Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


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       #264# 135 - Engels an Marx - 11. November 1866
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       135
       
       Engels an Marx
       in London
       
       [Manchester] 11. Nov. 66
       86, Mornington Str.
       Lieber Mohr,
       Besten Dank  für die  "Free Press". Kannst Du mir die Nr. von Au-
       gust und September schicken? Ich habe sie nicht bekommen.
       Inl. die  2ten Hälften  der 30  Pfd. Ich  schickte Dir gern mehr,
       aber ich kann's wahrhaftig nicht. Ich will sehn, was ich nächsten
       Monat tun  kann, und am 31. Dez, werden wir wieder Bilanz machen;
       wenn die gut ausfällt, so läßt sich auch wohl noch was machen.
       Die Anzeige,  daß Manuskript  1*) abgegangen ist, wälzt mir einen
       Stein von  der Seele.  Endlich also  ein commencement d'exécution
       2*), wie  der Code  pénal sagt.  Hierfür trinke ich ein besondres
       Glas auf Dein spezielles Wohl. Das Buch hat sehr viel dazu beige-
       tragen, Dich  kaputtzumachen, ist es erst abgeschüttelt, so wirst
       Du auch wieder ein ganz andrer Kerl werden.
       Ich hoffe,  der Birch  hat den Port gestern noch abgeschickt, bin
       aber dessen  nicht so  sicher, jedenfalls  aber kommt  er  Montag
       abend oder Dienstag morgen sicher an.
       Die Preußen  bleiben Preußen.  Dafür, daß Twesten und Frenzel für
       die Indemnität  gestimmt, werden  sie wegen  Kammerreden belangt.
       [305] Man begreift solche Dummheit nicht, aber sie ist eben Prin-
       zip. Die  Wut der  Frankforter Borjer dauert noch immer fort, sie
       spielen jetzt  Polen, gehn in Trauer und tragen Krawatten mit den
       Frankfurter Landesfarben.  [289] Ein  preußischer Leutnant kam in
       Sachsenhausen in  ein Wirtshaus,  wo alles  besetzt war. An einer
       Ecke stand  jemand auf  und ging  fort, worauf  sein Nachbar  dem
       Leutnant den  leeren Stuhl zeigte, der aber dankte: er setze sich
       nicht gern  auf einen  warmen Stuhl.  Oh, sagte der andere, davor
       brauchen Sie  nicht bange  zu sein,  seit die  Preußen hier sind,
       geht uns allen der Arsch mit Grundeis.
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       1*) des ersten Bandes des "Kapitals" - 2*) Beginn der Ausführung
       
       #265# 135 - Engels an Marx - 11. November 1866
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       Über die Reichskriegsführung habe ich die wunderbarsten Geschich-
       ten hier  gehört von Augenzeugen. Solche Sachen sind noch nie da-
       gewesen. Z.B.  bei Höchst  sollten die  Nassauer eine Brücke über
       den Main  schlagen. Nachdem  sie einmal  wegen  S t u r m s  (ein
       Sturm auf  dem Main!)  nicht zustande  gekommen waren, fanden sie
       beim 2ten Versuch, daß sie  z u  w e n i g  P o n t o n s  hatten
       und nur  h a l b  über den Main wegbrücken konnten. Sie schrieben
       also nach  Darmstadt, man  solle ihnen einige Pontons pumpen, die
       dann auch  endlich ankamen,  und so  wurde die  Brücke  über  den
       fürchterlichen Strom  fertig. Gleich  drauf bekommen die Nassauer
       Befehl zum Abmarsch nach Süden. Sie lassen die Brücke stehn, ganz
       unbesetzt, und empfehlen sie nur der Obhut eines alten Schiffers,
       der sehen sollte, daß sie nicht den Main hinuntertriebe. Nach we-
       nigen Tagen  kamen die  Preußen, nahmen die fertige Brücke in Be-
       sitz, verschanzten sie und marschierten darüber!
       Dein F. E.

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