Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
zurück
#493# 51 - Marx an Ernst Dronke - 3. Februar 1849
-----
51
Marx an Ernst Dronke
in Paris
Köln, 3. Februar [1849]
Lieber Dronke!
Ich antworte Dir auf Deinen von Engels mir mitgeteilten Brief
kurz wie folgt:
1. Was Deine Herkunft betrifft: Als ich Dir schrieb, "Komme nicht
eher nach Deutschland, als bis ich Dir schreibe", hatte Kratz mir
erklärt, Deine Sache sei noch nicht im reinen.
2. Später schrieb ich an Kapp und nicht an Dich, weil Kapp mich
mit Drohbriefen bestürmte. Die Anweisung, die ich Kapp gab, wurde
von Korff nicht honoriert. Ich hatte in der Zwischenzeit vor der
Aktionärengesellschaft erklärt, daß Korff oder ich aus der Zei-
tung austreten müßten. Außerdem hatte Plasmann in dieser Zeit
neuen Beschlag auf die Postgelder gelegt, und die Zeitung 1*)
stand, wie Engels selbst bei seiner Ankunft [391] fand 2*), täg-
lich auf dem Sprung, sich bankerutt zu erklären.
3. Was die Geschichte mit Meyerbeer betrifft, so weiß ich kein
Wort davon. Du begreifst, daß in einer Lage, wo wir täglich Set-
zerrebellionen wegen ein paar Taler hatten, ich 150 Taler nicht
verschmäht haben würde.
4. Was meinen Brief wegen Kapp betrifft, so war ich dazu berech-
tigt. Kapp hat in der scheußlichsten Zeit mit öffentlichen An-
griffen gedroht. Wenn Du Dich in unsre damalige Lage denkst,
wirst Du meinen Ärger begreifen. Was Weerths Glosse [betrifft]
(die sich übrigens nicht auf Dich, sondern auf Imandt bezog, der
unaufhörlich herschrieb), so habe ich erst jetzt davon gehört.
5. Was die 25 am 14. Januar geschickten Taler betrifft, so sind
sie in Gegenwart von Zeugen per Adresse Ewerbeck an Dich abgegan-
gen. Die hiesige Post wird morgen darüber Auskunft geben.
N[ota]bene: Kapp hat um dieselbe Zeit 15 Taler von mir erhalten.
6. Was mein Nichtantworten betrifft, so wird Lupus Zeugnis für
mein sehr häufiges Schreiben an Dich ablegen.
-----
1*) "Neue Rheinische Zeitung" - 2*) im Original: stand
#494# 51 - Marx an Ernst Dronke - 3. Februar 1849
-----
7. Wenn ich Dir einmal in gereiztem Tone schrieb, so geschah es,
a) weil ich mit der Zeitung im dicksten Pech saß und alle Korre-
spondenten und Gläubiger der Zeitung auf mich losstürmten, b)
weil Imandt in einem Briefe an Freiligrath Dich, Kapp usw. als im
höchsten Grade heulend über mich schilderte und der edle Beust,
wenn ich nicht irre Beust (ich weiß es nicht ganz genau), ähnli-
che Briefe hersandte.
In einigen Tagen muß die Zeitung untergehn oder sie konsolidiert
sich, und dann werden wir Dir sofort weitere Moneten, die jetzt
gänzlich mangeln, zuschicken. Die Geschichte mit den 25 Talern
aber muß aufgeklärt werden.
Daß ich Dich fortwährend als Mitredakteur der Zeitung betrach-
tete, geht sowohl aus der neuen Ankündigung in den verschiednen
Zeitungen hervor, als daraus, daß ich Deinen Artikel über die
Ausweisung des Frankfurter Flüchtlings unter Köln stellte. [392]
Dein Marx
[Nachschrift von Wilhelm Wolff]
Dem Obigen vollständig beistimmend
Dein Lupus
zurück