Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#509# 61 - Engels an Jakob Schabelitz - 24. August 1849
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Engels an Jakob Schabelitz
in Basel
Lieber Schabelitz
Ich bin Dir sehr verbunden für die prompte Beförderung eines
Briefs an mich. Da ich meine Briefe nicht direkt kommen lassen
kann und keine andre Adresse wußte, war ich genötigt, Dich damit
zu behelligen. Vielleicht bekommst Du noch einen oder zwei für
mich und bist gewiß so gut, sie mir ebenfalls zuzuschicken.
Ich sitze jetzt in Lausanne und schreibe meine Memoiren über die
pfälzisch-badische Revolutionsposse 1*). Du kennst mich zu gut,
um mir zuzutrauen, daß ich an dieser von vornherein verlornen Af-
färe politisch mich beteiligt hätte. Ich habe mich in Karlsruhe
und Kaiserslautern ganz gemütlich über die Schnitzer und die Un-
schlüssigkeit der provisorischen Regierungen lustig gemacht, alle
Stellen ausgeschlagen, und erst, als die Preußen kamen, ging ich
nach Offenbach zu Willich und machte als sein Adjutant die Kampa-
gne mit. Bald im Hauptquartier, bald vor dem Feind, stets die
Korrespondenz mit dem Oberkommando führend, in steter Verbindung
mit d'Ester, der als "rote Kamarilla" die Regierung vorwärts-
trieb, in verschiedenen Gefechten und zuletzt in der Schlacht bei
Rastatt [398] hatte ich Gelegenheit, viel zu sehn und viel zu
erfahren. Du weißt, daß ich kritisch genug bin, um die Illusionen
der gewöhnlichen Brüllrepublikaner nicht zu teilen und die hinter
großen Worten versteckte Mutlosigkeit der Chefs zu durchschauen.
Das Ding wird die Geschichte, wie das der "N[euen] Rh{einischen]
Z[eitung]" geziemt, anders auffassen als die andern darüber in
Aussicht gestellten Erzählungen. Es wird manche Lumperei mehr an
den Tag bringen und über die bisher fast gar nicht bekannten Ge-
schichten in der Pfalz speziell viel Neues enthalten. Es wird
nicht groß, 4-6 Bogen etwa.
Ich habe bis jetzt noch keine Ruhe gehabt, um mich nach einem
Verleger umzusehn. Nach Deutschland möcht' ich das Manuskript
nicht gern schicken, man riskiert, daß es postalisch unterschla-
gen wird. In der Schweiz mit
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1*) "Die deutsche Reichsverfassungskampagne"
#510# 61 - Engels an Jakob Schabelitz - 24. August 1849
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dem Buchhandel wenig bekannt, hab' ich an Dich schreiben wollen,
ob Dein Alter vielleicht zu den für dergleichen Schriften passen-
den und - NB - z a h l e n d e n Verlegern gehört, denn Geld
muß ich haben, il faut que l'on vive 2*). Daß das Ding anmutig zu
lesen sein wird, brauche ich Dir nicht zu sagen, und daß es in
Deutschland gekauft wird (es wird nicht konfiszierlich, le sujet
n'y prête pas 3*)), dafür bürgt Dir mein Name. Wenn also ein Ge-
schäft mit Deinem Herrn Papa abzuschließen ist, so verlasse ich
mich auf Dich, und wenn nicht, so ist es auch gut. In diesem
Falle wirst Du mir jedenfalls Deinen sonstigen Rat nicht versa-
gen, auch über etwaige deutsche Verleger, da ich auch über den
deutschen Buchhandel sehr in Unwissenheit herumtappe.
Schreib mir also möglichst umgehend hierüber, und sei bestens ge-
grüßt von
Deinem F. Engels
8, place de la Palud,
Lausanne, 24. August 1849
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2*) man muß leben - 3*) der Gegenstand gibt dazu keinen Anlaß
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