Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
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#582# 103 - Marx an Joseph Weydemeyer - 16. Oktober 1851
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103
Marx an Joseph Weydemeyer
in New York
28, Dean Street, Soho, London.
16. Oktober 1851
Lieber Weydemeyer!
Ich habe dem A. Charles Dana, einem der Redakteure der "New-York
Tribune", sowohl selbst geschrieben, als einen Empfehlungsbrief
von Freiligrath für Dich zugesandt. Du hast also nichts zu tun,
als zu ihm zu gehn und Dich auf uns zu beziehn.
Du fragst mich nach einem statistischen Hülfsbuch. Ich empfehle
Dir - weil es zugleich ökonomische Auseinandersetzungen enthält -
the Commercial Dictionary by MacCulloch 1845. Es gibt neuere Sa-
chen, z.B. von Mac Gregor [433], dessen Statistika überhaupt
vielleicht die besten für ganz Europa sind. Sie sind aber sehr
teuer. Du findest sie indes sicher auf einer der New-Yorker Bi-
bliotheken. MacCulloch dagegen ist ein Handbuch, das jeder Zei-
tungsschreiber besitzen muß.
Für England speziell noch zu empfehlen: Porter: "The Progress of
the Nation". New edition 1851.
Für die Handelsgeschichte überhaupt:
Tooke: "History of Prices". 3 Bde. Bis 1848. Für Nordamerika ins-
besondre: MacGregor, der eine besondere Statistik der United Sta-
tes geschrieben hat.
Für Deutschland: Frh. von Reden: "Vergleichende Kulturstatistik".
Für Frankreich: Moreau [434].
Nun habe ich noch einen Auftrag für Dich. Auf Verlangen des ex-
deutschkatholischen Pfarrers Koch, den Du bei der "Staatszei-
tung", wo er von Zeit zu Zeit mitschreibt, erfragen kannst,
schickte ich selbigem 20 "Manifeste" (deutsch) und eine englische
Übersetzung desselben zu mit dem Auftrag, sie samt Harneys
Vorbemerkung - die englische Übersetzung - als Broschüre ab-
drucken zu lassen. [435] Seit der Zeit hat Herr Koch nichts mehr
von sich hören lassen. Bitte ihn um Aufklärung 1. über dies sehr
verdächtige Schweigen, nachdem er mir so angelegentlich geschrie-
ben hatte,
#583# 103 - Marx an Joseph Weydemeyer - 16. Oktober 1851
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und 2. laß Dir die englische Übersetzung geben von ihm und sieh,
ob Du sie nicht als Broschüre losschlagen, i.e. drucken, verbrei-
ten und verkaufen kannst. Es versteht sich von selbst, daß Dir
das etwaige Einkommen zufiele, wir aber 20-50 Exemplare für uns
verlangen. Dronke kommt den 23. d.M. her.
Schreib bald. Grüße an Dich und Deine Frau von meiner Frau, mir
und allen Freunden.
Ich hoffe, daß Du die Seefahrt glücklich überstehst und daß es
Dir in den United States gut geht.
Dein K. Marx
[Nachschrift von Frau Jenny Marx]
Sagen Sie Ihrer lieben Frau, daß ich ihrer in dieser Zeit mit der
herzlichsten Teilnahme und Sorge gedacht habe. Was mag sie doch
auf der langen Seefahrt mit den zwei kleinen Kindern ausgestanden
haben! Hoffentlich kommen diese Zeilen nicht viel vor Ihnen in
New York an, wo es Ihnen sicher gelingen wird, sich eine proviso-
rische Heimat zu schaffen.
Von Edgar 1*) haben wir seit seiner Abreise im April noch immer
keine Nachricht. Er ging von Bremen aus mit dem Segelschiff
"Reform", dem Kapitän Ammermann, ab, wollte in Galveston landen
und sich zuerst in Neubraunfels niederlassen. Vielleicht wäre es
Ihnen, lieber Herr Weydemeyer, möglich, ihm von New York aus ir-
gendwo auf die Spur zu kommen. Sein Schweigen ist um so unbe-
greiflicher, als er weiß, daß unser armes, vereinsamtes Mütter-
chen 2*) durch die Lähmung ihrer rechten Hand nun noch des letz-
ten Trostes beraubt ist, den ihr das Geschick gelassen - des
schriftlichen Verkehrs mit den Geliebten ihres Herzens.
Leben Sie recht wohl und seien Sie herzlich gegrüßt von
Jenny Marx
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1*) Edgar von Westphalen - 2*) Karoline von Westphalen
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