Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#511# 62 - Engels an Joseph Weydemeyer - 25. August 1849
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Engels an Joseph Weydemeyer
in Frankfurt a.M.
Lieber Weydemeyer
Post tot discrimina rerum 1*) - nach soundso viel Arretierungen
in Hessen und der Pfalz [402], nach 3 Wochen Schlaraffenleben in
Kaiserslautern, nach 4 Wochen einer glorreichen Kampagne, bei der
ich zur Abwechslung auch einmal den Säbel umschnallte und als Ad-
jutant von Willich figurierte, nach 4 Wochen langweiligen Kanto-
nierens mit dem Flüchtlingsdetachement im Kanton Waadt bin ich
endlich wieder soweit, daß ich hier in Lausanne auf meine eignen
Füße gerate. Ich werde zuallererst mich hinsetzen und eine heitre
Geschichte des ganzen pfälzisch-badischen Ulks verfassen 2*). Da
ich aber gar nicht mehr in Verbindung mit Deutschland stehe, auch
nicht weiß, welche Städte in oder außer Belagerungszustand sind,
so weiß ich nicht, an welchen Verleger ich mich wenden soll. Ich
kenne das Volk gar nicht mehr. Du bist an Ort und Stelle und mußt
daher besser wissen, welche Buchhändler geeignet wären, um wegen
solch einer Geschichte, die natürlich ganz ungefährlich wird und
bei der keine Konfiskation oder Prozesse riskiert werden, zu un-
terhandeln. Vielleicht findet sich einer in Frankfurt. Geld muß
er aber haben. Sei also so gut, und schreib mir darüber möglichst
umgehend, damit ich gleich meine Schritte tun kann.
Euern roten Becker sah ich neulich in Genf ganz fidel, er kneipte
mit dem Volksmann Esselen und andern gemütlichen Diis minorum
gentium 3*) auf dem Lande.
Grüß Deine Frau und alle Bekannte bestens
von Deinem Engels
Lausanne, 25. August 49,
8, place de la Palud
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1*) Nach soviel Launen des Schicksals (Vergil: Aeneis. Erster Ge-
sang) - 2*) "Die deutsche Reichsverfassungskampagne" - 3*) zweit-
rangigen Größen
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