Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


       zurück

       #182# 88 - Marx an Engels - 20. Februar 1866
       -----
       88
       
       Marx an Engels
       in Manchester
       
       [London] 20. Febr. 1866
       Lieber Fred,
       Du kannst  Dir denken, wie gelegen die £ 10 kamen. Ich hatte zwei
       Exekutionsdrohungen im Haus, für die Sau-Munizipaltaxes von 6 £ 9
       d. und  für die  Queen's Taxes 1*) von 1 sh. 16 d. Und der Termin
       verlief bis Freitag.
       Was die Karbunkel angeht, so steht es so:
       Von dem   o b e r n   hatte  ich Dir mit meiner langen Praxis ge-
       sagt, daß  er eigentlich   g e s c h n i t t e n   werden  müsse.
       Heute (Dienstag),  nach Empfang  Deines  Briefes,  nahm  ich  ein
       scharfes  Rasiermesser,   Relict   of   dear   Lupus   2*),   und
       s c h n i t t   d e n   H u n d   i n   e i g n e r  P e r s o n.
       (Ich kann  Ärzte nicht zwischen den Geschlechtsteilen oder in ih-
       rer Nähe  dulden. Im  übrigen stellt  Allen mir  das Zeugnis aus,
       that I  am one  of the best subjects to be operated upon 3*). Ich
       erkenne immer   d a s   N o t w e n d i g e  an.) Das sang brûlé,
       as Mrs.  Lormier says  4*), quillte, sprang vielmehr, hoch empor,
       und ich  betrachte diesen Karbunkel nun als begraben, obgleich it
       still wants some nursing 5*).
       Was den   u n t e r n   Hund  angeht, so wird er bösartig und ist
       a u ß e r   meiner Kontrolle  und hat  mich die ganze Nacht nicht
       schlafen lassen.  Geht diese Schweinerei voran, so muß ich natür-
       lich Allen  kommen lassen,  da ich unfähig bin, infolge des locus
       des Hundes,  ihn selbst  to watch and eure 6*). Im übrigen ist es
       klar, daß ich, on the whole 7*), von Karbunkelkrankheit mehr weiß
       als die meisten Ärzte.
       Was ich  übrigens dem Gumpert bei meinem letzten stay 8*) in Man-
       chester   a n g e d e u t e t,   ist noch meine Ansicht: nämlich,
       daß das  Jucken und Kratzen zwischen dem Hoden und dem Podex seit
       2 1/2 Jahren und das  A b s c h ä l e n  d e r  H a u t,  infolge
       davon, meinen  Körper mehr  aufreibt als irgend etwas andres. Die
       Sache fing  an 1/2 Jahr vor dem ersten Monster-Karbunkel, den ich
       auf dem Rücken hatte, und dauert fort  b i s  j e t z t.
       -----
       1*) staatlichen Steuern  - 2*) ein Andenken an den teuren Lupus -
       3*) daß  ich  eines  der  besten  Objekte  zum  Operieren  bin  -
       4*) verdorbene Blut,  wie Frau  Lormier sagt  - 5*) er noch etwas
       Behandlung erfordert  -  6*) zu  überwachen  und  zu  kurieren  -
       7*) alles in allem - 8*) Aufenthalt
       
       #183# 88 - Marx an Engels - 20. Februar 1866
       -----
       Lieber boy, unter allen diesen Umständen fühlt man more than ever
       9*) das  Glück solcher  Freundschaft, wie  sie zwischen  uns exi-
       stiert. Du  weißt Deinerseits, daß  k e i n e  Beziehung für mich
       so hoch gilt.
       Ich schicke  Dir morgen  "Zaches" [236] und "Factory Reports". Du
       verstehst, my  dear fellow  10*), daß  in einem Werke wie meinem,
       manche shortcomings  11*) im  Détail existieren  müssen. Aber die
       K o m p o s i t i o n,   der Zusammenhang,  ist ein  Triumph  der
       deutschen Wissenschaft,  den ein  einzelner Deutscher  eingestehn
       kann, da  es in  no way  12*) sein  Verdienst ist,  vielmehr  der
       N a t i o n   gehört. Dies  um so  erfreulicher, da  es sonst die
       silliest nation 13*) unter dem Sonnenlicht!
       Die Tatsache,  die Liebig  "denunziert" hatte, und die dem Schön-
       bein Anlaß zu seinen Untersuchungen gab, war diese:
       Die   o b e r n   Schichten des Bodens enthalten immer mehr Ammo-
       niak als  die  t i e f e r n,  statt daß sie, wären sie durch den
       Pflanzenbau ärmer daran geworden, weniger davon enthalten müßten.
       Das   F a c t u m  war von allen Chemikern anerkannt. Die Ursache
       allein  u n b e k a n n t.
       Bis dato galt Fäulnis als einzige Quelle des Ammoniaks. Alle Che-
       miker leugneten  (Liebig auch),  daß der  Stickstoff der Luft als
       Nahrungsstoff der Pflanzen dienen könne.
       Schönbein (durch Experimente) bewies, daß jede Flamme, die in der
       Luft brennt,  eine gewisse  Menge von  dem Stickstoff der Luft in
       salpetrigsauriges Ammoniak  überführt, daß jeder Verwesungsprozeß
       sowohl eine  Quelle von  Salpetersäure als  Ammoniak ist, daß die
       einfache Verdampfung  von Wasser  ein Mittel  ist, um die Bildung
       beider Pflanzungsnährstoffe zu bewerkstelligen.
       Schließlich Liebigs  "Jauchzen" über diese Entdeckung: "Durch die
       Verbrennung eines  Pfundes Steinkohle oder Holz empfängt die Luft
       nicht nur  die Elemente  wieder, um dieses Pfund Holz, oder unter
       Umständen  die   Steinkohle  wieder   zu  erzeugen,  sondern  der
       Verbrennungsprozeß verwandelt   a n   s i c h"  (merke die Hegel-
       sche Kategorie)  "eine gewisse Menge Stickstoff der Luft in einen
       für die  Erzeugung von  Brot und  Fleisch  unentbehrlichen  Nähr-
       stoff." [238]
       I feel  proud of  the Germans.  It is our duty to emancípate this
       "deep" people. 14*)
       Dein K. M.
       -----
       9*) mehr denn  je - 10*) mein alter Junge - 11*) Unzulänglichkei-
       ten - 12*) keiner Weise - 13*) einfältigste Nation - 14*) Ich bin
       stolz auf  die Deutschen.  Es ist  unsere Pflicht,  dieses "tief-
       sinnige" Volk zu emanzipieren.

       zurück