beschädigt  -
       6*) Um so  besser für  uns! -  7*) Hermann Becker  -  8*) Wilhelm
       Pieper  -   9*) Baronesse  Rothschild  -  10*) Conrad  Schramm  -
       11*) wunderbarerweise  -   12*) Saisonbillett  -   13*) "Deutsche
       Schnellpost"  -   14*) "angestammten"  -   15*) Unglückselige   -
       16*) eine Briefmarke. Eine genügt.

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