Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851
zurück
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Vorwort
Mit dem siebenundzwanzigsten Band der Werke von Karl Marx und
Friedrich Engels wird die Reihe der Bände eingeleitet, die den
Briefwechsel zwischen Marx und Engels sowie ihre Briefe an dritte
Personen zum Inhalt haben.
Als Lenin die allgemeinen Züge der internationalen Arbeiterbewe-
gung in der Epoche des vormonopolistischen Kapitalismus charakte-
risierte, in die der Briefwechsel zwischen Marx und Engels fällt,
wies er darauf hin, daß dies die Epoche sei, "in der sich die Ar-
beiterklasse von der bürgerlichen Demokratie löste, die Epoche,
in der eine selbständige Arbeiterbewegung entstand, die Epoche,
in der die Grundlagen der proletarischen Taktik und Politik aus-
gearbeitet wurden" (W.I. Lenin, Werke, Band 19, Berlin 1962, S.
549). Die Briefe der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus
sind ein getreues Spiegelbild der Hauptetappen der Entstehungs-
und Entwicklungsgeschichte des Marxismus und der internationalen
Arbeiterbewegung. Sie zeigen anschaulich die spezifischen Züge
des Marxismus: seinen schöpferischen Charakter, die Einheit von
revolutionärer Theorie und revolutionärer Politik, die untrenn-
bare Verbindung des wissenschaftlichen Kommunismus mit der Praxis
des proletarischen Klassenkampfes.
Die Briefe von Marx und Engels bilden einen wesentlichen Teil
ihres literarischen Erbes; sie vermitteln einen Einblick in ihre
theoretische und praktische Tätigkeit als Lehrer und Führer des
internationalen Proletariats. Die Briefe von Marx und Engels ver-
anschaulichen ihren langjährigen Kampf für die Schaffung einer
revolutionären Massenpartei der Arbeiterklasse und ihre Bemühun-
gen um die Ausarbeitung der richtigen Taktik der
#VI# Vorwort
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internationalen Arbeiterbewegung, einer Taktik, die die allgemei-
nen Gesetzmäßigkeiten des revolutionären proletarischen Klassen-
kampfes ebenso berücksichtigt wie die Besonderheiten dieses
Kampfes in den verschiedenen historischen Etappen und in den ver-
schiedenen Ländern. Kennzeichnend für den Inhalt der Briefe ist
die scharfe prinzipielle Kritik an den ideologischen und politi-
schen Gegnern des Proletariats, ist der Kampf gegen jegliche
Spielart des Opportunismus, des Sektierertums und des Dogmatismus
in der Arbeiterbewegung. Die Briefe sind durchdrungen von tiefer
Parteilichkeit, selbstloser Hingabe an die Sache des Proletariats
und uneingeschränkten Sympathien für den Befreiungskampf der un-
terdrückten Völker aller Länder.
Die Briefe von Marx und Engels repräsentieren einen gewaltigen
Ideenreichtum. Viele von ihnen ergänzen wesentlich ihre Werke;
sie enthalten originelle und tiefschürfende Formulierungen der
wichtigsten theoretischen und taktischen Leitsätze und die erste
Ausarbeitung vieler Probleme, die in den Arbeiten von Marx und
Engels weiterentwickelt wurden. Der Briefwechsel zeigt anschau-
lich die Arbeit der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus
an der Entwicklung aller drei Bestandteile ihrer Lehre: des dia-
lektischen und historischen Materialismus, der politischen Ökono-
mie und der Lehre vom Sozialismus und Kommunismus, der Strategie
und Taktik des Klassenkampfes des Proletariats. Einzelne Briefe
haben einen besonderen wissenschaftlichen Wert, weil sie Gedanken
von Marx und Engels enthalten, die aus diesem oder jenem Grunde
in ihren Arbeiten nicht weiterentwickelt wurden. Nicht selten ga-
ben Marx und Engels in ihren Briefen schärfere politische Ein-
schätzungen und Charakteristiken der verschiedenen Ereignisse und
Personen als in manchen ihrer gedruckten Veröffentlichungen, da
sie im Briefwechsel nicht die Zensur und andere Bedingungen be-
rücksichtigen mußten und ihre Meinung offener aussprechen konn-
ten.
Außerordentlich groß ist die historisch-biographische Bedeutung
des Briefnachlasses von Marx und Engels als wichtigste Quelle für
das Studium ihres Lebens und ihrer Tätigkeit. Die Briefe der Be-
gründer des wissenschaftlichen Kommunismus helfen, die Entste-
hungsgeschichte ihrer Werke zu verfolgen; sie geben Aufklärung
über eine Reihe wenig bekannter Seiten ihrer politischen, organi-
satorischen und publizistischen Tätigkeit.
Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels gibt die Möglichkeit,
ein
#VII# Vorwort
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Bild ihres ständigen Gedankenaustausches und ihrer schöpferischen
Zusammenarbeit zu gewinnen und zeigt die enzyklopädische Vielsei-
tigkeit der Interessen dieser Titanen des revolutionären Gedan-
kens.
W.I. Lenin schenkte den Briefen von Marx und Engels größte Auf-
merksamkeit, wovon der von ihm mit Sorgfalt abgefaßte "Konspekt
zum 'Briefwechsel zwischen Karl Marx und Friedrich Engels 1844-
1883'" zeugt, der 1959 vom Institut für Marxismus-Leninismus beim
ZK der KPdSU herausgegeben wurde (deutsch: Dietz Verlag, Berlin
1963). Unter der Redaktion und mit einem Vorwort Lenins wurde die
russische Ausgabe der Briefe von Marx an Ludwig Kugelmann veröf-
fentlicht; Lenin schrieb auch das Vorwort zur russischen Ausgabe
der "Briefe und Auszüge aus Briefen von Joh. Phil. Becker, Jos.
Dietzgen, Friedrich Engels, Karl Marx u.A. an F.A. Sorge und
Andere". Ferner nahm Lenin Hinweise auf die Briefe von Marx und
Engels in die von ihm zusammengestellte Bibliographie des Marxis-
mus auf, die seinem Aufsatz "Karl Marx" beigefügt ist. Lenin gab
auch in einem besonderen Aufsatz eine gründliche Einschätzung des
Briefwechsels zwischen Marx und Engels. Eine allseitige Analyse
verschiedener Briefe von Marx und Engels ist in vielen Leninschen
Werken enthalten. Außerdem wurde nach der Sozialistischen Ok-
toberrevolution, im Jahre 1922, auf Initiative Lenins ein Sammel-
band mit Briefen von Marx und Engels herausgegeben und die Samm-
lung des an verschiedenen Orten verstreuten Briefnachlasses der
Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus in Angriff genommen.
Dies alles zeugt davon, daß Lenin, der Führer des russischen und
des internationalen Proletariats, die Briefe von Marx und Engels
als wertvollen Bestandteil der Schatzkammer des marxistischen Ge-
dankengutes, als eminent wichtige geistige Waffe der kommunisti-
schen und Arbeiterparteien in ihrem Kampf für die revolutionäre
Umgestaltung der Welt ansah.
Zur Charakterisierung des Ideengehalts des Briefwechsels von Marx
und Engels schrieb Lenin: "Versucht man mit einem Wort auszudrüc-
ken, was sozusagen den Brennpunkt des ganzen Briefwechsels aus-
macht, jenen zentralen Punkt, in dem alle Fäden des Netzes der
geäußerten und erörterten Ideen zusammenlaufen, so wird dies das
Wort D i a l e k t i k sein. Die Anwendung der materialisti-
schen Dialektik bei der radikalen Umarbeitung der gesamten poli-
tischen Ökonomie, ihre Anwendung auf die Geschichte, auf die Na-
turwissenschaft, die Philosophie, die Politik und die Taktik der
#VIII# Vorwort
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Arbeiterklasse - das ist es, was Marx und Engels vor allem inter-
essiert, hierzu haben sie das Wesentlichste und Neueste beigetra-
gen, das ist der geniale Schritt, den sie in der Geschichte des
revolutionären Denkens vorwärts getan haben." (W.I. Lenin, Werke,
Band 19, Berlin 1962, S. 550.)
*
Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels ging nach ihrem Tode an
die Führer der deutschen Sozialdemokratie über. Die Erstveröf-
fentlichung in der Originalsprache erfolgte erst 1913 in vier
Bänden unter der gemeinsamen Redaktion von Bebel und Bernstein.
Faktisch war aber Bernstein der Redakteur dieser Ausgabe. Der
Ideologe des Revisionismus versimpelte und verfälschte den Brief-
nachlaß der Klassiker des wissenschaftlichen Kommunismus. Lenin
bemerkt dazu: "Bernstein hätte - nach seiner traurig berühmten
'Evolution' zu extrem opportunistischen Ansichten - nicht die Re-
daktion von Briefen übernehmen dürfen, die durch und durch revo-
lutionären Geist atmen" (W.I. Lenin, Werke, Band 19, Berlin 1962,
S. 548).
Die verfälschende "Bearbeitung" des Textes der Briefe zwischen
Marx und Engels führte Bernstein in verschiedener Richtung durch.
Vor allem ist die von Bernstein besorgte Ausgabe bei weitem nicht
vollständig; er sonderte etwa zweihundert Briefe aus. Der veröf-
fentlichte Text der Briefe wurde durch Kürzungen und tendenziöse
"Glättung" einzelner Leitsätze entstellt. Dieser grobe Eingriff
in den Text der Briefe bezweckte, die politisch wichtigsten Stel-
len aus dem Briefwechsel auszumerzen. Es handelt sich hierbei um
die Stellen, die den Kampf von Marx und Engels mit den verschie-
denen Vertretern antiproletarischer und opportunistischer Rich-
tungen in der sozialistischen und Arbeiterbewegung - angefangen
mit den deutschen "wahren Sozialisten" und endend mit Lassalle
und den Vertretern der opportunistischen Strömung in der deut-
schen Sozialdemokratie - widerspiegeln. Das Ausmaß der Kürzungen
solcher Art ist sehr verschieden; es, reicht von einigen Wörtern
und Sätzen bis zu ganzen Seiten. Nicht selten stellen die von
Bernstein veröffentlichten Briefteile nur Bruchstücke des Origi-
nals dar. Infolgedessen ist die Ausgabe von 1913 in vielen Fällen
nicht als Erstveröffentlichung der fraglichen Briefe anzusehen.
Denselben tendenziösen Charakter tragen auch die von Bernstein
verfaßten Vorworte und redaktionellen Bemerkungen zum Briefwech-
sel, die direkte Ausfälle gegen
#IX# Vorwort
-----
die taktische Linie von Marx und Engels enthalten und auf die
Verteidigung lind Beschönigung des Opportunismus hinauslaufen.
Außer dieser Veröffentlichung wurde von den Verlagen der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nur ein Teil der erhal-
tenen Briefe von Marx und Engels an dritte Personen in Form von
Presseveröffentlichungen wie auch in Form von Sammelbänden der
Briefe von Marx und Engels an einzelne ihrer Briefpartner
(Kugelmann, Freiligrath, Sorge, Danielson, Bernstein, Kautsky)
publiziert. In manchen dieser Veröffentlichungen (zum Beispiel in
dem Sammelband der Briefe von Marx, Engels und anderen an Sorge)
wurde der Text demselben skrupellosen und tendenziösen Eingriff
unterzogen wie der Briefwechsel zwischen Marx und Engels. Die
Kürzungen dienten auch hier hauptsächlich der Verheimlichung und
Abschwächung der Kritik von Marx und Engels an den opportunisti-
schen Fehlern von Führern der sozialdemokratischen Parteien und
Führern der Arbeiterbewegung.
Nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution eröffneten sich
neue Möglichkeiten für die Herausgabe der Werke von Marx und En-
gels und ihre Verbreitung unter den Massen. Schon in den ersten
Jahren des Bestehens des Sowjetstaates widmete Lenin, wie bereits
oben erwähnt, besondere Aufmerksamkeit der Herausgabe eines Sam-
melbandes mit ausgewählten Briefen von Marx und Engels für einen
breiten Leserkreis. In seinen Gesprächen und in seinem Briefwech-
sel mit W.V. Adoratski, dem die Herausgabe dieses Sammelbandes
übertragen worden war, gab Lenin eine erschöpfende Charakteristik
der Grundprinzipien einer solchen Ausgabe und hob wiederholt her-
vor, daß die Veröffentlichung der Briefe der Begründer des wis-
senschaftlichen Kommunismus eine Sache von internationaler Bedeu-
tung sei. Sehr wichtig ist der Hinweis Lenins auf die Not-
wendigkeit, die Briefe von Marx und Engels mit ausführlichen
Kommentaren zu versehen, um ihren Inhalt einem breiten Leserkreis
zugänglich zu machen.
Die erste vollständige Veröffentlichung des Briefwechsels zwi-
schen Marx und Engels wurde vom Institut für Marxismus-Leninismus
beim ZK der KPdSU in den Jahren 1929-1931 in der ersten
(russischen) Ausgabe der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels
(Band XXI-XXIV) und in der Ausgabe der Werke von Karl Marx und
Friedrich Engels in der Originalsprache (Marx/Engels Gesamtaus-
gabe. Dritte Abteilung, Band 1-4) besorgt.
#X# Vorwort
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Die Briefe von Marx und Engels an dritte Personen wurden - in dem
Umfang, in dem zu dieser Zeit das Institut für Marxismus-Leninis-
mus beim ZK der KPdSU darüber verfügte - erstmalig in den Jahren
1934-1946 in den Bänden XXV-XXIX der ersten Ausgabe der Werke von
Karl Marx und Friedrich Engels in russischer Sprache veröffent-
licht.
Seitdem haben sich die Bestände des Instituts an Briefen von Marx
und Engels an dritte Personen in bedeutendem Maße vermehrt. Das
ermöglicht es, die zweite (russische) Ausgabe der Werke von Marx
und Engels durch viele Briefe zu ergänzen, die in der ersten Aus-
gabe nicht enthalten waren. Viele dieser Briefe werden in der
vorliegenden Ausgabe zum ersten Mal veröffentlicht; einige der
neu aufgenommenen Briefe wurden nach dem Erscheinen der ersten
Ausgabe der Werke bereits im Ausland und in der UdSSR veröffent-
licht.
Ungeachtet der beträchtlichen Anzahl der bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt aufgefundenen und gesammelten Briefe von Marx und En-
gels kann die Sammlung ihres gesamten Briefnachlasses noch nicht
als abgeschlossen angesehen werden. Viele Briefe, die mehr oder
weniger genau bezeugt sind, konnten bisher nicht aufgefunden wer-
den.
Die vorliegende Ausgabe wird alle Briefmaterialien enthalten, die
bisher dem Herausgeber zugänglich waren.
Die Briefe von Marx und Engels werden in der vorliegenden Ausgabe
in chronologischer Folge veröffentlicht. Im Unterschied zur er-
sten (russischen) Ausgabe, in der der Briefwechsel zwischen Marx
und Engels und ihre Briefe an dritte Personen zwei verschiedene
Gruppen von Bänden bilden, werden sie in der vorliegenden Ausgabe
in jedem Band zusammen veröffentlicht, wobei der erste Teil des
Bandes den Briefwechsel zwischen Marx und Engels in einem be-
stimmten Zeitabschnitt und der zweite ihre Briefe an dritte Per-
sonen aus den gleichen Jahren enthält. Dadurch wird das systema-
tische und allseitige Studium des Briefwechsels in der
entsprechenden Geschichtsperiode erleichtert.
Der erste Briefband, Band 27, umfaßt die Briefe von 1842 bis
1851. Die Briefe von Marx und Engels aus den Jahren 1837 bis 1842
werden in den Bänden Marx/Engels "Schriften aus den Jahren 1835-
1844" veröffentlicht.
In die Bände 28 und 29 gehen die Briefe der fünfziger Jahre des
19. Jahrhunderts ein, also Briefe, die hauptsächlich während der
Periode der Reaktion in Europa geschrieben wurden (1852 bis
1859).
#XI# Vorwort
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Band 30 umfaßt die Briefe vom Anfang der sechziger Jahre des 19.
Jahrhunderts, der Periode des neuen Aufschwungs der Arbeiter- und
der demokratischen Bewegung, bis zur Gründung der Ersten Interna-
tionale (28. September 1864).
Die Bände 31, 32 und 33 enthalten den Briefwechsel, der vor allem
die Tätigkeit von Marx und Engels als Führer der Ersten Interna-
tionale widerspiegelt (1864 bis 1874).
In den Bänden 34 und 35 sind ihre Briefe aus der Zeit von 1875
bis zum Tode von Marx im Jahre 1883 aufgenommen.
Die folgenden Bände, 36 bis 39, umfassen die Briefe von Friedrich
Engels aus der Periode seiner Tätigkeit nach dem Tode von Marx.
Die Beilagen zu den Brief bänden bestehen aus solchen Briefen,
die in Marx' und Engels' Auftrag von dritten Personen geschrieben
wurden, sowie aus Briefen der Frau und der Töchter von Marx, in
denen Gedanken der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus
wiedergegeben werden. Dieser Teil enthält auch andere Dokumente
biographischen Charakters, die mit ihrem Briefnachlaß zusammen-
hängen.
Die Datierung der Briefe wurde neu überprüft und präzisiert. Bei
Briefen, die zu Lebzeiten des Verfassers veröffentlicht wurden,
sind die Originale mit dem Text der zeitgenössischen Veröffentli-
chung verglichen worden. In einer Reihe von Fällen besitzt das
Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU nur Kopien
der Briefe oder ihre gedruckten Veröffentlichungen; in solchen
Fällen ist am Ende dieser Briefe vermerkt, wonach die Veröffent-
lichung erfolgte.
Wie die MEGA-Ausgabe und die nach den dort veröffentlichten Tex-
ten publizierte vierbändige Einzelausgabe wird eine neue Ausgabe
den Briefwechsel zwischen Marx und Engels ohne Kürzungen und Kor-
rekturen bringen. Nur wo sich nach sorgsamer Revision und
Textvergleichung eine Berichtigung zu vorhergehenden Ausgaben als
unumgänglich erweist, wird sie vorgenommen und wenn notwendig in
Fußnoten nachgewiesen.
Vollständig neu gegenüber den bisher vorliegenden Ausgaben in
deutscher Sprache ist die Aufnahme aller bisher bekannten von
Marx und Engels geschriebenen Briefe an dritte Personen, von
denen eine größere Anzahl erstmals in Deutschland veröffentlicht
werden.
Alle Briefbände erhalten einen umfangreichen Anhang, dessen
wichtigsten Teil die Anmerkungen mit textkritischen Erläuterungen
sowie historischen
#XII# Vorwort
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und biographischen Hinweisen bilden, ohne die das Eindringen in
den ganzen Reichtum des Briefmaterials kaum denkbar ist.
Außerdem werden alle von Marx und Engels in ihren Briefen erwähn-
ten eigenen Werke und Artikel in einem besonderen Verzeichnis al-
phabetisch aufgeführt. Dieses Verzeichnis gibt Auskunft über den
Titel der Arbeiten einschließlich des Originaltitels bei fremd-
sprachigen Schriften, über Ort und Jahr der Erstveröffentlichung
sowie darüber, in welchem Band der vorliegenden Ausgabe der Werke
von Marx und Engels diese Arbeiten enthalten sind. Ein weiteres
Literaturregister weist die von Marx und Engels in ihren Briefen
zitierten oder erwähnten Bücher, Zeitschriften und Zeitungen
nach.
Der siebenundzwanzigste Band der Werke von Karl Marx und Fried-
rich Engels enthält ihre Briefe aus den Jahren 1842-1851.
Der zeitliche Rahmen des vorliegenden Briefbandes umfaßt mehrere
Etappen der Geschichte des Marxismus: den Übergang von Marx und
Engels vom revolutionären Demokratismus zum Kommunismus (1842 bis
1844), die Herausbildung des wissenschaftlichen Kommunismus (1844
bis 1848), die Tätigkeit von Marx und Engels in der Zeit der Re-
volution 1848/49, die theoretische Verallgemeinerung der Erfah-
rungen der Revolution und die weitere Ausarbeitung der Taktik des
Proletariats in den ersten Jahren nach der Revolution durch Marx
und Engels (1849-1851).
Die Briefe von Marx und Engels an dritte Personen aus den Jahren
1842 bis 1844, die im zweiten Teil des Bandes enthalten sind,
zeugen von dem vor sich gegangenen grundlegenden Wandel in ihrer
Weltanschauung, von dem Übergang vom Idealismus zum Materialismus
und vom revolutionären Demokratismus zum Kommunismus.
Bereits in Marx' Briefen aus dem Jahre 1842, aus der Periode sei-
ner Mitarbeit und seiner Tätigkeit als Redakteur an der
"Rheinischen Zeitung", zeigt sich sein kritisches Verhältnis zur
Hegelschen idealistischen philosophischen Schule, besonders auch
zu den Junghegelianern.
In diesen Briefen kritisiert Marx mit aller Schärfe die Gruppe
von Berliner Junghegelianern, die ihre Hauptaufmerksamkeit auf
die Kritik der Religion richtete und deren Mitglieder sich
"Freie" nannten. Der junge Marx lehnte die Position der Junghege-
lianer ab, die sich von den aktuellen politischen Fragen abwand-
ten und demagogisch einen politischen Radikalismus
#XIII# Vorwort
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zur Schau trugen, der auf vages Räsonnement und großklingende
Phrasen hinauslief (siehe den Brief von Marx an Ruge vom 30. No-
vember 1842). Im Gegensatz zu den Ansichten der "Freien" entwic-
kelt Marx ein eigenes Programm, das er in seinen Schriften aus
dieser Zeit, insbesondere in den Spalten der "Rheinischen Zei-
tung", verteidigt: Er hielt die konsequente Kritik der Religion,
die Propaganda der fortschrittlichen Philosophie unter dem Volk
und - auf dem Gebiet der Politik - die tiefschürfende und kon-
krete Kritik der bestehenden politischen Ordnung für unerläßlich.
"Die wahre Theorie muß innerhalb konkreter Zustände und an
bestehenden Verhältnissen klargemacht und entwickelt werden."
(Siehe vorl. Band, S. 409.)
In dieser Zeit tritt Marx als Kämpfer für eine fortschrittliche
Weltanschauung, als schonungsloser Kritiker der reaktionären Phi-
losophie, insbesondere der Ansichten Schellings, auf, der in je-
nen Jahren einer der Verkünder konservativ-monarchistischer Ideen
und des religiösen Obskurantismus geworden war. In dem Brief an
Ludwig Feuerbach vom 3. Oktober 1843, dessen vollständiger Text
im vorliegenden Band zum ersten Mal veröffentlicht wird, unter-
streicht der junge Marx die Wichtigkeit des politischen Kampfes
gegen Sendling und dessen philosophische Schule, die sich des
offiziellen Schutzes der preußischen Regierung erfreute: "Ein
Angriff auf Schelling ist also indirekt ein Angriff auf unsre
gesamte und namentlich auf die preußische Politik." Lenin
schätzte diesen Brief hoch ein; er schrieb: "schon zu jener Zeit
umriß Marx mit erstaunlicher Klarheit die Grundlinien der
Philosophie" und verstand es, "über Feuerbach direkt den
materialistischen Weg gegen den Idealismus einzuschlagen" (W.I.
Lenin, Werke, Band 14, Berlin 1962, S. 340 und 341). Lenin sah
das größte Verdienst von Marx darin, daß er, nachdem er sich auf
den Boden des Materialismus gestellt hatte, auch im weiteren auf
einem eindeutig abgesteckten Wege der Philosophie vorwärtsschritt
und alle Versuche, den Materialismus mit dem Idealismus zu
versöhnen und damit den Gegensatz der beiden Lager in der
Philosophie zu vertuschen, entschieden verwarf.
Anfang der vierziger Jahre, als Marx noch in bedeutendem Maße un-
ter dem Einfluß der materialistischen Anschauungen Feuerbachs
stand, stellte er bereits in seinen Briefen die Grundfehler der
Feuerbachschen Philosophie fest und hob ihren kontemplativen, me-
taphysischen Charakter hervor. So schreibt er in dem Brief an
Ruge vom 20. März 1842, daß er in einer von ihm geplanten Abhand-
lung mit Feuerbach einigermaßen in Kollision kommen werde, und in
dem Brief an den gleichen Empfänger vom 13.März 1843 erklärt er
noch bestimmter: "Feuerbachs Aphorismen sind mir nur
#XIV# Vorwort
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in dem Punkt nicht recht, daß er zu sehr auf die Natur und zu we-
nig auf die Politik hinweist. Das ist aber das einzige Bündnis,
wodurch die jetzige Philosophie eine Wahrheit werden kann." Diese
Äußerung von Marx über den untrennbaren Zusammenhang der Philoso-
phie mit dem politischen Kampf hat außerordentlich große Bedeu-
tung; sie nimmt in vielem die Gedanken vorweg, die Marx zwei
Jahre später, im Frühjahr 1845, in den "Thesen über Feuerbach"
ausspricht.
Marx' Briefe aus dieser Periode stimmen inhaltlich unmittelbar
mit seinen in der "Rheinischen Zeitung" veröffentlichten Artikeln
überein. Diese Briefe kennzeichnen Marx als überzeugten Gegner
des preußischen Absolutismus und Bürokratismus, als Anhänger der
revolutionären Methoden des Kampfes gegen die feudal-absolutisti-
sche Ordnung in Deutschland, als leidenschaftlichen Verfechter
der Interessen der Volksmassen. Marx teilt nicht die Illusionen
einiger deutscher radikaler Demokraten hinsichtlich einer konsti-
tutionellen Monarchie und äußert sich kritisch über die Opposi-
tion der rheinischen liberalen Bourgeoisie (siehe seine Briefe an
Ruge vom 5. und 20. März und vom 9. Juli 1842). Bezeichnend sind
auch schon in dieser Zeit seine Sympathien für kommunistische und
sozialistische Ideen, die er als neue Weltanschauung bezeichnet
(siehe den Brief an Ruge vom 30. November 1842).
So zeigen die Briefe aus den Jahren 1842-1844 anschaulich die
Herausbildung der philosophischen und politischen Anschauungen
von Marx, seinen Übergang auf die Positionen des Materialismus
und Kommunismus.
In derselben Richtung entwickelten sich die Anschauungen des jun-
gen Engels. So findet man z.B. in seinen Briefen an Ruge vom 15.
Juni und 26. Juli 1842 Belege für sein Auftreten gegen die reak-
tionären und religiös-mystischen Ansichten Schellings und seiner
Anhänger.
Ende August 1844 kam es zu der historischen Begegnung von Marx
und Engels in Paris, bei der sich die vollständige Übereinstim-
mung ihrer Ansichten herausstellte. Von diesem Zeitpunkt an da-
tiert ihre schöpferische Zusammenarbeit, ihr gemeinsamer revolu-
tionärer Kampf für die Befreiung der Arbeiterklasse. Mit der Pa-
riser Begegnung beginnt der umfangreiche Briefwechsel zwischen
Marx und Engels, der ein so eindrucksvolles Bild ihres gemeinsa-
men Wirkens bei der Ausarbeitung der Lehre des wissenschaftlichen
Kommunismus und ihres Kampfes für die Schaffung einer revolutio-
nären Partei des Proletariats vermittelt. Besonders umfangreich
wird dieser Briefwechsel in den fünfziger und sechziger Jahren,
als Marx sich in London befand und Engels in Manchester tätig
sein mußte. Eine ständige, zuweilen fast tägliche Korrespondenz
zwischen den beiden
#XV# Vorwort
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Begründern des wissenschaftlichen Kommunismus in diesen Jahren
zeigt ihren ständigen Meinungsaustausch zu den wichtigsten Fragen
der Theorie und Taktik der revolutionären proletarischen Bewe-
gung.
Aus der Periode von 1844 bis 1848 sind vorwiegend Briefe von En-
gels an Marx erhalten geblieben. Die Briefe, die kurz nach ihrer
Begegnung in Paris geschrieben wurden, veranschaulichen Engels'
Teilnahme an der Verbreitung der revolutionären Ideen in Deutsch-
land; in ihnen wird eine klare Einschätzung der Lage im Lande ge-
geben. Das Anwachsen der oppositionellen Stimmungen in den bür-
gerlichen Kreisen der Rheinprovinz und die rasche Ausbreitung so-
zialistischer und kommunistischer Ideen sind der ständige Inhalt
aller Briefe von Engels aus dieser Zeit.
Unter den Mitte der vierziger Jahre in Deutschland herrschenden
Bedingungen, als die Arbeiterbewegung sich noch spontan entwic-
kelte und unter dem Einfluß des vormarxschen utopischen Sozialis-
mus stand, als unter der Flagge des Kommunismus und Sozialismus
Leute mit den verworrensten und mit verschrobensten Ansichten
auftraten - bürgerliche Radikale und Erfinder aller möglichen Sy-
steme und Theorien des kleinbürgerlichen , spießerischen Sozia-
lismus-, unter diesen Bedingungen hielten es Marx und Engels vor
allem für notwendig, die allseitige Ausarbeitung ihrer revolutio-
nären kommunistischen Anschauungen zu beschleunigen und in der
Presse mit der Darlegung und Verbreitung dieser Anschauungen auf-
zutreten. "Solange nicht die Prinzipien", schreibt Engels Anfang
Oktober 1844 an Marx, "logisch und historisch aus der bisherigen
Anschauungsweise und der bisherigen Geschichte und als die not-
wendige Fortsetzung derselben in ein paar Schriften entwickelt
sind, solange ist es doch alles noch halbes Dösen und bei den
meisten blindes Umhertappen."
Einen bedeutenden Platz im Briefwechsel von 1844-1848 nimmt die
Erörterung der Schaffenspläne von Marx und Engels ein. An Engels'
Briefen läßt sich die Entstehungsgeschichte solcher gemeinsamen
Werke von Marx und Engels wie "Die heilige Familie" und "Die
deutsche Ideologie" ebenso wie Engels' Schrift "Die Lage der ar-
beitenden Klasse in England" und Marx' Arbeit "Das Elend der Phi-
losophie" verfolgen. Diese Briefe vermitteln einen unmittelbaren
Eindruck von der intensiven theoretischen Tätigkeit von Marx und
Engels, die in dieser Zeit die philosophischen Grundlagen des
wissenschaftlichen Kommunismus - den dialektischen und histori-
schen Materialismus - in den Grundzügen ausarbeiteten und das
Fundament für die anderen Bestandteile der marxistischen Lehre
legten.
Ein wichtiges theoretisches Dokument des wissenschaftlichen Kom-
munismus ist der in diesem Band veröffentlichte Brief von Marx an
den
#XVI# Vorwort
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russischen Publizisten P.W. Annenkow vom 28. Dezember 1846, der
mit seiner kurz danach verfaßten Schrift "Das Elend der Philoso-
phie" - einem der ersten Werke des ausgereiften Marxismus - un-
mittelbar zusammenhängt. In diesem Brief legt Marx in klassischer
Klarheit die von ihm gemeinsam mit Engels ausgearbeiteten Grund-
thesen des historischen Materialismus dar. Der Brief enthält
tiefgründige Formulierungen über den dialektischen Zusammenhang
und die Wechselwirkung von Produktivkräften und Pro-
duktionsverhältnissen, über das Wechselverhältnis von materieller
Basis und politischem und ideologischem Überbau, über den histo-
rischen, vergänglichen Charakter der ökonomischen Kategorien der
bürgerlichen Gesellschaft, über die Rolle der Volksmassen, den
Erzeugern der materiellen Güter und über den Klassenkampf als
Triebkraft der Geschichte.
Die Entwicklung der Theorie durch Marx und Engels war eng verbun-
den mit ihrem ideologischen Kampf gegen die verschiedenen Formen
des vormarxschen Sozialismus. Lenin hat hervorgehoben, daß der
Prüfstein für jegliches sozialistische System sein Verhältnis zum
Proletariat ist, dessen weltgeschichtliche Rolle in der revolu-
tionären Umgestaltung der Welt und der Schaffung der neuen, kom-
munistischen Gesellschaft von Marx und Engels aufgedeckt worden
ist. "Im Gegensatz zu der allgemeinen Furcht vor der Entwicklung
des Proletariats setzten Marx und Engels alle ihre Hoffnungen auf
das ununterbrochene Wachstum des Proletariats." (W.I. Lenin,
Werke, Band 2, Berlin 1961, S. 6.)
Zu dieser Zeit richteten Marx und Engels die ganze Schärfe ihrer
Kritik auf den kleinbürgerlichen Reformer Proudhon, dessen An-
sichten einen beträchtlichen Einfluß nicht nur in den Kreisen der
sozialistisch gesinnten Intelligenz, sondern auch unter den halb-
proletarischen Elementen, insbesondere unter den deutschen Hand-
werkern in Paris, ausübten.
Eine gründliche Kritik des Proudhonismus enthält der erwähnte
Brief von Marx an Annenkow vom 28. Dezember 1846. Marx unter-
streicht, daß das System der philosophischen und sozialökonomi-
schen Anschauungen Proudhons für die Ideologie des Kleinbürger-
tums charakteristisch ist: "... durch den Zwang seiner Lage wird
d e r K l e i n b ü r g e r einesteils Sozialist, anderenteils
Ökonom, d.h., er ist geblendet von der Herrlichkeit der großen
Bourgeoisie und hat Mitgefühl für die Leiden des Volkes. Er ist
Bourgeois und Volk zugleich." Marx zeigt die Unzulänglichkeit der
idealistischen und metaphysischen Methode Proudhons, sein völli-
ges Unverständnis für die Gesetzmäßigkeit des historischen Pro-
zesses.
Im weiteren Verlauf ihres in den vierziger Jahren begonnenen
Kampfes gegen den Proudhonismus unterziehen Marx und Engels 1851
in ihren
#XVII# Vorwort
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Briefen Proudhons Buch "Idee générale de la révolution au XIXe
siècle", das sie als "eine Polemik gegen den Kommunismus" ein-
schätzen, einer kritischen Analyse (siehe den Brief von Marx an
Engels vom 14. August 1851). Im Briefwechsel des Jahres 1851
weisen Marx und Engels den utopischen Charakter und die Armselig-
keit der philosophischen und ökonomischen Anschauungen Proudhons
nach und unterwerfen seine Versuche, dem revolutionären Kampf des
Proletariats für den Sturz der kapitalistischen Ordnung klägliche
Projekte zur Beseitigung der "schlechten Seiten" des Kapitalis-
mus, zur Umgestaltung der kapitalistischen Gesellschaft im Sinne
der utopischen Ideale des Kleinbürgers entgegenzustellen, einer
vernichtenden Kritik. Auf Bitten von Marx fertigte Engels von
August bis Oktober 1851 eine kritische Analyse des Buches von
Proudhon an, die Marx für eine große polemische Arbeit gegen
diesen Propheten kleinbürgerlicher Reformen und des Anarchismus
benutzen wollte.
Die Briefe von Marx und Engels aus den Jahren 1844-1848 geben
auch ein Bild von ihrem Kampf gegen den Gleichheitskommunimus
Weitlings, gegen den spießbürgerlichen "wahren Sozialismus" und
andere Lehren, die damals die Herausbildung des Klassenbewußts-
eins des Proletariats hemmten. Die Briefe, die Engels an Marx so-
wie an das kommunistische Korrespondenz-Komitee in Brüssel
sandte, zeugen von der beharrlichen Aufklärungsarbeit, die Engels
unter den deutschen Handwerkern in Paris leistete. In langen Dis-
kussionen widerlegte er die Argumente seiner Gegner, stellte er
in populärer Form die Ideen des wissenschaftlichen Kommunismus
dar, kämpfte er gegen die Anschauungen des "wahren Sozialisten"
Grün und gegen die utopischen Ideen Proudhons und Weitlings. Im
Brief an Marx vom 14. Januar 1848 deckt Engels die Ursachen für
die Verbreitung dieser Ideen auf und verweist auf die Rückstän-
digkeit und Zurückgebliebenheit der ökonomischen und sozialen
Verhältnisse jener Zeit und auf die noch bestehende Bindung der
damaligen Proletarier an das kleinbürgerliche Milieu. Im Verlauf
einer der Diskussionen, die mit einer vollständigen Niederlage
der Anhänger Grüns endete, charakterisierte Engels kurz die Posi-
tion der Vertreter des wissenschaftlichen Kommunismus. "Ich defi-
nierte also die Absichten der Kommunisten dahin: 1. die Interes-
sen der Proletarier im Gegensatz zu denen der Bourgeois durch-
zusetzen; 2. dies durch Aufhebung des Privateigentums und Erset-
zung desselben durch die Gütergemeinschaft zu tun; 3. kein andres
Mittel zur Durchführung dieser Absichten anzuerkennen als die ge-
waltsame, demokratische Revolution." (Siehe vorl. Band, S. 61.)
Lenin schrieb 1913, als er auf Grund dieser Briefe die Tätigkeit
von Engels charakterisierte: "So wurde vor 67 Jahren in Paris
#XVIII# Vorwort
-----
der Grundstein der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch-
lands gelegt." (W.I. Lenin, Werke, Band 19, Berlin 1962, S. 554.)
Die Herausbildung der Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus
in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts
ist eng verbunden mit der praktischen revolutionären Tätigkeit
von Marx und Engels, mit ihrem Kampf für eine proletarische Par-
tei. Gerade zu dieser Zeit entstehen und festigen sich die Ver-
bindungen von Marx und Engels mit Vertretern der Arbeiter- und
sozialistischen Bewegung der verschiedenen Länder. Die Briefe der
Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus aus den Jahren
1846/1847 widerspiegeln in bemerkenswertem Grade ihre Tätigkeit
zur Organisierung von kommunistischen Korrespondenz-Komitees in
verschiedenen Ländern Europas (Deutschland, Belgien, Frankreich
und England). Marx und Engels verfolgten dabei das Ziel, die So-
zialisten und fortschrittlichen Arbeiter in den verschiedenen
Ländern einander näherzubringen, gegen unreife, utopische und
sektiererische Anschauungen zu kämpfen und den Boden für die
Schaffung einer internationalen proletarischen Partei auf der
Grundlage des wissenschaftlichen Kommunismus zu bereiten. Zentrum
des Netzes von Korrespondenz-Komitees war das Brüsseler kommuni-
stische Korrespondenz-Komitee, an dessen Spitze Marx und Engels
standen. Den Plänen für die Schaffung und die Tätigkeit solcher
Komitees sind eine Reihe von brieflichen Mitteilungen
("Komiteebriefe") von Engels aus Paris an das Brüsseler kommuni-
stische Korrespondenz-Komitee (vom 19. August, 16. September und
23. Oktober 1846) sowie Marx' Brief an Proudhon vom 5.Mai 1846
gewidmet.
Engels' Brief an Marx vom 28.-30. September 1847 zeigt, daß Marx
und Engels außer der Organisierung der Korrespondenz-Komitees
eine systematische propagandistische Arbeit auch in dem von ihnen
im August 1847 in Brüssel gegründeten Deutschen Arbeiterverein
leisteten. Diese Tätigkeit beweist, welche Bedeutung Marx und En-
gels der Herstellung enger Verbindungen zu den proletarischen
Massen beimaßen. Im Dezember 1847 hielt Marx im Brüsseler Deut-
schen Arbeiterverein seine bekannten Vorlesungen über Lohnarbeit
und Kapital.
In der zweiten Hälfte der vierziger Jahre erstarkt der Einfluß
von Marx und Engels auf die Führer der internationalen Arbeiter-
und demokratischen Bewegung. Im Herbst 1847 wurde in Brüssel un-
ter aktiver Teilnahme von Marx und Engels die Association dé-
mocratique (Demokratische Gesellschaft) gegründet. Von der füh-
renden Rolle der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus in
dieser Organisation, die bald zu einem internationalen Zentrum
der Sammlung aller demokratischen Kräfte wurde,
#XIX# Vorwort
-----
zeugen die Briefe von Engels an Marx vom 28.-30. September 1847
und der Brief von Marx an Herwegh vom 26. Oktober 1847. Marx und
Engels unterhielten ständigen Kontakt mit Harney, dem Führer des
linken Flügels der Chartisten, sowie mit der in London gegründe-
ten internationalen demokratischen Gesellschaft Fraternal De-
mocrats (Brüderliche Demokraten). Am 29. November 1847 nahmen
Marx und Engels an einem von dieser Gesellschaft organisierten
internationalen Meeting in London teil (vgl. den Brief von Engels
an Marx vom 14./15. November 1847 und den Brief von Marx an An-
nenkow vom 9. Dezember 1847).
Die Entwicklung und Verteidigung der Ideen des wissenschaftlichen
Kommunismus durch Marx und Engels, ihr Kampf gegen Sektierertum
und kleinbürgerliche Reformpläne hatten großen Einfluß auf die
Entwicklung der Anschauungen der Mitglieder des Bundes der Ge-
rechten, einer Geheimorganisation von Arbeitern und Handwerkern,
die Mitte der dreißiger Jahre entstanden war. Marx und Engels un-
terhielten schon seit 1843/1844 Verbindung mit den Londoner Füh-
rern des Bundes der Gerechten Karl Schapper, Joseph Moll und
Heinrich Bauer. Die Briefe von Engels an Marx aus dem Jahre 1846
enthalten eine Kritik der unklaren Ansichten der Londoner Führung
des Bundes der Gerechten (siehe die Briefe von Engels an Marx vom
18. September und von Dezember 1846). Marx und Engels lehnten
auch die Organisationsprinzipien des Bundes der Gerechten ab, die
nach dem Vorbild der blanquistischen geheimen Verschwörergesell-
schaften in Frankreich geschaffen worden waren (siehe Engels'
Brief an das kommunistische Korrespondenz-Komitee in Brüssel vom
23. Oktober 1846).
Im Januar 1847 willigten Marx und Engels ein, dem Bund der Ge-
rechten beizutreten, an seiner Reorganisation teilzunehmen und
das Programm des Bundes auf der Grundlage der von ihnen vertrete-
nen Prinzipien auszuarbeiten. Sie entsprachen damit einem Vor-
schlag der Londoner Führer des Bundes der Gerechten, die sich von
der Richtigkeit der Ideen des wissenschaftlichen Kommunismus
überzeugt hatten. Die Briefe aus dem Jahre 1847 enthalten außer-
ordentlich wichtiges Material über die Tätigkeit von Marx und En-
gels als Begründer und Führer des Bundes der Kommunisten, der er-
sten internationalen und zugleich ersten deutschen revolutio-
nären, selbständigen Arbeiterpartei, die auf dem Boden des
wissenschaftlichen Kommunismus stand. In diesen Briefen finden
wir Mitteilungen über die Vorbereitung des ersten Kongresses, auf
dem die Reorganisation des Bundes der Gerechten erfolgte und der
neue Bund die Bezeichnung "Bund der Kommunisten" erhielt, sowie
über die Bildung neuer Gemeinden des Bundes in Brüssel und Paris
durch Marx und Engels (siehe den
#XX# Vorwort
-----
Brief von Marx an Engels vom 15. Mai 1847 sowie Engels' Briefe an
Marx vom 28.-30;September und vom 25./26.Oktober 1847).
Von großem Interesse sind die Ende 1847 geschriebenen Briefe von
Engels, die sich auf die Vorbereitung des zweiten Kongresses des
Bundes der Kommunisten beziehen. Am 26. Oktober berichtet Engels
in einem Brief an Marx von seiner Arbeit an dem neuen Entwurf des
Programms des Bundes der Kommunisten, das der Kongreß annehmen
sollte. Es handelt sich hierbei um die "Grundsätze des Kommunis-
mus", einem vorläufigen Entwurf zum ersten Programmdokument des
wissenschaftlichen Kommunismus, dem "Manifest der Kommunistischen
Partei". Den Plan der "Grundsätze des Kommunismus" teilt Engels
Marx im Brief vom 23./24. November 1847 mit. In diesem Brief
schlägt er, unbefriedigt von der Katechismusform, in der dieses
Dokument abgefaßt war, Marx vor, eine andere Form der Darstellung
zu wählen: "Überleg Dir doch das Glaubensbekenntnis etwas. Ich
glaube, wir tun am besten, wir lassen die Katechismusform weg und
titulieren das Ding: Kommunistisches M a n i f e s t. Da darin
mehr oder weniger Geschichte erzählt werden muß, paßt die bis-
herige Form gar nicht." Lenin bezeichnete diesen Brief von Engels
als historisch, weil er anschaulich zeige, "daß man die Namen
Marx und Engels mit Recht nebeneinander stellt als die Namen der
Begründer des modernen Sozialismus" (W.I. Lenin, Werke, Band 19,
Berlin 1962, S. 554). Engels' Brief ist ein Zeugnis dafür, welche
hohen Anforderungen die Begründer des wissenschaftlichen Kommu-
nismus an das Programm der sich herausbildenden proletarischen
Partei stellten, eines Programms, in dem die Grundprinzipien der
Weltanschauung der Arbeiterklasse einen gedrängten und klaren
Ausdruck finden, in dem ihre großen Ziele verkündet und wissen-
schaftlich begründet und in dem gleichzeitig die realen Wege ih-
rer Verwirklichung gezeigt werden sollten. Das "Manifest der
Kommunistischen Partei", in dem die Grundlagen des wissenschaft-
lichen Kommunismus zum ersten Mal umfassend dargelegt wurden, ist
die Krönung der schöpferischen Tätigkeit von Marx und Engels vor
der Revolution 1848/49. Seine Veröffentlichung Anfang 1848 be-
zeichnet den Beginn einer neuen Etappe in der Entwicklung der
ganzen internationalen Arbeiterbewegung.
Einen wichtigen Platz nehmen die Briefe von Marx und Engels aus
den Jahren 1848/1849 ein. Lenin sagt dazu: "In der Tätigkeit von
Marx und Engels selbst tritt die Periode ihrer Beteiligung am re-
volutionären Massenkampf 1848/1849 als zentraler Punkt hervor."
(W.I. Lenin, Werke, Band 13, Berlin 1963, S. 24.) Wenn in den
Jahren, die der Februarrevolution in Frankreich und der März-
revolution in Deutschland vorausgehen,
#XXI# Vorwort
-----
Marx und Engels die wichtigsten theoretischen Leitsätze des
wissenschaftlichen Kommunismus formulierten, so erlangten in der
revolutionären Periode die Ausarbeitung der politischen Ideen des
Marxismus, die Fragen der Taktik des Proletariats in allen Etap-
pen der Revolution besondere Bedeutung.
Nur ein sehr kleiner Teil des Briefwechsels dieser Jahre ist er-
halten geblieben. Aber auch die Briefe von Marx und Engels, über
die wir verfügen, enthalten außerordentlich reiches Material.
Die zwischen Marx in Paris und Engels in Brüssel im März 1848 ge-
wechselten Briefe zeugen davon, daß sie beide mit gespannter
Aufmerksamkeit die Entwicklung der Revolution in Frankreich und
Deutschland und ihren Widerhall in den anderen europäischen Län-
dern verfolgten.
Während ihres Aufenthalts in Paris führten Marx, Engels und ihre
Anhänger den Kampf gegen die kleinbürgerlichen Demokraten Herwegh
und Bornstedt, die in Paris eine bewaffnete Legion aus deutschen
Emigranten aufgestellt hatten, mit der sie in Deutschland einfal-
len wollten, um dort die Revolution auszulösen. Marx und Engels
distanzierten sich von dieser abenteuerlichen Taktik (siehe den
Brief von Engels an Emil Blank vom 26.März 1848) und stellten ihr
ihren eigenen Plan entgegen: Die fortgeschrittenen deutschen Ar-
beiter, hauptsächlich Mitglieder des Bundes der Kommunisten,
sollten einzeln nach Deutschland zurückkehren und dort an den re-
volutionären Kämpfen teilnehmen. Die unversöhnliche Haltung von
Marx und Engels gegenüber den erwähnten Plänen der deutschen
kleinbürgerlichen Demokraten, die auch in dem Brief von Marx an
Engels vom 16. März 1848, dem Antwortbrief von Engels vom 18.
März und in anderen I Briefen zum Ausdruck kommt, zeugt davon,
daß die Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus entschiedene
Gegner aller Vorstellungen von «1er Möglichkeit eines "Exports"
der Revolution gewesen sind.
In den nach seiner Rückkehr nach Deutschland, im April und Mai
1848, geschriebenen Briefen gibt Engels eine Einschätzung der po-
litischen Lage sowie des Zustandes der örtlichen Organisationen
des Bundes der Kommunisten, das heißt jener Faktoren, welche,
nach dem späteren Zeugnis von Engels, entscheidenden Einfluß auf
die Ausarbeitung der taktischen Linie des Proletariats in der
deutschen Revolution durch Marx und Engels ausübten. Leider ist
aus den erhalten gebliebenen Briefen von Marx und Engels vom
April und Mai 1848 nicht der ganze Umfang ihrer Tätigkeit im Bund
der Kommunisten unter den neuen, durch die Märzrevolution in
Deutschland geschaffenen Verhältnissen zu ersehen. Wichtig ist
Engels' Mitteilung aus Barmen in seinem Brief an Marx vom 9.Mai
1848: "Zu
#XXII# Vorwort
-----
einer Bundesgemeinde ist ebenfalls der Anfang gemacht." (Siehe
vorl. Band, S. 127.) Der Bund der Kommunisten konzentrierte seine
Tätigkeit im Frühjahr 1848 auf die Gründung neuer Gemeinden und
politischer Arbeitervereine als Kristallisationspunkte in der
eben begonnenen massenhaften Bewegung der deutschen Arbeiter.
Überall in Deutschland beteiligten sich die in die Heimat zurück-
gekehrten Bundesmitglieder in der demokratischen Wahlbewegung,
und die Kölner Gemeinde bekämpfte unter Leitung von Marx die sek-
tiererischen Auffassungen von Andreas Gottschalk. Bereits Anfang
April 1848 wurde vom Bund der Kommunisten über den Mainzer Arbei-
terbildungsverein der Versuch unternommen, die auf lokaler Ebene
organisierten Arbeiter zu einer gesamtdeutschen politischen Orga-
nisation zusammenzufassen (vgl. Band 5 unserer Ausgabe, S. 483).
In seinen Briefen an Marx vom 25.April und 9.Mai 1848 sowie in
den Briefen an Emil Blank vom 15. April und 24. Mai desselben
Jahres schildert Engels die konterrevolutionäre Position der
deutschen Bourgeoisie und ihrer Führer, der Liberalen Camphausen
und Hansemann, die an der Spitze der preußischen Regierung stan-
den. Er berichtet über die Wankelmütigkeit und Halbheit der bür-
gerlichen Radikalen, die die linken Fraktionen in der preußischen
und der deutschen konstituierenden Versammlung bildeten, ihre
Furcht vor dem revolutionären Auftreten der Volksmassen. Unter
solchen Umständen wurde die preußische feudal-monarchistische
Konterrevolution allmählich wieder aktiver. Ende Mai 1848 gibt
Engels eine treffende Charakteristik der Lage, wie sie sich in
Deutschland entwickelt hatte: "In Berlin liegt Camphausen auf der
faulen Haut, die Reaktion, die Beamten- und Adelsherrschaft, wird
täglich frecher, reizt das Volk, das Volk rebelliert, und die
Schlaffheit und Feigheit Camphausens führt uns neuen Revolutionen
direkt entgegen. Das ist "Deutschland jetzt!" (Siehe vorl. Band,
S. 483.)
Bei einem solchen Kräfteverhältnis der Klassen, das sich aus der
sozialökonomischen Zurückgebliebenheit Deutschlands und der
Schwäche und Unorganisiertheit der deutschen Arbeiter erklärt,
blieben die Versuche für die Schaffung einer gesamtdeutschen pro-
letarischen Organisation zunächst ohne Erfolg. Deshalb hielten es
Marx und Engels für notwendig, auf dem äußersten linken, faktisch
proletarischen Flügel der demokratischen Bewegung aufzutreten.
Nachdem das politische Bewußtsein im Frühjahr 1849, nach Verände-
rung der Lage in Deutschland und in Europa gewachsen war, unter-
nahmen Marx und Engels erneut Schritte zur Schaffung einer selb-
ständigen politischen Massenorganisation des Proletariats.
Eine große Rolle bei der Mobilisierung der Volksmassen für den
Kampf
#XXIII# Vorwort
-----
um die konsequente Lösung der Aufgaben der bürgerlich-demokrati-
schen Revolution in Deutschland spielte die von Marx, Engels und
ihren Kampfgenossen aus dem Bund der Kommunisten herausgegebene
"Neue Rheinische Zeitung". Als politisches Presseorgan war sie
gleichzeitig das einzige Mittel, um den in den verschiedensten
Teilen Deutschlands weitgehend selbständig handelnden Bundesmit-
gliedern tagtäglich eine richtige Anleitung zu geben. Die "Neue
Rheinische Zeitung" war das Zentrum der Partei, ihre Redaktion
faktisch die Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten. Diese
Zeitung nannte Lenin "das beste, unübertroffene Organ des revolu-
tionären Proletariats" (W.I. Lenin, Werke, Band 21, Berlin 1960,
S. 70). Die Briefe von Marx und Engels geben ein anschauliches
Bild von der gewaltigen organisatorischen Arbeit, die sie mit Un-
terstützung ihrer Mitkämpfer und Freunde für die Herausgabe der
Zeitung leisteten. Da die "Neue Rheinische Zeitung" infolge ihres
konsequent revolutionären Auftretens bereits Ende Juni 1848 alle
ihre bürgerlichen Aktionäre verloren hatte, mußte Marx als ver-
antwortlicher Redakteur einen ununterbrochenen Kampf um ihre Her-
ausgabe führen und ungeheure materielle Schwierigkeiten überwin-
den. Hinzu kamen die Hindernisse, die ihm die preußischen Behör-
den in den Weg legten. (Siehe dazu den Brief von Marx an Engels
von Mitte November 1848 sowie den Brief an das Redaktionsmitglied
Ernst Dronke vom 3. Februar 1849.) Marx unterstreicht in seinen
Briefen die große politische Bedeutung dieser Zeitung und nennt
sie ein Parteiunternehmen' "Aber es galt, unter allen Umständen
dies F o r t zu behaupten und die politische Stellung nicht
aufzugeben." (Siehe vorl. Band, S. 129.)
Die "Neue Rheinische Zeitung" spielte eine große Rolle im Kampf
gegen die Konterrevolution, in der Sammlung aller demokratischen
Kräfte und in der politischen und ideologischen Entwicklung der
proletarischen Revolutionäre; sie genoß gewaltige Popularität
weit über die Grenzen der Rheinprovinz und selbst Deutschlands
hinaus. Davon zeugen der Brief von Marx an Engels vom 29. Novem-
ber 1848 sowie der Brief von Engels an Marx aus der Schweiz vom
7,/8. Januar 1849.
Der kämpferische proletarische Internationalismus der "Neuen
Rheinischen Zeitung", der sich in dem unerschrockenen Eintreten
von Marx und Engels in den Spalten der Zeitung für die Verteidi-
gung der heroischen Teilnehmer des proletarischen Aufstands in
Paris im Juni 1848 gezeigt hatte, wurde von Marx selbst in einem
im vorliegenden Band erstmalig veröffentlichten Dokument festge-
halten - in seinem Brief vom 30. Juni 1850 an den Vorsitzenden
einer Versammlung der Emigranten in London anläßlich des zweiten
Jahrestages dieses Aufstandes. "Während die Junirevolution
#XXIV# Vorwort
-----
von allen Kläffern der Bourgeoisklasse angegriffen wurde",
schreibt Marx, "habe ich diese schrecklichen Tage, die für mich
die größte Manifestation des Kampfes sind, den die Arbeiterklasse
gegen die Kapitalistenklasse führt, öffentlich verteidigt."
(Siehe vorl. Band, S. 537.)
1848/1849, während ihres Aufenthalts in Köln, waren Marx und En-
gels als Redakteure der "Neuen Rheinischen Zeitung" und als revo-
lutionäre Führer der Volksmassen unaufhörlich polizeilichen und
gerichtlichen Verfolgungen ausgesetzt. Schließlich war Engels
genötigt, im September 1848 aus Deutschland zu emigrieren, und
Marx, der in Köln geblieben war, um die Herausgabe der Zeitung
fortzusetzen, drohte ununterbrochen die Verhaftung (siehe die
Briefe von Marx an Engels von Mitte November und vom 29. November
1848 und den Brief von Engels an Marx vom 28. Dezember 1848).
Die in dem vorliegenden Band veröffentlichten Briefe und Doku-
mente von Engels, die in die erste (russische) Ausgabe der Werke
von Karl Marx und Friedrich Engels nicht aufgenommen worden wa-
ren, enthalten interessantes und für den Forscher viel neues Ma-
terial über Engels' Tätigkeit in der Schweiz von Ende Oktober
1848 bis Mitte Januar 1849. Engels stellte in der Zeit seines
Aufenthalts in verschiedenen Städten der Schweiz, insbesondere in
Lausanne und Bern, enge Verbindungen zu den örtlichen Arbeiter-
und demokratischen Organisationen her. Der von Engels um den 25.
Dezember 1848 im Namen der Zentralkommission der deutschen Ver-
eine der Schweiz an den Verein in Vivis geschriebene Brief zeugt
davon, daß Engels aktiv am Kampf der fortschrittlichen Elemente
der Arbeitervereine gegen Tendenzen lokaler Beschränktheit und
Isolierung teilnahm. Das von ihm im Auftrag dieser Kommission
verfaßte Schreiben an den Vorstand des Märzvereins zeigt Engels'
Kampf für die politische Selbständigkeit der Arbeitervereine und
für die Herstellung der Aktionseinheit aller demokratischen
Kräfte; sie enthält zugleich eine scharfe Kritik an dieser Orga-
nisation deutscher kleinbürgerlicher Demokraten und ihrer wankel-
mütigen und unentschlossenen Politik. Die Gedanken, die in diesem
Dokument zum Ausdruck kommen, entsprechen den in den Spalten der
"Neuen Rheinischen Zeitung" veröffentlichten Artikeln "Der März-
verein" sowie "Der Frankfurter Märzverein und die 'Neue Rheini-
sche Zeitung'" von Marx.
Anfang Juni 1849, nachdem unter den Bedingungen der Offensive der
deutschen Konterrevolution die "Neue Rheinische Zeitung" ihr
Erscheinen einstellen mußte, ging Marx nach Frankreich, wo zu
dieser Zeit revolutionäre Ereignisse heranreiften. In seinem
Brief an Engels vom 7. Juni
#XXV# Vorwort
-----
1849 aus Paris teilt Marx mit, daß er ständige Verbindung zu den
Führern der französischen demokratischen und revolutionären Orga-
nisationen unterhalte. Engels erwähnt in einer Reihe von Briefen
vom Juli/August 1849, daß er am badisch-pfälzischen Aufstand in
einer der Freiwilligenabteilungen aktiv teilnehme (siehe seine
Briefe an Jenny Marx vom 25. Juli 1849, an Schabelitz vom 24. Au-
gust und an Weydemeyer vom 25. August desselben Jahres). In dem
Brief an Jenny Marx mißt Engels dem Umstand besondere Bedeutung
bei, daß, nachdem er den ganzen Feldzug mitgemacht und an vier
Gefechten teilgenommen hatte, keiner der Führer der kleinbürger-
lichen Demokraten mehr behaupten könne, die Redakteure der "Neuen
Rheinischen Zeitung" hätten sich von den unmittelbaren revolutio-
nären Kämpfen ferngehalten.
So kennzeichnet der Briefwechsel von Marx und Engels aus den Jah-
ren 1848/1849 ihre Tätigkeit als Führer der revolutionär-demokra-
tischen und proletarischen Bewegung.
Im August 1849, als nach der Niederlage der kleinbürgerlichen
Fraktion auch in Frankreich die antidemokratischen und antirevo-
lutionären Kräfte wieder überall dominierten, verfügte die Regie-
rung der Zweiten Republik die Verbannung von Marx nach Morbihan,
einer sumpfigen Gegend in der Bretagne. In dem Brief an Engels
vom 23. August 1849 nennt Marx diese Maßnahme einen "verkleideten
Mordversuch".
Ende August 1849 war Marx gezwungen, nach London zu übersiedeln,
wo er bis ans Ende seines Lebens geblieben ist. Aber auch in Eng-
land erwies sich der Aufenthalt für Marx als bei weitem nicht un-
gefährlich. Im Mai 1850 übten die preußischen Behörden im Zusam-
menhang mit den zahlreichen Verhaftungen von Kommunisten in
Deutschland, die 1852 zum Kölner Kommunistenprozeß führten, auf
die englische Regierung einen Druck aus, mit dem Ziel, Marx' Aus-
weisung aus England zu erreichen (siehe die Briefe von Marx an
Weydemeyer vom 8. Juni und 27. Juni 1850). Auch Engels war genö-
tigt, nach England zu emigrieren, weil ihm in Deutschland Vergel-
tungsmaßnahmen seitens der preußischen Machthaber wegen seiner
aktiven Teilnahme an dem bewaffneten Aufstand in Südwestdeutsch-
land drohten (siehe den Brief von Marx an Engels vom 23. August
1849). Die Verfolgungen der großen Führer des Proletariats durch
die internationale Reaktion wurden auch in den folgenden Jahren
fortgesetzt.
In der Londoner Emigration reorganisierte Marx gemeinsam mit den
anderen Mitgliedern der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten
den Bund und die Zentralbehörde, an deren Spitze er selbst stand.
Im November 1849 traf Engels, der ebenfalls in die Zentralbehörde
aufgenommen
#XXVI# Vorwort
-----
wurde, in London ein. Wie die in dem vorliegenden Band veröffent-
lichten Briefe zeigen, leisteten die Begründer des wissenschaft-
lichen Kommunismus eine gewaltige Arbeit zur Wiederherstellung
der verlorenen Verbindungen und zum Zusammenschluß der revolutio-
nären Elemente im Bund der Kommunisten. Die Briefe von 1849/1850,
insbesondere die von Marx und Engels an Weydemeyer vom April
1850, enthalten Material über die Tätigkeit des von ihnen gelei-
teten sozialdemokratischen Flüchtlingskomitees, das aktiv zur
Vereinigung der wahrhaft revolutionären Elemente der Arbeiterbe-
wegung beitrug.
Marx und Engels maßen dem Zusammenschluß der proletarischen Revo-
lutionäre aller Länder große Bedeutung bei und richteten in die-
ser Periode ihre besondere Aufmerksamkeit auf die Festigung der
Verbindungen zwischen dem Bund der Kommunisten und dem von Harney
und Jones repräsentierten revolutionären Flügel des Chartismus.
Die Briefe dieser Zeit zeugen von Marx' und Engels' ständiger Un-
terstützung der Bestrebungen der revolutionären Chartisten, die
Chartistenbewegung auf einer neuen, sozialistischen Grundlage
wiederzuerwecken, von der Hilfe, die ihnen Marx und Engels und
ihre Kampfgenossen aus dem Bund der Kommunisten bei der Heraus-
gabe von Presseorganen, im Kampf gegen die reformerischen und
sektiererischen Strömungen innerhalb des Chartismus, die seine
Weiterentwicklung hemmten, erwiesen. Marx' und Engels' Briefe
zeugen von dem wachsenden Einfluß ihrer Ideen auf die fort-
schrittlichen Vertreter des Chartismus, in erster Linie auf Ge-
orge Julian Harney und Ernest Jones. In den Jahren 1850/1851 fe-
stigt sich besonders die Freundschaft von Marx und Engels mit dem
hervorragenden englischen proletarischen Revolutionär, dem Publi-
zisten und Dichter Ernest Jones, der nach dem Übergang von Harney
in das Lager der kleinbürgerlichen Demokratie Anfang 1851 zum
Hauptvertreter der Ideen des wissenschaftlichen Kommunismus in
der englischen Arbeiterbewegung wird. "Jones", bemerkt Engels in
dem Brief an Ernst Dronke vom 9. Juli 1851, "der überhaupt ein
andrer Kerl ist wie Harney, ist dafür ganz mit uns und exponiert
jetzt den Engländern das 'Manifest'."
Einen wichtigen Platz nimmt in den Briefen von Marx und Engels
aus den Jahren 1849/1850 der Kampf für die Schaffung eines Pres-
seorgans ein, das die kämpferischen Traditionen der "Neuen Rhei-
nischen Zeitung" fortsetzen und zur Festigung der proletarischen
Partei beitragen sollte. Schon am Vorabend seiner Abreise aus Pa-
ris nach London, in dem Brief an Engels nach der Schweiz vom
23.August 1849, fordert Marx seinen Freund auf, nach England zu
kommen, um gemeinsam ein eigenes Presseorgan herauszubringen.
#XXVII# Vorwort
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Ein solches Organ wurde die Zeitschrift "Neue Rheinische Zeitung.
Politisch-ökonomische Revue", die von Januar bis November 1850 in
Hamburg erschien. In dieser Zeitschrift wurden äußerst wichtige
Werke der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus veröffent-
licht: "Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850" von Marx,
"Die deutsche Reichsverfassungskampagne" und "Der deutsche Bau-
ernkrieg" von Engels und andere Arbeiten, in denen auf der Grund-
lage der historisch-materialistischen Analyse der Ereignisse die
Ergebnisse der Revolution von 1848/49 zusammengefaßt, ihre Erfah-
rungen verallgemeinert und die Taktik der revolutionären proleta-
rischen Partei entwickelt wurden.
Aus den Briefen von Marx und Engels in dieser Periode wird deut-
lich, wieviel Kraft und Energie sie darauf verwandten, die Her-
ausgabe der Zeitschrift zu ermöglichen. So wandten sie sich an
ihre Kampfgenossen und Freunde in Deutschland und der Schweiz mit
der Bitte, zur Verbreitung der Zeitschrift beizutragen. In dem
Brief an Weydemeyer vom 19. Dezember 1849 ersucht ihn Marx, in
die "Neue Deutsche Zeitung" eine Anzeige über das Erscheinen der
Zeitschrift zu setzen. In dem Brief an Freiligrath vom 10. Januar
1850 berichtet Marx von den Plänen, die Zeitschrift allmählich in
eine Halbmonats- und Wochenschrift und, wenn möglich, in eine Ta-
geszeitung umzuwandeln, und bittet ihn, so schnell wie möglich
Geld zu sammeln, das für die weitere Herausgabe dieses Organs
notwendig war.
Breiten Raum nehmen in den Briefen von Marx und Engels die Fragen
der Taktik der proletarischen Partei nach der Niederlage der Re-
volution 1848/49 ein.
Im Sommer 1850 kamen Marx und Engels zu dem Schluß, daß im Hin-
blick auf den wirtschaftlichen Aufschwung seit 1848 eine neue Re-
volution in der nächsten Zukunft nicht zu erwarten sei. Deshalb
hielten sie eine Überprüfung der Taktik des Bundes der Kommuni-
sten, eine Änderung der Kampfformen für notwendig. Die neue Lage
erforderte mühevolle Arbeit zur Sammlung der Kräfte und zur Vor-
bereitung proletarischer revolutionärer Kader auf die künftigen
revolutionären Kämpfe.
Einige Mitglieder des Bundes der Kommunisten mit Willich und
Schap-per an der Spitze ignorierten jedoch die objektiven histo-
rischen Bedingungen und traten gegen die taktische Linie von Marx
und Engels auf. Im Zusammenhang mit diesen Meinungsverschieden-
heiten kam es am ^.September 1850 auf der Sitzung der Zentralbe-
hörde des Bundes der Kommunisten endgültig zur Spaltung, wobei
die Mehrheit der Mitglieder der Zentralbehörde auf die Seite von
Marx und Engels trat.
#XXVIII# Vorwort
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Der Kampf innerhalb des Bundes der Kommunisten veranlaßte Marx
und Engels, besondere Aufmerksamkeit auf die Entlarvung des
Dogmatismus, Sektierertums und Abenteurertums in der Arbeiterbe-
wegung zu richten. In den Briefen von Marx und Engels aus dem
Jahre 1851 wird festgestellt, daß die Fraktionstätigkeit der
Gruppe Willich-Schapper das Proletariat von der Aufgabe abhalte,
die Kräfte für den zukünftigen Kampf zu sammeln.
Entsprechend dem am 15. September 1850 in London gefaßten Be-
schluß wurde in Köln eine neue Zentralbehörde des Bundes der Kom-
munisten gebildet, die bis Mai 1851 eine umfangreiche propagandi-
stische und organisatorische Arbeit in Deutschland leistete und
dazu eine aktive und vielseitige Unterstützung von Marx und En-
gels erhielt. Infolge der Bedingungen der illegalen Arbeit und
der Verfolgungen durch die Behörden, die Ende 1852 im Kölner Kom-
munistenprozeß gipfelten, sind die meisten Briefe von Marx und
Engels an Roland Daniels, Georg Weerth, Joseph Weydemeyer, Hein-
rich Bürgers, Peter Gerhard Röser, Ferdinand Freiligrath, Hein-
rich Becker und andere nur fragmentarisch oder meist gar nicht
erhalten geblieben.
Marx und Engels traten in ihren Briefen scharf gegen die
pseudorevolutionären Pläne Willichs auf, der im Herbst 1850 das
abenteuerliche Projekt vorbrachte, unverzüglich die Revolution in
Westdeutschland zu organisieren, wobei er die Mobilisierung der
Landwehr im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Preußen und
Österreich ausnutzen wollte. Marx und Engels, die stets das Spiel
mit revolutionären Verschwörungen verurteilten, verspotteten
rücksichtslos das fruchtlose und schädliche Vorhaben Willichs
(siehe den Brief von Engels an Dronke vom 9. Juli 1851). Die
Briefe aus dem Jahre 1851 enthalten ein reiches Material, welches
zeigt, daß die Fraktion Willich-Schapper nach der Spaltung des
Bundes der Kommunisten sich der kleinbürgerlichen Emigration an-
näherte und sich im Grunde genommen in ihr Anhängsel verwandelte.
In dem Brief an Hermann Becker vom 28. Februar 1851 und in einer
Reihe anderer Briefe zeigt Marx am Beispiel der politischen Evo-
lution dieser Gruppe, daß Fraktionsmacherei und Sektierertum un-
vermeidlich zum Absinken auf antiproletarische Positionen, zur
ideologischen Abhängigkeit von der Bourgeoisie führen.
Marx und Engels verwandten große Anstrengungen darauf, das Prole-
tariat vor den bürgerlichen und kleinbürgerlichen Einflüssen zu
schützen und die Selbständigkeit und die Reinheit der ideologi-
schen und taktischen Positionen des Proletariats zu verteidigen.
Einer der Träger eines solchen Einflusses war zu dieser Zeit die
kleinbürgerliche Emigration. Daher ist es
#XXIX# Vorwort
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kein Zufall, daß im Briefwechsel von Marx und Engels aus dem
Jahre 1851 auch eine scharfe Kritik an den verschiedenen Emigran-
tencliquen (Ruge, Kinkel, Heinzen, Struve, Louis Blanc und ande-
ren) enthalten ist. Marx und Engels' enthüllen schonungslos die
pseudorevolutionäre Tätigkeit dieser Cliquen, die auf kleinliche
Wortgefechte und Zänkereien und auf die demagogische Spekulation
mit Phrasen über die Revolution hinauslief. Ihre Handlungen ver-
ursachten, wie Marx und Engels zeigen, einen ernsten Schaden für
die demokratische und Arbeiterbewegung, störten den Zu-
sammenschluß der Arbeiterklasse und konnten nur zum Verlust der
Selbständigkeit der proletarischen Organisation führen. Marx und
Engels entlarvten die Versuche der Führer der kleinbürgerlichen
Emigration, die proletarischen Revolutionäre zu verleumden und
sie ihres Einflusses auf das Proletariat zu berauben.
Eine eindrucksvolle Kennzeichnung der Tätigkeit der Emigranten-
cliquen und ihres abenteuerlichen Spektakels wird in zwei Briefen
von Marx an den Frankfurter Journalisten Ebner gegeben, die im
August und Dezember 1851 geschrieben wurden und im vorliegenden
Band zum ersten Mal veröffentlicht werden. Die Materialien dieser
Briefe wurden von Marx und Engels zum Teil für die 1852 verfaßte
Streitschrift "Die großen Männer des Exils" benutzt.
Im Zusammenhang mit der Kritik an einem der Führer des Exils, dem
italienischen bürgerlichen Demokraten Mazzini, entwickelt Marx
eine Reihe wichtiger Leitsätze über die nationale Befreiungsbewe-
gung der unterdrückten Völker. In den Briefen an Weydemeyer vom
11. September und an Engels vom 13.September 1851 verurteilt er
Mazzini entschieden, weil dieser die Interessen der von den Guts-
besitzern ausgebeuteten italienischen Bauern ignorierte und dar-
auf verzichtete, die Bauernmassen in den Kampf für die nationale
Befreiung und Einigung Italiens einzubeziehen. Nur die breite
Teilnahme aller arbeitenden Menschen am nationalen Befreiungs-
kampf, hebt Marx hervor, kann diesem Kampf wirkliche Kraft und
wirklichen Elan geben und seinen Sieg sichern. Marx weist in dem
erwähnten Brief an Weydemeyer darauf hin, daß "der erste Schritt
zur Unabhängigkeitsmachung Italiens die völlige Emanzipation der
Bauern und die Verwandlung ihres Halbpachtsystems in freies bür-
gerliches Eigentum ist". (Siehe vorl. Band, S. 580.)
In einer Reihe von Briefen von Marx und Engels aus der zweiten
Hälfte des Jahres 1851 werden die aus Deutschland erhaltenen
Nachrichten von den Verhaftungen von Mitgliedern des Bundes der
Kommunisten erörtert. Marx und Engels gaben ihrer Besorgnis wegen
des Gerichtsverfahrens
#XXX# Vorwort
-----
gegen die verhafteten Genossen Ausdruck und wandten ihre beson-
dere Aufmerksamkeit dem Umstand zu, daß die abenteuerlichen Pläne
der Spalterfraktion Willich-Schapper und anderer Emigrantencli-
quen es der Polizei erleichterten, Provokationen aller Art vom
Zaun zu brechen und die Dinge im Zusammenhang mit angeblichen
"kommunistischen Verschwörungen" aufzubauschen (siehe den Brief
von Marx an Engels vom 28. Mai 1851). Marx und Engels unternahmen
Schritte, um zur Entlarvung der Aktionen der preußischen Behörden
und zur Verteidigung der verhafteten Mitglieder des Bundes der
Kommunisten in der Presse Beiträge unterzubringen (siehe den
Brief von Marx an Engels vom 1. Dezember 1851).
Der Briefwechsel der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus
aus den Jahren 1849-1851 zeigt, welche Bedeutung sie der
Weiterentwicklung ihrer revolutionären Theorie beimaßen; sie be-
trachteten dies als wichtigste parteipolitische Aufgabe. Hauptge-
genstand der wissenschaftlichen Forschungen von Marx wird jetzt
die politische Ökonomie. Wenn bis 1848 die philosophische Begrün-
dung des wissenschaftlichen Kommunismus und in den Jahren 1848/49
die Ausarbeitung der politischen Ideen und der revolutionären
Strategie und Taktik Hauptinhalt der theoretischen Tätigkeit von
Marx war, so trat in den fünfziger Jahren die Entwicklung der
ökonomischen Lehre an die erste Stelle. Marx setzte verstärkt das
Studium der ökonomischen Literatur und die Ausarbeitung seiner
ökonomischen Theorie fort, mit der er schon in den vierziger Jah-
ren begonnen hatte, als er an eine umfangreiche Arbeit "Kritik
der Politik und Nationalökonomie" dachte (siehe dazu den Brief
von Marx an Leske vom 1. August 1846). Marx beabsichtigte, eine
große Arbeit zu schreiben, die die Kritik der bestehenden Ordnung
und der bürgerlichen politischen Ökonomie zum Inhalt haben
sollte. Der Briefwechsel von Marx und Engels aus dem Jahre 1851
zeugt von der gewaltigen Arbeit, die Marx bei der Sammlung und
Sichtung des Materials für sein wissenschaftliches Werk leistete.
Wie aus dem Briefwechsel klar wird, studiert er gründlich und
allseitig die ökonomische Geschichte und die ökonomische Entwick-
lung der verschiedenen Länder, insbesondere Englands, das damals
das klassische Land des Kapitalismus war. Zu dieser Zeit interes-
sieren ihn hauptsächlich Probleme des Grundeigentums und die
Theorie der Grundrente, die Geschichte und Theorie der Geldzirku-
lation und der Preise sowie die Wirtschaftskrisen. So unterzieht
Marx in dem Brief an Engels vom 7. Januar 1851 zum erstenmal Ri-
cardos Theorie der Grundrente einer Kritik und spricht einige
Grundthesen seiner Rententheorie aus, und in dem Brief vom 3. Fe-
bruar legt er Engels ausführlich seine Gedanken zur Theorie der
Geldzirkulation dar. Engels seinerseits
#XXXI# Vorwort
-----
beschäftigte sich ebenfalls mit ökonomischen Problemen und war
bemüht, Marx bei der Lösung einer Reihe theoretischer Fragen zu
unterstützen. So schrieb er am 12. Februar 1851 an Marx, daß ihn
die ihm von Marx mitgeteilten neuen Überlegungen zu den Fragen
der Geldzirkulation außerordentlich interessierten und er vor-
habe, sie ernstlich zu überdenken.
Beim Studium der politischen Ökonomie tauschte Marx ständig mit
Engels Überlegungen zu den wichtigsten Erscheinungen des
Wirtschaftslebens in England und anderen Ländern aus.
Zu einem Hauptgegenstand der theoretischen Forschungen von Engels
im Jahre 1851 wurden die Militärwissenschaften, besonders die Ge-
schichte der Kriegskunst. Schon die Erfordernisse des revolutio-
nären Kampfes der Jahre 1848/1849 veranlaßten Engels, an das Stu-
dium militärischer Fragen, in erster Linie der Taktik des bewaff-
neten Aufstandes, zu gehen. Nach seiner Übersiedlung nach Manche-
ster, Ende 1850, machte sich Engels an das systematische und
gründliche Studium der Kriegswissenschaft. In dem Brief an Weyde-
meyer vom 19. Juni 1851 bestimmte Engels die Gründe, die ihn dazu
bewogen, folgendermaßen: "Die enorme Wichtigkeit, die die partie
militaire bei der nächsten Bewegung bekommen muß, eine alte In-
klination, meine ungarischen Kriegsartikel von der Zeitung" (der
"Neuen Rheinischen Zeitung") "her, schließlich meine glorreichen
Abenteuer in Baden, alles das hat mich darauf geworfen, und ich
will es wenigstens so weit in der Geschichte bringen, daß ich
theoretisch einigermaßen mitsprechen kann, ohne mich zu sehr zu
blamieren." Die Briefe von Engels zeigen, welchen weiten Kreis
von Quellen und Literatur er für das Studium der Geschichte und
Theorie der Kriegskunst heranzog.
Militärwissenschaftlich von großem Interesse ist der Brief von
Engels an Marx vom 26. September 1851, in dem er einen Aufsatz
des kleinbürgerlichen Demokraten Techow, "Umrisse des kommenden
Krieges", kritisch untersucht. Der Brief enthält eine Analyse des
vermutlichen Verhältnisses der bewaffneten Kräfte der Revolution
und der Konterrevolution in Europa im Falle neuer revolutionärer
Ereignisse. Engels deutet hier auch den wichtigen Gedanken von
den Besonderheiten der Gliederung revolutionärer Armeen und dem
Charakter ihrer Kampfhandlungen an.
In einer Reihe von Briefen gibt Engels Einschätzungen der Werke
hervorragender zeitgenössischer Militärschriftsteller (Napier,
Savary u. a.) und Charakteristiken der Tätigkeit einer Reihe von
Heerführern (zum Beispiel Wellingtons).
Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels vermittelt ein genaues
Bild von ihrer langjährigen schöpferischen Zusammenarbeit. Nicht
selten
#XXXII# Vorwort
-----
schlug Marx Engels Themen für neue Schriften vor. In dieser Be-
ziehung ist die Entstehungsgeschichte von Engels' Arbeit "Die
deutsche Reichsverfassungskampagne" interessant. Aus dem Brief-
wechsel zwischen Marx und Engels wird deutlich, daß Engels diese
Skizzen auf Marx' Rat schrieb. "Du hast jetzt die schönste Gele-
genheit, eine Geschichte oder ein Pamphlet über die badisch-pfäl-
zische Revolution zu schreiben", heißt es in dem um den 1. August
1849 geschriebenen Brief von Marx an Engels. "Du kannst dabei die
Stellung der 'Neuen Rheinischen Zeitung' zur Demokratischen Par-
tei überhaupt glänzend herausbeißen." Engels entsprach sogleich
dem Vorschlag von Marx und teilte schon am 24. August 1849 dem
Verleger Jakob Schabelitz mit, daß er seine "Memoiren über die
pfälzisch-badische Revolutionsposse" schreibe.
Ein anderes treffendes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen
Marx und Engels ist die von Engels verfaßte Artikelserie
"Revolution und Konterrevolution in Deutschland". Anfang August
1851 schlug Charles Dana, einer der Redakteure der fortschrittli-
chen bürgerlichen Zeitung "New-York Daily Tribune", Marx vor, an
seiner Zeitung mitzuarbeiten. Marx, der mit der Untersuchung von
Problemen der politischen Ökonomie beschäftigt war, bittet Engels
in dem Brief vom 8. August 1851, für diese Zeitung eine Reihe von
Artikeln über die deutschen Verhältnisse zu schreiben. Bis Ende
des Jahres schrieb Engels für die "Tribüne" die drei ersten Arti-
kel dieser Serie, die in der Zeitung mit Marx' Unterschrift
veröffentlicht wurden (die übrigen Artikel wurden 1852 geschrie-
ben). Bei der Arbeit an diesem Werk stand Engels in ständigem
Meinungsaustausch mit Marx, der überdies die Artikel vor ihrer
Absendung an die Zeitung durchsah. Andererseits entstand die Idee
zu der Schrift "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte" von
Marx unter dem unzweifelhaften Einfluß eines Briefes von Engels,
der am 3. Dezember 1851 geschrieben wurde und eine treffende Cha-
rakterisierung des bonapartistischen Staatsstreichs in Frankreich
vom 2. Dezember 1851 enthält. Der Briefwechsel zwischen Marx und
Engels beweist die untrennbare Einheit ihrer wissenschaftlichen
und revolutionären Tätigkeit, die Unmöglichkeit, den Beitrag, den
der eine von ihnen zur Schaffung der Theorie des wissenschaftli-
chen Kommunismus leistete, von dem des andern isoliert zu be-
trachten.
Der in diesem Band veröffentlichte Briefwechsel veranschau-
lichtauch die Rolle von Marx und Engels als Führer und Lehrer der
ersten proletarischen Revolutionäre. Ihre Briefe zeigen, daß sie
der theoretischen Schulung und der Erziehung der Parteikader
große Bedeutung beimaßen und es für notwendig hielten, das zeit-
weilige Abflauen der revolutionären Woge dafür
#XXXIII# Vorwort
-----
auszunutzen (siehe den Brief von Engels an Dronke vom 9. Juli
1851). In dem Brief an Marx, der um den 20. Juli 1851 geschrieben
wurde, begrüßt Engels freudig die Nachricht aus Deutschland über
die Bildung neuer Gemeinden des Bundes der Kommunisten, weil in
ihnen neue Kader der Partei, ihr neuer und stärkerer
"Generalstab" heranwachsen.
Der Briefwechsel von Marx und Engels zeigt anschaulich, daß sie
von dem Zeitpunkt an, da sie den Weg des revolutionären Kampfes
betraten, von einer Gruppe von Freunden, Kampfgenossen und
Gleichgesinnten umgeben waren. Auf diese führenden Vertreter der
Arbeiterbewegung stützten sich Marx und Engels in ihrem Kampf für
den Aufbau der proletarischen Partei, gemeinsam mit ihnen wirkten
sie in den Revolutionsjahren und in der schweren Zeit der Herr-
schaft der Reaktion.
Einen besonderen Platz unter den Kampfgenossen von Marx und En-
gels nimmt Wilhelm Wolff ("Lupus") ein, mit dem sie eine langjäh-
rige enge Freundschaft verband. In seinem Brief an Marx vom
23./24. November 1847 äußert Engels über Wilhelm Wolff als einen
der Führer des Bundes der Kommunisten folgende hohe Meinung:
"Aber dem Lupus muß die übertriebne Bescheidenheit absolut ausge-
trieben werden. Der brave Kerl ist einer der wenigen, die man in
den Vordergrund p o u s s i e r e n muß." In den Jahren der Re-
volution war Wilhelm Wolff Mitglied der Redaktion der "Neuen
Rheinischen Zeitung" und einer der hervorragendsten Mitarbeiter
dieses revolutionären Organs. Nach seinem Eintreffen in London,
im Sommer 1851, unterstützte Wilhelm Wolff entschieden Marx und
Engels im Kampf gegen die Intrigen der Sektierer und der Führer
der kleinbürgerlichen Emigration (siehe den Brief von Marx an En-
gels vom 13. Juli 1851).
Aus den Briefen von Marx und Engels geht hervor, daß sie während
ihrer Emigrationsjahre eine enge Verbindung mit den Führern des
Bundes der Kommunisten in Deutschland - Roland Daniels, Heinrich
Bürgers und anderen - aufrechterhielten. Daniels, mit dem Marx
eine alte Freundschaft verband, war der führende Kopf unter den
Kommunisten in Köln, was aus dem Brief von Marx an ihn vom 7.
März 1847 sowie aus anderen Briefen ersichtlich ist. Mit diesem
Revolutionär und hervorragenden Wissenschaftler stand Marx im
Meinungsaustausch über viele theoretische Fragen, unter anderem
über die Rolle der Wissenschaft und des technischen Fortschritts
in der zukünftigen kommunistischen Gesellschaft. "Die Kommunisten
haben zu zeigen", schrieb Marx im Mai 1851 an Daniels, "daß nur
unter kommunistischen Verhältnissen die schon erreichten techno-
logischen Wahrheiten praktisch werden können." (Siehe vorl. Band,
S. 553.)
#XXXIV# Vorwort
-----
Daniels' Verhaftung durch die preußische Polizei im Juni 1851
beunruhigte Marx und Engels stark (siehe die Briefe von Marx an
Engels vom 16. Juni und 13. Juli 1851 sowie sein zwischen dem 4.
und 8. Oktober 1851 geschriebener Brief an Daniels' Frau).
Der Briefwechsel von Marx und Engels enthält äußerst wichtiges
Material über ihre Freunde und Gesinnungsgenossen, die Mitglieder
des Bundes der Kommunisten Ferdinand Wolff, Ernst Dronke, Georg
Weerth und Ferdinand Freiligrath, die 1848/1849 zum Redaktions-
stab der "Neuen Rheinischen Zeitung" gehörten. Aus den Briefen
der Jahre 1850/1851 wird deutlich, daß zur Zeit der Auseinander-
setzung zwischen den proletarischen Revolutionären und der klein-
bürgerlichen Emigration die deutschen revolutionären Dichter
Weerth und Freiligrath Marx und Engels unterstützten (siehe z. B.
den Brief von Marx an Müller-Tellering vom 1. Januar 1850 und den
Brief von Marx an Engels vom 28. Mai 1851).
Breiten Raum nimmt in den Briefen der Jahre 1848-1851 die Korre-
spondenz von Marx und Engels mit dem hervorragenden proletari-
schen Revolutionär Joseph Weydemeyer ein. Nachdem Weydemeyer
Mitte der vierziger Jahre dem "wahren Sozialismus" seinen Tribut
gezollt hatte, trat er schon vor der Revolution 1848/49 als über-
zeugter Anhänger des wissenschaftlichen Kommunismus, als treuer
Kampfgefährte von Marx und Engels auf. In dem Brief an Marx, der
um den 1. August 1851 geschrieben wurde, schreibt Engels über
Weydemeyer als über einen der hoffnungsvollsten, erprobtesten
Parteigenossen: "bei W[eydemeyer] ist man sicher, daß er le cas
échéant doch gleich bei der Hand ist". Auch Marx schätzte Weyde-
meyer außerordentlich hoch ein.
Während Marx und Engels den fortgeschrittenen Kämpfern des Prole-
tariats ständige Hilfe erwiesen, sie entwickelten und schulten,
kritisierten sie zugleich, wie ihre Briefe zeigen, diejenigen von
ihnen scharf, die von der revolutionären proletarischen Linie ab-
wichen.
Die Briefe von Marx aus den Jahren 1850/1851 wie auch die in den
Beilagen veröffentlichten Briefe seiner Frau zeigen die schweren
materiellen Entbehrungen und Nöte, denen Marx und seine Familie
in der Londoner Emigration ausgesetzt waren. Ständige Entbehrun-
gen, die Drohung, wegen Nichtzahlung von Mietschulden auf die
Straße geworfen zu werden, die Verfolgungen durch die Gläubiger,
Krankheit und Tod eines Kindes - alles dies machte Marx' Leben
fast unerträglich schwer und behinderte seine wissenschaftliche
Arbeit. Dazu kamen die Verleumdung und die Hetze der vielen
feindseligen Cliquen in der kleinbürgerlichen Emigration, die
Marx und Engels ihre konzessionslose ideologisch-politische Linie
nicht
#XXXV# Vorwort
-----
verzeihen konnten (vgl. z. B. den Brief von Marx an Weydemeyer
vom 2. August 1851 sowie den Brief von Jenny Marx an Weydemeyer
vom 20. Mai 1850).
Der Briefwechsel zeigt anschaulich, daß unter den schweren Bedin-
gungen des Exils die erprobte, langjährige Freundschaft von En-
gels im Leben von Marx und seiner Familie eine gewaltige Rolle
spielte. Namentlich in dieser für Marx kritischen Zeit bewies En-
gels wahrhafte Selbstlosigkeit - er trat als Angestellter in die
Firma Ermen & Engels ein und wurde so für lange Jahre "ein Scha-
chervieh", um Marx die Möglichkeit zu geben, seine ökonomischen
Forschungen fortzusetzen. "Ohne die ständige aufopfernde finan-
zielle Unterstützung Engels' wäre Marx nicht nur außerstande ge-
wesen, das 'Kapital' zu beenden, er wäre auch unvermeidlich in
Not und Elend zugrunde gegangen." (W.I. Lenin, Werke, Band 21,
Berlin 1960, S. 37.)
Der ganze Briefwechsel zwischen Marx und Engels ist ein
bemerkenswertes Zeugnis der tiefen Freundschaft, welche sie fürs
ganze Leben verband und die "die rührendsten Sagen der Alten über
menschliche Freundschaft in den Schatten stellt" (W.I. Lenin,
Werke, Band 2, Berlin 1961, S. 12).
Von den im zweiten Teil und in den Beilagen des vorliegenden Ban-
des 27 veröffentlichten 120 Briefen erscheint etwa die Hälfte zum
ersten Mal im Heimatland von Marx und Engels.
Der Brief von Marx an Joseph Weydemeyer vom 4. Februar 1850 ist
eine Rückübersetzung aus dem Russischen, da das Original sich
nicht in unserem Besitz befindet.
Einige der in die vorliegende Ausgabe neu aufgenommenen Dokumente
stammen aus den Jahren 1843/1844. Von diesen sind der Brief von
Marx an Fröbel und seine Erklärung an die Redaktion der
"Allgemeinen Zeitung", die das Erscheinen der Zeitschrift
"Deutsch-Französische Jahrbücher" betreffen (siehe vorl. Band, S.
422/423), sowie der Brief von Marx an Feuerbach vom 11. August
1844, der eine wichtige Bemerkung über die Verbindungen von Marx
mit den Pariser Gemeinden des Bundes der Gerechten im Sommer 1844
enthält, von besonderem Interesse. Neues Material über eine wenig
erforschte Periode der Biographie von Engels enthalten zwei
Briefe, die dieser Ende Dezember 1848 im Namen der Zentralkommis-
sion der deutschen Vereine in der Schweiz geschrieben hatte und
die Rolf Dlubek
#XXXVI# Vorwort
-----
1960 erstmalig veröffentlicht hat. Von großem Interesse ist der
Brief von Marx an Blind vom 17. Juli 1850, der neue Aufschlüsse
über die Tätigkeit des Bundes der Kommunisten im Sommer 1850
bringt.
Die Materialien der Beilagen vervollständigen die in diesem Band
veröffentlichten Briefe und sind von historischem und biographi-
schem Interesse. Unter diesen Dokumenten befinden sich einige
Briefe von Jenny Marx an Engels und Weydemeyer, die im Auftrag
von Marx geschrieben wurden. Die Beilagen enthalten auch den
ebenfalls im Auftrag von Marx geschriebenen Brief des Mitgliedes
des Bundes der Kommunisten Konrad Schramm an Joseph Weydemeyer
vom 8. Januar 1850, sowie ein Gesuch von Marx, das sich auf die
Zeit seines Aufenthalts in Belgien im Jahre 1845 bezieht. Einige
dieser Materialien werden zum ersten Mal veröffentlicht.
*
Dieses Vorwort zur 2., durchgesehenen und verbesserten Auflage
von Band 27 der deutschen Ausgabe folgt im wesentlichen dem Vor-
wort zur zweiten russischen Ausgabe.
Der Text des vorliegenden Bandes wird nach den Handschriften bzw.
nach deren Photokopien gebracht. Er wurde in dieser Hinsicht ge-
genüber der vorangegangenen 1. Auflage von 1963 noch einmal
gründlich überprüft, und es konnten u.a. einige sinnentstellende
Entzifferungsfehler berichtigt werden (z.B.: "Inlage" statt
"Zulage" auf S. 530; "Beleidigten" statt "Beteiligten" auf S.
560; "Poltron" statt "Polterer" auf S. 564).
Die von Marx und Engels angeführten Zitate sind - soweit die
Quellen zur Verfügung standen - überprüft worden. Fremdsprachige
Zitate und fremdsprachige Sätze, Satzteile oder Wörter sind in
Fußnoten übersetzt.
Rechtschreibung und Zeichensetzung sind, soweit vertretbar,
modernisiert. Der Lautstand und die Silbenzahl der Wörter wurden
nicht verändert. Es wurden deshalb auch Berichtigungen überall
dort vorgenommen, wo in dieser Beziehung Abweichungen vom Origi-
nal festgestellt werden konnten. Allgemein übliche Abkürzungen
wurden beibehalten. Alle anderen im Original abgekürzten Wörter
sind ausgeschrieben, wobei immer dann, wenn das abgekürzte Wort
nicht völlig eindeutig ist, die vorgenommene Ergänzung durch ec-
kige Klammern kenntlich gemacht wird. Alle Wörter und Wortteile
in eckigen Klammern stammen von der Redaktion. Offensichtliche
Druck- und Schreibfehler wurden stillschweigend korrigiert; in
Zweifelsfällen wird in Fußnoten die Schreibweise des Originals
angeführt.
#XXXVII# Vorwort
-----
Die vollständig in fremden Sprachen geschriebenen Briefe wurden
ins Deutsche übersetzt bzw. bereits vorhandene Übersetzungen
überprüft. Dabei blieben jedoch alle eingestreuten Wörter anderer
Sprachen in der Originalfassung. Sie werden in Fußnoten erklärt.
Zusätze von dritten Personen zu Briefen von Marx und Engels wer-
den in kleinerem Druck gebracht.
Pseudonyme sowie Bei- und Spitznamen sind entweder durch Fußnoten
oder durch Verweise im Personenverzeichnis erklärt.
Zur Erläuterung ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die im
Text durch hochgestellte Zahlen in eckigen Klammern hingewiesen
wird. Außerdem sind ein Literaturverzeichnis, ein Personenver-
zeichnis sowie ein Verzeichnis der literarischen und mythologi-
schen Namen beigefügt. Fernerhin enthält der Band ein Verzeichnis
der Briefe, deren Datierung von der in der Marx-Engels-Gesamtaus-
gabe abweicht.
Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED
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