Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851


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       #93# 21 - Engels an Marx - 25./26. Oktober 1847
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       Engels an Marx
       in Brüssel
       
       Lieber Bartholomäus,
       Ich kann  Dir erst heute schreiben, weil ich erst heute den klei-
       nen Louis Blanc - nach erschrecklichen Kämpfen mit der Portière -
       zu sehen  bekam. Das  Resultat meiner  langen Unterredung mit ihm
       ist, daß der kleine Mann zu allem bereit ist. Er war die Höflich-
       keit und  Freundschaftlichkeit selbst und scheint nichts dringen-
       der zu  wünschen, als mit uns in die engste Verbindung zu treten.
       Auch das  französisch-nationale Protektionswesen hat er gar nicht
       an sich.  Ich hatte  ihm geschrieben,  ich käme mit mandat formel
       1*) der  Londoner, Brüsseler  und Rheinischen  Demokratie zu ihm,
       ebenso als  chartist agent 2*). Er erkundigte sich genau nach al-
       lem; ich schilderte ihm den Stand unsrer Partei als äußerst bril-
       lant, sprach  von der Schweiz, Jacoby, den Badensern als Alliier-
       ten pp. - Du seist der Chef: vous pouvez regarder M. M[ar]x comme
       le chef de notre parti (i.e. de la fraction la plus avancée de la
       démocratie allemande,  que je  représentais vis-à-vis  de lui) et
       son récent  livre contre  M. Proudhon  comme notre programme 3*).
       Dies nahm  er sich  sehr ad  notam 4*).  Dann  versprach  er  mir
       schließlich, sich  über Dein Buch 5*) in der "Réforme" zu pronon-
       cieren. Er  erzählte mir eine Masse Zeugs über das mouvement sou-
       terrain 6*),  das jetzt  bei den Arbeitern vor sich gehe; die Ar-
       beiter hätten  seine "Organisation du travail" in 3000 Exemplaren
       wohlfeil gedruckt,  und nach  14 Tagen  sei eine neue Auflage von
       3000 Exemplaren nötig geworden - er sagte, die Arbeiter seien re-
       volutionärer als  je, aber  hätten gelernt  ihre  Zeit  abwarten,
       keine Erneuten, nur große Schläge mit  g e w i s s e m  Erfolg zu
       machen pp. Übrigens scheint er sich auch in Beziehung auf die Ar-
       beiter das Protegieren abgewöhnt zu haben. Quand je vois des cho-
       ses comme  ce nouveau  programme de M. de Lamartine, cela me fait
       rire! Pour  bien juger  de l'état actuel de la société française,
       il faut être dans
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       1*) formellem Mandat  - 2*) chartistischer Beauftragter - 3*) Sie
       können Herrn  M[ar]x als den Chef unserer Partei betrachten (d.h.
       der vorgeschrittensten Fraktion der deutschen Demokratie, die ich
       ihm gegenüber  repräsentiere) und  sein vor  kurzem  erschienenes
       Buch gegen  Herrn Proudhon  als unser  Programm - 4*) zu Herzen -
       5*) "Misère de la philosophie" - 6*) die unterirdische Bewegung
       
       #94# 21 - Engels an Marx - 25./26. Oktober 1847
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       une position  qui vous  permet de voir un peu de tout, d'aller le
       matin chez  un ministre,  l'après-diner chez  un négociant, et le
       soir chez  un ouvrier. 7*) Die kommende Revolution werde ganz an-
       ders und  viel durchgreifender sein als alle früheren, und es sei
       reine bêtise  8*), fortwährend  bloß gegen Könige pp. zu brüllen.
       Schließlich war  er sehr  artig und  ganz kordial. Du siehst, mit
       dem Mann ist all right, il a les meilleures dispositions du monde
       9*). Von Dir sprach er mit großer Teilnahme; es tat ihm leid, daß
       Ihr etwas  froidement 10*) voneinander gegangen seid pp. Eine be-
       sondre Vorliebe  hat er  noch immer für eine in Paris herauszuge-
       bende deutsche   u n d   französische Revue. Vielleicht später zu
       benutzen. -  Über Ruge,  nach dem  er frug,  setzte ich ihm einen
       Floh ins  Ohr; il  s'est fait  le panégyriste  de la  diète prus-
       sienne, et  cela même après que la diète s'était séparée sans ré-
       sultat. [92]) - Donc il a fait un pas en arrière? 11*) Jawohl.
       Mit père 12*) Flocon bin ich ebenfalls im besten Zuge. Bei diesem
       bin ich erst als Engländer aufgetreten und frug im Namen Harneys,
       warum er den "Star" so ignoriere. Ja, sagte er, es täte ihm leid,
       er spräche  gar zu gern davon, nur sei kein Mensch auf der Redak-
       tion, der  Englisch verstehe!  Ich bot  mich an,  ihm wöchentlich
       einen Artikel  zu machen, akzeptiert de grand coeur 13*). Als ich
       ihm sagte,  ich sei  Korrespondent des  "Star", wurde er ganz ge-
       rührt. Wenn das so fortgeht, so haben wir in 4 Wochen diese ganze
       Richtung gewonnen.  Flocon will  von mir  einen Aufsatz  über den
       Chartismus für  Privatgebrauch haben, er weiß nicht die blasseste
       Laus davon. Ich werde gleich zu ihm gehen und ihn weiter in unsre
       Netze verstricken.  Ich werde  ihm sagen, das "Atelier" mache mir
       Avancen (was  wahr ist,  ich geh'  noch heut' abend hin), und ich
       werde sie  ausschlagen, wenn  er sich anständig benehme. Das wird
       sein biedres Herz rühren. - Bin ich erst hier etwas weiter und im
       Französisch-Schreiben etwas geübter, so geht's auf die "Revue In-
       dépendante" los.
       Ich vergaß  ganz, den L. Blanc zu fragen, warum er Deinen Artikel
       vom Kongreß  [93] nicht  aufgenommen. Ich werd' ihm das nächstens
       vorrücken, wenn er zu mir kommt. Übrigens zweifle ich, ob er Dein
       Buch   ü b e r h a u p t  e r h a l t e n  hat. Er wußte sich das
       heute gar nicht zu besinnen. Auch vor
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       7*) Wenn ich  Dinge sehe,  wie dieses  neue Programm des Herrn de
       Lamartine, muß ich lachen! Um den gegenwärtigen Zustand der fran-
       zösischen Gesellschaft  richtig zu  beurteilen, muß  man in einer
       Lage sein, die es einem gestattet, von allem etwas zu sehen, mor-
       gens zu  einem Minister zu gehen, nachmittags zu einem Geschäfts-
       mann und  abends zu einem Arbeiter. - 8*) Dummheit - 9*) alles in
       Ordnung, er  hat die  besten Absichten  der Welt  -  10*) kühl  -
       11*) er hat  sich zum Lobredner des preußischen Landtages gemacht
       und das  sogar, nachdem der Landtag resultatlos auseinandergegan-
       gen war. - Er hat also einen Schritt zurück gemacht? - 12*) Vater
       - 13*) von ganzem Herzen
       
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       meiner Abreise  sprach er   s e h r   u n b e s t i m m t  davon.
       Ich erfahre  das in  ein paar  Tagen. Hat er's nicht, so geb' ich
       ihm mein Exemplar.
       Denk Dir,  der  kleine  Bernays,  der  hier  herumläuft  und  den
       "Märtyrer" spielt, den von aller Welt Verratenen, "der aller Welt
       geholfen hat,  mit Geld  oder gutem  Rat"  (littéralement  14*)),
       diese Bestie  hat a horse and gig, ein Schimmelchen und e Kabrio-
       lett! Natürlich  Börnstfein] hat's,  aber das ist Wurst. Derselbe
       Kerl, der  heute sich  als gedrückten,  geldlosen  Märtyrer  hin-
       stellt, renommiert  morgen damit,  daß er der einzige sei,  d e r
       G e l d   z u   v e r d i e n e n   w i s s e.   Er hat 21 Bogen!
       über die  Affäre Praslin [94] gekaut, die in der Schweiz erschei-
       nen. Der Kern der Sache ist der, daß nicht la duchesse 15*), son-
       dern le  duc 16*) der Märtyrer ist!! Auf seine Renommagen mit dem
       Märtyrertum hab'  ich ihm  durch eine  Mahnung  wegen  alter  mir
       schuldiger 60  frcs. antworten  lassen. Er wird vollständig Indu-
       strieller und  prahlt damit.  Übrigens ist er wahnsinnig. - Ewer-
       beck selbst schäumt wider ihn.
       Cabet hab' ich noch nicht gesehen. Er freut sich, wie es scheint,
       daß er  wegkommt. Er merkt, daß die Sachen hier anfangen bröcklig
       und mürb  zu werden. Flocon will losschlagen, L. Blanc nicht, das
       ist ganz  richtig, obwohl L. Bl[anc] auch in allerlei Geschichten
       trempiert und  sich im voraus freut über die plötzliche Aufschüt-
       telung der  Bourgeoisie aus  ihrer Sicherheit  bei der  plötzlich
       hereinbrechenden Revolution.
       
       Ich bin bei père Flocon gewesen. Der brave Mann war die Kordiali-
       tät selbst,  und meine  biedermännische Ehrlichkeit,  mit der ich
       ihm meine  Geschichte mit  dem "Atelier" erzählte, trieb ihm fast
       die Tränen in die Augen. Ich kam vom "Atelier" auf den "National"
       zu sprechen:  Lorsque à  Bruxelles nous  discutions la question à
       quelle fraction de la démocratie française on s'adresserait, nous
       étions unanimement  d'accord que  dès  le  premier  abord  on  se
       mettrait en rapport avec la "Reforme"; car à l'étranger il existe
       de fortes  et de  bien fondées  préventions contre le "National".
       D'abord les  préjugés nationaux  de cette  feuille empêchent tout
       rapprochement -  oui oui, c'est vrai, sagte Flocon, et ceci était
       même la  raison pour laquelle la "Reforme" fut fondée; nous avons
       déclaré dès le premier jour que nous ne voulons pas des conquêtes
       - et puis, fuhr ich fort, si je peux en croire mes prédécesseurs,
       car moi  je n'ai  jamais été au "National", ces messieurs se don-
       nent toujours  l'air de vouloir protéger les étrangers, ce qui au
       reste est parfaitement d'accord avec leurs préjugés nationaux; et
       nous autres, nous
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       14*) buchstäblich - 15*) die Herzogin -16*) der Herzog
       
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       n'avons pas  besoin de  leur protection,  nous ne  voulons pas de
       protecteurs, nous voulons des alliés. - Ah oui, mais c'est tout à
       fait différent  avec nous,  nous n'y  pensons pas.  - C'est vrai,
       aussi n'ai-je  qu'à me  louer des  procédés des  Messieurs de  la
       "Réforme". 17*)  Aber wie  das geholfen  hat, daß ich dem kleinen
       Blanc unsre  Geschichten ins Gedächtnis zurückgerufen. Deine Kon-
       greßrede hatte  er, à ce qu'il paraît 18*), ganz verschmissen ge-
       habt; heute  hat er  sie gleich  hervorgesucht und  an Flocon ge-
       schickt mit  einem sehr  dringenden Billett, sie gleich abzudruc-
       ken. Ich  explizierte dem Flocon das Ding; der Mensch begriff das
       cur, quomodo,  quando 19*)  nicht, weil  der Bl[anc] sie ihm ohne
       alle weitere  Erklärung geschickt.  Fl[ocon] bedauerte  sehr, daß
       die Sache schon so alt geworden sei; er sei parfaitement d'accord
       20*) damit,  aber jetzt  sei es  zu spät. Doch wolle er sehen, ob
       er's nicht  in einem  Artikel unterbringen  könne. Er  wolle sein
       möglichstes tun.
       Der Artikel  über Lamartines  fromme Wünsche in der "Reforme" ist
       von L. Bl[anc], wie Du gesehen haben wirst. Er ist nicht übel, in
       jeder Beziehung 1000mal besser als der ewige Flocon. Er würde den
       Lamartine gewiß  sehr derb  angreifen, wenn er nicht jetzt gerade
       sein Konkurrent wäre.
       Du siehst, die Leute sind so gut disponiert, wie man nur wünschen
       kann. Ich  stehe  mit  ihnen  schon  jetzt  zehnmal  besser,  als
       Ewerb[eck] je  mit ihnen  stand. Diesem  werde ich jetzt gänzlich
       verbieten, zu  schreiben für  die "Reforme".  Er mag  sich an den
       "National" pissen  und dort  Venedey &  Co. Konkurrenz machen; da
       ist er unschädlich und bekommt doch nichts gedruckt.
       Nachher war  ich noch  auf dem "Atelier". Ich habe eine Berichti-
       gung wegen  eines Artikels  der vorigen Nummer über englische Ar-
       beiter 21*)  hingebracht, die  auch hereinkommt.  Die Kerls waren
       sehr artig;  ich erzählte ihnen un tas d'anecdotes 22*) über eng-
       lische Arbeiter usw. Sie forderten mich
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       17*) Als wir  in Brüssel  die Frage diskutierten, an welche Frak-
       tion der  französischen Demokratie  wir uns wenden sollten, waren
       wir  einmütig  der  Ansicht,  daß  man  von  vornherein  mit  der
       "Reforme" in  Verbindung treten  müsse, denn  es gibt  im Ausland
       starke und  wohlbegründete Abneigungen  gegen den "National". Er-
       stens hindern die nationalen Vorurteile dieses Blattes jede Annä-
       herung. -  Ja, ja,  das ist wahr, sagte Flocon, und das war sogar
       die Ursache, daß die "Reforme" gegründet wurde; wir haben vom er-
       sten Tag  an erklärt,  daß wir  keine Eroberungen  wollen. -  Und
       dann, fuhr  ich fort,  wenn ich  meinen Vorgängern  glauben kann,
       denn ich war niemals beim "National", geben diese Herren sich im-
       mer den  Anschein, als wollten sie die Ausländer protegieren, was
       im übrigen  vollkommen ihren  nationalen Vorurteilen  entspricht;
       und wir,  wir brauchen  ihre Protektion  nicht, wir  wollen keine
       Protektoren, wir  wollen Verbündete.  - Ja,  aber das ist bei uns
       ganz anders,  wir denken  nicht daran.  - Das  ist wahr, ich kann
       mich darum  über das  Verhalten der  Herren von der "Reforme" nur
       lobend äußern.  - 18*) wie  es scheint  - 19*) warum, wie, wann -
       20*) völlig  einverstanden -  21*) "Fabrikherren  und Arbeiter in
       England" - 22*) einen Haufen Anekdoten
       
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       dringend auf,  mitzuarbeiten, was  ich aber  nur im  Notfall  tun
       werde. Denk  Dir, der rédacteur en chef meinte, es wäre wohl gut,
       wenn die  englischen Arbeiter  eine Adresse  an die französischen
       erließen, sie auffordernd, der libre-échange 23*)-Bewegung entge-
       genzutreten und  den travail national 24*) aufzustecken! Quel hé-
       roique dévouement! 25*) Damit fiel er aber selbst bei seinen eig-
       nen Leuten durch.
       Übrigens hab'  ich den Leuten gegenüber gar keine Konzessionen zu
       machen brauchen. Dem L. Blanc sagte ich, que nous étions d'accord
       avec eux  sur toutes  les questions  pratiques et d'actualité, et
       que dans les questions purement théoriques nous marchions vers le
       même but;  que les principes énoncés dans son premier volume [80]
       s'accordaient sous  beaucoup de  rapports avec les nôtres, et que
       pour le reste il en trouverait de plus amples développements dans
       ton livre.  Quant à  la question religieuse, nous la considérions
       comme tout-à-fait  subordonnée, comme  une question qui jamais ne
       devrait former  le prétexte  d'une querelle  entre les  hommes du
       même parti.  26*) Bei  alledem sei eine freundschaftliche Diskus-
       sion der  theoretischen Fragen  ganz gut  möglich und  sogar wün-
       schenswert, womit er parfaitement d'accord 27*) war.
       Der Lupus  hatte mit  seiner Vermutung,  ich würde  die Direktion
       [88] sehr  bald treffen,  ganz recht. Kaum 3 Tage hier, laufe ich
       auf dem Boulevard des Italiens dem Seiler in die Arme. Ihr werdet
       längst wissen,  daß er komplett durchgebrannt ist und nicht daran
       denkt zurückzukommen.  Er läuft bei allerlei französischen Korre-
       spondenzbüros herum und sucht unterzukommen. Ich hab' ihn seitdem
       stets verfehlt  und weiß  nicht, wie seine Affären stehen. Mischt
       er sich  bei der "Reforme" ein, so wird man ihn desavouieren müs-
       sen.
       Sage doch  dem verfluchten Bornstedt, was das heißen soll, daß er
       mir seine  Zeitung 28*)  nicht schickt.  Ich kann nicht immer bei
       den Straubingern  [47] herumlaufen danach. Wenn er vorgibt, meine
       Adresse nicht  zu wissen, gib sie ihm, 5, rue Neuve Saint-Martin.
       Ich schicke ihm einige Artikel, sobald es irgend möglich.
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       23*) Freihandels -  24*) die nationale  Arbeit - 25*) Welche hel-
       denmütige Aufopferung!  - 26*) daß wir mit ihnen in allen prakti-
       schen und  Tagesfragen übereinstimmten  und in den rein theoreti-
       schen Fragen  dem gleichen Ziel zustrebten; daß die in seinem er-
       sten Band  verkündeten Prinzipien  sich in vielen Punkten mit den
       unsrigen deckten  und  daß  er  im  übrigen  ausführlichere  Ent-
       wicklungen darüber in Deinem Buch finden könne. Was die religiöse
       Frage betrifft, so betrachten wir sie als durchaus untergeordnet,
       als eine Frage, die niemals den Vorwand zu
       einem Streit zwischen Männern der gleichen Partei bilden dürfe. -
       27*) völlig einverstanden - 28*) "Deutsche-Brüsseler-Zeitung"
       
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       Bei den  Straubingern höllische  Konfusion. In  den letzten Tagen
       vor meiner  Ankunft waren  die letzten  Grünianer herausgeworfen,
       eine ganze Gemeinde, von denen aber die Hälfte wiederkommen wird.
       Wir sind  jetzt nur 30 Mann stark. Ich hab' gleich eine Propagan-
       dagemeinde eingerichtet  und laufe  fürchterlich herum und pauke.
       In den  Kreis bin  ich gleich  gewählt und hab' die Korrespondenz
       bekommen. An  20-30 Kandidaten  zur Aufnahme  sind vorgeschlagen.
       Wir werden  bald wieder stärker sein. Dem Mosi hab" ich,  g a n z
       u n t e r   u n s,   einen höllischen  Streich gespielt. Er hatte
       richtig ein  gottvoll  verbessertes  Glaubensbekenntnis  durchge-
       setzt. Vorigen Freitag nun nahm ich dies im Kreise vor, Frage für
       Frage, und war noch nicht an der Hälfte angekommen, als die Leute
       sich  für   satisfaits  29*)   erklärten.     O h n e     a l l e
       O p p o s i t i o n  ließ ich mich beauftragen, ein neues zu ent-
       werfen [95],  was nun  nächsten Freitag  im Kreis wird diskutiert
       und   h i n t e r   d e m   R ü c k e n  d e r  G e m e i n d e n
       nach London geschickt werden. Das darf aber natürlich kein Teufel
       merken, sonst  werden wir  alle  abgesetzt,  und  es  gibt  einen
       Mordsskandal.
       Der Born  wird bei  Euch in Brüssel eintreffen, er geht nach Lon-
       don. [96] Vielleicht ist er schon vor diesem Briefe da. Er reist,
       verwegen genug,  den Rhein  herunter durch  Preußen, wenn sie ihn
       nur nicht  abfassen. Pauke  ihn noch etwas ein, wenn er hinkommt,
       der Kerl  ist von  allen für  unsre Sachen  am zugänglichsten und
       wird auch in London gute Dienste leisten, wenn er noch etwas prä-
       pariert wird.
       Ach, mein Gott, da hätt' ich ja bald ganz die Drecklawine verges-
       sen, die der große Heinzen von den Höhen der Alpen über mich los-
       gelassen hat. [97] Es ist ein wahres Glück, daß das in einer Num-
       mer dicht  hintereinander steht; kein Mensch arbeitet sich durch,
       ich selbst  habe mehrmals  pausieren müssen.  Solch ein Rindvieh!
       Hab' ich  erst behauptet,  er könnte  nicht schreiben, so muß ich
       jetzt hinzufügen,  daß er  auch nicht lesen kann, und in den vier
       Spezies scheint  er auch nicht fest zu sein. Der Esel sollte doch
       den Brief  von F.  O'Connor im  letzten "Star"  an die  radikalen
       Blätter 1981  lesen, der  anfängt: you ruffians 30*) und schließt
       you ruffians,  da kann er sehn, was er für ein elender Stümper im
       Schimpfen ist. Nun, Du wirst diesem gemeinen dummen Rüpel gehörig
       aufs Dach steigen. Es ist sehr gut, daß Du ganz  k u r z  antwor-
       ten wirst.  I c h   könnte auf so einen Angriff gar nicht antwor-
       ten, das ginge absolut nicht - höchstens durch Ohrfeigen.
       
       Dienstag.
       Mein Artikel  31*) steht  in der  "Réforme". Sonderbarerweise hat
       Flocon keine Silbe dran verändert, was mich sehr wundert.
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       29*) zufriedengestellt  -  30*) ihr  Banditen  -  31*) "Die  Han-
       delskrise in England - Chartistenbewegung - Irland"
       
       #99# 21 - Engels an Marx - 25./26. Oktober 1847
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       Bei père  Heine bin ich noch nicht gewesen. Du kannst leicht den-
       ken, daß ich mit all diesen Geschichten höllisch viel zu tun habe
       und furchtbar laufen und schreiben muß. - Nach Elberfeld hab' ich
       geschrieben wegen der free-trade 32*) - Schutzzoll-Geschichte und
       erwarte täglich Antwort. Schreib bald wieder. Grüß Deine Frau und
       Kinder.
       Dein Engels
       Paris. [25.-]26. Okt. 1847
       
       Lies doch  ja den Artikel O'Connors im letzten "Star" gegen die 6
       radikalen Blätter,  es ist ein Meisterstück genialer Schimpferei,
       oft besser als Cobbett und an Shakespeare grenzend.
       Quelle mouche  a donc  piqué ce  pauvre Moses  qu'il ne cesse pas
       d'exposer dans le journal ses fantaisies sur les suites d'une ré-
       volution du prolétariat? 33*) [99]
       -----
       32*) Freihandels -  33*) Welcher Teufel hat denn diesen armen Mo-
       ses geritten, daß er nicht aufhört, in dem Blatt seine Phantasien
       über die Folgen einer Revolution des Proletariats darzulegen?

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