Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#531# 78 - Engels an Joseph Weydemeyer - 25. April 1850
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Engels an Joseph Weydemeyer
in Frankfurt a.M.
Lieber Weydemeyer,
Dein Brief an Marx nebst £ 5.- für Flüchtlingsgelder und Inlage
für mich ist heute angekommen. Du wirst inzwischen zwei Briefe
mit Erklärungen, Aufruf und Rechnungsablage des Flüchtlingskomi-
tees erhalten haben. [411] Druck sie so rasch wie möglich ab, und
was Du in der Umgegend tun kannst, um Flüchtlingsgelder zusammen-
zubringen, tu es. Die weiteren Verhältnisse wirst Du aus inlie-
gendem Brief an Dr[onke] sehn. Vielleicht ist in Franken, Nürn-
berg, Bayreuth pp. etwas aufzutreiben. Die "N.Rh.Ztg." zirku-
lierte dort stark. Hast Du eine Adresse nach München, so schreib
auch dorthin. Du begreifst, daß es jetzt, wo die Esel Struve und
Konsorten sich am Vorabend der Revolution durch die Flüchtlinge
wieder in die Zeitungen zu bringen suchen, für uns eine Ehrensa-
che wird, wenigstens unsre Flüchtlinge fortzuunterstützen, und
die besseren der neuen Ankömmlinge nicht abermals in die Botmä-
ßigkeit dieser Esel fallen zu lassen.
Die beiden folgenden Hefte der "Revue" glaubten wir, das 2te seit
5 Wochen, das 3te seit wenigstens ein paar Tagen, in Deinen Hän-
den. Der Esel Naut hat sie Dir also gar nicht geschickt! Heute
schon ist ein grober Brief an ihn abgegangen, daß er sie Dir so-
fort schicken soll. Er muß das 3. Heft seit 8 Tagen haben. Mach
übrigens keine Kritik darüber, bis Du das 3. Heft auch hast, das
die erste Serie von Artikeln 1*) vollständig abschließt.
Adieu Dein F. E.
London, 25. April [1850]
Wir hören soeben, daß in verschiednen deutschen Blättern durch
die elenden Struve, Tellering, Schramm 2*), Bauer 3*) (Stolpe)
pp. verbreitet wird, unser Komitee fräße die Flüchtlingsgelder
selbst auf. Auch in Briefen wird
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1*) Friedrich Engels: "Die deutsche Reichsverfassungskampagne" -
2*) Rudolph Schramm - 3*) Louis Bauer
#532# 78 - Engels an Joseph Weydemeyer - 25. April 1850
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diese Infamie verbreitet. Du mußt es nirgends gelesen haben,
sonst wärst Du längst für uns aufgetreten. Du weißt, daß uns al-
len die Revolution nur Geld gekostet, nie einen Centime einge-
bracht hat; daß selbst die "N[eue] Pr[eußische] Z[eitung]" usw.
nie dergleichen Sachen uns vorzuwerfen wagten. Erst die lausigen
Demokraten, die impotenten "großen Männer" der Kleinbürgerschaft
waren hundsföttisch genug zu solcher Gemeinheit. Unser Komitee
hat jetzt 3mal Rechnung abgelegt, jedesmal sind die Geldsender
aufgefordert, Mandatare zur Prüfung der Bücher und Quittungen
einzusehn. Welch andres Komitee hat dies getan? Über jeden Cen-
time ist Quittung vorhanden. K e i n Komiteemitglied hat je
einen Centime von den Geldern erhalten, wird es auch nie verlan-
gen, so sehr es im Pech war. Keiner unsrer besten Freunde hat je
mehr erhalten als der letzte Flüchtling; keiner, der eine Erwerb-
squelle hatte, erhielt einen Sou.
Ist Dr[onke] nicht mehr da, so brich Du den Brief auf, lies ihn
und schicke ihn ihm nach.
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