Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851


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       #287# 102 - Engels an Marx - um den 20. Juli 1851
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       102
       
       Engels an Marx
       in London
       
       [Manchester, um den 20. Juli 1851]
       Lieber Marx,
       Inliegend die Dokumente zurück. Der Brief von Miquel gefällt mir.
       Der Kerl  denkt wenigstens  und würde gewiß sehr gut werden, wenn
       er einige  Zeit ins  Ausland käme.  Seine Befürchtungen wegen der
       nachteiligen Einwirkung unsres jetzt publizierten Aktenstücks 1*)
       auf die  Demokraten sind  für seine  Gegend gewiß  sehr  richtig;
       diese niedersächsische, naturwüchsige Mittelbauerndemokratie, der
       die "Kölnische  Zeitung" neulich  in den  Arsch kroch und ihr die
       Allianz anbot,  ist aber  auch danach  und steht  weit unter  der
       spießbürgerlichen Demokratie  der größeren  Städte, von  der  sie
       doch beherrscht  wird. Und  diese kleinbürgerliche Normaldemokra-
       tie, obwohl  schwer pikiert  offenbar durch  dies Aktenstück, ist
       selbst viel  zu geklemmt und gedrückt, als daß sie nicht, mit der
       großen Bourgeoisie,  viel eher  auf die  Notwendigkeit des passer
       par la mer rouge 2*) käme. Die Kerle werden sich mehr und mehr in
       die Notwendigkeit einer momentanen terroristischen Herrschaft des
       Proletariats ergeben  - das  kann ja  doch nicht von langer Dauer
       sein, denn  der positive  Inhalt des Aktenstücks ist ja so unsin-
       nig, daß  von permanenter  Herrschaft solcher Leute und endlicher
       Durchführung solcher Prinzipien keine Rede sein kann! Dagegen der
       hannoverische große  und Mittelbauer,  der nichts  hat als seinen
       Boden, dessen  Haus, Hof,  Scheune pp.  bei dem  vorauszusehenden
       Ruin aller  Assekuranzkompanien allen  Gefahren ausgesetzt  sind,
       der ohnehin  seit Ernst  August alle Süßigkeiten des gesetzlichen
       Widerstands durchgekostet hat - dieser deutsche sturdy yeoman 3*)
       wird sich hüten, eher als er muß, ins Rote Meer zu gehn.
       Nach B[ermbach]s  Brief wäre  Haupt der  Verräter - was ich nicht
       glauben kann.  Die Geschichte müßte übrigens jedenfalls ergründet
       werden. Verdächtig  kann allerdings  scheinen,  daß,  soviel  ich
       weiß, Haupt noch auf freien Füßen ist. An eine Reise nach Hamburg
       von Göttingen oder Köln
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       1*) "Ansprache der  Zentralbehörde an  den Bund  vom März 1850" -
       2*) Hindurchgehens durch das Rote Meer - 3*) handfeste Freisasse
       
       #288# 102 - Engels an Marx - um den 20.Juli 1851
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       aus wird nicht zu denken sein. Was und wann man aus den Prozeßak-
       ten oder  Verhandlungen darüber  für Aufklärung erhält, ist nicht
       zu sagen.  S'il y a trahison 4*), darf man's nicht vergessen, und
       ein Exempel bei passender Gelegenheit wäre sehr gut.
       Ich hoffe,  Daniels wird  bald freigelassen,  après tout c'est la
       seule tête  politique, qu'il y ait dans Cologne 5*), und er würde
       trotz aller polizeilichen Überwachung doch imstande sein, die Ge-
       schichte im rechten Gleis zu erhalten.
       Um noch einmal auf den Effekt unsres Aktenstücks auf die Demokra-
       ten zurückzukommen:  M[iquel] sollte  doch bedenken,  daß wir die
       Herren fortwährend  und ununterbrochen  in Schriften verfolgt ha-
       ben, die mehr oder weniger doch Parteimanifeste waren. Woher also
       nun das Geschrei über ein Programm, das bloß das schon längst Ge-
       druckte in  sehr ruhiger  und besonders ganz unpersönlicher Weise
       resümiert? Hatten uns unsre kontinentalen Jünger denn verleugnet,
       hatten sie  sich, tiefer als die Parteipolitik und Parteiehre zu-
       ließen, mit  den Demokraten eingelassen? Wenn die Demokraten eben
       aus Gegensatzlosigkeit  so revolutionär  schrieen, wer  macht sie
       gegensatzlos, doch  nicht wir,  sondern höchstens  die  deutschen
       Kommunisten in  Deutschland. Da  scheint allerdings  der Haken zu
       liegen. Jeder  irgendwie intelligente Demokrat mußte von vornher-
       ein wissen,  was er von unsrer Partei zu erwarten hatte - das Ak-
       tenstück konnte ihm nicht viel Neues bringen. Alliierten sie sich
       pro tempore  mit den  Kommunisten, so  waren sie über Bedingungen
       und Dauer  der Allianz  vollständig instruiert,  und es kann bloß
       hannoverschen Mittelbauern  und  Advokaten  eingefallen  sein  zu
       glauben, die Kommunisten hätten sich seit 1850 von den Prinzipien
       und der  Politik der "Neuen Rheinischen Zeitung" bekehrt. Waldeck
       und Jacoby haben sich das gewiß nie träumen lassen. In jedem Fall
       werden alle derartigen Veröffentlichungen auf die Dauer weder ge-
       gen "die Natur der Dinge" noch gegen "den Begriff des Verhältnis-
       ses", um mit Stirner [250] zu sprechen, etwas ausrichten, und die
       demokratische Schreierei  und Wühlhuberei  wird  bald  wieder  in
       voller Blüte stehn und mit den Kommunisten Hand in Hand gehn. Und
       daß uns  die Kerle  den lendemain 6*) der Bewegung doch schlechte
       Streiche spielen  werden, wissen  wir längst und wird durch keine
       Diplomatie verhindert.
       Dagegen, daß  sich überall, wie ich voraussetzte, kleine kommuni-
       stische Cliquen  auf Grundlage  des "Manifests"  7*) bilden,  hat
       mich sehr gefreut. Das
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       4*) Wenn Verrat  dabei ist  - 5*) er  ist schließlich der einzige
       politische Kopf  in Köln  - 6*) folgenden  Tag -7*) "Manifest der
       Kommunistischen Partei"
       
       #289# 102 - Engels an Marx - um den 20. Juli 1851
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       fehlte uns grade bei der Schwachheit des bisherigen Generalstabs.
       Die Soldaten  finden sich  von selbst,  wenn die  Verhältnisse so
       weit sind, aber die Aussicht auf einen Generalstab, der nicht aus
       Straubingerelementen [47]  besteht und größere Auswahl zuläßt als
       der bisherige von 25 Mann, die irgendwelche Bildung besitzen, ist
       sehr angenehm. Gut wäre eine allgemeine Empfehlung, überall unter
       den Kommis  Propaganda zu machen. Für den Fall, daß man eine Ver-
       waltung organisieren  müßte, sind  die Kerls  unentbehrlich - sie
       sind ans  Schanzen und an übersichtliche Buchführung gewöhnt, und
       der Commerce  ist die einzig praktische Schule für brauchbare Bü-
       roschreiber. Unsre Juristen pp. taugen dazu nicht. Kommis für die
       Buchführung und  Komptabilität, talentvolle  Studierte für Redak-
       tion von  Depeschen, Briefen,  Aktenstücken, voilà  ce qu'il faut
       8*). Mit 6 Kommis organisier' ich einen Verwaltungszweig 1000 mal
       einfacher, übersichtlicher und praktischer als mit 60 Regierungs-
       räten und  Kameralisten. Diese  letzteren können  ja nicht einmal
       leserlich schreiben  und versauen  einem alle Bücher, so daß kein
       Teufel draus klug wird. Da man doch mehr und mehr gezwungen wird,
       auf diese Eventualität sich einzurichten, so war' die Sache nicht
       ohne Wichtigkeit.  Ohnehin sind diese Kommis an anhaltende mecha-
       nische Tätigkeit  gewöhnt, weniger  anspruchsvoll,  leichter  vom
       Bummeln abzubekommen und bei Unbrauchbarkeit leichter zu beseiti-
       gen.
       Der Brief nach Köln ist fort - sehr schön besorgt; wenn der nicht
       richtig ankommt,  weiß ich's  nicht. Sonst  ist die  Adresse  von
       Schulz nicht sehr empfehlenswert - Ex-Cogerant 9*)!
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       8*) das ist es, was wir brauchen - 9*) ehemaliger Mitherausgeber

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