Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
zurück
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Anmerkungen
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1 Der vorliegende Brief ist von den uns bekannten Briefen Engels'
an Marx der früheste. Er wurde bald nach Engels' Rückkehr aus
England geschrieben. Auf der Reise nach Deutschland war Engels
Ende August 1844 in Paris eingetroffen, wo er sich zehn Tage auf-
hielt. In dieser Zeit erfolgte seine historische Begegnung mit
Marx, die zum Ausgangspunkt ihrer gemeinsamen wissenschaftlichen
Tätigkeit und ihres Kampfes für die Sache des Proletariats wurde.
Sie stellten ihre völlige Übereinstimmung auf allen theoretischen
Gebieten fest und gingen sofort an ihre erste gemeinsame Arbeit,
die gegen die Junghegelianer gerichtet war. Ursprünglich beab-
sichtigten sie, dieses Werk "Kritik der kritischen Kritik. Gegen
Bruno Bauer und Consorten" zu nennen. Während der Drucklegung gab
Marx der Schrift den Haupttitel "Die heilige Familie". 5
2 Karl Ludwig Bernays, einer der Redakteure der in Paris heraus-
gegebenen deutschen Zeitung "Vorwärts!", wurde auf Verlangen der
preußischen Regierung im Herbst 1844 von den französischen Behör-
den vor Gericht gestellt und wegen Kritik des reaktionären Regi-
mes in Preußen zu Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt. 6
3 Die "Deutsch-Französischen Jahrbücher" wurden unter der Redak-
tion von Karl Marx und Arnold Ruge in deutscher Sprache in Paris
herausgegeben. Es erschien nur die erste Doppellieferung im Fe-
bruar 1844. In ihr wurden veröffentlicht: Karl Marx' Schriften
"Zur Judenfrage" und "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphiloso-
phie. Einleitung", ferner Friedrich Engels' Arbeiten "Umrisse zu
einer Kritik der Nationalökonomie" und "Die Lage Englands. 'Past
and Present' by Thomas Carlyle, London 1843" (siehe Band 1 unse-
rer Ausgabe, S. 347-377, 378-391,499-524, 525-549). Diese Arbei-
ten kennzeichnen den endgültigen Übergang von Marx und Engels zum
Materialismus und Kommunismus. Die Hauptursache dafür, daß die
Zeitschrift ihr Erscheinen einstellte, waren die prinzipiellen
Meinungsverschiedenheiten zwischen Marx und dem bürgerlichen Ra-
dikalen Ruge. 6
4 Im November 1842 übersiedelte Engels für fast zwei Jahre nach
England. Neben seiner Tätigkeit in der Baumwollspinnerei Ermen &
Engels in Manchester studierte er die ökonomischen und politi-
schen Verhältnisse in England sowie die Lebens- und Arbeits-
bedingungen der englischen Arbeiter und machte sich mit der Char-
tistenbewegung bekannt. Anfang September (844 kehrte Engels nach
Deutschland zurück. 6
5 "Vorwärts!" - in Paris von Januar bis Dezember 1844 zweimal wö-
chentlich erscheinende Zeitung in deutscher Sprache. Unter dem
Einfluß von Marx, der ab Sommer 1844 an der
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Redaktion der Zeitung beteiligt war, begann sie eine kommunisti-
sche Haltung einzunehmen; sie kritisierte schonungslos die reak-
tionären Zustände in Preußen. Die Zeitung enthielt Beiträge von
Karl Marx und Friedrich Engels (siehe Band 1 unserer Ausgabe, S.
392-409 und 550-592). Auf Verlangen der preußischen Regierung
verfügte das Ministerium Guizot Mitte Januar 1845.die Ausweisung
von Marx und anderer Mitarbeiter des "Vorwärts!" aus Frankreich.
7
6 Engels bezieht sich hier auf die von Marx geplante Arbeit
"Kritik der Politik und Nationalökonomie". Marx hatte sich seit
Ende 1843 mit dem Studium der politischen Ökonomie beschäftigt
und stellte sich bereits im Frühjahr 1844 die Aufgabe, eine Kri-
tik der bürgerlichen Nationalökonomie vom Standpunkt des Materia-
lismus und Kommunismus zu veröffentlichen. Von den damals verfaß-
ten Manuskripten ist nur ein Teil erhalten geblieben, der unter
dem Titel "Ökonomisch-philosophische Manuskripte 1844" bekannt
ist. (Siehe Karl Marx/Friedrich Engels: Kleine ökonomische
Schriften. Bücherei des Marxismus-Leninismus, Band 42, S. 42-166
und Karl Marx/Friedrich Engels: Die heilige Familie und andere
philosophische Frühschriften. Bücherei des Marxismus-Leninismus,
Bd. 41, S. 67-98.) Seine Arbeit an der Schrift "Die heilige Fami-
lie" unterbrach vorübergehend die Beschäftigung mit der politi-
schen Ökonomie, und erst im Dezember 1844 konnte er sich wieder
dieser Aufgabe zuwenden. Es sind zahlreiche, von Marx 1845 und
1846 angefertigte Konspekte, Auszüge und Notizen erhalten geblie-
ben, die während des Studiums der Arbeiten englischer, französi-
scher und anderer Ökonomen entstanden sind. Jedoch gelang es Marx
auch diesmal nicht, sein Vorhaben auszuführen. Der Vertrag mit
dem Verleger Leske über die Herausgabe eines zweibändigen Werkes
"Kritik der Politik und Nationalökonomie", der von Marx am 1.
Februar 1845 abgeschlossen worden war (siehe Anm. 365), wurde von
Leske im Februar 1847 annulliert. 8 16 23 462
7 Im Dezember 1844 veröffentlichte Engels anonym in dem
"Deutschen Bürgerbuch für 1845" die "Beschreibung der in neuerer
Zeit entstandenen und noch bestehenden kommunistischen Ansiedlun-
gen" (siehe Band 2 unserer Ausgabe, S. 521-535). Diese Arbeit
über die in den USA von Owen und seinen Anhängern im Geiste der
Ideen des utopischen Kommunismus gegründeten Kolonien ist eine
Zusammenfassung von Materialien aus den englischen Presseorganen
"The New Moral World", "The Northern Star" und "The Morning Chro-
nicle". 8
8 Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Marx und Engels einer-
seits und Arnold Ruge andrerseits beginnen bereits in der Zeit
der gemeinsamen Arbeit an den "Deutsch-Französischen Jahrbüchern"
(siehe Anm. 3). Sie hatten ihre Ursachen in Ruges Feindschaft ge-
gen den Kommunismus als einer revolutionären Weltanschauung sowie
in der unüberwindbaren Kluft zwischen den Ansichten der proleta-
rischen Revolutionäre Marx und Engels und den Ansichten des Jung-
hegelianers Ruge, der auf dem Boden des philosophischen Idealis-
mus stand und revolutionäre Massenaktionen ablehnte. Das feindse-
lige Verhalten Ruges zu dem 1844 ausgebrochenen Aufstand der
schlesischen Weber hob diesen prinzipiellen Unterschied noch
deutlicher hervor. Der endgültige Bruch zwischen Marx und Ruge
erfolgte im März 1844. Marx brandmarkte im August 1844 im
"Vorwärts!" in dem Aufsatz "Kritische Randglossen zu dem Artikel
'Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem Preußen'."
die bürgerlich-philisterhafte Haltung Ruges (siehe Band 1 unserer
Ausgabe, S. 392-409). 9
9 Vereine zur Hebung der Arbeiter - Im Anschluß an die erste
preußische Industrieausstellung vom August 1844 in Berlin hatte
sich am 29. Oktober ein Komitee, hauptsächlich
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aus rheinischen Industriellen bestehend, zu einem Zentralverein
zum Wohle der arbeitenden Klassen in Berlin konstituiert. Der
Zentralverein wurde zunächst vom preußischen König unterstützt
und erließ einen Aufruf zur Gründung von Zweigvereinen in allen
Städten.
Die liberale Bourgeoisie war vom Aufstand der schlesischen Weber
im Sommer 1844 und den seitdem stattfindenden Streikkämpfen und
kleineren Erhebungen erschreckt worden. Der auf der Hand liegende
krasse Gegensatz von Hungerelend im schlesischen Gebirge und dem
Glanz der Berliner Industrieausstellung ließ gerade damals das
Argument zusammenbrechen, den Klassengegensatz zwischen Proleta-
riat und Bourgeoisie gäbe es wohl in England und Frankreich,
nicht aber in Deutschland. Ziel des Zentralvereins war es daher,
die Arbeiter vom Kampf für ihre Klasseninteressen abzulenken. Die
Gründung von Vereinen für das Wohl der arbeitenden Klassen in Aa-
chen, Elberfeld, Düsseldorf, Mülheim, Breslau, Hamburg, Königs-
berg und anderen Städten verlief sehr unterschiedlich. Am weite-
sten ging die Entwicklung in den Industriestädten der Rheinpro-
vinz, namentlich in Köln, wo die Widersprüche zwischen Bour-
geoisie und Proletariat besonders stark entwickelt waren und wo
schon eine radikal-demokratische Opposition gegen den preußischen
Absolutismus bestand.
Entgegen den Bemühungen der Bourgeoisie und der herrschenden
Kreise, den Vereinen einen harmlosen philanthropischen Charakter
zu verleihen, wurde ihre Gründung zum Anstoß für das Wachsen der
politischen Aufklärung und der politischen Aktivität der städti-
schen Volksmassen im Vormärz und lenkte die allgemeine Aufmerk-
samkeit auf die soziale Frage. Die Vertreter der revolutionär-de-
mokratischen Intelligenz benutzten die Gründungsversammlungen und
die Diskussionen über die Statuten dieser Vereine zur Verbreitung
fortschrittlicher Ideen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken,
begann die preußische Regierung bereits Anfang 1845, die Vereine
lahmzulegen, indem sie die Statuten nicht bestätigte und weitere
Versammlungen verbot. Am 4. April 1845 wurde das Gesuch um die
Bestätigung des Berliner Zentralvereins von der preußischen
Regierung endgültig abgelehnt. 10
10 In Köln wurde in einer von 500 Personen - Fabrikanten und Ar-
beitern, Beamten, Handwerkern und Intellektuellen - besuchten
Versammlung am 10. November 1844 gegen den Namen Verein zum Wohl
der arbeitenden Klassen polemisiert und die Initiative zur Grün-
dung eines Allgemeinen Hilfs- und Bildungsvereins ergriffen. An
dieser Versammlung nahmen zahlreiche Aktionäre und Mitarbeiter
der ehemaligen "Rheinischen Zeitung" (1842 u. 1843) teil, wie G.
Bergenroth, H. Bürgers, Ludolf Camphausen, Gerhard Josef Compes,
Karl d'Ester, Georg Jung, Gustav Mevissen, Dagobert Oppenheim,
Franz Raveaux und Rudolph Schramm. Einige Mitglieder dieses Krei-
ses und andere Vertreter der radikaldemokratischen und soziali-
stischen Intelligenz traten aktiv auf.
Das gewählte Komitee zur Ausarbeitung der Statuten, von dem En-
gels schreibt, veröffentlichte am 12.Dezember 1844 in der
"Kölnischen Zeitung" einen Statutenentwurf, der eine große Wir-
kung auf ähnliche Bestrebungen in Deutschland ausübte. Als Ziele
des Allgemeinen Hilfs- und Bildungsvereins wurden in diesem Ent-
wurf die Gründung von Unterstützungs- und Krankenkassen, die Ver-
sorgung Obdachloser und anderer Notleidender, eine organisierte
Arbeitsvermittlung, die Gründung von Wohnungsbau-, Konsum- und
Produktionsgenossenschaften, die Schaffung von Kreditkassen und
Verkaufsmärkten für kleine Handwerker und für Produktionsgenos-
senschaften, die Einrichtung von Handwerks- und Gewerbeschulen
sowie eine bessere Berufsausbildung für Arbeiter und Handwerker
gestellt. Die Behörden lehnten diese Statuten ab; eine
Generalversammlung
#620# Anhang und Register
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des Vereins mit über 1000 Anwesenden am 16. und 31. März und am
13. April 1845 nahm sie jedoch einstimmig an. Der Regierungsprä-
sident untersagte daraufhin weitere Versammlungen, gab die end-
gültige Ablehnung der Statuten aber erst im Oktober 1845 bekannt.
Da während dieser Auseinandersetzungen der Verein noch nicht
wirksam werden konnte, die Not in Köln aber im Winter 1844/1845
immer größer wurde und im Frühjahr 1845 einen Höhepunkt er-
reichte, gründeten die aktivsten und entschlossensten Vertreter
des Komitees gemeinsam mit einigen anderen kommunistisch gesinn-
ten Demokraten im März 1845 in Köln einen Verein zur Abhilfe au-
genblicklicher Not. In ihm spielten die führende Rolle G. Bergen-
roth, C.H. Dahlen, Roland Daniels, Dr. Karl d'Ester, Georg Jung,
J.A. Loellgen, Carl Schneider und Joseph Weydemeyer - fast alles
Bekannte bzw. enge Freunde von Marx und Engels. Vom 20. März 1845
ab gab der Verein zur Abhilfe augenblicklicher Not täglich an
mehrere tausend Menschen kostenlos Essen aus, schuf Notunter-
künfte und sorgte für ärztliche Betreuung. Mitarbeiter des Ver-
eins führten außerdem bis zum Sommer 1845 Untersuchungen über die
Notlage des Proletariats in Köln sowie die Willkür der Kapitali-
sten durch und traten den Verleumdungen in der Presse, u.a. im
"Gesellschaftsspiegel", entgegen.
In Elberfeld wurde am 17. November 1844 auf einer stark besuchten
Versammlung ein Volksbildungsverein geschaffen, dessen Organisa-
toren von Anfang an den Kampf gegen die Versuche der örtlichen
Geistlichkeit führen mußten, die im Wuppertal besonders stark
pietistisch-frömmelnd auftrat, den Verein ihrem Einfluß zu unter-
werfen und seiner Tätigkeit einen religiösen Anstrich zu geben.
Engels und seine Freunde waren bemüht, die Versammlungen des Ver-
eins und seines Komitees für die Verbreitung kommunistischer An-
schauungen auszunutzen (vgl. die Elberfelder Reden von Engels,
Band 2 unserer Ausgabe, S. 536-557).
Als "Rationalisten" bezeichnet Engels hier ironisch Vertreter der
Industrie im Wuppertal, die noch stark in der religiösen Atmo-
sphäre befangen waren, auf Grund ihrer kapitalistischen Interes-
sen aber gegen die weltfremde pietistische Schwärmerei auftreten
mußten.
Das Vereinsstatut wurde von den Behörden nicht bestätigt, und der
Verein hörte im Frühjahr 1845 auf zu existieren. 10 21
11 Engels erwähnt hier die von ihm geplante Schrift über die so-
ziale Geschichte Englands, für die er während seines Aufenthalts
in diesem Lande (November 1842-August 1844) Material gesammelt
hatte. Ursprünglich beabsichtigte Engels, in dieser Arbeit die
Lage der englischen Arbeiter in einem gesonderten Kapitel zu be-
handeln. Die Erkenntnis von der besonderen Rolle, die dem Prole-
tariat in der bürgerlichen Gesellschaft zufällt, bewog ihn je-
doch, der Lage der englischen Arbeiterklasse ein selbständiges
Werk ("Die Lage der arbeitenden Klasse in England") zu widmen,
das er nach seiner Rückkehr nach Deutschland im September 1844
bis zum März 1845 niederschrieb. Aus den von Engels im Juli und
August 1845 angefertigten Konspekten sowie aus Briefen des Verle-
gers Leske an Marx vom 14. Mai und 7. Juli 1845 geht hervor, daß
Engels im Frühjahr und Sommer 1845 an dem Buch über die soziale
Geschichte Englands arbeitete. Er gab diese Absicht bis Ende 1847
nicht auf, wovon eine Notiz in der "Deutschen-Brüsseler-Zeitung"
vom 14. November 1847 (Nr. 91) zeugt. Aus einer Reihe von Gründen
gelang es Engels jedoch nicht, die Arbeit an dem Buche zu been-
den. 10 15
12 Eine Broschüre über Friedrich List hat Engels nicht geschrie-
ben. In seiner zweiten Elberfelder Rede (am 15. Februar 1845)
setzt er sich aber mit den Ansichten der deutschen
#621# Anmerkungen
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Anhänger des Protektionismus, in erster Linie mit List, auseinan-
der (siehe Band 2 unserer Ausgabe, S. 549-557). 11
13 Eine ausführliche Analyse des Buches "Der Einzige und sein Ei-
genthum" von Max Stirner und eine Kritik des reaktionären Wesens
seiner philosophischen, ökonomischen und soziologischen Anschau-
ungen gaben Marx und Engels in ihrem Werk "Die deutsche Ideolo-
gie" (siehe Band 3 unserer Ausgabe). 11
14 Hinweis auf die von Ludwig Buhl 1844 herausgegebene einzige
Nummer der "Berliner Monatsschrift", in der eine Rezension von
Kaspar Schmidt (der wirkliche Name von Max Stirner) unter dem Na-
men M. Schmidt über Eugène Sues Roman "Les mystères de Paris" er-
schienen war; der 1842/1843 in Paris in der Zeitschrift "Journal
des Débats" veröffentlichte Roman ist im Geiste sentimentaler und
kleinbürgerlicher sozialer Phantasterei geschrieben. 11 26
15 In der Gesellschaft der "Freien" hatten sich Berliner Schrift-
steller, unter ihnen die Junghegelianer Bruno Bauer, Edgar Bauer,
Eduard Meyen, Ludwig Buhl und Max Stirner, zusammengeschlossen.
Franz Mehring schrieb in seinem Buch "Karl Marx. Geschichte sei-
nes Lebens" treffend, daß sich in dieser Gesellschaft "so ziem-
lich alle vormärzlichen Literaten der preußischen Hauptstadt zu-
sammenfanden, um die politischen und sozialen Revolutionäre in
der Gestalt wildgewordener Philister zu spielen". Siehe auch die
Marxsche Kritik an den "Freien" vom Jahre 1842 im vorliegenden
Band auf den Seiten 406 und 412. Die vom Leben losgelösten und
sich in abstrakten philosophischen Streitereien ergehenden
"Freien" sagten sich 1843/1844 von dem "Radikalismus des Jahres
1842" los, sanken auf die Stufe des subjektiven Vulgäridealismus
hinab und propagierten eine "Theorie", derzufolge nur auserwählte
Persönlichkeiten, Träger des "Geistes" der "reinen Kritik",
Schöpfer der Geschichte seien, während die Masse, das Volk, le-
diglich als träges Material, als Ballast im historischen Prozeß
diene. In ihrem ersten gemeinsamen Werk "Die heilige Familie"
(siehe Band 2 unserer Ausgabe) entlarvten Marx und Engels die
schädlichen, reaktionären Ideen der Junghegelianer, die ihren An-
sichten die Bezeichnung "kritische Kritik" gegeben hatten. 13 17
406 411
16 Mit den Worten "démocratie pacifique" (friedliche Demokratie)
spielt Engels auf die Anschauungen der Epigonen der Schule Fou-
riers an, die in ihrer Zeitung "La Démocratie pacifique" Fouriers
Lehre einen ausgeprägten sektiererisch-dogmatischen Charakter
verliehen. Marx und Engels kritisierten wiederholt den "verwäs-
serten Fourierismus", der in dieser Zeitung gepredigt wurde und
im wesentlichen die Anschauungen bürgerlicher Philanthropen zum
Ausdruck brachte. 13 17 72
17 Engels spricht hier von Moses Heß' Broschüre "Die letzten Phi-
losophen" (erschien 1845 in Darmstadt), die sich gegen Max Stir-
ners Buch "Der Einzige und sein Eigenthum" richtet. In dieser
Broschüre kritisiert Heß Stirners philosophische Anschauungen vom
Standpunkt des "wahren" Sozialismus. 14
18 Das "Deutsche Bürgerbuch für 1845" gab Hermann Püttmann im De-
zember 1844 in Darmstadt heraus. Die allgemeine Richtung des
Jahrbuchs wurde durch die Mitarbeit der Vertreter des "wahren"
Sozialismus bestimmt. Es veröffentlichte jedoch auch Arbeiten von
Vertretern der revolutionär-demokratischen Bewegung, so von Wil-
helm Wolff und Georg Weerth sowie eine von Engels verfaßte Be-
schreibung kommunistischer Ansiedlungen in England und Amerika
(siehe Anm. 7). 14
19 "Gesellschaftsspiegel" - Monatsschrift, die unter der Redak-
tion von Moses Heß 1845 und
#622# Anhang und Register
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1846 in Elberfeld herausgegeben wurde; insgesamt erschienen 12
Hefte. Engels nahm in der ersten Zeit an den Vorbereitungen für
die Herausgabe dieser Zeitschrift teil, trat jedoch nicht in die
Redaktion ein. Marx veröffentlichte im Januar 1846 im "Gesell-
schaftsspiegel" (Bd. II, Heft VII) seinen Artikel "Peuchet: vom
Selbstmord" (vgl. Marx-Engels-Gesamtausgabe, Erste Abteilung,
Band 3, Berlin 1932, S. 391-407). In der Zeitschrift wurden auch
Artikel der "wahren" Sozialisten veröffentlicht. Der "Gesell-
schaftsspiegel" erwarb sich einige Verdienste durch den publi-
zistischen Nachweis der Existenz proletarischen Elends auch in
Deutschland. 15 20
20 "Ein Handwerker" - Unter diesem Pseudonym erschien am 24. Au-
gust, 4. September und 2. Oktober 1844 in der Pariser deutschen
Zeitung "Vorwärts!" der Gedichtzyklus "Lebenslieder" und am 25.
Dezember 1844 der Artikel "Handwerksunterricht". 15
21 Die "Rheinischen Jahrbücher zur gesellschaftlichen Reform"
wurden von Hermann Püttmann herausgegeben. Es erschienen nur zwei
Bände, der erste im August 1845 in Darmstadt, der zweite Ende
1846 in der Buchdruckerei Bellevue in der Nähe von Konstanz an
der deutsch-schweizerischen Grenze. In dem Bestreben, Stützpunkte
für die Propaganda ihrer kommunistischen Anschauungen in Deutsch-
land zu gewinnen, hielten Marx und Engels es für notwendig, die
Zeitschrift für diesen Zweck auszunutzen. Der erste Band enthält
die Reden von Engels auf den Versammlungen in Elberfeld am 8. und
15. Februar 1845 und der zweite Band den Artikel "Das Fest der
Nationen in London" (siehe Band 2 unserer Ausgabe, S. 536-557 und
611-624). Die allgemeine Richtung der Jahrbücher wurde jedoch
durch die beteiligten Vertreter des "wahren" Sozialismus be-
stimmt; im Zusammenhang damit haben Marx und Engels die Jahrbü-
cher in der "Deutschen Ideologie" (siehe Band 3 unserer Ausgabe)
scharf kritisiert.
Die in einer Reihe deutscher Staaten existierenden Pressegesetze
besagten, daß alle Zeitschriften, deren Umfang mehr als 20 Druck-
bogen betrug, von der Vorzensur befreit waren. Die "Rheinischen
Jahrbücher" gehörten zu diesen Zeitschriften; das hinderte jedoch
die Polizei des Großherzogtums Hessen nicht daran, bereits nach
dem Erscheinen des ersten Bandes die "Rheinischen Jahrbücher" zu
verbieten. 15 26
22 "Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe" - Tages-
zeitung, die vom 1. Januar 1842 bis 31. März 1843 in Köln er-
schien. Sie war von Vertretern der rheinischen Bourgeoisie ge-
gründet worden, die dem preußischen Absolutismus gegenüber oppo-
sitionell eingestellt waren. Zur Mitarbeit wurden auch einige
Junghegelianer herangezogen. Ab April 1842 wurde Karl Marx Mitar-
beiter der "Rheinischen Zeitung" und ab Oktober des gleichen Jah-
res ihr Chefredakteur. Die Zeitung veröffentlichte auch eine
Reihe von Artikeln von Friedrich Engels. Unter Marx' Redaktion
begann sie einen immer ausgeprägteren revolutionär-demokratischen
Charakter anzunehmen. Die Richtung der "Rheinischen Zeitung", de-
ren Popularität in Deutschland ständig wuchs, rief Besorgnis und
Unzufriedenheit in Regierungskreisen und eine wütende Hetze der
reaktionären Presse gegen sie hervor. Einem Beschluß des preußi-
schen Staatsministeriums vom 19. Januar 1843 über die Unter-
drückung der "Rheinischen Zeitung" folgte am 21. Januar der
entsprechende Erlaß der drei Zensurminister, mit dem das Er-
scheinen der Zeitung ab 1.April 1843 verboten wurde. 16
23 "Telegraph für Deutschland" - literarische Zeitschrift, ge-
gründet von Karl Gutzkow, erschien von 1838 bis 1848 in Hamburg.
Ende der dreißiger und Anfang der vierziger Jahre vertrat sie die
Anschauungen des Jungen Deutschlands. Von März 1839 bis 1841 ar-
beitete Engels an der Zeitschrift mit. Diese Zeitschrift veröf-
fentlichte in den Nummern 203 und 204 vom Dezember 1844 Arnold
Ruges Aufsatz "An einen Patrioten". 17
#623# Anmerkungen
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24 Marx wurde wegen redaktioneller Mitarbeit an der Zeitung
"Vorwärts!" aus Frankreich ausgewiesen. Unter dem Druck Preußens
verfügte die französische Regierung diese Ausweisung im Januar
1845. Am 3. Februar 1845 übersiedelte Marx von Paris nach Brüs-
sel. 19 433
25 Cabinet noir (Schwarzes Kabinett) - unter Ludwig XIV. in
Frankreich geschaffene Geheimbehörde bei der Post, die der Regie-
rung Einblick in die Privatkorrespondenz der Bürger verschaffte;
bestand auch in Preußen, Österreich und anderen europäischen
Staaten. 22
26 Hinweis auf Fouriers unvollendet gebliebene Arbeit - Section
ébauchée des trois unités externes", die erst nach dessen Tode in
der fourieristischen Zeitschrift "La Phalange" (1845.) veröffent-
licht wurde. In derselben Zeitschrift wurden auch Fouriers Manu-
skripte über die Kosmogonie gedruckt. 24
27 Auf Friedrich Engels' Karikatur sind von links nach rechts
dargestellt: Arnold Ruge, Ludwig Buhl, Karl Nauwerck, Bruno
Bauer, Otto Wigand, Edgar Bauer, Max Stirner, Eduard Meyen, zwei
unbekannte Personen und Karl Friedrich Koppen (als Leutnant).
Bruno Bauer tritt mit Füßen die "Rheinische Zeitung". An der Wand
ist die Guillotine dargestellt und in der linken Ecke ein Eich-
hörnchen (Anspielung auf den preußischen Kultusminister Johann
Albrecht Friedrich Eichhorn). Gegenüber S. 400
28 Der Bericht über die Versammlungen in Elberfeld vom 8. und 15.
Februar 1845, auf denen auch Engels sprach, wurde 1845 im ersten
Band der von Hermann Püttmann herausgegebenen Zeitschrift "Rhei-
nische Jahrbücher zur gesellschaftlichen Reform" (siehe Anm. 21)
veröffentlicht.
Die Kritik der Ansichten Friedrich Lists ist in der zweiten der
"Elberfelder Reden" von Engels enthalten (siehe Band 2 unserer
Ausgabe, S. 549-557). 26
29 preußisches Bankprojekt - gemeint ist die 1846 von der Regie-
rung Friedrich Wilhelms IV. vorgenommene Reorganisation der 1765
gegründeten Königlichen Bank in Berlin, aus welcher die Preußi-
sche Bank hervorging, die jetzt eine unter staatlicher Leitung
stehende Aktiengesellschaft darstellte. Zweck und Ziel dieser Re-
organisation, die durch den Erlaß vom 5. Oktober 1846 untermauert
wurde, bestand darin, zur Deckung der preußischen Staatsschuld
privates Kapital in Höhe von zehn Millionen Talern heranzuziehen
(siehe Friedrich Engels' Aufsatz "Über die Preußische Bank" in
Band 4 unserer Ausgabe, S. 23). 30
30 Engels übersiedelte am 15. August 1846 nach Paris, um dort im
Auftrage des Brüsseler kommunistischen Korrespondenz-Komitees den
wissenschaftlichen Kommunismus unter den Arbeitern - in erster
Linie unter den Mitgliedern der Pariser Gemeinden des Bundes der
Gerechten (siehe Anm. 34 und 42) - zu propagieren und um Mitar-
beiter für ein in Paris zu bildendes Korrespondenz-Komitee zu ge-
winnen. Ein Teil der in Paris lebenden deutschen Handwerker ver-
trat damals den utopischen Arbeiterkommunismus Wilhelm Weitlings.
Einen bedeutenden Einfluß auf sie hatte auch Karl Grün, der auf
Arbeiterversammlungen die Ideen des "wahren" Sozialismus und die
kleinbürgerlichen Utopien Proudhons vertrat. Die Propaganda des
wissenschaftlichen Kommunismus konnte daher nur in beharrlichem
Kampf gegen die utopischen Ideen Weitlings, den Proudhonismus und
den "wahren" Sozialismus erfolgen. Engels' Tätigkeit bewirkte,
daß sich die meisten Mitglieder der Pariser Gemeinden des Bundes
der Gerechten von diesen dem wissenschaftlichen Kommunismus frem-
den Auffassungen abwandten. 32
#624# Anhang und Register
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31 Hinweis auf den Versuch von Marx und Engels, in Westfalen mit
Hilfe dortiger Unternehmer, der "wahren" Sozialisten Julius Meyer
und Rudolph Rempel, die "Deutsche Ideologie" herauszugeben. Die
von Joseph Weydemeyer geführten Verhandlungen begannen im Mai
1846. In einem uns nicht erhaltenen Brief an Rudolph Rempel vom
2. Juli 1846 verurteilten Marx und Engels scharf die Verschlep-
pungsmanöver, die Ausflüchte und Ausreden der westfälischen Kapi-
talisten. Daraufhin lehnten Meyer und Rempel unter dem Vorwand,
daß die Geldmittel fehlten, endgültig ab, den Druck der
"Deutschen Ideologie" zu finanzieren und andere deutsche soziali-
stische Literatur herauszugeben. Die wahre Ursache der Ablehnung
war jedoch, daß Meyer und Rempel selbst Vertreter jener Richtung
waren, gegen die Marx und Engels in ihrer Arbeit auftraten. 32 47
446
32 Es handelt sich hier um die 1846 in Birwinken in der Schweiz
anonym erschienene Broschüre "Die preussischen Landtags-Ab-
schiede. Ein Wort zur Zeit" von Karl Grün. 32 42
33 Karl Grün, "Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien.
Briefe und Studien", Darmstadt 1845. 33
34 Gemeint ist das von Marx und Engels Anfang 1846 in Brüssel ge-
schaffene kommunistische Korrespondenz-Komitee, nach dessen Vor-
bild sozialistische Gruppen in Deutschland, Frankreich, England
und anderen Ländern gebildet werden sollten. Der Zweck der Korre-
spondenz-Komitees, die nach der Absicht von Marx und Engels den
Boden zur Schaffung einer internationalen proletarischen Partei
vorbereiten sollten, war der ideologische und organisatorische
Zusammenschluß der Sozialisten und fortschrittlichen Arbeiter
verschiedener Länder sowie der Kampf gegen die dem Proletariat
fremden Richtungen in der Arbeiterbewegung. Mit der Gründung des
Brüsseler Korrespondenz-Komitees schufen Marx und Engels eine or-
ganisatorische, politische und ideologische Voraussetzung, den
wissenschaftlichen Kommunismus mit dem Vortrupp der Arbeiter-
bewegung zu verschmelzen. Sie bemühten sich in Verbindung mit der
Bildung von Korrespondenz-Komitees in London, Paris und in den
verschiedenen Gebieten Deutschlands, angesehene Sozialisten und
Kommunisten der europäischen Länder zur Mitarbeit in diesen Komi-
tees heranzuziehen. Wie aus einem Brief George Julian Harneys an
Engels vom 30. März 1846 und den Briefen Karl Schappers an Marx
vom 6. Juni und 17. Juli 1846 hervorgeht, wurde in London ein
Korrespondenz-Komitee gebildet, in dem die Führer des linken Flü-
gels der Chartisten sowie Mitglieder des von Schapper geführten
Deutschen Bildungsverein für Arbeiter in London (siehe Anm. 58)
mitarbeiteten. Marx und Engels versuchten, auch Étienne Cabet,
Pierre-Joseph Proudhon und andere französische Sozialisten für
die Mitarbeit zu gewinnen (siehe vorl. Band, S. 442/443). Dieser
Versuch war jedoch nicht von Erfolg gekrönt, wovon ein Brief
Proudhons an Marx vom 17. Mai 1846 zeugt (siehe Anm. 48 und 360).
In Deutschland hielt Wilhelm Wolff die Verbindung mit den schle-
sischen Arbeitern aufrecht; aus Kiel schrieb Georg Weber nach
Brüssel, aus Westfalen Joseph Weydemeyer; in der Rheinprovinz
wurde über Stephan Naut und Gustav Köttgen mit den Elberfelder
Sozialisten ein Briefwechsel geführt, und die Kölner Kommunisten
Roland Daniels, Heinrich Bürgers und Karl d'Ester korrespondier-
ten regelmäßig mit Marx und Engels. 33 442
35 Engels verweist hier auf das erste Kapitel des I. Bandes des
gemeinsam von Marx und Engels verfaßten Werks "Die deutsche Ideo-
logie", das der Kritik an den philosophischen Anschauungen Ludwig
Feuerbachs gewidmet ist (siehe Band 3 unserer Ausgabe). Die Ar-
beit an diesem Kapitel dauerte wahrscheinlich noch in der zweiten
Hälfte des Jahres 1846 an, wurde aber auch dann nicht beendet. 33
#625# Anmerkungen
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36 Anspielung auf den zehnten Artikel von Hugh Dohertys Arti-
kelserie "La question religieuse", der in der Zeitschrift "La
Phalange", Band 4, S. 136-163, veröffentlicht worden war. 34
37 Dem Anfang 1846 von Marx und Engels in Brüssel geschaffenen
kommunistischen Korrespondenz-Komitee (siehe Anm. 34) gehörten
auch Wilhelm Wolff und der belgische Sozialist Philippe Gigot an.
Engels, der sich im Auftrage des Komitees Mitte August 1846 nach
Paris begeben hatte, berichtete dem Komitee regelmäßig in Briefen
an Marx über seine Tätigkeit. Der vorliegende Brief von Engels
ist der erste aus dieser Serie. 36
38 Engels berichtet hier über die Pariser Gemeinden des Bundes
der Gerechten (siehe Anm. 42), deren Leiter damals August Hermann
Ewerbeck war. In diesen Gemeinden war ein großer Teil der in Pa-
ris lebenden deutschen Handwerker organisiert. Die Kerntruppe des
Bundes waren die Schneider, die, wie auch die Gerber und Schrei-
ner, eine besondere Gemeinde bildeten.
Weitlingianer - Anhänger Wilhelm Weitlings, die damals (Mitte
1846) im Bund der Gerechten und überhaupt in der Arbeiterbewegung
bereits eine negative Rolle spielten und die Formierung einer re-
volutionären proletarischen Partei hemmten.
Der Weitlingsche Arbeiterkommunismus - in seiner Zielsetzung re-
volutionär, in seiner ideologischen Begründung und seinem utopi-
schen Inhalt aber noch der bürgerlichen Denkweise verhaftet -
hatte bei der Herausbildung des Bundes der Gerechten eine hervor-
ragende Rolle gespielt. Weitling, eines der einflußreichsten Mit-
glieder des Bundes von etwa 1837 bis 1844, schrieb auch seine
Programmschrift: "Die Menschheit, wie sie ist und wie sie sein
sollte" (1838). Dieses Werk war damals das revolutionärste, theo-
retisch entwickeltste Programm des Kommunismus, es ging einen
Schritt über den bisherigen utopischen Kommunismus hinaus: dieses
Programm wie auch andere Schriften Weitlings und seine Tätigkeit
weckten das Klassenbewußtsein der deutschen Arbeiter und förder-
ten ihre Organisierung.
Mit der Entwicklung der Arbeiterbewegung und besonders dem Ent-
stehen des Marxismus waren die Auffassungen Weitlings aber über-
holt. Der utopische, religiöse und anarchistische, gleichmacheri-
sche Charakter seiner Lehre trat immer stärker hervor und wurde
1845 von der Londoner Leitung des Bundes der Gerechten und im Mai
1846 vom Brüsseler kommunistischen Korrespondenz-Komitee verur-
teilt. Marx und Engels und ihre Freunde traten 1846/1847 beson-
ders deshalb gegen Weitling und die Weitlingianer auf, weil diese
den revolutionären Massenkampf ablehnten, der Spontaneität hul-
digten und gegen die Vorbereitung des Proletariats auf die Revo-
lution auftraten, wobei sie nicht sahen, daß in Deutschland zu-
erst eine bürgerlich-demokratische Revolution auf der Tagesord-
nung stehen mußte. 36 337
39 1846/1847 veröffentlichte Pierre Leroux in der von ihm heraus-
gegebenen Zeitschrift "Revue Sociale" eine Artikelserie "Lettres
sur le fouriérisme". Engels verweist hier auf den dritten und
vierten Artikel dieser Serie ("Saint-Simon et Fourier" und "Le
plagiat de Fourier"), die 1846 in der August- und September-Num-
mer erschienen waren. 36
40 Gemeint ist die Julirevolution 1830 in Frankreich. 37
41 Otto Wigands Schreiben "An Arnold Ruge" ist im ersten Band der
Zeitschrift "Die Epigonen" enthalten. 37
#626# Anhang und Register
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42 Anspielung auf den Bund der Gerechten, der, "halb Propaganda-
verein, halb Verschwörung" (Engels), durch die 1836-1838 erfolgte
Trennung proletarischer Handwerksgesellen vom kleinbürgerlich-de-
mokratischen Bund der Geächteten in Paris entstanden und die er-
ste politische Organisation der deutschen Arbeiter war. Der Bund
der Gerechten besaß ein auf demokratischen Grundsätzen beruhendes
Statut, das jedoch auch den Einfluß der französischen Geheimge-
sellschaften zeigte, und ein selbständiges politisches Programm -
Wilhelm Weitlings Schrift "Die Menschheit, wie sie ist und wie
sie sein sollte" (1838). Dieses Programm war zwar noch utopisch-
kommunistisch, besaß aber eine revolutionäre Zielstellung, übte
scharfe Kritik an den kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen,
forderte - aus moralischen Gründen - die Beseitigung der Ausbeu-
tung des Menschen- durch den Menschen, die Vernichtung des Pri-
vateigentums und die Einführung der kommunistischen Gütergemein-
schaft durch eine große soziale Revolution.
Eine bestimmte Anzahl von Bundesmitgliedern bildete eine Ge-
meinde, die Gemeinden vereinigten sich zum Gau, und die zentrale
Leitung des Bundes wurde durch die Volkshalle ausgeübt. Der Sitz
der Volkshalle war zuerst in Paris, später in London. Bundes-
gemeinden gab es in Deutschland, Frankreich, in der Schweiz und
in England.
In Paris stand der Bund nach Weitlings Weggang (1841) unter der
Leitung von August Hermann Ewerbeck. Die Tätigkeit beschränkte
sich weitgehend auf die Propaganda unter den in Paris lebenden
deutschen Handwerkern, wobei zeitweise die kleinbürgerliche Ideo-
logie wieder einen starken Einfluß ausüben konnte (Proudhon, Karl
Grün u.a.).
Seit 1843/1844 geriet mit der weiteren Entwicklung der Arbeiter-
bewegung Weitlings Lehre in Widerspruch zu den Bedürfnissen der
Arbeiterklasse. Die Entwicklung im Bund der Gerechten, die über
den utopischen Arbeiterkommunismus hinausführte, vollzog sich vor
allem in London, wo die deutschen Arbeiter mit den damals fortge-
schrittensten kapitalistischen Verhältnissen in Berührung kamen.
Unter Führung von Karl Schapper, Heinrich Bauer, Joseph Moll,
Carl Pfänder und Johann Georg Eccarius löste sich der Bund all-
mählich sowohl vom verschwörerischen Charakter als vor allem auch
von der Überbetonung des Mittels der friedlichen Propaganda. Die
allmähliche Annäherung der Führer des Bundes an die Lehre des
wissenschaftlichen Kommunismus führte zum Eintritt von Marx und
Engels in den Bund der Gerechten. Anfang Juni 1847 fand in London
ein Bundeskongreß statt, auf dem der Bund der Gerechten reorgani-
siert und in Bund der Kommunisten (siehe Anm.83) umbenannt wurde.
Uber die Geschichte des Bundes der Gerechten siehe auch Marx'
Streitschrift "Herr Vogt" und Engels' Aufsatz "Zur Geschichte des
Bundes der Kommunisten" (siehe Band 14 unserer Ausgabe, S. 438-
440 und Band 21, S. 206-215). 40 62
43 Mit "Schneiderkommunismus" bezeichnet Engels die Lehre des
utopischen Arbeiterkommunismus Weitlings (siehe Anm. 38). 41
44 Karl Grün, der sich 1846/1847 in Paris befand, propagierte un-
ter den deutschen Arbeitern die kleinbürgerlich-sentimentalen An-
sichten des "wahren" Sozialismus und pries auch in zunehmendem
Maße die kleinbürgerlich-reformatorischen Ideen Proudhons an. Der
seit 1844 in Deutschland propagierte "wahre" Sozialismus war ein
Ausdruck der reaktionären Ideologie des deutschen Kleinbürger-
tums. Die "wahren" Sozialisten lehnten die politische Tätigkeit
und den Kampf für die Demokratie ab. Ihre pseudosozialistischen
Ideen, verbrämt mit "Liebesduselei" und abstraktem "Menschentum"
einerseits und mit Philistertum und politischer Feigheit anderer-
seits, waren besonders im Deutschland der vierziger Jahre des 19.
Jahrhunderts schädlich, ab die Vereinigung der demokratischen
Kräfte im
#627# Anmerkungen
-----
Kampfe gegen Absolutismus und feudalistisches Regime und die
Schaffung einer selbständigen proletarischen Bewegung auf der
Grundlage des revolutionären Klassenkampfes die Hauptaufgaben wa-
ren. Marx und Engels übten seit der zweiten Hälfte des Jahres
1845 und besonders 1846/1847 scharfe Kritik am "wahren" Sozialis-
mus. 41
45 Hinweis auf Pierre-Joseph Proudhons "Systeme des contradicti-
ons économiques, ou Philosophie de la misère", das 1846 in Paris
erschien. 1847 brachte Karl Grün in Darmstadt eine deutsche Über-
setzung des ersten Bandes dieses Buches mit dem Titel
"Philosophie der Staatsökonomie oder Nothwendigkeit des Elends"
heraus. 42 62 65 72 155
46 Mit labour-bazars oder labour-markets sind die Equitable La-
bour-Exchange-Bazars (Basare für gerechten Austausch von Ar-
beitsprodukten) gemeint, die in mehreren Städten Englands von Ar-
beiter-Kooperativgenossenschaften geschaffen wurden; den ersten
Arbeitsbasar gründete Robert Owen im September 1832 in London; er
bestand bis Mitte 1834. Auf diesen Arbeitsbasaren wurden die Ar-
beitsprodukte vermittels eines Arbeitspapiergeldes ausgetauscht,
dessen Einheit die Arbeitsstunde bildete. Diese Unternehmen, die
einen utopischen Versuch darstellten, den geldlosen Austausch un-
ter den Verhältnissen der kapitalistischen Warenwirtschaft zu or-
ganisieren, machten bald bankrott, 42
47 Straubinger - wandernde Handwerksgesellen in Deutschland. Marx
und Engels bezeichneten so die deutschen Handwerker, die sich von
überholten Zunftvorstellungen und Vorurteilen leiten ließen und
sich der reaktionären kleinbürgerlichen Illusion hingaben, daß es
möglich sei, von der kapitalistischen Großindustrie zum kleinen
Handwerk zurückzukehren. 42 48 58 60 65 68 77 97 111 119 151 247
283 351 357 371 378 596
48 Hinweis auf Pierre-Joseph Proudhons Antwortbrief an Marx vom
17. Mai 1846 auf den Vorschlag, sich in den Korrespondenz-Komi-
tees zu betätigen (siehe Anm. 360). Siehe "Correspondance de P.-
J. Proudhon", T. 2, Paris 1875, p. 198-202. 43
49 Engels erhielt durch Karl Ludwig Bernays und Heinrich Börn-
stein falsche Informationen, worauf er später in seinem Brief an
Marx vom 15. Januar 1847 (siehe vorl. Band, S. 73/74) selbst hin-
wies. In der in der "Allgemeinen Zeitung" abgedruckten Notiz ist
von dem zaristischen Spion Jakob Nikolajewitsch Tolstoi die Rede,
nicht aber von dem liberalen Gutsbesitzer Grigori Michailowitsch
Tolstoi, den Marx und Engels in Paris kennengelernt hatten. 43
50 In Nr. 57 (Band 15) des "Journal des Économistes" vom August
1846 wurde die von Th. Fix geschriebene Rezension des Buches
"Unsre Gegenwart und Zukunft" (2 Bde.) von Karl Biedermann veröf-
fentlicht. 45
51 Die Besprechung von Friedrich Engels' Schrift "Die Lage der
arbeitenden Klasse in England" wurde ohne Unterschrift in Nr. 56
des "Journal des Économistes" (Band 14) vom Juli 1846 veröffent-
licht. 46
52 Hinweis auf die von Th. Fix verfaßte Besprechung von Gustav
Julius' Broschüre "Bankwesen. Ein neues Gespenst in Deutschland",
Leipzig 1846, die in Nr. 58 des "Journal des Économistes" vom
September 1846 erschien. 46
53 Hinweis auf Ludwig Feuerbachs Arbeit "Das Wesen der Religion",
die 1846 im ersten Band der Zeitschrift "Die Epigonen" veröffent-
licht wurde. 47
54 Nach dem mißglückten Versuch von Marx und Engels und ihren
Freunden, die "Deutsche Ideologie" mit Hilfe von Rudolph Rempel
und Julius Meyer in Westfalen herauszugeben (siehe Anm. 31), for-
derte Marx durch Joseph Weydemeyer, daß das Manuskript von West-
falen nach Köln an Roland Daniels geschickt wird. 47
#628# Anhang und Register
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55 Engels bezieht sich hier auf den Plan einer Gruppe von Teil-
nehmern der sozialistischen Bewegung in Köln (Heinrich Bürgers,
Karl d'Ester, Moses Heß), der vorsah, einen Verlag für die Veröf-
fentlichung und Verbreitung sozialistischer und kommunistischer
Literatur zu schaffen. Dieser Plan entstand Juni-August 1846,
nachdem der Versuch zur Herausgabe der "Deutschen Ideologie" miß-
glückt war. Zur Finanzierung dieses Verlags, der als Aktienge-
sellschaft gegründet werden sollte, schlug man vor, einige mit
den sozialistischen Ideen sympathisierende Vertreter der deut-
schen Bourgeoisie heranzuziehen. Über diesen Plan., der ebenfalls
nicht verwirklicht werden konnte, siehe auch vorl. Band, S.
53/54. 47
56 Im Juli 1846 wurde in der Zeitschrift "Das Westphälische
Dampfboot" das von Marx und Engels verfaßte "Zirkular gegen
Kriege" (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 3-17) veröffentlicht.
Der Redakteur dieser Zeitschrift, Otto Lüning, ein Vertreter des
"wahren" Sozialismus, unterzog dieses Zirkular jedoch einer ten-
denziösen Umarbeitung, indem er eigene Zusätze einfügte und an
einigen Stellen den Text willkürlich abänderte. Obwohl Lüning
sich bemühte, den prinzipiell parteilichen Kampf mit Hilfe senti-
mentaler Phrasen abzuschwächen, war er doch gezwungen, in einer
Anmerkung anzuerkennen, daß die Veröffentlichung des "Zirkulars
gegen Kriege" auch eine Selbstkritik der Zeitschrift sei. 47
57 Aus Goethes Epigramm "Totalität". 47
58 Engels erwähnt hier die Adresse des Deutschen Bildungsvereins
für Arbeiter in London an die deutschen Proletarier vom September
1846 zur schleswig-holsteinischen Frage (veröffentlicht in Nr.
463 des "Northern Star" vom 26.September 1846). In diesem Schrei-
ben wurde die nationale Frage unterschätzt und die konkrete so-
zial-ökonomische Entwicklung ignoriert.
Der Deutsche Bildungsverein für Arbeiter in London wurde am 7.
Februar 1840 von Karl Schapper, Joseph Moll, Heinrich Bauer und
anderen Mitgliedern des Bundes der Gerechten (siehe Anm. 42) in
der Absicht gegründet, die Arbeiter politisch aufzuklären und un-
ter ihnen sozialistische Ideen zu propagieren. Die führende Rolle
in diesem Verein spielten die Mitglieder des geheimen Bundes der
Gerechten und später die örtlichen Gemeinden des Bundes der Kom-
munisten. In der zweiten Hälfte der vierziger Jahre des 19. Jahr-
hunderts nahm der Arbeiterbildungsverein internationalen Charak-
ter an. Viele Mitglieder des Bundes der Kommunisten, die in der
Folge angesehene Funktionäre der kommunistischen und Arbeiterbe-
wegung wurden, sind aus ihm hervorgegangen. 1847 und 1849/1850
nahmen Marx und Engels an der Tätigkeit des Vereins aktiven An-
teil. Am 17. September 1850 traten Marx, Engels und eine Reihe
ihrer Mitkämpfer aus dem Verein aus, weil er im Kampf zwischen
der von Marx und Engels geführten Mehrheit der Zentralbehörde des
Bundes der Kommunisten und der sektiererischen, zu abenteuer-
lichen Taktiken neigenden Minderheit (Willich-Schapper) für die
letztere Partei ergriff. Ende der fünfziger Jahre begannen Marx
und Engels erneut an der Tätigkeit des Arbeiterbildungsvereins
teilzunehmen. Der Verein wurde 1918 von der englischen Regierung
aufgelöst. 48 326 378
59 Gemeint ist der dänische König Christian VIII., dessen Regie-
rung die nationale Bewegung in Schleswig-Holstein auf jede Weise
unterdrückte. Vor der Revolution von 1848 ging die nationale Be-
wegung unter der deutschen Bevölkerung der Herzogtümer Schleswig
und Holstein nicht über den Rahmen einer gemäßigten liberalen Op-
position hinaus. Sie war in ihren Zielen separatistisch und auf
die Gründung eines weiteren deutschen Kleinstaates im Norden
Deutschlands, eines Satelliten des reaktionären Preußens, gerich-
tet. Während der Revolution 1848/49 änderte sich die Lage. Unter
dem Einfluß der
#629# Anmerkungen
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revolutionären Ereignisse in Deutschland nahm die nationale Bewe-
gung in Schleswig und Holstein den Charakter einer revolutionären
Befreiungsbewegung an. Der Kampf um die Abtrennung Schleswigs und
Holsteins von Dänemark wurde zum wesentlichen Bestandteil des
Kampfes aller fortschrittlichen Kräfte in Deutschland für die na-
tionale Einigung des Landes und wurde von Marx und Engels ent-
schieden unterstützt. 49
60 droit d'aubaine (das Recht des Staates auf erbloses Gut) -
eine im mittelalterlichen Frankreich und in anderen Ländern ver-
breitete feudale Sitte, wonach sich der König das Eigentum eines
verstorbenen Ausländers aneignete, wenn keine Erben vorhanden wa-
ren, 50
61 In Frankreich waren eine Reihe anonymer Pamphlete gegen Roth-
schild erschienen, wovon eines von dem Arbeiter Georges-Maria
Dairnvaell verfaßt worden war (ein anderes Pamphlet gegen Roth-
schild erschien unter seinem Namen). Das Auftreten gegen einen
der größten Finanzmagnaten Frankreichs zeugte von der zunehmenden
politischen Opposition gegen das Regime der Julimonarchie. Die
von Engels erwähnte gegen Rothschild gerichtete Broschüre von
Karl Ludwig Bernays, die 1846 in deutscher Sprache geschrieben
und in der Schweiz gedruckt wurde, konnte nicht aufgefunden
werden. 52
62 Der vorliegende Brief von Engels ist nur als Fragment erhal-
ten. Engels kritisiert hier den Plan zur Gründung eines Verlags
für die Veröffentlichung sozialistischer und kommunistischer Li-
teratur. 53
63 In der von deutschen "wahren" Sozialisten herausgegebenen New-
Yorker Wochenzeitung "Der Volks-Tribun" (in den Nummern 26, 27
und 29 vom 27. Juni, 4. und 18. Juli 1846) wurde der Auszug eines
Briefes von Wilhelm Weitling an Hermann Kriege und eine Reihe von
Erklärungen Krieges und seiner Anhänger veröffentlicht
("Bescheidene Erwiderung", "An unsere Freunde", "Adresse der
deutschen Sozialreformer"); diese enthielten feindselige Angriffe
gegen Marx, Engels und andere Mitglieder des Brüsseler kommuni-
stischen Korrespondenz-Komitees, die im Mai 1846 das lithogra-
phierte "Zirkular gegen Kriege" verbreitet hatten. 58
64 Genfer Revolution - Es handelt sich um den Aufstand in Genf,
der im Oktober 1846 begann. Durch ihn kamen die Vertreter der ra-
dikalen Bourgeoisie an die Macht, was zum Zusammenschluß der
fortschrittlichen Schweizer Kantone im Kampf gegen die Ver-
einigung der reaktionären katholischen Kantone - den Sonderbund -
beitrug. 62
65 portugiesische Konterrevolution - Es handelt sich um die Un-
terdrückung des Volksaufstandes 1846/1847 in Portugal, der gegen
das dortige reaktionäre Regime gerichtet war. Der Aufstand wurde
von dem in Portugal herrschenden Zweig der Coburger Dynastie mit
Unterstützung englischer und spanischer Interventen erbarmungslos
niedergeschlagen. 64
66 Engels erwähnt hier das zweite von Marx geschriebene Zirkular
gegen Hermann Kriege. Bisher ist es nicht geglückt, den Text die-
ses Dokuments aufzufinden. 65
67 Fraternal Democrats (Brüderliche Demokraten) - internationale
demokratische Gesellschaft, die Ende 1845 in London mit dem Ziel
gegründet wurde, enge Verbindungen zwischen den demokratischen
Bewegungen der verschiedenen Länder herzustellen (siehe Friedrich
Engels' Artikel "Das Fest der Nationen in London", Band 2 unserer
Ausgabe, S. 611-624). Hauptbeteiligt waren die Vertreter des lin-
ken Flügels der Chartisten unter Führung von George Julian Harney
sowie revolutionäre deutsche und französische Emigranten, Mit-
glieder des Bundes der Gerechten und ehemalige Mitglieder ver-
schiedener Pariser Geheimgesellschaften. In der Organisation der
Fraternal Democrats waren auch
#630# Anhang und Register
-----
Italiener, Spanier, Polen, Ungarn und andere Nationen vertreten.
Marx und Engels beteiligten sich an der Vorbereitung der am 22.
September 1845 von Demokraten der verschiedenen Nationen abgehal-
tenen Versammlung - die den Grundstein für diese Gesellschaft
legte -, konnten jedoch wegen ihrer Abreise aus London nicht
selbst daran teilnehmen. Sie unterhielten ständigen Kontakt mit
den Fraternal Democrats und waren bestrebt, deren Mitglieder -
besonders den 1847 in den Bund der Kommunisten eingegangenen pro-
letarischen Kern - im Geiste des proletarischen Internationalis-
mus und des wissenschaftlichen Kommunismus zu erziehen sowie über
die Gesellschaft der Fraternal Democrats auf den Chartismus ein-
zuwirken. Theoretisch unreife Ansichten der Mitglieder der Fra-
ternal Democrats wurden von Marx und Engels kritisiert. Die 1847
in Brüssel gegründete Association démocratique, deren Vizepräsi-
dent Marx war, stellte enge Verbindungen zu den Fraternal De-
mocrats her.
Nach der Niederlage der Chartisten im Jahre 1848 ließ die Tätig-
keit der Fraternal Democrats bedeutend nach, und 1859 hörte sie
endgültig auf.
Der erwähnte Brief von Engels an Harney wurde unseres Wissens
bisher noch nicht aufgefunden. 66 85 189 199 206
68 Nachstehende Zeilen sind eine Nachschrift von Engels zu einem
am 2. November 1846 von Karl Ludwig Bernays an Marx gerichteten
Brief. 67
69 Der von Engels erwähnte Brief an Philippe-Charles Gigot konnte
bisher nicht aufgefunden werden. 68
70 In den Tagen vom 30. September bis 2. Oktober 1846 kam es auf
Grund einer bevorstehenden Brotpreiserhöhung in dem Pariser Vor-
ort Saint-Antoine zu Arbeiterunruhen. Die Arbeiter überfielen die
Bäckerläden und errichteten Barrikaden. Es kam zu Zusammenstößen
der Arbeiter mit Truppeneinheiten. 68
71 Hinweis auf die Beziehungen zwischen Marx und Engels einer-
seits und den Führern des Bundes der Gerechten in London (Karl
Schapper, Joseph Moll, Heinrich Bauer) andrerseits, die sich im
November 1846 mit einer Adresse an alle Bundesgemeinden gewandt
hatten. Diese Adresse enthielt neben einer Reihe richtiger Gedan-
ken auch die unklaren und fehlerhaften Ansichten der Führer des
Bundes der Gerechten in grundsätzlichen Fragen und widerspiegel-
ten das unter dem Einfluß Wilhelm Weitlings entstandene Mißtrauen
gegenüber den "Gelehrten" - den Theoretikern, d.h. also gegenüber
der revolutionären Intelligenz. Die Autoren dieses Schriftstücks
glaubten, ein internationaler Kommunistenkongreß, den sie für den
Mai 1847 vorschlugen, sei das einzige Mittel zur Beendigung des
ideologischen Kampfes und der Meinungsverschiedenheiten in der
kommunistischen Bewegung. Da sie diesen Plan ohne Wissen von Marx
und Engels vorgebracht hatten, handelten die Londoner Führer des
Bundes der Gerechten im Widerspruch zum Brüsseler kommunistischen
Korrespondenz-Komitee, um das sich in jener Zeit die Anhänger des
wissenschaftlichen Kommunismus scharten. Marx und Engels waren
der Ansicht, daß der Einberufung eines solchen Kongresses die
Konsolidierung der bestehenden Organisationen der deutschen Kom-
munisten vorausgehen müsse sowie die Festigung ihrer internatio-
nalen Verbindungen, in erster Linie mit den englischen Chartisten
und ihrem linken Flügel unter George Julian Harney, der das Kor-
respondenz-Komitee in England organisierte. Marx und Engels er-
läuterten im Zusammenhang damit unermüdlich die Prinzipien des
wissenschaftlichen Kommunismus und unterzogen die verschiedenen
Systeme des utopischen und kleinbürgerlichen Sozialismus einer
unerbittlichen Kritik. Nachdem sich die Londoner Leitung des Bun-
des der Gerechten von
#631# Anmerkungen
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der Richtigkeit der Ansichten von Marx und Engels überzeugt
hatte, schlug sie ihnen Ende Januar 1847 vor, in den Bund einzu-
treten, an seiner Reorganisation teilzunehmen und auch das Pro-
gramm des Bundes, das auf den Prinzipien des wissenschaftlichen
Kommunismus begründet werden sollte, auszuarbeiten. Marx und En-
gels gaben hierzu ihre Zustimmung. 69
72 Die Adresse des Deutschen Bildungsvereins für Arbeiter in Lon-
don vom März 1845 an Johannes Ronge, den Gründer und Führer der
bürgerlich-oppositionellen Bewegung der Deutschkatholiken ("An
den Apostel Ronge"), zeugte von der theoretischen Unreife der
Führer des Vereins und des Bundes der Gerechten. In dieser
Adresse wurde der Gedanke geäußert, daß die christliche Religion
"gereinigt" und reformiert werden und dann der Sache des Kommu-
nismus dienen könnte. Während jedoch der damalige Leiter der Ge-
meinden des Bundes der Gerechten in der Schweiz, August Becker,
mit Ronges Deutschkatholizismus sympathisierte, grenzten sieh die
Londoner scharf von ihm ab, da sie erkannten, daß diese Art Oppo-
sition in keiner Weise die bestehenden Verhältnisse ändern
"konnte. Die Adresse erschien auszugsweise in "Rheinische Jahrbü-
cher zur gesellschaftlichen Reform", 1845, S. 327/328.
Über das Schreiben des Deutschen Bildungsvereins für Arbeiter in
London an die deutschen Arbeiter über Schleswig-Holstein siehe
vorl. Band, S. 48 und Anm. 58. 70
73 Engels bezieht sich auf die Theorie des englischen utopischen
Sozialisten John Francis Bray über den geldlosen Austausch der
Produkte der Arbeit. Marx kritisiert diese Ansichten Brays in
seiner Schrift "Das Elend der Philosophie" (siehe Band 4 unserer
Ausgabe, S. 98-105). 75
74 Engels zitiert hier aus einer Arie Sarastros in Mozarts Oper
"Die Zauberflote" (Zweiter Aufzug, 12. Auftritt). Die Zeilen sind
bei Engels umgestellt. 75
75 Hinweis auf den II.Band der "Deutschen Ideologie", der der
Kritik des deutschen "wahren" Sozialismus gewidmet ist (siehe
Band 3 unserer Ausgabe, S. 441-530). Engels setzte die Arbeit an
den Abschnitten dieses Bandes bis etwa April 1847 fort; die Er-
gebnisse sind uns in Form des Manuskripts "Die wahren Soziali-
sten" erhalten geblieben (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 248-
290). Nach dem Schluß dieses Manuskripts zu urteilen, ist anzu-
nehmen, daß die Arbeit nicht vollendet wurde. 75
76 Engels' Aufsatz über Karl Grüns Buch "Ueber Göthe vom men-
schlichen Standpunkte" wurde Anfang 1847 geschrieben und bildete
die Grundlage des zweiten Aufsatzes der kritischen Abhandlungen
"Deutscher Sozialismus in Versen und Prosa" (siehe Band 4 unserer
Ausgabe, S. 207-247). Diesen Aufsatz beabsichtigte Engels ur-
sprünglich für den zweiten Band der "Deutschen Ideologie", als
Ergänzung zu den Abschnitten, die der Kritik des "wahren" Sozia-
lismus gewidmet sind, umzuarbeiten. 75
77 Die erwähnte Schrift von Engels ist bisher nicht aufgefunden
worden. 77
78 Es handelt sich um Engels' Abhandlung über die Verfassungs-
frage in Deutschland "Der Status quo in Deutschland" (siehe Band
4 unserer Ausgabe, S. 40-57), die März/April 1847 geschrieben
wurde. Engels schlug vor, diese Arbeit in Deutschland als Bro-
schüre herauszugeben. Wegen der Verhaftung des Verlegers C.G.
Vogler konnte sie jedoch nicht gedruckt werden. (Siehe auch vorl.
Band, S. 82.) 79
79 Communistes matérialistes (materialistische Kommunisten) -
Mitglieder einer gleichnamigen geheimen Verschwörergesellschaft,
die in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts von französi-
schen Arbeitern gegründet wurde. Sie stand unter dem Einfluß der
#632# Anhang und Register
-----
Ideen von Théodore Dézàmy, einem Vertreter der revolutionären und
materialistischen Richtung innerhalb des französischen utopischen
Kommunismus. Im Juli 1847 fand ein Prozeß gegen die Mitglieder
der Gesellschaft der materialistischen Kommunisten statt, der mit
ihrer Verurteilung zu langjährigen Gefängnisstrafen endete. 79
80 Engels bezieht sich hier auf den 1847 erschienenen ersten Band
von Louis Blancs "Histoire de la révolution française". 80 97 110
Es handelt sich um die Karikatur von Engels auf die Thronrede
Friedrich Wilhelms IV. bei der Eröffnung des Vereinigten Landtags
in Berlin am 11. April 1847 (siehe Band 4 unserer Ausgabe, gegen-
über S. 32). Diese Karikatur wurde als besondere Beilage in der
"Deutschen-Brüsseler-Zeitung" vom 6. Mai 1847 gebracht. 82
"Deutsche-Brüsseler-Zeitung" - von deutschen politischen Emigran-
ten in Brüssel gegründetes Blatt, erschien vom 3. Januar 1847 bis
Februar 1848 zweimal wöchentlich. Ursprünglich wurde die Richtung
dieser Zeitung durch ihren Herausgeber und Redakteur Adalbert von
Bornstedt, einen kleinbürgerlichen Demokraten, bestimmt, der ver-
suchte, die verschiedenen Strömungen des radikalen und demokrati-
schen Lagers miteinander zu versöhnen. Die Zeitung wurde jedoch
durch den Einfluß von Marx und Engels und deren Mitkämpfer immer
mehr zu einem Sprachrohr revolutionär-demokratischer und kommu-
nistischer Ideen. Schon seit Ende Februar 1847 verstand es vor
allem Wilhelm Wolff, durch seine Mitarbeit den marxistischen Ein-
fluß in der "Deutschen-Brüsseler-Zeitung" auszubauen. Ab Septem-
ber 1847 wurden Marx und Engels ständige Mitarbeiter und hatten
in den letzten Monaten des Jahres 1847 faktisch die Redaktions-
leitung inne. Unter ihrem Einfluß wurde die Zeitung zum Organ des
sich herausbildenden Bundes der Kommunisten. 82
83 Marx bezieht sich auf die von ihm beabsichtigte Reise zum er-
sten Kongreß des Bundes der Kommunisten, Engels in seinem Brief
vom 14. Januar 1848 auf die Arbeiten zur Gründung der ersten Bun-
desgemeinden in Paris.
Der Bund der Kommunisten (siehe Engels, "Zur Geschichte des Bun-
des der Kommunisten", Band 21 unserer Ausgabe, S.206-224) war die
erste revolutionäre Partei der Arbeiterklasse, und zwar sowohl
ihre erste internationale Organisation und damit der Vorläufer
der I. Internationale, als auch zugleich die erste deutsche Ar-
beiterpartei. Programm und Statut des Bundes, dessen Mitglieder
in der Mehrzahl proletarisierte deutsche Handwerksgesellen waren,
standen auf dem Boden des wissenschaftlichen Kommunismus. Der
Bund der Kommunisten war hervorgegangen aus dem Bund der Gerech-
ten (siehe Anm. 42 und 71) und dem von Marx und Engels geleiteten
Brüsseler kommunistischen Korrespondenz-Komitee (siehe Anm. 34).
Die Gründung des Bundes vollzog sich auf dem ersten Kongreß An-
fang Juni 1847 in London, dem sich Programmdiskussionen anschlös-
sen (siehe Anm. 95), und wurde vom zweiten Kongreß - Ende Novem-
ber/Anfang Dezember 1847 in London (siehe Anm. 104) - abgeschlos-
sen. Im Auftrage des Bundes der Kommunisten schrieben Marx und
Engels das "Manifest der Kommunistischen Partei" (siehe Band 4
unserer Ausgabe) sowie bei Ausbruch der Revolution von 1848 die
17 "Forderungen Kommunistischen Partei in Deutschland" (siehe
Band 5 unserer Ausgabe, S. 3-5). Während der Revolution spielten
die Mitglieder des Bundes der Kommunisten eine große Rolle bei
der beginnenden Formierung einer politischen Massenbewegung des
deutschen Proletariats und im revolutionären Kampf der demokrati-
schen Kräfte zur Weiterführung der Revolution, wobei die "Neue
Rheinische Zeitung" (siehe Anm. 120) das leitende Zentrum bil-
dete. Der Bund bewährte sich in den Revolutionsjahren "dadurch,
daß seine Mitglieder
#633# Anmerkungen
-----
an allen Orten energisch in die Bewegung eingriffen, daß sie in
der Presse, auf den Barrikaden und Schlachtfeldern voranstanden
in den Reihen der allein entschieden revolutionären Klasse des
Proletariats" (Marx/Engels). Ende 1849 und Anfang 1850 wurde der
Bund reorganisiert (siehe die von Marx und Engels verfaßten An-
sprachen der Zentralbehörde vom März und Juni 1850, Band 7 unse-
rer Ausgabe, S. 244-254 und 306-312) und nach der Auseinanderset-
zung mit der Revolutionsspielerei der kleinbürgerlichen Fraktion
Willich-Schapper im September 1850 (vgl. "Sitzung der Zentralbe-
hörde vom 15. September 1850", Band 8 unserer Ausgabe, S. 597-
601) die illegale Zentralbehörde nach Köln verlegt. Der erneute
Aufschwung der propagandistischen und organisatorischen Tätigkeit
des Bundes der Kommunisten im Frühjahr 1851 in Deutschland wurde
durch die im Mai beginnende Verhaftungswelle unterbrochen. Das
Wirken des Bundes schließt faktisch mit dem Kölner Kommunisten-
prozeß Ende 1852 (siehe Marx, "Enthüllungen über den Kommunisten-
Prozeß zu Köln", Band 8 unserer Ausgabe, S. 405-470). Mit dem
Bund der Kommunisten war der Grundstein für die ganze weitere Ge-
schichte der revolutionären Arbeiterbewegung gelegt worden. 82
111 324
84 Ende Juli 1847 fuhr Engels von Paris nach Brüssel, wo er bis
Mitte Oktober blieb und zusammen mit Marx die Ideen des wissen-
schaftlichen Kommunismus in der örtlichen Gemeinde und im Kreis
des Bundes der Kommunisten sowie in den demokratischen und Arbei-
tervereinen propagierte. Den vorliegenden Brief schrieb Engels
nach Holland, wo Marx sich bei seinen Verwandten zwecks Regelung
finanzieller Angelegenheiten aufhielt. 84
85 Der Deutsche Arbeiterverein wurde von Marx und Engels Ende Au-
gust 1847 in Brüssel mit dem Ziel gegründet, die in Belgien le-
benden deutschen Arbeiter politisch aufzuklären und mit den Ideen
des wissenschaftlichen Kommunismus bekannt zu machen. Unter der
Leitung von Marx und Engels sowie deren Kampfgefährten entwic-
kelte sich der Verein zu einem legalen Zentrum der deutschen re-
volutionären Arbeiter. Er stand in direkter Verbindung mit den
flämischen und wallonischen Arbeitervereinen. Seine fortschritt-
lichen Mitglieder traten der Brüsseler Gemeinde des Bundes der
Kommunisten bei. Der Verein spielte eine hervorragende Rolle bei
der Gründung der Brüsseler Demokratischen Gesellschaft (siehe
Anm. 86). Bald nach der Februarrevolution 1848 in Frankreich, als
die belgische Polizei die meisten Mitglieder des Deutschen Arbei-
tervereins verhaftete und auswies, stellte der Verein seine Tä-
tigkeit ein. 84 470
86 Auf dem hier erwähnten internationalen Bankett der Demokraten
in Brüssel vom 27. September 1847 wurde beschlossen, die Demokra-
tische Gesellschaft zu gründen. In die vorbereitende Kommission
wurde auch Engels gewählt.
Die Demokratische Gesellschaft (Association démocratique) verei-
nigte in ihren Reihen proletarische Revolutionäre, hauptsächlich
aus Kreisen der deutschen revolutionären Emigranten, sowie fort-
schrittliche bürgerliche und kleinbürgerliche Demokraten. Marx
und Engels waren an der Gründung der Gesellschaft aktiv betei-
ligt. Am 15. November 1847 wurde Marx zu ihrem Vizepräsidenten
gewählt, während der belgische Demokrat Lucien Jottrand zum Prä-
sidenten berufen wurde. Dank dem Einfluß von Marx entwickelte
sich die Brüsseler Demokratische Gesellschaft zu einem der bedeu-
tendsten Zentren der internationalen demokratischen Bewegung.
Während der Februarrevolution in Frankreich wirkte der proletari-
sche Flügel der Brüsseler Demokratischen Gesellschaft für die Be-
waffnung der belgischen Arbeiter und trat für einen breiten Kampf
um die demokratische Republik ein. Als jedoch Anfang März 1848
Marx aus Brüssel ausgewiesen
#634# Anhang und Register
-----
wurde und die belgischen Behörden die revolutionärsten Elemente
der Gesellschaft verfolgten, verstanden es die belgischen bürger-
lichen Demokraten nicht, die antimonarchistische Bewegung der
Werktätigen anzuführen. Die Demokratische Gesellschaft übte da-
nach nur noch eine beschränkte, rein örtliche Tätigkeit aus und
hörte bereits 1849 auf zu wirken. 85 469 470
87 anniversaire da Ier vendémiaire an I de la république (Jahres-
tag des 1. Vendémiaire des Jahres I der Republik) - d.h. der 22.
September 1792, der Tag, an dem der neue republikanische Kalender
in Frankreich in Kraft trat. 86
88 Gemeint ist das von Sebastian Seiler in Brüssel gegründete
Korrespondenzbüro. In diesem Büro arbeitete auch Wilhelm Wolff.
87 97
89 Georg Weerth, Freund und Mitkämpfer von Marx und Engels,
sprach am 18. September 1847 auf dem internationalen Kongreß der
Ökonomen über die Frage des Freihandels. Die Rede ist abgedruckt
in Georg Weerth, Sämtliche Werke in fünf Bänden, Bd. 2, Berlin
1956, S. 128-133. Der Kongreß fand vom 16. bis 18.September 1847
in Brüssel statt. Einen ausführlichen Bericht über den Kongreß
gibt Engels in seinem Artikel "Der Freihandelskongreß in Brüssel"
(siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 299-308). Karl Marx, der auf
dem Freihandelskongreß ebenfalls sprechen wollte, dem aber das
Wort nicht erteilt wurde, hielt seine Rede am 9. Januar 1848 vor
der Demokratischen Gesellschaft zu Brüssel (siehe Band 4 unserer
Ausgabe, S. 444-458). 87
90 Laut Vereinbarung mit Adalbert von Bornstedt waren Marx und
Engels ab September 1847 ständige Mitarbeiter an der "Deutschen-
Brüsseler-Zeitung". In den letzten Monaten des Jahres 1847 wurde
die Zeitung zum Organ des Bundes der Kommunisten. 88
91 Engels bezieht sich auf eine Sitzung der Brüsseler Gemeinde
des Bundes der Kommunisten, die am 5. August 1847 auf der Basis
des kommunistischen Korrespondenz-Komitees gegründet worden war.
Zum Vorsitzenden der Gemeinde war Marx gewählt worden. 91
92 Der preußische Vereinigte Landtag wurde am 11.April 1847 in
Berlin eröffnet. Da der Landtag sich für die Bewilligung einer
Staatsanleihe an die preußische Regierung nicht kompetent er-
klärte, wurde er von König Friedrich Wilhelm IV. im Juni dessel-
ben Jahres nach Hause geschickt. 94
93 Auf dem Kongreß der Ökonomen in Brüssel vom 16. bis 18. Sep-
tember 1847 beabsichtigte Marx, eine Rede zur Frage des Freihan-
dels zu halten. Marx erhielt jedoch nicht das Wort und arbeitete
nach dem Kongreß seine nicht gehaltene Rede für die Presse um;
sie wurde in der belgischen Zeitung "Atelier démocratique" vom
29. September 1847 veröffentlicht. Der Anfang der Rede wurde 1848
in der Übersetzung von Joseph Weydemeyer unter dem Titel "Die
Schutzzöllner, die Freihandelsmänner und die arbeitende Klasse"
veröffentlicht (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 296-298). Marx'
Rede wird ferner in Engels' Artikel "Der Freihandelskongreß in
Brüssel" (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 305-308) auszugsweise
wiedergegeben. 94
94 Affäre Praslin - Im August 1847 ermordete Praslin, duc de
Choiseul, Pair von Frankreich, seine Frau. Dieses Verbrechen rief
die Empörung großer Kreise der französischen Bevölkerung hervor.
95
95 Nach dem ersten Kongreß des Bundes der Kommunisten (siehe Anm.
83), auf dem grundsätzliche Programmfragen diskutiert wurden,
sandte die Londoner Zentralbehörde des
#635# Anmerkungen
-----
Bundes der Kommunisten (Karl Schapper, Heinrich Bauer und Joseph
Moll) den Entwurf eines "Kommunistischen Glaubensbekenntnisses"
an die Kreise und Gemeinden des Bundes. Dieses Dokument, das von
den Einflüssen des utopischen Sozialismus immer noch nicht voll-
kommen frei war, konnte Marx und Engels nicht zufriedenstellen,
ebenso nicht der "gottvoll verbesserte" Entwurf, der in Paris von
dem "wahren" Sozialisten Moses Heß angefertigt worden war. Auf
der Sitzung der Pariser Kreisbehörde des Bundes der Kommunisten
am 22. Oktober 1847 kritisierte Engels den Entwurf sehr eingehend
und scharf und erhielt den Auftrag, einen neuen auszuarbeiten.
Dieser bald darauf verfaßte Entwurf waren die "Grundsätze des
Kommunismus" (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 361-380 sowie
vorl. Band, S. 107). 98
96 Stephan Born, Mitglied des Bundes der Kommunisten, kam Ende
Oktober 1847 in Brüssel an und besuchte Marx, nahm jedoch nicht
am zweiten Kongreß des Bundes der Kommunisten in London teil,
sondern vertrat Marx am 29. November 1847 als Referent des
Brüsseler Deutschen Arbeitervereins auf der internationalen Po-
lenfeier in Brüssel. 98
97 Anspielung auf Karl Heinzens Artikel "Ein 'Repräsentant' der
Kommunisten" in der "Deutschen-Brüsseler-Zeitung" Nr. 84 vom 21.
Oktober 1847, der als Antwort auf den von Engels in der gleichen
Zeitung erschienenen polemischen Aufsatz "Die Kommunisten und
Karl Heinzen" (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 309-324) veröf-
fentlicht worden war. Ende Oktober 1847 schrieb Marx für die
"Deutsche-Brüsseler-Zeitung" die Arbeit "Die moralisierende Kri-
tik und die kritisierende Moral. Beitrag zur Deutschen Kultur-
geschichte. Gegen Karl Heinzen" (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S.
331-359). 98
98 Am 23. Oktober 1847 veröffentlichte "The Northern Star" einen
Artikel des Führers des linken Flügels der Chartisten Feargus
O'Connor gegen sechs englische radikale Blätter, die gegen ihn
einen Verleumdungsfeldzug führten. Siehe hierüber Engels' Artikel
"Das Agrarprogramm der Chartisten" (Band 4 unserer Ausgabe, S.
381-383). 98
99 Die "Deutsche-Brüsseler-Zeitung" brachte in den Monaten Ok-
tober und November 1847 die Artikelserie "Die Folgen einer Revo-
lution des Proletariats" von Moses Heß. 99
100 libre-échange-Artikel - es handelt sich hier um Engels' Ver-
such, in der "Réforme" den Text der Rede zu veröffentlichen, die
Marx auf dem internationalen Kongreß der Ökonomen (Freihan-
delskongreß) in Brüssel zu halten beabsichtigte (siehe Anm. 93
sowie Band 4 unserer Ausgabe, S. 296-298 und 305 -308). 100
101 Gemeint sind die Delegiertenwahlen des Pariser Kreises des
Bundes der Kommunisten für den zweiten Kongreß des Bundes (siehe
Anm. 104). 101
102 Über das Bankett in Lille und über die antidemokratische Hal-
tung der Vertreter der Liberalen und der Partei des "National"
auf diesem Bankett siehe den Aufsatz von Engels über die Reform-
bewegung in Frankreich "Spaltung innerhalb des Lagers - Die
'Réforme' und der 'National' - Vormarsch der Demokratie" (siehe
Band 4 unserer Ausgabe, S. 409-412). 101
' Polenanniüersaire - Jahrestag der polnischen Revolution von
1830.
Am 29. November 1847 fand in London zu Ehren dieses Jahrestags
ein von den Fraternal Democrats (siehe Anm. 67) organisiertes in-
ternationales Meeting statt. Marx überreichte den Fraternal De-
mocrats eine Adresse der Brüsseler Demokratischen Gesellschaft
(siehe Anm. 86), die das Bestreben zum Ausdruck brachte, noch en-
gere Beziehungen zwischen beiden Organisationen herzustellen. Auf
dem Meeting sprachen Marx und Engels über Polen (siehe Band 4 un-
serer Ausgabe, S. 416-418). 102
#636# Anhang und Register
-----
104 Es handelt sich um den zweiten Kongreß des Bundes der Kommu-
nisten, der vom 29. November bis 8. Dezember 1847 in London
stattfand. Marx und Engels nahmen an diesem Kongreß teil und ver-
teidigten in mehrtägigen Diskussionen die Prinzipien des wissen-
schaftlichen Kommunismus, die der Kongreß einstimmig billigte.
Der zweite Kongreß beschloß auch endgültig das Statut des Bundes
der Kommunisten, das erste marxistische, auf den Prinzipien des
demokratischen Zentralismus beruhende Statut in der Geschichte
der Arbeiterbewegung (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 596-601).
Im Auftrage des zweiten Kongresses schrieben Marx und Engels dann
das Parteiprogramm, das "Manifest der Kommunistischen Partei"
(siehe Band 4 unserer Ausgabe), das im Februar 1848 in London
veröffentlicht wurde. 104
105 Engels verweist auf den Kongreß der Ökonomen in Brüssel, auf
dem Georg Weerth sprach (siehe Anm. 89). 108
106 Engels bezieht sich auf den zweiten Band von Jules Michelets
"Histoire de la révolution française", der 1847 in Paris er-
schien. 110
107 Gemeint sind die ständischen Ausschüsse der Provinzialland-
tage, die, von den Provinziallandtagen aus ihrer Mitte (nach
Ständen) gewählt, ein gemeinsames beratendes Organ, die
"Vereinigten Ausschüsse" bildeten. Der von Engels erwähnte Arti-
kel wurde nicht aufgefunden. 111
108 Am 1-9. Januar 1848 erschien in "La Réforme" eine nicht un-
terzeichnete Notiz, in der über die von Marx am 9. Januar in der
Demokratischen Gesellschaft zu Brüssel gehaltene Rede über den
Freihandel (siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 444-458) Mitteilung
gemacht wird.
Mit Chartistengeschichten meint Engels seine unter dem Titel
"Mouvement chartiste" am 10. und 19.Januar 1848 in "La Réforme"
erschienene Korrespondenz (siehe Marx-Engels-Gesamtausgabe, Erste
Abteilung, Band 6, S. 576-582), in der er die in "The Northern
Star" veröffentlichte Adresse der "Fraternal Democrats" (siehe
Anm. 67) an die Arbeiter Großbritanniens und Irlands und den Be-
richt von einem Meeting der Chartisten wiedergibt. 113
109 Ende Januar 1848 wurde Engels wegen seiner revolutionären Tä-
tigkeit unter den Pariser Arbeitern aus Frankreich ausgewiesen
und kehrte nach Brüssel zurück. 115
110 Am 3. März 1848 erhielt Marx die königliche Verfügung, Bel-
gien innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. In der Nacht zum 4.
März, während sich Marx auf die Abreise vorbereitete, drang Poli-
zei in seine Wohnung in Brüssel ein und verhaftete ihn. Am 4.
März wurde auch seine Frau verhaftet. Nach 18stündiger Haft wur-
den Marx und seine Familie gezwungen, Belgien unverzüglich zu
verlassen; auf Einladung Ferdinand Flocons, Mitglied der proviso-
rischen Regierung der Französischen Republik, begab sich Marx
nach Paris. 115
111 Am 3. März 1848 fand in Köln vor dem Rathaus als erste große
revolutionäre politische Massenkundgebung der deutschen Arbeiter
in der Revolution eine Versammlung von ca. 5000 Arbeitern und
proletarisierten Handwerkern statt. Sie war von der Kölner Ge-
meinde des Bundes der Kommunisten (siehe Anm. 112) vorbereitet
worden. Die "Forderungen des Volkes", die von Mitgliedern des
Bundes ausgearbeitet worden waren und als Petition der Massende-
monstration durch Andreas Gottschalk, August Willich und Fried-
rich Anneke vor dem Kölner Stadtrat vertreten wurden, beinhalte-
ten: Gesetzgebung und Verwaltung durch das Volk und allgemeines
Wahlrecht, unbedingte Rede-, Presse-
#637# Anmerkungen
-----
und Versammlungsfreiheit, Volksbewaffnung, Schutz der Arbeit und
Erziehung aller Kinder auf Staatskosten. Die Demonstration wurde
durch Truppen brutal auseinandergejagt, die drei Führer der De-
monstration wurden verhaftet und vor Gericht gestellt, fielen je-
doch am 21. März unter die allgemeine Amnestie.
Die Demonstration vom 3. März erlangte Bedeutung weit über Köln
hinaus: Sie eröffnete die Revolutionskämpfe in Preußen. Zum er-
sten Mal traten Arbeiter selbständig mit revolutionär-demokrati-
schen Forderungen hervor und bekundeten, daß sie nicht gewillt
waren, sich von der gemäßigten und kompromißlerischen Bourgeoisie
abwiegeln zu lassen. 115
112 In Köln bestand bereits vor der Märzrevolution 1848 eine Ge-
meinde des Bundes der Kommunisten, der Heinrich Bürgers, Roland
Daniels, Karl d'Ester ("alte Freunde" von Marx und Engels) sowie
Friedrich Anneke, Andreas Gottschalk, August Willich und andere
angehörten. Ein bedeutender Teil der neuen Mitglieder stand unter
dem Einfluß der "wahren" Sozialisten und lehnte die Taktik von
Marx und Engels für die Teilnahme des Proletariats an der bürger-
lich-demokratischen Revolution ab. 116
113 Im Jahre 1797 entstand in den von den Armeen der Französi-
schen Republik eroberten linksrheinischen Gebieten eine Bewegung
zur Schaffung einer rheinischen Republik. Die Teilnehmer an die-
ser Bewegung, Republikaner aus einer Reihe rheinischer Städte
(darunter Köln), strebten danach, die feudalen Verhältnisse in
den linksrheinischen Gebieten zu beseitigen und bürgerlich-demo-
kratische Reformen durchzusetzen. Die Grenze dieser Bewegung be-
stand jedoch darin, daß sie als einzigen Weg zur Verwirklichung
ihrer fortschrittlichen Ziele die endgültige Abtrennung der
linksrheinischen Gebiete vom Reichsverband sahen und aus dem
gleichen Grunde sogar die französischen Annexionsbestrebungen un-
terstützten. Mit Zustimmung des Oberkommandierenden der französi-
schen Armee, des Generals Hoche, wurde im September 1797 der Plan
gefaßt, eine linksrheinische Republik (Cisrhenanische Republik),
nach dem Muster der Batavischen Republik (Niederlande) und der
Cisalpinischen Republik, zu schaffen.
Die stärker werdende aggressive Tendenz in der Außenpolitik des
Direktoriums verhinderte jedoch die Verwirklichung dieses Planes.
Im Oktober 1797 wurde der Friede von Campo Formio unterzeichnet,
dessen Geheimartikel Frankreich das linke Rheinufer zugestand.
116
114 Das Mitglied des Bundes der Kommunisten Victor Tedesco sowie
eine Reihe anderer belgischer Demokraten wurden Ende Februar 1848
als Teilnehmer an der republikanischen Bewegung in Belgien, die
unter dem Einfluß der bürgerlich-demokratischen Februarrevolution
in Frankreich entstanden war, verhaftet. 116
115 Marx unterrichtet Engels über die Bildung der Zentralbehörde
des Bundes der Kommunisten in Paris. Sofort nach Ausbruch der Fe-
bruarrevolution in Frankreich wurde die Leitung des Bundes von
der Zentralbehörde in London an die von Marx geleitete Brüsseler
Kreisbehörde übertragen. Am 3. März wurde Marx aus Brüssel ausge-
wiesen und übersiedelte nach Paris (siehe Anm. 110). Gleichzeitig
wurde Paris Sitz der neuen Zentralbehörde, in die auch Engels ge-
wählt wurde. Die Zentralbehörde organisierte die Rückkehr einiger
hundert deutscher Arbeiter, darunter vieler Mitglieder des Bundes
der Kommunisten (vgl. auch Anm. 447), zur Teilnahme an der begin-
nenden deutschen Revolution. Mit den 17 "Forderungen der Kommuni-
stischen Partei in Deutschland" (siehe Band 5 unserer Ausgabe, S.
3-5), die Marx und Engels in der zweiten Märzhälfte ausarbeiteten
und die von der neuen Zentralbehörde unterzeichnet wurden,
schufen die Kommunisten
#638# Anhang und Register
-----
ein eigenes politisches Programm der deutschen Arbeiterklasse für
die bürgerlich-demokratische Revolution. 118
116 Nach der Februarrevolution 1848 wurde in Paris die Deutsche
demokratische Gesellschaft gegründet, an deren Spitze die klein-
bürgerlichen Demokraten Georg Herwegh und Adalbert von Bornstedt
standen. Ihr Plan war, mit Hilfe einer in Frankreich zu schaffen-
den bewaffneten Legion deutscher Emigranten die Revolution nach
Deutschland hineinzutragen und eine republikanische Ordnung zu
errichten. Marx und Engels traten entschieden gegen dieses aben-
teuerliche Unternehmen auf. Nach dem Grenzübergang wurde die Le-
gion Herweghs im April 1848 auf badischem Gebiet durch die Trup-
pen süddeutscher Staaten zerschlagen.
Die schwarzrotgoldenen Farben waren zum Symbol der bürgerlich-de-
mokratischen Einigungsbewegung in Deutschland geworden, wobei
sich jedoch selbst die fortgeschrittenen kleinbürgerlichen Kräfte
darauf beschränkten, einen föderativen Bundesstaat nach schweize-
rischem Muster zu fordern (Offenburger Programm vom September
1847). Die überkommene feudale Kleinstaaterei wäre damit erhalten
geblieben. 119 479 604
117 Die offizielle Brüsseler Zeitung "Le Moniteur Belge" veröf-
fentlichte am 12. März 1848 eine tendenziöse Notiz über die Aus-
weisung von Marx aus Belgien (siehe Anm. 110), in der die Tatsa-
che böswillig verfälscht und die ungesetzlichen Maßnahmen der
belgischen Behörden zu rechtfertigen versucht wurden. Eine Wider-
legung dieser Notiz brachte die belgische demokratische Zeitung
"Le Débat social" am 19. März 1848. 121
118 Engels traf aus Brüssel kommend etwa am 2I.März 1848 in Paris
ein. 122
119 Anfang April 1848 kehrten Marx und Engels aus der Emigration
nach Deutschland zurück, um an der begonnenen Revolution teilzu-
nehmen. Am 11. April trafen Marx und Engels in Köln ein und gin-
gen sofort an die Vorbereitung der Herausgabe einer großen poli-
tischen Tageszeitung - der "Neuen Rheinischen Zeitung", die das
lenkende und leitende Organ für die Mitglieder des Bundes der
Kommunisten wurde. Etwa am 15. April reiste Engels nach Barmen,
Elberfeld und anderen Städten der Rheinprovinz, um Aktien der
Zeitung abzusetzen und neue Gemeinden des Bundes der Kommunisten
ins Leben zu rufen. Marx und Engels unternahmen bei ihrer Rück-
kehr nach Deutschland sofort große Anstrengungen zur Organisie-
rung der Arbeiterklasse, aber unter den damaligen Bedingungen ge-
lang es nicht, eine selbständige politische Massenorganisation
der Arbeiter zu bilden, auf die sich Marx und Engels hätten stüt-
zen können. Sie hielten es daher für notwendig, auf dem äußersten
linken, dem faktisch proletarischen Flügel der demokratischen Be-
wegung aufzutreten. Sie traten der Demokratischen Gesellschaft in
Köln bei und empfahlen ihren Anhängern, sich demokratischen Orga-
nisationen anzuschließen, um in ihnen die Positionen des revolu-
tionären Proletariats zu verteidigen, die Inkonsequenz und die
Schwankungen der kleinbürgerlichen Demokraten zu kritisieren und
sie zu entschlossenen Handlungen zu drängen. Gleichzeitig lenkten
Marx und Engels die Aufmerksamkeit ihrer Anhänger auf die Grün-
dung von Arbeitervereinen, auf die Notwendigkeit der politischen
Erziehung des Proletariats und der Schaffung von Voraussetzungen
zur Bildung einer proletarischen Massenpartei. 124 481
120 Gemeint sind die Aktien der "Neuen Rheinischen Zeitung", die
Marx und Engels und ihre Anhänger im April/Mai 1848 in verschie-
denen Städten Deutschlands absetzten.
"Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie" - Tageszeitung,
die unter der Redaktion von Karl Marx vom 1. Juni 1848 bis zum
19. Mai 1849 in Köln herausgegeben wurde. Zur Redaktion gehörten
Friedrich Engels, Wilhelm Wolff, Georg Weerth, Ernst Dronke,
#639# Anmerkungen
-----
Ferdinand Wolff, Heinrich Bürgers und ab Oktober 1848 Ferdinand
Freiligrath - durchweg Mitglieder und Funktionäre des Bundes der
Kommunisten. Die Zeitung wurde geschaffen, um im Rahmen der brei-
ten demokratischen Bewegung jederzeit eine selbständige Position,
eine "eigene unterschiedliche Stellung und sogar Organisation"
(Engels) der Kommunisten zu gewährleisten. Unter den neuen Bedin-
gungen des Klassenkampfes, nach der Eroberung bürgerlich-demokra-
tischer Rechte in den Märztagen, bot die "Neue Rheinische Zei-
tung" die Möglichkeit, die politischen Ansichten und Ziele des
Bundes der Kommunisten in aller Öffentlichkeit zu vertreten und
"das Ohr der Arbeiterklasse" zu gewinnen (Engels). Eine politi-
sche Tageszeitung war außerdem das einzig brauchbare Mittel, um
den in den verschiedenen Teilen Deutschlands weitgehend selbstän-
dig handelnden Bundesmitgliedern eine wirksame Anleitung zu ge-
ben. Der Redaktion der Zeitung fielen jetzt faktisch die Aufgaben
der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten zu.
Die politische Grundlage der "Neuen Rheinischen Zeitung" war das
selbständige proletarische Programm für die demokratische Revolu-
tion in Deutschland, das Karl Marx, Karl Schapper, Heinrich
Bauer, Friedrich Engels, Joseph Moll und Wilhelm Wolff in den 17
"Forderungen der Kommunistischen Partei" (siehe Band 5 unserer
Ausgabe, S. 3-5) entwickelt hatten. Die wegweisenden Leitartikel
zu den wichtigsten Fragen der deutschen und europäischen Revolu-
tion wurden in der Regel von Marx und Engels verfaßt. Die "Neue
Rheinische Zeitung" war "das beste, unübertroffene Organ des
revolutionären Proletariats" (W.I. Lenin).
Die entschlossene und unversöhnliche Haltung der "Neuen Rheini-
schen Zeitung", ihr kämpferischer Internationalismus und ihre ge-
gen die preußische Regierung und gegen die örtlichen Kölner Be-
hörden gerichteten Enthüllungen riefen bereits in den ersten Mo-
naten ihres Erscheinens den wütenden Haß der feudal-monarchisti-
schen und bürgerlichliberalen Presse und Verfolgungen durch die
preußische Regierung hervor. Aus Anlaß der September-Ereignisse
in Köln verhängten die Militärbehörden am 26. September 1848 den
Belagerungszustand und verboten das Erscheinen der demokratischen
Zeitungen, darunter vor allem der "Neuen Rheinischen Zeitung".
Engels, Dronke, W. Wolff und F. Wolff mußten zeitweilig Köln ver-
lassen (siehe Anm. 393). Am 12. Oktober begann die "Neue Rheini-
sche Zeitung" wieder zu erscheinen. Im Mai 1849, als die Konter-
revolution allgemein zum Angriff überging, erließ die preußische
Regierung, die Marx bereits die Wiedereinbürgerung verweigert
hatte, den Befehl, ihn aus Preußen auszuweisen. Seine Ausweisung
und die Repressalien gegen die anderen Redakteure der "Neuen
Rheinischen Zeitung" zwangen die Redaktion, das Erscheinen des
Blattes einzustellen. Die letzte Nummer der "Neuen Rheinischen
Zeitung" (Nr. 301 vom 19. Mai 1849) erschien in rotem Druck. In
ihrem Abschiedsaufruf an die Arbeiter Kölns erklärten die Redak-
teure: "Ihr letztes Wort wird überall und immer sein: Emanzipa-
tion der arbeitenden Klasse!"
Zur Geschichte der "Neuen Rheinischen Zeitung" vgl. auch Engels'
Aufsatz "Marx und die 'Neue Rheinische Zeitung'", Band 21 unserer
Ausgabe, S. 16-24. 124
121 Es handelt sich um einen Prospekt über die "Neue Rheinische
Zeitung", der bisher nicht aufgefunden wurde. 124
122 Engels bezieht sich hier auf die Versammlung der Aktionäre
der "Neuen Rheinischen Zeitung", die vor Beginn des Erscheinens
der Zeitung, im Mai 1848, in Köln stattfinden sollte. Die Aktio-
näre aus anderen Städten, die auf dieser Versammlung nicht per-
sönlich
#640# Anhang und Register
-----
anwesend sein konnten, schickten Vollmachten auf den Namen der
Redakteure der Zeitung oder auf andere Personen in Köln. 127
123 Ende September 1848 verließ Engels wegen drohender Verhaftung
Köln (siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 499/500). Er emigrierte
nach Belgien; dort verhaftete ihn die Brüsseler Polizei am 4. Ok-
tober und wies ihn aus Belgien aus. Einen Tag später traf Engels
in Paris ein, und nach kurzem Aufenthalt begab er sich zu Fuß in
die Schweiz, wo er Ende Oktober 1848 eintraf (siehe Band 5 unse-
rer Ausgabe, S. 463 -480). Nachdem er einige Tage in Genf ver-
bracht hatte, übersiedelte er nach Lausanne und dann nach Bern,
wo er sich bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland Mitte Januar
1849 aufhielt. 128
124 Die Herausgabe der "Neuen Rheinischen Zeitung" und einer
Reihe anderer demokratischer Zeitungen wurde am 26. September
1848 für eine kurze Zeit verboten. Die Kölner Militärbehörden,
vom Aufschwung der revolutionär-demokratischen Bewegung in Köln
erschreckt, verhängten über die Stadt den Belagerungszustand. Ge-
gen Marx, Engels und andere Redakteure der "Neuen Rheinischen
Zeitung" wurde wegen ihrer Teilnahme an den Volksversammlungen in
Köln eine Reihe gerichtlicher Verfahren eingeleitet. Nach der
Aufhebung des Belagerungszustandes im Oktober 1848 ging Marx,
nach Überwindung großer finanzieller und organisatorischer
Schwierigkeiten, von neuem an die Herausgabe der Zeitung. Er in-
vestierte alle seine persönlichen Mittel in die Zeitung, um die
Schulden zu begleichen und die Kosten der Zeitung zu decken
(siehe vorl. Band, S. 607/608). 128
125 Im August-September 1848 unternahm Marx eine Reise nach Ber-
lin und Wien mit dem Ziel, Mittel für das weitere Erscheinen der
"Neuen Rheinischen Zeitung" zu erlangen. Nach Verhandlungen mit
polnischen Demokraten erhielt Marx von Wladislav Koácielski zwei-
tausend Taler. 129
126 Anfang Juli 1848 wurde gegen Marx wegen der Veröffentlichung
des Artikels "Verhaftungen" in der "Neuen Rheinischen Zeitung"
(siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 166 bis 168) ein Gerichtsver-
fahren eingeleitet. Anfang Oktober 1848 begann der Kölner
Prokurator eine gerichtliche Untersuchung gegen Marx, Engels und
andere Redakteure der "Neuen Rheinischen Zeitung" wegen der Ver-
öffentlichung der anonymen Feuilletons "Leben und Taten des be-
rühmten Ritters Schnapphahnski", deren Verfasser Georg Weerth
war. Ende Oktober 1848 erhob der Kölner Prokurator eine weitere
Anklage gegen Marx als den Chefredakteur der Zeitung, in der der
Aufruf des kleinbürgerlichen Demokraten Friedrich Hecker veröf-
fentlicht worden war (vgl. dazu Marx' Artikel "Der Staatsprokura-
tor 'Hecker' und die 'Neue Rheinische Zeitung'", Band 5 unserer
Ausgabe, S. 440-444). 129
127 Marx verweist auf die redaktionelle Notiz, die in dem Ex-
trablatt der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr. 155 vom 29. November
1848 veröffentlicht wurde. 131
128 In dem für die "Neue Rheinische Zeitung" geschriebenen Arti-
kel "Proudhon" (siehe Band 6 unserer Ausgabe, S. 562-565), der
aber seinerzeit unveröffentlicht blieb, erwähnt Engels Marx'
Schrift "Misère de la philosophie" (siehe Band 4 unserer Ausgabe,
S. 63 bis 182). 131
129 Anfang Dezember 1848 schrieb Engels den Artikel "Der Natio-
nalrat" (siehe Band 6 unserer Ausgabe, S. 85 -100); in diesem Ar-
tikel gibt er ein anschauliches Bild von dem lokalen und be-
schränkten Charakter der politischen Zustände in der damaligen
Schweiz, die in
#641# Anmerkungen
-----
jener Zeit als nachahmenswertes Beispiel einer bürgerlichen Föde-
rativrepublik angesehen wurde. 131
130 Karl Heinzen, "Die Helden des teutschen Kommunismus", Bern
1848. 131
131 In dem Bestreben, ihre Leser unverzüglich über alle wichtigen
Ereignisse der deutschen und europäischen Revolution in Kenntnis
zu setzen, gab die Redaktion der "Neuen Rheinischen Zeitung" oft
eine zweite Tagesausgabe heraus. Wenn vier Druckseiten nicht aus-
reichten, fügte man Beilagen hinzu und bei neuen wichtigen Nach-
richten Extrabeilagen und Extrablätter in Form von Flugblättern.
131
132 Andreas Gottschalk und Friedrich Anneke, die man Ende März
1848 aus dem Gefängnis freigelassen hatte (siehe Anm. III),
wurden am 3. Juli 1848 wegen ihrer Reden auf der Versammlung des
Kölner Arbeitervereins am 25. Juni erneut verhaftet. Das Kölner
Schwurgericht sprach sie am 23. Dezember 1848 frei. 132
133 Am 25. September 1848 erhob die Kölner Prokuratur gegen En-
gels, Wilhelm Wolff und Heinrich Bürgers als Redakteure der
"Neuen Rheinischen Zeitung" Anklage wegen Verschwörung gegen die
bestehende Ordnung und wegen ihres Auftretens auf den Volksver-
sammlungen in Köln. Nach der Verhängung des Belagerungszustands
über Köln (siehe Anm. 120 und 124) war Engels gezwungen, die
Stadt zu verlassen; ungeachtet der Aufhebung des Belagerungszu-
stands erließ der Staatsprokurator am 3. Oktober einen Befehl zur
Fahndung nach Engels und zu seiner Verhaftung. Engels kehrte erst
Mitte Januar 1849 nach Köln zurück (vgl. Anm. 123). 132
134 "oktroyiertes Preußen" nennt Engels Preußen ironisch nach dem
konterrevolutionären Staatsstreich vom 5. Dezember 1848, in des-
sen Verlauf die preußische Nationalversammlung auseinandergejagt
und die oktroyierte (vom König "geschenkte") Verfassung in Kraft
gesetzt wurde. 133
135 Hinweis auf die Korrespondenz unter dem Titel "Ein Aktenstück
des Märzvereins", die in Nr. 181 der "Neuen Rheinischen Zeitung"
vom 29. Dezember 1848 gedruckt wurde.
Die Märzvereine, an ihrer Spitze der Zentral-Märzverein in Frank-
furt a.M., wurden Ende November 1848 von Abgeordneten des linken
Flügels der Frankfurter Nationalversammlung gegründet. Als ihr
Ziel proklamierten die Vereine die Verteidigung der Er-
rungenschaften der Märzrevolution 1848 in Deutschland. Die Führer
der Märzvereine - die kleinbürgerlichen Demokraten Julius Fröbel,
Ludwig Simon, Arnold Ruge, Karl Vogt u.a. - ersetzten revolutio-
näres Handeln durch Phrasen, betrieben eine zwiespältige und un-
entschlossene Politik. In mehreren Arbeiten geißelten Marx und
Engels die Tätigkeit der kleinbürgerlichen Führer der Märzvereine
und zeigten auf, daß ihre Politik nur der Konterrevolution Vor-
teile brachte. 134
136 Es handelt sich um den von Heinrich Bürgers verfaßten Artikel
"Hr. v. Ladenberg und die Volksschullehrer", der in Nr. 182 der
"Neuen Rheinischen Zeitung" vom 30. Dezember 1848 veröffentlicht
wurde. Die von der Redaktion versprochene Fortsetzung des Arti-
kels wurde jedoch in der Zeitung nicht veröffentlicht. 134
137 Wahrscheinlich meint Engels die "Mitteilung betreffs Bestel-
lung der 'Neuen Rheinischen Zeitung' für das 1. Quartal 1849"
(siehe Band 6 unserer Ausgabe, S. 576). 134
138 Von Mitte April bis Anfang Mai 1849 unternahm Marx eine Reise
durch mehrere Städte Nordwestdeutschlands und Westfalens. Er traf
mit Mitgliedern des Bundes der Kommunisten und mit Demokraten zu-
sammen, unterrichtete sich über die revolutionäre Situation in
den einzelnen Orten und ergriff Maßnahmen, um Geldmittel zur wei-
teren Herausgabe
#642# Anhang und Register
-----
der "Neuen Rheinischen Zeitung" zu erlangen. Während Marx' Abwe-
senheit wurde die Zeitung von Engels geleitet. 135
139 Nachdem die "Neue Rheinische Zeitung" am 19. Mai 1849 ihr Er-
scheinen eingestellt hatte, begaben sich Marx und Engels sofort
nach Frankfurt a.M., wo sie versuchten, die linken Abgeordneten
der Nationalversammlung zu entschlossenen Handlungen zur Vertei-
digung der Errungenschaften der Revolution zu bewegen. Vom 21.
bis etwa 26. Mai hielten sie sich danach in Mannheim, Ludwigsha-
fen, Karlsruhe, Speyer und Kaiserslautern auf. Auf dem Wege von
Kaiserslautern nach Bingen wurden Marx und Engels Ende Mai, der
Teilnahme an dem Aufstand für die Reichsverfassung verdächtig,
von hessischen Soldaten verhaftet, nach Darmstadt und dann nach
Frankfurt a. M. gebracht. Nach ihrer Freilassung setzten sie ge-
meinsam ihre Reise nach Bingen fort, wo sie sich trennten. Engels
begab sich für kurze Zeit nach Kaiserslautern, derzeit die Re-
sidenz der provisorischen Regierung der Pfalz, und von dort nach
Offenbach, um in die badisch-pfälzische Revolutionsarmee einzu-
treten (siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 146 bis 161). Marx ver-
weilte einige Tage in Bingen und reiste etwa 3. Juni 1849 mit ei-
nem Mandat des Zentralausschusses der Demokraten (siehe Anm. 142)
nach Paris. 137
140 pfälzisch-badischen Gesandten - Gemeint sind die diplomati-
schen Vertreter der im Frühjahr 1849 während des Aufstandes zur
Verteidigung der Reichsverfassung in Südwestdeutschland gebilde-
ten provisorischen Regierung der Pfalz und Badens. Die von der
Frankfurter Nationalversammlung am 28. März 1849 angenommene Ver-
fassung wurde von einer Reihe deutscher Staaten, darunter von
Preußen, abgelehnt. Im Mai 1849 flammten Aufstände in Sachsen,
Rheinpreußen, Baden und der Pfalz unter der Losung der Ver-
teidigung der Verfassung auf. Die Frankfurter Nationalversammlung
leistete jedoch den Aufständischen keinerlei Unterstützung. Im
Juli 1849 wurde die Bewegung endgültig unterdrückt. Eine Ein-
schätzung dieser revolutionären Bewegung gibt Engels in seinen
Arbeiten "Die deutsche Reichsverfassungskampagne" und "Revolution
und Konterrevolution in Deutschland" (siehe Band 7 unserer Aus-
gabe, S. 109-197 und Band 8, S. 85-108). Über Blinds diplomati-
sche Mission in Paris und ihren Mißerfolg siehe den Artikel von
Marx und Engels "Über Karl Blind" (Band 17 unserer Ausgabe, S.
266/267). 137
141 Montagnards, d.h. Mitglieder der Montagne (Berg) - so nannte
man 1848-1851 eine von Ledru-Rollin geführte politische Gruppie-
rung kleinbürgerlicher Demokraten und Republikaner. Ihr Organ war
die Pariser Tageszeitung "La Réforme". 137 546
142 demokratisches Zentralkomitee - Hinweis auf den Zentralaus-
schuß der Demokraten Deutschlands, der auf dem zweiten demokrati-
schen Kongreß in Berlin Ende Oktober 1848 gewählt worden war.
Marx, der den Beginn entscheidender revolutionärer Ereignisse in
Frankreich erwartete, wurde Anfang Juni 1849 mit einem Mandat des
Zentralausschusses der Demokraten nach Paris entsandt, um die
deutsche revolutionäre Partei bei der französischen soziali-
stisch-demokratischen Partei zu vertreten. 138
143 Nach der Niederlage des badisch-pfälzischen Aufstands ging
Engels mit einer Gruppe von Freiwilligen, in deren Reihen er an
den Kampfhandlungen gegen die preußischen Truppen teilgenommen
hatte, am 12. Juli 1849 über die Grenze in die Schweiz und fuhr
am 24. Juli nach Vevey (Kanton Waadt), wo er sich einen Monat
aufhielt (siehe vorl. Band, S. 501/502). 139
144 Ende August 1849 begann Engels mit der Niederschrift seiner
Arbeit "Die deutsche Reichsverfassungskampagne" (siehe Band 7 un-
serer Ausgabe). 139
#643# Anmerkungen
-----
145 Die in dem Briefe erwähnten Verhandlungen endeten im Dezember
1849 mit der Gründung der Zeitschrift "Neue Rheinische Zeitung.
Politisch-ökonomische Revue", die von Marx und Engels bis zum No-
vember 1850 herausgegeben wurde.
Diese Zeitschrift war das theoretische und politische Organ des
Bundes der Kommunisten, die Fortsetzung der von Marx und Engels
während der Revolution 1848/49 herausgegebenen Kölner "Neuen
Rheinischen Zeitung". Insgesamt erschienen von März bis November
1850 sechs Hefte der Zeitschrift, davon als letztes das Doppel-
heft 5/6. Die Zeitschrift wurde in London redigiert und in Ham-
burg gedruckt. Auf dem Titelblatt war außerdem New York angege-
ben, weil Marx und Engels mit ihrer Verbreitung unter den deut-
schen Emigranten in Amerika rechneten. Der überwiegende Teil der
Materialien (Artikel, Revuen, Literaturkritiken) ist von Marx und
Engels geschrieben, die auch ihre Anhänger - Wilhelm Wolff, Jo-
seph Weydemeyer und Georg Eccarius - zur Mitarbeit heranzogen.
Von den Schriften der Begründer des Marxismus wurden u.a. in der
Zeitschrift veröffentlicht: "Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848
bis 1850" von Marx, "Die deutsche Reichsverfassungskampagne" und
"Der deutsche Bauernkrieg" von Engels sowie mehrere andere Arbei-
ten. Wegen der polizeilichen Repressalien in Deutschland und fi-
nanzieller Schwierigkeiten war die Zeitschrift gezwungen, ihr Er-
scheinen einzustellen. 139
146 Am 13. Juni 1849 organisierten die kleinbürgerlichen Monta-
gnards (siehe Anm. 141) in Paris eine friedliche Protestdemon-
stration gegen die Verletzung der Verfassung der Französischen
Republik durch den Präsidenten und die Mehrheit der gesetzgeben-
den Versammlung. Diese Demonstration wurde fast mühelos von den
Truppen auseinandergejagt und bestätigte den Bankrott der klein-
bürgerlichen Demokratie in Frankreich. (Siehe ausführlicher hier-
über Karl Marx, "Der 13. Juni", Band 6 unserer Ausgabe, S.
527/528 und "Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850", Band
7 unserer Ausgabe.) Nach dem 13. Juni wurden viele Führer der
Montagne und ausländische kleinbürgerliche Demokraten verhaftet
oder mußten emigrieren. 140
147 Marx verweist auf den Zerfall der Majorität in der französi-
schen gesetzgebenden Versammlung, der Partei der Ordnung (siehe
Anm. 238), in miteinander rivalisierende monarchistische Fraktio-
nen.
Die Zusatzsteuer von 45 Centimes je Franc der vier direkten Steu-
ern, die am 16. März 1848 von der französischen provisorischen
Regierung der Zweiten Republik eingeführt wurde, traf vor allem
die Bauern, die große Mehrheit des französischen Volkes, und rief
bei ihnen große Unzufriedenheit hervor. Diese Unzufriedenheit
wurde von den Großgrundbesitzern und den katholischen Geistlichen
zur Agitation gegen die Demokraten und die Arbeiter von Paris
ausgenutzt und hatte zur Folge, daß sich die Bauernschaft von der
Revolution abwandte und bei den Präsidentschaftswahlen am 10. De-
zember 1848 für Louis Bonaparte stimmte. 140
148 Anti-Cornleague-Agilation (Agitation der Anti-Corn-Law League
- Antikorngesetz-Liga) - eine freihändlerische Vereinigung, die
1838 von den Fabrikanten Cobden und Bright in Manchester gegrün-
det wurde. Die Korngesetze, die die Einschränkung bzw. das Verbot
der Getreideeinfuhr aus dem Ausland zum Ziel hatten, waren in
England 1815 im Interesse der Großgrundbesitzer eingeführt wor-
den. Die Liga erhob die Forderung nach völliger Handelsfreiheit
und kämpfte für die Abschaffung der Korngesetze mit dem Ziel, die
Löhne der Arbeiter zu senken und die ökonomischen und politischen
Positionen der Grundaristokratie zu schwächen. In ihrem Kampf ge-
gen die Grundbesitzer versuchte die
#644# Anhang und Register
-----
Liga, die Arbeitermassen auszunutzen. Aber gerade zu dieser Zeit
schlugen die fortgeschrittensten Arbeiter Englands den Weg einer
selbständigen politisch ausgeprägten Arbeiterbewegung (Chartis-
mus) ein. Der Kampf zwischen der industriellen Bourgeoisie und
der Grundaristokratie endete 1846 mit der Annahme der Bill über
die Abschaffung der Korngesetze. Danach löste sich die Liga auf.
141
149 Navigationsakte - von Cromwell 1651 erlassene und später
mehrmals erneuerte bzw. ergänzte Schiffahrtsgesetze, die sich be-
sonders gegen den holländischen Zwischenhandel richteten und das
Ziel verfolgten, die englische Kolonialherrschaft zu festigen.
Sie bestimmten, daß die wichtigsten Waren aus Europa sowie alle
Waren aus Rußland und der Türkei nur auf englischen Schiffen oder
auf denen des Ursprungslandes eingeführt werden durften und daß
die englische Küstenschiffahrt gänzlich englischen Schiffen vor-
behalten bleiben sollte. Die Gesetze wurden in den zwanziger Jah-
ren des 19. Jahrhunderts bedeutend eingeschränkt und 1849 bis auf
geringe Überbleibsel, die 1854 beseitigt wurden, aufgehoben. 141
150 Aus Heinrich Heine, "Deutschland. Ein Wintermärchen", Kaput
VIII. 141
151 Im Juni-Juli 1849 nahm Engels an den revolutionären Kämpfen
in der Pfalz und in Baden teil (siehe vorl. Band, S. 501/502 so-
wie Engels' Schrift "Die deutsche Reichsverfassungskampagne" in
Band 7 unserer Ausgabe).
Im Mai 1849 leitete Engels die Vorbereitung zum Aufstand in
Elberfeld (siehe Engels' Artikel "Elberfeld" in Band 6 unserer
Ausgabe, S. 500-502). 142 554
152 Marx traf Ende August 1849 in London ein, wo er bis zu seinem
Lebensende blieb. Im Herbst 1849 versammelte sich dort die Mehr-
zahl der führenden Kräfte des Bundes der Kommunisten. Im November
1849 kam Engels nach London. Die Anstrengungen der neuen, von
Marx und Engels geleiteten und reorganisierten Zentralbehörde
führten zur Wiederherstellung der früheren Organisation und zur
Belebung der Tätigkeit des Bundes der Kommunisten im Frühjahr
1850. Die im März 1850 von Marx und Engels verfaßte "Ansprache
der Zentralbehörde an den Bund" (siehe Band 7 unserer Ausgabe, S.
244-254) zog die Bilanz aus der Revolution 1848/49 und stellte
die Aufgabe, eine selbständige, von der kleinbürgerlichen Demo-
kratie unabhängige Partei des Proletariats zu schaffen.
Mitte November 1850 siedelte Engels von London nach Manchester
über und nahm die Arbeit in der Firma Ermen & Engels wieder auf,
was hauptsächlich aus dem Wunsche heraus geschah, Marx finanziell
zu unterstützen und ihm die Möglichkeit zu geben, die Ausarbei-
tung der ökonomischen Theorie fortzusetzen. Von dieser Zeit an
wurde der Briefwechsel zwischen Marx und Engels regelmäßig, häu-
fig Tag für Tag, geführt. 143 554
153 Föxchen (Fawksy) wurde Marx' am 5. November 1849 geborener
Sohn Heinrich Guido genannt, und zwar nach Guy Fawkes, dem Anfüh-
rer der gegen das englische Parlament gerichteten "Pulverver-
schwörung" vom 5. November 1605. 143 606
154 verseilert - Anspielung auf Sebastian Seiler. 144
155 Es handelt sich um die von George Julian Harney herausgege-
bene chartistische Wochenzeitung "The Red Republican", in der die
erste englische Übersetzung des "Manifests der Kommunistischen
Partei" veröffentlicht wurde.
Stempelsteuer - eine 1712 zwecks Erhöhung der Staatseinnahmen und
als Kampfmittel gegen die oppositionelle Presse eingeführte
Steuer auf Zeitungen. Die Stempelsteuer erhöhte die Kosten der
Zeitungen außerordentlich, beschränkte die Verbreitung und machte
sie den breiten Massen unzugänglich." 1836 mußte das Parlament
die Stempelsteuer herabsetzen und 1855 ganz aufheben. 144 145
#645# Anmerkungen
-----
156 Hinweis auf den Prozeß, der nach der Spaltung des Bundes der
Kommunisten von der Mehrheit des Deutschen Bildungsvereins für
Arbeiter in London gegen die Anhänger von Marx - Heinrich Bauer
und Carl Pfänder - angezettelt wurde. Die Umstände dieses Falls
sind in der folgenden Erklärung für die Presse dargelegt, die aus
der Feder Carl Pfänders stammt:
"An den Präsidenten des Bildungsvereins für Arbeiter in London.
Am 17. Sept. schickten wir (H. Bauer und ich als zwei der Tru-
stees für einen Teil der Vereinsgelder) zugleich mit unserer Aus-
trittserklärung einen Brief an die Great-Wind-mill-Street-Gesell-
schaft" (siehe Anm. 157), "worin wir sie aufforderten, am näch-
sten Tag ihren dritten Trustee Franz Bauer behufs Regelung der
Geldangelegenheiten zu uns zu schicken. Mehrere Tage vergingen
ohne Antwort. Später erhielt H. Bauer einen Brief, durch den wir
in das Great-Windmill-Street-Lokal zitiert wurden. Diese imperti-
nente Aufforderung ließen wir natürlich unbeachtet. Vierzehn Tage
darauf wiederholte die Gesellschaft jene Aufforderung, indem sie
Drohungen von Übeln Folgen etc. hinzufügte. Auf diese wiederholte
Anmaßung beschlossen H. Bauer und ich, das Geld nunmehr bloß ra-
tenweise zurückzuzahlen. Unsere politischen Freunde stimmten dem
um so mehr bei, als bekannt geworden war, daß das Geld zur Aus-
sendung von Emissären nach Deutschland benützt werden sollte, um
dort gegen die aus der Gesellschaft Ausgetretenen alberne Ver-
leumdungen zu verbreiten, also um das Geld zu statutenwidrigen
Zwecken und bloß im Interesse einzelner Intriganten zu verwenden.
Endlich kam der dritte Trustee zu uns, und es wurde mit ihm fest-
gesetzt, daß Ratenzahlung stattfinden und den 1. Dezember 1850
der erste Zahlungstermin sein solle. Statt nun diesen Termin,
worüber man übereingekommen war, abzuwarten, erhielten wir eine
Ladung, am 20. November vor Gericht zu erscheinen. Wir erschie-
nen, und wie sich von selbst verstand, wurde die Gesellschaft mit
ihrer Geldforderung abgewiesen. Am 1. Dezember zeigte sich sei-
tens der Gesellschaft niemand, um die privatim verabredete Rate
abzuholen, dagegen wurden in Schweizer, deutschen und amerikani-
schen Blättern Erklärungen der Gesellschaft veröffentlicht, worin
man versuchte, uns der Unterschlagung von Geldern zu bezichtigen.
Vor einigen Wochen kam einer der Präsidenten der Gesellschaft zu
mir mit der Erklärung, er habe gehört, daß ich das Geld zahlen
wolle. Ich erwiderte, daß es stets bereitgelegen habe und es
seine eigene Schuld sei, wenn sie zu gerichtlichen Klagen und
Verleumdungen in der Presse statt zur Einhaltung der gesetzlichen
Termine ihre Zuflucht genommen hatten. Inzwischen mußt' ich je-
doch mit H. Bauer Rücksprache nehmen. Letzterer erklärte mir nun,
daß er in Betracht des von der Gesellschaft verlorenen Prozesses
ihr gesetzlich nichts mehr schulde und nach ihren uns provozie-
renden Verleumdungen an seinem bürgerlichen Rechte festhalten
werde. Was mich anbelangt, so kann die Gesellschaft gegen eine
vom Präsidenten, Schriftführer und Kassierer ausgestellte Quit-
tung 5 Pfd. St. jederzeit bei mir erheben, indem ich ihr die Ge-
richtskosten von 18 Schilling 4 Pence sowie das Honorar für das
von der Gesellschaft bei mir bestellte Porträt Molls hiermit
schenke.
London 21. Jan. 1852 C. Pfänder.
Am anderen Tage erschienen die obengenannten 3 Beamten der Wind-
mill-Street-Gesellschaft, nahmen das Geld gegen Quittung in Emp-
fang und hüteten sich sehr wohl, irgendeine der in meinem Briefe
aufgestellten Tatsachen, unter anderem über Schuld der Gesell-
schaft an mich, in Frage zu stellen. C. Pfänder "
Wie aus dem Briefe von Schabelitz an Marx vom 6. März 1852 her-
vorgeht, wurde dieses Dokument in der "Schweizerischen National-
Zeitung" veröffentlicht. 144 360
#646# Anhang und Register
-----
157 In der Great Windmill Street war das Büro des Deutschen Bil-
dungsvereins für Arbeiter in London (siehe Anm. 58), um das sich
nach der Spaltung des Bundes der Kommunisten (siehe Anm. 83) die
Anhänger von August Willich und Karl Schapper gruppierten. Im
Sommer 1850 verschärften sich in der Zentralbehörde des Bundes
der Kommunisten die prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten über
Fragen der Taktik. Gegen August 1850 waren Marx und Engels zu der
Überzeugung gekommen, daß angesichts des beginnenden wirtschaft-
lichen Aufschwungs in der nächsten Zeit keine neue Revolution zu
erwarten sei. Daher zogen sie die Schlußfolgerung, daß unter den
neuen Bedingungen die Hauptaufmerksamkeit auf die Propaganda der
Ideen des wissenschaftlichen Kommunismus sowie auf die Vorberei-
tung proletarischer revolutionärer Kader für die künftigen revo-
lutionären Kämpfe zu richten sei. Gegen diese nüchterne Analyse
und sich auf wissenschaftliche Schlußfolgerungen stützende Taktik
traten die Mitglieder der Zentralbehörde des Bundes der Kommuni-
sten Willich und Schapper auf, die ihre sektiererische, abenteu-
erliche Taktik verteidigten, die auf eine unverzügliche Entfesse-
lung der Revolution ohne Rücksicht auf die reale politische Lage
in Europa abzielte. Die dadurch entstandenen prinzipiellen Gegen-
sätze in der Zentralbehörde des Bundes traten schon auf ihren
Sitzungen im August und in der ersten Septemberhälfte kraß hervor
und nahmen den schärfsten Charakter auf der Sitzung am 15. Sep-
tember an, auf der die Spaltung des Bundes vollzogen wurde (siehe
Band 8 unserer Ausgabe, S. 597-601). Die Mehrheit der von Marx
und Engels geführten Zentralbehörde verurteilte entschieden die
Spalter-Fraktion Willich-Schapper. Auf dieser Sitzung wurden auf
Vorschlag von Marx die Vollmachten der Zentralbehörde an die Köl-
ner Kreisbehörde übergeben. Die Gemeinden des Bundes der Kommuni-
sten in Deutschland billigten überall den Beschluß der Mehrheit
der Londoner Zentralbehörde. Am 17. September 1850 traten Marx,
Engels und ihre Anhänger aus dem Deutschen Bildungsverein für Ar-
beiter in London aus, da die Mehrheit seiner Mitglieder auf der
Seite der Fraktion Willich-Schapper stand. Auf der Grundlage von
Hinweisen von Marx und Engels verfaßte die neue Zentralbehörde in
Köln im Dezember 1850 ein neues Bundesstatut (siehe Band 7 unse-
rer Ausgabe, S. 565-567). Die polizeilichen Verfolgungen und die
Verhaftungen von Mitgliedern des Bundes führten im Mai 1851 fak-
tisch zur Einstellung der Tätigkeit des Bundes der Kommunisten in
Deutschland. Am 17. November 1852, bald nach dem Kölner Kommuni-
stenprozeß, löste sich der Bund auf Vorschlag von Marx auf. 147
180 182 184 187 189 198 210 237 258 262 265 274 279 325 360
158 Es handelt sich um das Sozial-demokratische Flüchtlingskomi-
tee beim Deutschen Bildungsverein für Arbeiter in London, das im
September 1849 unter der Bezeichnung Ausschuß zur Unterstützung
deutscher politischer Flüchtlinge in London geschaffen worden
war. Um die Versuche der kleinbürgerlich-demokratischen Emigran-
ten, die proletarischen Elemente der Londoner Emigration unter
ihren Einfluß zu bringen, zunichte zu machen, wurde am 3. Dezem-
ber 1849 auf Vorschlag von Marx und anderer Führer des Bundes der
Kommunisten der Ausschuß in das Sozial-demokratische Flüchtlings-
komitee umgewandelt, in dessen Leitung nun auch Engels eintrat.
Das Komitee spielte eine bedeutende Rolle bei der Wiederherstel-
lung der Verbindungen zwischen den Mitgliedern des Bundes der
Kommunisten, bei der Festigung der Geschlossenheit der Anhänger
von Marx und Engels in London und bei der Reorganisation des Bun-
des der Kommunisten in den Jahren 1849-1850. Am 17. September
1850 erklärten Marx und Engels und ihre Anhänger ihren Austritt
aus dem Deutschen Bildungsverein für Arbeiter und zugleich aus
dem Flüchtlingskomitee, weil nach der Spaltung des Bundes der
Kommunisten die Mehrheit der
#647# Anmerkungen
-----
Mitglieder des Flüchtlingskomitees unter den Einfluß der Fraktion
Willich-Schapper geraten war. 149 325 330 514 524 528
159 Marx verweist auf das Manifest des Zentralausschusses der Eu-
ropäischen Demokratie "Le comité central démocratique européen,
aux Allemands", das in dem Organ dieses Ausschusses "La Voix du
Proscrit" Nr.4 vom 17.November 1850 veröffentlicht wurde.
Der Zentralausschuß der Europäischen Demokratie wurde im Juni
1850 in London auf Initiative Giuseppe Mazzinis, der schon Ende
1849 in der Schweiz die ersten Vorbereitungen dafür getroffen
hatte, gegründet. Der Versuch, die bürgerlichen und kleinbürger-
lichen Emigranten in einer internationalen Organisation zu verei-
nen, fand bei Gustav Struve und Arnold Ruge volle Unterstützung.
Auf Empfehlung von Struve trat Ruge als Vertreter der deutschen
demokratischen Partei dem Ausschuß bei. Die Organisation, die
sowohl ihrer Zusammensetzung als auch ihrer ideologischen Posi-
tion nach äußerst widerspruchsvoll war, bestand nicht lange; in-
folge des sich zuspitzenden Verhältnisses zwischen den italieni-
schen und den französischen demokratischen Emigranten fiel der
Zentralausschuß der Europäischen Demokratie schon im März 1852
faktisch auseinander. 150 192 323 547
160 Es handelt sich um die Mitglieder der im Oktober 1850 gebil-
deten Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten in Köln (siehe
Anm. 157). 152 337
161 moral force (moralische Gewalt) - Anspielung auf die Anhänger
antirevolutionärer, reformistischer Methoden zur Erreichung demo-
kratischer und sozialistischer Ziele. Im England der dreißiger
bis fünfziger Jahre nannte man auch die Vertreter des rechten
Flügels der Chartistenbewegung, die Vereinbarungen mit der Bour-
geoisie erstrebten, Anhänger der "moralischen Gewalt". 155
162 Dissenters (Dissidenten) - Anhänger religiöser Sekten und
Strömungen, die in diesem oder jenem Maße von den Dogmen der of-
fiziellen anglikanischen Kirche abwichen. 155
163 Die Statuten des Bundes der Kommunisten waren nach der Spal-
tung des Bundes im September 1850 von der Zentralbehörde in Köln
entsprechend den Hinweisen von Marx und Engels verfaßt worden. Am
10. Dezember 1850 wurden diese Statuten zusammen mit anderen Do-
kumenten der Zentralbehörde an den Londoner Kreis des Bundes ge-
sandt und auf dessen Sitzung am 5. Januar 1851, an der auch Marx
teilnahm, gebilligt. (Siehe den Text der Statuten in Band 7 unse-
rer Ausgabe, S. 565-567.) 156
164 Die deutschen demokratischen Emigranten Magnus Groß, L.A.
Hine und Franz Wilhelmi wandten sich Ende 1850 von Cincinnati
(USA) aus an Marx und Engels mit dem Vorschlag, unentgeltlich an
der Herausgabe sogenannter "fortschrittlicher Pamphlete" sowie an
den von diesen Demokraten geplanten Presseorganen "Sozial-Demo-
krat" und "Republik der Bauern" mitzuarbeiten. Marx und Engels
lehnten diesen Vorschlag ab, da sie darin den Versuch einiger
Emigranten sahen, ihre schwierige Lage auszunutzen, um sich
selbst zu bereichern. 162 171
165 Offensichtlich spielt Marx auf die Herkunft des Eduard von
Müller-Tellering aus Koblenz an. 162
166 Ende Dezember 1850 kam Engels für einige Tage aus Manchester
nach London, wo er gemeinsam mit Karl und Jenny Marx an der Neu-
jahrsfeier teilnahm, die von den Fraternal Democrats (siehe Anm.
67) veranstaltet wurde. In seiner Rede an diesem Abend ging En-
gels eingehend auf die Ursachen der Niederlage der Revolution auf
dem Kontinent ein. 163
#648# Anhang und Register
-----
167 Am 5. Januar 1851 fand in den Räumen des People's Institut
(Volksinstituts) in Manchester eine vom dortigen Rat der Charti-
sten einberufene Versammlung statt. In dem Chartisten-Rat hatten
die reformistischen Kräfte (James Leach, Daniel Donovan) die
Oberhand. Sie waren Anhänger von Feargus O'Connor, der seit 1848
den Weg der Vereinbarung mit den bürgerlichen Radikalen beschrit-
ten hatte. Die Initiatoren der Versammlung waren bestrebt, dem
Einfluß von Ernest Jones und George Julian Harney, den Vertretern
des revolutionären Flügels der Chartisten, die im Londoner Exeku-
tivkomitee der Nationalen Chartisten-Assoziation führend tätig
waren, entgegenzuwirken. Unterstützt von Marx und Engels, entfal-
teten Jones und Harney zu dieser Zeit eine große Aktivität, um
die chartistische Partei auf der Grundlage der Anerkennung der
selbständigen Klassenposition des Proletariats und der offenen
Verkündung der sozialistischen Ziele der Bewegung zu re-
organisieren. Als Jones von der Einberufung der Versammlung er-
fahren hatte, begab er sich nach Manchester. Harney teilte sodann
Engels mit, daß Jones beabsichtige, auf der Versammlung sich mit
seinen Gegnern (den Anhängern der Vereinbarungstaktik und des Ab-
gehens vom revolutionären Kampf zugunsten der Betätigung in
Kooperativgesellschaften) auseinanderzusetzen und bat Engels, an
der Versammlung teilzunehmen und Jones zu unterstützen. Wie aus
dem vorliegenden Brief hervorgeht, ist Engels dieser Bitte Har-
neys nachgekommen.
Die Rede Ernest Jones' auf der Versammlung vom 5. Januar 1851, in
der er die reformistische Linie des Rates der Chartisten von Man-
chester scharf kritisierte, hat in vielem zu der bald darauf er-
folgten Spaltung der chartistischen Organisation in Manchester
und zum offenen Übergang eines bedeutenden Teils ihrer einfachen
Mitglieder auf die Seite des revolutionären Flügels des Chartis-
mus beigetragen.
Harte Auseinandersetzungen wurden auf der Versammlung über die
Frage der Beziehungen zwischen dem Rat der Chartisten in Manche-
ster und dem Londoner Exekutivkomitee der Nationalen Chartisten-
Assoziation geführt. Gestützt auf seinen Einfluß im Rat der Char-
tisten in Manchester hatte O'Connor bereits im November 1850
vorgeschlagen, in Manchester eine Konferenz einzuberufen, um dort
seine Auffassungen denen des Exekutivkomitees gegenüberzustellen.
Das Exekutivkomitee widersetzte sich der Einberufung einer sol-
chen separaten Konferenz und führte, um die Meinung der einfachen
Mitglieder zum Standpunkt des Exekutivkomitees festzustellen, im
Dezember 1850 Neuwahlen durch. Diese Neuwahlen ergaben, daß die
Mehrheit der Organisation, mit Ausnahme des Rates der Chartisten
in Manchester, Harney und Jones, die erneut in das Exekutivkomi-
tee gewählt worden waren, unterstützten. Auf der Versammlung vom
5. Januar 1851 in Manchester sprach sich, trotz des Widerstandes
der reformistischen Führer, die Hälfte der Teilnehmer für die An-
erkennung des neuen Exekutivkomitees aus. 163
168 Hinweis auf die in der "Schweizerischen National-Zeitung" vom
7. Januar 1851 veröffentlichte verleumderische Erklärung von Os-
wald Dietz, der der kleinbürgerlichen Fraktion Willich-Schapper
angehörte. In dieser Erklärung beschuldigte Dietz die Anhänger
von Marx, Heinrich Bauer und Carl Pfänder, sich Gelder angeeignet
zu haben, die dem Deutschen Bildungsverein für Arbeiter in London
gehörten (siehe Anm. 156). 165
169 Es handelt sich um den verleumderischen Artikel Arnold Ruges
in der "Bremer Tages-Chronik" vom 17. Januar 1851. Der Artikel
enthielt gehässige Angriffe gegen die "Neue Rheinische Zeitung"
und insbesondere gegen Marx und Engels (siehe Bflfld 7 unserer
Ausgabe, S. 464/465). 165
#649# Anmerkungen
-----
170 Gemeint sind die bereits im Dezember 1850 begonnenen Verhand-
lungen, die Marx mit Hermann Becker über die Herausgabe seiner
Aufsätze führte. Ende April 1851 erschien in Köln das erste Heft
der "Gesammelten Aufsätze von Karl Marx". Es enthielt den Aufsatz
"Bemerkungen über die neueste preußische Zensurinstruktion" und
einen Teil des 1842 geschriebenen Artikels "Debatten über Preß-
freiheit und Publikation der Landständischen Verhandlungen", der
den ersten Artikel innerhalb der Serie "Die Verhandlungen des 6.
rheinischen Landtags" darstellt. Wegen der Verhaftung Hermann
Beckers wurde die Herausgabe der "Gesammelten Aufsätze" nach Er-
scheinen des ersten Heftes eingestellt. 165 257
171 Marx beabsichtigte, den Hamburger Verleger Julius Schuberth
durch eine gerichtliche Klage zur weiteren Herausgabe der "Neuen
Rheinischen Zeitung. Politisch-ökonomische Revue" zu zwingen. 165
172 Aus Goethes Ballade "Der Fischer". 165
173 Hinweis auf das Manifest des Zentralausschusses der Europäi-
schen Demokratie (siehe Anm. 159) "Aux Peuples! Organisation de
la démocratie", das im August 1850 mit der Unterschrift von
Giuseppe Mazzini, Ledru-Rollin, Albert Darasz und Arnold Ruge
veröffentlicht wurde. Ruge, der sich früher als Atheist hinge-
stellt hatte, unterschrieb das Manifest ungeachtet dessen, daß in
ihm religiöse Losungen enthalten waren. In dem Aufsatz "Revue.
Mai bis Oktober [1850]" (siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 459-
463) geben Marx und Engels eine ausführliche Kritik dieses Mani-
fests. 166
174 Gemeint ist der Zentralausschuß der Europäischen Demokratie
(siehe Anm. 159). 166
175 Lichtfreande - eine 1841 entstandene religiöse Strömung, die
sich gegen den in der offiziellen protestantischen Kirche herr-
schenden Pietismus und den ihm eigenen strengen Mystizismus und
die Frömmelei richtete. Diese religiöse Opposition war eine
Erscheinungsform der Unzufriedenheit der Bourgeoisie der vierzi-
ger Jahre des 19. Jahrhunderts mit der reaktionären Ordnung in
den verschiedenen deutschen Staaten. In den Jahren 1846 und 1847
führte die Bewegung der Lichtfreunde zur Bildung der sogenannten
Freien Gemeinden (siehe Anm. 246). 166 279
176 Worte aus dem in dem Brief erwähnten Artikel von Arnold Ruge,
der in der "Bremer Tages-Chronik" vom 17. Januar 1851 veröffent-
licht worden war und in dem es heißt: "...Conrad Schramm (mit dem
Berliner Deputierten Rudolph Schramm nicht zu verwechseln)..."
167
177 Engels beabsichtigte, in dem von George Julian Harney redi-
gierten Chartisten-Organ "The Friend of the People" eine Arti-
kelserie gegen die kleinbürgerlichen Führer der verschiedenen
Emigrantengruppen, Giuseppe Mazzini, Ledru-Rollin, Arnold Ruge
und andere, zu veröffentlichen. Wegen der zweideutigen Haltung
Harneys zu den kleinbürgerlichen Vulgärdemokraten, wie sie anläß-
lich des "Banketts der Gleichen" am 24. Februar 1851 (siehe Anm.
203) zum Ausdruck kam, gab Engels diese Absicht auf. Engels'
Plan, eine gegen die kleinbürgerliche Emigration gerichtete sati-
rische Arbeit zu schreiben, wurde im wesentlichen in der 1852 von
ihm gemeinsam mit Marx geschriebenen Streitschrift "Die großen
Männer des Exils" verwirklicht (siehe Band 8 unserer Ausgabe,
S.233 -335). 167 178 189
178 Die im Brief erwähnte Antwort von Marx und Engels auf den
verleumderischen Artikel Arnold Ruges wurde in der "Weser-Zei-
tung" nicht veröffentlicht (siehe den Text der Erklärung in Band
7 unserer Ausgabe, S. 464/465). 168
179 Ironische Anspielung auf die Worte des kleinbürgerlichen De-
mokraten Siegfried Weiß, der in einem Brief an Marx vom 2. April
1850 seine Mitarbeit an der "Neuen Rheinischen
#650# Anhang und Register
-----
Zeitung. Politisch-ökonomische Revue" anbot und schrieb: "Meine
Feder ist spitz und gesalzen." 171
180 Es handelt sich um die Konferenz der Chartisten in Manche-
ster, die von den Anhängern Feargus O'Connors trotz des Wider-
spruchs seitens des Exekutivkomitees der Nationalen Chartisten-
Assoziation (siehe Anm. 167) einberufen worden war. Die Konferenz
fand vom 26. bis 30. Januar 1851 statt und befaßte sich haupt-
sächlich mit Fragen der Beziehungen der Chartisten zu anderen
Parteien und mit der Gründung von Kooperativgesellschaften. Der
Standpunkt, der von der Mehrheit der Konferenz zu diesen Fragen
eingenommen wurde, entsprach der reformistischen Linie ihrer Or-
ganisatoren. Auf Bitten George Julian Harrieys nahm Friedrich En-
gels an der Konferenz teil, um die Vertreter des revolutionären
Flügels des Chartismus über ihren Verlauf und die Ergebnisse zu
informieren.
Auf der Konferenz wurde auch über die Entsendung von Delegierten
zum Chartisten-Konvent entschieden, der vom Exekutivkomitee ein-
berufen worden war. Die Mehrheit der reformistischen Führer der
Konferenz (James Leach, Philip McGrath, Thomas Clark und andere)
sprach sich gegen die Entsendung von Delegierten aus. Unter dem
Einfluß von O'Connor, der mit einem Sieg seiner Auffassungen auch
auf dem Konvent rechnete, beschloß die Konferenz jedoch, Dele-
gierte zu entsenden.
Der Konvent, der vom 31. März bis 10. April 1851 in London tagte,
verlief hingegen nicht so, wie es sich O'Connor erhofft hatte.
Die Anhänger Harneys und Jones', die die revolutionäre proletari-
sche Linie vertraten, bestimmten den Verlauf der Tagung. Das
wichtigste Ergebnis des Konvents war die Annahme des Programms
der Nationalen Chartisten-Assoziation. Trotz gewisser Schwächen
und unklarer Formulierungen brachte das Programm den ideologi-
schen Fortschritt des Chartismus unter dem Einfluß des wissen-
schaftlichen Kommunismus zum Ausdruck. In dem Programm wurden of-
fen die sozialistischen Ziele der Chartistenbewegung verkündet.
171
181 financial reformers (Finanzreformer) - gemeint sind die An-
hänger der Nationalen Assoziation für Parlaments- und Finanzre-
form, die 1849 von bürgerlichen Radikalen geschaffen wurde, um
eine Wahlreform (die sog. Kleine Charte) und eine Steuerreform
durchzusetzen. Die bürgerlichen Radikalen, die den Forderungen
der Chartisten ihr eigenes Programm entgegensetzten, hofften da-
mit - da die politische Aktivität der Arbeiterklasse nach der
mißglückten Demonstration der Chartisten vom 10. April 1848 nach-
gelassen hatte - die Chartistenbewegung zu spalten und die Arbei-
termassen unter ihren Einfluß zu bringen. Die Agitation der bür-
gerlichen Radikalen, die von Richard Cobden, John Bright und auch
von den reformistischen Elementen der Chartisten mit Feargus
O'Connor an der Spitze unterstützt wurde, hatte jedoch keinen Er-
folg. Die Mehrzahl der Chartisten blieb auch in den fünfziger
Jahren der Volks-Charte treu. 1855 zerfiel die Assoziation für
Parlaments- und Finanzreform. 172 178 516
182 Gemeint ist Louis Blancs Werk "Histoire de dix ans. 1830-
1840". Die erste Ausgabe in fünf Bänden erschien in Paris 1841-
1844. 178
183 "Päpstliche Aggression" nannte man in England das Bestreben
des Papstes Pius IX., sich aktiv in die Angelegenheiten der eng-
lischen Katholiken einzumischen. Am 30. September 1850 erließ der
Papst eine Bulle über die Errichtung einer römisch-katholischen
Hierarchie in England und ernannte den englischen katholischen
Geistlichen Wiseman zum Erzbischof von Westminster und zum Kardi-
nal. Der Premierminister des Whig-Kabinetts, John Russell, der
sich demagogisch als der Beschützer der nationalen Interessen
Englands vor den Eingriffen des Papstes aufspielte, setzte im Au-
gust 1851 den Erlaß eines Gesetzes
#651# Anmerkungen
-----
durch, das die Ernennung von Bischöfen und Erzbischöfen in Eng-
land durch den Papst für ungültig erklärte. Dieses Gesetz stand
jedoch nur auf dem Papier. 179
184 Londoner Industrieausstellung - erste internationale Indu-
strieausstellung, die von Mai bis Oktober 1851 stattfand. 179 211
241 249 264 277 357 551
185 Burggrafen - Spottname für die 17 Anführer der Orleanisten
und Legitimisten, die 1849 dem Ausschuß der gesetzgebenden Ver-
sammlung zur Abfassung eines neuen Wahlgesetzentwurfes angehörten
und so genannt wurden wegen ihrer ungerechtfertigten Macht-
ansprüche und ihrer reaktionären Bestrebungen. Dieser Spottname
ist dem gleichnamigen Drama entlehnt, das Victor Hugo über das
Leben des mittelalterlichen Deutschlands geschrieben hat. Ur-
sprünglich wurden in Deutschland die vom Kaiser ernannten Regen-
ten der Städte und Kreise Burggrafen genannt. 179
186 Abgewandeltes Zitat aus der Bibel, Psalm 139, Vers 9. 180
187 In der Church Street in London befand sich die Brüderliche
Gesellschaft der französischen sozialistischen Demokraten, in der
sich die verschiedensten Elemente der französischen Emigration in
London, darunter Ledru-Rollin und Louis Blanc, vereinten. Die
Gesellschaft wurde im Herbst 1850 gegründet und setzte sich zum
Ziel, den französischen politischen Flüchtlingen materielle Hilfe
zu leisten (siehe auch vorl. Band, S. 546).
Der 24. Februar ist der Jahrestag der Februarrevolution 1848 in
Frankreich. 182 192 212 214 546
188 Am Vorabend der Revolution von 1848 trat August Willich, ein
preußischer Offizier, aus dem Militärdienst aus und arbeitete als
Zimmermann in Köln. 183 544 545
189 [Ecce] iterum Crispinus - so beginnt die vierte Satire des
Juvenal, in deren erstem Teil Crispinus, ein Höfling des römi-
schen Kaisers Domitian, gegeißelt wird. Im übertragenen Sinne be-
deuten diese Worte: "wieder dieselbe Person" oder "wieder das-
selbe". 184
190 Im Februar 1851 lehnte die Partei der Ordnung (siehe Anm.
238) zusammen mit den Montagnards (siehe Anm. 141) in der gesetz-
gebenden Versammlung mit einer Mehrheit von 102 Stimmen die Be-
willigung einer Dotation in Höhe von 1 800 000 Franken für den
Präsidenten Louis-Napoleon ab. 185
191 Die Heilige Allianz war ein Bund der konterrevolutionären
Mächte gegen alle fortschrittlichen Bewegungen in Europa. Sie
wurde am 26. September 1815 auf Initiative des Zaren Alexander I.
von den Besiegern Napoleons geschaffen. Ihr schlössen sich, neben
Österreich und Preußen, fast alle europäischen Staaten an. Die
Monarchen verpflichteten sich zur gegenseitigen Unterstützung bei
der Unterdrückung von Revolutionen, wo immer sie ausbrechen soll-
ten. 187 232 260
192 Engels spielt darauf an, daß der Vertreter der Partei der
Ordnung Montalembert in der gesetzgebenden Versammlung für die
Bewilligung einer Dotation in Höhe von 1 800 000 Franken für den
Präsidenten Louis-Napoleon aufgetreten war (siehe auch Anm. 190).
187
193 Aut Caesar out Clichy: Entweder Cäsar oder Clichy (Clichy -
Pariser Schuldgefängnis für bankrotte, zahlungsunfähige Schuld-
ner); von Engels abgewandelte Devise Cesare Borgias Aut Caesar
aut nihil: Entweder Cäsar oder nichts. 187
194 Luxembourg-Kommission - Regierungskommission für die Arbei-
terfrage, die unter dem Vorsitz von Louis Blanc im Palais Luxem-
bourg in Paris tagte. Sie wurde am 28. Februar 1848 unter dem
Druck der Arbeiter gegründet, die die Schaffung eines Arbeitsmi-
nisteriums
#652# Anhang und Register
-----
forderten. Die praktische Tätigkeit del Luxembourg-Kommission,
die aus Vertretern der Arbeiter und Unternehmer bestand, be-
schränkte sich auf die Beilegung von Arbeitskonflikten; durch die
kompromißbereite Haltung Louis Blancs fiel die Entscheidung häu-
fig zugunsten der Unternehmer aus. Nach der Aktion der Volksmas-
sen am 15. Mai 1848 löste die Regierung am 16. Mai die Luxem-
bourg-Kommission auf.
Das Vorparlament, das vom 3I.März bis 4.April 1848 in Frankfurt
a.M. zusammentrat, vereinigte Vertreter der deutschen Staaten,
die im Gegensatz zum Bundestag entweder Mitglieder der bestehen-
den Ständeversammlung oder Delegierte einer Vereinigung bzw.
Volksversammlung waren. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer
des Vorparlaments gehörte der konstitutionell-monarchistischen
Richtung an. Das Vorparlament faßte den Beschluß über die Einbe-
rufung einer gesamtdeutschen Nationalversammlung und arbeitete
einen Entwurf über die "Grundrechte und Forderungen des deutschen
Volkes" aus. Dieses Dokument verkündete zwar einige bürgerliche
Freiheiten, griff jedoch die Grundlagen der halbfeudalen, absolu-
tistischen Staatsordnung des damaligen Deutschlands nicht an.
Nach den Erfolgen der Märztage kam es darauf an, das Vorparlament
als souverän zu proklamieren und die Macht des reaktionären Bun-
destages zu brechen. Statt dessen lehnte das Vorparlament den
Vorschlag der republikanisch-demokratischen Minderheit ab, in
Deutschland eine föderative republikanische Ordnung zu errichten
und das Vorparlament in ein permanentes Organ umzuwandeln, und
wählte im April 1848 aus seiner Mitte einen Fünfzigerausschuß,
der sich vor allem mit der Vorbereitung der Nationalversammlung
beschäftigen sollte. Der Fünfzigerausschuß war bis zum Zusammen-
tritt der Nationalversammlung tätig und bestand in seiner Mehr-
heit aus bürgerlichen Liberalen. 194
195 Marx verweist auf die Regierungskrise von 1851 in England. Im
Februar 1851 reichte der Premierminister des Whig-Kabinetts, John
Russell, seinen Abschied ein. Die Ursache dafür war das Scheitern
seiner Versuche, dem Vorschlag des Parlamentsmitgliedes Locke
King entgegenzutreten, das Wahlrecht in den Grafschaften auf die
Besitzer von Grundstücken mit Jahreseinkünften von mehr als 10
(bisher 50) Pfund Sterling auszudehnen. Da der Führer der Tories,
Stanley, kein Kabinett zustande brachte, übernahm Russell im März
wiederum den Posten des Premierministers. 196
196 Engels verweist hier auf Adolphe Thiers Werk "Histoire du
Consulat et de l'Empire" (die Herausgabe dieses vielbändigen
Werks, dessen erster Band 1845 in Paris erschien, wurde 1862
beendet) sowie auf Robert Southeys Schrift "History of the Penin-
sular war", 3 Bände, London 1823-1832. 204 241
197 Mitte April 1850 trafen Marx und Engels im Namen des Bundes
der Kommunisten mit den in London lebenden französischen blanqui-
stischen Emigranten und mit Vertretern des revolutionären Flügels
der Chartisten eine Vereinbarung über die Gründung einer Weltge-
sellschaft der revolutionären Kommunisten. Es wurde ein Grund-
satzvertrag verfaßt (von August Willich geschrieben und von Marx,
Engels, George Julian Harney, Willich, Jules Vidil und Adam un-
terzeichnet), der aus sechs Artikeln besteht (siehe Band 7 unse-
rer Ausgabe, S. 553/554). Nach der Spaltung der Zentralbehörde
des Bundes der Kommunisten stellten sich die französischen Blan-
quisten auf die Seite der sektiererischen Minderheit unter der
Leitung von Willich und Schapper und gingen gemeinsam mit ihnen
ein enges Bündnis mit der kleinbürgerlich-demokratischen Emigra-
tion ein. Unter diesen Bedingungen hielten es Marx und Engels zu-
sammen mit Harney für angebracht, Anfang
#653# Anmerkungen
-----
Oktober 1850 den Vertrag mit den Blanquisten zu lösen (siehe Band
7 unserer Ausgabe, S. 415). 207
198 Engels erhielt von Ferdinand Wolff einen vom 25. Februar 1851
datierten Brief aus London, in dem dieser seinen offensichtlich
irrealen Plan mitteilte, um des Erwerbs willen für die Besucher
der Londoner Industrieausstellung (siehe Anm. 184) einen Führer
in russischer Sprache herauszugeben. Wolff erbat dazu Engels'
Rat. 208
199 Die Fremdenbill (Alien Bill) wurde vom englischen Parlament
zuerst 1793, dann 1802, 1803, 1816 und 1818 sowie 1848 im Zusam-
menhang mit den revolutionären Ereignissen auf dem europäischen
Kontinent und der Chartistendemonstration vom 10. April 1848 an-
genommen. Die Regierung wurde durch die Fremdenbill von 1848 er-
mächtigt, Ausländer jederzeit aus Großbritannien auszuweisen.
Diese Bill war bis 1850 in Kraft. 211 260
200 Anfang März 1851 kam Engels für einige Tage zu Marx nach Lon-
don, um mit ihm über Maßnahmen zur Entlarvung der kleinbürgerli-
chen Demokraten, der Organisatoren des Banketts vom 24. Februar
(siehe vorl. Band, S. 204 sowie Anm. 203) zu beraten. 213
201 Marx meint die von Engels am 5. März 1851 an die "Times" ge-
sandte Erklärung wegen des verleumderischen Briefs von Louis
Blanc über den Toast Louis-Auguste Blanquis, den die "Times" ver-
öffentlicht hatte. Engels' Erklärung (siehe Band 7 unserer Aus-
gabe, S. 466/467) wurde nicht veröffentlicht. 214
202 Im "Friend of the People" vom 15. März 1851 brachte George
Julian Harney die Erklärung Conrad Schramms, in der dieser gegen
die Beleidigungen protestiert, die ihm und Pieper auf dem Bankett
vom 24. Februar (siehe Anm. 203) zugefügt worden waren (siehe
vorl. Band, S. 198/199). 214
203 Toast Blanquis - Es handelt sich hier um den Trinkspruch, den
Louis-Auguste Blanqui von der Gefängnisinsel Belle-+le an das
"Bankett der Gleichen" richtete - ein internationales Meeting,
das in London am 24. Februar 1851 anläßlich des Jahrestages der
Februarrevolution 1848 stattfand. In seinem Toast prangerte Blan-
qui die Mitglieder der Provisorischen Regierung Frankreichs von
1848 - Ledru-Rollin, Louis Blanc, Lamartine - als Volksverräter
an. Der Text des Toasts Blanquis, den die Organisatoren des Ban-
ketts den Teilnehmern vorsätzlich verheimlicht hatten, wurde in
mehreren französischen Zeitungen veröffentlicht. Marx und Engels
übersetzten den Trinkspruch ins Deutsche und Englische und versa-
hen ihn mit einer Vorbemerkung (siehe Band 7 unserer Ausgabe, S.
568-570). 214 222 244 562
204 Engels weist hier auf das in den Jahren 1828-1840 in London
erschienene sechsbändige Werk "History of the war in the Penin-
sula and in the south of France, from the year 1807 to the year
1814" von William Francis Patrick Napier hin. 217 236
206 Berliner oder Frankfurter Deputierte - Abgeordnete der preu-
ßischen und Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. 219
207 Jules Vidil war einer der sechs Mitglieder des Organisations-
komitees des Banketts vom 24. Februar (siehe Anm. 203), die für
die Verlesung des Toasts von Blanqui stimmten. Die übrigen sieben
Komiteemitglieder stimmten gegen die Verlesung. 220
207 Saragossa (Zaragoza) wurde berühmt wegen der Standhaftigkeit,
mit der seine Verteidiger im Befreiungskrieg des spanischen Vol-
kes gegen die Herrschaft Napoleons kämpften. Die Stadt wurde
zweimal von den Franzosen belagert (Juni bis August und ab Dezem-
ber 1808); erst im Februar 1809 kapitulierten die Verteidiger vor
der überlegenen militärischen Stärke der Franzosen. 223
#654# Anhang und Register
-----
208 Den Anfang dieses Briefes schrieb Marx auf der letzten Seite
eines Briefes Wilhelm Piepers an Engels vom 22. März 1851. In dem
Brief brachte Pieper im Auftrag von Marx den vollen Text des Auf-
rufs "An die Deutschen", den Arnold Ruge, Gustav Struve, Ernst
Haug, Johannes Ronge und Gottfried Kinkel im März 1851 im Namen
des von ihnen zu dieser Zeit gegründeten sogenannten Ausschusses
für die deutschen Angelegenheiten veröffentlicht hatten. Den ge-
kürzten Text des Aufrufs haben Marx und Engels in ihrer Streit-
schrift "Die großen Männer des Exils" (siehe Band 8 unserer Aus-
gabe, S. 305/306) wiedergegeben. 224 257
206 Gemeint ist der Ausschuß für die deutschen Angelegenheiten
(siehe Anm. 208). 224
210 Hinweis auf Gustav Struves Werk "Grundzüge der Staatswissen-
schaft", Bd. 1-4. Die ersten zwei Bände des Buches erschienen
1847 in Mannheim, die beiden letzten Bände 1848 in Frankfurt a.M.
Außerdem war Marx bekannt, daß Struve eine "Weltgeschichte"
schrieb, die er später unter dem Titel "Weltgeschichte in neun
Büchern" in New York herausgab. 224
211 Hinweis auf die Bücher von Carl von Rotteck und Carl Welcker:
"Das Staats-Lexikon. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissen-
schaften für alle Stände", Bd. 1-12, Altona 1845-1848, und Carl
von Rotteck: "Allgemeine Weltgeschichte für alle Stände, von den
frühesten Zeiten bis zum Jahre 1831 ", Bd. 1-4, Stuttgart 1832-
1833. 224
212 Marx verspottet hier Proudhons These, daß "die Zeit selbst
Wert ist". Eine Kritik dieser These Proudhons gibt Marx in seinem
Buch "Das Elend der Philosophie" (siehe Band 4 unserer Ausgabe,
S. 116-119). 228
213 Marx war ungefähr vom 17. April 1851 an einige Tage bei En-
gels in Manchester. 228 239 550
214 Blue Books (Blaubücher) - allgemeine Bezeichnung der Publika-
tionen von Materialien des englischen Parlaments und von diploma-
tischen Dokumenten des Außenministeriums. Die Blaubücher, so be-
nannt nach ihren blauen Umschlägen, werden in England seit dem
17. Jahrhundert herausgegeben und sind die wichtigste offizielle
Quelle zur Geschichte der Wirtschaft und Diplomatie dieses Lan-
des.
Im vorliegenden Brief bezieht sich Marx auf das Blaubuch
"Correspondence relative to the affairs of Hungary. 1847-1849.
Presented to both Houses of Parliament by Command of Her Majesty,
August 15, 1850", London. 228
215 Hinweis auf Roland Daniels' Manuskript "Mikrokosmos. Entwurf
einer physiologischen Anthropologie". Daniels, der in Köln lebte,
hatte das Manuskript Marx zur Beurteilung übersandt. 229 233
216 Gemeint ist die französische Übersetzung des Buches "Der
kleine Krieg, im Geiste der neueren Kriegführung. Oder: Abhand-
lung über die Verwendung und den Gebrauch aller drei Waffen im
kleinen Kriege" von Carl von Decker (Berlin und Posen 1822), das
1827 in drei Bänden in Paris unter dem Titel "La petite guerre,
ou traité des opérations secondaires de la guerre..." herausgege-
ben worden war. 234 569
217 In der Schlacht bei Waterloo (Belle-Alliance) am 18. Juni
1815 wurde die Armee Napoleons von den englisch-holländischen
Truppen unter Wellington und der preußischen Armee unter Blücher
geschlagen. 235
218 Engels bezieht sich auf die politische Taktik einiger Führer
der Tories, die als Interessenvertreter der Großgrundbesitzer
nach anfänglichem hartnäckigem Widerstand der Bourgeoisie
#655# Anmerkungen
-----
ein Zugeständnis nach dem andern machte. Diese politische Taktik
vergleicht Engels mit der Kriegstaktik Wellingtons während des
Krieges 1808-1814 auf der Pyrenäenhalbinsel, wo die englische Ar-
mee unter Wellingtons Kommando sich auf die befestigten Linien
von Torres Vedras (Stadt nordwestlich von Lissabon) zurückzog.
236
219 Hinweis auf eine im Februar 1851 in Wilhelm Weitlings Organ
"Republik der Arbeiter" veröffentlichte Notiz, die schmutzige,
verleumderische Angriffe auf Marx und Engels enthielt. 237
220 Parliamentary trains (Parlamentszüge) nannte man im 19. Jahr-
hundert in England ironisch besondere Züge dritter Klasse, die
1844 durch ein Gesetz eingeführt worden waren; nach diesem Gesetz
mußte jede Eisenbahngesellschaft täglich auf allen ihren Strecken
einen solchen Zug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 12 Meilen
in der Stunde verkehren lassen und durfte für die Fahrt nicht
mehr als 1 Penny pro Meile verlangen. Engels nennt diese Züge in
seiner Arbeit "Schutzzoll und Freihandel" (vgl. Band 21 unserer
Ausgabe, S. 365): "gesetzlich vorgeschriebene Bummelzüge". 239
221 Gemeint sind die 1828 in acht Bänden in Paris erschienenen
"Mémoires du duc de Rovigo, pour servir à l'histoire de l'empe-
reur Napoléon". Duc de Rovigo ist der Titel, den Savary 1807 er-
halten hatte. 240
222 Bei Austerlitz fand am 2. Dezember 1805 die Schlacht zwischen
den russischen und österreichischen Truppen einerseits und den
französischen Truppen andererseits statt. Sie endete mit dem Sieg
Napoleons I. 240 379
223 Der stellvertretende Kölner Bürgermeister Schenk dankte am
25. April 1851 dem auf der Durchreise in Köln weilenden Prinzen
Wilhelm von Preußen im Namen der Mitglieder des Stadtrates für
die Unterdrückung der Revolution. Der Prinz von Preußen erwi-
derte, daß jeder revolutionäre Aufstand von der Armee unterdrückt
werde. Er forderte, "die Kölnische Presse muß sich bessern", d.h.
voll und ganz auf reaktionäre Positionen übergehen. Die Rede
Schenks rief bei vielen Mitgliedern des Stadtrates große Unzu-
friedenheit hervor. 241
224 Kölner - Mitglieder der Kölner Zentralbehörde des Bundes der
Kommunisten (vgl. Anm. 157). 242 243 262
225 Gemeint ist das erste Heft der "Gesammelten Aufsätze von Karl
Marx" (siehe Anm. 170). 243
226 Vermutlich ist der sog. Ausschuß für die deutschen Angelegen-
heiten gemeint. (Vgl. Anm. 208.) 243 253
227 Marx bringt in diesem Brief Auszüge aus dem Artikel
"Electricity and agriculture", der am 26. April und 3. Mai 1845
im "Economist" veröffentlicht worden war. 245
228 Hinweis auf die Wochenzeitung "Notes to the People", die
1851/1852 unter der Redaktion von Ernest Jones in London er-
schien. Nach dem Übergang George Julian Harneys in das Lager der
kleinbürgerlichen Demokratie gewann die Herausgabe dieses Organs
- des Wortführers des revolutionären proletarischen Flügels des
Chartismus - besondere Bedeutung. Marx und Engels unterstützten
die Zeitschrift, nahmen an ihrer Redaktion und Herausgabe teil
und veröffentlichten von Juni 1851 bis April 1852 in ihr mehrere
Artikel. 247
#656# Anhang und Register
-----
229 Engels spielt darauf an, daß Wellington, ein prinzipieller
Gegner der Abschaffung der Korngesetze, als Minister ohne Porte-
feuille in der Regierung Robert Peels sich gezwungen sah, an ih-
rer Aufhebung im Jahre 1846 mitzuwirken. Engels vergleicht diese
Niederlage Wellingtons ironisch mit der Niederlage der Römer bei
den Kaudinischen Pässen in der Nähe der Stadt Caudium (im alten
Rom); hier brachten die Samniter 321 v.u.Z. während des zweiten
Samniterkrieges den römischen Legionen eine Niederlage bei und
zwangen sie, durch das "Joch" gekreuzter Speere zu gehen, was für
eine besiegte Armee als höchster Schimpf galt. Daher der Ausdruck
"durch das Kaudinische Joch gehen", d.h. die schlimmste Erniedri-
gung erleiden. 249
230 Engels weist hier auf die Entlarvung des englischen Innenmi-
nisters James Graham durch Giuseppe Mazzini hin. Graham beauf-
tragte 1844 die Postbehörden mit der Öffnung der Briefschaften
italienischer revolutionärer Emigranten, darunter auch der Briefe
Mazzinis, der seit 1837 als Emigrant in London lebte, und infor-
mierte die neapolitanische und österreichische Regierung von de-
ren Inhalt. Die Maßnahmen Grahams hatten die Aufdeckung der Pläne
der Anhänger Mazzinis in Italien, der Brüder Bandiera, und deren
Hinrichtung zur Folge. 250
231 Die beabsichtigte Herausgabe einer solchen Monatsschrift
konnte nicht verwirklicht werden. 253
232 Der hier erwähnte Brief ist nicht erhalten geblieben. 257
233 Anspielung auf Ferdinand Freiligraths Ballade "Der Mohren-
fürst", in der in der letzten Zeile gesagt wird: "Schlug er das
Fell, daß es rasselnd zersprang." 257
234 Im Oktober 1850 fand in Warschau eine Zusammenkunft Nikolaus
I. mit dem preußischen Thronfolger Wilhelm und dem Kaiser von
Österreich Franz Joseph I. sowie mit deren Ministern statt. Bei
dieser Zusammenkunft trat Nikolaus I. als Vermittler zwischen
Preußen und Österreich auf, deren Kampf um die Hegemonie in
Deutschland sich nach der Revolution 1848/49 und besonders durch
den Konflikt wegen Kurhessen und Schleswig-Holstein verschärft
hatte. Trotz des im Juli 1850 in Berlin unterzeichneten Friedens-
vertrages zwischen Preußen und Dänemark, der in Schleswig-Hol-
stein den Zustand wiederherstellen sollte, wie er vor der Revolu-
tion bestanden hatte, fuhr Preußen fort, die Herzogtümer in ihrem
Kampf gegen Dänemark zu unterstützen. Der Forderung des öster-
reichischen Ministerpräsidenten Schwarzenberg, österreichische
Truppen in Schleswig-Holstein zwecks Unterwerfung dieser Herzog-
tümer einmarschieren zu lassen, widersetzte sich Preußen. Niko-
laus I., der gegen die Stärkung Preußens und für die Aufrechter-
haltung der feudalen Zersplitterung Deutschlands war, gab in War-
schau zu verstehen, daß Österreich mit seiner entschiedenen Un-
terstützung rechnen könne. 258
235 Im April 1851 brach in Portugal ein Aufstand aus, der gegen
das reaktionäre diktatorische Regime der Regierung Costa Cabrai,
die die extrem monarchistischen Kreise der Bourgeoisie und Guts-
besitzer vertrat, gerichtet war. Der Aufstand endete Mitte Mai
1851 mit der Flucht Costa Cabrais und mit dem Machtantritt des
Marschalls Saldanna, des Interessenvertreters der konstitutio-
nell-liberalen Kreise der Großbourgeoisie. 258 260
236 Im Jahre 1851 forderten die bonapartistischen Kreise
Frankreichs verstärkt die Revision der am 4. November 1848 ange-
nommenen Verfassung der Französischen Republik, insbesondere je-
ner Artikel, wonach der Präsident für vier Jahre gewählt wurde
und erst vier Jahre nach Ablauf seiner Amtsperiode wieder wählbar
war. Mit der Revision dieser
#657# Anmerkungen
-----
Artikel der Verfassung wollten die Bonapartisten das weitere Ver-
bleiben Louis-Napoleons an der Macht und die Wiedererrichtung des
Kaiserreichs sichern. Eine Analyse der französischen Verfassung
gibt Marx in seinem Artikel "Die Konstitution der Französischen
Republik, angenommen am 4. November 1848" (siehe Band 7 unserer
Ausgabe, S. 494 bis 506) und in seiner Schrift "Der achtzehnte
Brumaire des Louis Bonaparte" (siehe Band 8 unserer Ausgabe, S.
126-130). 260 270
237 Manchesterschool (Manchesterschule) - ökonomische Lehrmei-
nung, die besonders von den englischen bürgerlichen Ideologen in
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vertreten wurde. Die Ver-
treter des Freihandels, Anhänger dieser Richtung, bildeten die
Manchesterpartei, die Partei der englischen Industriebourgeoisie.
Sie verteidigten die Freiheit des Handels, die Nichteinmischung
des Staates in das wirtschaftliche Leben des Landes und die un-
eingeschränkte Ausbeutung der Arbeiterklasse. Manchester war Zen-
trum der Agitation. 261
238 parti de l'ordre (Partei der Ordnung) - Koalition der zwei
monarchistischen Fraktionen Frankreichs: der Legitimisten (Anhän-
ger der "legitimen" Bourbonendynastie) und der Orleanisten (An-
hänger der Dynastie Orléans). Diese 1848 als Koalition gegen das
Proletariat gebildete Partei der konservativen Großbourgeoisie
spielte ab 1849 bis zum Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 die
führende Rolle in der gesetzgebenden Versammlung der Zweiten
Republik. Der Bankrott ihrer volksfeindlichen Politik wurde von
der Clique Louis Bonapartes für ihre Zwecke ausgenutzt (vgl. Anm.
147). 263 365
239 In diesem Brief analysiert Engels die Politik Deutschlands
gegenüber Polen im Falle der Entwicklung einer siegreichen revo-
lutionären demokratischen Bewegung in Deutschland. Diese Politik
mußte weitgehend von der Entwicklung in Rußland, die Engels be-
reits damals aufmerksam verfolgte, abhängen und nach einer Volks-
revolution gegen den Zarismus sich wesentlich ändern. Lenin
schrieb in dem Aufsatz "Über das Selbstbestimmungsrecht der Na-
tionen" über den vorliegenden Brief von Engels, daß "sich Marx
und Engels zur nationalen Frage allgemein streng kritisch ver-
hielten, sie als historisch bedingt einzuschätzen wußten" (siehe:
W.I. Lenin, Werke, Band 20, Berlin 1961, S. 440).
Aus dem Brief geht weiter hervor, daß die hier von Engels empfoh-
lene politische Linie für die künftigen revolutionären Regierun-
gen Deutschlands und Rußlands nur in einem Polen verwirklicht
werden konnte, in dem die nationale Bewegung sich nicht im engen
Rahmen der Forderungen der adligen Schiachtschitzen bewegt und
die nicht, wie das in der Vergangenheit nicht selten der Fall
war, die Befreiung der polnischen Bauernschaft von feudalen Joch
ignoriert. Lenin hob hervor: "Engels glaubt nicht an den Erfolg
polnischer Adelsinsurrektionen. - Aber alle diese Gedanken, in
denen so viel genialer Weitblick steckt, haben Engels und Marx
nicht im geringsten gehindert, zwölf Jahre später, als Rußland
immer noch schlief, Polen aber brodelte, den tiefsten und glü-
hendsten Anteil an der polnischen Bewegung zu nehmen" (siehe:
W.I. Lenin, Werke, Band 20, Berlin 1961, S. 440-441). 265
240 herrliches Kriegsheer - eine Phrase aus der Neujahrsgratula-
tion Friedrich Wilhelms IV. vom 1. Januar 1849 an das preußische
Heer. Eine Kritik dieses Gratulationsschreibens gibt Marx in sei-
nem Artikel "Eine Neujahrsgratulation" (siehe Band 6 unserer Aus-
gabe, S. 160-164). 266
241 Marx spielt darauf an, daß im Mai 1849, während der Wahlen
für die französische Nationalversammlung, der Innenminister Léon
Faucher an die Präfekten eine unwahre telegraphische Mitteilung
schickte, in der er versuchte, die Wähler mit einer Wiederholung
#658# Anhang und Register
-----
der Junitage (siehe hierüber Band 7 unserer Ausgabe, S. 12-34)
einzuschüchtern, um so auf diese einen Druck auszuüben und sie zu
veranlassen, den rechten Kandidaten ihre Stimme zu geben.
Am 3I.Mai 1850 nahm die Nationalversammlung ein reaktionäres
Wahlgesetz an, das das allgemeine Wahlrecht beseitigte. Nach die-
sem Gesetz hatten u.a. nur noch solche Personen das Wahlrecht,
die mindestens drei Jahre an einem Orte ansässig waren und di-
rekte Steuern entrichteten, wodurch etwa drei Millionen Stimmen
von den Wahllisten gestrichen wurden. 270
242 In Marx' und Engels' Streitschrift "Die großen Männer des
Exils", in der dieser Artikel aus der Wochenschrift "Der Kosmos"
ebenfalls zitiert ist, wird als Verfasser des Artikels Gottfried
Kinkels Frau Johanna, geb. Mockel, angeführt (siehe Band 8 unse-
rer Ausgabe, S. 266). 271
243 Wie aus dem Brief von Engels an Weydemeyer vom 19. Juni 1851
zu ersehen ist (siehe vorl. Band, S. 553), befand sich Engels in
der ersten Hälfte des Juni 1851 in London. 272
244 Gemeint ist die Ansprache der Kölner Zentralbehörde an den
Bund vom 1. Dezember 1850 (siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 561-
565), die vor allem von Heinrich Bürgers ausgearbeitet worden
war. Indem die Verfasser der "Ansprache" die Spaltertätigkeit der
Fraktion Willich-Schapper verurteilten und die Bedeutung der
Theorie für die Entwicklung der kommunistischen Bewegung hervor-
hoben, erklärten sie sich im großen und ganzen mit Marx und En-
gels solidarisch. Dieses Dokument enthält den Beschluß der Londo-
ner Zentralbehörde vom 15. September 1850 über die Bildung einer
neuen Zentralbehörde in Köln und verkündet, gestützt auf den An-
trag des Londoner Kreises des Bundes der Kommunisten an die Köl-
ner Zentralbehörde, den Ausschluß sämtlicher Mitglieder des von
Willich und Schapper gebildeten Sonderbundes.
Jedoch deckt dieses Rundschreiben nicht die wahren Ursachen der
Spaltung des Bundes der Kommunisten auf, da es teilweise auch
Marx und Engels die Schuld an der Spaltung zuschreibt. Einzelne
Thesen der Ansprache sind unklar und verschwommen. Und gerade das
hatte Engels im Auge, wenn er, im Hinblick auf Bürgers, von dem
"claire-obscur des Räsonnements" spricht. Dieses Dokument fiel
bei den Verhaftungen der Mitglieder des Bundes der Kommunisten in
die Hände der Polizei und wurde im Juni 1851 in dem "Dresdner
Journal und Anzeiger" und in der "Kölnischen Zeitung" veröffent-
licht. 274 278 285
245 Es handelt sich um die neuen Statuten des Bundes der Kommuni-
sten, die von der Kölner Zentralbehörde des Bundes im Dezember
1850 verfaßt wurden (siehe Anm. 163). 274
246 "Freie Gemeinden" - Gemeinden, die sich 1846 und 1847 unter
dem Einfluß der Bewegung der Lichtfreunde (siehe Anm. 175) von
der offiziellen protestantischen Kirche gelöst hatten und am 30.
März 1847 das Recht der freien Religionsausübung erhielten. 1859
vereinigten sich die Freien Gemeinden endgültig mit denen der
Deutschkatholiken. 274
247 Gemeint ist die Reaktion bürgerlicher Kreise auf die Verhaf-
tungen der Mitglieder des Bundes der Kommunisten in Köln. Marx
nannte die Vertreter dieser Kreise ironisch "Heuler" in Analogie
zu der Bezeichnung, die die republikanischen Demokraten in der
Revolution 1848/49 in Deutschland den bürgerlichen Konstitutio-
nellen gegeben hatten. 278 519
248 Engels bezieht sich auf die Korrespondenz aus Leipzig vom 6.
Juli, die in Nr. 189 der "Allgemeinen Zeitung" vom 8. Juli 1851
erschienen war. 284
#659# Anmerkungen
-----
249 Engels vergleicht ironisch den Aufruf Giuseppe Mazzinis an
den Ausschuß für deutsche Angelegenheiten (siehe Anm. 208) mit
dem "Brief des Paulus an die Römer" im Neuen Testament. 286
250 Max Stirner, "Der Einzige und sein Eigenthum", Leipzig 1845,
S. 126. 288
251 Siehe Karl Marx und Friedrich Engels, "Revue. Mai bis Oktober
[1850]" (Band 7 unserer Ausgabe, S. 435-437). 290
252 Anspielung auf Max Stirners Buch "Der Einzige und sein Eigen-
thum", Leipzig 1845. 292
253 Pierre-Joseph Proudhon, "Idée générale de la révolution au
XIXe siècle", Paris 1851. 293 306 308,312 316 317 328 338 342 359
254 Engels spielt auf die Aufsätze und Reden Wilhelm Wolffs an,
in denen er die Feinde der Revolution 1848/49 in Deutschland be-
kämpfte, sowie auf Wolffs Artikelserie "Die Schlesische Milli-
arde", in der er die äußerst schwere Lage der schlesischen Bau-
ernschaft untersuchte und die Ausraubung der Bauern durch die
schlesischen Junker entlarvte. 295
255 Die geplante lithographische Korrespondenz kam nicht zu-
stande. 295
256 Etwa am 8. August 1851 erhielt Marx von Charles Dana, einem
Redakteur der fortschrittlichen bürgerlichen Tageszeitung "New-
York Daily Tribune", die Aufforderung zur Mitarbeit. Marx nahm
den Vorschlag Danas an. Marx' Mitarbeit an der Zeitung begann im
August 1851 und währte bis März 1862; eine große Anzahl Artikel
für die "New-York Daily Tribune" wurde auf Marx' Bitten von En-
gels geschrieben. Die Artikel von Marx und Engels in der "New-
York Daily Tribune" behandeln wichtige Fragen der Arbeiterbewe-
gung, der Innen- und Außenpolitik und der ökonomischen Entwick-
lung in den europäischen Ländern, Fragen der kolonialen Expansion
und der nationalen Befreiungsbewegung in den unterdrückten und
abhängigen Ländern und anderes mehr. In der Periode der in Europa
wieder aufkommenden Reaktion benutzten Marx und Engels diese
weitverbreitete fortschrittliche amerikanische Zeitung, um an
Hand von Tatsachen die Gebrechen der kapitalistischen Gesell-
schaft anzuprangern, die dieser Gesellschaft innewohnenden unver-
söhnlichen Widersprüche aufzudecken sowie auf die Grenzen der
bürgerlichen Demokratie hinzuweisen.
Die Redaktion der "New-York Daily Tribune" nahm in vielen Fällen
willkürlich Änderungen an den Artikeln vor. Viele wurden ohne Un-
terschrift des Verfassers als redaktionelle Leitartikel veröf-
fentlicht, viele überhaupt nicht gedruckt. Diese Übergriffe gaben
Marx wiederholt Anlaß zu Protesten. Ab Herbst 1857 war Marx in-
folge der Wirtschaftskrise in den USA, die sich auch auf die Fi-
nanzlage der Zeitung auswirkte, gezwungen, die Anzahl seiner Ar-
tikel für die "New-York Daily Tribune" einzuschränken. Endgültig
aufgehört hat seine Mitarbeit im März 1862 während des Bürger-
krieges in den USA. Entscheidenden Einfluß auf den Abbruch der
Beziehungen zwischen Marx und der "New-York Daily Tribune" hatte
die Tatsache, daß immer mehr Leute in die Redaktion eindrangen,
die für einen Kompromiß mit den Sklavenhalterstaaten eintraten,
und daß die Zeitung ihre fortschrittlichen Positionen aufgab. 296
257 Der Sage nach überredete der römische Patrizier Menenius
Agrippa die Plebejer, die sich 494 v.u.Z. erhoben hatten und zum
Zeichen des Protestes gegen die Unterdrückung durch die Patrizier
auf den Heiligen Berg gezogen waren, sich zu unterwerfen, wobei
er ihnen die Fabel von den Teilen des menschlichen Körpers er-
zählte, die sich gegen den Magen empörten. Menenius Agrippa verg-
lich die Gesellschaft seiner Zeit mit dem lebenden
#660# Anhang und Register
-----
Organismus, dessen Hände die Plebejer waren, die den Magen dieses
Organismus - die Patrizier - ernährten. Da aber die Abtrennung
der Hände vom Magen den unvermeidlichen Tod des lebenden Organis-
mus zur Folge hätte, so folgerte er analog, würde die Weigerung
der Plebejer, ihre Verpflichtungen zu erfüllen, gleichbedeutend
sein mit dem Untergang des Römischen Reiches. 305
258 Hinweis auf die gegen die Vertreter des wissenschaftlichen
Kommunismus gerichteten Angriffe Karl Heinzens in der "Deutschen-
Brüsseler-Zeitung" Nr. 77 vom 26. September 1847, die Engels mit
seinen Artikeln "Die Kommunisten und Karl Heinzen" beantwortete
(siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 309-324). 306
259 Anspielung auf Heinrich Heines Dichtung "Atta Troll" (Kaput
XXIV, Schlußvers), wo es heißt: "Kein Talent, doch ein Charak-
ter." 306
260 Auf Bitten von Marx verfaßte Engels für ihn einen kritischen
Kommentar zu der Schrift Pierre-Joseph Proudhons, den er Ende Ok-
tober 1851 an Marx schickte. 312 361 367 371 375
261 Siehe die 1772 in London erschienenen Bücher von Richard
Price: "An appeal to the public, on the subject of the national
debt" und "Observations on reversionary payments; on schemes for
providing annuities for widows, and for persons in old age; on
the method of calculating the values of assecurances on lives;
and on the national debt". 313
262 Auf Ersuchen von Marx schrieb Engels in der Zeit von August
1851 bis September 1852 die Artikelserie "Revolution und Konter-
revolution in Deutschland" (siehe Band 8 unserer Ausgabe, S. 3-
108). Die "New-York Daily Tribune" veröffentlichte sie in der
Zeit vom 25. Oktober 1851 bis 23. Oktober 1852, und zwar mit
Marx' Unterschrift. Erst 1913 wurde im Zusammenhang mit der Her-
ausgabe des Briefwechsels zwischen Marx und Engels (siehe das
Vorwort, S. VIII/IX, zum vorl. Band) bekannt, daß Engels diese
Artikelserie geschrieben hatte. 314
263 Dureau de la Malle [Adolphe-Jules-César-Auguste], "Économie
politique des Romains", T. 1-2, Paris 1840. 316
264 historische [Rechts]schule - reaktionäre Richtung in der Ge-
schichts- und Rechtswissenschaft, die in Deutschland Ende des 18.
Jahrhunderts aufkam. 318
265 Wilhelm Wolff war Abgeordneter der Frankfurter Nationalver-
sammlung 1848/49. 318
266 Vereinbarer nannten Marx und Engels die Abgeordneten der
preußischen Nationalversammlung, die im Mai 1848 zur Ausarbeitung
der Verfassung "durch Vereinbarung mit der Krone" einberufen
wurde. 320 331 572
267 Hinweis auf die beiden miteinander rivalisierenden kleinbür-
gerlichen Emigrantenorganisationen: den Agitationsverein Arnold
Ruges und den Emigrationsklub Gottfried Kinkels. 334
268 Ende August 1851 erschienen in den Zeitungen Mitteilungen
über die Ausweisung des Redakteurs der "Kölnischen Zeitung" Karl
Heinrich Brüggemann aus Köln. Die Gerüchte erwiesen sich als un-
wahr. 335
269 Im September 1851 wurden in Paris Mitglieder der dortigen Ge-
meinde des Bundes der Kommunisten verhaftet. Sie gehörten der
Fraktion Willich-Schapper an, die sich im September 1850 vom Bund
der Kommunisten abgespalten und als selbständige Organisation
formiert hatte. Wegen der Analogie mit der separaten Vereinigung
reaktionärer
#661# Anmerkungen
-----
katholischer Kantone der Schweiz in den vierziger Jahren des 19.
Jahrhunderts nannten Marx und Engels diese Organisation ironisch
Sonderbund. Die von dieser Fraktion eingeschlagene kleinbürgerli-
che Verschwörertaktik, die die reale Lage ignorierte und auf un-
verzügliche Vorbereitung eines Aufstandes abzielte, gab der fran-
zösischen und preußischen Polizei die Möglichkeit, mit Hilfe des
Provokateurs Julien Cherval (eigtl. Joseph Crämer), der eine der
Pariser Gemeinden leitete, das sog. deutsch-französische Komplott
zu inszenieren. Im Februar 1852 wurden die Verhafteten wegen
"Vorbereitung eines Staatsstreichs" verurteilt. Der Provokateur
Cherval entkam mit Hilfe der Polizei aus dem Gefängnis. Die Ver-
suche der preußischen Polizei, dem von Marx und Engels geführten
Bund der Kommunisten eine Beteiligung an dem sog. deutsch-franzö-
sischen Komplott nachzuweisen, scheiterten völlig. Conrad
Schramm, ein Mitglied des Bundes der Kommunisten, der ebenfalls
im September 1851 in Paris verhaftet worden war, wurde bald dar-
auf wegen Mangels an Beweisen wieder freigelassen. Siehe hierzu
die Arbeiten von Karl Marx "Enthüllungen über den Kommunisten-
Prozeß zu Köln" (Band 8 unserer Ausgabe, S. 405-470) und "Herr
Vogt" (Band 14 unserer Ausgabe, S. 415 -428). 337
270 Nach dem Sturz der Römischen Republik im Juli 1849 emigrierte
eine bedeutende Zahl der Abgeordneten der konstituierenden Ver-
sammlung nach England, wo sie aus ihren Reihen ein provisorisches
Italienisches Nationalkomitee bildeten; zu ihm gehörten Giuseppe
Mazzini und seine Anhänger. Das Komitee war von seinen Wählern
bevollmächtigt, im Interesse der nationalen Angelegenheiten Dar-
lehen aufzunehmen und sich mit allen Fragen zu beschäftigen, die
italienische Bürger betrafen. 339 580
271 Marx weist hier auf die Politik der österreichischen Regie-
rung hin, die zwecks Unterdrückung der polnischen nationalen Be-
freiungsbewegung auf die Ausnutzung der Klassengegensätze und der
nationalen Gegensätze zwischen der ukrainischen Bauernschaft und
dem polnischen Adel gerichtet war. Als im Februar und März 1846
in einigen polnischen Gebieten der Versuch unternommen wurde,
einen Aufstand zur nationalen Befreiung Polens zu entfachen, und
gleichzeitig in Galizien ein Aufstand ausbrach, gelang es den
Österreichern in einigen Fällen, die aufständischen Bauern zum
Kampf gegen die polnischen Aufständischen anzustacheln. Nach der
Niederwerfung des Aufstandes in Krakau wurde auch die Bewegung
der galizischen Bauern grausam unterdrückt. Die österreichische
Regierung, die in der Periode der revolutionären Ereignisse von
1848 sich wieder die Unterstützung der galizischen Bauernschaft
im Kampf gegen die polnische nationale Befreiungsbewegung zu si-
chern suchte, verkündete im Frühjahr 1848 die Abschaffung der
Frondienste und die Aufhebung einiger anderer Feudallasten der
galizischen Bauern. Das war jedoch eine völlig unzureichende Re-
form, da der Grundbesitz der Gutsherren unangetastet blieb und
die Bauern mit einer sehr hohen Loskaufsumme belastet wurden, de-
ren Tilgung sich auf viele Jahre erstreckte. 340 580
272 Es handelt sich um einen im August 1851 von Ernst Dronke in
Genf an Marx gerichteten Brief. In demselben berichtete Dronke
insbesondere über sein Duell mit dem russischen Emigranten Niko-
lai Iwanowitsch Sasonow, über seinen Plan, im Zusammenhang mit
seiner zu erwartenden Ausweisung aus der Schweiz, sich in Piémont
niederzulassen sowie über seine Absicht, mit Hilfe Georg Weerths,
der damals in Hamburg weilte, dort von Schuldnern Geld einzutrei-
ben. 340 342
273 Dokument Willich - Auf dem im Sommer 1851 stattgefundenen
Kongreß des von der Fraktion Willich-Schapper nach der Spaltung
des Bundes der Kommunisten geschaffenen "Sonderbundes" wurde das
Zirkular "Maßregeln vor, während und nach der Revolution"
#662# Anhang und Register
-----
angenommen. Das Dokument widerspiegelt die sektiererischen, aben-
teuerlichen Pläne der Führer des "Sonderbundes", künstlich Revo-
lutionen zu entfachen, ohne den objektiven Gesetzmäßigkeiten
Rechnung zu tragen. Im September 1851 fiel das Zirkular bei der
Verhaftung von Mitgliedern der Pariser Gemeinde des "Sonder-
bundes" der französischen Polizei in die Hände. Es wurde in der
französischen Presse und Auszüge daraus auch in der "Kölnischen
Zeitung" Nr. 225 vom 19. September 1851 veröffentlicht. 341 343
347 352
274 Siehe die Arbeit von Marx und Engels "Revue. [Januar/Februar
1850]" (Band 7 unserer Ausgabe, S. 213-225). 344
275 Hinweis auf Australien, das Verbannungsort für Verbrecher
war. 344
276 Anspielung auf die Aufstände in der bayrischen Pfalz und in
Baden von Mai bis Juli 1849 zur Verteidigung der von der Frank-
furter Nationalversammlung angenommenen Reichsverfassung. 353
277 Am 29. März 1848 kam es bei dem belgischen Dörfchen Risquons-
Tout, unweit der französischen Grenze, zu einem Zusammenstoß der
belgischen republikanischen Legion, die sich auf dem Wege von
Frankreich in die Heimat befand, mit einer Abteilung belgischer
Soldaten, wobei letztere siegreich war. Die belgischen Republika-
ner hatten den Versuch unternommen, durch den Einfall in Belgien
dort eine republikanische Staatsumwälzung zu erreichen. Der Ver-
such mißglückte in erster Linie wegen der fehlerhaften aben-
teuerlich-sektiererischen Taktik, die dem Unternehmen zugrunde
lag (siehe ausführlicher hierüber den Aufsatz von Engels "Die
Antwerpner Todesurteile", Band 5 unserer Ausgabe, S.378-38I). 355
278 Es handelt sich um Marx' Erklärung vom 4. Oktober 1851, die
in der "Kölnischen Zeitung" Nr. 242 vom 9. Oktober 1851 veröf-
fentlicht worden war (siehe Band 8 unserer Ausgabe, S. 109). In
dieser Erklärung widerlegt Marx den "perfid-albernen, geschmack-
loslügenhaften Klatsch" der reaktionären Augsburger "Allgemeinen
Zeitung", die behauptet hatte, daß er der Baronin von Beck poli-
tische Geheimnisse über die Tätigkeit des Bundes der Kommunisten
anvertraut habe, die den Regierungen zugekommen wären und die als
Grund für die Verhaftung von Mitgliedern des Bundes dienten. 356
279 In der Sitzung der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten
Ende August 1850, während einer scharfen Kontroverse zwischen
Marx und Engels einerseits und August Willich andrerseits, for-
derte Conrad Schramm Willich zum Duell. Das Duell fand im Septem-
ber in der Nähe von Ostende statt und endete mit einer leichten
Verwundung Schramms. 356
280 Aus Schillers Epigramm "Die Sonntagskinder" oder "Der Ge-
schwindschreiber" (aus den "Xenien"). 358
281 Hinweis auf die Veröffentlichung der Artikelreihe "Revolution
und Konterrevolution in Deutschland" von Friedrich Engels in der
"New-York Daily Tribune" (siehe Anm. 262). 359
282 Gemeint ist Hermann Ewerbecks Schrift "L'Allemagne et les
Allemands". 361
283 Engels verweist auf den Besuch der Königin Victoria in Man-
chester Mitte Oktober 1851. 361
284 Fortschrittsesel vom 13. Juni - so nennt Marx ironisch die
kleinbürgerlichen Demokraten Frankreichs, die in der Nationalver-
sammlung der Fraktion der Montagne (Bergpartei)
#663# Anmerkungen
-----
(siehe Anm. 141) angehörten. Marx spielt dabei auf den mißglück-
ten Versuch der Führer der Bergpartei an, in Paris am 11. Juni
1849 eine Massendemonstration durchzuführen. Die Demonstration
wurde von Regierungstruppen auseinandergejagt. Während der Er-
eignisse des 13. Juni bewiesen die Führer der Bergpartei ihre
völlige Unfähigkeit, die revolutionäre Bewegung der Volksmassen
zu leiten. 362
285 Es ist hier von dem Wochenblatt der Chartisten "Notes to the
People" die Rede. 362
286 Marx meint die Versuche Gottfried Kinkels und anderer Führer
der kleinbürgerlichen Emigration, 1851/1852 eine sog. deutsch-
amerikanische Revolutionsanleihe unter den deutschen Emigranten
und den Amerikanern auszuschreiben. Diese Anleihe sollte dazu
dienen, unverzüglich die Revolution in Deutschland herbeizufüh-
ren. Das Anleiheunternehmen scheiterte jedoch. In mehreren
Schriften haben Marx und Engels diesen abenteuerlichen Einfall
Kinkels verspottet und in ihm einen schädlichen und fruchtlosen
Versuch gesehen, in einer Zeit des Niedergangs der revolutionären
Bewegung die Revolution künstlich herbeizuführen. 363 587
287 Die Vereinigung der Lichtfreunde (Freie Gemeinden) mit den
Deutschkatholiken erfolgte 1850; endgültig 1859 (siehe Anm. 175
und 246). 363
288 Reichsversammler - gemeint sind die Abgeordneten der Frank-
furter Nationalversammlung. 366
289 Es handelt sich hier um die geplante Veröffentlichung der
Schrift "Misere de la philosophie" in deutscher Sprache, die zu
dieser Zeit nicht verwirklicht wurde. 370
290 Die preußische Regierung wandte alle Mittel an, um die Unter-
suchungshaft der im Mai 1851 verhafteten Mitglieder des Bundes
der Kommunisten in die Länge zu ziehen. Marx und Engels waren da-
her im Interesse der Verhafteten ständig bemüht, einen baldigen
Prozeßbeginn zu erzwingen. 370
291 Etwa vom 5. bis !5.November 1851 hielt sich Marx bei Engels
in Manchester auf. 370
292 Aus den Briefen von Marx an Engels vom 1. und 9. Dezember
1851 und von Engels an Marx vom 16. Dezember 1851 ist ersicht-
lich, daß Engels damals ein satirisches Pamphlet schrieb, in dem
er den Lebenswandel der kleinbürgerlichen deutschen Emigranten in
London anprangerte. Einer der Helden dieses Pamphlets muß Karl
Schapper gewesen sein, der zu jener Zeit zu den Führern der sek-
tiererischen Willich-Schapper-Gruppe und zu den Initiatoren der
Spaltung des Bundes der Kommunisten im September 1850 (siehe Anm.
157) gehörte. Marx und Engels beabsichtigten, dieses Pamphlet
anonym in der Wochenschrift "Die Revolution" zu veröffentlichen,
deren Herausgabe von Joseph Weydemeyer in New York vorbereitet
wurde. Aus einer Reihe von Gründen wurde diese Absicht jedoch
nicht verwirklicht, vor allem deshalb nicht, weil während dieser
Zeit Marx und Engels an ihren größeren Schriften "Der achtzehnte
Brumaire des Louis Bonaparte" und "Revolution und Konterrevolu-
tion in Deutschland" arbeiteten. Außerdem kam es im Frühjahr 1852
zwischen Willich und Schapper zu Differenzen und zu Versuchen
Schappers, sich mit Marx auszusöhnen. In der vom Mai bis Juni
1852 verfaßten Schrift "Die großen Männer des Exils" (siehe Band
8 unserer Ausgabe, S. 233-335) tritt Schapper schon nicht mehr in
Erscheinung; die sarkastischen Pfeile sind hier gegen Arnold
Ruge, Gottfried Kinkel, August Willich u.a. gerichtet. 372 391
293 In seinem Brief an Marx vom 17. November 1851 führte Wilhelm
Pieper Gedichte von Heinrich Heine an. 373
#664# Anhang und Register
-----
294 Marx bemühte sich, eine Protestbewegung gegen die Verhaftung
der angesehensten Mitglieder des Bundes der Kommunisten und den
gegen sie von der preußischen Justiz in Köln vorbereiteten Prozeß
und seine Verschleppung zu organisieren. Er beabsichtigte außer-
dem, das Schweigen der Emigrantenpresse über die Sache der Kölner
Verhafteten zu brechen. Marx schrieb daher eine Reihe von Erklä-
rungen, in denen er die provokatorischen Maßnahmen der preußi-
schen Behörden und das schändliche Verhalten gegenüber den in
Haft Gehaltenen entlarvte, und schickte sie nach Paris zur Veröf-
fentlichung in der französischen Presse. Gleichzeitig bat er Wil-
helm Wolff und Engels, ähnliche Briefe zu schreiben, und zwar er-
steren für Amerika und die Schweiz, letzteren für England. Eine
breite Protestkampagne in der Presse zu organisieren gelang je-
doch nicht, da die kleinbürgerlichen und bürgerlichen Zeitungen
es ablehnten, die Erklärungen zur Verteidigung der Kölner Verhaf-
teten zu drucken. 376
295 Die von Marx und Engels an die Redaktion der "Times" und an
andere englische Zeitungen gesandten Erklärungen, in denen die
Willkür der preußischen Regierung gegenüber den Kölner Angeklag-
ten entlarvt wurde, haben die Zeitungen nicht veröffentlicht. Den
Entwurf der Erklärung von Marx und Engels für die "Times" siehe
Band 8 unserer Ausgabe, S. 219/220. 377
296 Anläßlich der Ankunft Lajos Kossuths in England im Oktober
1851 bereiteten die Chartisten zu seinen Ehren ein feierliches
Meeting im Copenhagen House, Copenhagen Fields in London vor. Der
Vorsitzende des Chartisten-Komitees zur Organisierung des Emp-
fangs von Kossuth, der Reformist Thornton Hunt, versuchte, von
diesem Meeting Feargus O'Connor auszuschließen, indem er sich auf
Anzeichen von Wahnsinn bei ihm berief. Dieses Vorgehen Hunts
führte zu starken Protesten seitens der Chartisten, die sich dem
ehemaligen Chartistenführer gegenüber voller Mitgefühl und Sympa-
thie verhielten. O'Connor wurde zu dem Meeting zu Ehren Kossuths
zugelassen, das am 3. November 1851 stattfand. Um sich vor den
Chartisten zu rechtfertigen, schrieb Hunt am 29. November 1851 im
"Northern Star" eine demagogische Erklärung, in der er sich als
ein eifriger Verteidiger der Interessen des Volkes hinstellte und
sich einen Kommunisten nannte. Hunt wurde jedoch nicht in das
neue Exekutivkomitee der Nationalen Chartisten-Assoziation ge-
wählt. 377
297 Siehe "Notes to the People", 1851, Vol. 2, p. 606. 377
298 Der folgende Teil des Briefes befindet sich auf der 3. Seite
eines Briefes von Wilhelm Pieper (aus Brüssel) an Marx vom 27.
November 1851 und folgt unmittelbar dem Text von Piepers Brief.
377
299 Den vorliegenden Brief schrieb Engels anläßlich des konterre-
volutionären Staatsstreichs vom 2. Dezember 1851, der in
Frankreich zur Beseitigung der Zweiten Republik und zur Errich-
tung des Zweiten Kaiserreichs mit Napoleon III. an der Spitze
führte. Einige Gedanken dieses Briefes entwickelte Marx in seiner
Arbeit "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte" (siehe Band
8 unserer Ausgabe, S. 111-207), insbesondere den ironischen Ver-
gleich zwischen dem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 und dem
Staatsstreich vom 9. November 1799 (dem 18. Brumaire nach dem re-
publikanischen Kalender), durch den Napoleon Bonaparte sich als
Erster Konsul zum Diktator machte. 379
300 Zitat aus der Rede Changarniers vor der französischen Natio-
nalversammlung vom 3. Juni 1851. Sie war eine Antwort auf die
Rede Louis Bonapartes in Dijon vom 1. Juni 1851, in der verbor-
gene Drohungen an die Adresse der Nationalversammlung gerichtet
waren. 379
#665# Anmerkungen
-----
301 Vom 15. bis 21. Mai, 1800 passierten 40 000 französische Sol-
daten mit 150 Geschützen den Alpenpaß Großer-Sankt-Bernhard.
Am 14. Juni 1800 siegte die Armee Napoleon Bonapartes in der
Schlacht bei Marengo (Oberitalien) über die österreichischen
Truppen. Der Sieg bei Marengo sowie die erfolgreichen Aktionen
eines anderen Teils der französischen Armee gegen die Österrei-
cher in Südwestdeutschland führten mit zum Zerfall der zweiten
Koalition europäischer Mächte (England, Österreich, Rußland, Spa-
nien, Neapel, Türkei) gegen Frankreich. Dieser erste große Sieg
Bonapartes nach seinem Staatsstreich vom 18.Brumaire des Jahres
VIII (9. November 1799) festigte seine Macht als Erster Konsul
Frankreichs. 380
302 "Stellen wir uns auf den welthistorischen Standpunkt" - Worte
aus einer Rede Wilhelm Jordans, eines Abgeordneten der Linken in
der Frankfurter Nationalversammlung, während der Polendebatte im
Juli 1848 (siehe Band 5 unserer Ausgabe, S. 341-346). 380
303 Krapülinski - Held aus dem Gedicht "Zwei Ritter" von Heinrich
Heine, ein sein Geld vergeudender polnischer Adliger; der Name
Krapülinski wurde aus dem französischen Wort crapule gebildet,
das sowohl Völlerei, besonders im Trinken, als auch lasterhaftes,
faules Gesindel bedeutet.
Mit dem Namen Krapülinski bezeichnet Marx hier Louis Bonaparte.
384 390 391
304 napoleonische Ideen - Anspielung auf Louis Bonapartes Buch
"Des idées napoléoniennes", das 1839 in Paris erschien. 386
305 Es handelt sich um die von Pierre-Joseph Proudhon geschrie-
bene Einleitung "A la Bourgeoisie" zu seiner Arbeit "Idee géné-
rale de la révolution au XIXe siècle". 387
306 Gemeint sind die Aufstände der Arbeiter in Paris am 1. April
(12. Germinal nach dem republikanischen Kalender) 1795 und 20.-
23. Mai (1.-4. Prairial) desselben Jahres gegen das am 27. Juli
1794 (9. Thermidor) errichtete reaktionäre Regime der Thermido-
rianer sowie die Arbeiteraufstände in Lyon 1831 und 1834 nach der
Julirevolution von 1830 in Frankreich. 388
307 Joseph Weydemeyer beabsichtigte, in New York eine kommunisti-
sche Wochenschrift "Die Revolution" herauszugeben, und bat Marx
und Engels, regelmäßig mitzuarbeiten. Weydemeyer konnte jedoch
wegen finanzieller Schwierigkeiten nur 2 Nummern der Zeitschrift
im Januar 1852 herausgeben, die dann ihr Erscheinen einstellen
mußte. Im Mai und im Juni 1852 gelang es Weydemeyer mit Unter-
stützung von Adolf Cluß, noch zwei Nummern der Zeitschrift her-
auszubringen, jetzt unter dem Titel "Die Revolution. Eine Zeit-
schrift in zwanglosen Heften". Das erste Heft enthält Marx'
Schrift "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte", das zweite
Heft die von Ferdinand Freiligrath im Januar 1852 geschriebenen
"Zwei poetischen Epistel" gegen Gottfried Kinkel. 391
308 Engels spielt auf einen Schreibfehler Joseph Weydemeyers an,
der statt "Abolitionisten" "Abolutionisten" schrieb. 391
309 Im Juli 1841 übersiedelte Marx, nachdem er das Diplom eines
Doktors der Philosophie erworben hatte, nach Bonn, da er ur-
sprünglich beabsichtigte, als Dozent an der Bonner Universität zu
wirken. Infolge der reaktionären Politik der preußischen Regie-
rung, die einer Reihe fortschrittlicher Gelehrter das Lehramt an
den Universitäten entzog, mußte Marx den Gedanken, einen Lehr-
stuhl an der Universität zu übernehmen, aufgeben. Er wandte sich
der publizistischen Tätigkeit zu und setzte sich die Propaganda
revolutionär-demokratischer Anschauungen in der Presse zum Ziel.
#666# Anhang und Register
-----
Von Januar bis März 1842 hielt sich Marx in Trier bei der Familie
seiner Braut Jenny von Westphalen auf.
Marx' Briefwechsel mit Arnold Ruge im Jahre 1842 stand eng mit
seiner Absicht im Zusammenhang, an den oppositionellen Publika-
tionen jener Zeit ("Deutsche Jahrbücher", "Anekdota zur neuesten
deutschen Philosophie und Publicistik" und später "Rheinische
Zeitung") mitzuarbeiten. 395
310 Gemeint ist Ludwig Feuerbachs Besprechung von Karl Bayers
Schrift "Betrachtungen über den Begriff des sittlichen Geistes
und über das Wesen der Tugend" in den "Hallischen Jahrbüchern"
(1840). 395
311 "Anecdota philosophica" bzw. "Anekdota" - abgekürzter Titel
für die "Anekdota zur neuesten deutschenPhilosophie und Publici-
stik", einen zweiteiligen Sammelband, der 1843 in Zürich und Win-
terthur (Schweiz) von Arnold Ruge herausgegeben wurde. In diesem
Sammelband befinden sich von Marx die Aufsätze "Bemerkungen über
die neueste preußische Zensurinstruktion" und "Luther als
Schiedsrichter zwischen Strauß und Feuerbach" (siehe Band 1 unse-
rer Ausgabe, S. 3-25 und 26-27) sowie Aufsätze von Bruno Bauer,
Ludwig Feuerbach, Karl Friedrich Koppen, Arnold Ruge u.a. 397
312 Unter "Posaune" ist das 1841 in Leipzig von Bruno Bauer
anonym herausgegebene Buch "Die Posaune des jüngsten Gerichts
über Hegel den Atheisten und Antichristen. Ein Ultimatum" zu ver-
stehen. 397
313 Bruno Bauer wurde im März 1842 von der preußischen Regierung
wegen seiner atheistischen Ansichten und seiner liberalen opposi-
tionellen Reden von der Bonner Universität abberufen, wo er als
Dozent der Theologie Vorlesungen gehalten hatte. Der von Marx er-
wähnte Brief Bruno Bauers ist nicht erhalten geblieben. 398
314 Gemeint ist die "Verordnung wegen Abänderung der Vorschriften
der Kabinetsorders vom 6. März 1821 und 2. August 1834 über die
Untersuchung und Bestrafung der Verbrechen und Vergehen gegen den
Staat und der Beamten, im Bezirk des Appellationshofes zu Köln"
vom 18.Februar 1842 (siehe "Gesetz-Sammlung für die Königlichen
Preußischen Staaten. 1842", Berlin S. 86-88). Diese Verordnung
wurde unter dem Druck der Bourgeoisie der Rheinprovinz erlassen
und stellte eine Revision der genannten Kabinettsorders dar, die
verkündet worden waren, um das in der Rheinprovinz vorher gültige
französische Strafgesetzbuch (Code pénal, siehe Anm. 385) und die
bestehenden Geschworenengerichte durch das preußische Recht und
durch geheime Gerichtsverfahren zu ersetzen. Jedoch blieben in
der Verordnung vom 18. Februar 1842 eine Reihe Vorbehalte und
Einschränkungen bestehen, die die faktische Beibehaltung der
preußischen Strafprozeßordnung in verschiedenen Fragen (betr.
Staatsverrat, Beamtenvergehen usw.) bedeuteten. 399
315 Marx meint damit die offiziellen Zeitungen. 400
316 Hier ist die Rede von dem 1842 in Berlin erschienenen Buch
"Preußen, seine Verfassung, seine Verwaltung, sein Verhältniß zu
Deutschland" von Ernst Gottfried Georg von Bülow-Cummerow. 400
317 Nach dem 119. Psalm, Vers 105 und 98, sowie dem Buch des Pro-
pheten Arnos, Kapitel 1, Vers 2. 400
318 Marx gab seinen Plan, nach Köln zu ziehen, auf (siehe vorl.
Band, S. 405). Im April 1842 kehrte er nach Bonn zurück, wo er
sich mit Unterbrechungen bis Mitte Oktober desselben Jahres auf-
hielt. 401
#667# Anmerkungen
-----
319 Von den hier von Marx aufgezählten Aufsätzen wurde nur die
Arbeit "Das philosophische Manifest der historischen Rechts-
schule" veröffentlicht. Sie erschien außer dem "Kapitel über die
Ehe" in der "Rheinischen Zeitung" Nr. 221 vom 9. August 1842
(siehe Band 1 unserer Ausgabe, S. 78-85). Der Aufsatz "Die
positiven Philosophen" stellte offenbar eine Analyse und Kritik
der sog. "positiven Philosophie" dar.
Die positive Philosophie war eine religiös-mystische Richtung in
der deutschen Philosophie Ende der dreißiger bzw. Anfang der
vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts, die mit einer Kritik der
Philosophie Hegels von rechts auftrat (Christian Hermann Weiße,
Immanuel Hermann von Fichte, Anton Günther, Franz Xaver von Baa-
der, später auch Schelling). Die "positiven Philosophen" versuch-
ten, die Philosophie der Religion zu unterwerfen; sie traten ge-
gen die rationelle Erkenntnis auf und sahen in der göttlichen
Offenbarung die einzige Quelle "positiven" Wissens. Jegliche Phi-
losophie, die als ihre Quelle die rationelle Erkenntnis aner-
kannte, bezeichneten sie als "negativ". 402
320 Der erste Teil des Buches "Anselm von Canterbury" von Fried-
rich Rudolf Hasse erschien 1843. der zweite 1852. 403
321 Von September 1841 bis Oktober 1842 hielt sich Engels in Ber-
lin auf, wo er seiner Militärdienstpflicht als Artillerist ge-
nügte. In der dienstfreien Zeit besuchte Engels als Gasthörer
Vorlesungen an der Berliner Universität. Aus dieser Zeit datiert
seine Bekanntschaft mit den Linkshegelianern.
Im Oktober 1842 kehrte Engels aus Berlin nach Barmen zurück und
ging im November von dort nach England, wo er bis zum August 1844
blieb. 404 408 554
322 Der erwähnte Artikel von Marx ist nicht erhalten geblieben.
Unter der Bezeichnung kirchliche Wirren oder "Kölner Wirren"
wurde in Deutschland der Konflikt bekannt, der zwischen der preu-
ßischen Regierung und der katholischen Kirche in der Frage des
Glaubensbekenntnisses der Kinder bei sog. gemischten Ehen
(zwischen Katholiken und Protestanten) ausbrach. Dieser Konflikt
begann 1837 im Zusammenhang mit der Festnahme des Erzbischofs von
Köln, des Freiherrn Clemens August von Droste-Vischering, der
sich geweigert hatte, die Forderungen des Königs Friedrich Wil-
helms III. von Preußen zu erfüllen, und infolgedessen des Hoch-
verrats angeklagt und auf die Festung Minden gebracht worden war.
Unter Friedrich Wilhelm IV. endete der Konflikt mit der Kapitula-
tion der preußischen Regierung. 405
323 Marx meint die in der "Königl. Preuß. Staats-Kriegs- und
Friedens-Zeitung" Nr. 138 vom 17. Juni 1842 veröffentlichte
"Berliner Korrespondenz" vom 12. Juni 1842, die über die Ziele
und Aufgaben der "Freien" berichtete (siehe Anm. 15). Diese Notiz
wurde in der "Rheinischen Zeitung" Nr. 176 vom 25. Juni 1842 un-
ter der Überschrift "Aus Berlin" nachgedruckt. 406
324 Siehe das Buch von Philipp Konrad Marheinehe, "Einleitung in
die öffentlichen Vorlesungen über die Bedeutung der Hegelschen
Philosophie in der christlichen Theologie", Berlin 1842. 407
325 Bis zu dieser Zeit unterschrieb Engels seine Arbeiten mit dem
Pseudonym "Oswald" (vgl. vorl. Band, S. 404). 408
326 Engels bezieht sich auf die im "Königsberger Literatur-Blatt"
Nr. 42 vom 20. Juli 1842 gedruckte Antwort Alexander Jungs ("Ein
Bonbon für den kleinen Oswald, meinen Gegner in den deutschen
Jahrbüchern") auf Friedrich Engels' Aufsatz "Alexander Jung, Vor-
lesungen über die moderne Literatur der Deutschen" (siehe Band 1
unserer Ausgabe, S. 433-445). 408
#668# Anhang und Register
-----
327 Der Artikel von Arnold Ruge wurde in der Beilage der
"Rheinischen Zeitung" Nr. 268 vom 25. September 1842 unter der
Überschrift "Sächsische Zustände" veröffentlicht. 409
328 Gemeint ist der in der Beilage der "Rheinischen Zeitung" Nr.
226 vom 14. August 1842 anonym erschienene Artikel "Ein Wort als
Einleitung zur Frage: entspricht die Rheinische Kommunal-Ver-
fassung den Anforderungen der Gegenwart?".
Die Aufsätze von Carl Heinrich Hermes gegen das Judentum erschie-
nen in der "Kölnischen Zeitung" (Nr. 187, 211 und in der Beilage
zu Nr. 235) vom 6., 30. Juli und 23. August 1842. 409
329 Offensichtlich handelt es sich um den Aufsatz "Aus dem Hanno-
verschen", der in der "Rheinischen Zeitung" Nr. 241 vom 29.
August 1842 anonym erschienen war. 409
330 Der Artikel "Das Juste-Milieu" erschien anonym in den
Beiblättern der "Rheinischen Zeitung" (Nr. 156, 228, 230, 233 und
235) vom 5. Juni, 16., 18., 21. und 23. August 1842. Ihr Verfas-
ser war der Junghegelianer Edgar Bauer. Mit dem damals gebräuch-
lichen politischen Schlagwort "juste-milieu", worunter man die
Scheu vor entschiedener Stellungnahme verstand, kritisierte E.
Bauer als ein Wortführer der Berliner "Freien" (siehe Anm. 15)
die Stellung der führenden Liberalen in ihrer Opposition gegen
den Feudalabsolutismus. Auch Marx war ein Gegner der schwanken-
den, widerspruchsvollen Politik des Liberalismus und seines
Ziels, der konstitutionellen Monarchie, mißbilligte aber die rein
negative, extrem ablehnende Haltung der "Freien" gegenüber der
liberalen Bourgeoisie, da man im Jahre 1842 die Reaktion nicht
wirkungsvoll bekämpfen konnte, wenn man die damals stärkste anti-
absolutistische Kraft von der Warte einer rein abstrakten, welt-
fremden Theorie bekämpfte und damit zudem sinnlos das Verbot der
"Rheinischen Zeitung" provozierte. Marx, der sich in seiner welt-
anschaulichen Entwicklung damals von der abstrakten Behandlung
politischer Fragen abgewandt hatte, brach einige Monate später,
während seiner Tätigkeit als Chefredakteur der "Rheinischen Zei-
tung", endgültig mit den "Freien". 409
331 Marx übersiedelte in der ersten Hälfte Oktober 1842 nach Köln
und übernahm am 15.0ktober die Redaktion der "Rheinischen Zei-
tung". Unter seiner Leitung nahm die Zeitung eine immer entschie-
denere revolutionär-demokratische Haltung an. 411
332 Abgewandelte Verse aus Heinrich Heines Gedicht "Frieden" in
"Die Nordsee", 1. Zyklus. 412
333 In der "Rheinischen Zeitung" Nr. 333 vom 29. November 1842
wurde eine Notiz veröffentlicht, in der es u.a. hieß: "Herwegh
und Ruge fanden, daß die 'Freien' durch ihre politische Romantik,
Geniesucht und Renommage die Sache und die Partei der Freiheit
kompromittieren..." 412
334 Mitte November 1842 entstand ein scharfer Konflikt zwischen
der preußischen Regierung und der Redaktion der "Rheinischen Zei-
tung". Marx als Chefredakteur der Zeitung bemühte sich sehr, das
drohende Verbot der Zeitung abzuwenden. Am 12. November wurden
dem verantwortlichen Redakteur der Zeitung Joseph Engelbert Ren-
ard im Namen der preußischen Behörden eine Reihe Verfügungen vor-
gelegt. Insbesondere wurde verlangt, daß die Zeitung eine der Re-
gierung gefällige Tendenz annehme. Am 17. November schrieb Marx
im Namen Renards einen Brief an den Oberpräsidenten der Rheinpro-
vinz von Schaper, in dem er gegen die neuen Zensurschikanen und
die Absicht, die Zeitung zu verbieten, protestierte. Marx vertei-
digte die oppositionelle Richtung der "Rheinischen Zeitung" und
schrieb, daß diese Zeitung "nicht bloß ein gesinnungsloses Amal-
gam von trockenen Referaten und niedrigen Lobhudeleien ist, son-
dern mit einer eines edlen Zwecks
#669# Anmerkungen
-----
bewußten Kritik die staatlichen Verhältnisse und Einrichtungen
des Vaterlandes beleuchtet" und daß sie ein Blatt ist, "welches
charaktervoll und furchtlos die Sprache freier Männer führe".
"Die beispiellos schnelle Verbreitung dieses Blattes beweist",
bemerkte Marx, "wie sehr es die Volkswünsche verstanden hat." Am
19. Januar 1843 beschloß die preußische Regierung, die "Rheini-
sche Zeitung" mit Wirkung vom I.April zu verbieten; für die ver-
bleibende Zeit wurde sie einer besonders strengen Zensur unter-
worfen (siehe vorl. Band, S.414). 413 386 1842 wurde unter der
Leitung von Friedrich Karl von Savigny ein neues Ehescheidungs-
gesetz ausgearbeitet. Die Vorbereitung desselben sowie seine
Erörterung in den Regierungskreisen wurden streng geheimgehalten.
Dessenungeachtet veröffentlichte die "Rheinische Zeitung" Nr. 293
vom 20. Oktober 1842 im Beiblatt den Gesetzentwurf und löste
damit eine breite öffentliche Diskussion in der "Rheinischen
Zeitung", der "Leipziger Allgemeinen Zeitung" und in anderen
Presseorganen aus. Marx kritisierte diesen Gesetzentwurf in
seinem Aufsatz "Der Ehescheidungsgesetzentwurf" (siehe Band 1
unserer Ausgabe, S. 148-151). 414
336 Es handelt sich hier um die von Georg Herwegh 1842 geplante
Herausgabe einer radikalen Monatsschrift "Der Deutsche Bote aus
der Schweiz" in Zürich, an der mitzuarbeiten er Marx eingeladen
hatte. Diese Absicht Herweghs wurde jedoch durch seine Ausweisung
aus Zürich durchkreuzt. Die für die geplante Zeitschrift bestimm-
ten Artikel verschiedener Autoren gab Herwegh im Sommer 1843 - da
Bücher über zwanzig Druckbogen nicht der Zensur unterlagen - in
Gestalt des Sammelbandes "Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz.
Erster Teil" heraus. 415
337 Es handelt sich um die bereits zu jener Zeit vorgesehene Her-
ausgabe der "Deutsch-Französischen Jahrbücher". 416
338 Robert Prutz' Aufsatz "Die Jahrbücher der Gegenwart und die
deutschen Jahrbücher" wurde in dem Beiblatt der "Rheinischen Zei-
tung" Nr. 43 vom 12. Februar 1843 veröffentlicht. Prutz wies in
ihm nach, daß die angekündigte Zeitschrift "Jahrbücher der Gegen-
wart" ihrem Geist und ihrer Richtung nach keineswegs als die
Fortsetzung der Zeitschrift "Deutsche Jahrbücher" angesehen wer-
den könnte. 417
339 Marx meint die von Arnold Ruge und Otto Wigand publizierte
Broschüre "An die Hohe Zweite Kammer der Sächsischen Ständever-
sammlung. Beschwerde über die durch ein Hohes Ministerium des In-
nern angeordnete und am 3. Januar 1843 ausgeführte Unterdrückung
der Zeitschrift 'Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und
Kunst'", Braunschweig 1843. Die Beschwerde war an den sächsischen
Landtag gerichtet. Auf der Broschüre stand außer dem Namen Ruges
noch der Name Otto Wigands, des Leipziger Buchhändlers, der Werke
radikaler Schriftsteller herausgab.
Pfützners Besprechung der Broschüre Ruges und Wigands erschien in
den Beiblättern 71 und 72/73 der "Rheinischen Zeitung" vom 12.
und 14. März unter dem Titel "Ueber die Broschüre an die hohe
zweite Kammer der sächsischen Ständeversammlung". 417
340 Marx spricht hier von den Eingaben und Korrespondenzen Arnold
Ruges sowie von den Bescheiden der Behörden auf dieselben, die
unter dem Titel "Aktenmäßige Darlegung der Censurverhältnisse der
Hallischen und Deutschen Jahrbücher in den Jahren 1839, 1841,
1842" im ersten Band der "Anekdota" veröffentlicht worden waren.
417
341 Gemeint ist die im zweiten Band der "Anekdota" veröffent-
lichte Besprechung Bruno Bauers über Christoph Friedrich von Am-
mons Buch "Die Geschichte des Lebens Jesu mit steter Rücksicht
auf die vorhandenen Quellen dargestellt", I. Band, Leipzig 1842.
417
#670# Anhang und Register
-----
342 Bruno Bauers Aufsatz "Leiden und Freuden des theologischen
Bewußtseins" wurde im zweiten Band der "Anekdota" veröffentlicht.
Im Zusammenhang damit verweist Marx auf Hegels "Phänomologie des
Geistes". 417
343 Es handelt sich hier um Arnold Ruges im zweiten Band der
"Anekdota" veröffentlichten kritischen Aufsatz "Das 'christlich-
germanische' Justemilieu. Die Berliner 'litterarische Zeitung'.
1842, Januar und Februar". 417
344 Mit Bauers Selbstverteidigung meint Marx Bruno Bauers Buch
"Die gute Sache der Freiheit und meine eigene Angelegenheit"
(erschien 1842 in Zürich und Winterthur). 418
345 Im Sommer 1843 fuhr Marx von Köln nach Kreuznach, wo am 19.
Juni seine Hochzeit mit Jenny von Westphalen stattfand. Vom März
bis September 1843 führte Marx Verhandlungen mit Arnold Ruge über
die Herausgabe der "Deutsch-Französischen Jahrbücher" (siehe Anm.
3). Der vorliegende Brief an Ludwig Feuerbach ist mit Marx' Ab-
sicht verbunden, namhafte Vertreter der deutschen und französi-
schen Intelligenz zur Mitarbeit an der Zeitschrift heranzuziehen.
Ende Oktober 1843 übersiedelte Marx nach Paris, wo die Zeit-
schrift herausgegeben werden sollte. 419
346 Marx verweist auf das Vorwort zu Ludwig Feuerbachs Schrift
"Das Wesen des Christenthums", zweite, vermehrte Auflage, Leipzig
1843, S. XXIII. Feuerbach hatte jedoch, wie aus seinem Antwort-
schreiben an Marx vom 25. Oktober 1843 hervorgeht, als er das
baldige Erscheinen einer Kritik Schellings erwähnte, nicht eine
eigene Arbeit gemeint, sondern die seines Freundes und Anhängers
Christian Kapp: "Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling", Leipzig
1843. 419
347 Es handelt sich um den Streit, der durch die Veröffentlichung
des Buches "Die endlich offenbar gewordene Philosophie der Offen-
barung oder Entstehungsgeschichte, wörtlicher Text, Beurteilung
und Berichtigung der v. Schellingschen Entdeckungen über Philoso-
phie überhaupt, Mythologie und Offenbarung des dogmatischen Chri-
stentums im Berliner Wintercursus von 1841/42. Der allgemeinen
Prüfung vorgelegt von Dr. H.E.G. Paulus", Darmstadt 1843,
entstanden war. Schelling strengte mehrere Prozesse an, um das
Honorar für das Buch zu erhalten. Diese Prozesse wurden in der
Öffentlichkeit stark diskutiert; Heinrich Heine schrieb dazu 1844
das Spottgedicht "Kirchenrat Prometheus". 420
348 In seinem Antwortschreiben vom 25.Oktober 1843 lehnte es Lud-
wig Feuerbach ab, für die "Deutsch-Französischen Jahrbücher"
(siehe Anm. 3) einen Aufsatz über Schelling zu schreiben, obwohl
er mit der von Marx gegebenen politischen Einschätzung der philo-
sophischen Anschauungen Schellings voll und ganz übereinstimmte.
Der Grund für seine Ablehnung seien andere, ernstere Vorhaben in
seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. 421
349 Der Druck der "Deutsch-Französischen Jahrbücher" (siehe Anm.
3) erfolgte in Zürich durch das von Julius Fröbel 1842 gegründete
"literarische Comptoir" (siehe vorl. Band, S. 422/423). Neben der
im vorliegenden Brief genannten Ursache waren die prinzipiellen
Meinungsverschiedenheiten zwischen Marx und Arnold Ruge (siehe
Anm. 8) die Hauptursache dafür, daß die Zeitschrift ihr
Erscheinen einstellte. 424
350 Es handelt sich um Ludwig Feuerbachs Bücher "Grundsätze der
Philosophie der Zukunft" (Zürich und Winterthur 1843) und "Das
Wesen des Glaubens im Sinne Luther's. Ein Beitrag zum 'Wesen des
Christenthums'" (Leipzig 1844). 425
351 Die englische Übersetzung wurde offenbar nicht herausgegeben.
Die französische Übersetzung erschien in dem 1850 in Paris veröf-
fentlichten Buch - Qu'est-ce que la religion d'après la nouvelle
philosophie allemande" von August Hermann Ewerbeck. 425
#671# Anmerkungen
-----
352 Die Zitate sind der 1840 in Paris in 2. Auflage herausgegebe-
nen Schrift "Exposition de la science sociale, constituée par C.
Fourier" von É. de Pompery, p. 13 u. 29, entnommen. 426
353 Marx führt zwei dem Inhalt nach zitierten Stellen aus Korre-
spondenzen an, die 1844 in den Heften V und VI der "Allgemeinen
Literatur-Zeitung" veröffentlicht wurden. 427
354 Marx bezieht sich auf eine Aufzeichnung, die unter der Über-
schrift "Aus dem Briefe einer deutschen Dame" ohne Unterschrift
im "Vorwärts!" Nr. 64 vom 10. August 1844 veröffentlicht wurde.
Diese Aufzeichnung ist ein Ausschnitt aus einem Briefe von Jenny
Marx an Karl Marx. 428
355 Über das Original des vorliegenden Briefes verfügt das Insti-
tut für Marxismus-Leninismus nicht, er wird daher aus dem von Al-
fred Frommhold herausgegebenen Buch "Hundertundzehn Jahre Verlag
Rütten & Loening, Berlin. 1844 bis 1954", (Berlin 1954), S. 28,
nachgedruckt. 429
356 Es handelt sich um Auszüge aus Ludwig Feuerbachs Buch "Das
Wesen des Glaubens im Sinne Luther's", die August-Oktober 1844 im
"Vorwärts!" abgedruckt wurden. 431
357 Marx meint hier Heinrich Heines Gedicht "Unsere Marine. Nau-
tisches Gedicht". 435
358 Schmähschrift... hinterlassene Briefe Börnes - wahrscheinlich
handelt es sich hier um die 1840 in Frankfurt a. M. erschienene
Schrift "Ludwig Börne's Urtheil über H. Heine. Ungedruckte Stel-
len aus den Pariser Briefen. Als Anhang: Stimmen über H. Heine's
letztes Buch, aus Zeitblättern". 441
359 Heines Buch über Börne - gemeint ist das Buch "Heinrich Heine
über Ludwig Börne", Hamburg 1840.
Ein Artikel von Marx über Heines Börnebuch ist bisher nicht auf-
gefunden worden. 441
360 In seinem Antwortschreiben an Marx vom 17. Mai 1846 lehnte
Pierre-Joseph Proudhon den 'Vorschlag ab, als Korrespondent für
das kommunistische Korrespondenz-Komitee in Brüssel mitzuarbei-
ten, wobei er erklärte, er sei ein Gegner revolutionärer Kampf-
methoden und des Kommunismus. (Siehe "Correspondance de P.J.
Proudhon", T. 2, Paris 1875, p. 198-202.) 443
361 Es handelt sich um das von Moses Heß in der ersten Hälfte
1846 für die "Deutsche Ideologie" geschriebene Kapitel über Ar-
nold Ruge mit dem Titel "Dottore Graziano, der Bajazzo der deut-
schen Philosophie". Wegen der Schwierigkeiten, auf die die Her-
ausgabe der "Deutschen Ideologie" 1846 stieß, unterbreitete Heß
in einem Brief vom 28. Juli 1846 Marx den Vorschlag, dieses Kapi-
tel als Einzelbroschüre herauszugeben, und bat Marx um Zustimmung
und Rücksendung des Manuskripts. Der vorliegende Brief von Marx
ist die Antwort auf diese Bitte. Die Arbeit wurde in der
"Deutschen-Brüsseler-Zeitung" Nr. 62 und 63 vom 5. und 7. August
1847 unter dem Titel "Dottore Graziano's Werke. Zwei Jahre in Pa-
ris, Studien und Erinnerungen von A. Ruge" veröffentlicht. 445
362 Gemeint ist der von Karl Heinzen 1846 in Mannheim herausgege-
bene Sammelband "Die Opposition". 446
363 Es handelt sich um Arnold Ruges Buch "Zwei Jahre in Paris.
Studien und Erinnerungen", erster und zweiter Teil, Leipzig 1846.
446
364 Marx bezieht sich auf den Brief des Verlegers Carl Wilhelm
Leske an Marx vom 31. März 1846 über die Herausgabe der von Marx
geplanten Arbeit "Kritik der Politik und Nationalökonomie" (siehe
Anm. 6). Der vorliegende Brief ist die Antwort auf Leskes Brief
vom 29. Juli 1846. 447
#672# Anhang und Register
-----
365 Es ist von folgendem Vertrag zwischen Marx und Leske die
Rede:
"Zwischen Herrn Dr. Marx dermalen in Paris einerseits und der
C.W. Leskeschen Buchhandlung in Darmstadt andererseits ist unter
dem heutigen Datum folgender Vertrag abgeschlossen worden.
§ 1. Herr Dr. Marx übergibt der C. W. Leskeschen Buchhandlung zum
alleinigen Verlag sein Werk betitelt .Kritik der Politik und Na-
tionalökonomie', welches zwei Bände, jeder über zwanzig Druckbo-
gen, im 8° format, stark wird.
§ 2. Der Autor, Dr. Marx verpflichtet sich, kein Werk, das mit
diesem konkurrieren könnte, in einer anderen Buchhandlung er-
scheinen zu lassen.
§ 3. Dagegen hat die Leskesche Verlagshandlung an Herrn Dr. Marx
die Summe von Francs 3000, schreibe dreitausend Franken, für das
ganze Werk als Honorar zu entrichten und zwar in der Weise, daß
sie die erste Hälfte dieser Summe bei Einhändigung des vollstän-
digen Manuskriptes, die zweite Hälfte bei Beendigung des Drucks
bezahlt. Außerdem verpflichtet sie sich, zwölf Freiexemplare an
den Herrn Verfasser zu liefern.
§ 4. Die Verlagshandlung beginnt den Druck des Werkes zugleich
bei der Übergebung des Manuskriptes und trägt Sorge dafür, daß
dasselbe in anständigem Gewände erscheine.
§ 5. Die Auflage der .Kritik der Politik und Nationalökonomie'
wird auf 2000 Exemplare festgesetzt.
§ 6. Dieser Kontrakt ist jedoch nur für die erste Auflage des
Werkes gültig. Sollte eine zweite Auflage nötig werden, so wird
ein neuer Vertrag abgeschlossen. Von selbst versteht es sich je-
doch, daß die Leskesche Verlagshandlung bei einer zweiten Auflage
im Vorzuge bleibt.
Dieser Vertrag ist doppelt angefertigt und wird von beiden Teilen
unterschrieben. Paris, den 1ten Februar 1845
Dr. Karl Marx
C. Leske" 447
366 Marx bezieht sich auf die Verhandlungen mit den westfälischen
Unternehmern Rudolph Rempel und Julius Meyer über die Herausgabe
der "Deutschen Ideologie" und auf den Plan, einen kommunistischen
Verlag auf der Basis einer Aktiengesellschaft zu schaffen (siehe
hierüber Anm. 31 und 55). 448
367 Während seiner Reise mit Engels nach England im Juli/August
1845 studierte Marx in der öffentlichen Bibliothek Manchesters
Werke englischer Nationalökonomen. 450
368 In dem Antwortschreiben vom 19. September 1846 teilte Leske
Marx mit, daß er angesichts der strengen Zensur und der polizei-
lichen Verfolgungen seitens der preußischen Regierung von der
Herausgabe der Marxschen Arbeit Abstand nimmt. 450
369 Pawel Wassiljewitsch Annenkow schrieb an Marx am 1. November
1846 über Pierre-Joseph Proudhons Buch "Systeme des contradicti-
ons économiques, ou Philosophie de la misère": "Je vous avoue que
le plan même de l'ouvrage me paraît plutôt un jeu d'esprit, au-
quel on a montré un coin de la philosophie allemande, qu'une
chose produite naturellement par le sujet et les nécessités de
son développement logique." [Ich gestehe Ihnen, daß der eigentli-
che Plan des Werkes mir eher als ein Gedankenspiel erscheint, mit
dem man ein Stück von der deutschen Philosophie als eine natürli-
cherweise vom Subjekt und den Bedürfnissen seiner logischen Ent-
wicklung hervorgebrachten Sache gezeigt hat.] 451
370 Zu diesem Brief gibt es eine Nachschrift von Jenny Marx, die
an Georg Herweghs Frau gerichtet ist. 466
#673# Anmerkungen
-----
371 Ende November 1847 kam Marx mit Engels nach London zur Teil-
nahme am zweiten Kongreß des Bundes der Kommunisten (siehe Anm.
104). 472
372 Am 29. November 1847 sprachen Marx und Engels auf dem inter-
nationalen Meeting in London, das von den Fraternal Democrats or-
ganisiert worden war (siehe Anm. 103). 472
373 Es handelt sich um den abenteuerlichen Plan der republikani-
schen Legion deutscher Emigranten, von Frankreich her in Deutsch-
land einzufallen (siehe Anm. 116). 475
374 Die Verfasser der am 1. April überbrachten Note - Adalbert
von Bornstedt, Wilhelm von Löwenfels, Karl Börnstein, Volk und
Mayer - forderten Marx auf, den Namen des Autors des Artikels
über die Deutsche demokratische Gesellschaft (siehe Anm. 116) in
der "Trier'schen Zeitung" mitzuteilen. 479
375 Die Karikatur ist nach dem Ministerialerlaß vom 21. Januar
1843, durch welchen die "Rheinische Zeitung" verboten wurde
(siehe Anm. 22), in Aachen erschienen. Die drei Totengräber im
Vordergrund stellen die drei preußischen Minister dar, die für
die Zensurangelegenheiten zuständig waren: der Kultusminister
Eichhorn, als Eichhörnchen in der Mönchskutte dargestellt, der
Justizminister Mühler mit den Attributen der Rechtsprechung -
Waage, Schwert und Binde über den Augen - und der mit einem
Wolfskopf gezeichnete Minister des Innern von Arnim. Die im Sarge
liegende "Rheinische Zeitung" ist umgeben von allegorischen Figu-
ren, die Maulkörbe und Ketten tragen und die oppositionelle
Presse symbolisieren sollen. Gegenüber S. 401
376 Die Chartisten hatten zum 10. April 1848 in London zu einer
Massenkundgebung aufgerufen, von der aus eine Petition über die
Annahme der Volks-Charte dem Parlament überreicht werden sollte.
Die Demonstranten, die sich auf dem Kennington Common versammelt
hatten, sollten sich von dort zum Parlamentsgebäude begeben. Die
Regierung verbot die Demonstration, Truppen und Polizei wurden
zusammengezogen, um sie zu verhindern. Die Chartistenführer, von
denen viele eine schwankende Haltung einnahmen, beschlossen, auf
die Demonstration zu verzichten, und bewogen die Demonstranten
auseinanderzugehen. Das Mißlingen der Demonstration wurde von der
Reaktion zu Aktionen gegen die Arbeiter und zu Repressalien gegen
die Chartisten ausgenutzt. 481
377 Die "Neue Rheinische Zeitung" wurde zuerst in der Druckerei
W. Clouth, Köln, St. Agatha 12, und von Nr. 88, 89 (Ende August
1848) an in der Druckerei J.W. Dietz, Unter Hutmacher Nr. 17, ge-
druckt. 484
378 Engels mußte wegen drohender Verhaftung Deutschland vorüber-
gehend verlassen. Während dieser Zeit hielt er sich u.a. in ver-
schiedenen Städten der Schweiz, besonders in Lausanne und Bern,
auf und knüpfte enge Beziehungen zu den örtlichen demokratischen
und Arbeitervereinen. Im Dezember 1848 nahm er an dem in Bern
stattgefundenen ersten Kongreß der Arbeitervereine und der Sek-
tionen des Deutschen demokratischen Nationalvereins der Schweiz
als Delegierter des Lausanner Arbeitervereins teil (siehe Anm.
381). 486
379 Es ist von dem ersten Kongreß der Arbeitervereine und der
Sektionen des Deutschen demokratischen Nationalvereins der
Schweiz die Rede, der vom 9. bis 11. Dezember 1848 in Bern statt-
fand. Auf diesem Kongreß waren die demokratischen und Arbeiter-
vereine aus verschiedenen Städten der Schweiz vertreten. Der Kon-
greß nahm das Statut der Vereinigung der deutschen Vereine in der
Schweiz an, nach dem an der Spitze der Vereinigung ein Zentral-
verein stehen sollte. Diese Funktion wurde dem Arbeiterverein in
Bern übertragen. Die ständige Leitung aber hatte eine Zentralkom-
mission aus fünf Männern. Zu
#674# Anhang und Register
-----
dieser am 14. Dezember 1848 gewählten Zentralkommission gehörte
auch Friedrich Engels als Schriftführer.
In seinem Brief vom 7. Dezember 1848 sprach sich der Verein in
Vivis (Vevey) gegen eine Reihe von Anträgen aus, die der Deutsche
Nationalverein in Zürich eingebracht hatte, und schlug u.a. vor,
daß die neue Vereinigung von dem. Deutschen Wehrbund in Biel
(siehe Anm. 382) geleitet werden sollte. Der Brief des Vereins in
Vivis an den Kongreß wurde auf dessen Sitzung vom 10. Dezember
1848 diskutiert. Die Zentralkommission wurde beauftragt, diesen
Brief zu beantworten und den Verein in Vivis davon zu überzeugen,
daß er von seinen Forderungen abgehe und in der neugeschaffenen
Vereinigung mitwirke. 486
380 Gemeint ist der Deutsche Nationalverein in Zürich, der im
April 1848 gebildet worden war und demokratisch-republikanische
Ziele verfolgte. Ihm gehörten Vertreter der bürgerlichen Intelli-
genz, aber auch in der Schweiz lebende deutsche Arbeiter an. Der
Verein stand unter dem Einfluß kleinbürgerlicher Demokraten
(Julius Fröbel, Arnold Ruge). Im Sommer 1848 schloß sich der Na-
tionalverein der Organisation der demokratischen Vereine Deutsch-
lands an, die auf Beschluß des ersten demokratischen Kongresses
in Frankfurt a.M. geschaffen worden war. Im August 1848 rief der
Nationalverein alle deutschen Vereine in der Schweiz auf, eine
einheitliche Organisation zu schaffen und einen Kongreß einzube-
rufen, 486
381 Engels befand sich seit November 1848 in Bern. Am 8. Dezember
1848 schickte der Lausanner Arbeiterverein Engels ein Mandat als
Abgeordneter zum Kongreß in Bern sowie Instruktionen (siehe Band
6 unserer Ausgabe, S. 574/575). Die Führer des Lausanner Vereins,
G. Schneeberger, Chr. Haaf und Bangert, schrieben aus diesem
Anlaß an den Berner Arbeiterverein am 8,Dezember 1848: "Einen
Abgeordneten zu senden ist uns durch die Teilnahmslosigkeit des
Vereins in Vivis (welche nur den Verein in Biel als Zentralpunkt
anerkennen wollen) unmöglich geworden. Demzufolge haben wir
beschlossen, Freund Engels mit unsern Instruktionen zu
bevollmächtigen. Sollte derselbe jedoch nicht anwesend sein, so
wird dieselbe Fr. Frost übernehmen," 487
382 Der Wehrbund ("Hilf Dir") wurde im Herbst 1848 von dem ange-
sehenen Vorkämpfer der demokratischen und Arbeiterbewegung Johann
Philipp Becker gegründet. Der Zentralausschuß des Bundes befand
sich in Biel (Kanton Bern); ihm schlössen sich die Vereine an,
die in verschiedenen Städten der Schweiz entstanden waren und die
sich hauptsächlich aus Handwerkern zusammensetzten. Der Wehrbund,
der eine kleinbürgerlichdemokratische Richtung vertrat, strebte
die Einigung aller deutschen Freiwilligenabteilungen in der
Schweiz an, um in Deutschland die Republik zu errichten. Die Or-
ganisation stand unter dem Einfluß von Geheimgesellschaften in
Frankreich und Italien und hatte, worauf schon ihr Name hinweist,
geheimbündlerisch-verschwörerischen Charakter. Die Schweizer Be-
hörden verfolgten auf Druck des deutschen Bundestags Becker und
andere Organisatoren des Wehrbunds gerichtlich. Becker wurde ver-
urteilt und auf ein Jahr aus dem Kanton Bern ausgewiesen. 487
383 Hinweis auf den vom zweiten Demokraten-Kongreß (26.-
30.Oktober 1848) in Berlin gewählten Zentralausschuß der Demokra-
ten Deutschlands.
Weiterhin ist das Zentralkomitee der deutschen Arbeiter gemeint,
das als Leitung der neugegründeten Arbeiterverbrüderung auf dem
in Berlin vom 23. August bis 3. September 1848 tagenden Arbeiter-
kongreß gewählt wurde und unter der Leitung von Stephan Born
stand. Das Zentralkomitee der Arbeiterverbrüderung hatte seinen
Sitz in Leipzig. Die
#675# Anmerkungen
-----
Arbeiterverbrüderung war der erste größere, aber noch uneinheit-
liche und lose Zusammenschluß deutscher Arbeitervereine. Ihrem
Programm und ihrer Zielstellung nach war sie eine vorwiegend ge-
werkschaftlich-genossenschaftliche Organisation. Statt die Arbei-
ter auf den Weg des politischen Kampfes zu führen, orientierte
sie Born auf nutzlose kleinbürgerlich-soziale Experimente. Trotz
dieser ökonomischen und klassenversöhnlerischen Konzeption hatte
die Arbeiterverbrüderung eine gewisse positive Bedeutung durch
die erstmalige überlokale Verbindung zahlreicher Arbeitervereine
und die Überwindung einer Reihe rückständiger, zünftlerischer
Vorstellungen in diesen Arbeitervereinen. 487
384 Der Anwalt Wilhelm Stieber hatte sich in einem Brief vom 26.
Dezember 1848 an die Redaktion der "Neuen Rheinischen Zeitung"
gegen eine in der Nr. 177 vom 24. Dezember veröffentlichte Korre-
spondenz aus Frankfurt a.M. gewandt. In dieser Korrespondenz
wurde mitgeteilt, daß Stieber als königlich-preußischer Spion be-
kannt sei und daß er zur Untersuchung der Septemberereignisse
nach Frankfurt kommen werde. In der Beilage zur Nr. 182 vom 30.
Dezember 1848 brachte die Redaktion eine Berichtigung, in der
darauf hingewiesen wurde, daß Stieber sich "in einer ganz un-
schuldigen Privatangelegenheit" in Frankfurt a.M. aufgehalten
habe.
Stieber, "einer der größten Polizeilumpen des 19. Jahrhunderts"
(Marx), hatte sich zur Verfolgung fortschrittlicher Kräfte nach
dem Weberaufstand von 1844 in Schlesien als Polizeispitzel aufge-
halten und 1845 die Verhaftung und Verurteilung mehrerer Demo-
kraten und Handwerker veranlaßt. - 1851 wurde er auf nachdrückli-
ches Verlangen des preußischen Königs zum Polizeirat und Leiter
der Berliner Kriminalpolizei ernannt. Über sein Vorgehen gegen
den Bund der Kommunisten siehe Marx' Schrift: "Enthüllungen über
den Kommunisten-Prozeß zu Köln" (Band 8 unserer Ausgabe, S. 405-
470). 489
385 Code pénal - Strafgesetzbuch, das in Frankreich 1810 angenom-
men und in den unter Napoleon I. eroberten Gebieten West- und
Südwestdeutschlands eingeführt wurde; in der Rheinprovinz galt es
ebenso wie der Code civil auch nach ihrer Angliederung an Preußen
im Jahre 1815. Die preußische Regierung war bestrebt, in dieser
Provinz wieder das preußische Landrecht einzuführen. Eine ganze
Reihe von Gesetzen, Erlassen und Vorschriften sollte in der
Rheinprovinz die feudalen Privilegien des Adels (die Majorate)
und die preußische Strafgesetzordnung, Ehegesetzgebung usw. wie-
derherstellen. Diese Maßnahmen, die eine entschiedene Opposition
in der Rheinprovinz hervorriefen, wurden nach der Märzrevolution
durch die Verordnungen vom 15. April 1848 aufgehoben. 489
386 Die vorliegende Adresse an den Märzverein verfaßte Engels als
Mitglied der Zentralkommission im Auftrage des Berner Kongresses
der deutschen Vereine in der Schweiz (siehe Anm. 379). Auf der
Sitzung des Kongresses am 10. Dezember 1848 kam es zu heftigen
Diskussionen, als die Frage der Herstellung einer Verbindung zu
dem kleinbürgerlichen Märzverein (siehe Anm. 135) erörtert wurde.
Obwohl der Delegierte des Arbeitervereins in Bern gegen eine Kor-
respondenz mit dem Märzverein auftrat, weil dieser nicht auf re-
publikanischem Boden stand, wurde beschlossen, eine Adresse an
den Märzverein abzufassen. Der Text dieses Dokuments wurde auf
der Sitzung am 11. Dezember 1848 bestätigt. Bei der Abfassung der
Adresse war Engels an den Beschluß des Kongresses gebunden. Er
erreichte jedoch, daß in diesem offiziellen Schreiben die Stel-
lung der proletarischen Revolutionäre und der "Neuen Rheinischen
Zeitung" gegenüber dem Märzverein zum Ausdruck kam. So unter-
strich er, daß das republikanische Programm der neugeschaffenen
Vereinigung deutscher Vereine in der Schweiz eine enge Zusam-
menarbeit dieser Organisation mit dem Märzverein unmöglich mache.
490
#676# Anhang und Register
-----
387 Der Berner Verein (Arbeiterverein in Bern) war 1848 einer der
größten und einflußreichsten deutschen Arbeitervereine in der
Schweiz und spielte für eine Reihe kleinerer Arbeitervereine im
Kanton Bern eine führende Rolle. Er hatte ein republikanisch-de-
mokratisches Programm, stand jedoch in bedeutendem Maße unter dem
Einfluß von Wilhelm Weitling und Stephan Born. Im Frühjahr 1849
löste sich der Arbeiterverein auf. 490
388 Laut Artikel 1 des auf dem Berner Kongreß angenommenen Sta-
tuts der Vereinigung der deutschen Vereine der Schweiz war es
"der Zweck der Vereinigung, die Mitglieder untereinander zu sozi-
aldemokratischen Republikanern zu bilden, wie auch auf jede
rechtliche Weise den sozialdemokratisch-republikanischen Grund-
sätzen und Einrichtungen unter den Deutschen Anerkennung zu ver-
schaffen und auf deren Verwirklichung hinzuarbeiten". 490
389 Unter deutsche Reichsgewalt ist hier die von der Frankfurter
Nationalversammlung am 28. Juni 1848 geschaffene provisorische
Zentralgewalt zu verstehen, die aus dem Reichsverweser (dem
österreichischen Erzherzog Johann) und dem Reichsministerium be-
stand. Die provisorische Zentralgewalt verfügte über kein eigenes
Budget und keine eigene Armee und war damit jeglicher realer
Macht beraubt; sie unterstützte jedoch die konterrevolutionäre
Politik der deutschen Fürsten. Über die gegen die Schweiz gerich-
teten Anmaßungen der Zentralgewalt im Zusammenhang mit der Tätig-
keit der deutschen republikanischen Emigranten in der Schweiz
siehe Engels Artikel "Die deutsche Zentralgewalt und die Schweiz"
(Band 6 unserer Ausgabe, S. 46-54). 490
390 sogenannte Nationalversammlung - Engels kennzeichnet hiermit
die am 18. Mai in Frankfurt a.M. einberufene und bis zum 18. Juni
1849 tagende Frankfurter Nationalversammlung. Bei dem zahlenmäßi-
gen Übergewicht der durch ihr Schwanken und ihre Feigheit sich
auszeichnenden Vertreter des liberalen Bürgertums und der Unent-
schlossenheit und Inkonsequenz des kleinbürgerlichen linken Flü-
gels vermochte die Frankfurter Nationalversammlung die Grundauf-
gaben der Revolution von 1848/49 (vor allem die Schaffung eines
Nationalstaates und die Beseitigung des Feudalismus) nicht zu lö-
sen und die Volkskräfte zur Abwehr der aggressiven Konterrevolu-
tion und zur Verteidigung der von ihr selbst angenommenen Reichs-
verfassung zu mobilisieren. Im Mai 1849 begann sie zu zerfallen;
das nach Stuttgart übersiedelte Rumpfparlament wurde am 18. Juni
1849 von württembergischen Truppen auseinandergejagt. 490
391 Engels hatte Köln Ende September 1848 verlassen (siehe Anm.
123) und war Mitte Januar 1849 dorthin zurückgekehrt. 493
392 Siehe die "Mitteilung betreffs Bestellung der 'Neuen Rheini-
schen Zeitung' für das I. Quartal 1849" (Band 6 unserer Ausgabe,
S. 576).
Marx verweist auf die Korrespondenz "Allianz der europäischen Po-
lizei" über die Ausweisung des Frankfurter Emigranten Wiedecker
aus London, die mit dem Vermerk "Köln, 8.Jan." unter dem Korre-
spondentenzeichen Dronkes in der "Neuen Rheinischen Zeitung" Nr.
192 vom 11.Januar 1849 veröffentlicht worden war. 494
393 Anfang Oktober 1848 trafen Engels und Dronke, die nach den
Septemberereignissen (siehe Anm. 123 und 133) aus Köln geflüchtet
waren, in Brüssel ein. Am 4. Oktober wurden beide von der Brüsse-
ler Polizei verhaftet, ins Gefängnis geworfen und dann zwangs-
weise an die französische Grenze abgeschoben, von wo aus sie sich
nach Paris begaben. 495
394 Die Beilage zu Nr. 233 der "Neuen Rheinischen Zeitung" vom
28. Februar 1849 bringt eine Notiz ohne Unterschrift, nach wel-
cher der Hauptmann der 8. Komp. des 16. Infanterieregiments,
#677# Anmerkungen
-----
von Uttenhoven, der wegen seiner reaktionären Ansichten bekannt
war, der Verschiebung staatlichen Heizmaterials beschuldigt
wurde. 496
395 Diesen Brief schrieb Marx in Bingen, von wo aus er sich etwa
am 3. Juni 1849 nach Paris begab (siehe Anm. 139 und 142). 499
396 Die letzte Nummer der "Neuen Rheinischen Zeitung" (Nr. 301
vom 19. Mai 1849) erschien in rotem Druck. 500 535
397 Engels meint die deutsche Reichsverfassungskampagne (siehe
Anm. 140). 501 569
398 Bei Rastatt fand am 29. und 30. Juni 1849 die letzte Schlacht
der badischen Revolutionsarmee gegen preußische Truppen statt.
Die Reste der badischen Armee, die in der Festung Rastatt bela-
gert wurden, kapitulierten am 23. Juli. 501 509
399 Nach der Niederlage des badisch-pfälzischen Aufstands über-
schritt die Abteilung, in der Engels kämpfte, am 12. Juli 1849
die Schweizer Grenze. 501
400 Ideologen nannten Marx und Engels jene Philosophen, Soziolo-
gen und Historiker, denen die idealistische Vorstellung von einer
selbständigen Rolle der Idee, das Unverständnis für die Abhängig-
keit des Denkens und des Bewußtseins von der materiellen Wirk-
lichkeit eigen waren. Marx und Engels haben insbesondere in der
"Deutschen Ideologie" kritisch zu den Ideologen (in diesem Sinne)
Stellung genommen (vgl. Band 3 unserer Ausgabe). 502
401 Es handelt sich um die Suche nach einem Verleger für die von
Marx geplante Veröffentlichung einer Reihe von Broschüren (siehe
vorl. Band, S. 506). 508
402 Über Marx' und Engels' Verhaftung auf der Reise nach Bingen
siehe Anm. 139.
Anfang Juni 1849 wurde Engels auf Veranlassung eines Mitgliedes
der provisorischen Regierung der Pfalz in Kirchheimbolanden der
Propaganda gegen die Regierung beschuldigt und verhaftet. Am fol-
genden Tage wurde er auf Drängen des Mitglieds der provisorischen
Regierung Karl d'Ester jedoch wieder freigelassen. 511
403 Der von Engels erwähnte Artikel Wilhelm Wolffs wurde nicht in
dem ersten Heft der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-ökono-
mische Revue" veröffentlicht. In einer Redaktionsnotiz wurde mit-
geteilt, daß Wilhelm Wolffs Artikel "Die letzten Tage des deut-
schen Parlaments" in dem zweiten Heft der Zeitschrift veröffent-
licht werden würde. Jedoch erst im vierten Heft erschien ein Auf-
satz Wilhelm Wolffs - "Nachträgliches 'aus dem Reich'" -, der dem
Stuttgarter "Rumpfparlament" der Nationalversammlung und der
Reichsregentschaft gewidmet war.
Die von Marx und Engels geschriebene "Revue [Januar/Februar
1850]" wurde in der zweiten Nummer der Zeitschrift veröffentlicht
(siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 213 bis 225).
Die Vorlesungen über politische Ökonomie, die Marx im Deutschen
Bildungsverein für Arbeiter in London hielt, wurden nicht in der
"Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-ökonomische Revue" veröf-
fentlicht. 519
404 Marx bezieht sich hier auf den Deutschen Bildungsverein für
Arbeiter in London (siehe Anm. 58) und auf den kleinbürgerlichen
Demokratischen Verein in London, an dessen Spitze Karl Heinzen,
Gustav Struve, F.H.K. Bobzin und Louis Bauer standen. Diese
kleinbürgerlichen Demokraten versuchten einer selbständigen Orga-
nisation des Proletariats
#678# Anhang und Register
-----
entgegenzutreten und intrigierten gegen den Deutschen Bildungs-
verein für Arbeiter in London. 519
405 Dauls "Tagebuch eines pp.", die Becher-Esselensche Schmiere -
es handelt sich um das von A. Daul 1849 in St. Gallen herausgege-
bene "Tagebuch eines politischen Flüchtlings während des Frei-
heitskampfes in der Rheinpfalz und Baden" sowie um die 1849 in
Genf erschienene "Geschichte der süddeutschen Mai-Revolution des
Jahres 1849" von Johann Philipp Becker und Christian Esselen. 519
406 Der vorliegende Brief ist die Antwort auf eine von Louis Bam-
berger, Eduard von Müller-Teilering und Rudolph Schramm unter-
zeichnete Einladung vom 30. Dezember 1849 zur Teilnahme an einer
Zusammenkunft deutscher politischer Flüchtlinge. 520
407 Eduard von Müller-Tellering hatte am 5. Februar 1850 Engels
schriftlich gebeten, ihm Eintrittskarten zu einem Ball des Deut-
schen Bildungsvereins für Arbeiter in London zu besorgen. Engels
Ablehnung dieser Bitte diente zum Anlaß für die Intrigen, die von
Müller-Tellering gegen Marx und Engels und gegen den von ihnen
unterstützten Deutschen Bildungsverein für Arbeiter in London an-
zettelte (siehe auch vorl. Band, S. 526 bis 527). 523
408 Dem vorliegenden Brief waren Kopien folgender Dokumente bei-
gefügt:
"Ich bestätige hiermit, daß Herr Karl Kilinsky im Monat Juli 1849
mit den aus Sardinien kommenden ungarischen Husaren nach Konstan-
tinopel gesandt worden ist und von dort, da er keine Gelegenheit
mehr hatte, seine Dienste der Armee anzutragen, im Februar 1850
nach London zurückgekommen sei.
London, 22. Februar 1850.
Franz Pulszky"
"Ich bestätige hiermit, daß Herr Martin Ryschka im Monat Juli
1849 mit den ungarischen Husaren, die aus Sardinien kamen, nach
Konstantinopel gesandt wurde und die Absicht hatte, in ungarische
Dienste zu treten. Da er davon durch das Ende des Kriegs gehin-
dert wurde, kehrte er im Februar 1850 nach London zurück.
London, 22. Februar 1850.
Franz Pulszky" 524
409 Dieser Brief wurde im Zusammenhang mit den Intrigen des
kleinbürgerlichen Demokraten Eduard von Müller-Tellering gegen
Marx und Engels geschrieben (siehe Anm. 407).
Am 3. März schloß das Ehrengericht von Müller-Tellering aus dem
Arbeiterverein aus, wogegen er in einem neuen Brief voller Belei-
digungen und verleumderischer Angriffe auf Engels protestierte.
Der vorliegende Brief ist eine Antwort auf alle diese Intrigen.
526
410 Gemeint ist Eduard von Müller-Tellerings Broschüre "Westdeut-
scher Zeitungsjammer", Düsseldorf 1850. 526
411 Offensichtlich meint Engels hier folgende Dokumente: Karl
Marx/Friedrich Engels, "Erklärung", Karl Marx/Friedrich Engels,
"Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März 1850" und
"Rechnungsablage des Sozial-demokratischen Flüchtlingskomitees in
London" (siehe Band 7 unserer Ausgabe S. 302-304, 244-254 und
554-556). 531
412 Es handelt sich hier um die Organisation der in London leben-
den französischen blanquistischen Emigranten. Mit ihnen und mit
Vertretern des revolutionären Flügels der
#679# Anmerkungen
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Chartisten trafen Marx und Engels im Namen des Bundes der Kommu-
nisten eine Vereinbarung über die Gründung einer Weltgesellschaft
der revolutionären Kommunisten (siehe Anm. 197).
Unter der Gesellschaft in der Greek Street ist der Demokratische
Verein zu verstehen (siehe Anm. 404). 533
413 Otto Lüning brachte in der "Neuen Deutschen Zeitung" Nr. 148-
151 vom 22., 23., 25. und 26. Juni 1850 eine Besprechung der bis
dahin erschienenen vier Hefte der "Neuen Rheinischen Zeitung. Po-
litisch-ökonomische Revue". Besondere Aufmerksamkeit widmete er
hierbei den Arbeiten "Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis
1850" von Karl Marx und "Die deutsche Reichsverfassungskampagne"
von Friedrich Engels, wobei er die Auffassungen von Karl Marx
über die Diktatur des Proletariats und die Abschaffung der Klas-
senunterschiede entstellt wiedergab. Marx beantwortete diese Kri-
tik mit der "Erklärung an den Redakteur der 'Neuen Deutschen Zei-
tung'" (siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 323). 536
414 Gemeint ist der Aufstand des Pariser Proletariats vom 23. bis
26. Juni 1848, der nach Lenin der erste große Bürgerkrieg zwi-
schen dem Proletariat und der Bourgeoisie war. 537
415 Marx bezieht sich auf den geplanten Kongreß des Bundes der
Kommunisten (siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 310/311). Die Ein-
berufung des Kongresses konnte wegen der im September 1850 einge-
tretenen Spaltung des Bundes der Kommunisten und danach wegen der
desorganisierenden Tätigkeit der sektiererischen Gruppe Willich-
Schapper (siehe Anm. 157) nicht erfolgen. 538
416 Jenny Marx berichtet hierüber in ihren 1865 geschriebenen
"Umrissen eines bewegten Lebens": Nach der Herausgabe der letzten
Nummer der "Neuen Rheinischen Zeitung" am 19. Mai 1849 "entschloß
sich Karl, einstweilen von neuem nach Paris zu gehen, da der
deutsche Boden ihm unmöglich geworden war... Ich selbst ging mit
den 3 Kleinen über Bingen, wo wir... 8 Tage verweilten, nach mei-
ner alten teuren Heimat in die Arme der geliebten Mutter. Von
Bingen aus hatte ich einen kleinen Abstecher gemacht, um mein
eben aus dem Brüsseler Pfandhaus erlöstes Silbergeschirr von
neuem in flüssiges Silber umzusetzen. Weydemeyer und seine Frau
nahmen mich aufs herzlichste auf und waren mir bei der Pfand-
haustransaktion sehr behilflich. Ich hatte uns so von neuem die
Reisemittel verschafft." 540 606
417 In dem der Anklageschrift gegen P.G. Roeser,... entnommenen
Brief von Marx an Hermann Becker steht an dieser Stelle: Freun-
den. Karl Hackenberg zitiert in seinem Buch "Der rote Becker",
Leipzig 1922, Seite 122 einen Brief von Becker aus den Jahren
1854 und 1855. Hier erklärt Becker unzweideutig und wahrschein-
lich auch glaubwürdig, daß Marx' Brief insofern gefälscht sei,
als es ursprünglich "Fremden" geheißen habe. Dies sei aus politi-
schen Gründen geschehen, um durch den Ausdruck "Freunde" den Ein-
druck zu erwecken, als ob ein sehr enger Zusammenhang zwischen
Willich, Marx und Becker bestanden habe. - Auch vom Sinnzusammen-
hang her scheint "Fremde" passender. 545
418 Über die hier ausgelassene Stelle wird in der Anklageschrift
gesagt: "In dem Folgenden wird beschrieben, wie L. Blanc seinen
Freund Harney mit der fortgeschrittenen Fraktion der Chartisten
für sein Bankett gewonnen habe." 547
419 Über die hier ausgelassene Stelle ist in der Anklageschrift
gesagt: "Nachdem darauf die Mißhandlungen, welche bei dieser Ge-
legenheit diesen ihren Freunden, welche beide nach dem obigen dem
Bunde angehörten, zugefügt worden, umständlich beschrieben sind,
schließt das Ganze also:". 548
#680# Anhang und Register
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420 Anspielung auf die Zugehörigkeit Arnold Ruges zum Zentralaus-
schuß der Europäischen Demokratie (siehe Anm. 159). 559
421 Hinweis auf A. Christs Schrift "Ueber den gegenwärtigen Stand
der Frage der Schutzzölle", Frankfurt a.M. 1851, und Isaac Pintos
- Traité de la circulation et du crédit", Amsterdam 1771. 559
422 Mit den Londoner Geschichten ist die Spaltung des Bundes der
Kommunisten und der Austritt von Marx und Engels sowie ihrer An-
hänger aus dem Deutschen Bildungsverein für Arbeiter in London
gemeint (siehe Anm. 157). 561
423 Gemeint ist der Zentralausschuß der Europäischen Demokratie
(siehe Anm. 159). 561 572
424 Nach der Niederlage der Revolution 1848/49 entbrannte zwi-
schen Preußen und Österreich der Kampf um die Hegemonie in
Deutschland. Österreich strebte nach der Wiederherstellung des
Deutschen Bundes, der in der Periode der Revolution faktisch zer-
fallen war; Preußen hoffte, seine Hegemonie durch die Bildung ei-
nes Bundes deutscher Staaten unter seiner Ägide zu sichern. Im
Herbst 1850 spitzte sich der Kampf zwischen Österreich und Preu-
ßen wegen Kurhessen zu. Die revolutionären Ereignisse in Kurhes-
sen gaben Österreich und Preußen Anlaß zur Einmischung in dessen
innere Angelegenheiten. Preußen erklärte im November 1850 die Mo-
bilmachung und schickte als Erwiderung auf den Einmarsch öster-
reichischer Truppen in Kurhessen ebenfalls Truppen dorthin. Unter
dem Druck des Zaren Nikolaus I. gab Preußen Österreich gegenüber
nach, ohne Widerstand geleistet zu haben. 562
425 Joseph Weydemeyer kam um diese Zeit in Zürich mit dem schwei-
zerischen Offizier Gustav von Hoffstetter zusammen, der 1851 in
Zürich-Stuttgart die militärische Schrift "Tagebuch aus Italien
1849" veröffentlicht hatte. 569
426 vaterländischer Reichsmob - ironische Bezeichnung der Mit-
glieder der Frankfurter Nationalversammlung, die sich mit der
Ausarbeitung der Reichsverfassung befaßten. 570
427 Der vorliegende Brief von Marx an den Journalisten Hermann
Ebner in Frankfurt a.M. sowie der in dem vorliegenden Band veröf-
fentlichte Brief von Marx an Ebner vom 2. Dezember 1851 (siehe S.
587-591) wurden zum erstenmal 1956 in den "Mitteilungen des
österreichischen Staatsarchivs", 9. Band, veröffentlicht.
Wie aus weiteren in diesen "Mitteilungen" abgedruckten Materia-
lien hervorgeht, übergab Ebner diese Briefe sofort nach Empfang
der österreichischen Polizei, deren Geheimagent er, wie später
festgestellt wurde, zu jener Zeit war. Marx und Engels konnten
nichts von den Beziehungen Ebners zur Polizei wissen. Die von Eb-
ner der österreichischen Polizei ausgehändigten Schriftstücke ge-
rieten dann in das Ministerium des Innern und später in das Mini-
sterium des Äußern von Österreich, von wo sie dem österreichi-
schen Staatsarchiv zugestellt wurden. Der erste Brief, von unbe-
kannter Hand angefertigt, wurde im österreichischen Staatsarchiv
als Kopie aufbewahrt; der zweite Brief ist von Marx selbst ge-
schrieben. Beim ersten Brief fehlen sowohl der Anfang als auch
das Ende. Beim zweiten Brief ist der Anfang nicht erhalten. Diese
Stellen sind offensichtlich von Ebner vor der Aushändigung an die
Polizei entfernt worden.
Die vorliegenden Briefe entlarven die Intrigen der kleinbürgerli-
chen Emigration in London. Marx schrieb sie an Ebner, damit die-
ser ihren Inhalt in irgendeinem Presseorgan veröffentliche, da
Ebner mit vielen Zeitungen und Zeitschriften in Verbindung stand.
Marx war stets bemüht, auch öffentlich die verleumderischen Er-
findungen zu dementieren, die von verschiedenen kleinbürgerlichen
Emigrantençliquen über die proletarischen
#681# Anmerkungen
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Revolutionäre verbreitet wurden. Die Materialien dieser Briefe
benutzten Marx und Engels weitgehend in der von ihnen 1852 ge-
schriebenen Streitschrift "Die großen Männer des Exils" (siehe
Band 8 unserer Ausgabe, S. 233-335). 572
428 sog. deutsches Zentralkomitee - gemeint ist der Ausschuß für
die deutschen Angelegenheiten (siehe Anm. 208). 573
429 Es ist von dem Aufruf "An die Deutschen" die Rede (siehe den
gekürzten Text in Band 8 unserer Ausgabe, S. 305/306), der von
dem sog. Ausschuß für die deutschen Angelegenheiten herausgegeben
wurde (siehe Anm. 208). 573
430 Kristallpalast - für die erste internationale Industrieaus-
stellung 1851 in London (siehe Anm. 184) errichtetes Gebäude aus
Metall und Glas, das den industriellen Fortschritt symbolisieren
sollte. 576
431 Wahrscheinlich handelt es sich hier um die von Marx und En-
gels verfaßte "Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März
1850" (siehe Band 7 unserer Ausgabe, S. 244 bis 254). 578
432 Der vorliegende Brief von Marx ist eine Nachschrift zu einem
Brief seiner Frau Jenny an Amalie Daniels. Der Schluß des Brie-
fes, worin Marx die für ihn notwendigen Bücher aufzählt, fehlt in
der "Kölnischen Zeitung", nach deren Text der Brief gedruckt
wird. 581
433 Die bekanntesten statistischen Arbeiten von MacGregor sind
"The resources and statistics of nations" (London 1834) und "Com-
mercial statistics: a digest of the productive resources, commer-
cial legislation, customs tariffs ... of all nations." (5 vls.,
London 1844 bis 1850). 582
434 Offenbar handelt es sich um die unter der Leitung von Alexan-
dre Moreau de Jonnès 1837 bis 1852 vom Ministerium des Handels
herausgegebene offizielle Veröffentlichung "Statistique générale
de la France" (in zwölf Bänden). Moreau de Jonnès selbst ist der
Verfasser einer ganzen Reihe von Arbeiten zu Fragen der Stati-
stik, jedoch war bis 1851 das 1848 in Paris veröffentlichte Buch
"Statistique de l'agriculture de la France" die einzige größere
Schrift Moreau de Jonnès', die er bis dahin über die Statistik
Frankreichs veröffentlicht hatte. 582
435 Die Vorbemerkung George Julian Harneys wurde der ersten eng-
lischen Übersetzung des "Manifests der Kommunistischen Partei"
vorangeschickt, die in den Nummern 21-24 der Chartisten-Zeitung
"The Red Republican" am 9., 16., 23. und 30.November 1850 ver-
öffentlicht wurde. 582
436 Marx weist auf folgende von Engels für die "Neue Rheinische
Zeitung" geschriebenen Artikel über Ungarn hin: "Der magyarische
Kampf", "Preußischer Steckbrief gegen Kossuth", "Die .Kölnische
Zeitung' über den magyarischen Kampf" und "Ungarn" (siehe Band 6
unserer Ausgabe, S. 165-176, 197/198, 303-307 und 507-515). 584
437 Zu dieser Stelle schrieb Adolf Cluß in seinem Brief an Joseph
Weydemeyer folgende Anmerkung: "Kinkelianisches Anleihen, in das
ich mich verwickeln ließ aus Mangel an hinreichender Kenntnis der
Sachlage, und nach M[arx]' Ansicht meine Stellung dort vorläufig
behaupten soll."
Über die Anleihe Gottfried Kinkels (die sog. deutsch-amerikani-
sche Revolutionaanleihe) siehe Anm. 286, 586
#682# Anhang und Register
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438 Reichsrumpfparlament von Stuttgart nennt Marx ironisch die
Frankfurter Nationalversammlung (siehe Anm. 390) nach ihrer Ver-
legung nach Stuttgart Anfang Juni 1849. Die Versammlung übersie-
delte nach Stuttgart, da sie, nachdem die konservativen Abgeord-
neten und eine beträchtliche Anzahl der liberalen Abgeordneten
die Versammlung verlassen hatten, ihre Sprengung befürchten
mußte. Am 18. Juni wurde das "Rumpfparlament" von württembergi-
schen Truppen auseinandergejagt. 588
439 Es ist von Marx' und Engels' Absicht die Rede, an der Zeit-
schrift "Die Revolution" mitzuarbeiten (siehe Anm. 307). 594
440 Im Mai 1852 sollte die Präsidentschaft Louis Bonapartes en-
den. Nach der französischen Verfassung von 1848 hatte die Wahl
des neuen Präsidenten alle vier Jahre am 2. Sonntag im Monat Mai
zu erfolgen. 595
441 Die Zeitschrift "Die Revolution" brachte eine Anzeige über
die geplante Veröffentlichung einer Arbeit von Marx über Pierre-
Joseph Proudhon. Jedoch blieb diese durch das Eingehen dieser
Zeitschrift und durch das Fehlen anderer Möglichkeiten einer
Veröffentlichung ungeschrieben. 595
442 Mit dieser Anrede spielt Marx auf die gleichnamige Ballade
von Ferdinand Freiligrath an. 597
443 Es handelt sich um die Verlegung des Versammlungslokals des
Londoner Kreises des Bundes der Kommunisten. Anfang 1852 wurde
das Versammlungslokal abermals verlegt und zwar nach der Crown
Street (siehe Band 8 unserer Ausgabe, S. 437). 598
444 Am 2. Dezember 1851 führte Louis-Napoleon in Frankreich sei-
nen Staatsstreich durch. Kurz danach hatte Palmerston, damaliger
Außenminister Großbritanniens, in einer Unterredung mit dem fran-
zösischen Botschafter in London den Staatsstreich Louis Bonapar-
tes gebilligt. Diesen Schritt hatte Palmerston ohne vorherige
Vereinbarung mit anderen Mitgliedern des Whig-Kabinetts unternom-
men, was dann auch im Dezember 1851 zu seinem Rücktritt führte,
obwohl die englische Regierung im Prinzip den Standpunkt Palmer-
stons teilte und die erste Regierung in Europa war, die das bona-
partistische Regime in Frankreich anerkannte. 598
445 Auf dieses Ersuchen von Marx erfolgte keine Antwort. Am 22.
März 1845 war Marx gezwungen, eine Verpflichtung zu unterschrei-
ben, daß er in Belgien nichts über Tagespolitik publizieren werde
(siehe vorl. Band, S. 435). 601
446 1838 wurde Marx wegen Brustschwäche und periodischen Blut-
speiens als zur Zeit nicht einstellungsfähig vom Militärdienst
befreit und am 4. Mai 1841 wegen Reizbarkeit der Lungen für mili-
tärdienstuntauglich erklärt. 602
447 Der Deutsche Arbeiterklub (Klub der deutschen Arbeiter) wurde
in Paris am 8. und 9. März 1848 von Führern des Bundes der Kommu-
nisten gegründet. Seine Statuten waren von Marx verfaßt. Die Zen-
tralbehörde des Bundes der Kommunisten strebte danach, die deut-
schen Arbeiteremigranten in Paris mit Hilfe dieses Klubs zusam-
menzufassen und ihnen die Taktik des Proletariats in der bürger-
lich-demokratischen Revolution zu erläutern. Der Klub widersetzte
sich den Versuchen der kleinbürgerlichen Demokraten, die Arbeiter
in den abenteuerlichen Plan hineinzuziehen, mit bewaffneten Frei-
willigen-Legionen in Deutschland einzubrechen, um es zu
"revolutionieren" (vgl. Anm. 116). Die Zentralbehörde riet den
Arbeitern, der deutschen Legion Georg Herweghs und Adalbert von
Bornstedts fernzubleiben, einzeln nach der Heimat zurückzukehren
und dort für die
#683# Anmerkungen
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Bewegung zu wirken. Der Klub leistete eine große organisatorische
Arbeit und "beförderte drei- bis vierhundert Arbeiter nach
Deutschland zurück, darunter die große Mehrheit der Bundesmit-
glieder" (Engels). 604
448 Diese beiden Zeilen sind der 2. Strophe des von Ferdinand
Freiligrath für die Revolutionsfeier auf dem Gürzenich zu Köln am
19. März 1849 geschriebenen Gedichtes "Reveille" entnommen. 610
449 Kölner Bannbulle - gemeint ist die Ansprache der Kölner Zen-
tralbehörde an den Bund vom 1. Dezember 1850 (siehe Anm. 244), in
der die Spaltertätigkeit der Willich-Schapper-Gruppe verurteilt
wird. Die Ansprache und die Statuten des Kommunistischen Bundes
sind in Band 7 unserer Ausgabe, S. 561-567, veröffentlicht. 613
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