Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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1846
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Engels an Marx
in Brüssel
Lieber Marx,
Ich bin diverse Tage herumgelaufen und hab' mich nach Quartieren
für Dich umgesehen, aber wenig gefunden. Entweder zu groß oder zu
klein. Selten z w e i bewohnbare Zimmer zusammen, die Schlaf-
stuben meist erbärmlich eng. Enfin 1*) gestern hab' ich 2 Quar-
tiere auf getan au choix 2*): 1. zwei große Zimmer, eine und zwei
Treppen hoch, resp.; in jedem ein Bett, für 95 fr. monatlich, für
das dritte Bett 30 fr. extra, Frühstück 1/2 fr. täglich pro Kopf
oder Magen. 2. ein kleines Haus, das demselben propriétaire 3*)
gehört, ein Wohnzimmer unten, oben zwei ineinandergehende Schlaf-
zimmer, von denen eins erträglich groß, und ein Kabinett à 150
fr. monatlich, Frühstück même prix 4*). Wer das Haus nimmt, be-
kommt eine Magd hereingetan zur Aufwartung. Die obigen beiden
Zimmer sind in einem restaurant, au duc de Brabant, rue du lait
battu, wo also zur Not auch Essen zu bekommen wäre. Ihr seid aber
ganz unabhängig in dieser Beziehung dort. Jedenfalls würdest Du
gut tun, wenn Du auf eins dieser Quartiere reflektierst, im duc
de Brabant abzusteigen, es ist wohlfeiler als im Hotel, und ge-
fallen Dir die Zimmer nicht, so kannst Du Dir von der Frau dort
das Haus zeigen lassen, es liegt rue des soeurs blanches No. 5,
und wenn das auch nicht konveniert, so findst Du wohl ein andres.
Die Quartiere sind übrigens scheußlich verteuert gegen voriges
Jahr, wie alles, oder vielmehr "und so in allem". Diner wirst Du
für fr. 5 bestreiten können für die ganze Familie, beefsteaks 1
fr., côtelettes idem, Wein 2-3 fr. Bier schlecht. Zigarren
schlecht und teuer, tust gut, Dir ein paar 100 von Brüssel mitzu-
bringen; wenn Du das tust, kannst Du folgenden Kostenanschlag als
richtig annehmen:
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1*) Endlich - 2*) zur Auswahl - 3*) Eigentümer - 4*) der gleiche
Preis
#30# 6 - Engels an Marx - 27. Juli 1846
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/ Wohnung fr. 125 - fr. 150
¦ Déjeuner " 45 - " 45 (wenn Du zu-
¦ Diner " 150 - " 175 weilen am
p. ¦ Souper 2-3 Beefsteaks " 60 - " 90 Meer ißt)
Mo-< Café nachmittags am Strand, (man frißt
nat¦ sehr nötig 2 Tassen " 18 - " 18 hier viel)
¦ Wäsche ist sehr teuer, Dazu Baden à
\ mindestens " 20 - " 30 fr. 1,30-1,50
----------------- ca 40 fr..
fr. 418 - fr. 508
Außerdem wären aber noch fr. 100 für incidental expences 5*)
wünschenswert, weil man sich ohne die hier sehr langweilt. Mehr
als einen Monat brauchst Du nicht hierzubleiben. Bloß, wer kreuz-
lahm und inwendig und auswendig an allen Gliedern geschlagen ist,
bleibt länger. Du mußt aber so mieten, daß Du die etwa über den
Monat dazu bleibende Zeit à tant par jour 6*) bezahlst, sonst
rechnen sie Dir den vollen halben Monat an, wenn Du zwei Tage
länger bleibst.
Im übrigen lebt sich's hier sehr schluffig. Ein langweiliger Bar-
mer Philister, la bête des bêtes 7*), war die ersten Tage außer
der Familie mein einziger, mir durch diese aufgedrängter Umgang.
Gestern kam Blank von London (den Du kennst), dann machte ich
endlich vermittelst dieses die Bekanntschaft eines Franzosen qui
a beaucoup d'esprit 8*) und der überhaupt ein tüchtiger Kerl ist,
obwohl er 15 Jahr in Elberfeld war und par conséquent 9*) deutsch
spricht.
"Schließlich erwähne ich noch" die Geschichte mit der Frau Heß.
Es ist schlimm, aber man kann sie unmöglich die Dummheiten des
P.P. Heß entgelten lassen. Ich werd' sie also über die Grenze zu
schmuggeln suchen, d.h. wenn ich von meinem Alten das zur Reise
nach Paris nötige Geld kriege, was noch nicht sicher ist. Einlie-
gendes Wischli schick dem teuren Mann Gottes 10*) nach Köln, da-
mit er sich tröstet. Die Frau ist also schon in Brüxel?
An großen Männern ist nichts hier. Die kommen erst im August. Es
verlautet noch nichts über die Namen der großen Deutschen, die
herkommen werden. Einstweilen muß ich mich also mit dem preußi-
schen Bankprojekt [29] begnügen. Es ist gottvoll, daß die Herren
sich einbilden, darauf viel Geld zu kriegen. So ein paar große
Bankiers, die "Meistbeteiligte" werden wollen
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5*) Extraausgaben - 6*) tageweise - 7*) der Dümmste der Dummen -
8*) der viel Geist hat - 9*) folglich - 10*) Moses Heß (siehe
vorl. Band, S. 445)
#31# 6 - Engels an Marx - 27. Juli 1846
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und ihre geheimen Verträge mit den Bürokraten schließen, z.B. daß
ihre Aktien nicht rückzahlbar sind, daß sie in den Zentralaus-
schuß geschmuggelt werden pp., sind vielleicht dazu zu bringen.
Aber sonst niemand. Kostbar, "daß sowohl die Z e i c h n e r,
wie die g e z e i c h n e t e n B e i t r ä g e nicht bekannt
werden sollen". Man erwartet also verdammt wenig Geld und will
sich vor der Blamage etwas sicherer stellen; echt bürokratisch.
Schreibe mir bald, ob Du kommst und wann.
Dein E.
Ostende, 11, rue St. Thomas,
27. Juli 46
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Diese Bilder waren gestern in der See zu besichtigen, für männli-
ches und weibliches Publikum.
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