Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


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       #303# 154 - Engels an Marx - 16. Juni 1864
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       154
       
       Engels an Marx
       in London
       
       Manchester, 16. Juni 1867
       Lieber Mohr,
       Ich bin  seit 8  Tagen durch  allerlei Krakeel mit Monsieur Gott-
       fried 1*) und andre derartige Geschichten und Störungen so deran-
       giert worden,  daß ich  nur selten  zum Studium der Wertform Ruhe
       hatte. Sonst  hätte ich Dir die Bogen 2*) längst zurückgeschickt.
       Bogen 2  namentlich trägt  ein etwas gedrücktes Karbunkelgepräge,
       das ist  aber nun  nicht mehr zu ändern, und ich meine, Du machst
       im Nachtrag weiter nichts darüber, denn der Philister ist doch an
       diese Art  abstrakten Denkens nicht gewöhnt und wird sie sich der
       Wertform zu  Gefallen sicher  nicht anquälen. Höchstens würde das
       hier dialektisch  Gewonnene etwas weitläufiger historisch nachzu-
       weisen, sozusagen  aus der  Geschichte die Probe darauf zu machen
       sein, obgleich  dafür das Nötigste auch schon gesagt ist; Du hast
       aber soviel  Material darüber, daß Du gewiß noch einen ganz guten
       Exkurs darüber  machen kannst, der dem Philister auf historischem
       Wege die Notwendigkeit der Geldbildung und den dabei stattfinden-
       den Prozeß nachweist.
       Du hast  den großen  Fehler begangen, den Gedankengang dieser ab-
       strakteren Entwicklungen nicht durch mehr kleine Unterabteilungen
       und Separatüberschriften  anschaulich zu machen. Diesen Teil hät-
       test Du behandeln sollen in der Art, wie die Hegelsche Enzyklopä-
       die, mit  kurzen Paragraphen,  jeden dialektischen Übergang durch
       besondre Überschrift hervorgehoben und womöglich alle Exkurse und
       bloßen Illustrationen  mit besondrer  Schrift gedruckt.  Das Ding
       würde etwas  schulmeisterlich ausgesehen  haben, das  Verständnis
       für eine sehr große Klasse Leser aber wesentlich erleichtert wor-
       den sein. Der populus, selbst der gelehrte, ist eben an diese Art
       zu denken  gar nicht mehr gewöhnt, und man muß ihnen da jede mög-
       liche Erleichterung zukommen lassen.
       Im Vergleich  mit der  früheren Darstellung (Duncker) 3*) ist der
       Fortschritt in der Schärfe der dialektischen Entwicklung sehr be-
       deutend, in der
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       1*) Gottfried Ermen  - 2*) des  ersten Bandes  des  "Kapitals"  -
       3*) Karl Marx: "Zur Kritik der Politischen Ökonomie"
       
       #304# 154 - Engels an Marx - 16. Juni 1864
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       Darstellung selbst gefällt mir manches in der ersten Gestalt bes-
       ser. Es  ist sehr schade, daß grade der wichtige zweite Bogen un-
       ter dem  Karbunkeldruck leidet. Daran ist aber nichts mehr zu än-
       dern, und  wer kapabel  ist, dialektisch  zu denken,  versteht es
       doch. Die  übrigen Bogen  sind sehr gut und haben mir viel Freude
       gemacht. Hoffentlich kannst Du mir bald wieder ein fünf bis sechs
       Bogen schicken (wobei ich bitte, Bogen 5 wieder beizulegen, damit
       ich richtig in den Faden komme), die hier einzeln gelesenen Bogen
       werden sich im Zusammenhang viel besser machen.
       Einige Druckfehler  hab' ich  noch entdeckt.  Ich würde  ins Ver-
       zeichnis nur die wirklich sinnentstellenden aufnehmen.
       Gestern war  ich bei Gumpert. Pauvre garçon! 4*) Er kommt täglich
       mehr herunter.  Es war  unmöglich, ihn  für irgend  etwas Wissen-
       schaftliches, nicht  einmal Politisches  zu interessieren. Stadt-
       klatsch, nichts  als Stadtklatsch. Und dabei wundert er sich, daß
       man nicht öfter zu ihm kömmt.
       Den Hofmann  gelesen. Die  neuere chemische Theorie mit all ihren
       Fehlern ein  großer Fortschritt  gegen die  frühere atomistische.
       Die Moleküle  als kleinster   s e l b s t ä n d i g e r    E x i-
       s t e n z   f ä h i g e r   Teil der Materie ist eine ganz ratio-
       nelle Kategorie, ein "Knoten", wie Hegel sagt, in der unendlichen
       Reihe  der  Teilungen,  der  sie  nicht  abschließt,  aber  einen
       qualitativen Unterschied  setzt. Das  Atom -  früher als Schranke
       der Teilbarkeit  dargestellt -  ist jetzt  bloß noch  ein  V e r-
       h ä l t n i s ,  obwohl Monsieur  Hofmann selbst  alle fingerlang
       wieder in die alte Vorstellung zurückfällt, es gäbe wirkliche un-
       teilbare Atome.  Im übrigen  sind die  in dem  Buch konstatierten
       Fortschritte der Chemie wirklich ungeheuer, und Schorlemmer sagt,
       daß diese  Revolution noch täglich vor sich geht, so daß man alle
       Tage neue Umwälzungen erwarten kann.
       Beste Grüße an Deine Frau, die Mädchen und den Elektriker [344].
       Dein F. E.
       5 Bogen heute zurück.
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       4*) Armer Kerl!

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