Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


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       #283# 147 - Engels an Marx - 4. April 1867
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       147
       
       Engels an Marx
       in London
       
       Manchester, 4. April 1867
       Lieber Mohr,
       Hurra! Dieser  Ausruf war  irrepressibel  1*),  als  ich  endlich
       schwarz auf  weiß las,  daß der I. Band 2*) fertig  i s t  und Du
       gleich damit  nach Hamburg  willst. Damit  der Nervus  Rerum  3*)
       nicht fehlt,  schicke ich  Dir inl.  sieben halbe Fünfpfundnoten,
       zusammen £  35, und  gebe die zweiten Hälften gleich nach Empfang
       des gewöhnlichen Telegramms auf. Den Wisch von Bucher [3239 - von
       diesem ist  er  s i c h e r  - laß Dich nicht grämen. Preußisches
       Polizeigeschwatz und  Literatenklatsch von der Couleur der neuli-
       chen Polenreisengeschichte.  [316] Ich  lege Dir einen Zettel bei
       an Meißner, damit Du auch mein Honorar 4*) erheben kannst.
       An der  Allianz zwischen  Bismarck und  den Russen ist auch nicht
       mehr der  entfernteste Zweifel.  So teuer  haben die  Russen aber
       ihre preußische Allianz noch nie erkaufen gemußt, ihre ganze tra-
       ditionelle Politik  in Deutschland  mußten sie zum Opfer bringen,
       und wenn sie nach gewohnter Weise sich diesmal einbilden sollten,
       das sei nur "momentan", so könnten sie sich doch höllisch schnei-
       den. Die  deutsche Einheit scheint schon jetzt trotz Reichsheule-
       rei etc.  sich darauf  anzulassen, dem  Bismarck und den gesamten
       Preußen über  den Kopf  zu wachsen.  Um so  rascher müssen sie im
       Orient voranmachen - die Russen nämlich die jetzige günstige Kon-
       stellation währt  sicher nicht  lange. Aber  wie groß muß die Fi-
       nanznot und wie schwerfällig der industrielle Fortschritt, s'il y
       en a  5*), in  Rußland sein,  daß die  Kerle noch immer, 11 Jahre
       nach dem  Krimkrieg, keine Eisenbahn nach Odesssa und Bessarabien
       haben, die  ihnen jetzt  zwei Armeen  aufwöge! Ich  glaube  daher
       auch, daß  es noch  dies Jahr  zum Klappen kömmt, wenn den Russen
       alles gut geht.
       Die Luxemburger  Geschichte scheint  denselben Verlauf  zu nehmen
       wie die  von Saarlouis  und Landau. [297] Bismarck hatte es gewiß
       1866 zum
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       1*) nicht zu unterdrücken - 2*) des "Kapitals" - 3*) Lebensnerv -
       4*) für die  Schrift: "Die  preußische Militärfrage und die deut-
       sche Arbeiterpartei" - 5*) wenn es ihn überhaupt gibt
       
       #284# 147 - Engels an Marx - 4. April 1867
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       Verkauf angeboten,  aber Louis  6*) scheint damals wirklich nicht
       zugegriffen zu  haben in  der Hoffnung,  später  noch  weit  mehr
       g e s c h e n k t   zu bekommen. Wie ich  p o s i t i v  w e i ß,
       hat der  preußische Gesandte Bernstorff vor ein paar Tagen zu dem
       7*) hanseatischen ditto (Geffcken) in London gesagt, er habe eine
       Depesche erhalten,  wonach Preußen in der luxemburgischen Angele-
       genheit unter  keinen Umständen nachgeben werde. Es ist dies die-
       selbe Depesche,  von der  die "Owl" spricht, daß sie England auf-
       fordre, im  Haag Vorstellungen zu machen, und die auch den Erfolg
       gehabt haben  sollen, daß  Holland sich  vom Handel zurückgezogen
       habe. Die Sache ist die, daß in der jetzigen Lage Bism[arck] auch
       nicht im entferntesten den Franzosen erlauben darf, deutsches Ge-
       biet zu annexieren, ohne seine ganzen Errungenschaften lächerlich
       zu machen.  Dazu hat  der alte  Esel Wilhelm 8*) doch auch einmal
       das Wort von "nicht  e i n e m  deutschen Dorf" ausgesprochen und
       ist persönlich  engagiert. Indes  ist es noch keinenfalls sicher,
       daß der  Handel nicht  doch noch zustande kommt; die "Köln[ische]
       Zeitung" schreit  ordentlich krampfhaft,  man  könne  doch  wegen
       Luxemburg keinen  Krieg anfangen und man  h a b e  gar kein Recht
       drauf, Luxemburg  sei nicht  mehr zu Deutschland zu rechnen usw.,
       so hundsföttisch wie noch nie.
       Bismarck  ist   zwar  kein   Faust,  aber   er  hat  doch  seinen
       W a g e n e r   9*). Die  Art, wie  dieser arme  Schlucker seinen
       Herrn und  Meister ins  Wagnersche übersetzt,  ist zum Totlachen.
       Neulich hatte  Bism[arck] wieder  ein Pferdegleichnis  gebraucht,
       und um  ihm auch  hierin nachzustreben, schreit Wagener am Schluß
       einer Rede:  Meine Herren,  hören wir auf, unsre Steckenpferde zu
       reiten, und   b e s t e i g e n   w i r  d i e  e d l e  V o l l-
       b l u t s t u t e   G e r m a n i a!  Montez Mademoiselle, sagten
       die Pariser zur Schreckenszeit. [326]
       Hoffentlich sind Deine Karbunkel jetzt ziemlich heil und wird die
       Reise dazu  beitragen, sie  ganz verschwinden  zu machen.  Diesen
       Sommer  m u ß t  Du mit diesem Kram fertig werden.
       Viele Grüße an die ladies und Lafargue.
       Dein F. E.
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       6*) Napoleon III.  - 7*) in der Handschrift: an den - 8*) Wilhelm
       I. - 9*) Hermann Wagener

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