Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#470# 37 - Marx an Georg Herwegh - 26. Oktober 1847
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Marx an Georg Herwegh
in Paris
Brüssel, 26ten Oktober [1847]
rue d'Orléans 42, Fbg. Namur
Lieber Herwegh!
Ich wollte Engels einen Brief an Dich mitgeben, aber es drängten
sich so viel Geschäfte am Tage seiner Abreise, daß dies übersehn
und vergessen wurde.
Die Gräfin Hatzfeldt hatte mich ferner gebeten, einige Worte an
Dich zu ihrer Empfehlung zu schreiben. Ich glaube, daß Du ihre
Bekanntschaft jetzt schon gemacht haben wirst. Die Frau hat für
eine D e u t s c h e viel Energie entwickelt in dem Duell mit
ihrem Mann.
Hier in Brüssel haben wir zwei öffentliche demokratische Gesell-
schaften gestiftet.
1. Eine deutsche Arbeitergesellschaft [85], die schon an 100 Mit-
glieder zählt. Es wird hier ganz parlamentarisch diskutiert und
daneben auch gesellige Unterhaltung von Gesang, Deklamation,
Theaterspiel u.dgl.
2. Eine kleinere kosmopolitisch-demokratische Gesellschaft, woran
Belgier, Franzosen, Polen, Schweizer und Deutsche teilnehmen.
[86]
Wenn Du wieder einmal herüberkommst, wirst Du finden, daß in dem
kleinen Belgien selbst für unmittelbare Propaganda mehr zu tun
ist, als in dem großen Frankreich. Ich glaube zudem, daß, so
klein sie sein mag, die öffentliche Tätigkeit unendlich erfri-
schend auf jeden wirkt.
Es ist möglich, daß uns, da jetzt das l i b e r a l e Ministe-
rium am Staatsschiff steht, polizeiliche Schikanen bevorstehen,
denn die Liberalen lassen nicht von ihrer Art. Wir werden aber
mit ihnen fertig werden. Es ist hier nicht wie in Paris, wo die
Fremden isoliert der Regierung gegenüberstehn.
Da es unmöglich ist, unter den jetzigen Zeitumständen in Deutsch-
land irgendwie den Buchhandel benutzen zu können, habe ich im
Einverständnis mit Deutschen aus Deutschland unternommen, eine
Revue - monatliche -, auf Aktienbeiträge gestützt, zu begründen.
In der Rheinprovinz und Baden ist schon eine Zahl Aktien zusam-
men. Wir würden sofort anfangen, sobald Geld genug für 3 Monate
zusammen ist.
#471# 37 - Marx an Georg Herwegh - 26. Oktober 1847
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Wenn die Beiträge irgendwie es zuließen, würde man hier eine
eigne Setzerei etablieren, die auch zum Druck selbständiger
Schriften zu benutzen wäre.
Von Dir möchte ich nun wissen:
1. Ob Du auch Deinerseits einige Aktien zusammentreiben willst
(die Aktie zu 25 Talern).
2. Ob Du mitarbeiten willst und also auch als Mitarbeiter auf dem
Titel figurieren willst.
Ich ersuche Dich aber, da Du mir ohnehin schon lange einen Brief
schuldig bist, diesmal Deine Scheu gegen das Schreiben zu über-
winden und b a l d zu antworten. Ich wollte Dich zudem bitten,
den Bakunin zu fragen, auf welchem Weg, unter welcher Adresse und
in welcher Weise ich einen Brief an Tolstoi gelangen lassen kann?
Meine Frau grüßt Dich und Deine Frau herzlich.
Das Abenteuer mit der preußischen Gesandtschaft in Paris ist
wirklich bezeichnend für die steigende impotente Wut unsres Lan-
desvaters.
Leb wohl. Dein Marx 1*)
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1*) Die von Jenny Marx geschriebene Adresse "Herrn Doktor Gott-
schalk, praktischer Arzt zu Köln" ist ausgestrichen; Karl Marx
schrieb darunter: "Lieber Herwegh! Durch Versehen wäre obige
falsche Adresse beinahe auf diesen Brief gesetzt worden."
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