Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#367# 128 - Engels an Marx - um den 27. Oktober 1851
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Engels an Marx
in London
[Manchester, um den 27. Oktober 1851]
Lieber Marx,
Wenn ich Dir nicht gleich auf Deinen Brief vom 19. c. antwortete,
geschah es, weil ich Weerth in einigen Tagen hier erwartete und
wegen Haupt die Sachen abmachen wollte; und weil ich die
Pr[oudhon-] Schmiere [260] ebenfalls abschließen wollte. Letz-
teres wird heute und morgen abend geschehn, und Weerth war Sams-
tag und Sonntag hier; er wird noch einige Zeit in Bradford blei-
ben, kann also selbst keinen Brief hinnehmen und weigerte sich
auch, eventuell es zu tun, da die Verhältnisse in Deutschland
jetzt so brillant seien, daß man ohne weiteres bei der geringsten
Veranlassung abgefaßt werde und er keine Lust hat, in diese Bun-
desgeschichte irgendwie verwickelt zu werden. Dies ist ihm au
fond 1*) nicht übelzunehmen. Er will mir indes einen Brief sicher
an H[aupt] besorgen und verlangt nur, daß er ganz aus der Sache
herausgelassen werde. Außerdem erzählte er, daß er dem H. in der
letzten Zeit mehrmals begegnet und auf ihn zugegangen sei, daß
dieser ihm aber jedesmal mit großer Verlegenheit plötzlich aus-
gewichen und durchgebrannt sei. Möglich wär's, daß H. von seiner
Familie pp. im Cachot etwas breitgeschlagen wäre und einige Ge-
ständnisse gemacht hätte, die ihm jetzt schwer auf dem Herzen
liegen. Sonst meint W[eerth] auch, daß diese andern Willich-
Stechanschen Geschichten reine Verleumdungen seien, da H. gar
keinen Grund haben könne, sich zu verkaufen.
Ich werde dem H. nun schreiben, da er meine Handschrift kennt,
anonym, und Weerth das Besorgen des Briefs überlassen. Ich werde
ihn auffordern, sich öffentlich zu erklären, und ihm die Ge-
schichte mit B[er]th[ol]d als wahrscheinlichen Grund des ganzen
Geredes unter den Fuß geben. Den Zusatz, daß Willich möglicher-
weise mit B[erthold] geteilt habe, werd' ich indes fortlassen,
denn 1. wird Haupt sich hüten, dergleichen Insinuationen mit sei-
nem Namen zu unterschreiben, 2. ist die Geschichte zu
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1*) im Grunde
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unwahrscheinlich, da Herr B[erthold] nicht der Mann ist, mit ent-
fernten Freunden und speziell mit W[illich], den er au fond
haßte, zu teilen, und 3. würde 8 Tage nachher dies in allen
Zeitungen als eine neue Verleumdung, die Herr Marx in die Welt
geschickt, von den andern geschildert und an das Gefühl der
Philister für den verleumdeten Biedermann Willich appelliert
werden. Der Kerl ist Schuft genug, ohne daß man ihn größer macht
oder ihm Lügen nachsagt, von denen er sich reinwaschen kann.
Der Fischersche Brief ist allerdings das Dümmste, was mir seit
langer Zeit vorgekommen ist. Ich erwartete aber so etwas und
glaube auch, daß es bei seinen Geld v e r s p r e c h u n g e n
sein Bewenden haben wird. Es ist von demokratischen Eseln nicht
zu verlangen, daß sie u n s Geld schicken sollen, wenn ihre
eignen Leute persönlich bei ihnen betteln, und das Höchste, wozu
sie zu bringen sind, ist, wie F[ischer] selbst sagt, daß sie uns
eine Stimme in der Verwendung der Gelder geben wollen, wenn wir
uns dazu verstehn wollen, mit dergleichen Pack in einem Konklave
zu sitzen und noch dazu in einer Minorität. Der Pumpplan à la
Mazzini mit Reichsgarantie 2*) (das Deutsche Reich garantiert die
Republik!) ist gar so übel nicht und hat jedenfalls die Gesamttä-
tigkeit sämtlicher Musterbettler zu seiner Erzeugung nötig ge-
habt. Seitdem diese Erfindung zustande gebracht, wird unsrer Par-
tei nichts übrigbleiben, als sich vom demokratischen Geldmarkt
völlig zurückzuziehn. This impudence beats us hollow. 3*) Die
Gelder, die wir überhaupt von den Demokraten für politische
Zwecke erhalten haben, sind uns ohnehin bloß per abusum 4*) zuge-
kommen, und seit die großen Männer selbst als joint stock company
5*) am Markt erschienen sind, hört diese Illusion vollständig
auf. Alle unsre Aufforderungen würden uns bloß refus 6*) und Bla-
magen zuziehn, es sei denn, daß es Weydem[eyer] gelingt, in New
York etwas auszurichten, und auch das würde bloß unter den Arbei-
tern sein.
Weerth wird Dir dieser Tage schreiben. Er ist sehr unschlüssig,
was er anfangen soll. Er hat famose Offerten, aber sie konvenie-
ren ihm alle nicht recht.
Herr Kossuth ist wie der Apostel Paulus, alles für alle. In Mar-
seille schreit er Vive la République 7*), in Southampton God save
the Queen 8*). Welche merkwürdige, hyperkonstitutionelle Modera-
tion paradiert der Kerl jetzt! Es ist aber den Herrn Pettie und
der Clique Harney recht, daß er ihr Bankett gar nicht besuchen
will. Selbst Herr Mazzini würde sehr kühl empfangen werden - we-
nigstens vor dem Publikum. Wieder einer, in dem man
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2*) siehe vorl. Band, S. 366 - 3*) Diese Unverschämtheit schlägt
uns aus dem Felde. - 4*) uneigentlich - 5*) Aktiengesellschaft -
6*) Ablehnung - 7*) Es lebe die Republik - 8*) Gott schütze die
Königin
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sich nicht getäuscht hat. Wie lange wird's übrigens dauern,
wenn's nächstes Jahr keine secousses 9*) geben sollte, so sinkt
Herr Kossuth auch auf die Mazzinische ordinäre Brülldemagogie
herab.
Morgen oder übermorgen den Proudhon. Ich werde Fischer womöglich
die "Revue" schicken, habe aber nur vom letzten Heft mehrere Ex-
emplare. Kannst Du mir No. 1-4 noch verschaffen?
Dein F. E.
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9*) Erschütterungen
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