Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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Engels an das kommunistische Korrespondenz-Komitee in Brüssel
Komiteebrief No. 2
K o m i t e e N o. 2
Liebe Freunde,
Eure Nachrichten über Belgien, London und Breslau waren mir sehr
interessant. Ich habe an Ew[erbeck] und B[ernay]s davon mitge-
teilt, was sie interessierte. Haltet mich zugleich etwas au fait
1*) über den Sukzeß unsres Unternehmens und die plus ou moins 2*)
eifrige Teilnahme der verschiedenen Lokalitäten, damit ich mich
hier den Arbeitern gegenüber, soweit es politisch, auslassen
kann. Was machen die Kölner? - Von hier aus ist allerlei:
1. Mit den hiesigen Arbeitern bin ich mehrere Male zusammen ge-
wesen, d.h. mit den Hauptleuten der Schreiner aus dem Faubourg
St. Antoine. Die Leute sind eigentümlich organisiert. Außer ihrer
- durch eine große Dissension mit den Weitlingschen Schneidern
[42] - sehr in Konfusion geratenen Vereinsgeschichte kommen diese
Kerls, d.h. ca. 12-20 von ihnen, jede Woche einmal zusammen, wo
sie bisher diskutierten; da ihnen aber der Stoff ausging, wie das
gar nicht anders möglich, so war E¦werbec]k genötigt, ihnen Vor-
träge über deutsche Geschichte - ab ovo - und eine höchst verwor-
rene Nationalökonomie - vermenschentümlichte "Deutsch-Französi-
sche Jahrbücher" - zu halten. Dazwischen kam ich. Zweimal hab'
ich, um mich mit ihnen in Konnex zu setzen, die deutschen Ver-
hältnisse seit der französischen Revolution, von den ökonomischen
Verhältnissen ausgehend, auseinandergesetzt. Was sie nun in die-
sen Wochenversammlungen loskriegen, wird Sonntags in den Barrie-
reversammlungen, wo Krethi und Plethi hinkommt, Weib und Kind,
durchgepaukt. Hier wird - abstraction faite de toute espèce de
politique 3*) - so etwas "soziale Fragen" diskutiert. Das Ding
ist gut, um neue Leute hinzuzuziehen, denn es ist ganz öffent-
lich, vor 14 Tagen war die Polizei da, wollte Veto einlegen, ließ
sich aber beruhigen und hat nichts weiter getan. Oft sind über
200 Leute zusammen.
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1*) auf dem laufenden - 2*) mehr oder weniger - 3*) von jeder Art
Politik abgesehen
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Wie diese Geschiente jetzt ist, kann sie unmöglich bleiben. Es
ist eine gewisse Schläfrigkeit unter den Kerls eingerissen, die
aus ihrer Langeweile über sich selbst hervorgeht. Was sie nämlich
dem Schneiderkommunismus [43] entgegensetzen, ist weiter nichts
als Grünsche menschentümliche Phrasen [44] und vergrünter Proud-
hon, den ihnen teils Herr Grün höchstselbst, teils ein alter auf-
geblasener Schreinermeister und Knecht Grüns, Papa Eisermann,
teils aber auch Amicus 4*) E[werbeck] mit Mühe und Not eingebleut
hat. Das ist ihnen natürlich bald alle geworden, eine ewige Repe-
tition trat ein, und um sie vor dem E i n s c h l a f e n
(buchstäblich, dies riß furchtbar in den Sitzungen ein) zu bewah-
ren, quält sie E[werbeck] mit spitzfindigen Disquisitionen über
den "wahren Wert" (den ich teilweise auf dem Gewissen habe) und
ennuyiert sie mit den germanischen Urwäldern, Hermann dem Cherus-
ker und den scheußlichsten altdeutschen Etymologien nach - Ade-
lung, die alle falsch sind.
Übrigens ist nicht E[werbeck] der eigentliche Chef dieser Leute,
sondern J[unge], der in Brüssel war; der Kerl sieht sehr gut ein,
was geändert werden muß, und könnte sehr viel tun, denn er hat
sie all in der Tasche und zehnmal mehr Verstand wie die ganze
Clique, aber er ist zu wackelhaft und macht immer neue Projekte.
Daß ich ihn seit beinah 3 Wochen nicht gesehen - er kam nie und
ist nirgend zu finden -, ist die Ursache, daß noch so wenig aus-
gerichtet ist. Ohne ihn sind die meisten schlapp und schwankend.
Man muß aber mit den Kerls Geduld haben; zuerst muß der Grün aus-
getrieben werden, der wirklich direkt und indirekt einen schau-
derhaft erschlaffenden Einfluß ausgeübt hat, und dann, wenn man
ihnen diese Phrasen aus dem Kopf gebracht, hoff' ich, mit den
Kerls zu etwas zu kommen, denn sie haben alle einen großen Drang
nach ökonomischer Belehrung. Da ich E[werbeck], der bei bekann-
ter, jetzt im höchsten Grade blühender Konfusion den besten Wil-
len von der Welt hat, ganz in der Tasche habe, und J[unge] auch
vollständig auf meiner Seite ist, so wird sich das bald machen.
Wegen der Korrespondenz habe ich mit sechsen beraten, der Plan
fand, besonders bei J[unge], sehr großen Anklang und wird von
hier aus ausgeführt werden. Solange aber nicht durch Zerstörung
des persönlichen Einflusses des Gr[ün] und Ausrottung seiner
Phrasen wieder Energie unter die Leute gebracht ist, solange ist
bei großen materiellen Hindernissen (besonders Engagement fast
aller Abende) nichts zu machen. Ich hab' ihnen offeriert, dem
Grün in ihrer Gegenwart seine persönlichen Schuftereien ins Ge-
sicht zu sagen, und B[ernay]s will auch kommen - E[werbeck]
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4*) Freund
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hat auch ein Hühnchen mit ihm zu pflücken. Dies wird geschehen,
sobald sie ihre eignen Sachen mit G[rün] abgemacht, d. h. Garan-
tie für das zum Druck der G[rün]schen Landtagsscheiße [32] vorge-
schossene Geld bekommen haben. Da der J[unge] aber nicht kam und
die übrigen sich ± 5*) wie Kinder benahmen gegenüber dem G[rün],
so ist auch das noch nicht in Ordnung, obwohl bei einiger Energie
das Ding in 5 Minuten abgemacht wäre. Das Pech ist, die meisten
dieser Kerls sind Schwaben.
2. Jetzt etwas Ergötzliches. Proudhon hat in dem neuen, noch un-
gedruckten Buch, was Grün verdolmetscht, einen großen Plan, Geld
aus nichts zu machen und allen Arbeitern das Himmelreich nahezu-
rücken. [45] Niemand wußte, was das war. G[rün] hielt sehr hinter
dem Berge, renommierte aber sehr mit seinem Stein der Weisen.
Allgemeine Spannung. Endlich vorige Woche war Papa Eisermann bei
den Schreinern, ich auch, und allmählich rückt der alte Zierben-
gel höchst naiv-geheimnisvoll heraus. Herr G[rün] hat ihm den
ganzen Plan vertraut. Jetzt hört die Größe dieses Welterlösungs-
plans : ni plus ni moins 6*) als die in England längst dagewese-
nen und zehnmal bankeruttierten labour-bazars oder labour-markets
[46], Assoziationen aller Handwerker aller Zweige, großes Depot,
alle von den Associés eingelieferten Arbeiten genau nach den Ko-
sten des Rohprodukts plus der Arbeit taxiert und in andern Asso-
ziationsprodukten bezahlt, die ebenso taxiert werden. Was mehr
geliefert, als in der Assoziation verbraucht wird, soll auf dem
Weltmarkt verkauft werden, der Ertrag den Produzenten ausbezahlt.
Auf diese Weise, spekuliert der pfiffige Proudhon, umgeht er und
seine Mitassociés den Profit des Zwischenhändlers. Daß er dabei
auch den Profit auf s e i n A s s o z i a t i o n s k a p i-
t a l umgeht, daß dies Kapital und dieser Profit g e n a u s o
g r o ß sein müssen wie das Kapital und der Profit der umgangnen
Zwischenhändler, daß er also mit der Rechten wegwirft, was die
Linke bekommt, daran hat der feine Kopf nicht gedacht. Daß seine
Arbeiter nie das nötige Kapital aufbringen können, weil sie sich
sonst ebensogut separat etablieren könnten, daß die etwaige aus
der Assoziation hervorgehende Kostenersparnis durch das enorme
Risiko mehr als aufgewogen wird, daß die ganze Geschichte darauf
hinausläuft, den Profit aus der jetzigen Welt herauszueska-
motieren und alle Produzenten des Profits stehenzulassen, daß sie
eine wahre Straubingeridylle [47] ist, die von vornherein alle
große Industrie, Bauhandwerke, Ackerbau usw. ausschließt, daß sie
nur die V e r l u s t e der Bourgeois zu tragen haben, ohne
ihre Gewinne zu teilen, alles das und hundert andre auf platter
Hand liegende Einwände vergißt
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5*) mehr oder weniger - 6*) nichts mehr und nichts weniger
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er über dem Glück seiner plausiblen Illusion. Die Geschichte ist
zum Totschießen. Familienvater Grün glaubt natürlich an die neue
Erlösung und sieht sich schon im Geist an der Spitze einer Asso-
ziation von 20 000 Ouvriers 7*) (man will gleich g r o ß anfan-
gen), wobei natürlich seine ganze Familie kostenfrei gespeist,
gekleidet und logiert wird. Der Proudh[on] aber blamiert sich und
alle französischen Sozialisten und Kommunisten auf ewig, wenn er
damit herausrückt, vor den Bourgeoisökonomen. Daher jene Tränen,
jenes Polemisieren gegen die Revolution [48], weil er ein fried-
liches Heilmittel in petto hatte. Der Pr[oudhon] ist grade wie
der John Watts. Dieser setzt seinen Beruf drin, trotz seines dis-
respektablen Atheismus und Sozialismus bei den Bourgeois respek-
tabel zu werden; Pr[oudhon] bietet alles auf, um trotz seiner Po-
lemik gegen die Ökonomen ein großer, anerkannter Ökonom zu wer-
den. S o s i n d d i e S e k t i e r e r. Dabei noch so eine
alte Geschichte!
3. Jetzt wieder eine höchst kuriose Geschichte. - Augsburger
"Allgemeine Zeitung" vom 21.Juli, Paris 16.Juli. Artikel über die
r u s s i s c h e Gesandtschaft...
"Das ist die offizielle Gesandtschaft - aber ganz außerhalb oder
vielmehr ü b e r derselben steht ein gewisser Herr von Tolstoi,
der keinen Titel hat, übrigens als 'V e r t r a u t e r d e s
H o f s' bezeichnet wird. Früher im Unterrichtsministerium be-
schäftigt, kam er mit einer l i t e r a r i s c h e n M i s-
s i o n nach Paris, schrieb hier einige Mémoires für sein
Ministerium, lieferte einige Übersichten der französischen Tages-
presse, dann schrieb er nichts mehr, tat aber desto mehr. Er
macht ein glänzendes Haus, geht zu aller Welt, empfängt alle
Welt, beschäftigt sich mit allem, weiß alles und arrangiert
vieles. Er scheint mir der e i g e n t l i c h e r u s s i-
s c h e B o t s c h a f t e r in Paris, ... seine Verwendung
bewirkt Wunder" (ð alle Polen, die begnadigt sein wollen, adres-
sierten sich an ihn -) "ð auf der Gesandtschaft b e u g t
s i c h a l l e s v o r i h m u n d i n P e t e r s b u r g
e r f r e u t e r s i c h g r o ß e r R ü c k s i c h t e n."
Dieser Tolstoi ist niemand anders als unser Tolstoi, der Edle,
der uns vorlog, in Rußland seine Güter verkaufen zu wollen. [49]
Der Mann hatte außer seiner einen Wohnung, wo er uns hinführte,
noch ein glänzendes Hôtel in der rue Mathurin, wo er die Diploma-
tie empfing. Die Polen und v i e l e Franzosen haben das längst
gewußt, nur die deutschen Radikalen nicht, bei denen er es für
besser hielt, sich als Radikalen zu insinuieren. Der obige Arti-
kel ist von einem Polen geschrieben, den Bernays kennt, und so-
gleich in den "Corsaire-Satan" und den "National" übergegangen.
Tolstoi
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hat, als er den Artikel las, weiter nichts bemerkt, als sehr ge-
lacht und Witze darüber gerissen, daß er endlich ausgefunden sei.
Er ist jetzt in London und wird, da seine Rolle hier ausgespielt
ist, dort sein Glück versuchen. Es ist schade, daß er nicht wie-
derkommt, ich würde sonst einige Witze mit ihm versucht haben und
schließlich in der rue Mathurin meine Karte abgegeben. Daß nach
diesem der von ihm empfohlene Annenkow ebenfalls ein russischer
Mouchard ist, c'est clair 8*). Selbst Bakunin, der die ganze Ge-
schichte w i s s e n m u ß t e, da die andern Russen sie ge-
wußt haben, ist sehr verdächtig. Ich werde mir gegen ihn natür-
lich nichts merken lassen, sondern Revanche an den Russen nehmen.
So ungefährlich diese Spione für uns sind, so darf man ihnen das
doch nicht passieren lassen. Sie sind gute Sujets, um an ihnen
Intrigenexperimente in corpore vili 9*) zu machen. Dazu sind sie
sonst so übel gar nicht.
4. Vater Heß. Nachdem ich dessen auf selbigen fluchende und
schimpfende Gattin hier glücklich der Vergessenheit, d.i. dem äu-
ßersten Ende des Faubourg St. Antoine, wo da ist Heulen und
Zähneklappen (Grün und Gsell), überliefert habe, erhalte ich vor
einiger Zeit vermittelst eines gewissen Reinhardt ein ferneres
Wiederanknüpfungsschreiben des Kommunistenpapas. Das Ding ist zum
Totlachen. Natürlich als ob nichts vorgefallen wäre, ganz in
dulci jubilo 10*),und dabei ganz der alte Heß. Nachdem er konsta-
tiert hat, daß er mit "der Partei" wieder einigermaßen ausgesöhnt
(das Judde-Gränzchen scheint falliert zu haben) - "auch wieder
Lust am Arbeiten hat" (welches Ereignis mit Glocken eingeläutet
werden sollte), folgende historische Notiz (de dato 19. August):
"Hier in Köln wär's vor einigen Wochen a u f e i n H a a r zu
einer b l u t i g e n E m e u t e gekommen, es waren schon
sehr viele bewaffnet" (wozu Moses gewiß nicht gehörte). "Das Ding
kam nicht zum Ausbruch, weil die Soldaten s i c h n i c h t
z e i g t e n" (enormer Triumph des Kölner Schöppchesphilisters)
pp. pp. ...
Dann von den Bürgerversammlungen, wo "wir", id est "die Partei"
und Herr Moses, qua Kommunisten "s o v o l l s t ä n d i g
s i e g t e n, daß wir" usw.
"Wir haben zuerst die Geldaristokraten ... und dann die kleinen
Bourgeois m i t G l a n z" (da sie keine Talente unter sich
haben) "a u s d e m F e l d e g e s c h l a g e n. Wir hät-
ten (!) in den Versammlungen zuletzt a l l e s d u r c h s e t-
z e n k ö n n e n" (z.B. den Moses zum Oberbürgermeister ma-
chen); "ein Programm, worauf die Versammlung ihre Kandidaten ver-
pflichtete, ging durch, welches" (hört, hört) "von den englischen
und französischen Kommunisten
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8*) das ist klar - 9*) am wertlosen Objekt - 10*) seligem Jubel
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nicht radikaler hätte abgefaßt" (und von niemandem unsinniger als
von Mose aufgefaßt) "werden können (!!!) ... Sehe" (sic) "Dich
zuweilen nach meiner [Frau] 11*) um" (es wird beiderseits ge-
wünscht, daß ich die weibliche Seite für meine Rechnung und Ge-
fahr übernehmen möchte, j'en ai les preuves 12*)) ... "und teile
dem Ew[erbec]k z u r H e r z e n s s t ä r k u n g dieses
mit."
Gesegn' Euch Gott diese "Herzensstärkung", dies Manna aus der Wü-
ste. Ich ignoriere das Vieh natürlich komplett - jetzt hat er
auch an E[werbeck] geschrieben (und zwar bloß, um seiner weibli-
chen Seite einen Brief auf dessen Kosten zukommen zu lassen) und
droht, in zwei Monaten herzukommen. Wenn er mich besucht, denk'
ich ihm auch etwas "zur Herzensstärkung" mitteilen zu können.
Da ich einmal im Zuge bin, so will ich Euch schließlich noch mit-
teilen, daß Heine wieder hier ist und ich vorgestern mit
E[werbeck] bei ihm war. Der arme Teufel ist scheußlich auf dem
Hund. Er ist mager geworden wie ein Gerippe. Die Gehirnerweichung
dehnt sich aus, die Lähmung des Gesichts desgleichen. E[werbeck]
sagt, er könne sehr leicht einmal an einer Lungenlähmung oder an
irgendeinem plötzlichen Kopfzufall sterben, aber auch noch drei
bis vier Jahre abwechselnd besser oder schlechter sich durch-
schleppen. Er ist natürlich etwas deprimiert, wehmütig, und was
am bezeichnendsten ist, äußerst wohlwollend (und zwar ernsthaft)
in seinen Urteilen - nur über Maurer reißt er fortwährend Witze.
Sonst bei voller geistiger Energie, aber sein Aussehen, durch
einen ergrauenden Bart noch kurioser gemacht (er kann sich um den
Mund nicht mehr rasieren lassen), reicht hin, um jeden, der ihn
sieht, höchst trauerklötig zu stimmen. Es macht einen höchst fa-
talen Eindruck, so einen famosen Kerl so Stück für Stück abster-
ben zu sehen.
Auch den großen Maurer hab' ich gesehen. "Männlein, Männlein, was
wiegen Sie so leicht!" Der Mann ist wirklich sehenswert, ich hab'
ihm die größten Grobheiten gemacht, zum Dank nimmt mich der Esel
in seine besondre Affektion und sagt mir nach, ich hätte ein
sanftes Gesicht. Er sieht freilich aus wie Karl Moor sechs Wochen
nach seinem Tode. Antwortet bald!
Euer E.
[Paris] Mittwoch, 16. Sept. 46
Amüsiert Euch an folgendem: "Journal des Économistes", August d.
J. enthält in einem Artikel über die Biedermännischen Artikel
[50] [über] 13*) den
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11*) Papier beschädigt - 12*) ich habe dafür die Beweise -
13*) Papier beschädigt
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Kommunismus folgendes: erst Heß' ganzer Unsinn komisch franzö-
siert, dann heißt es, der nächste ist M. Marx.
"M. Marx est un c o r d o n n i e r, comme un autre Communiste
allemand, Weitling, est un tailleur. Le premier" (M[ar]x) "n'a
pas une grande estimer pour le communisme français (!) qu'il a
été assez heureux d'étudier sur les lieux. M. ne sort du reste
point non plus" (erkennst Du an dieser Elsässer Phrase nicht
Herrn Fix?) "des formules abstraites et il se garde bien d'abor-
der aucune question véritablement pratique. Selon lui" (gib acht
auf den Unsinn) "l'émancipation du peuple allemand sera le signal
de l'émancipation du genre humain; la tête de cette émancipation
serait la philosophie et on coeur le prolétariat. Lorsque tout
sera préparé, le coq gaulois sonnera la résurrection germanique
...
Marx dit qu'il f a u t c r é e r en Allemagne un prolétariat
universel (!!) afin de réaliser la pensée philosophique du commu-
nisme." Signé T. F. (mort depuis). 14*)
Das war sein letztes Werk. Der vorherige Band brachte eine gleich
komische Kritik meines Buchs [51]. Das Septemberheft enthält eine
Kritik über Julium 15*), die ich noch nicht gelesen. [52]
In der "Fraternité" ist großer Streit zwischen Materialisten und
Spiritualisten gewesen. Die Materialisten, mit 23/22 überstimmt,
sind ausgetreten. Das hindert aber die "Fraternité" nicht, einen
sehr hübschen Artikel über die verschiednen Zivilisationsstufen
und ihre Fähigkeit, sich zum Kommunismus fortzuentwickeln, zu
bringen.
Schreibt mir bald, da ich in 14 Tagen von hier aus [...] 16*) so
einer Geschichte ein Brief leicht liegen [...] 16*) oder refü-
siert wird im alten Lokal.
[Auf der Adreßseite]
Monsieur Charles Marx au Bois Sauvage, Plaine Ste Gudule, Bruxel-
les
-----
14*) "Herr Marx ist ein Schuhmacher, wie ein anderer deutscher
Kommunist, Weitling, ein Schneider ist. Der erstere" (M[ar]x)
"hat vom französischen Kommunismus den er so glücklich war, an
Ort und Stelle zu studieren, keine sehr hohe Meinung (!). Marx
geht im übrigen ebenfalls keineswegs" (erkennst Du an dieser El-
sässer Phrase nicht Herrn Fix?) "über abstrakte Formulierungen
hinaus und hütet sich wohl, an irgendeine wirklich praktische
Frage heranzugehen. Nach ihm" (gib acht auf den Unsinn) "wird die
Emanzipation des deutschen Volkes das Signal für die Emanzipation
des Menschengeschlechts sein; der Kopf dieser Emanzipation wird
die Philosophie und sein Herz das Proletariat sein. Wenn alles
vorbereitet ist, wird der gallische Hahn die deutsche Wiederge-
burt ankünden ...
Marx sagt, daß in Deutschland ein universelles Proletariat (!!)
geschaffen werden müsse, um den philosophischen Gedanken des Kom-
munismus zu verwirklichen." Gezeichnet T. F. (inzwischen verstor-
ben). - 15*) Gustav Julius - 16*) Papier beschädigt
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