Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#572# 100 - Marx an Hermann Ebner - zweite Hälfte August 1851
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100
Marx an Hermann Ebner
in Frankfurt a.M. [427]
(Kopie)
[London, zweite Hälfte August 1851]
... In verschiedenen deutschen Zeitungen werden Sie den Artikel
der h a l b m i n i s t r i e l l e n "Lithographierten Corre-
spondenz" 1*) gelesen haben, worin die offizielle deutsche Londo-
ner Emigration ihre Verbrüderung, ihre Konstitution als Gesamt-
körper dem Publikum anzeigt. Die vereinbarungslustige Gesamtdemo-
kratie zerfällt in 3 Cliquen: die Clique Ruge, die Clique Kinkel,
und die unbeschreibbare Clique Willich. Zwischen allen dreien
schweben die eingeschobenen Götter, kleine Literaten, wie Meyen,
Faucher, Oppenheim etc., ehemalige Berliner Vereinbarer [266],
endlich Tausenau mit einigen Östreichern.
Wir beginnen, wie sich gebührt, mit A. Ruge, dem 5ten Rad vom
Staatswagen der Europäischen Zentraldemokratie [423]. A. Ruge
langte, nicht eben mit Lorbeeren bedeckt, in London an. Man wußte
von ihm nur, daß er im kritischen Moment aus Berlin durchgebrannt
war und sich später bei Brentano vergeblich um den Gesandt-
schaftsposten in Paris beworben hatte, daß er während der ganzen
Revolutionsperiode die jedesmal laufenden Illusionen stets mit
derselben Unerschütterlichkeit aufgegriffen und sogar in einem
begeisterten Moment entdeckt hatte, daß die modernen Kollisionen
sich am einfachsten lösen ließen "in der Form Dessaus". So nannte
er nämlich die royalistisch-konstitutionell-demokratische Farce
des kleinen Musterstaates. Er war indessen fest entschlossen, in
London zum großen Mann zu werden. Wie von jeher, hatte er vor-
sorglich die Anstalt getroffen, in Deutschland mit einem demokra-
tischen Lokalblatt in Verbindung zu stehen, damit er ungeniert
das deutsche Publikum von seiner wichtigen Person unterhalten
könne. Diesmal fiel das Los der "Bremer Tages-Chronik" zu. Ruge
konnte nun seine weitern Operationen beginnen. Da er sehr ge-
brochen Französisch spricht, konnte ihn niemand hindern, sich den
Ausländern als Deutschlands wichtigsten Mann zu präsentieren, und
Mazzini
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1*) Von Marx an den Rand geschrieben: (aus Berlin)
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beurteilte ihn gleich ganz richtig als den homme sans consequence
2*), den er ohne weiteres zur deutschen Kontrasignatur seiner Ma-
nifeste anstellen könne. So wurde A. Ruge das 5te Rad an der pro-
visorischen Regierung Europas und wie Ledru-Rollin einmal sagte:
l'homme de Mazzini 3*). Er sah sich in seinem eignen Ideal über-
troffen. Indes galt es nun auch, sich Mazzini und Ledru-Rollin
gegenüber den Schein einer Macht zu geben und zu beweisen, daß
man mehr in die Waagschale zu werfen habe als einen zweideutigen
Namen. A. Ruge entschloß sich zu drei großen Taten. Er gründete
ein sog. deutsches Zentralkomitee [428] zusammen mit den Herren
Haug, Ronge, Struve und Kinkel. Er stiftete ein Journal mit dem
bescheidenen Titel "Der Kosmos", und er schrieb schließlich eine
Anleihe von 10 Millionen auf das deutsche Volk aus, dem er als
Gegenleistung die Eroberung seiner Freiheit garantierte. Die 10
Millionen gingen nicht ein, wohl aber ging der "Kosmos" ein, und
das Zentralkomitee ging auf in seine ursprünglichen Elemente. Der
"Kosmos" war nur dreimal erschienen. Der klassische Stil Ruges
hatte die profanen Leser in die Flucht geschlagen, indes war im-
mer soviel geleistet, daß A. Ruge seine Verwunderung zu Papier
bringen konnte, wie die Königin nicht ihn, sondern Herrn von Ra-
dowitz zu sich aufs Schloß Windsor einlade, daß er in selbstge-
machten Briefen sich von Deutschland aus "als provisorische Re-
gierung" begrüßen und im voraus von seinen leichtgläubigen Freun-
den beklagen ließ, wie ihn nach seiner Rückkehr ins Vaterland die
"Staatsgeschäfte" an allem trautern Privatumgang verhindern wür-
den.
Kaum war die Aufforderung zur Anleihe von 10 Millionen erschie-
nen, unterzeichnet von den Herren Ruge, Ronge, Haug, Struve, Kin-
kel [429], als sich plötzlich das Gerücht verbreitete, es zirku-
liere in der City eine Liste für Geldbeiträge zur Expedierung des
Struve nach Amerika, und als andererseits die "Kölnische Zeitung"
eine Erklärung der Frau Johanna Kinkel brachte, daß ihr Mann je-
nen Aufruf nicht unterzeichnet und aus dem eben erst gebildeten
Zentralkomitee wieder ausgetreten sei.
Die ganze politische Weisheit des Herrn Struve hatte sich be-
kanntlich vor und nach der Märzrevolution darauf beschränkt, "den
Fürstenhaß" zu predigen. Nichtsdestoweniger sah er sich zu London
veranlaßt, für bare Zahlung Artikel an das deutsche Journal des
Herzogs Karl von Braunschweig 4*) zu liefern und sich sogar der
allerhöchst eigenhändigen Zensur des Herrn Herzogs zu unter-
werfen. Mazzini war dies gesteckt worden, und als nun Herr Struve
seinen Namen unter dem europäischen Rundschreiben
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2*) Mann ohne Bedeutung - 3*) Mazzinis Mann - 4*) "Deutsche Lon-
doner Zeitung"
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prangen sehen wollte, sprach Mazzini sein Interdikt aus. Struve
schüttelte den Staub von seinen Füßen und segelte tief ergrimmt
gegen das Zentralkomitee nach New York, um dort seine fixe Idee,
seinen unvermeidlichen "Deutschen Zuschauer" zu akklimatisieren.
Was nun Kinkel betrifft, so hatte er, wie A. Ruge und die New-
Yorker "Schnellpost" klatschte, jenen Aufruf zwar nicht unter-
schrieben, aber er hatte ihn gebilligt, der Plan dazu war auf
seinem eignen Zimmer gefaßt worden, er hatte selbst die Beförde-
rung einer Zahl von Exemplaren nach Deutschland übernommen und
war nur ausgetreten, weil das Zentralkomitee den General Haug
statt seiner selbst zum Präsidenten ernannt hatte. A. Ruge be-
gleitete diese Erklärung mit ärgerlichen Ausfällen auf die
"Eitelkeit" Kinkels, den er einen d e m o k r a t i s c h e n
B e c k e r a t h nannte, und mit Verdächtigungen der Frau Jo-
hanna Kinkel, da ihr so verpönte Blätter wie die "Kölnische Zei-
tung" offenständen.
So war das demokratische Zentralkomitee reduziert auf die Herren
Ruge, Ronge und Haug; selbst A. Ruge sah ein, daß mit dieser
Dreieinigkeit nicht nur keine Welt, sondern überhaupt nichts zu
schaffen sei. Indes gab der Unermüdliche sein Spiel noch keines-
wegs verloren. Es handelt sich bei diesem großen Manne überhaupt
nur darum, daß im allgemeinen etwas getan und getrieben wird, was
ihm den Schein der Geschäftigkeit, tief politischer Kombinationen
und vor allem einen Stoff zu wichtigtuendem Hinundherreden, Hin-
undherlaufen, Unterhandlungen, selbstgefälligem Klatsch und Zei-
tungsnotizen gebe. Zu seinem Glück langte eben Fickler in London
an. Dieser mit den anderen Süddeutschen, Goegg und Sigel, fand
sich von den prätentiösen Manieren des Herrn Kinkel abgestoßen;
Sigel war keineswegs geneigt, sich unter den Oberbefehl Willichs
zu stellen, sowenig wie Goegg, dessen weltverbessernde Pläne an-
zunehmen. Alle 3 endlich waren zu wenig bekannt mit der Ge-
schichte der deutschen Philosophie, um Ruge nicht für einen be-
deutenden Denker zu halten, zu naiv, um sich nicht von seiner
falschen Bonhomie täuschen zu lassen, und zu bieder, um nicht das
ganze Treiben der sogenannten Emigration au sérieux 5*) zu neh-
men. Wie einer derselben 6*) an die New-Yorker "Schnellpost"
schreibt, beschlossen sie, um das Ansehen des hinsterbenden Zen-
tralkomitees herzustellen, eine Vereinigung mit den übrigen Kote-
rien. Aber, klagt derselbe Korrespondent, es sei wenig Aussicht
für dies fromme und wohlgemeinte Werk vorhanden; Kinkel fahre
fort zu intrigieren; er habe ein Komitee mit seinem Retter 7*),
seinem Biographen 8*) und einigen preußischen Lieutenants
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5*) ernst - 6*) Amand Goegg - 7*) Karl Schurz - 8*) Adolph
Strodtmann
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gebildet, das ungesehen wirken, sich im geheimen ausbreiten, wo-
möglich die demokratischen Gelder an sich ziehen und dann plötz-
lich als mächtige Partei Kinkel das Tageslicht erblicken solle.
Das sei weder ehrlich, noch billig, noch verständig. Ruge konnte
nicht umhin, in derselben Zeitungsnummer einige Seitenhiebe auf
den "absoluten Märtyrer" fallen zu lassen. An demselben Tage, wo
die New-Yorker "Schnellpost" diesen Klatsch nach London brachte,
fand das erste offizielle Verbrüderungsfest der feindlichen Kote-
rien statt. Aber noch mehr. A. Ruge läßt für das unglückliche Eu-
ropäische Anleihen durch die New-Yorker "Schnellpost" in Amerika
werben. Kinkel aber, der dies lächerliche Unternehmen in der
"Kölnischen Zeitung" desavouierte, fordert nun in den transatlan-
tischen Blättern auf eigne Faust zu einer Anleihe auf mit dem Be-
merken, man solle das Geld dem Manne schicken, der das meiste
Vertrauen genieße; daß Er dieser Mann ist, versteht sich von
selbst.
Vorläufig verlangt er eine Abschlagszahlung von 500 [Pfund] Ster-
ling, um das revolutionäre Papiergeld zu fabrizieren. Ruge, nicht
faul, läßt die "Schnellpost" erklären, Er, A. Ruge, sei der Kas-
sierer des demokratischen Zentralkomitees, bei ihm seien die
Scheine fix und fertig vorzufinden; wer also 500 Pfd.St. zu ver-
lieren habe, tue besser, fertige Scheine dafür zu kaufen, als
noch nicht existierende. Und die Redaktion der "Schnellpost" er-
klärt ziemlich offen, daß, wenn Herr Kinkel von seinen Manövern
nicht abstehe, man ihn als Feind der Revolution behandeln wird.
Endlich, während Ruge seinen wöchentlichen Klatsch in die
"Schnellpost" deponiert, als Mann der Zukunft hier seine Kaprio-
len schneidet und sich mit allen dem 5ten Rad zustehenden Würden
feiern läßt, schreibt Kinkel in die "New-Yorker Staatszeitung",
die direkte Antagonistin der "Schnellpost":
"Sie sehen, daß man den Krieg jenseits des Atlantischen Ozeans in
allen Formen führt, während diesseits Judasküsse gewechselt wer-
den."
Wenn Sie mich fragen, wie ein A. Ruge, ein Mensch, der praktisch
von jeher ganz unbrauchbar war, der theoretisch längst mit Tode
abgegangen ist und sich nur durch klassisch konfusen Stil aus-
zeichnet, wie er noch immer eine Rolle spielen kann, so bemerke
ich zunächst, daß seine Rolle eine reine Zeitungslüge ist, die er
mit der ihm eignen zähen Emsigkeit und durch alle kleinlichsten
Mittel auszubreiten und sich selbst und anderen weiszumachen
sucht. Was aber seine Stellung unter der hiesigen sog. Emigration
betrifft, so gebührt sie ihm; wäre es auch nur als der Gosse,
worin alle Widersprüche, Inkonsequenzen und Borniertheiten der
Gesamtdemokratie zusammenfließen. Als der klassische Repräsentant
ihrer allgemeinen Ideenunklarheit und Konfusion, als ihr Konfu-
zius behauptet er mit Recht seinen Posten.
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Aus dem obigen haben Sie ersehen, wie Kinkel bald vortritt, bald
sich zurückzieht, bald sich auf ein Unternehmen einläßt, bald es
desavouiert, je nachdem er glaubt, daß eben der Volkswind bläst.
In einem Aufsatze für den kurzlebigen "Kosmos" bewunderte er vor
allem einen Monsterspiegel, der im Kristallpalast [430] ausge-
stellt ist. Da haben Sie den Mann: der Spiegel ist sein Daseinse-
lement. Er ist vor allem und wesentlich Schauspieler. Als der
Märtyrer par excellence der deutschen Revolution hat er hier in
London die Honneurs für die übrigen Schlachtopfer empfangen. Wäh-
rend er aber offiziell sich von der liberal-ästhetischen Bour-
geoisie zahlen und fetieren läßt, treibt er hinter dem Rücken
derselben verbotenen Umgang mit der durch Willich repräsentierten
äußersten Fraktion der vereinbarungslustigen Emigranten, indem er
so den Genuß der bürgerlichen Gegenwart mit dem Anrecht auf die
revolutionäre Zukunft gleich sicherzustellen meint. Während er
hier in Verhältnissen lebt, die, verglichen mit seiner frühern
Lage in Bonn, glänzend zu nennen sind, schreibt er gleichzeitig
nach St. Louis, daß er wohne und lebe, wie es dem Vertreter der
Armut gebühre. So erfüllt er zugleich die nötige Etikette gegen
die Bourgeoisie und macht zugleich die gebührende Reverenz vor
dem Proletariat. Indes, als ein Mann, bei dem die Einbildungs-
kraft den Verstand weit überwiegt, hat er nicht umhingekonnt, ei-
nigen Unarten und Anmaßungen des Parvenü zu verfallen, was ihm
manchen gespreizten Biedermann der Emigration abwendig macht. In
diesem Augenblick soll er eine Rundreise durch England beabsich-
tigen, um in verschiedenen Städten vor den deutschen Kaufleuten
Vorlesungen zu halten, Huldigungen entgegenzunehmen und das Pri-
vilegium der doppelten Ernten, das sonst nur den südlichen Klima-
ten eigen ist, nach dem nördlichen England zu verpflanzen. Kinkel
irrt sich selbst, wenn er sich für ehrgeizig hält. Er ist der
Mann der eitlen Gelüste, und das Schicksal könnte diesem sonst
harmlosen Schönredner keinen schlimmem Streich spielen, als wenn
es ihn an das Ziel seiner Wünsche und in eine ernsthafte Position
brächte. Er würde unwiderruflich und vollständig Fiasko machen.
Von Willich endlich begnüge ich mich, Ihnen die Ansicht seiner
Bekannten mitzuteilen. Sie halten ihn sämtlich für einen bornier-
ten Phantasten. Sie bestreiten sein Talent, erklären ihn aber
eben deshalb für einen Charakter. Er gefällt sich in dieser
Stelle und benutzt sie mit mehr preußischer Schlauheit als ihm
zugetraut wird. Nun kennen Sie die großen Männer der Zukunft.
Die Gesamtmasse der offiziellen Emigration besteht mit sehr weni-
gen Ausnahmen aus Nullen, die jede zu einer Eins zu werden
glaubt, indem sie
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sich mit den andern zu einem Dutzend zusammentut. Daher ihre be-
ständigen Vereinigungs- und Vermengungsversuche, die beständig
durch die kleinen Eifersüchteleien, Intrigen, Gemeinheiten und
Rivalitäten dieser petits grands hommes 9*) aufgelöst, aber
ebenso unaufhörlich wieder eingegangen werden. Während sie sich
in den nordamerikanischen Blättern wechselseilig mit Kot bewer-
fen, glauben sie Deutschland gegenüber Front machen und, indem
sie sich zu einem großen Klatschkäse zusammenklöten, den Effekt
einer Macht und eines corpus venerabile 10*) hervorbringen zu
müssen. Sie machen sich stets selbst den Eindruck, daß ihnen
immer noch etwas fehlt, um zu imponieren, daher ihre organisierte
Werberei um jeden neuen Ankömmling. Ihre Anstrengungen,
Freiligrath, den sie jetzt mit ihrem Stillschweigen bestrafen,
von Marx weg zu sich herüberzuziehen, waren ebenso zudringlich
als natürlich fruchtlos. Kinkel ließ nichts unversucht, und A.
Ruge wandte sich sogar schriftlich an ihn, damit er sich dem Bund
der Gerechten anschließe. Jetzt gehört er natürlich nicht zu
"d e r Emigration", sowenig wie W. Wolff und andre Flüchtlinge,
die sich diesem Treiben fernhalten. E i n e n Namen mehr! Wenn
diese Kapuziner der Revolution, diese Bettelmönche derselben
überhaupt etwas zu vergeben hätten, sie würden ein Königreich
geben für einen Namen mehr und besonders einen so populären
Namen, wie den Freiligraths. Stellenjäger und Popularitätsritter,
darin löst sich diese Gesamtmasse auf. Die Herren glauben, daß
die Revolution herannaht, und sie müssen natürlich ihre Anstalten
treffen. So hatten die Reichsversammler in der Schweiz eine
ähnliche Verbindung unter sich gestiftet, worin schon die
künftigen Stellen hierarchisch der Nummer nach verteilt waren.
Und es setzte bittre Kämpfe, wer Nr. 17 oder 18 repräsentieren
solle.
Sie wundern sich, daß diese Herren die halbministerielle "Litho-
graphische Correspondenz" zu ihrem Moniteur machen. Diese
Verwunderung wird aufhören, wenn ich Ihnen sage, daß einer ihrer
Skribenten regelmäßig in der "Neuen Preuß. Ztg." skribelt, ein
anderer Handlangerdienste bei dem russischen "Morning Chronicle"
versieht usw. usw. Dies geschieht aber keineswegs hinter dem Rüc-
ken der offiziellen Emigration. Vielmehr wurde ihre erste Gene-
ralversammlung mit dem Verlesen des Artikels der "Lithog[raphi-
schen] C[orresponden]z" eröffnet. Sie musterten ungefähr 50 Mann,
die in der zweiten Sitzung auf mehr als die Hälfte herabsanken.
Der Same der Zwietracht war schon reichlich aufgegangen unter den
Vereinbarungsbedürftigen, die übrigens, wie einer derselben sich
konfidentiell
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9*) kleinen großen Männer - 10*) einer ehrfurchtgebietenden Kör-
perschaft
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ausdrückte, nur aus "höheren Flüchtlingen" bestanden. Von dem
profanen vulgus 11*) der flüchtigen Arbeiter war niemand zu se-
hen. Wenn die verbrüderte Emigration irgendeinen Einheitspunkt
besitzt, so ist es ihr gemeinschaftlicher fanatischer Haß gegen
Marx, ein Haß, dem keine Albernheit, keine Gemeinheit, keine In-
trige etwas kostet, um dem verdrießlichen Humor gegen diese ihre
bête noire 12*) ein Genüge zu tun. Haben es die Herren doch
selbst nicht unter ihrer Würde gehalten, mit Beta oder Bettziech,
ehemaligem Mitarbeiter des Gubitzschen "Gesellschafters", in Ver-
bindung zu treten und durch diesen großen Schriftsteller und Pa-
trioten in dem Organ des fröhlichen Weinwirts Louis Drucker Marx
wegen seiner Verschwägerung mit dem preußischen Minister von
Westphalen als Spion zu verdächtigen. Die einzige Berührung,
worin Herr von Westphalen mit Marx trat, war die, daß er durch
die Beschlagnahme der Beckerschen Druckerei und die Einkerkerung
H. Beckers in Köln die Herausgabe der gesammelten Aufsätze von
Marx, die Becker übernommen hatte, und deren erstes Heft bereits
erschienen war [170], hintertrieb und ebenso die Herausgabe einer
Revue verhinderte, die eben in Druck begriffen war. Der Haß gegen
Marx wurde noch gesteigert durch die Veröffentlichung der kommu-
nistischen Ansprache [431] seitens der sächsischen Regierung, da
er für deren Verfasser gilt. Marx, übrigens ganz in Anspruch ge-
nommen von der Ausarbeitung einer seit Jahren begonnenen Kritik
und Geschichte der politischen Ökonomie, hatte ebensowenig wie
Freiligrath und ihre gemeinschaftlichen Freunde Zeit und Lust,
sich auf den Klatsch der verbrüderten Emigration einzulassen.
Je mehr man sie aber ignoriert, um so toller kläffen die Möpse
der Zukunft. Der zu früh verstorbene Gustav Julius, ein durchaus
kritischer und wissenschaftlich gebildeter Kopf, den sich die
Emigration nun auch vindiziert, war so ennuyiert von ihrem hohlen
und abgeschmackten Treiben, daß er eine ausführlich schildernde
Darstellung derselben wenige Wochen vor seinem Tode in eine nord-
deutsche Zeitung 13*) gesandt hatte, die aber deren Aufnahme
verweigerte...
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11*) gemeinem Volk - 12*) dieses ihr Schreckgespenst - 13*) auf
dem Briefrand ist zu dieser Stelle hinzugefügt: Magdeburger
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