Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851


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       #294# 105 - Engels an Marx - um den 1. August 1851
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       105
       
       Engels an Marx
       in London
       
       [Manchester, um den 1. August 1851]
       Lieber Marx,
       Inliegend die 2te Hälfte der 5pfundnote,
       Daß Schr[amm]  1*) nach  Paris gesegelt, wußte ich nicht, Du hat-
       test mir  nichts darüber geschrieben. Ich las daher mit dem größ-
       ten Erstaunen  in der  "Kölner Zeitung",  daß er  versoffen sei -
       leider wird  das nicht wahr sein. Der Hund ist sehr störend - man
       hat ihn zu dicht herankommen lassen, und er ist ein gemeiner Kerl
       durch und  durch. Du hast indes recht, das Schreien und Ulkschla-
       gen hilft nichts, man muß den Kerl ruhig seiner Wege gehn lassen,
       bis man Macht über ihn hat. Wie gesagt, es wäre ganz gut, wenn er
       wirklich im  Kanal ersoffen  wäre; wahrscheinlich aber hat er das
       Gerücht selbst  verbreitet - c'est une manière comme une autre de
       faire parler de soi 2*).
       Weydemeyer will also nach Amerika und sehn, daß er die New-Yorker
       "Arbeiterzeitung", die  Fenner von  Fenneberg jetzt hat, in seine
       Hände bekommt.  Kann er  sich in  New York  halten, so ist er uns
       dort jedenfalls nützlicher als in London, wo der embarras 3*) nur
       vermehrt würde.  Ein solider  Bursche wie  er hat uns in New York
       grade gefehlt,  und am Ende ist New York auch nicht aus der Welt,
       und bei  W[eydemeyer] ist  man sicher,  daß er le cas échéant 4*)
       doch gleich bei der Hand ist.
       Der Plan mit der lithographischen Korrespondenz 5*) ist ganz gut.
       Nur müßt  Ihr das  Dings ganz geheimhalten - der kleine Bamberger
       und andre, einmal die Idee gegeben, würden Euch sofort das Präve-
       nire spielen 6*). Ich würde an Deiner Stelle das Ding, sobald die
       ersten Einrichtungen  getroffen,  in  den  deutsch-amerikanischen
       Blättern annoncieren  lassen, und  zwar selbst  als Direktor mich
       unterzeichnen, um das Ding ziehen zu machen. Geht das Ding so auf
       Deine Verantwortlichkeit  und glaubst  Du, daß es irgendwie nütz-
       lich sei, mich als Mitarbeiter zu nennen, so steht Dir das natür-
       lich
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       1*) Conrad Schramm - 2*) auch das ist eine der Manieren, von sich
       reden zu  machen -  3*) Wirrwarr - 4*) gegebenenfalls - 5*) siehe
       vorl. Band, S. 556/557 - 6*) zuvorkommen
       
       #295# 105 - Engels an Marx - um den 1. August 1851
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       frei. Willst  Du Deinen Namen indes aus der Geschichte heraushal-
       ten, wofür  ich die Notwendigkeit durchaus nicht einsehe, car en-
       fin 7*), warum solltest Du nicht auch das Recht haben, eine indu-
       strielle Firma zu bilden und die "Neue Rheinische Zeitung" litho-
       graphiert  fortzusetzen  -  so  müßte  Lupus  die  Firma  bilden.
       Weyd[emeyer] könnte  Euch hierfür  in New York vom größten Nutzen
       sein, bes.  bei Eintreibung  der Gelder,  was die Hauptsache ist.
       Ich bin  überzeugt, das  Ding wird  enorm ziehen,  und die vielen
       amerikanischen Korrespondenten  in London pp. werden es sehr bald
       fühlen.
       Nennst Du  Dich als  Direktor, so  ist keine  Frage, daß das Ding
       besser zieht,  namentlich gleich von vornherein; läßt Du bloß Lu-
       pus sich  nennen, so  fällt die moralische Verantwortlichkeit weg
       und man  kann seinem schlesischen Gepolter à la Luther [254], das
       für die  Deutschamerikaner sehr  gut paßt,  besser als Dein Stil,
       wobei sie denken müssen, ungehindert freien Lauf lassen. [255] In
       jedem Falle  müßtest Du  es Dir zur Regel machen, so schlecht und
       décousu 8*)  wie möglich zu schreiben, sonst verdirbst Du es bald
       mit diesem Publikum.
       Was ist  das für eine neue Schrift von Proudhon [253], von der Du
       sprichst?
       Ich werde dem Jones einen Artikel mit meiner Unterschrift machen,
       ich wollte  nur, Jones  schickte mir  ein möglichst vollständiges
       Exemplar seiner "Notes", das hier nicht aufzutreiben ist. Wie ist
       seine Adresse, ich hab' sie vergessen.
       Auch von  Amerika lauten die Berichte über das Baumwollenwarenge-
       schäft schlecht. Die Märkte sind overstocked 9*), und die Yankees
       selbst fabrizieren für den jetzigen Stand des Markts zu viel.
       Schreib bald wieder, ich ennuyiere mich hier tödlich.
       Dein F. E.
       NB. Halt Deine Papiere nur immer gut aus dem Haus, ich werde seit
       einiger Zeit  hier sehr scharf beobachtet und kann keinen Schritt
       tun, ohne  2-3 informers 10*) an den Fersen zu haben. Herr Bunsen
       wird die  Gelegenheit nicht  haben unbenutzt passieren lassen, um
       der englischen Regierung neue und wichtige Aufschlüsse über unsre
       Gefährlichkeit zu geben.
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       7*) denn schließlich  - 8*) unzusammenhängend  - 9*) überfüllt  -
       10*) Spitzel

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