Quelle: MEW 31 Briefe Oktober 1864 bis Dezember 1867


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       #352# 182 - Marx an Engels - 4. Oktober 1867
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       182
       
       Marx an Engels
       in Manchester [381]
       
       [London] 4. Oktober 1867
       Dear Fred,
       Nach meiner  Rückkehr von Manchester [382] war ich fast bis jetzt
       bis zum  Fieberhaften schnupfenkrank.  Ich habe  mir den cold 1*)
       erwischt bei dem Eisenbahnmalheur.
       Da ich  Dir in  diesem Brief vielerlei, on public und private af-
       fairs 2*),  zu schreiben,  so, um  es nicht zu vergessen, beginne
       ich mit  dem  B u c h  3*). Du hättest allerdings lang in Tabelle
       C suchen können, um die Abnahme im Bau der Grünfrucht (p. 695) zu
       finden. Herr  Wigand hat C gedruckt statt B (p. 690), wo zu lesen
       steht, unter  Rubrik "Grünfrucht", daß von 1861-65  107 984 Acres
       außer Bebauung  geworfen wurden.  [383] Du  wirst  überhaupt  dem
       Druckfehlerverzeichnis p.  784 ansehn, daß Herr Wigand, um es auf
       die letzte  Seite zu  hängen, willkürlich  von p. 292 an dasselbe
       verkürzt hat.  Der Abschnitt  über  Irland  ist  allerdings  sehr
       flüchtig geschrieben,  könnte aber bei zweiter Auflage, mit weni-
       gen formellen  Änderungen, in Ordnung gebracht werden. Die Haupt-
       sache sind  die facts,  die in England selbst nicht bekannt sind.
       [360]
       Von Meißner habe ich nichts gehört. Dem Borkheim sagte Schabelitz
       (Basel), er  habe auf  5 Exemplare,  die er  für bar  bestellt, 5
       K o m m i s s i o n s e x e m p l a r e  verlangt, M[eißner] aber
       geantwortet, er  habe nicht  genug, um  ihm so  viele zukommen zu
       lassen für  Kommission. Doch mag dies auch nur diplomatisches Ma-
       növer von  Meißner sein.  Aus den einliegenden Zeilen Liebknechts
       (der, by  the by 4*), uns Ehre gemacht hat durch sein erstes Auf-
       treten in dem Reichstag [384], vide 5*) "Zukunft", Nr. 229 vom 1.
       Oktober) sehe  ich, daß  M[eißner] nicht   a l l e s   exakt aus-
       führt. Es  war abgemacht, daß er 1 Exemplar an Liebk[necht] und 1
       Redaktionsexemplar an Dr. Weiß ("Zukunft") schicke.
       Professor Beesly  ist nun  heimgekehrt, und ich werde dieser Tage
       von ihm  hören. Quant  à Siebel 6*),so möchte ich auch wissen, ob
       er die Exemplare,
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       1*) die Erkältung  - 2*) über  allgemein interessierende und pri-
       vate Dinge  - 3*) dem ersten Band des "Kapitals" - 4*) übrigens -
       5*) siehe - 6*) Was Siebel betrifft
       
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       1 für  sich, 1 für Rittershaus, erhalten? und was letzterer dafür
       geleistet hat?
       Ad vocem  7*) Vogt: In dem einliegenden Brief des Kugelmann wirst
       Du einiges  über den  V[ogt] finden.  [385] Nachdem Kugelmann ab-
       gereist und  die  Bande  ebenfalls  den  Borkheim  alle  geworden
       glaubte, fand eine letzte Versammlung der Deutschen statt, in der
       plötzlich Borkheim  erschien und  folgendem  Auftritt  beiwohnte.
       Herr Goegg  händigte dem Vizepräsidenten Büchner einen Wisch ein,
       worin er die bonapartistischen Gerüchte etc. über Vogt für falsch
       erklärt und  dem Manne, den er seit 20 Jahren kenne, ein testimo-
       nium virtutis 8*) ausstellt. Er verlangt, daß Büchner diesen Zet-
       tel unterzeichne, d.h. als ihm mitgeteilt, bescheinige. B[üchner]
       tat das  natürlich. Darauf  springt little  Beust auf, erklärt zu
       Papier, Goegg spreche nur eine in der Schweiz keineswegs geteilte
       Privatansicht aus  usw. usw.  Verlangt ditto Bescheinigung seines
       Protests von Büchner, die dieser gibt. So wurde das Manöver Vogts
       vereitelt. Wie tief der Kerl heruntergekommen!
       Andrer Incident  des Friedenskongresses! [366] Ludwig Simon kömmt
       zu Goegg:  "Warum habt  Ihr meinen Namen nicht mehr an die Spitze
       der Rednerliste  gerückt! Warum dem Borkheim vor mir das Wort ge-
       geben?" Goegg:  "Die Kerls - die Proletarier - hatten 4 unter den
       deutschen Vizepräsidenten. Um unsren Grün hereinzubringen und den
       Borkheim auf  seinen Platz  verzichten zu  machen, mußten wir ihm
       die Konzession  etc. machen!"  Kaum war das Wort dem Geck entfah-
       ren, als  er sich  umguckt und  zu seinem  Schrecken den Eccarius
       hinter sich schmunzeln sieht.
       Ad vocem  Stumpf: Es  ist möglich,  daß der Stumpf mich versteht,
       aber ich  verstehe den  Stumpf nicht. Vielleicht bist Du glückli-
       cher und  kannst ihm "die wissenschaftliche Reihe der Verelendung
       markieren" und  ditto "die  richtige Schlußfolgerung"  zu "Bewei-
       sen", die er in seiner Tasche hält und nicht mitteilt. Einliegend
       sein Brief. [386]
       Ad vocem Dronke: Borkheim hat einen Mann gesprochen zu Paris, der
       ganz genau  mit D[ronke]s  Verhältnissen  bekannt,  und  ihn  als
       "voleur"  9*)   bezeichnete.  Die  Kupfergesellschaft  hatte  dem
       D[ronke] Notiz  für Entlassung  seit einem  Jahr gegeben. Sie hat
       sich assoziiert  mit einer  Firma in  Glasgow und  braucht  daher
       nicht weiter englische Agentur. D[ronke], dicitur 10*), hat große
       "Unterschläge" in  dem  letzten  Jahr  begangen  und  sich  einem
       "peinlichen" Verfahren ausgesetzt. Ich hoffe, die Sache wird ver-
       tuscht.
       Ad vocem Collet: Um die einliegenden Curiosa zu erklären, folgen-
       des: das kleine Mädchen von C[ollet] (das Du kennst) und ihr noch
       jüngerer
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       7*) In bezug  auf -  8*) Tugendzeugnis - 9*) "Dieb" - 10*) wie es
       heißt
       
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       Bruder waren  vor einigen Tagen bei uns. Der Junge boxte sich mit
       Lafargue, der  ihn zuletzt auf dem Boden in demütigender Stellung
       hielt. Darauf  der Junge:  "Remember how you got on at Waterloo!"
       11*) Daher  diese komische  Korrespondenz, in dem das Mädchen den
       Bub dem Alten denunzierte.
       Collet hat  sich zurückgezogen von der "Dipl[omatic] Review", ob-
       gleich sein  Name noch  für diesmal  auf dem Blatt figuriert. Ich
       habe den  Redaktionswechsel gleich  gemerkt, indem  man mir nur 1
       copy zugeschickt  hat. Du  erhältst sie, sobald ich damit fertig.
       Es ist eine ganze dumme Nummer. Garibaldi wird als "gemeiner Ban-
       dit, Atheist,  fool 12*)  etc." gekennzeichnet, dagegen M. Dupan-
       loup, der  évêque 13*)  von Orléans, als der große Mann der Zeit.
       [387] Wird David 14*) schließlich nicht noch Katholik werden? Die
       Russen haben natürlich den Friedenskongreß zu Genf fabriziert und
       daher auch  ihren "well  worn out  agent Bakounine"  15*)  hinge-
       schickt. Es  scheint mir,  daß die "Diplomatie] Rev[iew]" aus dem
       letzten Loch pfeift.
       Ad vocem  International Association. Die Präsidentenwürde ist auf
       meinen Vorschlag  abgeschafft worden,  nachdem bereits  Odger zur
       Wiederwahl vorgeschlagen  war. [388]  - Fox, der großen Haß gegen
       Eccarius seit  dessen Rückkehr  [389] bei jeder Gelegenheit exhi-
       biert 16*),  gab Notiz für nächste Sitzung (Dienstag), daß er die
       "Times"-Artikel des  E[ccarius] [372],  zur  Zensur  des  Council
       17*), zur Sprache bringen werde: Ich, zur großen Verwunderung des
       Fox, gab  darauf ditto Notiz, ich würde den F[ox] nächsten Diens-
       tag interpellieren  über einen  "secret letter"  18*), den  er an
       Becker 19*)  geschrieben mit  der Aufforderung  "to do all in his
       power to  remove the  seat of  the Central  Council from  London"
       20*). [390]  Der Fox,  der aus caprices und crotchets 21*) zusam-
       mengesetzt ist,  bildet sich  ein, er  müsse  eine  "Oppositions-
       partei" im  Council gegen  die, wie  er sagt, "deutsche Diktatur"
       stiften. Er wird sich wundern über seine Erfolge in dieser line!
       Ad vocem  Borkheim: D'abord  diese facts.  22*) B[orkheim] sprach
       (oder las  vielmehr  von  seinem  Manuskript)  über  20  Minuten,
       während nur  10 reglementarisch  waren. Natürlich,  was Garibaldi
       und Edgar  Quinet, glaubte  auch er  sich herausnehmen zu können.
       Zweitens: Er  stieg auf  die Rednertribüne  in größter  Aufregung
       und, wie  Eccarius sagt, "ließ sich selbst nicht zu Wort kommen".
       Niemand verstand ihn. Man hörte nur die paar Stichworte
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       11*) "Denke dran,  wie es  Euch bei  Waterloo  ergangen  ist!"  -
       12*) Dummkopf -  13*) Bischof - 14*) David Urquhart - 15*) "recht
       abgedroschenen  Agenten   Bakunin"  -  16*) zur  Schau  stellt  -
       17*) Rats - 18*) "vertraulichen Brief" - 19*) Johann Philipp Bec-
       ker -  20*) "alles in  seiner Macht  Stehende zu tun, um den Sitz
       des Zentralrats aus London zu verlegen" - 21*) Launen und Grillen
       - 22*) Zunächst diese Tatsachen.
       
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       über Schulze-Del[itzsch],  wo Vogt  aufsprang  und  beide  Fäuste
       ballte, und über die Kosaken. Das war ein wahres Glück. Man hielt
       seine Rede  für bedeutend,  weil man sie  n i c h t  verstand. Er
       spielt daher,  sowohl in  "Times" [391]  als  der    f r a n z ö-
       s i s c h e n   Presse, eine  Art Rolle. Aber nun kömmt der draw-
       back 23*).  Dieser Narr  will seine  Rede deutsch, englisch, rus-
       sisch und in dem französischen Original drucken lassen. Letzteres
       liegt mir  nun vor.  [392] Er  sandte es  mir, damit  Lafargue es
       durchsehe. Mit  Ausnahme der  paar Stichworte,  die ich ihm souf-
       flierte, nicht  nur  g e s c h m a c k l o s e r  Kladderadatsch,
       sondern oft  reiner Blödsinn.  Und nun gar das Französisch! Z.B.:
       "Sans stultification  il  serait  impossible  de  discuter,  s'il
       faudrait d'abord  faire enlever la femelle Isabelle, faire sauter
       le mâle Bismarck ou faire s'évanouir l'agile hermaphrodite Beust.
       Il y a de grands orateurs, de profonds penseurs français, membres
       de cette  union, mais  fûssent-ils tous  des Mirabeaux achevés et
       des Descartes  consommés, les têtes allemandes seraient trop car-
       rées pour  le trouver  rond, qu'il  fût d'abord  et avant tout le
       gouvernement français,  l'abolition duquel introniserait l'ère de
       la paix internationale." Assez! 24*)
       Wie wenig er ahnte, welcher Art "sein Französisch", geht aus fol-
       gender Randglosse  hervor, die  er auf  das mir eingesandte Manu-
       skript schrieb:  "Bitte lassen  Sie doch  das schnell  von  Herrn
       Lafargue durchsehn,   e t w a i g e s  (!) schlechtes Französisch
       korrigieren am  Rande!" Ich war, of course, obliged 25*) ihm mit-
       zuteilen, daß  Lafargue ihn  sehn müsse,  da  er  die  "Wegstrei-
       chungen" (L[afargue] will von vornherein the first half 26*) ganz
       wegstreichen) und "Änderungen" ohne ihn nicht vornehmen könne. Er
       kömmt deswegen  heut abend  zu mir.  Lafargue zeigte mir außerdem
       fast in jedem Satz französischen commis voyageur slang 27*). Z.B.
       "Parlons rondement!" 28*)
       Private Affairs:  Ich habe  mit Borkheim  gesprochen, ob es nicht
       möglich, mir  in London  einen loan  29*) aufzutreiben von wenig-
       stens 100  £. Er  sagt ja, er wolle 1 Bürge sein, wenn Du der an-
       dre. Überhaupt müsse er aber vorher von Dir selbst über die Sache
       hören. Der status ist einfach dieser: Ich kann weder Band II fer-
       tigmachen, noch die Zeit zur Intrige für die englische
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       23*) die Kehrseite  - 24*) "Ohne  Verblödung wäre  es  unmöglich,
       darüber zu  diskutieren, ob man zuerst das Weibchen Isabella ent-
       führen, das Männchen Bismarck stürzen oder den flinken Hermaphro-
       diten Beust  beseitigen solle. Es gibt unter den Mitgliedern die-
       ser Gesellschaft  große Redner,  tiefe französische  Denker, aber
       wären sie auch alle vollendete Mirabeaus oder vollkommene Descar-
       tes, so  wären doch die deutschen Köpfe allzu quadratisch, um die
       Sache rund  zu finden,  daß es  nämlich zuerst  und vor allem die
       französische Regierung  ist, deren Sturz das Zeitalter des inter-
       nationalen Friedens  eröffnen würde."  Genug!  -  25*) natürlich,
       verpflichtet -  26*) die erste  Hälfte - 27*) Handlungsreisenden-
       jargon - 28*) "Rundheraus gesagt!" - 29*) ein Darlehn
       
       #356# 182 - Marx an Engels - 4. Oktober 1867
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       Ausgabe finden, noch überhaupt in England bleiben, wenn ich nicht
       Ruhe für  some weeks  at least  30*) unter  den  Manichäern  31*)
       schaffen kann.  Gelingt die  englische Transaktion  und  wird  in
       Deutschland, was  mir  leicht  scheint,  so  gearbeitet,  daß  2.
       Auflage [356] bald nötig, so ist die Krise überwunden.
       Dies verdammte  Jahr um so schlimmer, weil Lafargue bis jetzt bei
       mir, Laura im Frühling heiraten soll usw.
       Salut.
       Dein K. M.
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       30*) wenigstens einige Wochen - 31*) lästigen Gläubigern

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