Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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1849
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Marx an Eduard von Müller-Tellering
in Ratibor
Köln, 15. Januar [1849]
Lieber Tellering!
Sie berechnen die Posttage immer unrichtig, weil Sie glauben, die
östreichische und Berliner Post treffe hier regelmäßig ein. Sie
kommt aber immer 1 -2 Tage zu spät und höchst unregelmäßig. Ihren
ersten Brief von Wien erhielt ich abends am 10. Am 11. schickte
ich sofort einen Brief nach Oderberg poste restante mit der Ein-
lage von 50 Talern in Kassenanweisungen. Sie müssen also jeden-
falls zurück nach Oderberg gehn, um das Geld in Empfang zu neh-
men.
Die Zeitungen erhalten Sie, sobald Sie, von Oderberg zurückge-
kehrt, mir sofort schreiben, wo Sie Ihr interimistisches Lokal
wählen.
Ihre Paßangelegenheiten hoffe ich, trotz Geigers Böswilligkeit,
in 2-3 Tagen endlich erledigt zu sehn. Sie müssen mir aber eben-
falls schreiben, wohin der Berliner Freund Ihnen den Paß zuschic-
ken soll.
Müssen Sie Wien meiden - was ein unersetzlicher Verlust für die
Zeitung 1*) wäre und in welchem Falle Sie einen Stellvertreter
für die Tagesdata ernennen müssen - so schiene mir Breslau noch
der geeignetste Aufenthalt. Ich denke sehr oft mit Kummer an Ihre
Frau, die ein bequemeres Los verdient.
Ich schicke Ihnen beiliegend Eine Nummer der "N[euen] Rh[eini-
schen] Z[eitung]", die Sie wegen des leitenden Artikels über die
Magyaren 2*) hoffentlich interessieren wird.
Schreiben Sie baldmöglichst. In Frankreich geht der neue Tanz im
Frühling los. Die Infamie der Bourgeoisrepublik ist zu rasch zur
"Blüte ihrer Sünden" fortgegangen.
Ihr K. Marx
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1*) "Neue Rheinische Zeitung" - 2*) Friedrich Engels: "Der magya-
rische Kampf"
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