Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851


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       #437# 24 - Engels an Marie Engels - 31. Mai 1845
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       Engels an Marie Engels
       in Barmen
       
       Liebe Marie
       Ich muß  Dir heute zu meinem Bedauern mitteilen, daß es mir nicht
       möglich ist,  bei Deiner  Hochzeit gegenwärtig  zu sein, und zwar
       wegen Schwierigkeiten,  die man  mir wegen  eines Passes  gemacht
       hat. Vorigen  Mittwoch ging  ich auf die Administration de la sû-
       reté publique 1*) und forderte einen Paß nach Preußen. Nach eini-
       gem Warten und langen Verhandlungen wegen meiner Auswanderung und
       darüber, daß  ich vom  preußischen Gesandten  keinen Paß bekommen
       könne, erhielt ich endlich den Bescheid, daß ich ja erst eben an-
       gekommen sei  und deshalb von ihm keinen Paß erhalten könne. Wenn
       ich einige  Zeit länger hier gewohnt hätte, so sei er bevollmäch-
       tigt -  nämlich Herr  Hody, der  Directeur der sûreté publique -,
       mir Pässe  zu geben, so aber könne er es nicht. Ohnehin kämen die
       Fremden, die sich hier etablierten, gewöhnlich mit Pässen an, die
       auf ein  Jahr oder  ein halbes Jahr noch gültig seien, und so sei
       er instruiert,  zwar zu  visieren, aber  nicht, eben angekommenen
       Fremden Pässe auszustellen. Übrigens, wenn ich einige Konnexionen
       hätte, so  würde ich  ohne Zweifel  einen Paß  im Ministerium des
       Auswärtigen bekommen.  Diese Konnexionen habe ich allerdings, und
       zwar in  der Person eines deutschen Arztes, der mir auch verspro-
       chen hatte, falls man mir Schwierigkeiten mache, mir einen Paß zu
       verschaffen. Aber  dieser Doktor hat selbst erst vor 14 Tagen ge-
       heiratet und war zu seiner Hochzeitsreise in die wallonischen Bä-
       der gereist. Er kam Donnerstag wieder, und es gelang mir erst ge-
       stern abend, ihn zu treffen; er war auch sehr bereitwillig, sagte
       mir aber  gleich, da  er erst heute morgen aufs Ministerium gehen
       könne, so  werde ich meinen Paß keinenfalls vor übermorgen - Mon-
       tag - bekommen können und müsse also meine Reise bis Montag abend
       oder Dienstag  morgen aufschieben.  Ich sagte  ihm, ich  könne so
       lange nicht  warten, aber  er erklärte  nochmals, früher  sei  es
       nicht möglich,  mir dazu  zu verhelfen;  er wolle  übrigens  doch
       nochmals sich  bemühen. Heute morgen schickte er mir nun ein Bil-
       lett, daß er sich selbst
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       1*) Polizeiverwaltung
       
       #438# 24 - Engels an Marie Engels - 31. Mai 1845
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       erkundigt hat  und mir  den Paß nicht vor Montag, vielleicht erst
       Montag abend  verschaffen kann.  Ich hab' ihm gleich geantwortet,
       er möge  sich dann  nicht weiter bemühen, da ich dann meine ganze
       Reise aufgeben müsse.
       Da ich nun bei meinen sonstigen Verhältnissen, wie Du und die an-
       dern auch  leicht begreifen  wirst, mich  nur  Unannehmlichkeiten
       aussetzen würde, wenn ich ohne Paß über die Grenze zu kommen ver-
       suchte -  was mir auch Herr Hody abriet, weil mein Auswanderungs-
       schein gut  sei pour sortir de la Prusse, mais pas pour y rentrer
       2*) -, so bin ich wohl genötigt, hierzubleiben und Deine Hochzeit
       hier allein  und in  Gedanken zu  feiern - so leid es mir tut. Du
       kannst Dich  übrigens darauf verlassen, daß ich den ganzen Tag an
       Dich und  Emil 3*) denken werde und daß meine besten Wünsche Euch
       in die  Ehe und  auf die  Reise begleiten, wenn es mir auch nicht
       vergönnt ist,  sie Euch  mündlich auszusprechen. Was ich Euch vor
       allem wünsche,  ist, daß  die Liebe, die Euch zusammengeführt und
       die Euer Verhältnis zu einem so schönen, menschlichen und sittli-
       chen gemacht hat, wie ich nicht viele kenne, Euch durch Euer gan-
       zes Leben begleiten, Euch über alle Widerwärtigkeiten leicht hin-
       weghelfen, Euer  Glück ausmachen  möge. Ich kann mich Eurer Hoch-
       zeit von  ganzem Herzen freuen, weil ich weiß, daß Ihr nur glück-
       lich zusammenleben  könnt, und daß - nachdem Ihr verbunden seid -
       keiner von  Euch beiden  sich enttäuscht finden wird. Verlaß Dich
       drauf, von  den vielen  Glückwünschen, die  man  Euch  darbringen
       wird, ist keiner treuer gemeint, keiner herzlicher und wärmer als
       der meinige! Du weißt, daß ich Dich immer am liebsten gehabt habe
       von allen  meinen Geschwistern,  daß ich  immer zu Dir am meisten
       Vertrauen hatte  - Du  wirst mir  also glauben,  ohne daß ich Dir
       hoch und teuer versichre, ohne daß ich Dir viele Worte mache. Ich
       wünsche Euch  nochmals, daß Eure Liebe stets dieselbe bleibe, ich
       wünsche Euch  auch noch  manches, was  - Du  erraten wirst.  Seid
       glücklich!
       Ich hoffe,  nun bald  einmal einen Brief von Mrs. Blank zu erhal-
       ten, denn  ich erwarte,  daß Mrs.  Blank sich ebensosehr für mich
       interessieren wird  wie Fräulein  Engels. Jedenfalls  hoffe  ich,
       Euch beide nach glücklicher Hochzeit und glücklicher Reise diesen
       Sommer in  Ostende oder  in England  zu sehen, und bis dahin lebt
       also nochmals wohl!
       Herzliche Grüße an Alle
       Dein treuer Friedrich
       Brüssel, Samstag, 31. Mai 1845
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       2*) um aus  Preußen hinauszukommen,  jedoch nicht, um dorthin zu-
       rückzukehren - 3*) Emil Blank

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