Quelle: MEW 27 Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851


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       Vorwort
       
       Mit dem  siebenundzwanzigsten Band  der Werke  von Karl  Marx und
       Friedrich Engels  wird die  Reihe der  Bände eingeleitet, die den
       Briefwechsel zwischen Marx und Engels sowie ihre Briefe an dritte
       Personen zum Inhalt haben.
       Als Lenin  die allgemeinen Züge der internationalen Arbeiterbewe-
       gung in der Epoche des vormonopolistischen Kapitalismus charakte-
       risierte, in die der Briefwechsel zwischen Marx und Engels fällt,
       wies er darauf hin, daß dies die Epoche sei, "in der sich die Ar-
       beiterklasse von  der bürgerlichen  Demokratie löste, die Epoche,
       in der  eine selbständige  Arbeiterbewegung entstand, die Epoche,
       in der  die Grundlagen der proletarischen Taktik und Politik aus-
       gearbeitet wurden"  (W.I. Lenin,  Werke, Band 19, Berlin 1962, S.
       549). Die Briefe der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus
       sind ein  getreues Spiegelbild  der Hauptetappen der Entstehungs-
       und Entwicklungsgeschichte  des Marxismus und der internationalen
       Arbeiterbewegung. Sie  zeigen anschaulich  die spezifischen  Züge
       des Marxismus:  seinen schöpferischen  Charakter, die Einheit von
       revolutionärer Theorie  und revolutionärer  Politik, die untrenn-
       bare Verbindung des wissenschaftlichen Kommunismus mit der Praxis
       des proletarischen Klassenkampfes.
       Die Briefe  von Marx  und Engels  bilden einen  wesentlichen Teil
       ihres literarischen  Erbes; sie vermitteln einen Einblick in ihre
       theoretische und  praktische Tätigkeit  als Lehrer und Führer des
       internationalen Proletariats. Die Briefe von Marx und Engels ver-
       anschaulichen ihren  langjährigen Kampf  für die  Schaffung einer
       revolutionären Massenpartei  der Arbeiterklasse und ihre Bemühun-
       gen um die Ausarbeitung der richtigen Taktik der
       
       #VI# Vorwort
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       internationalen Arbeiterbewegung, einer Taktik, die die allgemei-
       nen Gesetzmäßigkeiten  des revolutionären proletarischen Klassen-
       kampfes  ebenso  berücksichtigt  wie  die  Besonderheiten  dieses
       Kampfes in den verschiedenen historischen Etappen und in den ver-
       schiedenen Ländern.  Kennzeichnend für  den Inhalt der Briefe ist
       die scharfe  prinzipielle Kritik an den ideologischen und politi-
       schen Gegnern  des Proletariats,  ist der  Kampf  gegen  jegliche
       Spielart des Opportunismus, des Sektierertums und des Dogmatismus
       in der  Arbeiterbewegung. Die Briefe sind durchdrungen von tiefer
       Parteilichkeit, selbstloser Hingabe an die Sache des Proletariats
       und uneingeschränkten  Sympathien für den Befreiungskampf der un-
       terdrückten Völker aller Länder.
       Die Briefe  von Marx  und Engels  repräsentieren einen gewaltigen
       Ideenreichtum. Viele  von ihnen  ergänzen wesentlich  ihre Werke;
       sie enthalten  originelle und  tiefschürfende Formulierungen  der
       wichtigsten theoretischen  und taktischen Leitsätze und die erste
       Ausarbeitung vieler  Probleme, die  in den  Arbeiten von Marx und
       Engels weiterentwickelt  wurden. Der  Briefwechsel zeigt anschau-
       lich die  Arbeit der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus
       an der  Entwicklung aller drei Bestandteile ihrer Lehre: des dia-
       lektischen und historischen Materialismus, der politischen Ökono-
       mie und  der Lehre vom Sozialismus und Kommunismus, der Strategie
       und Taktik  des Klassenkampfes  des Proletariats. Einzelne Briefe
       haben einen besonderen wissenschaftlichen Wert, weil sie Gedanken
       von Marx  und Engels  enthalten, die aus diesem oder jenem Grunde
       in ihren Arbeiten nicht weiterentwickelt wurden. Nicht selten ga-
       ben Marx  und Engels  in ihren  Briefen schärfere politische Ein-
       schätzungen und Charakteristiken der verschiedenen Ereignisse und
       Personen als  in manchen  ihrer gedruckten Veröffentlichungen, da
       sie im  Briefwechsel nicht  die Zensur und andere Bedingungen be-
       rücksichtigen mußten  und ihre  Meinung offener aussprechen konn-
       ten.
       Außerordentlich groß  ist die  historisch-biographische Bedeutung
       des Briefnachlasses von Marx und Engels als wichtigste Quelle für
       das Studium  ihres Lebens und ihrer Tätigkeit. Die Briefe der Be-
       gründer des  wissenschaftlichen Kommunismus  helfen, die  Entste-
       hungsgeschichte ihrer  Werke zu  verfolgen; sie  geben Aufklärung
       über eine Reihe wenig bekannter Seiten ihrer politischen, organi-
       satorischen und publizistischen Tätigkeit.
       Der Briefwechsel  zwischen Marx  und Engels gibt die Möglichkeit,
       ein
       
       #VII# Vorwort
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       Bild ihres ständigen Gedankenaustausches und ihrer schöpferischen
       Zusammenarbeit zu gewinnen und zeigt die enzyklopädische Vielsei-
       tigkeit der  Interessen dieser  Titanen des revolutionären Gedan-
       kens.
       W.I. Lenin  schenkte den  Briefen von Marx und Engels größte Auf-
       merksamkeit, wovon  der von  ihm mit Sorgfalt abgefaßte "Konspekt
       zum 'Briefwechsel  zwischen Karl  Marx und Friedrich Engels 1844-
       1883'" zeugt, der 1959 vom Institut für Marxismus-Leninismus beim
       ZK der  KPdSU herausgegeben  wurde (deutsch: Dietz Verlag, Berlin
       1963). Unter der Redaktion und mit einem Vorwort Lenins wurde die
       russische Ausgabe  der Briefe von Marx an Ludwig Kugelmann veröf-
       fentlicht; Lenin  schrieb auch das Vorwort zur russischen Ausgabe
       der "Briefe  und Auszüge  aus Briefen von Joh. Phil. Becker, Jos.
       Dietzgen, Friedrich  Engels, Karl  Marx u.A.  an F.A.  Sorge  und
       Andere". Ferner  nahm Lenin  Hinweise auf die Briefe von Marx und
       Engels in die von ihm zusammengestellte Bibliographie des Marxis-
       mus auf,  die seinem Aufsatz "Karl Marx" beigefügt ist. Lenin gab
       auch in einem besonderen Aufsatz eine gründliche Einschätzung des
       Briefwechsels zwischen  Marx und  Engels. Eine allseitige Analyse
       verschiedener Briefe von Marx und Engels ist in vielen Leninschen
       Werken enthalten.  Außerdem wurde  nach der  Sozialistischen  Ok-
       toberrevolution, im Jahre 1922, auf Initiative Lenins ein Sammel-
       band mit  Briefen von Marx und Engels herausgegeben und die Samm-
       lung des  an verschiedenen  Orten verstreuten Briefnachlasses der
       Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus in Angriff genommen.
       Dies alles  zeugt davon, daß Lenin, der Führer des russischen und
       des internationalen  Proletariats, die Briefe von Marx und Engels
       als wertvollen Bestandteil der Schatzkammer des marxistischen Ge-
       dankengutes, als  eminent wichtige geistige Waffe der kommunisti-
       schen und  Arbeiterparteien in  ihrem Kampf für die revolutionäre
       Umgestaltung der Welt ansah.
       Zur Charakterisierung des Ideengehalts des Briefwechsels von Marx
       und Engels schrieb Lenin: "Versucht man mit einem Wort auszudrüc-
       ken, was  sozusagen den  Brennpunkt des ganzen Briefwechsels aus-
       macht, jenen  zentralen Punkt,  in dem  alle Fäden des Netzes der
       geäußerten und  erörterten Ideen zusammenlaufen, so wird dies das
       Wort   D i a l e k t i k   sein. Die  Anwendung der materialisti-
       schen Dialektik  bei der radikalen Umarbeitung der gesamten poli-
       tischen Ökonomie,  ihre Anwendung auf die Geschichte, auf die Na-
       turwissenschaft, die Philosophie, die Politik und die Taktik der
       
       #VIII# Vorwort
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       Arbeiterklasse - das ist es, was Marx und Engels vor allem inter-
       essiert, hierzu haben sie das Wesentlichste und Neueste beigetra-
       gen, das  ist der  geniale Schritt, den sie in der Geschichte des
       revolutionären Denkens vorwärts getan haben." (W.I. Lenin, Werke,
       Band 19, Berlin 1962, S. 550.)
       
                                    *
       
       Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels ging nach ihrem Tode an
       die Führer  der deutschen  Sozialdemokratie über.  Die Erstveröf-
       fentlichung in  der Originalsprache  erfolgte erst  1913 in  vier
       Bänden unter  der gemeinsamen  Redaktion von Bebel und Bernstein.
       Faktisch war  aber Bernstein  der Redakteur  dieser Ausgabe.  Der
       Ideologe des Revisionismus versimpelte und verfälschte den Brief-
       nachlaß der  Klassiker des  wissenschaftlichen Kommunismus. Lenin
       bemerkt dazu:  "Bernstein hätte  - nach  seiner traurig berühmten
       'Evolution' zu extrem opportunistischen Ansichten - nicht die Re-
       daktion von  Briefen übernehmen dürfen, die durch und durch revo-
       lutionären Geist atmen" (W.I. Lenin, Werke, Band 19, Berlin 1962,
       S. 548).
       Die verfälschende  "Bearbeitung" des  Textes der  Briefe zwischen
       Marx und Engels führte Bernstein in verschiedener Richtung durch.
       Vor allem ist die von Bernstein besorgte Ausgabe bei weitem nicht
       vollständig; er  sonderte etwa zweihundert Briefe aus. Der veröf-
       fentlichte Text  der Briefe wurde durch Kürzungen und tendenziöse
       "Glättung" einzelner  Leitsätze entstellt.  Dieser grobe Eingriff
       in den Text der Briefe bezweckte, die politisch wichtigsten Stel-
       len aus  dem Briefwechsel auszumerzen. Es handelt sich hierbei um
       die Stellen,  die den Kampf von Marx und Engels mit den verschie-
       denen Vertretern  antiproletarischer und  opportunistischer Rich-
       tungen in  der sozialistischen  und Arbeiterbewegung - angefangen
       mit den  deutschen "wahren  Sozialisten" und  endend mit Lassalle
       und den  Vertretern der  opportunistischen Strömung  in der deut-
       schen Sozialdemokratie  - widerspiegeln. Das Ausmaß der Kürzungen
       solcher Art  ist sehr verschieden; es, reicht von einigen Wörtern
       und Sätzen  bis zu  ganzen Seiten.  Nicht selten  stellen die von
       Bernstein veröffentlichten  Briefteile nur Bruchstücke des Origi-
       nals dar. Infolgedessen ist die Ausgabe von 1913 in vielen Fällen
       nicht als  Erstveröffentlichung der  fraglichen Briefe anzusehen.
       Denselben tendenziösen  Charakter tragen  auch die  von Bernstein
       verfaßten Vorworte  und redaktionellen Bemerkungen zum Briefwech-
       sel, die direkte Ausfälle gegen
       
       #IX# Vorwort
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       die taktische  Linie von  Marx und  Engels enthalten  und auf die
       Verteidigung lind Beschönigung des Opportunismus hinauslaufen.
       Außer  dieser   Veröffentlichung  wurde   von  den  Verlagen  der
       Sozialdemokratischen Partei  Deutschlands nur ein Teil der erhal-
       tenen Briefe  von Marx  und Engels an dritte Personen in Form von
       Presseveröffentlichungen wie  auch in  Form von  Sammelbänden der
       Briefe  von  Marx  und  Engels  an  einzelne  ihrer  Briefpartner
       (Kugelmann, Freiligrath,  Sorge, Danielson,  Bernstein,  Kautsky)
       publiziert. In manchen dieser Veröffentlichungen (zum Beispiel in
       dem Sammelband  der Briefe von Marx, Engels und anderen an Sorge)
       wurde der  Text demselben  skrupellosen und tendenziösen Eingriff
       unterzogen wie  der Briefwechsel  zwischen Marx  und Engels.  Die
       Kürzungen dienten  auch hier hauptsächlich der Verheimlichung und
       Abschwächung der  Kritik von Marx und Engels an den opportunisti-
       schen Fehlern  von Führern  der sozialdemokratischen Parteien und
       Führern der Arbeiterbewegung.
       Nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution eröffneten sich
       neue Möglichkeiten  für die Herausgabe der Werke von Marx und En-
       gels und  ihre Verbreitung  unter den Massen. Schon in den ersten
       Jahren des Bestehens des Sowjetstaates widmete Lenin, wie bereits
       oben erwähnt,  besondere Aufmerksamkeit der Herausgabe eines Sam-
       melbandes mit  ausgewählten Briefen von Marx und Engels für einen
       breiten Leserkreis. In seinen Gesprächen und in seinem Briefwech-
       sel mit  W.V. Adoratski,  dem die  Herausgabe dieses Sammelbandes
       übertragen worden war, gab Lenin eine erschöpfende Charakteristik
       der Grundprinzipien einer solchen Ausgabe und hob wiederholt her-
       vor, daß  die Veröffentlichung  der Briefe der Begründer des wis-
       senschaftlichen Kommunismus eine Sache von internationaler Bedeu-
       tung sei.  Sehr wichtig  ist der  Hinweis  Lenins  auf  die  Not-
       wendigkeit, die  Briefe von  Marx und  Engels  mit  ausführlichen
       Kommentaren zu versehen, um ihren Inhalt einem breiten Leserkreis
       zugänglich zu machen.
       Die erste  vollständige Veröffentlichung  des Briefwechsels  zwi-
       schen Marx und Engels wurde vom Institut für Marxismus-Leninismus
       beim  ZK  der  KPdSU  in  den  Jahren  1929-1931  in  der  ersten
       (russischen) Ausgabe der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels
       (Band XXI-XXIV)  und in  der Ausgabe  der Werke von Karl Marx und
       Friedrich Engels  in der  Originalsprache (Marx/Engels Gesamtaus-
       gabe. Dritte Abteilung, Band 1-4) besorgt.
       
       #X# Vorwort
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       Die Briefe von Marx und Engels an dritte Personen wurden - in dem
       Umfang, in dem zu dieser Zeit das Institut für Marxismus-Leninis-
       mus beim  ZK der KPdSU darüber verfügte - erstmalig in den Jahren
       1934-1946 in den Bänden XXV-XXIX der ersten Ausgabe der Werke von
       Karl Marx  und Friedrich  Engels in russischer Sprache veröffent-
       licht.
       Seitdem haben sich die Bestände des Instituts an Briefen von Marx
       und Engels  an dritte  Personen in bedeutendem Maße vermehrt. Das
       ermöglicht es,  die zweite (russische) Ausgabe der Werke von Marx
       und Engels durch viele Briefe zu ergänzen, die in der ersten Aus-
       gabe nicht  enthalten waren.  Viele dieser  Briefe werden  in der
       vorliegenden Ausgabe  zum ersten  Mal veröffentlicht;  einige der
       neu aufgenommenen  Briefe wurden  nach dem  Erscheinen der ersten
       Ausgabe der  Werke bereits im Ausland und in der UdSSR veröffent-
       licht.
       Ungeachtet der  beträchtlichen Anzahl  der bis  zum gegenwärtigen
       Zeitpunkt aufgefundenen  und gesammelten  Briefe von Marx und En-
       gels kann  die Sammlung ihres gesamten Briefnachlasses noch nicht
       als abgeschlossen  angesehen werden.  Viele Briefe, die mehr oder
       weniger genau bezeugt sind, konnten bisher nicht aufgefunden wer-
       den.
       Die vorliegende Ausgabe wird alle Briefmaterialien enthalten, die
       bisher dem Herausgeber zugänglich waren.
       Die Briefe von Marx und Engels werden in der vorliegenden Ausgabe
       in chronologischer  Folge veröffentlicht.  Im Unterschied zur er-
       sten (russischen)  Ausgabe, in der der Briefwechsel zwischen Marx
       und Engels  und ihre  Briefe an dritte Personen zwei verschiedene
       Gruppen von Bänden bilden, werden sie in der vorliegenden Ausgabe
       in jedem  Band zusammen  veröffentlicht, wobei der erste Teil des
       Bandes den  Briefwechsel zwischen  Marx und  Engels in  einem be-
       stimmten Zeitabschnitt  und der zweite ihre Briefe an dritte Per-
       sonen aus  den gleichen Jahren enthält. Dadurch wird das systema-
       tische  und   allseitige  Studium   des  Briefwechsels   in   der
       entsprechenden Geschichtsperiode erleichtert.
       Der erste  Briefband, Band  27, umfaßt  die Briefe  von 1842  bis
       1851. Die Briefe von Marx und Engels aus den Jahren 1837 bis 1842
       werden in  den Bänden Marx/Engels "Schriften aus den Jahren 1835-
       1844" veröffentlicht.
       In die  Bände 28  und 29 gehen die Briefe der fünfziger Jahre des
       19. Jahrhunderts  ein, also Briefe, die hauptsächlich während der
       Periode der  Reaktion in  Europa  geschrieben  wurden  (1852  bis
       1859).
       
       #XI# Vorwort
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       Band 30  umfaßt die Briefe vom Anfang der sechziger Jahre des 19.
       Jahrhunderts, der Periode des neuen Aufschwungs der Arbeiter- und
       der demokratischen Bewegung, bis zur Gründung der Ersten Interna-
       tionale (28. September 1864).
       Die Bände 31, 32 und 33 enthalten den Briefwechsel, der vor allem
       die Tätigkeit  von Marx und Engels als Führer der Ersten Interna-
       tionale widerspiegelt (1864 bis 1874).
       In den  Bänden 34  und 35  sind ihre Briefe aus der Zeit von 1875
       bis zum Tode von Marx im Jahre 1883 aufgenommen.
       Die folgenden Bände, 36 bis 39, umfassen die Briefe von Friedrich
       Engels aus der Periode seiner Tätigkeit nach dem Tode von Marx.
       Die Beilagen  zu den  Brief bänden  bestehen aus solchen Briefen,
       die in Marx' und Engels' Auftrag von dritten Personen geschrieben
       wurden, sowie  aus Briefen  der Frau und der Töchter von Marx, in
       denen Gedanken  der Begründer  des wissenschaftlichen Kommunismus
       wiedergegeben werden.  Dieser Teil  enthält auch andere Dokumente
       biographischen Charakters,  die mit  ihrem Briefnachlaß zusammen-
       hängen.
       Die Datierung  der Briefe wurde neu überprüft und präzisiert. Bei
       Briefen, die  zu Lebzeiten  des Verfassers veröffentlicht wurden,
       sind die Originale mit dem Text der zeitgenössischen Veröffentli-
       chung verglichen  worden. In  einer Reihe  von Fällen besitzt das
       Institut für  Marxismus-Leninismus beim  ZK der  KPdSU nur Kopien
       der Briefe  oder ihre  gedruckten Veröffentlichungen;  in solchen
       Fällen ist  am Ende dieser Briefe vermerkt, wonach die Veröffent-
       lichung erfolgte.
       Wie die  MEGA-Ausgabe und die nach den dort veröffentlichten Tex-
       ten publizierte  vierbändige Einzelausgabe wird eine neue Ausgabe
       den Briefwechsel zwischen Marx und Engels ohne Kürzungen und Kor-
       rekturen  bringen.  Nur  wo  sich  nach  sorgsamer  Revision  und
       Textvergleichung eine Berichtigung zu vorhergehenden Ausgaben als
       unumgänglich erweist,  wird sie vorgenommen und wenn notwendig in
       Fußnoten nachgewiesen.
       Vollständig neu  gegenüber den  bisher vorliegenden  Ausgaben  in
       deutscher Sprache  ist die  Aufnahme aller  bisher bekannten  von
       Marx und  Engels geschriebenen  Briefe an  dritte  Personen,  von
       denen eine  größere Anzahl erstmals in Deutschland veröffentlicht
       werden.
       Alle  Briefbände  erhalten  einen  umfangreichen  Anhang,  dessen
       wichtigsten Teil die Anmerkungen mit textkritischen Erläuterungen
       sowie historischen
       
       #XII# Vorwort
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       und biographischen  Hinweisen bilden,  ohne die das Eindringen in
       den ganzen Reichtum des Briefmaterials kaum denkbar ist.
       Außerdem werden alle von Marx und Engels in ihren Briefen erwähn-
       ten eigenen Werke und Artikel in einem besonderen Verzeichnis al-
       phabetisch aufgeführt.  Dieses Verzeichnis gibt Auskunft über den
       Titel der  Arbeiten einschließlich  des Originaltitels bei fremd-
       sprachigen Schriften,  über Ort und Jahr der Erstveröffentlichung
       sowie darüber, in welchem Band der vorliegenden Ausgabe der Werke
       von Marx  und Engels  diese Arbeiten enthalten sind. Ein weiteres
       Literaturregister weist  die von Marx und Engels in ihren Briefen
       zitierten oder  erwähnten  Bücher,  Zeitschriften  und  Zeitungen
       nach.
       Der siebenundzwanzigste  Band der  Werke von Karl Marx und Fried-
       rich Engels enthält ihre Briefe aus den Jahren 1842-1851.
       Der zeitliche  Rahmen des vorliegenden Briefbandes umfaßt mehrere
       Etappen der  Geschichte des  Marxismus: den Übergang von Marx und
       Engels vom revolutionären Demokratismus zum Kommunismus (1842 bis
       1844), die Herausbildung des wissenschaftlichen Kommunismus (1844
       bis 1848),  die Tätigkeit von Marx und Engels in der Zeit der Re-
       volution 1848/49,  die theoretische  Verallgemeinerung der Erfah-
       rungen der Revolution und die weitere Ausarbeitung der Taktik des
       Proletariats in  den ersten Jahren nach der Revolution durch Marx
       und Engels (1849-1851).
       Die Briefe  von Marx und Engels an dritte Personen aus den Jahren
       1842 bis  1844, die  im zweiten  Teil des  Bandes enthalten sind,
       zeugen von  dem vor sich gegangenen grundlegenden Wandel in ihrer
       Weltanschauung, von dem Übergang vom Idealismus zum Materialismus
       und vom revolutionären Demokratismus zum Kommunismus.
       Bereits in Marx' Briefen aus dem Jahre 1842, aus der Periode sei-
       ner  Mitarbeit   und  seiner   Tätigkeit  als  Redakteur  an  der
       "Rheinischen Zeitung",  zeigt sich sein kritisches Verhältnis zur
       Hegelschen idealistischen  philosophischen Schule, besonders auch
       zu den Junghegelianern.
       In diesen  Briefen kritisiert  Marx mit  aller Schärfe die Gruppe
       von Berliner  Junghegelianern, die  ihre Hauptaufmerksamkeit  auf
       die Kritik  der  Religion  richtete  und  deren  Mitglieder  sich
       "Freie" nannten. Der junge Marx lehnte die Position der Junghege-
       lianer ab,  die sich von den aktuellen politischen Fragen abwand-
       ten und demagogisch einen politischen Radikalismus
       
       #XIII# Vorwort
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       zur Schau  trugen, der  auf vages  Räsonnement und  großklingende
       Phrasen hinauslief  (siehe den Brief von Marx an Ruge vom 30. No-
       vember 1842).  Im Gegensatz zu den Ansichten der "Freien" entwic-
       kelt Marx  ein eigenes  Programm, das  er in seinen Schriften aus
       dieser Zeit,  insbesondere in  den Spalten  der "Rheinischen Zei-
       tung", verteidigt:  Er hielt die konsequente Kritik der Religion,
       die Propaganda  der fortschrittlichen  Philosophie unter dem Volk
       und -  auf dem  Gebiet der  Politik - die tiefschürfende und kon-
       krete Kritik der bestehenden politischen Ordnung für unerläßlich.
       "Die wahre  Theorie  muß  innerhalb  konkreter  Zustände  und  an
       bestehenden Verhältnissen  klargemacht  und  entwickelt  werden."
       (Siehe vorl. Band, S. 409.)
       In dieser  Zeit tritt  Marx als Kämpfer für eine fortschrittliche
       Weltanschauung, als schonungsloser Kritiker der reaktionären Phi-
       losophie, insbesondere  der Ansichten Schellings, auf, der in je-
       nen Jahren einer der Verkünder konservativ-monarchistischer Ideen
       und des  religiösen Obskurantismus  geworden war. In dem Brief an
       Ludwig Feuerbach  vom 3.  Oktober 1843, dessen vollständiger Text
       im vorliegenden  Band zum  ersten Mal veröffentlicht wird, unter-
       streicht der  junge Marx  die Wichtigkeit des politischen Kampfes
       gegen Sendling  und dessen  philosophische Schule,  die sich  des
       offiziellen Schutzes  der preußischen  Regierung  erfreute:  "Ein
       Angriff auf  Schelling ist  also indirekt  ein Angriff  auf unsre
       gesamte  und   namentlich  auf  die  preußische  Politik."  Lenin
       schätzte diesen  Brief hoch ein; er schrieb: "schon zu jener Zeit
       umriß  Marx   mit  erstaunlicher  Klarheit  die  Grundlinien  der
       Philosophie"  und   verstand  es,   "über  Feuerbach  direkt  den
       materialistischen Weg  gegen den  Idealismus einzuschlagen" (W.I.
       Lenin, Werke,  Band 14,  Berlin 1962,  S. 340 und 341). Lenin sah
       das größte  Verdienst von Marx darin, daß er, nachdem er sich auf
       den Boden  des Materialismus gestellt hatte, auch im weiteren auf
       einem eindeutig abgesteckten Wege der Philosophie vorwärtsschritt
       und alle  Versuche,  den  Materialismus  mit  dem  Idealismus  zu
       versöhnen und  damit  den  Gegensatz  der  beiden  Lager  in  der
       Philosophie zu vertuschen, entschieden verwarf.
       Anfang der vierziger Jahre, als Marx noch in bedeutendem Maße un-
       ter dem  Einfluß der  materialistischen  Anschauungen  Feuerbachs
       stand, stellte  er bereits  in seinen Briefen die Grundfehler der
       Feuerbachschen Philosophie fest und hob ihren kontemplativen, me-
       taphysischen Charakter  hervor. So  schreibt er  in dem  Brief an
       Ruge vom 20. März 1842, daß er in einer von ihm geplanten Abhand-
       lung mit Feuerbach einigermaßen in Kollision kommen werde, und in
       dem Brief  an den  gleichen Empfänger vom 13.März 1843 erklärt er
       noch bestimmter: "Feuerbachs Aphorismen sind mir nur
       
       #XIV# Vorwort
       -----
       in dem Punkt nicht recht, daß er zu sehr auf die Natur und zu we-
       nig auf  die Politik  hinweist. Das ist aber das einzige Bündnis,
       wodurch die jetzige Philosophie eine Wahrheit werden kann." Diese
       Äußerung von Marx über den untrennbaren Zusammenhang der Philoso-
       phie mit  dem politischen  Kampf hat außerordentlich große Bedeu-
       tung; sie  nimmt in  vielem die  Gedanken vorweg,  die Marx  zwei
       Jahre später,  im Frühjahr  1845, in  den "Thesen über Feuerbach"
       ausspricht.
       Marx' Briefe  aus dieser  Periode stimmen  inhaltlich unmittelbar
       mit seinen in der "Rheinischen Zeitung" veröffentlichten Artikeln
       überein. Diese  Briefe kennzeichnen  Marx als  überzeugten Gegner
       des preußischen  Absolutismus und Bürokratismus, als Anhänger der
       revolutionären Methoden des Kampfes gegen die feudal-absolutisti-
       sche Ordnung  in Deutschland,  als leidenschaftlichen  Verfechter
       der Interessen  der Volksmassen.  Marx teilt nicht die Illusionen
       einiger deutscher radikaler Demokraten hinsichtlich einer konsti-
       tutionellen Monarchie  und äußert  sich kritisch über die Opposi-
       tion der rheinischen liberalen Bourgeoisie (siehe seine Briefe an
       Ruge vom  5. und 20. März und vom 9. Juli 1842). Bezeichnend sind
       auch schon in dieser Zeit seine Sympathien für kommunistische und
       sozialistische Ideen,  die er  als neue Weltanschauung bezeichnet
       (siehe den Brief an Ruge vom 30. November 1842).
       So zeigen  die Briefe  aus den  Jahren 1842-1844  anschaulich die
       Herausbildung der  philosophischen und  politischen  Anschauungen
       von Marx,  seinen Übergang  auf die  Positionen des Materialismus
       und Kommunismus.
       In derselben Richtung entwickelten sich die Anschauungen des jun-
       gen Engels.  So findet man z.B. in seinen Briefen an Ruge vom 15.
       Juni und  26. Juli 1842 Belege für sein Auftreten gegen die reak-
       tionären und  religiös-mystischen Ansichten Schellings und seiner
       Anhänger.
       Ende August  1844 kam  es zu  der historischen Begegnung von Marx
       und Engels  in Paris,  bei der sich die vollständige Übereinstim-
       mung ihrer  Ansichten herausstellte.  Von diesem Zeitpunkt an da-
       tiert ihre  schöpferische Zusammenarbeit, ihr gemeinsamer revolu-
       tionärer Kampf  für die Befreiung der Arbeiterklasse. Mit der Pa-
       riser Begegnung  beginnt der  umfangreiche Briefwechsel  zwischen
       Marx und  Engels, der ein so eindrucksvolles Bild ihres gemeinsa-
       men Wirkens bei der Ausarbeitung der Lehre des wissenschaftlichen
       Kommunismus und  ihres Kampfes für die Schaffung einer revolutio-
       nären Partei  des Proletariats  vermittelt. Besonders umfangreich
       wird dieser  Briefwechsel in  den fünfziger und sechziger Jahren,
       als Marx  sich in  London befand  und Engels  in Manchester tätig
       sein mußte.  Eine ständige,  zuweilen fast tägliche Korrespondenz
       zwischen den beiden
       
       #XV# Vorwort
       -----
       Begründern des  wissenschaftlichen Kommunismus  in diesen  Jahren
       zeigt ihren ständigen Meinungsaustausch zu den wichtigsten Fragen
       der Theorie  und Taktik  der revolutionären  proletarischen Bewe-
       gung.
       Aus der  Periode von 1844 bis 1848 sind vorwiegend Briefe von En-
       gels an  Marx erhalten geblieben. Die Briefe, die kurz nach ihrer
       Begegnung in  Paris geschrieben  wurden, veranschaulichen Engels'
       Teilnahme an der Verbreitung der revolutionären Ideen in Deutsch-
       land; in ihnen wird eine klare Einschätzung der Lage im Lande ge-
       geben. Das  Anwachsen der  oppositionellen Stimmungen in den bür-
       gerlichen Kreisen der Rheinprovinz und die rasche Ausbreitung so-
       zialistischer und  kommunistischer Ideen sind der ständige Inhalt
       aller Briefe von Engels aus dieser Zeit.
       Unter den  Mitte der  vierziger Jahre in Deutschland herrschenden
       Bedingungen, als  die Arbeiterbewegung  sich noch spontan entwic-
       kelte und unter dem Einfluß des vormarxschen utopischen Sozialis-
       mus stand,  als unter  der Flagge des Kommunismus und Sozialismus
       Leute mit  den verworrensten  und mit  verschrobensten  Ansichten
       auftraten - bürgerliche Radikale und Erfinder aller möglichen Sy-
       steme und  Theorien des  kleinbürgerlichen , spießerischen Sozia-
       lismus-, unter  diesen Bedingungen hielten es Marx und Engels vor
       allem für notwendig, die allseitige Ausarbeitung ihrer revolutio-
       nären kommunistischen  Anschauungen zu  beschleunigen und  in der
       Presse mit der Darlegung und Verbreitung dieser Anschauungen auf-
       zutreten. "Solange  nicht die Prinzipien", schreibt Engels Anfang
       Oktober 1844  an Marx, "logisch und historisch aus der bisherigen
       Anschauungsweise und  der bisherigen  Geschichte und als die not-
       wendige Fortsetzung  derselben in  ein paar  Schriften entwickelt
       sind, solange  ist es  doch alles  noch halbes  Dösen und bei den
       meisten blindes Umhertappen."
       Einen bedeutenden  Platz im  Briefwechsel von 1844-1848 nimmt die
       Erörterung der Schaffenspläne von Marx und Engels ein. An Engels'
       Briefen läßt  sich die  Entstehungsgeschichte solcher gemeinsamen
       Werke von  Marx und  Engels wie  "Die heilige  Familie" und  "Die
       deutsche Ideologie"  ebenso wie Engels' Schrift "Die Lage der ar-
       beitenden Klasse in England" und Marx' Arbeit "Das Elend der Phi-
       losophie" verfolgen.  Diese Briefe vermitteln einen unmittelbaren
       Eindruck von  der intensiven theoretischen Tätigkeit von Marx und
       Engels, die  in dieser  Zeit die  philosophischen Grundlagen  des
       wissenschaftlichen Kommunismus  - den  dialektischen und histori-
       schen Materialismus  - in  den Grundzügen  ausarbeiteten und  das
       Fundament für  die anderen  Bestandteile der  marxistischen Lehre
       legten.
       Ein wichtiges  theoretisches Dokument des wissenschaftlichen Kom-
       munismus ist der in diesem Band veröffentlichte Brief von Marx an
       den
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       russischen Publizisten  P.W. Annenkow  vom 28. Dezember 1846, der
       mit seiner  kurz danach verfaßten Schrift "Das Elend der Philoso-
       phie" -  einem der  ersten Werke des ausgereiften Marxismus - un-
       mittelbar zusammenhängt. In diesem Brief legt Marx in klassischer
       Klarheit die  von ihm gemeinsam mit Engels ausgearbeiteten Grund-
       thesen des  historischen Materialismus  dar.  Der  Brief  enthält
       tiefgründige Formulierungen  über den  dialektischen Zusammenhang
       und   die    Wechselwirkung   von   Produktivkräften   und   Pro-
       duktionsverhältnissen, über das Wechselverhältnis von materieller
       Basis und  politischem und ideologischem Überbau, über den histo-
       rischen, vergänglichen  Charakter der ökonomischen Kategorien der
       bürgerlichen Gesellschaft,  über die  Rolle der  Volksmassen, den
       Erzeugern der  materiellen Güter  und über  den Klassenkampf  als
       Triebkraft der Geschichte.
       Die Entwicklung der Theorie durch Marx und Engels war eng verbun-
       den mit  ihrem ideologischen Kampf gegen die verschiedenen Formen
       des vormarxschen  Sozialismus. Lenin  hat hervorgehoben,  daß der
       Prüfstein für jegliches sozialistische System sein Verhältnis zum
       Proletariat ist,  dessen weltgeschichtliche  Rolle in der revolu-
       tionären Umgestaltung  der Welt und der Schaffung der neuen, kom-
       munistischen Gesellschaft  von Marx  und Engels aufgedeckt worden
       ist. "Im  Gegensatz zu der allgemeinen Furcht vor der Entwicklung
       des Proletariats setzten Marx und Engels alle ihre Hoffnungen auf
       das ununterbrochene  Wachstum  des  Proletariats."  (W.I.  Lenin,
       Werke, Band 2, Berlin 1961, S. 6.)
       Zu dieser  Zeit richteten Marx und Engels die ganze Schärfe ihrer
       Kritik auf  den kleinbürgerlichen  Reformer Proudhon,  dessen An-
       sichten einen beträchtlichen Einfluß nicht nur in den Kreisen der
       sozialistisch gesinnten Intelligenz, sondern auch unter den halb-
       proletarischen Elementen,  insbesondere unter den deutschen Hand-
       werkern in Paris, ausübten.
       Eine gründliche  Kritik des  Proudhonismus enthält  der  erwähnte
       Brief von  Marx an  Annenkow vom  28. Dezember  1846. Marx unter-
       streicht, daß  das System  der philosophischen und sozialökonomi-
       schen Anschauungen  Proudhons für  die Ideologie des Kleinbürger-
       tums charakteristisch  ist: "... durch den Zwang seiner Lage wird
       d e r   K l e i n b ü r g e r  einesteils Sozialist, anderenteils
       Ökonom, d.h.,  er ist  geblendet von  der Herrlichkeit der großen
       Bourgeoisie und  hat Mitgefühl  für die Leiden des Volkes. Er ist
       Bourgeois und Volk zugleich." Marx zeigt die Unzulänglichkeit der
       idealistischen und  metaphysischen Methode Proudhons, sein völli-
       ges Unverständnis  für die  Gesetzmäßigkeit des historischen Pro-
       zesses.
       Im weiteren  Verlauf ihres  in den  vierziger  Jahren  begonnenen
       Kampfes gegen  den Proudhonismus unterziehen Marx und Engels 1851
       in ihren
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       
       Briefen Proudhons  Buch "Idee  générale de  la révolution au XIXe
       siècle", das  sie als  "eine Polemik  gegen den Kommunismus" ein-
       schätzen, einer  kritischen Analyse  (siehe den Brief von Marx an
       Engels vom  14. August  1851). Im  Briefwechsel des  Jahres  1851
       weisen Marx und Engels den utopischen Charakter und die Armselig-
       keit der  philosophischen und ökonomischen Anschauungen Proudhons
       nach und unterwerfen seine Versuche, dem revolutionären Kampf des
       Proletariats für den Sturz der kapitalistischen Ordnung klägliche
       Projekte zur  Beseitigung der  "schlechten Seiten" des Kapitalis-
       mus, zur  Umgestaltung der kapitalistischen Gesellschaft im Sinne
       der utopischen  Ideale des  Kleinbürgers entgegenzustellen, einer
       vernichtenden Kritik.  Auf Bitten  von Marx  fertigte Engels  von
       August bis  Oktober 1851  eine kritische  Analyse des  Buches von
       Proudhon an,  die Marx  für eine  große polemische  Arbeit  gegen
       diesen Propheten  kleinbürgerlicher Reformen  und des Anarchismus
       benutzen wollte.
       Die Briefe  von Marx  und Engels  aus den  Jahren 1844-1848 geben
       auch ein  Bild von  ihrem Kampf  gegen den  Gleichheitskommunimus
       Weitlings, gegen  den spießbürgerlichen  "wahren Sozialismus" und
       andere Lehren,  die damals  die Herausbildung des Klassenbewußts-
       eins des Proletariats hemmten. Die Briefe, die Engels an Marx so-
       wie  an   das  kommunistische  Korrespondenz-Komitee  in  Brüssel
       sandte, zeugen von der beharrlichen Aufklärungsarbeit, die Engels
       unter den deutschen Handwerkern in Paris leistete. In langen Dis-
       kussionen widerlegte  er die  Argumente seiner Gegner, stellte er
       in populärer  Form die  Ideen des  wissenschaftlichen Kommunismus
       dar, kämpfte  er gegen  die Anschauungen des "wahren Sozialisten"
       Grün und  gegen die  utopischen Ideen Proudhons und Weitlings. Im
       Brief an  Marx vom  14. Januar 1848 deckt Engels die Ursachen für
       die Verbreitung  dieser Ideen  auf und verweist auf die Rückstän-
       digkeit und  Zurückgebliebenheit der  ökonomischen  und  sozialen
       Verhältnisse jener  Zeit und  auf die noch bestehende Bindung der
       damaligen Proletarier  an das kleinbürgerliche Milieu. Im Verlauf
       einer der  Diskussionen, die  mit einer  vollständigen Niederlage
       der Anhänger Grüns endete, charakterisierte Engels kurz die Posi-
       tion der Vertreter des wissenschaftlichen Kommunismus. "Ich defi-
       nierte also  die Absichten der Kommunisten dahin: 1. die Interes-
       sen der  Proletarier im  Gegensatz zu  denen der Bourgeois durch-
       zusetzen; 2.  dies durch Aufhebung des Privateigentums und Erset-
       zung desselben durch die Gütergemeinschaft zu tun; 3. kein andres
       Mittel zur Durchführung dieser Absichten anzuerkennen als die ge-
       waltsame, demokratische  Revolution." (Siehe  vorl. Band, S. 61.)
       Lenin schrieb  1913, als er auf Grund dieser Briefe die Tätigkeit
       von Engels charakterisierte: "So wurde vor 67 Jahren in Paris
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       der Grundstein  der sozialdemokratischen  Arbeiterpartei Deutsch-
       lands gelegt." (W.I. Lenin, Werke, Band 19, Berlin 1962, S. 554.)
       Die Herausbildung  der Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus
       in der  zweiten Hälfte  der vierziger  Jahre des 19. Jahrhunderts
       ist eng  verbunden mit  der praktischen  revolutionären Tätigkeit
       von Marx  und Engels, mit ihrem Kampf für eine proletarische Par-
       tei. Gerade  zu dieser  Zeit entstehen und festigen sich die Ver-
       bindungen von  Marx und  Engels mit  Vertretern der Arbeiter- und
       sozialistischen Bewegung der verschiedenen Länder. Die Briefe der
       Begründer  des  wissenschaftlichen  Kommunismus  aus  den  Jahren
       1846/1847 widerspiegeln  in bemerkenswertem  Grade ihre Tätigkeit
       zur Organisierung  von kommunistischen  Korrespondenz-Komitees in
       verschiedenen Ländern  Europas (Deutschland,  Belgien, Frankreich
       und England).  Marx und Engels verfolgten dabei das Ziel, die So-
       zialisten und  fortschrittlichen Arbeiter  in  den  verschiedenen
       Ländern einander  näherzubringen, gegen  unreife,  utopische  und
       sektiererische Anschauungen  zu kämpfen  und den  Boden  für  die
       Schaffung einer  internationalen proletarischen  Partei  auf  der
       Grundlage des wissenschaftlichen Kommunismus zu bereiten. Zentrum
       des Netzes  von Korrespondenz-Komitees war das Brüsseler kommuni-
       stische Korrespondenz-Komitee,  an dessen  Spitze Marx und Engels
       standen. Den  Plänen für  die Schaffung und die Tätigkeit solcher
       Komitees   sind   eine   Reihe   von   brieflichen   Mitteilungen
       ("Komiteebriefe") von  Engels aus Paris an das Brüsseler kommuni-
       stische Korrespondenz-Komitee  (vom 19. August, 16. September und
       23. Oktober  1846) sowie  Marx' Brief  an Proudhon vom 5.Mai 1846
       gewidmet.
       Engels' Brief  an Marx vom 28.-30. September 1847 zeigt, daß Marx
       und Engels  außer der  Organisierung  der  Korrespondenz-Komitees
       eine systematische propagandistische Arbeit auch in dem von ihnen
       im August  1847 in  Brüssel gegründeten  Deutschen Arbeiterverein
       leisteten. Diese Tätigkeit beweist, welche Bedeutung Marx und En-
       gels der  Herstellung enger  Verbindungen zu  den  proletarischen
       Massen beimaßen.  Im Dezember  1847 hielt Marx im Brüsseler Deut-
       schen Arbeiterverein  seine bekannten Vorlesungen über Lohnarbeit
       und Kapital.
       In der  zweiten Hälfte  der vierziger  Jahre erstarkt der Einfluß
       von Marx  und Engels auf die Führer der internationalen Arbeiter-
       und demokratischen  Bewegung. Im Herbst 1847 wurde in Brüssel un-
       ter aktiver  Teilnahme von  Marx und  Engels die  Association dé-
       mocratique (Demokratische  Gesellschaft) gegründet.  Von der füh-
       renden Rolle  der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus in
       dieser Organisation,  die bald  zu einem  internationalen Zentrum
       der Sammlung aller demokratischen Kräfte wurde,
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       zeugen die  Briefe von  Engels an Marx vom 28.-30. September 1847
       und der  Brief von Marx an Herwegh vom 26. Oktober 1847. Marx und
       Engels unterhielten  ständigen Kontakt mit Harney, dem Führer des
       linken Flügels  der Chartisten, sowie mit der in London gegründe-
       ten internationalen  demokratischen  Gesellschaft  Fraternal  De-
       mocrats (Brüderliche  Demokraten). Am  29. November  1847  nahmen
       Marx und  Engels an  einem von  dieser Gesellschaft organisierten
       internationalen Meeting in London teil (vgl. den Brief von Engels
       an Marx  vom 14./15.  November 1847 und den Brief von Marx an An-
       nenkow vom 9. Dezember 1847).
       Die Entwicklung und Verteidigung der Ideen des wissenschaftlichen
       Kommunismus durch  Marx und  Engels, ihr Kampf gegen Sektierertum
       und kleinbürgerliche  Reformpläne hatten  großen Einfluß  auf die
       Entwicklung der  Anschauungen der  Mitglieder des  Bundes der Ge-
       rechten, einer  Geheimorganisation von Arbeitern und Handwerkern,
       die Mitte der dreißiger Jahre entstanden war. Marx und Engels un-
       terhielten schon  seit 1843/1844 Verbindung mit den Londoner Füh-
       rern des  Bundes der  Gerechten Karl  Schapper, Joseph  Moll  und
       Heinrich Bauer.  Die Briefe von Engels an Marx aus dem Jahre 1846
       enthalten eine Kritik der unklaren Ansichten der Londoner Führung
       des Bundes der Gerechten (siehe die Briefe von Engels an Marx vom
       18. September  und von  Dezember 1846).  Marx und  Engels lehnten
       auch die Organisationsprinzipien des Bundes der Gerechten ab, die
       nach dem  Vorbild der blanquistischen geheimen Verschwörergesell-
       schaften in  Frankreich geschaffen  worden waren  (siehe  Engels'
       Brief an  das kommunistische Korrespondenz-Komitee in Brüssel vom
       23. Oktober 1846).
       Im Januar  1847 willigten  Marx und  Engels ein, dem Bund der Ge-
       rechten beizutreten,  an seiner  Reorganisation teilzunehmen  und
       das Programm des Bundes auf der Grundlage der von ihnen vertrete-
       nen Prinzipien  auszuarbeiten. Sie  entsprachen damit  einem Vor-
       schlag der Londoner Führer des Bundes der Gerechten, die sich von
       der Richtigkeit  der  Ideen  des  wissenschaftlichen  Kommunismus
       überzeugt hatten.  Die Briefe aus dem Jahre 1847 enthalten außer-
       ordentlich wichtiges Material über die Tätigkeit von Marx und En-
       gels als Begründer und Führer des Bundes der Kommunisten, der er-
       sten internationalen  und zugleich  ersten  deutschen  revolutio-
       nären,  selbständigen  Arbeiterpartei,  die  auf  dem  Boden  des
       wissenschaftlichen Kommunismus  stand. In  diesen Briefen  finden
       wir Mitteilungen über die Vorbereitung des ersten Kongresses, auf
       dem die  Reorganisation des Bundes der Gerechten erfolgte und der
       neue Bund  die Bezeichnung  "Bund der Kommunisten" erhielt, sowie
       über die  Bildung neuer Gemeinden des Bundes in Brüssel und Paris
       durch Marx und Engels (siehe den
       
       #XX# Vorwort
       -----
       Brief von Marx an Engels vom 15. Mai 1847 sowie Engels' Briefe an
       Marx vom 28.-30;September und vom 25./26.Oktober 1847).
       Von großem  Interesse sind die Ende 1847 geschriebenen Briefe von
       Engels, die  sich auf die Vorbereitung des zweiten Kongresses des
       Bundes der  Kommunisten beziehen. Am 26. Oktober berichtet Engels
       in einem Brief an Marx von seiner Arbeit an dem neuen Entwurf des
       Programms des  Bundes der  Kommunisten, das  der Kongreß annehmen
       sollte. Es  handelt sich hierbei um die "Grundsätze des Kommunis-
       mus", einem  vorläufigen Entwurf  zum ersten Programmdokument des
       wissenschaftlichen Kommunismus, dem "Manifest der Kommunistischen
       Partei". Den  Plan der  "Grundsätze des Kommunismus" teilt Engels
       Marx im  Brief vom  23./24. November  1847 mit.  In diesem  Brief
       schlägt er,  unbefriedigt von  der Katechismusform, in der dieses
       Dokument abgefaßt war, Marx vor, eine andere Form der Darstellung
       zu wählen:  "Überleg Dir  doch das  Glaubensbekenntnis etwas. Ich
       glaube, wir tun am besten, wir lassen die Katechismusform weg und
       titulieren das  Ding: Kommunistisches  M a n i f e s t.  Da darin
       mehr oder  weniger Geschichte  erzählt werden  muß, paßt die bis-
       herige Form gar nicht." Lenin bezeichnete diesen Brief von Engels
       als historisch,  weil er  anschaulich zeige,  "daß man  die Namen
       Marx und  Engels mit Recht nebeneinander stellt als die Namen der
       Begründer des  modernen Sozialismus" (W.I. Lenin, Werke, Band 19,
       Berlin 1962, S. 554). Engels' Brief ist ein Zeugnis dafür, welche
       hohen Anforderungen  die Begründer  des wissenschaftlichen Kommu-
       nismus an  das Programm  der sich  herausbildenden proletarischen
       Partei stellten,  eines Programms, in dem die Grundprinzipien der
       Weltanschauung der  Arbeiterklasse einen  gedrängten  und  klaren
       Ausdruck finden,  in dem  ihre großen Ziele verkündet und wissen-
       schaftlich begründet  und in dem gleichzeitig die realen Wege ih-
       rer Verwirklichung  gezeigt werden  sollten.  Das  "Manifest  der
       Kommunistischen Partei",  in dem die Grundlagen des wissenschaft-
       lichen Kommunismus zum ersten Mal umfassend dargelegt wurden, ist
       die Krönung  der schöpferischen Tätigkeit von Marx und Engels vor
       der Revolution  1848/49. Seine  Veröffentlichung Anfang  1848 be-
       zeichnet den  Beginn einer  neuen Etappe  in der  Entwicklung der
       ganzen internationalen Arbeiterbewegung.
       Einen wichtigen  Platz nehmen  die Briefe von Marx und Engels aus
       den Jahren  1848/1849 ein. Lenin sagt dazu: "In der Tätigkeit von
       Marx und Engels selbst tritt die Periode ihrer Beteiligung am re-
       volutionären Massenkampf  1848/1849 als  zentraler Punkt hervor."
       (W.I. Lenin,  Werke, Band  13, Berlin  1963, S.  24.) Wenn in den
       Jahren, die  der Februarrevolution  in Frankreich  und der  März-
       revolution in Deutschland vorausgehen,
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       Marx und  Engels  die  wichtigsten  theoretischen  Leitsätze  des
       wissenschaftlichen Kommunismus  formulierten, so erlangten in der
       revolutionären Periode die Ausarbeitung der politischen Ideen des
       Marxismus, die  Fragen der Taktik des Proletariats in allen Etap-
       pen der Revolution besondere Bedeutung.
       Nur ein  sehr kleiner Teil des Briefwechsels dieser Jahre ist er-
       halten geblieben.  Aber auch die Briefe von Marx und Engels, über
       die wir verfügen, enthalten außerordentlich reiches Material.
       Die zwischen Marx in Paris und Engels in Brüssel im März 1848 ge-
       wechselten Briefe  zeugen davon,  daß sie  beide  mit  gespannter
       Aufmerksamkeit die  Entwicklung der  Revolution in Frankreich und
       Deutschland und  ihren Widerhall in den anderen europäischen Län-
       dern verfolgten.
       Während ihres  Aufenthalts in Paris führten Marx, Engels und ihre
       Anhänger den Kampf gegen die kleinbürgerlichen Demokraten Herwegh
       und Bornstedt,  die in Paris eine bewaffnete Legion aus deutschen
       Emigranten aufgestellt hatten, mit der sie in Deutschland einfal-
       len wollten,  um dort  die Revolution auszulösen. Marx und Engels
       distanzierten sich  von dieser  abenteuerlichen Taktik (siehe den
       Brief von Engels an Emil Blank vom 26.März 1848) und stellten ihr
       ihren eigenen  Plan entgegen: Die fortgeschrittenen deutschen Ar-
       beiter, hauptsächlich  Mitglieder  des  Bundes  der  Kommunisten,
       sollten einzeln nach Deutschland zurückkehren und dort an den re-
       volutionären Kämpfen  teilnehmen. Die  unversöhnliche Haltung von
       Marx und  Engels gegenüber  den erwähnten  Plänen  der  deutschen
       kleinbürgerlichen Demokraten,  die auch  in dem Brief von Marx an
       Engels vom  16. März  1848, dem  Antwortbrief von  Engels vom 18.
       März und  in anderen  I Briefen  zum Ausdruck kommt, zeugt davon,
       daß die Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus entschiedene
       Gegner aller  Vorstellungen von  «1er Möglichkeit eines "Exports"
       der Revolution gewesen sind.
       In den  nach seiner  Rückkehr nach  Deutschland, im April und Mai
       1848, geschriebenen Briefen gibt Engels eine Einschätzung der po-
       litischen Lage  sowie des  Zustandes der örtlichen Organisationen
       des Bundes  der Kommunisten,  das heißt  jener Faktoren,  welche,
       nach dem  späteren Zeugnis von Engels, entscheidenden Einfluß auf
       die Ausarbeitung  der taktischen  Linie des  Proletariats in  der
       deutschen Revolution  durch Marx  und Engels ausübten. Leider ist
       aus den  erhalten gebliebenen  Briefen von  Marx und  Engels  vom
       April und Mai 1848 nicht der ganze Umfang ihrer Tätigkeit im Bund
       der Kommunisten  unter den  neuen, durch  die  Märzrevolution  in
       Deutschland geschaffenen  Verhältnissen zu  ersehen. Wichtig  ist
       Engels' Mitteilung  aus Barmen  in seinem Brief an Marx vom 9.Mai
       1848: "Zu
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       einer Bundesgemeinde  ist ebenfalls  der Anfang  gemacht." (Siehe
       vorl. Band, S. 127.) Der Bund der Kommunisten konzentrierte seine
       Tätigkeit im  Frühjahr 1848  auf die Gründung neuer Gemeinden und
       politischer Arbeitervereine  als  Kristallisationspunkte  in  der
       eben begonnenen  massenhaften Bewegung  der  deutschen  Arbeiter.
       Überall in Deutschland beteiligten sich die in die Heimat zurück-
       gekehrten Bundesmitglieder  in der  demokratischen  Wahlbewegung,
       und die Kölner Gemeinde bekämpfte unter Leitung von Marx die sek-
       tiererischen Auffassungen  von Andreas Gottschalk. Bereits Anfang
       April 1848 wurde vom Bund der Kommunisten über den Mainzer Arbei-
       terbildungsverein der  Versuch unternommen, die auf lokaler Ebene
       organisierten Arbeiter zu einer gesamtdeutschen politischen Orga-
       nisation zusammenzufassen (vgl. Band 5 unserer Ausgabe, S. 483).
       In seinen  Briefen an  Marx vom  25.April und 9.Mai 1848 sowie in
       den Briefen  an Emil  Blank vom  15. April  und 24. Mai desselben
       Jahres schildert  Engels  die  konterrevolutionäre  Position  der
       deutschen Bourgeoisie  und ihrer Führer, der Liberalen Camphausen
       und Hansemann,  die an der Spitze der preußischen Regierung stan-
       den. Er  berichtet über die Wankelmütigkeit und Halbheit der bür-
       gerlichen Radikalen, die die linken Fraktionen in der preußischen
       und der  deutschen konstituierenden  Versammlung  bildeten,  ihre
       Furcht vor  dem revolutionären  Auftreten der  Volksmassen. Unter
       solchen Umständen  wurde  die  preußische  feudal-monarchistische
       Konterrevolution allmählich  wieder aktiver.  Ende Mai  1848 gibt
       Engels eine  treffende Charakteristik  der Lage,  wie sie sich in
       Deutschland entwickelt hatte: "In Berlin liegt Camphausen auf der
       faulen Haut, die Reaktion, die Beamten- und Adelsherrschaft, wird
       täglich frecher,  reizt das  Volk, das  Volk rebelliert,  und die
       Schlaffheit und Feigheit Camphausens führt uns neuen Revolutionen
       direkt entgegen.  Das ist "Deutschland jetzt!" (Siehe vorl. Band,
       S. 483.)
       Bei einem  solchen Kräfteverhältnis der Klassen, das sich aus der
       sozialökonomischen  Zurückgebliebenheit   Deutschlands  und   der
       Schwäche und  Unorganisiertheit der  deutschen Arbeiter  erklärt,
       blieben die Versuche für die Schaffung einer gesamtdeutschen pro-
       letarischen Organisation zunächst ohne Erfolg. Deshalb hielten es
       Marx und Engels für notwendig, auf dem äußersten linken, faktisch
       proletarischen Flügel  der demokratischen  Bewegung  aufzutreten.
       Nachdem das politische Bewußtsein im Frühjahr 1849, nach Verände-
       rung der  Lage in Deutschland und in Europa gewachsen war, unter-
       nahmen Marx  und Engels erneut Schritte zur Schaffung einer selb-
       ständigen politischen Massenorganisation des Proletariats.
       Eine große  Rolle bei  der Mobilisierung  der Volksmassen für den
       Kampf
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       um die  konsequente Lösung der Aufgaben der bürgerlich-demokrati-
       schen Revolution  in Deutschland spielte die von Marx, Engels und
       ihren Kampfgenossen  aus dem  Bund der Kommunisten herausgegebene
       "Neue Rheinische  Zeitung". Als  politisches Presseorgan  war sie
       gleichzeitig das  einzige Mittel,  um den  in den verschiedensten
       Teilen Deutschlands  weitgehend selbständig handelnden Bundesmit-
       gliedern tagtäglich  eine richtige  Anleitung zu geben. Die "Neue
       Rheinische Zeitung"  war das  Zentrum der  Partei, ihre Redaktion
       faktisch die  Zentralbehörde des  Bundes der  Kommunisten.  Diese
       Zeitung nannte Lenin "das beste, unübertroffene Organ des revolu-
       tionären Proletariats"  (W.I. Lenin, Werke, Band 21, Berlin 1960,
       S. 70).  Die Briefe  von Marx  und Engels geben ein anschauliches
       Bild von der gewaltigen organisatorischen Arbeit, die sie mit Un-
       terstützung ihrer  Mitkämpfer und  Freunde für die Herausgabe der
       Zeitung leisteten. Da die "Neue Rheinische Zeitung" infolge ihres
       konsequent revolutionären  Auftretens bereits Ende Juni 1848 alle
       ihre bürgerlichen  Aktionäre verloren  hatte, mußte Marx als ver-
       antwortlicher Redakteur einen ununterbrochenen Kampf um ihre Her-
       ausgabe führen  und ungeheure materielle Schwierigkeiten überwin-
       den. Hinzu  kamen die Hindernisse, die ihm die preußischen Behör-
       den in  den Weg  legten. (Siehe dazu den Brief von Marx an Engels
       von Mitte November 1848 sowie den Brief an das Redaktionsmitglied
       Ernst Dronke  vom 3.  Februar 1849.) Marx unterstreicht in seinen
       Briefen die  große politische  Bedeutung dieser Zeitung und nennt
       sie ein  Parteiunternehmen' "Aber  es galt, unter allen Umständen
       dies   F o r t   zu behaupten  und die  politische Stellung nicht
       aufzugeben." (Siehe vorl. Band, S. 129.)
       Die "Neue  Rheinische Zeitung"  spielte eine große Rolle im Kampf
       gegen die  Konterrevolution, in der Sammlung aller demokratischen
       Kräfte und  in der  politischen und ideologischen Entwicklung der
       proletarischen Revolutionäre;  sie  genoß  gewaltige  Popularität
       weit über  die Grenzen  der Rheinprovinz  und selbst Deutschlands
       hinaus. Davon  zeugen der Brief von Marx an Engels vom 29. Novem-
       ber 1848  sowie der  Brief von Engels an Marx aus der Schweiz vom
       7,/8. Januar 1849.
       Der  kämpferische  proletarische  Internationalismus  der  "Neuen
       Rheinischen Zeitung",  der sich  in dem unerschrockenen Eintreten
       von Marx  und Engels in den Spalten der Zeitung für die Verteidi-
       gung der  heroischen Teilnehmer  des proletarischen  Aufstands in
       Paris im  Juni 1848 gezeigt hatte, wurde von Marx selbst in einem
       im vorliegenden  Band erstmalig veröffentlichten Dokument festge-
       halten -  in seinem  Brief vom  30. Juni 1850 an den Vorsitzenden
       einer Versammlung  der Emigranten in London anläßlich des zweiten
       Jahrestages dieses Aufstandes. "Während die Junirevolution
       
       #XXIV# Vorwort
       -----
       von  allen   Kläffern  der  Bourgeoisklasse  angegriffen  wurde",
       schreibt Marx,  "habe ich  diese schrecklichen Tage, die für mich
       die größte Manifestation des Kampfes sind, den die Arbeiterklasse
       gegen  die   Kapitalistenklasse  führt,  öffentlich  verteidigt."
       (Siehe vorl. Band, S. 537.)
       1848/1849, während  ihres Aufenthalts in Köln, waren Marx und En-
       gels als Redakteure der "Neuen Rheinischen Zeitung" und als revo-
       lutionäre Führer  der Volksmassen  unaufhörlich polizeilichen und
       gerichtlichen Verfolgungen  ausgesetzt.  Schließlich  war  Engels
       genötigt, im  September 1848  aus Deutschland  zu emigrieren, und
       Marx, der  in Köln  geblieben war,  um die Herausgabe der Zeitung
       fortzusetzen, drohte  ununterbrochen die  Verhaftung  (siehe  die
       Briefe von Marx an Engels von Mitte November und vom 29. November
       1848 und den Brief von Engels an Marx vom 28. Dezember 1848).
       Die in  dem vorliegenden  Band veröffentlichten  Briefe und Doku-
       mente von  Engels, die in die erste (russische) Ausgabe der Werke
       von Karl  Marx und  Friedrich Engels nicht aufgenommen worden wa-
       ren, enthalten  interessantes und für den Forscher viel neues Ma-
       terial über  Engels' Tätigkeit  in der  Schweiz von  Ende Oktober
       1848 bis  Mitte Januar  1849. Engels  stellte in  der Zeit seines
       Aufenthalts in verschiedenen Städten der Schweiz, insbesondere in
       Lausanne und  Bern, enge  Verbindungen zu den örtlichen Arbeiter-
       und demokratischen  Organisationen her. Der von Engels um den 25.
       Dezember 1848  im Namen  der Zentralkommission der deutschen Ver-
       eine der  Schweiz an den Verein in Vivis geschriebene Brief zeugt
       davon, daß  Engels aktiv  am Kampf der fortschrittlichen Elemente
       der Arbeitervereine  gegen Tendenzen  lokaler Beschränktheit  und
       Isolierung teilnahm.  Das von  ihm im  Auftrag dieser  Kommission
       verfaßte Schreiben  an den Vorstand des Märzvereins zeigt Engels'
       Kampf für  die politische Selbständigkeit der Arbeitervereine und
       für  die  Herstellung  der  Aktionseinheit  aller  demokratischen
       Kräfte; sie  enthält zugleich eine scharfe Kritik an dieser Orga-
       nisation deutscher kleinbürgerlicher Demokraten und ihrer wankel-
       mütigen und unentschlossenen Politik. Die Gedanken, die in diesem
       Dokument zum  Ausdruck kommen, entsprechen den in den Spalten der
       "Neuen Rheinischen  Zeitung" veröffentlichten Artikeln "Der März-
       verein" sowie  "Der Frankfurter  Märzverein und die 'Neue Rheini-
       sche Zeitung'" von Marx.
       Anfang Juni 1849, nachdem unter den Bedingungen der Offensive der
       deutschen Konterrevolution  die  "Neue  Rheinische  Zeitung"  ihr
       Erscheinen einstellen  mußte, ging  Marx nach  Frankreich, wo  zu
       dieser Zeit  revolutionäre  Ereignisse  heranreiften.  In  seinem
       Brief an Engels vom 7. Juni
       
       #XXV# Vorwort
       -----
       1849 aus  Paris teilt Marx mit, daß er ständige Verbindung zu den
       Führern der französischen demokratischen und revolutionären Orga-
       nisationen unterhalte.  Engels erwähnt in einer Reihe von Briefen
       vom Juli/August  1849, daß  er am badisch-pfälzischen Aufstand in
       einer der  Freiwilligenabteilungen aktiv  teilnehme (siehe  seine
       Briefe an Jenny Marx vom 25. Juli 1849, an Schabelitz vom 24. Au-
       gust und  an Weydemeyer  vom 25. August desselben Jahres). In dem
       Brief an  Jenny Marx  mißt Engels dem Umstand besondere Bedeutung
       bei, daß,  nachdem er  den ganzen  Feldzug mitgemacht und an vier
       Gefechten teilgenommen  hatte, keiner der Führer der kleinbürger-
       lichen Demokraten mehr behaupten könne, die Redakteure der "Neuen
       Rheinischen Zeitung" hätten sich von den unmittelbaren revolutio-
       nären Kämpfen ferngehalten.
       So kennzeichnet der Briefwechsel von Marx und Engels aus den Jah-
       ren 1848/1849 ihre Tätigkeit als Führer der revolutionär-demokra-
       tischen und proletarischen Bewegung.
       Im August  1849, als  nach der  Niederlage der  kleinbürgerlichen
       Fraktion auch  in Frankreich die antidemokratischen und antirevo-
       lutionären Kräfte wieder überall dominierten, verfügte die Regie-
       rung der  Zweiten Republik die Verbannung von Marx nach Morbihan,
       einer sumpfigen  Gegend in  der Bretagne.  In dem Brief an Engels
       vom 23. August 1849 nennt Marx diese Maßnahme einen "verkleideten
       Mordversuch".
       Ende August  1849 war Marx gezwungen, nach London zu übersiedeln,
       wo er bis ans Ende seines Lebens geblieben ist. Aber auch in Eng-
       land erwies sich der Aufenthalt für Marx als bei weitem nicht un-
       gefährlich. Im  Mai 1850 übten die preußischen Behörden im Zusam-
       menhang mit  den  zahlreichen  Verhaftungen  von  Kommunisten  in
       Deutschland, die  1852 zum  Kölner Kommunistenprozeß führten, auf
       die englische Regierung einen Druck aus, mit dem Ziel, Marx' Aus-
       weisung aus  England zu  erreichen (siehe  die Briefe von Marx an
       Weydemeyer vom  8. Juni und 27. Juni 1850). Auch Engels war genö-
       tigt, nach England zu emigrieren, weil ihm in Deutschland Vergel-
       tungsmaßnahmen seitens  der preußischen  Machthaber wegen  seiner
       aktiven Teilnahme  an dem bewaffneten Aufstand in Südwestdeutsch-
       land drohten  (siehe den  Brief von Marx an Engels vom 23. August
       1849). Die  Verfolgungen der großen Führer des Proletariats durch
       die internationale  Reaktion wurden  auch in den folgenden Jahren
       fortgesetzt.
       In der  Londoner Emigration reorganisierte Marx gemeinsam mit den
       anderen Mitgliedern der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten
       den Bund und die Zentralbehörde, an deren Spitze er selbst stand.
       Im November 1849 traf Engels, der ebenfalls in die Zentralbehörde
       aufgenommen
       
       #XXVI# Vorwort
       -----
       wurde, in London ein. Wie die in dem vorliegenden Band veröffent-
       lichten Briefe  zeigen, leisteten die Begründer des wissenschaft-
       lichen Kommunismus  eine gewaltige  Arbeit zur  Wiederherstellung
       der verlorenen Verbindungen und zum Zusammenschluß der revolutio-
       nären Elemente im Bund der Kommunisten. Die Briefe von 1849/1850,
       insbesondere die  von Marx  und Engels  an Weydemeyer  vom  April
       1850, enthalten  Material über die Tätigkeit des von ihnen gelei-
       teten sozialdemokratischen  Flüchtlingskomitees,  das  aktiv  zur
       Vereinigung der  wahrhaft revolutionären Elemente der Arbeiterbe-
       wegung beitrug.
       Marx und Engels maßen dem Zusammenschluß der proletarischen Revo-
       lutionäre aller  Länder große Bedeutung bei und richteten in die-
       ser Periode  ihre besondere  Aufmerksamkeit auf die Festigung der
       Verbindungen zwischen dem Bund der Kommunisten und dem von Harney
       und Jones  repräsentierten revolutionären  Flügel des Chartismus.
       Die Briefe dieser Zeit zeugen von Marx' und Engels' ständiger Un-
       terstützung der  Bestrebungen der  revolutionären Chartisten, die
       Chartistenbewegung auf  einer  neuen,  sozialistischen  Grundlage
       wiederzuerwecken, von  der Hilfe,  die ihnen  Marx und Engels und
       ihre Kampfgenossen  aus dem  Bund der Kommunisten bei der Heraus-
       gabe von  Presseorganen, im  Kampf gegen  die reformerischen  und
       sektiererischen Strömungen  innerhalb des  Chartismus, die  seine
       Weiterentwicklung hemmten,  erwiesen. Marx'  und  Engels'  Briefe
       zeugen von  dem wachsenden  Einfluß ihrer  Ideen  auf  die  fort-
       schrittlichen Vertreter  des Chartismus,  in erster Linie auf Ge-
       orge Julian  Harney und Ernest Jones. In den Jahren 1850/1851 fe-
       stigt sich besonders die Freundschaft von Marx und Engels mit dem
       hervorragenden englischen proletarischen Revolutionär, dem Publi-
       zisten und Dichter Ernest Jones, der nach dem Übergang von Harney
       in das  Lager der  kleinbürgerlichen Demokratie  Anfang 1851  zum
       Hauptvertreter der  Ideen des  wissenschaftlichen Kommunismus  in
       der englischen  Arbeiterbewegung wird. "Jones", bemerkt Engels in
       dem Brief  an Ernst  Dronke vom  9. Juli 1851, "der überhaupt ein
       andrer Kerl  ist wie Harney, ist dafür ganz mit uns und exponiert
       jetzt den Engländern das 'Manifest'."
       Einen wichtigen  Platz nimmt  in den  Briefen von Marx und Engels
       aus den  Jahren 1849/1850 der Kampf für die Schaffung eines Pres-
       seorgans ein,  das die kämpferischen Traditionen der "Neuen Rhei-
       nischen Zeitung"  fortsetzen und zur Festigung der proletarischen
       Partei beitragen sollte. Schon am Vorabend seiner Abreise aus Pa-
       ris nach  London, in  dem Brief  an Engels  nach der  Schweiz vom
       23.August 1849,  fordert Marx  seinen Freund auf, nach England zu
       kommen, um gemeinsam ein eigenes Presseorgan herauszubringen.
       
       #XXVII# Vorwort
       -----
       Ein solches Organ wurde die Zeitschrift "Neue Rheinische Zeitung.
       Politisch-ökonomische Revue", die von Januar bis November 1850 in
       Hamburg erschien.  In dieser  Zeitschrift wurden äußerst wichtige
       Werke der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus veröffent-
       licht: "Die  Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850" von Marx,
       "Die deutsche  Reichsverfassungskampagne" und  "Der deutsche Bau-
       ernkrieg" von Engels und andere Arbeiten, in denen auf der Grund-
       lage der  historisch-materialistischen Analyse der Ereignisse die
       Ergebnisse der Revolution von 1848/49 zusammengefaßt, ihre Erfah-
       rungen verallgemeinert und die Taktik der revolutionären proleta-
       rischen Partei entwickelt wurden.
       Aus den  Briefen von Marx und Engels in dieser Periode wird deut-
       lich, wieviel  Kraft und  Energie sie darauf verwandten, die Her-
       ausgabe der  Zeitschrift zu  ermöglichen. So  wandten sie sich an
       ihre Kampfgenossen und Freunde in Deutschland und der Schweiz mit
       der Bitte,  zur Verbreitung  der Zeitschrift  beizutragen. In dem
       Brief an  Weydemeyer vom  19. Dezember  1849 ersucht ihn Marx, in
       die "Neue  Deutsche Zeitung" eine Anzeige über das Erscheinen der
       Zeitschrift zu setzen. In dem Brief an Freiligrath vom 10. Januar
       1850 berichtet Marx von den Plänen, die Zeitschrift allmählich in
       eine Halbmonats- und Wochenschrift und, wenn möglich, in eine Ta-
       geszeitung umzuwandeln,  und bittet  ihn, so  schnell wie möglich
       Geld zu  sammeln, das  für die  weitere Herausgabe  dieses Organs
       notwendig war.
       Breiten Raum nehmen in den Briefen von Marx und Engels die Fragen
       der Taktik  der proletarischen Partei nach der Niederlage der Re-
       volution 1848/49 ein.
       Im Sommer  1850 kamen  Marx und Engels zu dem Schluß, daß im Hin-
       blick auf den wirtschaftlichen Aufschwung seit 1848 eine neue Re-
       volution in  der nächsten  Zukunft nicht zu erwarten sei. Deshalb
       hielten sie  eine Überprüfung  der Taktik des Bundes der Kommuni-
       sten, eine  Änderung der Kampfformen für notwendig. Die neue Lage
       erforderte mühevolle  Arbeit zur Sammlung der Kräfte und zur Vor-
       bereitung proletarischer  revolutionärer Kader  auf die künftigen
       revolutionären Kämpfe.
       Einige Mitglieder  des Bundes  der Kommunisten  mit  Willich  und
       Schap-per an  der Spitze ignorierten jedoch die objektiven histo-
       rischen Bedingungen und traten gegen die taktische Linie von Marx
       und Engels  auf. Im  Zusammenhang mit diesen Meinungsverschieden-
       heiten kam  es am ^.September 1850 auf der Sitzung der Zentralbe-
       hörde des  Bundes der  Kommunisten endgültig  zur Spaltung, wobei
       die Mehrheit  der Mitglieder der Zentralbehörde auf die Seite von
       Marx und Engels trat.
       
       #XXVIII# Vorwort
       -----
       Der Kampf  innerhalb des  Bundes der  Kommunisten veranlaßte Marx
       und Engels,  besondere  Aufmerksamkeit  auf  die  Entlarvung  des
       Dogmatismus, Sektierertums  und Abenteurertums in der Arbeiterbe-
       wegung zu  richten. In  den Briefen  von Marx  und Engels aus dem
       Jahre 1851  wird festgestellt,  daß  die  Fraktionstätigkeit  der
       Gruppe Willich-Schapper  das Proletariat von der Aufgabe abhalte,
       die Kräfte für den zukünftigen Kampf zu sammeln.
       Entsprechend dem  am 15.  September 1850  in London  gefaßten Be-
       schluß wurde in Köln eine neue Zentralbehörde des Bundes der Kom-
       munisten gebildet, die bis Mai 1851 eine umfangreiche propagandi-
       stische und  organisatorische Arbeit  in Deutschland leistete und
       dazu eine  aktive und  vielseitige Unterstützung von Marx und En-
       gels erhielt.  Infolge der  Bedingungen der  illegalen Arbeit und
       der Verfolgungen durch die Behörden, die Ende 1852 im Kölner Kom-
       munistenprozeß gipfelten,  sind die  meisten Briefe  von Marx und
       Engels an  Roland Daniels, Georg Weerth, Joseph Weydemeyer, Hein-
       rich Bürgers,  Peter Gerhard  Röser, Ferdinand Freiligrath, Hein-
       rich Becker  und andere  nur fragmentarisch  oder meist gar nicht
       erhalten geblieben.
       Marx  und  Engels  traten  in  ihren  Briefen  scharf  gegen  die
       pseudorevolutionären Pläne  Willichs auf,  der im Herbst 1850 das
       abenteuerliche Projekt vorbrachte, unverzüglich die Revolution in
       Westdeutschland zu  organisieren, wobei  er die Mobilisierung der
       Landwehr im  Zusammenhang mit  dem Konflikt  zwischen Preußen und
       Österreich ausnutzen wollte. Marx und Engels, die stets das Spiel
       mit  revolutionären   Verschwörungen  verurteilten,  verspotteten
       rücksichtslos das  fruchtlose und  schädliche  Vorhaben  Willichs
       (siehe den  Brief von  Engels an  Dronke vom  9. Juli  1851). Die
       Briefe aus dem Jahre 1851 enthalten ein reiches Material, welches
       zeigt, daß  die Fraktion  Willich-Schapper nach  der Spaltung des
       Bundes der  Kommunisten sich der kleinbürgerlichen Emigration an-
       näherte und sich im Grunde genommen in ihr Anhängsel verwandelte.
       In dem  Brief an Hermann Becker vom 28. Februar 1851 und in einer
       Reihe anderer  Briefe zeigt Marx am Beispiel der politischen Evo-
       lution dieser  Gruppe, daß Fraktionsmacherei und Sektierertum un-
       vermeidlich zum  Absinken auf  antiproletarische Positionen,  zur
       ideologischen Abhängigkeit von der Bourgeoisie führen.
       Marx und Engels verwandten große Anstrengungen darauf, das Prole-
       tariat vor  den bürgerlichen  und kleinbürgerlichen Einflüssen zu
       schützen und  die Selbständigkeit  und die Reinheit der ideologi-
       schen und  taktischen Positionen des Proletariats zu verteidigen.
       Einer der  Träger eines solchen Einflusses war zu dieser Zeit die
       kleinbürgerliche Emigration. Daher ist es
       
       #XXIX# Vorwort
       -----
       kein Zufall,  daß im  Briefwechsel von  Marx und  Engels aus  dem
       Jahre 1851 auch eine scharfe Kritik an den verschiedenen Emigran-
       tencliquen (Ruge,  Kinkel, Heinzen, Struve, Louis Blanc und ande-
       ren) enthalten  ist. Marx  und Engels' enthüllen schonungslos die
       pseudorevolutionäre Tätigkeit  dieser Cliquen, die auf kleinliche
       Wortgefechte und  Zänkereien und auf die demagogische Spekulation
       mit Phrasen  über die Revolution hinauslief. Ihre Handlungen ver-
       ursachten, wie  Marx und Engels zeigen, einen ernsten Schaden für
       die  demokratische   und  Arbeiterbewegung,   störten   den   Zu-
       sammenschluß der  Arbeiterklasse und  konnten nur zum Verlust der
       Selbständigkeit der  proletarischen Organisation führen. Marx und
       Engels entlarvten  die Versuche  der Führer der kleinbürgerlichen
       Emigration, die  proletarischen Revolutionäre  zu verleumden  und
       sie ihres Einflusses auf das Proletariat zu berauben.
       Eine eindrucksvolle  Kennzeichnung der  Tätigkeit der Emigranten-
       cliquen und ihres abenteuerlichen Spektakels wird in zwei Briefen
       von Marx  an den  Frankfurter Journalisten  Ebner gegeben, die im
       August und  Dezember 1851  geschrieben wurden und im vorliegenden
       Band zum ersten Mal veröffentlicht werden. Die Materialien dieser
       Briefe wurden  von Marx und Engels zum Teil für die 1852 verfaßte
       Streitschrift "Die großen Männer des Exils" benutzt.
       Im Zusammenhang mit der Kritik an einem der Führer des Exils, dem
       italienischen bürgerlichen  Demokraten Mazzini,  entwickelt  Marx
       eine Reihe wichtiger Leitsätze über die nationale Befreiungsbewe-
       gung der  unterdrückten Völker.  In den Briefen an Weydemeyer vom
       11. September  und an  Engels vom 13.September 1851 verurteilt er
       Mazzini entschieden, weil dieser die Interessen der von den Guts-
       besitzern ausgebeuteten  italienischen Bauern ignorierte und dar-
       auf verzichtete,  die Bauernmassen in den Kampf für die nationale
       Befreiung und  Einigung Italiens  einzubeziehen. Nur  die  breite
       Teilnahme aller  arbeitenden Menschen  am nationalen  Befreiungs-
       kampf, hebt  Marx hervor,  kann diesem  Kampf wirkliche Kraft und
       wirklichen Elan  geben und seinen Sieg sichern. Marx weist in dem
       erwähnten Brief  an Weydemeyer darauf hin, daß "der erste Schritt
       zur Unabhängigkeitsmachung  Italiens die völlige Emanzipation der
       Bauern und  die Verwandlung ihres Halbpachtsystems in freies bür-
       gerliches Eigentum ist". (Siehe vorl. Band, S. 580.)
       In einer  Reihe von  Briefen von  Marx und Engels aus der zweiten
       Hälfte des  Jahres 1851  werden die  aus  Deutschland  erhaltenen
       Nachrichten von  den Verhaftungen  von Mitgliedern des Bundes der
       Kommunisten erörtert. Marx und Engels gaben ihrer Besorgnis wegen
       des Gerichtsverfahrens
       
       #XXX# Vorwort
       -----
       gegen die  verhafteten Genossen  Ausdruck und wandten ihre beson-
       dere Aufmerksamkeit dem Umstand zu, daß die abenteuerlichen Pläne
       der Spalterfraktion  Willich-Schapper und  anderer Emigrantencli-
       quen es  der Polizei  erleichterten, Provokationen  aller Art vom
       Zaun zu  brechen und  die Dinge  im Zusammenhang  mit angeblichen
       "kommunistischen Verschwörungen"  aufzubauschen (siehe  den Brief
       von Marx an Engels vom 28. Mai 1851). Marx und Engels unternahmen
       Schritte, um zur Entlarvung der Aktionen der preußischen Behörden
       und zur  Verteidigung der  verhafteten Mitglieder  des Bundes der
       Kommunisten in  der Presse  Beiträge  unterzubringen  (siehe  den
       Brief von Marx an Engels vom 1. Dezember 1851).
       Der Briefwechsel der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus
       aus  den   Jahren  1849-1851  zeigt,  welche  Bedeutung  sie  der
       Weiterentwicklung ihrer  revolutionären Theorie beimaßen; sie be-
       trachteten dies als wichtigste parteipolitische Aufgabe. Hauptge-
       genstand der  wissenschaftlichen Forschungen  von Marx wird jetzt
       die politische Ökonomie. Wenn bis 1848 die philosophische Begrün-
       dung des wissenschaftlichen Kommunismus und in den Jahren 1848/49
       die Ausarbeitung  der politischen  Ideen und  der  revolutionären
       Strategie und  Taktik Hauptinhalt der theoretischen Tätigkeit von
       Marx war,  so trat  in den  fünfziger Jahren  die Entwicklung der
       ökonomischen Lehre an die erste Stelle. Marx setzte verstärkt das
       Studium der  ökonomischen Literatur  und die  Ausarbeitung seiner
       ökonomischen Theorie fort, mit der er schon in den vierziger Jah-
       ren begonnen  hatte, als  er an  eine umfangreiche Arbeit "Kritik
       der Politik  und Nationalökonomie"  dachte (siehe  dazu den Brief
       von Marx  an Leske  vom 1. August 1846). Marx beabsichtigte, eine
       große Arbeit zu schreiben, die die Kritik der bestehenden Ordnung
       und  der  bürgerlichen  politischen  Ökonomie  zum  Inhalt  haben
       sollte. Der  Briefwechsel von  Marx und Engels aus dem Jahre 1851
       zeugt von  der gewaltigen  Arbeit, die  Marx bei der Sammlung und
       Sichtung des Materials für sein wissenschaftliches Werk leistete.
       Wie aus  dem Briefwechsel  klar wird,  studiert er  gründlich und
       allseitig die ökonomische Geschichte und die ökonomische Entwick-
       lung der  verschiedenen Länder, insbesondere Englands, das damals
       das klassische Land des Kapitalismus war. Zu dieser Zeit interes-
       sieren ihn  hauptsächlich Probleme  des  Grundeigentums  und  die
       Theorie der Grundrente, die Geschichte und Theorie der Geldzirku-
       lation und  der Preise sowie die Wirtschaftskrisen. So unterzieht
       Marx in  dem Brief an Engels vom 7. Januar 1851 zum erstenmal Ri-
       cardos Theorie  der Grundrente  einer Kritik  und spricht  einige
       Grundthesen seiner Rententheorie aus, und in dem Brief vom 3. Fe-
       bruar legt  er Engels  ausführlich seine Gedanken zur Theorie der
       Geldzirkulation dar. Engels seinerseits
       
       #XXXI# Vorwort
       -----
       beschäftigte sich  ebenfalls mit  ökonomischen Problemen  und war
       bemüht, Marx  bei der  Lösung einer Reihe theoretischer Fragen zu
       unterstützen. So  schrieb er am 12. Februar 1851 an Marx, daß ihn
       die ihm  von Marx  mitgeteilten neuen  Überlegungen zu den Fragen
       der Geldzirkulation  außerordentlich interessierten  und er  vor-
       habe, sie ernstlich zu überdenken.
       Beim Studium  der politischen  Ökonomie tauschte Marx ständig mit
       Engels  Überlegungen   zu  den   wichtigsten  Erscheinungen   des
       Wirtschaftslebens in England und anderen Ländern aus.
       Zu einem Hauptgegenstand der theoretischen Forschungen von Engels
       im Jahre 1851 wurden die Militärwissenschaften, besonders die Ge-
       schichte der  Kriegskunst. Schon die Erfordernisse des revolutio-
       nären Kampfes der Jahre 1848/1849 veranlaßten Engels, an das Stu-
       dium militärischer Fragen, in erster Linie der Taktik des bewaff-
       neten Aufstandes, zu gehen. Nach seiner Übersiedlung nach Manche-
       ster, Ende  1850, machte  sich Engels  an das  systematische  und
       gründliche Studium der Kriegswissenschaft. In dem Brief an Weyde-
       meyer vom 19. Juni 1851 bestimmte Engels die Gründe, die ihn dazu
       bewogen, folgendermaßen:  "Die enorme Wichtigkeit, die die partie
       militaire bei  der nächsten  Bewegung bekommen muß, eine alte In-
       klination, meine  ungarischen Kriegsartikel von der Zeitung" (der
       "Neuen Rheinischen  Zeitung") "her, schließlich meine glorreichen
       Abenteuer in  Baden, alles  das hat mich darauf geworfen, und ich
       will es  wenigstens so  weit in  der Geschichte  bringen, daß ich
       theoretisch einigermaßen  mitsprechen kann,  ohne mich zu sehr zu
       blamieren." Die  Briefe von  Engels zeigen,  welchen weiten Kreis
       von Quellen  und Literatur  er für das Studium der Geschichte und
       Theorie der Kriegskunst heranzog.
       Militärwissenschaftlich von  großem Interesse  ist der  Brief von
       Engels an  Marx vom  26. September  1851, in dem er einen Aufsatz
       des kleinbürgerlichen  Demokraten Techow,  "Umrisse des kommenden
       Krieges", kritisch untersucht. Der Brief enthält eine Analyse des
       vermutlichen Verhältnisses  der bewaffneten Kräfte der Revolution
       und der  Konterrevolution in Europa im Falle neuer revolutionärer
       Ereignisse. Engels  deutet hier  auch den  wichtigen Gedanken von
       den Besonderheiten  der Gliederung  revolutionärer Armeen und dem
       Charakter ihrer Kampfhandlungen an.
       In einer  Reihe von  Briefen gibt Engels Einschätzungen der Werke
       hervorragender  zeitgenössischer  Militärschriftsteller  (Napier,
       Savary u.  a.) und Charakteristiken der Tätigkeit einer Reihe von
       Heerführern (zum Beispiel Wellingtons).
       Der Briefwechsel  zwischen Marx und Engels vermittelt ein genaues
       Bild von  ihrer langjährigen schöpferischen Zusammenarbeit. Nicht
       selten
       
       #XXXII# Vorwort
       -----
       schlug Marx  Engels Themen  für neue Schriften vor. In dieser Be-
       ziehung ist  die Entstehungsgeschichte  von Engels'  Arbeit  "Die
       deutsche Reichsverfassungskampagne"  interessant. Aus  dem Brief-
       wechsel zwischen  Marx und Engels wird deutlich, daß Engels diese
       Skizzen auf  Marx' Rat schrieb. "Du hast jetzt die schönste Gele-
       genheit, eine Geschichte oder ein Pamphlet über die badisch-pfäl-
       zische Revolution zu schreiben", heißt es in dem um den 1. August
       1849 geschriebenen Brief von Marx an Engels. "Du kannst dabei die
       Stellung der  'Neuen Rheinischen Zeitung' zur Demokratischen Par-
       tei überhaupt  glänzend herausbeißen."  Engels entsprach sogleich
       dem Vorschlag  von Marx  und teilte  schon am 24. August 1849 dem
       Verleger Jakob  Schabelitz mit,  daß er  seine "Memoiren über die
       pfälzisch-badische Revolutionsposse" schreibe.
       Ein anderes  treffendes Beispiel  für die Zusammenarbeit zwischen
       Marx  und   Engels  ist  die  von  Engels  verfaßte  Artikelserie
       "Revolution und  Konterrevolution in  Deutschland". Anfang August
       1851 schlug Charles Dana, einer der Redakteure der fortschrittli-
       chen bürgerlichen  Zeitung "New-York Daily Tribune", Marx vor, an
       seiner Zeitung  mitzuarbeiten. Marx, der mit der Untersuchung von
       Problemen der politischen Ökonomie beschäftigt war, bittet Engels
       in dem Brief vom 8. August 1851, für diese Zeitung eine Reihe von
       Artikeln über  die deutschen  Verhältnisse zu schreiben. Bis Ende
       des Jahres schrieb Engels für die "Tribüne" die drei ersten Arti-
       kel dieser  Serie, die  in der  Zeitung  mit  Marx'  Unterschrift
       veröffentlicht wurden  (die übrigen Artikel wurden 1852 geschrie-
       ben). Bei  der Arbeit  an diesem  Werk stand  Engels in ständigem
       Meinungsaustausch mit  Marx, der  überdies die  Artikel vor ihrer
       Absendung an die Zeitung durchsah. Andererseits entstand die Idee
       zu der  Schrift "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte" von
       Marx unter  dem unzweifelhaften Einfluß eines Briefes von Engels,
       der am 3. Dezember 1851 geschrieben wurde und eine treffende Cha-
       rakterisierung des bonapartistischen Staatsstreichs in Frankreich
       vom 2.  Dezember 1851 enthält. Der Briefwechsel zwischen Marx und
       Engels beweist  die untrennbare  Einheit ihrer wissenschaftlichen
       und revolutionären Tätigkeit, die Unmöglichkeit, den Beitrag, den
       der eine  von ihnen zur Schaffung der Theorie des wissenschaftli-
       chen Kommunismus  leistete, von  dem des  andern isoliert  zu be-
       trachten.
       Der  in  diesem  Band  veröffentlichte  Briefwechsel  veranschau-
       lichtauch die Rolle von Marx und Engels als Führer und Lehrer der
       ersten proletarischen  Revolutionäre. Ihre Briefe zeigen, daß sie
       der theoretischen  Schulung und  der  Erziehung  der  Parteikader
       große Bedeutung  beimaßen und es für notwendig hielten, das zeit-
       weilige Abflauen der revolutionären Woge dafür
       
       #XXXIII# Vorwort
       -----
       auszunutzen (siehe  den Brief  von Engels  an Dronke  vom 9. Juli
       1851). In dem Brief an Marx, der um den 20. Juli 1851 geschrieben
       wurde, begrüßt  Engels freudig die Nachricht aus Deutschland über
       die Bildung  neuer Gemeinden  des Bundes der Kommunisten, weil in
       ihnen  neue   Kader  der   Partei,  ihr   neuer   und   stärkerer
       "Generalstab" heranwachsen.
       Der Briefwechsel  von Marx  und Engels zeigt anschaulich, daß sie
       von dem  Zeitpunkt an,  da sie den Weg des revolutionären Kampfes
       betraten,  von  einer  Gruppe  von  Freunden,  Kampfgenossen  und
       Gleichgesinnten umgeben  waren. Auf diese führenden Vertreter der
       Arbeiterbewegung stützten sich Marx und Engels in ihrem Kampf für
       den Aufbau der proletarischen Partei, gemeinsam mit ihnen wirkten
       sie in  den Revolutionsjahren  und in der schweren Zeit der Herr-
       schaft der Reaktion.
       Einen besonderen  Platz unter  den Kampfgenossen von Marx und En-
       gels nimmt Wilhelm Wolff ("Lupus") ein, mit dem sie eine langjäh-
       rige enge  Freundschaft verband.  In seinem  Brief  an  Marx  vom
       23./24. November  1847 äußert Engels über Wilhelm Wolff als einen
       der Führer  des Bundes  der Kommunisten  folgende  hohe  Meinung:
       "Aber dem Lupus muß die übertriebne Bescheidenheit absolut ausge-
       trieben werden.  Der brave Kerl ist einer der wenigen, die man in
       den Vordergrund  p o u s s i e r e n  muß." In den Jahren der Re-
       volution war  Wilhelm Wolff  Mitglied der  Redaktion  der  "Neuen
       Rheinischen Zeitung"  und einer  der hervorragendsten Mitarbeiter
       dieses revolutionären  Organs. Nach  seinem Eintreffen in London,
       im Sommer  1851, unterstützte  Wilhelm Wolff entschieden Marx und
       Engels im  Kampf gegen  die Intrigen der Sektierer und der Führer
       der kleinbürgerlichen Emigration (siehe den Brief von Marx an En-
       gels vom 13. Juli 1851).
       Aus den  Briefen von Marx und Engels geht hervor, daß sie während
       ihrer Emigrationsjahre  eine enge  Verbindung mit den Führern des
       Bundes der  Kommunisten in Deutschland - Roland Daniels, Heinrich
       Bürgers und  anderen -  aufrechterhielten. Daniels,  mit dem Marx
       eine alte  Freundschaft verband,  war der führende Kopf unter den
       Kommunisten in  Köln, was  aus dem  Brief von  Marx an ihn vom 7.
       März 1847  sowie aus  anderen Briefen ersichtlich ist. Mit diesem
       Revolutionär und  hervorragenden Wissenschaftler  stand  Marx  im
       Meinungsaustausch über  viele theoretische  Fragen, unter anderem
       über die  Rolle der Wissenschaft und des technischen Fortschritts
       in der zukünftigen kommunistischen Gesellschaft. "Die Kommunisten
       haben zu  zeigen", schrieb  Marx im Mai 1851 an Daniels, "daß nur
       unter kommunistischen  Verhältnissen die schon erreichten techno-
       logischen Wahrheiten praktisch werden können." (Siehe vorl. Band,
       S. 553.)
       
       #XXXIV# Vorwort
       -----
       Daniels' Verhaftung  durch die  preußische Polizei  im Juni  1851
       beunruhigte Marx  und Engels  stark (siehe die Briefe von Marx an
       Engels vom  16. Juni und 13. Juli 1851 sowie sein zwischen dem 4.
       und 8. Oktober 1851 geschriebener Brief an Daniels' Frau).
       Der Briefwechsel  von Marx  und Engels  enthält äußerst wichtiges
       Material über ihre Freunde und Gesinnungsgenossen, die Mitglieder
       des Bundes  der Kommunisten  Ferdinand Wolff, Ernst Dronke, Georg
       Weerth und  Ferdinand Freiligrath,  die 1848/1849 zum Redaktions-
       stab der  "Neuen Rheinischen  Zeitung" gehörten.  Aus den Briefen
       der Jahre  1850/1851 wird deutlich, daß zur Zeit der Auseinander-
       setzung zwischen den proletarischen Revolutionären und der klein-
       bürgerlichen  Emigration  die  deutschen  revolutionären  Dichter
       Weerth und Freiligrath Marx und Engels unterstützten (siehe z. B.
       den Brief von Marx an Müller-Tellering vom 1. Januar 1850 und den
       Brief von Marx an Engels vom 28. Mai 1851).
       Breiten Raum  nimmt in den Briefen der Jahre 1848-1851 die Korre-
       spondenz von  Marx und  Engels mit  dem hervorragenden proletari-
       schen Revolutionär  Joseph  Weydemeyer  ein.  Nachdem  Weydemeyer
       Mitte der  vierziger Jahre dem "wahren Sozialismus" seinen Tribut
       gezollt hatte, trat er schon vor der Revolution 1848/49 als über-
       zeugter Anhänger  des wissenschaftlichen  Kommunismus, als treuer
       Kampfgefährte von  Marx und Engels auf. In dem Brief an Marx, der
       um den  1. August  1851 geschrieben  wurde, schreibt  Engels über
       Weydemeyer als  über einen  der  hoffnungsvollsten,  erprobtesten
       Parteigenossen: "bei  W[eydemeyer] ist  man sicher, daß er le cas
       échéant doch  gleich bei der Hand ist". Auch Marx schätzte Weyde-
       meyer außerordentlich hoch ein.
       Während Marx und Engels den fortgeschrittenen Kämpfern des Prole-
       tariats ständige  Hilfe erwiesen,  sie entwickelten und schulten,
       kritisierten sie zugleich, wie ihre Briefe zeigen, diejenigen von
       ihnen scharf, die von der revolutionären proletarischen Linie ab-
       wichen.
       Die Briefe  von Marx aus den Jahren 1850/1851 wie auch die in den
       Beilagen veröffentlichten  Briefe seiner Frau zeigen die schweren
       materiellen Entbehrungen  und Nöte,  denen Marx und seine Familie
       in der  Londoner Emigration ausgesetzt waren. Ständige Entbehrun-
       gen, die  Drohung, wegen  Nichtzahlung von  Mietschulden auf  die
       Straße geworfen  zu werden, die Verfolgungen durch die Gläubiger,
       Krankheit und  Tod eines  Kindes -  alles dies machte Marx' Leben
       fast unerträglich  schwer und  behinderte seine wissenschaftliche
       Arbeit. Dazu  kamen die  Verleumdung und  die  Hetze  der  vielen
       feindseligen Cliquen  in der  kleinbürgerlichen  Emigration,  die
       Marx und Engels ihre konzessionslose ideologisch-politische Linie
       nicht
       
       #XXXV# Vorwort
       -----
       verzeihen konnten  (vgl. z.  B. den  Brief von Marx an Weydemeyer
       vom 2.  August 1851  sowie den Brief von Jenny Marx an Weydemeyer
       vom 20. Mai 1850).
       Der Briefwechsel zeigt anschaulich, daß unter den schweren Bedin-
       gungen des  Exils die  erprobte, langjährige Freundschaft von En-
       gels im  Leben von  Marx und  seiner Familie eine gewaltige Rolle
       spielte. Namentlich in dieser für Marx kritischen Zeit bewies En-
       gels wahrhafte  Selbstlosigkeit - er trat als Angestellter in die
       Firma Ermen  & Engels ein und wurde so für lange Jahre "ein Scha-
       chervieh", um  Marx die  Möglichkeit zu geben, seine ökonomischen
       Forschungen fortzusetzen.  "Ohne die  ständige aufopfernde finan-
       zielle Unterstützung  Engels' wäre Marx nicht nur außerstande ge-
       wesen, das  'Kapital' zu  beenden, er  wäre auch unvermeidlich in
       Not und  Elend zugrunde  gegangen." (W.I.  Lenin, Werke, Band 21,
       Berlin 1960, S. 37.)
       Der  ganze   Briefwechsel  zwischen   Marx  und  Engels  ist  ein
       bemerkenswertes Zeugnis  der tiefen Freundschaft, welche sie fürs
       ganze Leben verband und die "die rührendsten Sagen der Alten über
       menschliche Freundschaft  in den  Schatten stellt"  (W.I.  Lenin,
       Werke, Band 2, Berlin 1961, S. 12).
       Von den im zweiten Teil und in den Beilagen des vorliegenden Ban-
       des 27 veröffentlichten 120 Briefen erscheint etwa die Hälfte zum
       ersten Mal im Heimatland von Marx und Engels.
       Der Brief  von Marx  an Joseph Weydemeyer vom 4. Februar 1850 ist
       eine Rückübersetzung  aus dem  Russischen, da  das Original  sich
       nicht in unserem Besitz befindet.
       Einige der in die vorliegende Ausgabe neu aufgenommenen Dokumente
       stammen aus  den Jahren  1843/1844. Von diesen sind der Brief von
       Marx  an   Fröbel  und  seine  Erklärung  an  die  Redaktion  der
       "Allgemeinen  Zeitung",   die  das   Erscheinen  der  Zeitschrift
       "Deutsch-Französische Jahrbücher" betreffen (siehe vorl. Band, S.
       422/423), sowie  der Brief  von Marx  an Feuerbach vom 11. August
       1844, der  eine wichtige Bemerkung über die Verbindungen von Marx
       mit den Pariser Gemeinden des Bundes der Gerechten im Sommer 1844
       enthält, von besonderem Interesse. Neues Material über eine wenig
       erforschte Periode  der  Biographie  von  Engels  enthalten  zwei
       Briefe, die dieser Ende Dezember 1848 im Namen der Zentralkommis-
       sion der  deutschen Vereine  in der Schweiz geschrieben hatte und
       die Rolf Dlubek
       
       #XXXVI# Vorwort
       -----
       1960 erstmalig  veröffentlicht hat.  Von großem Interesse ist der
       Brief von  Marx an  Blind vom 17. Juli 1850, der neue Aufschlüsse
       über die  Tätigkeit des  Bundes der  Kommunisten im  Sommer  1850
       bringt.
       Die Materialien  der Beilagen vervollständigen die in diesem Band
       veröffentlichten Briefe  und sind von historischem und biographi-
       schem Interesse.  Unter diesen  Dokumenten befinden  sich  einige
       Briefe von  Jenny Marx  an Engels  und Weydemeyer, die im Auftrag
       von Marx  geschrieben wurden.  Die Beilagen  enthalten  auch  den
       ebenfalls im  Auftrag von Marx geschriebenen Brief des Mitgliedes
       des Bundes  der Kommunisten  Konrad Schramm  an Joseph Weydemeyer
       vom 8.  Januar 1850,  sowie ein Gesuch von Marx, das sich auf die
       Zeit seines  Aufenthalts in Belgien im Jahre 1845 bezieht. Einige
       dieser Materialien werden zum ersten Mal veröffentlicht.
       
                                    *
       
       Dieses Vorwort  zur 2.,  durchgesehenen und  verbesserten Auflage
       von Band  27 der deutschen Ausgabe folgt im wesentlichen dem Vor-
       wort zur zweiten russischen Ausgabe.
       Der Text des vorliegenden Bandes wird nach den Handschriften bzw.
       nach deren  Photokopien gebracht. Er wurde in dieser Hinsicht ge-
       genüber der  vorangegangenen 1.  Auflage  von  1963  noch  einmal
       gründlich überprüft,  und es konnten u.a. einige sinnentstellende
       Entzifferungsfehler  berichtigt   werden  (z.B.:  "Inlage"  statt
       "Zulage" auf  S. 530;  "Beleidigten" statt  "Beteiligten" auf  S.
       560; "Poltron" statt "Polterer" auf S. 564).
       Die von  Marx und  Engels angeführten  Zitate sind  - soweit  die
       Quellen zur  Verfügung standen - überprüft worden. Fremdsprachige
       Zitate und  fremdsprachige Sätze,  Satzteile oder  Wörter sind in
       Fußnoten übersetzt.
       Rechtschreibung  und   Zeichensetzung  sind,  soweit  vertretbar,
       modernisiert. Der  Lautstand und die Silbenzahl der Wörter wurden
       nicht verändert.  Es wurden  deshalb auch  Berichtigungen überall
       dort vorgenommen,  wo in dieser Beziehung Abweichungen vom Origi-
       nal festgestellt  werden konnten.  Allgemein übliche  Abkürzungen
       wurden beibehalten.  Alle anderen  im Original abgekürzten Wörter
       sind ausgeschrieben,  wobei immer  dann, wenn das abgekürzte Wort
       nicht völlig  eindeutig ist, die vorgenommene Ergänzung durch ec-
       kige Klammern  kenntlich gemacht  wird. Alle Wörter und Wortteile
       in eckigen  Klammern stammen  von der  Redaktion. Offensichtliche
       Druck- und  Schreibfehler wurden  stillschweigend korrigiert;  in
       Zweifelsfällen wird  in Fußnoten  die Schreibweise  des Originals
       angeführt.
       
       #XXXVII# Vorwort
       -----
       Die vollständig  in fremden  Sprachen geschriebenen Briefe wurden
       ins Deutsche  übersetzt  bzw.  bereits  vorhandene  Übersetzungen
       überprüft. Dabei blieben jedoch alle eingestreuten Wörter anderer
       Sprachen in  der Originalfassung. Sie werden in Fußnoten erklärt.
       Zusätze von  dritten Personen zu Briefen von Marx und Engels wer-
       den in kleinerem Druck gebracht.
       Pseudonyme sowie Bei- und Spitznamen sind entweder durch Fußnoten
       oder durch Verweise im Personenverzeichnis erklärt.
       Zur Erläuterung ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die im
       Text durch  hochgestellte Zahlen  in eckigen Klammern hingewiesen
       wird. Außerdem  sind ein  Literaturverzeichnis, ein  Personenver-
       zeichnis sowie  ein Verzeichnis  der literarischen und mythologi-
       schen Namen beigefügt. Fernerhin enthält der Band ein Verzeichnis
       der Briefe, deren Datierung von der in der Marx-Engels-Gesamtaus-
       gabe abweicht.
       Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED

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