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#451# 31 - Marx an Pawel W. Annenkow - 28. Dezember 1846
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Marx an Pawel Wassiljewitsch Annenkow
in Paris
Brüssel, 28. Dezember [1846]
rue d'Orléans 42, Fbg. Namur
Lieber Herr Annenkow!
Sie hätten meine Antwort auf Ihren Brief vom 1. November schon
längst erhalten, wenn nicht mein Buchhändler mir erst vergangene
Woche das Buch des Herrn Proudhon "Philosophie de la misère" zu-
geschickt hätte. Ich habe es in zwei Tagen durchflogen, um Ihnen
sofort meine Meinung mitteilen zu können. Da ich das Buch sehr
eilig gelesen habe, kann ich nicht auf Einzelheiten eingehen und
kann Ihnen nur den allgemeinen Eindruck mitteilen, den es auf
mich gemacht hat. Wenn Sie es wünschen, könnte ich in einem zwei-
ten Brief auf Einzelheiten eingehen.
Ich gestehe Ihnen offen, daß ich das Buch im allgemeinen
schlecht, ja sehr schlecht finde. Sie selbst machen sich in Ihrem
Brief lustig "über das bißchen deutsche Philosophie" [369], mit
dem Herr Proudhon in diesem unförmigen und anmaßenden Werk
prunkt, nehmen aber an, daß die ökonomische Darstellung nicht
durch das philosophische Gift infiziert worden sei. Ich bin ja
auch weit davon entfernt, die Fehler in der ökonomischen Darstel-
lung der Philosophie des Herrn Proudhon zuzuschreiben. Herr
Proudhon liefert nicht deshalb eine falsche Kritik der politi-
schen Ökonomie, weil er eine lächerliche Philosophie besitzt,
sondern er liefert eine lächerliche Philosophie, weil er die ge-
genwärtigen sozialen Zustände in ihrer Verkettung [engrènement] -
um ein Wort zu gebrauchen, das Herr Proudhon wie viele andere
Dinge Fourier entlehnt - nicht begriffen hat.
Warum spricht Herr Proudhon von Gott, von der universellen Ver-
nunft, von der unpersönlichen Vernunft der Menschheit, die nie
irrt, die stets sich selbst gleich war, deren man sich nur rich-
tig bewußt zu sein braucht, um das Wahre zu treffen? Warum treibt
er schwächlichen Hegelianismus, um sich als starker Denker aufzu-
spielen ?
Er selbst gibt die Lösung des Rätsels. Herr Proudhon erblickt in
der Geschichte eine bestimmte Reihe gesellschaftlicher Entwick-
lungen; er findet den Fortschritt in der Geschichte verwirklicht;
er findet endlich, daß
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die Menschen, als Individuen, nicht wußten, was sie taten, daß
sie sich über ihre eigene Bewegung täuschten, d.h., daß ihre ge-
sellschaftliche Entwicklung auf den ersten Blick verschieden, ge-
trennt, unabhängig von ihrer individuellen erscheint. Er kann
diese Tatsachen nicht erklären, und die Hypothese von der sich
offenbarenden universellen Vernunft ist reinste Erfindung. Nichts
leichter, als mystische Ursachen, d.h. Phrasen, zu erfinden,
denen jeder Sinn fehlt.
Aber wenn Herr Proudhon gesteht, daß er von der historischen Ent-
wicklung der Menschheit nichts versteht - und er gibt es zu, da
er sich so tönender Worte wie universelle Vernunft, Gott etc. be-
dient -, gesteht er damit nicht implizite und notwendig, daß er
unfähig ist, die ö k o n o m i s c h e E n t w i c k l u n g
zu begreifen?
Was ist die Gesellschaft, welches immer auch ihre Form sei? Das
Produkt des wechselseitigen Handelns der Menschen. Steht es den
Menschen frei, diese oder jene Gesellschaftsform zu wählen? Kei-
neswegs. Setzen Sie einen bestimmten Entwicklungsstand der Pro-
duktivkräfte der Menschen voraus, und Sie erhalten eine bestimmte
Form des Verkehrs [commerce] und der Konsumtion. Setzen Sie be-
stimmte Stufen der Entwicklung der Produktion, des Verkehrs und
der Konsumtion voraus, und Sie erhalten eine entsprechende so-
ziale Ordnung, eine entsprechende Organisation der Familie, der
Stände oder der Klassen, mit einem Wort, eine entsprechende Ge-
sellschaft [société civile]. Setzen Sie eine solche Gesellschaft
voraus, und Sie erhalten eine entsprechende politische Ordnung
[état politique], die nur der offizielle Ausdruck der Gesell-
schaft ist. Das wird Herr Proudhon nie verstehen, denn er glaubt,
etwas Großes zu tun, wenn er vom Staat [état] an die Gesell-
schaft, d.h. von dem offiziellen Resümee der Gesellschaft an die
offizielle Gesellschaft appelliert.
Man braucht nicht hinzuzufügen, daß die Menschen ihre P r o-
d u k t i v k r ä f t e - die Basis ihrer ganzen Geschichte -
nicht frei wählen; denn jede Produktivkraft ist eine erworbene
Kraft, das Produkt früherer Tätigkeit. Die Produktivkräfte sind
also das Resultat der angewandten Energie der Menschen, doch
diese Energie selbst ist begrenzt durch die Umstände, in welche
die Menschen sich versetzt finden, durch die bereits erworbenen
Produktivkräfte, durch die Gesellschaftsform, die vor ihnen da
ist, die sie nicht schaffen, die das Produkt der vorhergehenden
Generation ist. Dank der einfachen Tatsache, daß jede neue
Generation die von der alten Generation erworbenen Produk-
tivkräfte vorfindet, die ihr als Rohmaterial für neue Produktion
dienen, entsteht ein Zusammenhang in der Geschichte der Menschen,
entsteht die Geschichte der Menschheit, die um so mehr
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Geschichte der Menschheit ist, je mehr die Produktivkräfte der
Menschen und infolgedessen ihre gesellschaftlichen Beziehungen
wachsen. Die notwendige Folge: Die soziale Geschichte der Men-
schen ist stets nur die Geschichte ihrer individuellen Entwick-
lung, ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht. Ihre materiellen
Verhältnisse sind die Basis aller ihrer Verhältnisse. Diese mate-
riellen Verhältnisse sind nichts anderes als die notwendigen For-
men, in denen ihre materielle und individuelle Tätigkeit sich re-
alisiert.
Herr Proudhon verwechselt die Ideen mit den Dingen. Die Menschen
verzichten nie auf das, was sie gewonnen haben, aber das bedeutet
nicht, daß sie nie auf die Gesellschaftsform verzichten, in der
sie bestimmte Produktivkräfte erworben haben. Ganz im Gegenteil.
Um des erzielten Resultats nicht verlustig zu gehen, um die
Früchte der Zivilisation nicht zu verlieren, sind die Menschen
gezwungen, sobald die Art und Weise ihres Verkehrs [commerce] den
erworbenen Produktivkräften nicht mehr entspricht, alle ihre
überkommenen Gesellschaftsformen zu ändern. - Ich nehme das Wort
c o m m e r c e hier in dem weitesten Sinn, den es im Deutschen
hat: Verkehr 1*). - Zum Beispiel: Das Privileg, die Institution
der Zünfte und Korporationen, die ganzen Reglementierungen des
Mittelalters waren gesellschaftliche Beziehungen, die allein den
erworbenen Produktivkräften und dem vorher bestehenden Gesell-
schaftszustand entsprachen, aus dem diese Institutionen hervorge-
gangen waren. Unter dem Schutze des genossenschaftlichen und re-
glementierenden Regimes sammelten sich Kapitalien, entwickelte
sich der Seehandel, wurden Kolonien gegründet - und die Menschen
hätten eben diese Früchte eingebüßt, wenn sie versucht hätten,
die Formen beizubehalten, unter deren Schutz diese Früchte ge-
reift waren. So gab es denn auch zwei Donnerschläge, die Revolu-
tion von 1640 und die von 1688. Alle alten ökonomischen Formen,
die sozialen Beziehungen, welche ihnen entsprachen, die politi-
sche Ordnung [état politique], welche der offizielle Ausdruck der
alten Gesellschaft war, wurden in England zerbrochen. Die ökono-
mischen Formen, unter denen die Menschen produzieren, konsumie-
ren, austauschen, sind also v o r ü b e r g e h e n d e u n d
h i s t o r i s c h e. Mit der Erwerbung neuer Produktivkräfte
ändern die Menschen ihre Produktionsweise, und mit der Produkti-
onsweise ändern sie alle ökonomischen Verhältnisse, die bloß die
für diese bestimmte Produktionsweise notwendigen Beziehungen wa-
ren.
Das gerade hat Herr Proudhon nicht begriffen und noch weniger
nachgewiesen.
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1*) Verkehr: im Original deutsch
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Unfähig, die wirkliche Bewegung der Geschichte zu verfolgen, lie-
fert Herr Proudhon eine Phantasmagorie, die den Anspruch erhebt,
dialektisch zu sein. Er verspürt nicht das Bedürfnis, vom 17.,
18., 19. Jahrhundert zu sprechen, denn seine Geschichte spielt
sich im Nebelreich der Einbildung ab und ist hoch erhaben über
Zeit und Ort. Mit einem Wort: das ist Hegelsches abgedroschenes
Zeug, das ist keine Geschichte, keine profane Geschichte - Ge-
schichte der Menschen -, sondern heilige Geschichte - Geschichte
der Ideen. Nach seiner Ansicht ist der Mensch bloß das Werkzeug,
dessen sich die Idee oder die ewige Vernunft zu ihrer Entwicklung
bedient. Die E v o l u t i o n e n, von denen Herr Proudhon
spricht, sollen Evolutionen sein, wie sie sich im mystischen
Schöße der absoluten Idee vollziehen. Zerreißt man den Vorhang
dieser mystischen Ausdrucksweise, so heißt das, daß Herr Proudhon
uns die Ordnung angibt, in der die ökonomischen Kategorien im In-
nern seines Kopfes rangieren. Es wird mich nicht viel Mühe ko-
sten, Ihnen zu beweisen, daß dieses Arrangement das Arrangement
eines sehr ungeordneten Kopfes ist.
Herr Proudhon eröffnet sein Buch mit einer Abhandlung über den
W e r t, der sein Steckenpferd ist. Mit der Untersuchung dieser
Abhandlung werde ich mich diesmal nicht befassen.
Die Reihe der ökonomischen Evolutionen der ewigen Vernunft be-
ginnt mit der A r b e i t s t e i l u n g. Für Herrn Proudhon
ist die Arbeitsteilung eine ganz einfache Sache. War aber nicht
das Kastenregime eine bestimmte Arbeitsteilung? Und war das
Zunftsystem nicht eine andere Arbeitsteilung? Und ist nicht die
Arbeitsteilung der Manufakturperiode, die in England um die Mitte
des 17. Jahrhunderts beginnt und gegen Ende des 18. Jahrhunderts
endet, wiederum völlig verschieden von der Arbeitsteilung in der
großen, der modernen Industrie?
Herr Proudhon ist so weit von der Wahrheit entfernt, daß er un-
terläßt, was sogar die profanen Ökonomen tun. Um von der Arbeits-
teilung zu reden, hat er es nicht nötig, vom Welt m a r k t zu
reden. Nun! Mußte sich nicht die Arbeitsteilung im 14. und 15.
Jahrhundert, als es noch keine Kolonien gab, als Amerika für Eu-
ropa noch nicht existierte, als Ostasien nur durch Vermittlung
von Konstantinopel existierte, von Grund auf unterscheiden von
der Arbeitsteilung des 17. Jahrhunderts, das bereits entwickelte
Kolonien hatte?
Das ist noch nicht alles. Was sind die ganze innere Organisation
der Völker, alle ihre internationalen Beziehungen anderes als der
Ausdruck einer bestimmten Arbeitsteilung? Und müssen sie sich
nicht verändern mit der Veränderung der Arbeitsteilung?
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Herr Proudhon hat die Frage der Arbeitsteilung so wenig verstan-
den, daß er nicht einmal die Trennung von Stadt und Land erwähnt,
die sich, zum Beispiel in Deutschland, vom 9. bis zum 12. Jahr-
hundert vollzogen hat. So muß diese Trennung für Herrn Proudhon
zum ewigen Gesetz werden, weil er weder ihren Ursprung noch ihre
Entwicklung kennt. Er spricht deshalb in seinem ganzen Buch so,
als ob dieses Erzeugnis einer bestimmten Produktionsweise bis zum
Jüngsten Tage fortbestände. Alles, was Herr Proudhon über die Ar-
beitsteilung vorbringt, ist bloß ein Resümee, und dazu noch ein
sehr oberflächliches, sehr unvollständiges Resümee dessen, was
Adam Smith und tausend andere vor ihm gesagt haben.
Die zweite Evolution sind die M a s c h i n e n. Der Zusammen-
hang zwischen Arbeitsteilung und Maschinen ist bei Herrn Proudhon
völlig mystisch. Jede Art der Arbeitsteilung hatte ihre spezifi-
schen Produktionsinstrumente. Zum Beispiel machten die Menschen
von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts nicht
alles mit der Hand. Sie besaßen Instrumente, sogar sehr kompli-
zierte, wie Werkbänke, Schiffe, Hebel etc. etc.
Nichts lächerlicher also, als die Maschinen als Folge aus der
Arbeitsteilung im allgemeinen hervorgehen zu lassen.
Ich will nebenbei noch bemerken, daß Herr Proudhon, da er den ge-
schichtlichen Ursprung der Maschinen nicht begriffen, noch weni-
ger ihre Entwicklung verstanden hat. Man kann sagen, daß bis 1825
- der Epoche der ersten universellen Krise - die Bedürfnisse der
Konsumtion im allgemeinen schneller zunahmen, als die Produktion
und die Entwicklung der Maschinen notgedrungen den Bedürfnissen
des Marktes folgten. Seit 1825 ist die Erfindung und Anwendung
der Maschinen nur das Resultat des Krieges zwischen Unternehmern
und Arbeitern. Und auch das gilt nur für England. Die europäi-
schen Nationen sind zur Anwendung der Maschinen durch die Konkur-
renz gezwungen worden, die die Engländer ihnen sowohl auf dem in-
neren Markt als auch auf den Weltmarkt machten. In Nordamerika
schließlich war die Einführung der Maschinen die Folge sowohl der
Konkurrenz mit den anderen Völkern als auch des Mangels an
Arbeitskräften, d.h. des Mißverhältnisses zwischen der Bevölke-
rungszahl und den industriellen Bedürfnissen Nordamerikas. Aus
diesen Tatsachen können Sie schließen, welchen Scharfsinn Herr
Proudhon entwickelt, wenn er das Gespenst der Konkurrenz als
dritte Evolution, als Antithese der Maschinen, heraufbeschwört!
Schließlich ist es überhaupt wahrhaft absurd, die M a s c h i-
n e n zu einer ökonomischen Kategorie neben der Arbeitsteilung,
der Konkurrenz, dem Kredit etc. zu machen.
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Die Maschine ist ebensowenig eine ökonomische Kategorie wie der
Ochse, der den Pflug zieht. Die gegenwärtige A n w e n d u n g
der Maschinen gehört zu den Verhältnissen unseres gegenwärtigen
Wirtschaftssystems, doch die Art, wie die Maschinen ausgenutzt
werden, ist etwas völlig anderes als die Maschinen selbst. Pulver
bleibt Pulver, ob man sich seiner bedient, um einen Menschen zu
verletzen oder um die Wunden des Verletzten zu heilen.
Herr Proudhon übertrifft sich selbst, wenn er in seinem Kopfe die
Konkurrenz, das Monopol, die Steuer oder die Polizei, die Han-
delsbilanz, den Kredit, das Eigentum in der hier angeführten Rei-
henfolge entstehen läßt. Fast das ganze Kreditwesen war in Eng-
land zu Anfang des 18. Jahrhunderts vor Erfindung der Maschinen
entwickelt. Der Staatskredit war bloß eine neue Art, die Steuern
zu erhöhen und die durch den Herrschaftsantritt der Bourgeois-
klasse geschaffenen neuen Bedürfnisse zu befriedigen. Das
E i g e n t u m bildet schließlich die letzte Kategorie im Sy-
stem des Herrn Proudhon. In der realen Welt dagegen sind die Ar-
beitsteilung und alle übrigen Kategorien des Herrn Proudhon ge-
sellschaftliche Beziehungen, deren Gesamtheit das bildet, was man
heute das E i g e n t u m nennt: außerhalb dieser Beziehungen
ist das bürgerliche Eigentum nichts als eine metaphysische oder
juristische Illusion. Das Eigentum einer anderen Epoche, das
Feudaleigentum, entwickelt sich unter ganz anderen gesellschaft-
lichen Beziehungen. Wenn Herr Proudhon das Eigentum als eine
selbständige Beziehung darstellt, begeht er mehr als nur einen
Fehler der Methode: er beweist klar, daß er nicht das Band erfaßt
hat, das alle Formen der b ü r g e r l i c h e n Produktion
verknüpft, daß er den h i s t o r i s c h e n und v o r ü-
b e r g e h e n d e n Charakter der Produktionsformen in einer
bestimmten Epoche nicht begriffen hat. Herr Proudhon, der in un-
seren gesellschaftlichen Einrichtungen nicht Produkte der
Geschichte erblickt, der weder ihren Ursprung noch ihre Entwick-
lung versteht, kann an ihnen nur dogmatische Kritik üben.
So ist Herr Proudhon auch gezwungen, zu einer F i k t i o n Zu-
flucht zu nehmen, um die Entwicklung zu erklären. Er bildet sich
ein, die Arbeitsteilung, der Kredit, die Maschinen etc., alles
sei erfunden worden, um seiner fixen Idee, der Idee der Gleich-
heit, zu dienen. Seine Erklärung ist von köstlicher Naivität. Man
hat diese Dinge eigens für die Gleichheit erfunden, doch leider
haben sie sich gegen die Gleichheit gekehrt. Das ist sein ganzes
Räsonnement. Das heißt, er geht von einer willkürlichen Annahme
aus, und da die wirkliche Entwicklung und seine Fiktion einander
auf Schritt und Tritt widersprechen, schließt er daraus, daß hier
ein Widerspruch bestehe. Er verhehlt dabei, daß es nur ein Wider-
spruch zwischen seinen fixen Ideen und der wirklichen Bewegung
ist.
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So hat Herr Proudhon, hauptsächlich aus Mangel an historischen
Kenntnissen, nicht bemerkt: daß die Menschen, indem sie ihre Pro-
duktivkräfte entwickeln, d.h., indem sie leben, bestimmte Ver-
hältnisse zueinander entwickeln, und daß die Art dieser Verhält-
nisse sich mit der Wandlung und dem Wachstum dieser Produktiv-
kräfte notwendig verändert. Er hat nicht gesehen, daß die
ö k o n o m i s c h e n K a t e g o r i e n nur A b s t r a k-
t i o n e n dieser realen Verhältnisse, daß sie nur solange
Wahrheiten sind, wie diese Verhältnisse bestehen. So verfällt er
in den Irrtum der bürgerlichen Ökonomen, die in diesen
ökonomischen Kategorien ewige Gesetze sehen und nicht historische
Gesetze, die nur für eine bestimmte historische Entwicklung, für
eine bestimmte Entwicklung der Produktivkräfte gelten. Statt
daher die politisch-ökonomischen Kategorien als Abstraktionen von
den wirklichen, vorübergehenden, historischen gesellschaftlichen
Beziehungen anzusehen, sieht Herr Proudhon, infolge einer mysti-
schen Umkehrung, in den wirklichen Verhältnissen nur Verkörpe-
rungen dieser Abstraktionen. Diese Abstraktionen selbst sind
Formeln, die seit Anbeginn der Welt im Schöße Gottvaters ge-
schlummert haben.
Hier jedoch wird der gute Herr Proudhon von heftigen Geistes-
krämpfen befallen. Wenn alle diese ökonomischen Kategorien Emana-
tionen des göttlichen Herzens, wenn sie das verborgene und ewige
Leben der Menschen sind, wie kommt es dann, erstens, daß es eine
Entwicklung gibt, und zweitens, daß Herr Proudhon nicht Konserva-
tiver ist ? Er erklärt diese offenbaren Widersprüche durch ein
ganzes System des Antagonismus.
Greifen wir, um dieses System des Antagonismus zu beleuchten, ein
Beispiel heraus.
Das M o n o p o l ist gut, denn es ist eine ökonomische Katego-
rie, also eine Emanation Gottes. Die Konkurrenz ist gut, denn sie
ist ebenfalls eine ökonomische Kategorie. Was aber nicht gut, ist
die Realität des Monopols und die der Konkurrenz. Was noch
schlimmer, ist, daß Monopol und Konkurrenz sich gegenseitig auf-
fressen. Was tun? Da diese beiden ewigen Gedanken Gottes einander
widersprechen, scheint es ihm offensichtlich, daß im Schöße Got-
tes auch eine Synthese dieser beiden Gedanken vorhanden ist, in
der die Übel des Monopols durch die Konkurrenz ausgeglichen wer-
den und vice versa. Der Kampf zwischen den beiden Ideen wird im
Endresultat nur die gute Seite hervortreten lassen. Man muß Gott
diesen geheimen Gedanken entreißen, ihn sodann anwenden, und al-
les ist in schönster Ordnung. Es gilt, die in der Nacht der un-
persönlichen Vernunft der Menschheit verborgene Formel der Syn-
these zu offenbaren. Herr Proudhon zögert keinen Augenblick, sich
zum Offenbarer zu machen.
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Aber betrachten Sie einen Augenblick das wirkliche Leben. Im
ökonomischen Leben unserer Zeit finden Sie nicht nur die Konkur-
renz und das Monopol, sondern auch ihre Synthese, die nicht eine
F o r m e l, sondern eine B e w e g u n g ist. Das Monopol er-
zeugt die Konkurrenz, die Konkurrenz erzeugt das Monopol. Diese
Gleichung beseitigt jedoch keineswegs die Schwierigkeiten der ge-
genwärtigen Lage, wie die bürgerlichen Ökonomen sich das vorstel-
len, sondern läßt nur eine noch schwierigere und verworrenere
Lage entstehen. Wenn Sie also die Basis verändern, auf die sich
die gegenwärtigen ökonomischen Verhältnisse gründen, wenn Sie die
heutige Produktionsweise vernichten, vernichten Sie nicht nur die
Konkurrenz, das Monopol und ihren Antagonismus, sondern auch ihre
Einheit, ihre Synthese, die Bewegung, die den wirklichen Aus-
gleich von Konkurrenz und Monopol darstellt.
Nun will ich Ihnen ein Beispiel von der Dialektik des Herrn
Proudhon vorführen.
Die F r e i h e i t und die S k l a v e r e i bilden einen
Antagonismus. Ich brauche weder von den guten noch von den
schlechten Seiten der Freiheit zu sprechen. Was die Sklaverei be-
trifft, so brauche ich nicht von ihren schlechten Seiten zu spre-
chen. Das einzige, das erklärt werden muß, ist die gute Seite der
Sklaverei. Es handelt sich nicht um die indirekte Sklaverei, die
Sklaverei des Proletariers; es handelt sich um die direkte Skla-
verei, die Sklaverei der Schwarzen in Surinam, in Brasilien, in
den Südstaaten Nordamerikas.
Die direkte Sklaverei ist der Angelpunkt unserer heutigen Indu-
strie ebenso wie die Maschinen, der Kredit etc. Ohne Sklaverei
keine Baumwolle; ohne Baumwolle keine moderne Industrie. Erst die
Sklaverei hat den Kolonien ihren Wert gegeben, erst die Kolonien
haben den Welthandel geschaffen, der Welthandel ist die notwen-
dige Bedingung der maschinellen Großindustrie. So lieferten denn
auch die Kolonien der Alten Welt vor dem Negerhandel nur sehr we-
nige Produkte und änderten das Antlitz der Welt nicht merklich.
Mithin ist die Sklaverei eine ökonomische Kategorie von höchster
Bedeutung. Ohne die Sklaverei würde Nordamerika, das vorgeschrit-
tenste Land, sich in ein patriarchalisches Land verwandeln. Man
streiche Nordamerika von der Weltkarte, und man hat die Anarchie,
den völligen Verfall des Handels und der modernen Zivilisation.
Doch die Sklaverei verschwinden lassen, hieße Amerika von der
Weltkarte streichen. So findet sich denn auch die Sklaverei, da
sie eine ökonomische Kategorie St, seit Anbeginn der Welt bei al-
len Völkern. Die modernen Völker haben die Sklaverei in ihren
Ländern lediglich zu maskieren und sie offen in der Neuen Welt
einzuführen gewußt. Was soll nun der gute Herr Proudhon
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nach diesen Reflexionen über die Sklaverei anfangen? Er sucht die
Synthese von Freiheit und Sklaverei, das wahre juste-milieu, mit
anderen Worten: das Gleichgewicht zwischen Sklaverei und Frei-
heit.
Herr Proudhon hat sehr gut begriffen, daß die Menschen Tuch,
Leinwand, Seidenstoffe herstellen - wahrlich ein großes Ver-
dienst, eine solche Kleinigkeit begriffen zu haben! Nicht begrif-
fen hat Herr Proudhon dagegen, daß die Menschen je nach ihren
Produktivkräften auch die g e s e l l s c h a f t l i c h e n
B e z i e h u n g e n produzieren, in denen sie Tuch und Lein-
wand produzieren. Noch weniger hat Herr Proudhon begriffen, daß
die Menschen, die entsprechend ihrer materiellen Produktivität
[productivité matérielle] die gesellschaftlichen Beziehungen pro-
duzieren, auch die I d e e n, die K a t e g o r i e n, d.h.
den abstrakten, ideellen Ausdruck eben dieser gesellschaftlichen
Beziehungen produzieren. Die Kategorien sind also genausowenig
ewig wie die Beziehungen, die sie ausdrücken. Sie sind histori-
sche und vorübergehende Produkte. Für Herrn Proudhon sind ganz im
Gegenteil die Abstraktionen, die Kategorien die primäre Ursache.
Nach ihm produzieren sie, und nicht die Menschen, die Geschichte.
D i e A b s t r a k t i o n, d i e K a t e g o r i e a l s
s o l c h e, d.h. losgelöst von den Menschen und ihrer materiel-
len Tätigkeit, ist natürlich unsterblich, unveränderlich, unbe-
weglich; sie ist nur ein Wesen der reinen Vernunft, was lediglich
besagen will, daß die Abstraktion als solche abstrakt ist - eine
prächtige T a u t o l o g i e!
So sind denn die ökonomischen Beziehungen, als Kategorie betrach-
tet, für Herrn Proudhon ewige Formeln, die weder Ursprung noch
Fortschritt kennen.
Sagen wir es auf andere Weise: Herr Proudhon behauptet nicht di-
rekt, daß das b ü r g e r l i c h e L e b e n für ihn eine
e w i g e W a h r h e i t sei. Er sagt es indirekt, indem er
die Kategorien vergöttlicht, die die bürgerlichen Verhältnisse in
der Form des Gedankens ausdrücken. Er hält die Produkte der bür-
gerlichen Gesellschaft für spontan entstandene, mit eigenem Leben
ausgestattete ewige Wesen, da sie sich ihm in der Form von Kate-
gorien, in der Form des Gedankens darstellen. So kommt er nicht
über den bürgerlichen Horizont hinaus. Da er mit bürgerlichen Ge-
danken derart operiert, als wenn sie ewig wahr wären, sucht er
die Synthese dieser Gedanken, ihr Gleichgewicht, und sieht nicht,
daß die Art und Weise, wie sie sich gegenwärtig das Gleichgewicht
halten, die einzig mögliche ist.
In Wirklichkeit tut er, was alle guten Bourgeois tun. Sie sagen
alle, daß die Konkurrenz, das Monopol etc. im Prinzip, d.h. als
abstrakte Gedanken, die alleinigen Grundlagen des Lebens sind, in
der Praxis aber viel zu wünschen lassen. Sie wollen alle die Kon-
kurrenz ohne die unheilvollen Folgen
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der Konkurrenz. Sie wollen alle das Unmögliche, d.h. bürgerliche
Lebensbedingungen ohne die notwendigen Konsequenzen dieser Bedin-
gungen. Sie alle verstehen nicht, daß die bürgerliche Form der
Produktion eine historische und vorübergehende ist, genauso wie
es die feudale Form war. Dieser Irrtum stammt daher, daß der
Bourgeois-Mensch für sie die einzig mögliche Grundlage aller Ge-
sellschaft ist, daß sie sich keine Gesellschaftsordnung denken
können, in der der Mensch aufgehört hätte, Bourgeois zu sein.
Herr Proudhon ist also notwendig d o k t r i n ä r. Die histo-
rische Bewegung, die die Welt von heute umwälzt, löst sich für
ihn in das Problem auf, das richtige Gleichgewicht, die Synthese
zweier bürgerlicher Gedanken zu entdecken. So entdeckt der ge-
witzte Bursche vermöge seines Scharfsinns den verborgenen Gedan-
ken Gottes, die Einheit der zwei isolierten Gedanken, die nur
deswegen zwei isolierte Gedanken sind, weil Herr Proudhon sie vom
praktischen Leben isoliert hat, von der gegenwärtigen Produktion,
welche die Kombination der von diesen Gedanken ausgedrückten Re-
alitäten ist. An die Stelle der großen historischen Bewegung, die
aus dem Konflikt zwischen den bereits erworbenen Produktivkräften
der Menschen und ihren gesellschaftlichen Verhältnissen hervor-
geht, die diesen Produktivkräften nicht mehr entsprechen; an die
Stelle der furchtbaren Kriege, die sich zwischen den verschie-
denen Klassen einer Nation, zwischen den verschiedenen Nationen
vorbereiten; an die Stelle der praktischen und gewaltsamen Aktion
der Massen, die allein die Lösung dieser Kollisionen bringen
kann: an die Stelle dieser umfassenden, fortgesetzten und kompli-
zierten Bewegung setzt Herr Proudhon die Entleerungsbewegung [le
mouvement cacadauphin] seines Kopfes. Die Gelehrten also, die
Menschen, die Gott seine intimen Gedanken zu entreißen verstehen,
machen die Geschichte. Das niedere Volk hat bloß ihre Offenbarun-
gen anzuwenden.
Sie verstehen jetzt, warum Herr Proudhon der erklärte Feind jeder
politischen Bewegung ist. Die Lösung der gegenwärtigen Probleme
liegt für ihn nicht in der öffentlichen Aktion, sondern in den
dialektischen Kreisbewegungen innerhalb seines Kopfes. Da für ihn
die Kategorien die treibenden Kräfte sind, braucht man nicht das
praktische Leben zu ändern, um die Kategorien zu ändern. Ganz im
Gegenteil: Man muß die Kategorien ändern, und das wird die Ände-
rung der wirklichen Gesellschaft zur Folge haben.
Von dem Wunsch beseelt, die Widersprüche zu versöhnen, stellt
sich Herr Proudhon nicht einmal die Frage, ob nicht eigentlich
die Grundlage dieser Widersprüche umgewälzt werden muß. Er
gleicht in allem dem doktrinären Politiker, der im König, in der
Deputierten- und Pairskammer
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integrierende Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens, ewige
Kategorien sehen will. Nur sucht er nach einer neuen Formel, um
das Gleichgewicht dieser Mächte herzustellen, deren Gleichgewicht
gerade auf der gegenwärtigen Bewegung beruht, wo eine dieser
Mächte bald der Sieger, bald der Sklave der anderen ist. So war
im 18. Jahrhundert eine Menge mittelmäßiger Köpfe damit beschäf-
tigt, die einzig richtige Formel zu finden, um die sozialen
Stände, den Adel, den König, die Parlamente etc. ins Gleichge-
wicht zu bringen, und über Nacht war alles - König, Parlament und
Adel - verschwunden. Das richtige Gleichgewicht in diesem Antago-
nismus war die Umwälzung aller gesellschaftlichen Beziehungen,
die diesen Feudalgebilden und ihrem Antagonismus als Grundlage
dienten.
Da Herr Proudhon auf die eine Seite die ewigen Ideen, die Katego-
rien der reinen Vernunft setzt, auf die andere die Menschen und
ihr praktisches Leben, das nach ihm die Anwendung dieser Katego-
rien ist, finden Sie bei ihm von Anfang an einen D u a l i s-
m u s zwischen dem Leben und den Ideen, der Seele und dem Körper
- einen Dualismus, der in vielen Formen wiederkehrt. Sie sehen
jetzt, daß dieser Antagonismus nichts anderes ist als die
Unfähigkeit des Herrn Proudhon, den irdischen Ursprung und die
profane Geschichte der Kategorien, die er vergöttlicht, zu
begreifen.
Mein Brief ist bereits zu lang, als daß ich noch auf den lächer-
lichen Prozeß zu sprechen kommen könnte, den Herr Proudhon dem
Kommunismus macht. Vorderhand werden Sie zugeben, daß ein Mensch,
der die gegenwärtige Gesellschaftsordnung nicht begriffen hat,
noch weniger imstande ist, die Bewegung, die sie umwälzen will,
und den literarischen Ausdruck dieser revolutionären Bewegung zu
begreifen.
Der e i n z i g e P u n k t, in dem ich mit Herrn Proudhon
vollständig einverstanden bin, ist sein Widerwille gegen die so-
zialistische Gefühlsduselei. Ich habe mich bereits vor ihm durch
meine Persiflage des schafsköpfigen, sentimentalen, utopischen
Sozialismus sehr unbeliebt gemacht. Aber macht sich Herr Proudhon
nicht sonderbare Illusionen, wenn er seine kleinbürgerliche Sen-
timentalität, ich meine seine Salbadereien über das häusliche Le-
ben, die Gattenliebe und all diese Banalitäten, der sozialisti-
schen Sentimentalität gegenüberstellt, die, zum Beispiel bei Fou-
rier, viel tiefer ist als die anmaßenden Plattheiten unseres
guten Proudhon? Er empfindet die Nichtigkeit seiner Beweisgründe,
seine völlige Unfähigkeit, von diesen Dingen zu sprechen, selber
so gut, daß er hemmungslos in Wut und Geschrei, in die irae homi-
nis probi 2*) ausbricht, daß er schäumt, flucht,
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2*) den Zorn des rechtschaffnen Mannes
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denunziert, daß er Niedertracht! Zeter und Mordio! schreit, sich
an die Brust schlägt und sich vor Gott und den Menschen rühmt,
nichts mit den sozialistischen Niederträchtigkeiten zu tun zu ha-
ben! Er kritisiert nicht die sozialistischen Sentimentalitäten
oder das, was er für Sentimentalitäten hält. Er exkommuniziert
als Heiliger, als Papst die armen Sünder und singt Ruhmeshymnen
auf das Kleinbürgertum und die elenden, patriarchalischen Liebes-
illusionen des trauten Heims. Und das ist durchaus kein Zufall.
Herr Proudhon ist von Kopf bis Fuß Philosoph, Ökonom des Klein-
bürgertums. In einer fortgeschrittenen Gesellschaft und durch den
Zwang seiner Lage wird d e r K l e i n b ü r g e r einesteils
Sozialist, anderenteils Ökonom, d.h., er ist geblendet von der
Herrlichkeit der großen Bourgeoisie und hat Mitgefühl für die
Leiden des Volkes. Er ist Bourgeois und Volk zugleich. Im Inner-
sten seines Gewissens schmeichelt er sich, unparteiisch zu sein,
das rechte Gleichgewicht gefunden zu haben, das den Anspruch er-
hebt, etwas anderes zu sein als das rechte juste-milieu. Ein sol-
cher Kleinbürger vergöttlicht den W i d e r s p r u c h, weil
der Widerspruch der Kern seines Wesens ist. Er selber ist bloß
der soziale Widerspruch in Aktion. Er muß durch die Theorie
rechtfertigen, was er in der Praxis ist, und Herr Proudhon hat
das Verdienst, der wissenschaftliche Interpret des französischen
Kleinbürgertums zu sein, was ein wirkliches Verdienst ist, da das
Kleinbürgertum ein integrierender Bestandteil aller sich vorbe-
reitenden sozialen Revolutionen sein wird.
Ich hätte Ihnen gern mit diesem Brief mein Buch über die politi-
sche Ökonomie geschickt [6], aber bisher ist es mir nicht möglich
gewesen, dieses Werk und die Kritik an den deutschen Philosophen
und Sozialisten, von der ich Ihnen in Brüssel erzählte, drucken
zu lassen. Sie können sich nicht vorstellen, auf welche Schwie-
rigkeiten eine solche Veröffentlichung in Deutschland stößt, ei-
nesteils von Seiten der Polizei, anderenteils von Seiten der Ver-
leger, die ja selbst die interessierten Vertreter all der Rich-
tungen sind, die ich angreife. Und was unsere eigene Partei be-
trifft, so ist sie nicht nur arm, sondern eine starke Gruppe in-
nerhalb der deutschen kommunistischen Partei nimmt es mir übel,
daß ich mich ihren Utopien und Deklamationen widersetze.
Ganz der Ihre Karl Marx
PS. Sie werden fragen, warum ich in schlechtem Französisch statt
in gutem Deutsch an Sie schreibe? Weil ich mit einem französi-
schen Autor zu tun habe.
#463# 31 - Marx an Pawel W. Annenkow - 28. Dezember 1846
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Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mit Ihrer Antwort nicht zu
lange warteten, damit ich weiß, ob Sie mich unter dieser Hülle
eines barbarischen Französisch verstanden haben.
Nach: M. M. ??????????? ? ???
???????????? ?? ??? ?????????
???? III, ???. 1912
Aus dem Französischen.
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