Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#276# 98 - Engels an Marx - um den 6. Juli 1851
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Engels an Marx
in London
[Manchester, um den 6. Juli 1851]
Lieber Marx,
Nachdem ich meinen Alten hier 8 Tage herumgeschleift, hab' ich
ihn glücklich wieder fortexpediert und kann Dir heute endlich in-
liegend Post Office Order 1*) für 5 Pfund schicken. Im ganzen
kann ich mit dem Resultat meiner Entrevue mit dem Alten zufrieden
sein. Er hat mich auf wenigstens drei Jahre hier nötig, und Ver-
pflichtungen für die Dauer, nicht einmal auf die 3 Jahre, hab'
ich keine eingegangen, sind auch weiter nicht verlangt worden;
weder in Beziehung auf Schriftstellerei, noch auf Hierbleiben im
Fall einer Revolution.
An diese scheint er gar nicht zu denken, so sicher ist das Volk
jetzt! Dagegen habe ich mir Representations- und Tafelgelder
gleich im Anfang ausgemacht - ca. £ 200 jährlich, was auch ohne
große Schwierigkeiten bewilligt wurde. Mit einem solchen Salär
geht die Sache schon, und wenn's bis zur nächsten Bilanz ruhig
bleibt und das hiesige Geschäft gut geht, wird er noch ganz an-
ders bluten müssen - ich komme schon in diesem Jahr weit über die
zweihundert Pfund. Dabei hat er mich in seine ganzen Geschäfts-
verhältnisse sowohl hier wie drüben blicken lassen, und da er
sehr gute Geschäfte gemacht und seit 1837 sein Vermögen mehr als
verdoppelt hat, so versteht es sich, daß ich mich nicht mehr ge-
niere als nötig ist.
Der Alte ist übrigens auch verschlagen genug. Sein Plan, der aber
nur sehr langsam und schwierig durchzuführen und wegen der Tucke-
reien mit den Ermens schwerlich je durchgeht, ist der, den Peter
E[rmen] nach Liverpool ziehen zu lassen, was dieser selbst
wünscht, und mir dann die ganze Leitung des hiesigen Comptoirs -
wo G. Ermen dann die Fabrik führen würde - in die Hände zu spie-
len. Damit war' ich dann gebunden. Natürlich erklärte ich, daß
mir das doch über die Kräfte ginge, und spielte den Bescheidenen.
Wäre mein Alter indes noch ein paar Tage hiergeblieben, wir wären
uns in die Haare geraten, der Kerl kann das Glück nicht vertra-
gen,
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1*) Postanweisung
#277# 98 - Engels an Marx - um den 6. Juli 1851
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wird übermütig, fällt in die alte Schulmeistere! und wird provo-
zierend, dabei ist er so dumm und taktlos, daß er z.B. die Gegen-
wart eines der Ermens, wo er mir das Maul gebunden glaubt und
sich auf mein Anstandsgefühl verläßt, noch am letzten Tage seiner
Anwesenheit benutzen wollte, um sich mir gegenüber die Satisfak-
tion zu geben, einen Dithyrambus auf die Institutionen Preußens
zu singen. Natürlich reichten ein paar Worte und ein wütender
Blick hin, ihn in seine Grenzen zurückzuführen, aber das war auch
grade genug, um uns plötzlich wieder auf einen kälteren Fuß zu
setzen - grade beim Abschied -, und ich erwarte sicher, daß er
auf die eine oder die andre Weise sich für diesen check 2*) zu
revanchieren suchen wird. Nous allons voir. 3*) Hat die Sache
keine direkten praktischen Nachteile, d.h. auf meine Geld-
stellung, so ist mir. das kühle Geschäftsverhältnis natürlich
lieber als aller Gemütshumbug.
Ceci entre nous. 4*)
Die "Kölner Zeitung" ist seit Anfang Juli hier nicht mehr zu
sehn, wahrscheinlich wegen vergessener Abonnementserneuerung. Ich
weiß also nicht, ob weiter noch etwas vorgefallen ist. Wenn Du
Neues weißt, so laß mich's ja wissen. Ich werde endlich wieder
anfangen können, ordentlich zu arbeiten, da die Exhibitionsstö-
rungen [184] jetzt so ziemlich vorüber sind und der Athenaeums-
Katalog 5*) endlich fertig ist. Auch hab' ich vor, bald aufs Land
zu ziehn, damit ich ganz ungestört bin. Da ich binnen eines Jahrs
meinen Alten nicht wieder herbekomme, kann ich mich ganz nach
Konvenienz einrichten und die Repräsentationsgelder zum großen
Teil anders verwenden.
Grüß Deine Frau und schreib bald.
Dein F. E.
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2*) Dämpfer - 3*) Wir werden sehen. - 4*) Dies unter uns. -
5*) siehe vorl. Band, S. 217
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