Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#409# 8 - Marx an Dagobert Oppenheim - um den 25. August 1842
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Marx an Dagobert Oppenheim
in Köln
[Bonn, um den 25. August 1842]
Lieber Oppenheim!
Einliegend ein Manuskript von Ruge. Nr. 1 wird unbrauchbar sein;
Nr. 2 über die sächsischen Zustände werden Sie wohl brauchen kön-
nen [327].
Schicken Sie mir den Aufsatz von Mayer in der "Rheinischen
Zeit[ung]" über das K o m m u n a l w e s e n und, wo möglich,
sämtliche Aufsätze von Hermes g e g e n d a s J u d e n t u m
[328]. Ich will Ihnen dann sobald als möglich einen Aufsatz
schicken, der letztere Frage, wenn auch nicht abschließen, doch
in eine andere Bahn bringen wird.
Geht der Aufsatz über Hannover [329] durch? Versuchen Sie wenig-
stens bald mit einem kleinen Anfang. Es ist nicht so sehr um die-
sen Aufsatz selbst zu tun, als um eine Reihe tüchtiger Arbeiten,
die ich Ihnen dann von jener Seite her versprechen kann. Der Ver-
fasser desselben schrieb mir gestern:
"Ich glaube nicht, daß dem Absätze der Zeitung in Hannover aus
meinem Angriffe auf die Opposition Schaden erwachsen wird; im Ge-
genteil ist man dort ziemlich allgemein so weit gekommen, daß
meine ausgesprochenen Ansichten als wahr angenommen werden."
Wenn es mit Ihrer Ansicht von der Sache übereinstimmt, so schic-
ken Sie mir auch den Juste-milieu-Artikel [330] zur Kritik. Man
muß die Sache leidenschaftslos besprechen. Erstens sind ganz all-
gemeine theoretische Erörterungen über Staatsverfassung eher pas-
send für rein wissenschaftliche Organe als für Zeitungen. Die
wahre Theorie muß innerhalb konkreter Zustände und an bestehenden
Verhältnissen klargemacht und entwickelt werden.
Allein, da es nun einmal geschehn ist, so ist ein Doppeltes zu
berücksichtigen. Bei jeder Gelegenheit, wo wir in Streit mit an-
dern Tagesblättern geraten, kann man uns, geschehe es früher oder
später, die Sache aufmutzen. Eine so deutliche Demonstration ge-
gen die Grundpfeiler der jetzigen Staatszustände kann Schärfung
der Zensur, selbst Unterdrückung des Blatts zur Folge haben. Auf
diese Weise ging die süddeutsche "Tribüne" unter. Jedenfalls aber
verstimmen wir eine große, und zwar die größte Menge freigesinn-
ter praktischer Männer, welche die mühsame Rolle übernommen
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haben, Stufe vor Stufe, innerhalb der konstitutionellen Schran-
ken, die Freiheit zu erkämpfen, während wir von dem bequemen Ses-
sel der Abstraktion ihre Widersprüche ihnen vordemonstrieren. Es
ist zwar wahr: Der Verfasser des Juste-milieu-Artikels fordert
zur Kritik auf; aber 1. wissen wir doch alle, wie die Regierungen
auf solche Herausforderungen antworten; 2. ist es nicht genug,
daß jemand sich der Kritik unterwirft, die ihn ohnehin nicht um
Erlaubnis fragen wird; es fragt sich, ob er das gehörige Terrain
auswählt. Zeitungen fangen erst dann an, das passende Terrain für
solche Fragen zu sein, wenn diese Fragen, Fragen des wirklichen
Staats, praktische Fragen geworden sind.
Ich halte es für unumgänglich, daß die "Rh[einische] Zeitung"
nicht sowohl von ihren Mitarbeitern geleitet wird, als daß sie
vielmehr umgekehrt ihre Mitarbeiter leitet. Aufsätze wie der be-
rührte geben die beste Gelegenheit, einen bestimmten Operations-
plan den Mitarbeitern anzudeuten. Der einzelne Schriftsteller
kann nicht in der Weise das Ganze vor Augen haben, als die Zei-
tung.
Sollten meine Ansichten nicht mit den Ihrigen übereinstimmen, so
würde ich, falls Sie es nicht für unpassend halten, in den
"Anecdotis" als Anhang zu meinem Aufsatz gegen Hegels Lehre von
der konstitutionellen Monarchie 1*) diese Kritik liefern. Ich
halte es aber für besser, wenn die Zeitung selbst ihr eigner Arzt
ist.
Indem ich bald Ihre Antwort erwarte
Ihr Marx
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1*) Vgl. vorl. Band, S. 397
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